Samstag, 19. Juli 2014

Schafgabe - die Schwester der Kamille

Die Schafgabe (Achillea millefolium) ist eine der wohl interessantesten Pflanzen in der Naturheilkunde und steht der echten Kamille in nichts nach.  Nur der Geschmack der Schafgabe ist extrem bitter, was ihre Verwendung in der Küche stark begrenzt.

Schafgabe sammel lohnt sich - ein Heilkraut für Bauch und Unterleib

Schafgabe lässt sich prima trocknen und auch im getrockneten Zustand vielseitig verwenden. Sie fehlt in fast keiner Kräutermischung und gilt als Geheimtipp unter den "Frauenkräutern". Tee mit Schafgabe hilft gegen Magenbeschwerden, Bauschschmerzen, Durchfall, Blasenschwäche, Regelstörungen, Menstruationsbeschwerden und Krampfadern, sie wirkt blutreinigend und hilft sogar bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen (denen wenn man das Gefühl hat das das Hirn würde platzen). Vor allem ist Schafgabe ein echtes Gallentonikum.

Die Pflanze hilft sogar gegen Bettnässen, wenn man Kindern eine Teemischung aus Schafgabe, Johanniskraut, Kamille, Zinnkraut und Frauenmantel gibt, während eine Kombination aus Holunderblüten und Schafgabe eine heranschleichende Erkältung abfängt.

Bei Krampfadern muss man Schafgabe nicht unbedingt trinken, sondern man kann sie auch als Kompresse auflegen. Äußerlich angewendet kann sich ein schwarker Tee (1 Handvoll Kraut und Blüten für 15 min in 1l Wasser kochen) ins Badewasser gegossen positiv auswirken auf Gicht, Rheuma, Hömorrhoiden, Blasenschwäche und sogar bei Frostbeulen. Ein Gesichtsdampbad mit Schafgabe verschafft Linderung bei Akne und fügt man dem Dampfbad auch noch Kamille bei, bekommt man Nasennebenhöhlenentzündungen gut in den Griff.

Schafgabensirup - Bittere Medizin mal ein Bisschen süß

Medizin muss bitter schmecken?  Die positiven Wirkungen der Schafgabe lassen sich auch mit einem Schafgabensirup herbeiführen. Ob nun die entzündungshemmende, antiseptische, krampflösende, harntreibende, blähungswidrige, verdauungsfördernde, anredende oder menstruationsregelnde Wirkung gewünscht ist -hier kann man es auch mit einem Schafgabensirup versuchen. 2-3 TL am Tag sollten genügen.
Dafür zupft man möglichst akribisch die einzelen Blüten von den Dolden, bis man etwa eine Tasse voll hat. Je mehr Grünzeug man dabei dran lässt, desto bitterer wird der Sirup. Die Bitterstoffe stecken überwiegend im Kraut.
Die Blüten kommen in einer Schale und werden mit dem Saft von 2 Zitronen übergossen.
Dann löst man 1kg Zucker in  1l heißem Wasser auf und übergießt die Blüten damit. Die Schüssel wird abgedeckt 2 Tage an einem warmen Ort gestellt und immer wieder umgerührt.  Anschließend seiht an die Sirup ab und füllt ihn in sterile Flaschen. Will man den Sirup nicht gleich verbrauchen, kann man ihn auch einkochen.

Das Thujon im Schafgabentee oder was die Pflanze mit Absinth gemeinsam hat

Für Tee verwendet man 2 TL Kraut und/oder Blüte auf 250 ml kochendes Wasser und lässt die Schafgabe 10 min ziehen. 3 Tassen pro Tag ist die allgemeine Dosierung. Der Tee schmeckt jedoch ziemlich widerlich, was die meisten per se schon davon abhalten wird, ihn über einen längeren Zeitraum zu trinken - die Natur schützt den Menschen von von sich aus gegen Missbrauch. Denn in der Tat sollte man nach max. 8 Wochen Teekurz eine längere Pause einlegen: Schafgabe enthält Thujon - der Wirkstoff, der auch im Absinth steckt, und der wirkt leider giftig. Thujon kommt in größeren Mengen im Wermut vor und vor allem in der Thuja (namengebend), in geringen Mengen findet man Thujon auch im Rosmarin, Salbei und Thymian. Kein Grund also, auf Schafgabe ganz zu verzichten, denn auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift und Thujon in der Schafgabe ist neben nicht so hoch dosiert wie in der Thuja, aber eben mehr enthalten als im Rosmarin. Bei längerer Anwendung kommt aber dann doch einiges zusammen und man sollte dem Körper die Möglichkeit geben, sich davon zu erholen. Eine schöne, informative Seite über Thujon findet sich unter http://www.thujone-info.com/. Hier könnt Ihr Euch genauer über die "grüne Fee" im Absinth informieren.

Die weiteren Inhaltsstoffe der Schafgabe

Neben dem Thujon enthält die Schafgabe auch noch Campher (schleimlösend, durchblutungsfördernd) , Eukalyptol (schleimlösend, bakterizid)  und Cumarin (aromatisierend, einige Cumarinderivate sind blugetinnungshemmend)  - alles Namen die dem Kräuterkundigen doch irgendwie vertraut vorkommen. Weniger bekannt sind Proazulene (gelten als qualitätsbestimmend für die Schafgabe) und die Klassiker der Inhaltstoffe wie Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Mineralstoffe und Natrum. Natrium? Ja, denn tatsächlich schleußt Schafgabe Natium in die Körperzellen und deswegen ist ein Tee aus Schafgabe auch bei Stoffwechselstörungen durchaus förderlich. Schafgabe ist als Heilkraut eben wie die Schwester der Kamille.

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