Montag, 30. Juni 2014

Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie

Noch ein Smoothie? Dieses mal ist er wieder ein wenig grün-gelb, aber anders als der Labkraut-Zitronen-Smoothie gibt dieser hier keinen frischen Atem, dafür aber schöne Haut. Feuchtigkeit aus der Melone und die Gamma-Linolsäure aus den Nachtkerzen sorgen dafür, dass dieser Smoothie eine Wohltat für die Haut ist. Schönheit kommt von innen :-)

Überschaubare Zutaten für den Nachtkerzen-Smoothie. Fehlt nur noch etwas Wasser und ein Teelöffel Öl.

Zutaten für den Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie:

  • 1/2 Honigmelone, Gaia- oder Netzmelone
  • 5-10 Nachtkerzenblüten
  • 1 TL Öl (am besten Nachtkerzenöl; Sonnenblumenöl ist aber auch möglich)

In 5 Min ist dieser Hautschmeichel-Smoothie mit
Nachtkerzenblüten zubereitet.

Zubereitung:

Die Melone schälen und in grobe Stücke zerteilen. DI eKerne müssen nicht entfernt werden, die kann man mitmixen. Die Nachtkerzenblüten ausklopfen, da gern kleine Käfer in den Blüten sitzen. Alles im Mixer mit etwas Wasser  2-3 Minuten mixen.


Sonstiges:

Nachtkerzenblüten sind extrem schnell verwelkt. Ich hab gute Erfahungen mit der Lagerung der Blüten in Plastiktüten gemacht, die ich aufgeblasen und dann mit einen Klipp luftdicht verschlossen habe. Die Blüten halten sich so im Kühlschrank wenigstens eine Nacht, sollten dann aber spätestens am nächsten Tag verbraucht werden.

Sonntag, 29. Juni 2014

Giersch-Pesto - ein echtes Unkrautgourmet-Rezept

Pestos aus Wildkräuter sind schnell zubereitet und grade das Giersch-Pesto kommt mit einem Minimum an Zutaten zum maximalen Geschmack. Ein echtes Unkrautgourmet-Rezept, denn grade Giersch wird von in vielen Gärtnern als echte Plage bezeichnet. Definitionssache. Für Wildkräuterfans ist es echtes Gemüse :-)

Zutaten für ein leckeres Pesto aus dem Wildkraut Giersch: Gehackte Mandeln, Salz, Pfeffer, Parmesan, Öl und natürlich Giersch.


Im Mörser werden die Zutaten zerkleinert und vermengt.
Im Topf gebändigt oder verarbeitet -
so ist Giersch kein Ärgernis :-)

Sammeltipp:

Jetzt Ende Juli sind die älteren Blätter des Giersch leider kaum mehr für Pestos zu gebrauchen. Die Blüte ist auch fast vorbei und die älteren Pflanzenteile sind zäh und ledrig. Wer den Giersch aber immer mal wieder mit dem Rasenmäher überfährt, kann ganzjährig junge, zarte Blätter ernten. Die jungen Bätter erkennt man daran, dass sie noch glänzen. Wer aber beißfreudig ist kann auch etwas ältere Blätter noch verarbeiten. Der Geschmack ist der selbe, die Konsistenz aber "ledriger".


Zutaten für das Giersch-Pesto:

  • 60 g Giersch (das sind ca 2-3 handvoll)
  • 40 g fettfrei angeröstete, gehackte Mandeln oder Sonnenblumenkerne
  • 75 g geriebener Parmesan
  • 150 ml Raps- oder Ölivenöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Gierschblätter feinhacken, dann im Mörser mit Mandeln und Parmesan zerreiben. Anschließend mit so viel Öl verrühren bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist und mit Salz und Pfeffer nach Geschmack würzen. Wer es kräftiger mag erhöht die Parmesan-Menge.
In Ermangelung eines Mörsers kann man das Pesto auch mit dem Pürierstab zubereiten, dann aber nur kurz anpürieren, sonst wird das Pesto zu musig.

Sonstiges:

  • Giersch-Pesto passt zu vielen Anlässen: Als Topping auf Kräcker, zu gekochten Kartoffeln, als Nudel-Pesto oder einfach rustikal aufs Brot...
  • Vollständig mit Öl überdeckt hält es sich im Schraubglas einige Wochen im Kühlschrank. Das Pesto auf dem Bild gibt es schon lange nicht mehr. Das wurde noch am selben Tag unter Spagetti gerührt. Schade. Nun muss ich wieder warten bis frischer Giersch sprießt.

Samstag, 28. Juni 2014

Das Geheimnis des Mädesüß

Zu manchen Pflanzen fühlt man sich magisch hingezogen, so wie zum Mädesüß. Schon als kleines Mädchen hab ich jene fluffigen Blütenrispen geliebt, die so herrlich nach Kaugummi riechen. Der Geruch stammt von den ätherischen Ölen. Und gleich zwei weitere Inhaltsstoffe machen das Mädesüß so besonders: Vanillin und Salicylsäure.

Mädesüßtee und die Salicylsäure

Ein Tee aus den Blüten ist dank der Salicylsäure ein wenig mit einem Schmerzmittel vergleichbar, das oft als wesentlichen Wirkstoff  Acetylsalycilsäure enthält. Deswegen bringt ein Mädesüßblütentee Linderung bei fiebrigen Erkältungskrankheiten, Grippe und rheumatischen Erkrankungen.

Zubereitung des Mädesüßtees:

Dafür setzt man 1 Tl Blüten (oder 2 TL getrocknetes Kraut, das weniger Salicylsäure enthält) mit 1/4 l kochendem Wasser an und lässt den Tee 10 Minuten ziehen. 2 Tassen am Tag reichen und schmecken mit Honig gesüßt vor allem kranken Kindern.

Der Tee unterstützt aber auch die Ausscheidung über die Niere und galt deswegen auch von Alters her schon als Nierenmittel. Wer davon 4 Tassen am Tag trinken kann, kann mit Mädesüßtee auch eine Blutreinigungskur machen.

Tatsächlich war Mädesüß zusammen mit der Weide, eine der ersten bekannte Quelle, aus der man das Schmerzmittel Aspirin synthetisiert hat. Da es Menschen gibt, die Salicylsäure, den Hauptwirkstoff des Aspirins, nicht vertragen, ist die Anwendung von Mädesüßtee nicht für jeden geeignet.

Äußerliche Anwendung von Mädesüß-Kosmetik

Auch äußerlich lässt sich Mädesüß verwenden: Gerade wer jetzt im Sommer oft unter geschwollen Füßen leidet, kann ein Fußbad oder Kompressen mit Mädesüß versuchen. Dafür kann der oben angegebenen Tee in größerer Menge und in stärkerer Dosierung angesetzt werden.

Ein Rezept für eine straffende Gesichtslotion mit Mädesüß:

Eine Handvoll Mädesüßblüten werden in 150 ml Wasser gekocht, so lange ziehen lassen, bis das Wasser kalt ist. Anschließend abfiltern,  mit 100 ml Hamameliswasser verrührt und in Flaschen gefüllt.

Und woher hat das Mädesüß seine Namen?

Das bleibt wohl das Geheimnis dieser Pflanze. "Süß" kommt ganz klar vom süßen Duft, den das Mädesüß verbreitet. Aber "Mäde"? Man munkelt, das ist ein Wortbestandteil, der sich sowohl von "Met", als auch "Mede" ableiten lässt.
Met war jener altgermanischen Honigwein, den unsere Vorfahren wohl auch mit Mädesüß aromatisiert haben. Auch heute wird mit Mädesüß Milch, Sahne, Wasser und auch Wein aromatisieren, wie im "Mädesüß stirred" oder dem Mädesüßpudding vorgestellt. Das Vanille-Aroma  und die ätherischen Öle übertragen sich auf die Flüssigkeiten und geben ihnen ein ganz besonders lieblich-süßes Aroma.
Auf der anderen Seite ist "Mede" ein alter Begriff für Grasland. Beim Trocken von mädesüßhaltiger Maht, riecht diese ebenso süß - im englischen auch "meadow sweet" bezeichnet. Meadow = Wiese. Moment. Mead? Wenn man das so liest, wie es da steht: M E A D, kommt man schnell zu "Mäde".
Von Mädchen kommt Mädesüß also nicht. Oder doch? Die Bauersburschen lagen bestimmt gerne mit ihren süßen Mädchen im lieblich duftenden Heu und im Mädesüß, nachdem sie das Gras gesennst und gerauft haben.  Vielleicht haben Mede und Mädchen im Mädesüß zusammengefunden...Wie auch immer: Das Mädesüß wird sein Namens-Geheimnis wohl ewig wahren.

Freitag, 27. Juni 2014

Milchshake mit Mädesüß - der "Mädesüß stirred"

Vanille? Schoko? Banane? Vergiss das alles!
Mädesüß gibt diesem Shake seinen
unvergleichlichen Geschmack.
Das Mädesüß duftet vor sich hin. Bei uns im Oberrheingraben ist das herrliche Kraut nun in voller Blüte. Da ich fast täglich an einem Stelle vorbeilaufe, an der Mädesüß wächst, komm ich kaum umhin, mir hin und wieder einen Blütenstängel diese betörend duftendes Gewächses abzupflücken. Aber nur dran schnüffeln und wegwerfen, das gibt es bei mir nicht. Bei mir landet alles erst mal in der Pfanne, im Topf, auf dem Teller oder wie hier, im Glas. Eines meiner Lieblingsrezepte, weil es so wunderbar einfach ist, ist der Milchshake mit Mädesüß...obwohl - geschüttelt wird eigentlich gar nicht, eher gerührt, sozusagen ein "Mädesüß stirred"

Zutaten für den "Mädesüß stirred": 

  • 1/2  l Milch
  • 3 Mädesüßblütenrispen
  • 1 EL Zucker


Zubereitung:

Die Blüten in die Milch geben und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Die Blüten herausnehmen, die Milch durch ein Sieb streichen und  je nach Geschmack mit Zucker süßen, umrühren. Die Milch mit einem Milchaufschäumer aufschäumen und servieren.




Donnerstag, 26. Juni 2014

Mädesüßpudding

         Mädesüß hat einen sehr intensiven,
         süßen Geschmack - perfekt für Desserts.      
Mädesüß ist eine der Pflanze, die erst jetzt, Ende Juni / Anfang Juli in die Blüte geht. Zu finden ist die meist an Ufer oder auf Au-Wiesen oder ähnlich feuchten Standorten.  Ich hab sie als "Kaugummi-Pflanze" schon als Kind geliebt. Ihr Geruch ist süß-würzig und erinnert stark an Zahnpflegekaugummis. Die Besonderheiten des Mädesüß könnt Ihr demnächst unter Pflanzenpower nachlesen. Doch erst mal wird gegessen - oder besser: genascht :-). Diesmal einen Dessert: Mädesüßpudding.



Zutaten für Mädesüßpudding

  • 8 Blütenstände vom Mädesüß
  • 400 ml Sahne
  • 4 Blatt Gelatine
  • 3 El Zucker


Zubereitung:

Die Menge der Zutaten für
Mädesüßpudding sollte verdoppelt
werden,  dann gelingt sie einfach besser.
Die Blüten abzupfen und in 200 ml Sahne mit dem Zucker kurz aufkochen und mindestens 30 min ziehen lassen (geht auch über Nacht, dann ist der Geschmack sehr intensiv). Die Sahne durch ein Sieb gießen und noch mal kurz erwärmen. Die Gelatine einweichen, ausdrücken und in der warmen Sahne auflösen. Wenn die Gelatine anzieht, die andere Hälfte der Sahne aufschlagen und unter die Creme heben. Wer mag kann die Creme in einen Spritzbeutel füllen und dekorativ anrichten. Dafür eigenen sich Johannisbeeren sehr gut.


Mädesüßpudding mit Schokoladenraspeln - muss ja nicht immer Vanillepudding sein.

 

Sonstiges:

Im Bild habe ich das Rezept lediglich mit der Hälfte der Zutaten bereitet, was ein wenig schwierig war, da 100 ml Sahne mit Mädesüß schwer aufzukochen  und aufzuschlagen sind (es bleibt fast nichts mehr übrig im Topf nach dem Erwärmen). Deswegen ist der Pudding weniger "fluffig" geworden, als gewohnt. Lecker war es dennoch - nur leider viel zu schnell aufgegessen :-(

Mittwoch, 25. Juni 2014

Kleeblütenknödel auf Kleeblütensoße

Etwas Besonderes aus etwas Gewöhnlichem: Kleeblütenknödel mit Kleeblütensoße.
Zugegeben, die Knödelmasse hätte etwas weniger "grobschlächtig" ausfallen können. Das nächste Mal wirds feiner. :-)
Das Umweltbundesamt hat gestern eine Pressemeldung herausgegeben, dass auswärtiges Essen aufgrund der weggeworfenen Essensreste erheblichen Umweltschaden anrichtet. Nun, dieses Rezept verwertet überwiegend Reste und bedient sich an der heimischen Natur direkt vor der Haustür. Ökobilanz? Ich denke die wäre gar nicht so schlecht. Auswärtig Essen? Mir geht da immer gleich "Haute cuisine" durch den Kopf. Also denn: Darf es heute etwas Besonderes sein? Wie wäre es mit Kleeblütenknödel auf Kleeblütensoße - ließe sich auch "feine Brotknödel gefüllt mit Rotkleeblüten an karamelisierten Weißkleeblüten in Wiesenhonig" nennen, aber das klingt so geschwollen für ein doch so durch und durch bodenständiges Gericht aus Brotresten und dem, was da auf der Wiese wächst: Klee.

Zutaten für Kleeblütenknödel aus Kleeblütensoße:

Simple Zutaten und delikates Ergebnis -
so muss Naturküche sein.
  • 2 Handvoll Kleeblüten gemischt (Rotklee, Weißklee)
  • 4 Brötchen vom Vortag
  • 100 ml Sahne
  • 3 EL Butter
  • 2 Eier
  • 2-3 EL Zucker
  • 1/2 l Milch
  • 1 EL Honig (wer hat nimmt Kleeblütenhonig)
  • 1/2 Glas Apfelsaft
  • ein Spritzer Zitronensaft


Zubereitung:

In der Mitte der Knödel wird eine Rotkleeblüte eingearbeitet.
Für die Knödel die Brötchen kleinwürfeln und fettfrei in einer Pfanne kurz rösten. 1 EL Butter in der der Sahne schmelzen lassen und zu den Brötchenwürfeln geben. Zucker und Eier dazu geben und das Ganze durchkneten, bis eine formbare Masse entsteht. Ist der Teig zu suppig lassen sich Semmelbrösel unterkneten. Dann die Knödel formen und in die Mitte eine komplette Rotkleeblüte einarbeiten. In einem Topf die Milch zum Kochen bringen und die Knödel hineingeben. Vom Herd nehmen und 10 min zugedeckt ziehen lassen.
Die Knödel in Form gebracht und nun ab ins Milchbad.
In dieser Zeit wird die Soße angefertigt. Dafür die übrigen Kleeblüten zupfen - das ist mit Abstand  der zeitaufwändigste Teil für die Zubereitung dieses Gerichts. In einer Pfanne den Honig erhitzen und die Kleeblüten drin kurz köchlen lassen, dann Apfelsaft und Zitronensaft zugeben und die übrigen 2 EL Butter einrühren und schmelzen lassen.
Die Knödel aus der Milch fischen, auf einen Teller geben, mit der Soße anrichten und stilecht mit Kleeblüten dekorieren.

Sonstiges:

Die Kleeblütensoße ist in 2 min gemacht -
wenn nur das Zupfen der Kleeblüten nicht wäre.
In diesem Kochgang ist die Knödelmassen etwas grob geworden - macht nichts, so sehen meine Knödel immer wieder anders aus. Wer mag kann die Brötchen statt zerschmeiden auch zermahlen und dem Teig noch weitere 2 Handvoll gezupfter Kleeblüten zugeben. Dadurch erhält der Knödel noch einmal eine ganz andere Textur. Wichtig dabei ist, die in den Teig gegebenen Kleeblüten vorher etwas weich zu kochen. Dafür kann man die Honigmenge aus der Soße verdoppel und alle Kleeblüten hineingeben. Nach kurzem Aufkochen die Hälfte der Blüten herausnehmen und in die Knödelmasse einkneten. Dadurch werden die Knödel an sich noch etwas süßer, was vor allem Kinder freuen wird, allerdings muss man die Soße vor den Knödeln zubereiten, was an sich nicht Schlimm ist, aber einfach den Zeitaufwand  in der Küche verlängert.
Wer als Honig Kleeblütenhonig verwendet macht das Gericht zu einem Glückrezept. :-)
Die Milch im Anschluss nicht weggießen, sondern durch ein Sieb gießen und von den herumschwimmenden "Knödelklümpche" befreien. Dann geht Mädesüß sammeln und ich zeige Ech wie man einen "Mädesüß stirred" mixt.
   




Dienstag, 24. Juni 2014

Was hat die Möhre mit dem Mohren zu tun?

Der "Mohr ist der Mitte" ist das Geheimnis des Namen "Möhre" und das ist wörtlich zu nehmen. Man findet diesen "Mohren", wenn man sich die Blütendolde einer wilden Möhre (Daucus carota) mal genauer anschaut. Die Blüte ist in Wahrheit eine Dolde, zusammengesetzt aus vielen kleinen Einzelblüten, die in perfekter Symmetrie um die Doldenmitte angeordnet sind. Und tatsächlich! In der Mitte der Blüten sind immer 1-5 dunklere Blüten zu finden.
Eine bessere Eselsbrücke die wilde Möhre zu erkennen als den "Mohr in der Mitte" gibt es kaum.

Die Blütendolde der wilden Möhre besticht durch ihre symmetrische Form. Von wegen Natur ist chaotisch.
Im Winter schließen sich die Fruchtstände dann becherförmig zusammen.


Frodos Brennnessel-Sülze mit Blüten von wilder Möhre

Frodos Brennnessen-Sülze mit Blüten von wilder Möhre  - fressen Wachteln eigentlich Brennnesseln?
Brennnesseln und Wachteleier - manchmal haben Rezepte ihre ganz eigene Geschichte. So wie dieses: Im tiefen Odenwald, da wohnt ein Wachelhahn Names Frodo. Der Besitzer desselbigen ist "geistige Hebamme" des Unkrautgourmets und hat mich mit seiner netten Art zu diesem Blog angestiftet. In weiteren Gesprächen war dann Frodo und seine Hennen Thema, was mich prompt zu diesem Rezept inspirierte. Netterweise stiftete mir der Wachelhahnbesitzer auch noch die Wachteleier für meine Versuchsküche - völlig unentgeldlich. Schön dass es solche Menschen noch gibt. Ohne ihn würde es diesen Blog nicht geben und ohne Wachtelhahn Frodo diese Rezept nicht. Doch da sich beide bester Gesundheit erfreuen, hier nun ein echtes experimentelles Wiesen-und-Wachtel-Rezept: eine Brennnessel-Sülze mit Blüten von wilder Möhre. Dem Hahn zu Ehren bekam die Sülze seinen Vornamen. Möge er noch lange auf seine Hennen aufpassen.
Weiter Erkenntnisse zu dieser Gaumenfreude könnt Ihr unten bei "Sonstiges" nachlesen.

Zutaten für Frodos Brennesselsülze mit Blüten von wilder Möhre:

Die Zutaten für die Wildkräuter-Sülze mit Wachteleiern sind übersichtlich. Nicht im Bild: Salz, Pfeffer, Wasser, Butter und ein zweites Päckchen Gelatine.
  • 2-3 Handvoll junger Brennnesselblätter
  • 6-10 Blüten der wilden Möhre
  • 350 g Karotten
  • 1 rote Paprika
  • 1 El Butter
  • 2 Päckchen Sofortgelatine (oder entsprechende Menge Blattgelatine für 1 l Flüssigkeit)
  • 1 l Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer zum Würzen
  • 10 Wachteleier (hartgekocht auf 3 min)

Eine mit Frischhaltefolie ausgelegte Backform von einem Liter Volumen. Auf dem Grund der Form liegen die Dekoelemente: Wilde Möhrenblüten und eine Brennnesselblatt. Die Brennnesseln die nicht gekocht werden, sollten vorher mit den Nudelholz leicht gewalzt werden, da sie sonst noch brennen können.

 

Zubereitung:

                                    Möhrenblüten kleinzupfen.                    
Eine Kastenform mit Frischhaltefolie auslegen und 2 Blüten als Deko hineinlegen (möglichst viel von den Stilen anschneiden, die bleiben hart). Die Karotten und Paprika klein schneiden und in Butter kurz anbraten, mit Gemüsebrühe ablöschen und weich kochen.
                        Hart gekochte Wachteleier schälen.                                  
In der Zwischenzeit die hartgekochten Wachteleier schälen und die Brennnessel in einem Topf mit etwas Wasser zusammenfallen lassen, abgießen, ausdrücken und die Brennnessel möglichst klein schneiden. Die restlichen Möhrenblüten abzupfen und zum Gemüse in die Brühe geben, ebenso die Brennnessel. Vom Herd nehmen und mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Dann die Gelatine einrühren und einen Teil mit einer Schöpfkelle in die Form geben. Danach die Wachteleier in 2 Reihen mittig in der Form plazieren und vorsichtig mit dem verbliebenen Gemüse bedecken. Ab in den Kühlschrank und mehrerer Stunden kalt stellen. Wenn die Sülze fest ist, stürzen, die Folie abnehmen und ....genießen :-)


Sonstiges: 

Wachteleier in die halbbefüllte Form geben.
Die gestürzte Sülze. Die Deko ist ein wenig verrutscht.
  • Das ist ein super variables Rezept. Mit den wilden Möhrenblüten hat man einen natürlichen Würzhebel in der Hand. Ich hab das Rezept mit 6 Möhrenbüten zubereitet, finde aber das verträgt auch 10, da die Blüten perfekt mit den Möhren harmonieren. Leider kann man die Wurzeln der wilden Möhre nicht wirklich verwenden, da sie rasch verholzen. Deswegen greife ich hier auf "normal" Möhren zurück. Die Blüten erkennt Ihr gut an ihrer exakten Geometrie.
  • Die Menge der Brennnesseln ließe sich ebenfalls fast verdoppeln, wenn man es etwas grüner und etwas "spinatiger" mag. Die gehen geschmacklich etwas in Möhren und Eiern etwas unter, was ich schade fand, aber nicht wirklich dramatisch. Geschmeckt hat es dennoch.
  • Sülze muss prinzipiell stärker gewürzt werden, denn mit dem Andicken und Kaltstellen verliehrt sich der Geschmack.
  • Wer Gelatine nicht verwenden möchte, kann das Rezept auch mit Agar-Agar zubereiten. Gelatine wird aus dem Bindegewebe diverser Nutztiere gewonnen und ist denaturiertes Kollagen. Eklig? Ich hab so viele Maden in Kirschen mitgegessen, dass ich mich nicht mehr Vegetarier schimpfen kann, da werd ich vor ein wenig Bindegewebe keine Berührungsängst haben. Aber das muss jeder mit sich selbst vereinbaren.  Da ich fleischarm, aber nicht vegetarisch leben, darf es bei mir auch mal Gelatine sein. Allerdings fehlt ihr eine der wohl wichtigsten Aminosäuren: das Thryptophan. Deswegen ist Gelatine  kein "hochwertiges", vollwertiges Protein und sollte nicht als "Magenfüller" verwendet werden. Dafür sind die Eier im Rezept.
  • Vegan wird das Rezept ohne Eier, mit dem anschwitzen des Gemüses in Olivenöl und mit dem Austausch der Gelatine durch Agar-Agar.
  • Mit Hühnereier lässt sich das Rezept auch versuchen, in dem Fall reichen 3 hartgekochte Eier für eine 1l-Form. Allerdings dominiert bei der Größe der Eier der Eigeschmack die Sülze. Deswegen sind Wachteleier perfekt, sie lassen dem (Wild-)Gemüse noch genug Raum, um einen Eigengeschmack zu entwickeln und passen sich da unaufdreinglich ein. 
    Da guckst du: Frodos Brennnessel-Sülze ist fertig :-)















PS: Danke Jan!

Montag, 23. Juni 2014

Nachtkerzen - ein Sirup gegen Husten und ein Öl für die Haut

Die Nachtkerze liebt trockene Standorte.

Es gibt ja viele Hausmittel gegen Husten. Von Spitzwegerichsirup bis Zwiebelsaft sind den Heilkundigen einige Rezepturen aus der Natur geläufig, die Nachtkerze (Oenothera biennis) ist dabei eher unbekannt, aber ebenso hilfreich.

Nachtkerzen schmeicheln der Haut

Nachtkerzenöl kennt vielleicht der eine oder andere Neurodermitiker. Tatächlich haben Nachtkerzen einen überaus positiven Einfluss auf die Haut, vor allem das Öl. Auch für Smoothis sind die Blüten eine echte Bereicherung und ein Jungbrunnen für die die aüßere Hülle. Ein tolles Rezept für wahre Schönheit von Innen ist der Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie.

 

Nachtkerzenöl gegen Neurodermitis, Diabetes, MS und Hyperaktivität

Das Öl wird aus den winzigen Samen gewonnen, was eine wahnsinnig mühsame Prozedur ist und leider nicht tauglich, um das Vorgehen zur Ölgewinnung hier vorzustellen. Nachkerzenöl kann man in guten Ölmühlen oder der Apotheke kaufen. Die Samen aus denen das Öl gewonnen wird haben eine sehr hohen Anteil an Gamma-Linolsäuren, was bei Neurodermitis zu einer deutlichen Linderung ihrer Ekzeme und Schübe führen kann. Dafür reichte es einen TL täglich z.B. in Salatsoßen zu mischen. Nachtkerzenöl findet auch Anwendung bei eine zu hohen Cholisterinspiegel, bei der Behandlung von Multipler Sklerose, Diabetes Typ II, bei Wecheljahrbeschwerden oder PMS. Neu und relativ erfolgreich ist der Versuch Nachkerzenöl auch bei hyperaktiven Kindern und ADHS-Kindern anzuwenden. Die Kinder werden oft ruhiger, wenn sie Nachtkerzenöl über die Nahrung zugeführt bekommen. Vermutlich spielt hier die Versorgung mit essenziellen Fettsäuren eine große Rolle, die in der Nachtkerze ebenfalls reichlich vorhanden sind, so wie Ölsäuren.
Auch soll Nachtkerzenöl die Immunabwehr stärken und - jetzt wird es spanned - eine gewissen Leberschutzwirkung haben. Angeblich soll ein Kater nach zu viel Alkoholkonsum mit der Einnahme von Nachtkerzenöl schnell besser werden.  Ich hab das noch nie ausprobiert, würde mich aber über Rückmeldungen freuen.

Eigene Erfahrungen mit Nachkerzenöl

Mein Sohn ist ein solcher Neurodermitis-Patient. Die äußerliche Anwendung von Nachtkerzenöl haben wir abgebrochen, da wir da keine Besserung feststellen konnten. Was aber geholfen hat, war jener TL Nachtkerzenöl, den ich hier und da immer mal wieder unter das Essen gemogelt habe. Das war und ist nicht immer einfach, denn Nachtkerzenöl hat einen ganz eigenwillen Geschmack. Anfangs saß mein Sohn deshalb etwas naserümpfend vor der Nudelsoße. Ich hab die Dosis dann erst mal auf ein paar Tropfen gesenkt und nach und nach auf 1 TL erhöht. Nach wie vor hat er Neurodermitis, aber die Schübe und ihre Intensität sind deutlich zurückgegangen und die Katzerei haben wir im Griff. Heute findet er das  Mixen von Smoothies "cool", so da kommt der TL dann einfach hinein - oder eben ein paar Blüten. So bin ich auf die Nachtkerze aufmerksam geworden.

Ob Haut oder Schleimhaut scheint der Nachtkerze gleich zu sein: Sie lindert. Und so gibt es dann auch einen Sirup aus den Blüten, der gegen Husten und Bronchitis hilft. Bevor man zu härteren Mitteln greift, kann man den Sirup ausprobieren. Bei der Naturheilkunde und Homöopathie ist es eh so, dass das Kraut zum Menschen passen muss.  Den einen hilft Spitzwegerich, dem anderen Eibisch, dem dritten Efeu und ich bin irgendwie bei der Nachtkerze hängen geblieben.

Nachtkerzensirup gegen Husten herstellen:

Nachkerzenblüten werden werd mal zu einem Tee gekocht, der mit Zuckerlösung zu Sirup angedickt wird.

Nachtkerzensirup gegen Husten.
Die Nachtkerzenblüten werden am Nachmittag gesammelt und umgehend verarbeitet. Zwei Handvoll Blüten werden in 250 ml heißem Wasser bis zum Siedepunkt erhitzt (es darf nicht kochen!). Danach den "Tee" noch 15 min ziehen lassen.
In der Zeit eine dicke Zuckerlösung kochen (Wasser und Zucker im Verhältnis 1:1).
Anschließend die Blüten aus dem Tee fischen und ausdrücken. Die Teemenge abmessen und die gleiche Menge Zuckerlösung zugeben. Der so hergestellte Sirup ist im Kühlschrank mehrerer Wochen haltbar. Man kann ihn auch Einfrieren, so dass man in der Erkältungzeit den Sirup vorrätig hat.



Was Nachtkerzen mit Bahnlaternen und starken Stieren zu tun haben

Eine Geschichte am Rande:  Nachtkerzen sind auch unter dem Namen "Bahnlaternen" bekannt, weil sie ihre Blüten meist abends erst so richtig öffnen und gerne an Bahnlinien entlang wachsen. Auch in Steinbrüchen oder ähnlich trocken Standorten findet man Nachtkerzen. Andere Synonyme sind "gelbe Rapunzel" oder Schinkenwurzel. Letzen Namen hat sie wahrscheinlich, weil ihre Wurzel beim Kochen rot anläuft und die Farbe von Schinken annimmt. Und tatsächlich soll in der Nachtkerzenwurzel die Kraft von zwei Stieren enthalten sein. Nun denn: Der Glaube versetzt Berge.


Sonntag, 22. Juni 2014

Kräuter-Foccacia mit Spitzwegerich und Brennnesseln

Grillzeit. Da darf Foccacia nicht fehlen - diese kleinen, flachen Brote, die im Handumdrehen selbstgemacht sind und von denen man sich einfach ein Stück abbricht. Mit Brennnesseln und Spitzwegerich erhält das Brot noch mal eine ganz andere Geschmacksnote... weil mir Rosmarin und Oregano irgendwann zu langweilig wurden.

Beides sehr lecker:  "Normale" Foccacia mit Rosmarin und Oregano und darüber die Kräuterfoccacia mit Brennnessel und Spitzwegerich.

Zutaten für die Kräuter-Foccacia:

  • 1 Handvoll sehr klein geschnittener Brennnesselblätter und/oder Brennnesselnüsschen (die muss man nicht klein schneiden)
  • 1 Hanvoll sehr klein geschnittener Spitzwegerichblätter und/oder junger Spitzwegerichköpfe
  • 200 ml warmes Wasser
  • 1/2 Tüte Trockenbackhefe
  • 1/2 TL Salz
  • 250 g Mehl
  • 2 EL Olivenöl
  • grobes Meersalz

Zubereitung:

Trockenhefe ist hart im nehmen. Bäcker bitte weggucken. Mehl, in eine Schüssel geben und mit Trockenhefe und Salz vermischen. Dann so viel Wasser hinzugeben, bis eine geschmeidiger, knetbarer Teig entstanden ist und in diesen die Kräuter unterkneten. Je besser der Teig geknetet wird, desto luftiger wird die Foccacia. Anschließden den Teig auf das doppelte Volumen aufgehen lassen. Den Teig noch einmal kurz duchkneten und zu flachen Fladen formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Foccacia mit Öl einpinseln und mit Meersalz bestreuen und noch mal ein paar Minuten gehen lassen.
Auf dem Blech im Ofen 30 min bei 180 Grad Umluft backen. Foccacia am besten gleich warm essen. Frisch schmeckt sie am besten.
Außen Knusprig, innen luftig und würzig. So soll sie sein, die Foccacia mit Kräutern. Wichtig ist mal wieder das Grünzeug am Akkord kleinzuschneiden. Wer Brennnesselnüsschen verwenden, spart sich das Gehäcksel.

Sonstiges: 

Ich sammel schon .... Da junge Spitzwegerich-Blütenköpfe einen leichten Champignon-Geschmack haben, müsste doch, nach Adam Riese, eine Foccacia, die nur mit Spitzwegerichblütenköpfen gewürzt ist, rein theoretisch nach Champignon schmecken. Sobald ich mal genug Spitzwegerichblütenköpfe zusammen habe, werde ich das Rezept versuchen und Euch berichten. Beim Backen kann sich das Aroma nämlich durchaus in der Hitze verändern.

Gefärbter Rosenzucker

Auch wenn Rosen wahrlich kein Unkraut sind, will ich Euch die Herstellung von Rosenzucker nicht vorenthalten, da die Rosen langsam verblühen. Zeit die letzten Exemplare zu konservieren. Rosenzucker herzustellen ist ganz einfach.

Rosenzucker in Altrosa und Gelb.

Zutaten und Zubereitung des Rosenzuckers:

  • Rosen (am besten kräftig gefärbet Duftrosen)
  • Zucker
Wer gelbe oder rote Rosen zur Verfügung hat, kann einfach die Blütenblätter abzupfen und im Mörser mit etwas Zucker zermahlen. Anschließend wird gerade so viel Zucker untergerührt, bis die gewünschte Farbintensität erreicht ist. Auf dem Bild wurde je eine rote und eine gelbe Rose mit 2-3 EL Zucker verarbeitet. Der Zucker muss, bei frischen Rosenblättern, noch ein paar Tage durchtrocknen, evtl müsst ihr die zusammengeklebten Brocken noch mal im Mörser etwas zerkleinern. Bei Duftrosen hat auch der damit hergestellte Zucker einen schönen Duft und ein leichtes Rosenaroma.


Wozu nimmt man Rosenzucker?

Ich nutze ihn zum Verzieren von Gebäck und Dessets oder - wenn man auf gleiche Weise z.B. Lavendelzucker herstellt, auch als Aroma-Zucker im Tee - als Einschlafhilfe.
Schön macht sich ein Sortiment natürlich gefärbten Rosenzuckers immer auch als Beigabe zu selbstgemachten Geschenken, vor allem wenn alle Rosen längst verblüht sind. Also jetzt schon mal an die dunklen Wintertage denken.

Samstag, 21. Juni 2014

Schwarze Johanninüsse oder wie man grüne Walnüsse schwarz eingelegt

Bis zu diesem Ergebnis, den eingekochten schwarze Nüsse,
vergehen vom Sammeln bis hier eine Woche. Bis man das
Glas öffnen sollte weitere 6 Monate.
Schwarze Johanninüsse herzustellen ist eine recht zeitaufwändige Prozedur. Dabei werden aus grünen Walnüssen schwarze Nüsse. Noch aufwändiger ist nur noch Walnusstapenade
        Beim Sud für schwarze Johanninüsse darf man auch ein    
wenig kreativ ans Werk.
Die weißen Johanninüsse kennt ihr schon - Arbeitsaufwand vielleicht 2-3 Stunden, inklusive des lästigen Nüsseschälens.  Hier ist der Arbeitsaufwand mit etwa 7 Tagen anzusetzen. Da ihr bei schwarzen Nüssen eine Woche lang jeden Tag Wasser wechseln müsst und jedes Mal gefärbte Finger drohen, kann ich euch nur empfehlen, entweder gleich eine größere Menge herzustellen oder die schwarzen Nüsse einfach mal irgendwo zu probieren, um zu sehen, ob diese sich für euch überhaupt als geschmackliche Bereicherung eignen. Eine Bereicherung fürs Auge sind sie allemal, vor allem  für Käseplatten, Desserts, Nusstorten und Wildgerichte.  Da ich jedes Jahr einige Gläser übrig habe, einfach bei mir nachfragen, eine Kostprobe ist eigentlich immer vorrätig. Wer das Abenteuer "schwarze Johanninüsse" selbst einmal angehen möchte: Hier das Rezept.

Zutaten für schwarze Johanninüsse:

  • 1 kg grüne Walnüsse
  • 1 kg Zucker
  • 500 ml Wasser
  • 1 Zimtstange
  • 5 Nelken
  • 15 Pimentkörner
  • 1 Bio-Zitrone, kleingeschnitten

Zuerst: Alle Nüssen ringsum einstechen und dann eine
Woche wässern.
Schön sehen die Walnüsse nach einer Woche nicht mehr
aus. Gleich werden sie gekocht, dann sind sie
fast ganz schwarz.

 

 

Zubereitung:

Schwarze Nüsse im Gewürzsud. Hier dürfen sie noch 3 Tage
"frei schwimmen", dann werden sie eingekocht.

Brille auf, Handschuhe an, Stopfnadel in die Hand und los geht´s: Zuerst müssen die Walnüsse ringsum einige Male mit der Nadel eingestochen werden.Vorsicht: Das kann spritzen, also zieht nicht euer bestes Hemd an. Dann füllt ihr die Nüsse in ein Gefäß mit Wasser. Jetzt muss eine Woche lang täglich das Wasser gewechselt werden, in den letzten Tagen auch zweimal am Tag.
Nach 7 Tagen werden die Nüssen in frischem Wasser ca. eine halbe Stunde weich gekocht. Das Wasser weggießen.
Aus Zucker, Wasser und den Gewürzen kocht ihr parallel einen Gewürzsud. Diesen gießt ihr über die Nüsse und badet sie 3 Tage lang darin. Danach einmal aufkochen und heiß in Gläser füllen und einkochen. Jetzt kommt der schwerste Teil: Mindestens 4, besser 6 Monate solltet ihr warten und die Nüsse ziehen lassen bevor ihr sie probiert, denn erst dann sind sie "reif".

Sonstiges:

        An den Schwarzen Nüsen ist "mehr dran", als an den      
weißen Nüssen. Bei schwarzen Johanninüssen
wird die ehemals grüne Schale mitgegessen
Tatsächlich gibt der Sud den Nüssen den Geschmack, denn sie selbst haben nach der ganzen Wässerei eigentlich nur ein minder bitteres Aroma, das nun, durch das Ziehen im Sud, weiter abgeschwächt wird. Deshalb kommt es beim Sud auf die Zusammenstellung der Gewürze an. Hier könnt ihr ein wenig kreativ sein. Kardamon, Anis, mehr Zimt, weniger Piment, mit Vanille oder ohne, mit Nelken oder statt Zucker Kandis oder Rohrzucker - das Ergebnis wird jedes Mal ein wenig anders ausfallen und ist immer wieder spannend. Sogar die klassische Glühweingewürz-Zusammensetzung klappt hier.
Ich hab schwarze Johanninüsse nun schon bei 3 verschiedenen Anbietern probeweise gekauft und muss sagen: Jeder Ansatz schmeckt anders, aber jeder gut.
Wer sich das letzte Bild  anschaut, der sieht auch den Unterschied zwischen den schwarzen Johanninüssen und den weißen Johanninüssen. An den schwarzen ist einfach "mehr dran".


Gierschdip - einfach lecker und fix zubereitet

Eines der einfachsten Rezepte überhaupt: der Gierschdip,
hier auf Pumpernicketalern
Das ist ein echtes Wildkräuter-Blitzrezept und soll deswegen auch in aller Kürze hier präsentiert werden.

Zutaten und Zubereitung für den Gierschdip:

2 Handvoll Giersch werden feingehackt, mit einem Becher saurer Sahne verrührt und mit Salz und Preffer abgeschmeckt. Fertig.

Sonstiges: 

Der Giersch ist schön würzig und verleiht dem Dip seinen ganz eigenes Aroma. Essen kann man ihn mit Gemüsestreifen, Nachos und  für Fingerfoot allgemein. Meine Lieblingsvariante ist auf Pumpernickeltalern mit Cocktailtomaten.
Die Wildkräuterküche muss nicht wahnsinnig aufwändig sein. Oft wird mit ein viel zu großes Brimbamborium um so etwas Banals wie Giersch oder Brennnesseln gemacht, nur weil wir es verlernt haben, damit alltäglich umzugehen. Die Unkräuter sind unkompliziert und genauso können auch die Rezepte ausfallen.

Ob Kartoffelkäfer die Rezeptentwicklung des Stampfbrots verursacht haben?

Massenbefall mit Kartoffelkäfern gibt es auch heute noch. Monokulturen machen es möglich.
Die Ackerunkräuter wie Melde und andere Gänsefuß-Arten werden von den Kartoffelkäfern hingegen nicht gefressen. Die sind so spezialisiert wie unser morderne Landwirtschaft.
Das muss jetzt einfach rein: Bei meinem Streifzug durch die Natur ist mir gestern ein Acker ins Auge gefallen, auf dem man recht gut nachvollziehen konnte, wie es zur Hungersnot in Irland 1845-1849 kam. Ungelogen: Das Feld, vielleicht halb so groß wie ein Fußballfeld, war über und über voll mit den Larven des Kartoffelkäfers. Ich stand eine ganze Weile fasziniert davor und betrachtete, wie schnell die Käferlarven sich über die Kartoffelpflanze hermachten. Was machen die wohl, wenn sie den Acker aufgefressen haben und noch nicht fliegen können?  Bei dem Fresstempo und der Menge an Käfer sind die Kartoffelpflanzen dieses Ackers wahrscheinlich in 3, maximal 4 Tagen weg.
Direkt neben dem Acker ist Brachland: Voll mit Melde und Disteln und Labkraut und Klee. Ein paar Schmetterlinge und bestimmt irgendwo auch eine Raupe, aber von einem Massenbefall, wie auf dem Kartoffelacker nebenan, keine Spur. Ich musste in wenig schmunzeln. Wie lange gibt es wohl das traditionelle Stampfbrot aus Klee, das Chambrock in Schottland und Irland schon? Ob es während der Hungerszeit erfunden wurde, als die Käfer die Ernten in Irland vernichtet haben? Wenn das originale Chambrock so schmeckt, wie mein Fehlversuch, wäre ich damals auch ausgewandert....oder auch nicht. Man kann ja noch anderes aus Unkraut zaubern. :-)
Eines wird mir klar: Ich muss mehr über dieses kuriose Kleebrot herausfinden. Das scheint ein echtes Mysterium zu sein.

Freitag, 20. Juni 2014

Der große Leberegel und der kleine Leberegel

Auf feuchten Wiesen können Eier des großen
Leberegels (Facsiola hepatica) am Pflanzen
wie dem Löwenzahn haften.
Zu den "Horrorwesen" aus dem Tierreich  (Zecken, Fuchsbandwurm), die den Menschen beim Wildkräutersammeln befallen können, gehören auch die großen und kleinen Leberegel. Der große Leberegel  kommt häufiger vor und findet sich bevorzugt auf feuchten Wiesen. Der kleine Leberegel  ist auf  trockenen Wiesen heimisch. Beide verirren sich auch mal zum Menschen als Fehlwirt, wobei der große Leberegel dies häufiger tut.

Infektionen mit dem kleinen Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) sind eher die Ausnahme

Im Frühling habe ich schon häufiger in der Nähe von Ameisenhügeln jene, am kleinen Leberegel infizierten Ameisen beobachtet, die sich an den oberen Enden der Grashalme festbeißen, um dann von Schafen, Rindern, Hasen, Kaninchen, Rotwild oder dergleichen gefressen zu werden. Das ist der gewöhnliche Lauf im Lebenszyklus: Der kleine Leberegel entwickelt sich zuerst in einer Schnecke. Diese infiziert eine Ameise und die verhält sich in der oben beschriebenen Weise auffällig und lässt sich fressen. Der Egel gelangt so in den Endwirt, das Schaf. Dort schließt sich der Zyklus und mit dem Kot gelang der Egel wieder in die Schnecke. Gefunden hat man kleine Leberegel aber auch schon in Katzen und Vögeln. Der Lebenszyklus zeigt, wie unwahrscheinlich es ist, sich als Kräutersammler mit dem kleinen Leberegel zu infizieren. Man muss schon Ameisen essen und das macht man eigentlich nicht freiwillig, eher zufällig. So sind besonders Kinder betroffen, die ein wenig unachtsam ein infiziertes Insekt beim Spielen vertilgen. Ansonsten besteht die größte Infektionsgefahr darin, befallene Leber von infizierten Haustieren zu essen. Jäger, die Rotwild ausweiden, sollten darauf achten, dass die Leber unbeschädigt bleibt, um das Fleisch nicht zu verseuchen. Spätestens der Tierarzt stellt bei der Tierbeschau einen Befall fest und zieht das Fleisch aus dem Verkehr. Dennoch besteht das Risiko, sich irgendwann mal mit dem kleinen Leberegel zu infizieren, deswegen sei dies hier, der Vollständigkeit wegen, erwähnt.
Nicht zu verwechseln ist das heimische kleine Leberegel Dicrocoelium dendriticum mit dem in Asien verbreiteten, ebenfalls als "kleines Leberegel" bezeichneten Parasiten der Gattung Opisthorchis. Diese kommen in Ost-Europa und Asien in Fischen vor, spielen also eher für Touristen eine Rolle, weniger für Wildkräutersammler.

Die Eier des großen Leberegels werden häufiger unbewusst gegessen

Beim großen Leberegel (Fasciola hepatica) funktioniert das ganz ähnlich, nur werden die Eier vom Zwischenwirt, der Zwergschlammschnecke, direkt ins Wasser oder in die feuchte Umgebung abgegeben. Die dahintreibenden Eier heften sich dann, entweder von der Wasserströmung getrieben oder sich an einem vorbeilaufenden Tier anhaftend, ans Gras und werden dort irgenwann konsumiert. 
Fazit: Beim Sammeln von Brunnenkresse oder Löwenzahn auf feuchten Wiesen, aber auch beim Aufsammeln von Fallobst, besonders in der Nähe von Gewässern, kann man sich mit den Eiern des großen Leberegels infizieren!

Symptome und Behandlung bei Infektionen mit dem großen Leberegel

Ein Befall mit Leberegeln kann unkompliziert sein bis hin zu schweren Leberfunktionsstörungen mit einhergehender Gelbsucht und Schmerzen im Oberbauch führen - je nachdem, ob sich der Egel schon festgesetzt hat und wie die persönliche Konstitution ist. Die Behandlung erfolgt relativ langwierig mit Medikamenten, gelegentlich kommt auch eine chirurgische Entfernung des Leberegels in Betracht. Wer unter Bauchschmerzen, vergrößerter Leber und Fieber leidet, der könnte sich 4-6 Wochen vorher mit einem großen Leberegel infiziert haben. Auch Schluckbeschwerden und Atemnot kann so ein Egel verursachen, sollte es sich im Rachen festsaugen. Dort kann man es mitunter mechanisch entfernen. Auf der anderen Seite: Eine Fasciolose, also durch den Leberegel hervorgerufene  Erkrankung, kann auch völlig symptomfrei verlaufen.  Ein Besuch beim Arzt ist auf jeden Fall Pflicht, sollten irgendwelche ungewöhnlichen Symptome auftreten - mit dabei ist dannfür den Arzt Euer Wissen um die ganzen hier beschriebenen Gefahrenquellen mit denen ihr in den letzten Wochen evtl. in Kontakt gekommen sein könnt.

Aber Panik zu machen ist unbegründet. Wichtig ist, dass man die Gefahren kennt, sie im Hinterkopf behält, um dann, bei einem Arztbesuch, auch mal solche Themen anzusprechen und schnell handeln zu können, sollte es notwenig werden.
Die Evolution hat mit solchen Erregern und Parasiten die Menschheit geformt. Irgendwie auch faszinierend, dass sie es noch heute tut.


Donnerstag, 19. Juni 2014

Brennnesselbutter - mach doch aus etwas Einfachem etwas ganz Besonderes

Ausgangsmaterial für Brennnesselbutter:
wieder mal junge Brennnesselspitzen.
Kräuterbutter schmeckt immer wieder anders, wenn man die Kräuter selbst zusammen stellt. Das macht es so spannend. Experimentieren darf man hier auch mit Einzelkräutern. Wie wäre es mal mit Brennnesselbutter?

Sammeltipp:

Da ich kontinuierlich meine Bennnesseln ernte, verwende ich ab der ersten Ernte eigentlich immer nur die neu wachsenden Achseltriebe für Gerichte. Auf die Weise werden die Brennnesseln etwas buschiger, aber ich habe auch nahezu ganzjährig "Blattgemüse" zur Verfügung. Brennnesseln sind toll. Ich liebe Brennnesseln :-)



Neben einem Messer kann natürlich einen Blitzhacker
oder andere technische Geräte zum Zerkleinen
der Brennnessel verwenden.

Zutaten für die Brennnesselbutter:

  • 70g Butter
  • 1/2 TL Senf
  • 1 Handvoll junge Brennnesselblätter
  • Salz und Pfeffer
  • ein Spritzer Zitrone




Zubereitung:

Einfach und doch etwas Besonderes:
das Brennnesselbutterbrot
Wie fein könnt Ihr Blattgemüse schneiden?  Bei diesem Rezept liegt die meiste Arbeit im Feinhacken der Brennnessel. Sie wird hier roh verwendet, weshalb beim Schneiden die Brennhaare alle abbrechen sollten. Wenn Ihr die Butter zur Blütezeit der Brennnessel zubereitet, könnt Ihr auch einige Brennnesselblüten mit reinhacken. Wichtig ist, die Blätter wirklich regelrecht zu atomisieren.
Anschließend werden alle Zutaten gut miteinander verrührt.

Sonstiges:

Die Brennnesselbutter ist nicht sehr lange haltbar. Ihr solltet Reste deswegen am Besten einfrieren oder
grade zu viel herstellen wie Ihr in 1-2 Tagen verbrauchen könnt.
Der Geschmack ist am ehrsten mit herb-nussig bis heu-rauchigen beschreibar. Also nicht unbedingt etwas für Süßmäuler. Es wird Euch aber oft so ergehen, dass der Geschmack der Wildkräutergerichte kaum passend beschrieben werden kann. Wenn Ihr mich fragt: Brennnesselbutter schmeckt nach Brennnessel. Alle diese vielfältigen, natürlichen Aromen sind unser Gaumen gar nicht mehr gewöhnt.
Brennnesselbutter passt super zu Grillfleisch oder schwerem Roggenbrot.


Mittwoch, 18. Juni 2014

Zecken können FSME, Borreliose und viele weitere Erreger übertragen

Zecken sind nun leider häufig und wer sich durchs Gras oder Unterholz bewegt, muss damit rechnen, von diesen Plagegeistern befallen zu werden. Deshalb ist es gut, das Wesentlich über die Gattung Ixodida im Kopf zu haben.

Was lockt die Zecken an?

Angelockt werden Zecken durch unseren Schweißgeruch. Dafür muss man noch nicht mal großartig "müffeln". Wir transpirieren ständig und allein das reicht aus, um die Zecken hypnotisch in unsere Richtung zu lotsen. Auch Licht- und Schattenspiele, die wir im Vorbeigehen verursachen,  lenken ihre Aufmerksamkeit auf uns. Eine marschierende Wandergemeinschaft verursacht einen regelrechten Stroboskob-Effekt bei den Tiere und der bedeutet für sie: Blut! Gleiches gilt für leichte Erschütterungen, die wir verursachen, wenn wir durchs Gras laufen. Wir dürften uns also weder bewegen, noch vor nicht vor uns hindampfen oder atmen, wollten wir die Zecken von uns fernhalten.

Was hilft gegen Zecken?

Da wir aber atmen müssen, das Transpirieren kaum unterbinden können und auch nicht erschütterungsfrei laufen können, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.Hier das Wichtigste für Unkrautgourmets: Die beste Mittel gegen Zecken!
  1. Vermeidet höheres Gras und Unterholz, wann immer möglich.
  2. Festes, geschlossenes  Schuhwerk ist Pflicht und – so albern das auch aussieht – die Hosen in die Wandersocken stopfen hilft ebenfalls.
  3. Reibt Euch mit zeckenabweisenden Mitteln wie ANTI BRUMM Zecken Stopp vorbeugend ein. DAS hilft immerhin ein paar Stunden.
  4. Zusätzlich solltet Ihr helle Kleidung tragen, damit Ihr die Biester möglichst schnell entdeckt.
  5. Nach dem Aufenthalt im Freien ist Absuchen Pflicht! Unter der Dusche findet man so ziemlich jede Zecke. Die Kleidung im Anschluss ans Duschen zu wechseln, ist auch nicht verkehrt, da die Zecken sich mitunter im Hosenkrempel oder in einer Stoffnaht verstecken. 
  6. Lasst Euch gegen FSME impfen, da diese Erreger sofort nach dem Stich übertragen werden können.
  7. Gegen Borreliose-Erreger hilft es, die Zecke in den ersten 6 Stunden zu finden, da man in dieser Zeit noch keine von der Zecke auf den Wirt übertragenen Erreger gefunden hat.
Treten Fieber, Nackensteifheit, grippeähnlichen Symtomen, Kopfschmerzen und/oder eine rötliche, kreisförmige Schwellung um die Einstichstelle auf, immer auch FSME und Borreliose im Hinterkopf haben, wenn Ihr Euch häufig im Freien aufhaltet. Euer Arzt weiß mit so einem Hinweis eine ganze Menge anzufangen.

Wichtig ist, diese Biester erst einmal gar nicht an sich ran kommen zu lassen und sie zu finden, noch bevor sie ihre Mundwerkzeug in die Haut bohren. Wenn auf  Wanderungen  jeder auf den anderen achtet, dann wehrt man schon 80 % aller Zecken bereits auf der Hose ab. Von den 20 % findet man 99% wenn man sich im Anschluss an die Tour duscht und gründlich absucht  (einen Spiegel für uneinsehbare Stellen ist hier viel Wert) oder sich absuchen lässt. Die getragene Wäsche sollte man gleich in die Waschmaschine stecken.

Zeckenbiss! Was nun?

Hat doch mal eine Zecke angedockt: Keine Panik! Handelt ruhig, besonnen und entfernt das Tier umgehend mit der Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange! Nutzt ihr Wie ich eine Pinzette (finde das ist einfach ein Universalwerkszeug für echte Outdoor-Menschen), dann packt Ihr die Zecke möglichst weit vorne am Kopf und zieht sie gerade heraus. Fertig. Alles was Ihr über rechts- oder linksherum Drehen gehört habt, ist Unsinn. Schaut euch mal die Mundwerkzeuge an, dann wisst Ihr auch warum: Die Mundwerkzeuge gleichen eher einem Sägeblatt als einer Schraube. Einfach grade nach oben wegziehen, so als würdet Ihr einen Spreißel entfernen. Die Stichstelle könnt Ihranschließend noch desinfizieren.
Bleibt mal ein Stück Mundwerkzeug in der Einstichstelle hängen, weil es  beim Versuch die Zecke zu entfernen abreißt (das passiert hin und wieder, wenn die Zecke schon paar Stunden am Werk ist), dann sucht Euren Hausarzt auf, der den Rest entfernen und auch gleich im Impfpass nach der FSME-Impfung schaunen kann.
Auf keinen Fall solltet Ihr die Zecke vorher mit irgendwas betupfen oder gar ersticken wollen, denn sie stirbt langsam. In dem Fall geht es ihr, bevor sie stirbt, erst einmal ziemlich schlecht und sie "erbricht" dann regelrecht allen Mageninhalt in Eure Blutbahn und das wollt Ihr ja grade vermeiden.

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Um das Ganze auch hier, wie beim Fuchsbandwurm, wieder auf sachliche Beine zu stellen, ein paar Zahlen zur FSME (da die Zahlen je nach Quellen unterschiedlich starkt schwanken, nehmt sie nur als Richtwert. Ich hab hier immer die höchste Zahl genommen die ich gefunden habe, das Risiko ist also eher kleiner.) :
  • In einem sogenannten "Risikogebiet" trägt im schlimmten Fall jede 10. Zecke das FSME-Virus in sich.
  • Von den Menschen, die eine Zecke haben, erkranken 30% an FSME und entwickeln Symptome wie Kopfschmerzen, Mattigkeit und Fieber.
  • In Deutschland werden jedes Jahr 200 Fälle von FMSE auf Zecken zurückgeführt.
  • 1 FSME-Erkrankter von 1000 stirbt an einer von Zecken übertragenen Hirnhautenzündung - das ist ein Todesfall alle 5 Jahre. Um das ins Verhältnis zu setzten: In Deutschland sterben jedes Jahr über 60.000 Menschen an Influenza, der echten Grippe.
  • Wer informiert ist, und sich richtig verhält (siehe oben), senkt sein Risiko erheblich!
  • Wer geimpft ist, bekommt FSME durch Zecken erst gar nicht.

Lyme-Borreliose

Die Borreliose ist hingegen eine in meinen Augen viel heimtückischere Krankheit. Sie ist häufiger und bis man merkt, dass es einen erwischt hat, vergehen mitunter Jahren.
Ca. 800.000 Lyme-Borreliose-Erkrankten gibt es pro Jahr - unglaublich! Hier soll - um wieder das Maximum an Wahrscheinlichkeiten zu nennen - in Hochrisikogebieten wie Baden-Württemberg sogar jede zweite Zecke den Erreger in sich tragen.  Etwa die Hälfte der Menschen, die von einer mit Borrelien-Erregern infizierten Zecke gestochen werden, erkranken an  Lyme-Borreliose, einer Gelenkentzündung. Die oft beschriebene "Wanderröte" die hier nach einem Zeckenbiss auftreten kann, ist leider kein zuverlässiges Frühwarnzeichen. Wer aber Gelenkbeschwerden hat und unter Fieber und grippeähnlichen Symptomen leidet, sollte, sofern er sich viel im Freien aufhält oder sich vormals viele Jahre aufgehalten hat, immer auch an Zecken denken.
Behandelt wird die Borreliose meist mit Antibiotika. Nur in wenigen Fällen heilt die Borreliose nicht aus und eine lebenslange Behandlung ist notwendig. Je besser Euer Immunsystem arbeitet, desto eher werdet Ihr gesund. So verrückt das nun auch klingt zwischen alle den Gefahren: Wildkräuter helfen Euch gesund zu bleiben. Es ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung, die zugunsten der Natur ausfällt.
Die gute Nachricht hier noch einmal:  Anders als bei FSME muss bei Borreliose die Zecke schon eine Weile am Wirt gesaugt haben. Erst ab 6 Stunden und mehr beginnt die Übertragung der Borreliose-Erreger auf den Wirt. Ab 24 Stunden ist es ziemlich sicher dass die Zecke den Erreger überträgt, sofern sie denn zu den 50 % infizierten Zecken gehört.  Macht Euch nackig und sucht Euch also sofort ab, wenn Ihr nach Hause kommt!

Übrigens: Vormittags sind Zecken weniger aktiv. Sie brauchendie Mittagswärme, um richtig munter zu werden.

Eine gute Seite um sich über Zecken zu informieren und mehr über die Hochrisikogebiete oder weiterer, von Zecken übertragenen Kankheiten zu erfahren, ist http://www.zecken.de.


Dienstag, 17. Juni 2014

Kroatischer Orahovac - Nusslikör aus grünen Walnüssen

          Bis zum 24. Juni kann man grüne Walnüsse ernten.      
Zucker, geachtelte Walnüsse und Vanille mit Korn übergießen.    
Ein Bisschen Vorgeschmack auf den Sommerurlaub? Kroatien gehört zu einem meinen liebsten Urlaubsländer und die kroatische Küche bietet viele, interessante Geschmacksrichtungen. Ein Likör hat es mir da besonders angetan: der Orahovac Walnusslikör. Den könntet Ihr nun über den Link kaufen und ich würde damit sogar ein ganz kleines Bisschen Geld verdienen, aber Ihr könnt ihn auch selbst herstellen (da aktuell nur noch eine Flasche zum Verkauf bei Amazon erhältlich ist :-)) und ich verdiene nichts daran. Natur gehört jedem. Bei den Walnussbäumen solltet Ihr aber auch nicht klauen gehen, sondern einen suchen, der Allgemeingut ist. Eine Seite die dabei hilft, ist Mundraub. Dort findet
Ihr eine Karte, auf der Ihr sicher einen Baum in Eurer Nähe finden werdet.
Wie auch immer: Jetzt angesetzt ist der Orahovac fertig, wenn Ihr aus dem Urlaub wieder nach Hause kommt - genau dann, wenn man selbst reif ist noch ein wenig in Urlaubserinnerungen zu schwelgen.


Sammeltipps:

Wie bei den schwarzen und weißen Johanni-Nüssen bitte die Nüsse vor dem 24. Juni sammeln. Verholzt sein dürfen sie noch nicht.
Und dann heißt es warten - sehr lange warten. 8 Wochen
muss der Orahovac ziehen.


Zutaten für den Orahovac:

  • 0,75 ml Korn
  • 250 g Zucker (besser ist Kandis-Zucker oder brauner Zucker)
  • 12-13 grüne Walnüsse
  • 2 Vanilleschoten

 

 

 

 

Zubereitung:

 Dieser Orahovac ist noch vom letzten Jahr.
Na dann: živjeli!
Die Nüsse achteln, in ein Gefäß füllen und Vanillemark, Zucker und Korn dazugegen. Das wars auch schon. Stellt den Ansatz an einen hellen, warmen Ort. Immer mal wieder in den nächsten 8 Wochen schütteln. Dabei wird er zusehends dunker bis fast schwarz. Danach könnt Ihr den Likör abfiltern und abfüllen. Genau das Richtige, um in ein paar Wochen die letzten Sommerabende auf der Terasse mit Urlaubsfotos-Angucken zu verbringen.
Der Orahovac schmeckt auch lecker zu Nusseis.