Samstag, 5. Juli 2014

Labkrautgelee - oder englische Bitterorangenmarmelade trifft deutsche Blumenwiese

Es ist schon verrückt. Viele Menschen kennen Moringa und Goji oder doch wenigstens Pfeffer und Zimt. Aber beim heimischen Labkraut zucken die meisten unwissend mit den Schultern. Dabei wächste Labkraut fast überall auf der Wiese während Goji ein Neophyt aus China ist. Sogar Kokosnüsse und Paranüsse sind uns nicht fremd und wir essen sie wie selbstversändlich, obwohl sie viele Flugkilometer oder Frachtschiffstunden hinter sich haben, was ökologisch völlig unsinnig ist. Aber Labkraut? Wer weiß schon, wie das aussieht? Viel spannender wird die Frage: Wer weiß schon, wie das schmeckt?

Die gelbe Variante des Wiesenlabkrauts. Früher nutzte man die in ihm enthalten Labfermente zur Käsehersellung.
Heute ist es fast in seiner Nutzung in Vergessenheit geraten.

Sammeltipps: 

Immer wenn Blüten verwendet werde, sollte es vor der Sammlung einen, besser zwei Tage nicht geregnet haben, damit sich genug Nektar in den Blüten gesammelt hat. So auch hier, beim Labkraut.

Zutaten für das Labkrautgelee:

  • ein großer Büschel blühendes Labkraut (das sind ca 20-30 Stängel)
  • 1 Päckchen Gelierzucker 2:1
  • 3/4 l Wasser

Zubereitung:

Die Blüten von den groben  Stängeln zupfen und in eine Teekanne oder Topf geben. Mit dem gleichen Volumen kochenden Wassers übergießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag den Tee abfiltern und mit so viel Gelierzucker aufkochen, wie der Anleitung zu entnehmen ist.  Vier Minuten sprudelnd kochen und heiß in Gläser füllen.

Sonstiges:

  • Hier ist es praktisch sich voher mit dem Gelierzucker zu beschäftigen. Wird ein Päckchen für ein 3/4 Liter Flüssigkeit benötigt, sollten auch so viel Labkraut gesammelt werden, dass man einen etwa einen 3/4 Liter Blüten erhält.  Aus Erfahrung weiß ich: Das ist schon eine ganze Menge Labkraut. Evtl. muss man vom Gelierzucker  einfach die passende Menge abmessen, wenn man nicht genug Blüten zusammen bekommt.
  • Mit Labkraut lassen sich wunderbare Sachen zaubern und aromatisieren, wie z.B. dieses Gelee, das vom Geschmack her etwas an die herbe, englische Bitterorangenmarmelade erinnert, aber durch die grünen Labkrautteile auch einen leichten "Heugeschmack" besitzt, der aber nicht abschreckend ist. 
  • Ich verwende hier 2:1 Gelierzucker. Mit 1:1 Gelierzucker schmeckt die Marmelade deutlich süßer. Geschmackssache. Generell versuche ich von dem übersüßten Geschmack, den uns die Nahrungsmittelindustrie andichtet, weg zu kommen. Auch kann ich Labkrautgelee nicht täglich essen (der Geschmack ist schon speziell)  und koche es deshalb in kleinen Gläschen ein. Aber jedes Mal wenn ich ein Labkrautgelee-Gläschen öffne, dann freue ich mich drauf, eben weil es etwas Besonderes ist.

Kommentare:

  1. Eleonore Armster12. Juli 2016 um 20:44

    Ich hab ganz viel Labkraut gesammelt und mit einem halben Liter und Gelierzucker 1:2 zubereitet. Der Geschmack ist tatsächlich sehr interessant und fein. Leider ist mein Gelee flüssig geblieben, mehr Zucker wollte ich nicht zugeben und ein Versuch mit Gelatine scheiterte. Somit hab ich nun eine Art von Labkraut-Sirup. Dennoch vielen Dank für die vielen Tipps und Rezepte, ich bin erst kürzlich auf Ihre Seite gestoßen und begeistert.

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  2. Hallo Eleonore,
    Danke für Deine Rückmeldung. Mir ist das neulich auch passiert. Gerettet habe ich das Gelee mit etwas Zitronensaft. Danach hat es mit dem Gelieren besser geklappt. Seither mache ich immer eine Gelierprobe (einen klecks heißer Geliermasse auf einen kalten Teller tropfen lassen und schauen, ob der Klecks geliert). Wenn die Probe nicht gelingt, das Gelee noch etwas einkochen und ein Spritzer Zitronensaft zugeben. Die Zitrone schadet dem Geschmack nicht - im Gegenteil. Mit Wildkräutern zu kochen ist jedes mal ein Experiment. Viel Spaß weiterhin mit dem wilden Grünzeug und den vielen neuen Aromen. Liebe Grüße aus den Nesseln
    Sindy

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