Montag, 9. Juni 2014

Bärenkau löst Hautreizungen aus und ist dennoch essbar

Bärenklau aßen wir schon in grauer
Vorzeit als Gemüse.
Noch ein Beispiel für Grenzgänger zur Giftpflanze gefällig? Bärenkau (Heracleum spec.)! Er war und ist seid Alters her Bestandteil der Gründonnerstagssuppe. In Russland wird er gekocht wie Borrtsch. Im Mittelalter muss er wohl in jedem Bauernessen zu finden gewesen sein, denn er würzt, schmeckt und ist nahezu auf jeder Wiese zu finden.
Aber: Er enthält Furocumarine und noch eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe. Die Furocumarine wirken phototoxisch, dass heißt: Scheint die Sonne und Ihr berührt die Pflanze, dann könnt Ihr einen schlimmen Hautausschlag bekommen. "Könnt"! Ich hab das mal bei mir probiert und pflückte Bärenklau an einem richtig sonnigen Tag - gegen aller Vernunft in der größten Mittagshitze. Ich war fast ein wenig enttäuscht: Lediglich eine ganz leichte Rötung war zu sehen, und zwar nur da, wo ich absichtlich massiv mit der Pflanze über die empfindliche Haut am Unterarm gekratzt hatte. Also so pflücke ich gewöhnlich Bärenklau nicht! Fazit: Mich persönlich scheinen die phototoxischen Substanzen sprichwörtlich wenig zu kratzen. Aber jeder reagiert anders, der eine mehr,  der andere weniger. Fucocumarine werden nun außerdem als krebserregend eingestuft - mit dem Hinweis nach oraler Aufnahme Aktivkohle zu verabreichen. Auch hier gilt: Dies ist eine Laborerkenntnis. Hier wird Reinsubstanz gefüttert und so lange verabreicht bis irgendwann bei einer Ratte ein Tumor entsteht. So isst man Bärenkau aber nicht. Ich glaube auch nicht, dass jeder der sich eine Gründonnerstagssüppchen kocht, anschließend Aktivkohle konsumiert und auch in Russland wird als Abschluss des Bärenkau-Borrtsch eher ein Wodka getrunken, statt eine Aktivkohle-haltige Lösung.
Wer gesund lebt, dessen Körper kommt auch mit der einen oder anderen grenzwertigen Substanz im Pflanzenreich zurecht und immer wieder: Die Dosis macht das Gift.  Plakativ ausgedrückt müsste eigenlich über jeder Bäckerei stehen, dass ein regelmäßiger Konsum großer Mengen Kohlenhydrate zu Diabetes führen kann.

Das alles soll die Giftstoffe in Pfanzen nicht herunterspielen! Aber Ihr sollt auch keine Angst oder gar Panik haben. Es soll Euch aufklären und Euch die Möglichkeit geben selbst zu entscheiden, selbst zu verantworten, welche Pflanzen Ihr esst. Giftpflanzen gehören nicht auf den Teller! Die essbaren Wildkräuter lassen sich ohnehin essen und die Pflanzen mit kritischen Inhaltsstoffen sollten, sofern Ihr sie integrieren wollt, dosiert eingesetzt werden. Informiert Euch über die Inhaltstoffe und schaltet Euren Kopf ein.
Das der Wildkräuter-Trend so boomt, das liegt schlicht daran, dass uns all diese Stoffe fehlen, die Bitterstoffe, die Gerbstoffe, die winzigen Mengen auch an sogenannter Gifte, eben das bunte Durcheinander von Inhaltstoffen in der Natur. Sicher ist Beinwell dafür nicht zwangsläufig notwenig und Bärenkau auch nicht. Es muss jeder für sich entscheiden, ob er auch solche "Grenzgänger" in die Nahrung integriegen will. Wohlgemerkt - wir reden hier nicht von Tollkirsche oder Knollenblätterpilz, sondern von Pflanzen die jahrhundertelange ein kleiner Bestandteil in der Ernährung waren. Die Krebsrate steigt nicht, weil wir diese Pflanzen plötzlich wieder essen (Honig essen wir schon immer), sondern weil heute noch zu viele menschengemachte Umwelteinflüsse und chemisch synthetisierte Verbindungen und künstlich erzeugte Strahlungen obendrauf kommen und nun ihren Tribut fordern.

Letztendlich stecken in jeder konventionell angebauten spanischen Tomate krebserregenden Stoffe, sei es aus Spritzmitteln oder weil man den grünen Strunk nicht herausschneidet - aber so eine konventionelle Tomate enthält nun wirklich wenig was noch als "gesund" zu bezeichen ist. In ihr steckt maximal das, was der Landwirt auf den Steinwolle-Klumpen gegeben hat, auf dem die Tomaten wächst - eine definierte, genormte Menge an bestimmten Verbindungen, abgestimmt auf die Pflanze, nicht auf den Menschen! Tomaten vom Bio-Bauern schmecken besser und haben das in sich was der Boden eben hergibt. Gewürzt mit selbstgezogenem Basilikum und einigen Gundermannblättchen sind solche Tomaten unschlagbar. Den grünen Strung schneide ich trotzdem raus, weil ich viele Tomaten essen - dafür gönne ich mir hin und wieder Bärenklau und Beinwell :)

Übrigens:
  • Im oben genannten Buch wird Bärenkau und Löwenzahn genannt und Beinwell noch nicht mal erwähnt. 
  • Es sind schlimme Vergiftungen bekannt weil Sammler den Bärenklau sammeln wollten und ihn mit dem Schierling verwechselt haben.

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