Freitag, 5. September 2014

Der Erdbeerbaum: eine mediterane Wildfrucht gegen Durchfall

Es ist kurios, was einem im Urlaub so manchmal passiert. Da schlendet man gemütlich durch einen Kiefernhain und plötzlich hört man ein "Nein Kind! Iss die Beeren nicht, die sind giftig!" Nicht, dass ich in Frankreich eher französisch als deutsch erwartet hätte, ich musste mich auch erst mal gründlich umschauen, um überhaupt etwas Giftiges zu finden. Die Sonnencreme war dann das Giftigste, was im 50 m Umkreis zu finden war. Tatsächlich stand eine Mutter vor einem 2-3 m großem Busch mit gelben, orangefarbenen und roten Beeren und fischte mit den sonnencremeverschmierten Fingern eine rote Beeren aus dem Mund ihrer 5-jährigen Tochter. Instinktiv ist es ja nicht falsch Unbekanntes besser nicht in den Mund zu stecken. Doch da juckte mich meine pädagogische Schlaumeiere wieder und ich musste dem Kind erst einmal zu Hilfe eilen und die Mutter etwas beruhigen: "Keine Panik! Das Kind zuende kauen lassen! Die Früchte sind essbar! Das ist der Erdbeerbaum." Allein beim Wort "Erdbeere" entströmte der zuvor so panischen Mutter ein Seufzer der Erleichterung.

Eine echte mediterane Wildfrucht ist der Erdbeerbaum. Aromatisch ist er nur wenig, aber immerhin ein gutes Durchfallmittel in Urlaub am Mittelmeer.

Der Erdbeerbaum ist mit dem Blaubeeren verwandt

Der Erdbeerbaum (Arbutus unedo) ist im Mittelmeerraum recht häufig zu finden, vor allem als Unterbewuchs in Kiefernhainen. Er gehört zu den Heidekrautgewächsen, ist also eher mit Blaubeere verwandt, als mit der Erdbeere. Seine Beeren sind anfangs grün, gehen dann vom Gelb in Rot und erst wenn sie auf Fingerdruck weich werden, sind sie nicht nur essbar, sondern haben auch ein wenig Geschmack. Unreif sind sie wirklich ungenießbar, aber nicht giftig.

Nur wirklich reife Erdbeerbaum-Früchte haben ein zartes Aroma

Das Aroma der Früchte ist nicht besonders kräftig und je nach Reifegrad von fade bis fein säuerlich zu bezeichen. Sind die Beeren richtig reif, dann schmecken die Früchte entfernt nach Aprikose und Melone und sind leicht süß-sauer. Nach Erdbeeren schmecken sie leider gar nicht, einzig das Aussehen der Früchte erinnernt entfernt daran...nach zwei bis drei Schnäpsen.

Natürliches Mittel gegen Durchfall und lokale Spezialität

Bei Wanderungen kann man sich immer mal ein paar reife Exemplare in den Mund stecken. Die Früchte sind gut gegen zu flüssigen Stuhlgang - was einen ja immer dann trifft, wenn es grad so gar nicht passt, vor allem im Urlaub. Leider hatte ich in meinem Urlaub weder Einmachzucker noch Doppelkorn dabei, denn aus den Früchten lassen sich recht bekannte Spezialitäten zaubern: Den "Medronho" kennen vielleicht die Portugal-Fans, jener mit Erdbeerbaumfrüchten aromatisiere Schnaps, während Sardinienurlauber wahrscheinlich eher den Blütenhonig "Amaro di Corbezzolo" kennen - als Mitbringsel für zu Daheimgebliebene.
Wir haben die Früchte einfach pur gegessen,  in den Joghurt gerührt oder in den Obstsalat gemischt. Ich kann mir die Erdbeerbaumfrüchte auch als Füllung für Pfannenkuchen in Kombination mit Sahne gut vorstellen, da der  Fettanteil der Sahne ein guter Geschmacksträger ist und das zarte Aroma noch intensivierten würde. Im nächsten Urlaub werde ich das einmal testen.

Die beiden Wäscheklammern rechts sind
aus Kiefernholz. Der Koch"löffel" und die
Wäscheklammer direkt darüber aus
Erdbeerbaumholz.







Der Erdbeerbaum hat hartes, rötliches Holz

Stundenlang hat mein Sohn an dem schönen, roten Holz herumgeschnitzt: "Warum muss das nur so hart sein?" Und das ist es in der Tat und hat dank seiner Härte auch einen sehr guten Brennwert. Fast schon schade, dass der Erdbeerbaum keine bei uns einheimische Pflanze ist. Die zerbrochene Wäscheklammer und mein zu Hause vergessener Kochlöffel, hat mir mein Sprössling im Urlaub aus dem Holz des Erdbeerbaums provisorisch zurecht geschnitzt. Wahrscheinlich die schönste Urlaubserinnerung überhaupt.



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