Samstag, 20. Juni 2015

Blumige Nudelkunst oder das Auge isst mit (und hier wird es auch satt)

Dies fällt unter die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht, aber dennoch wunderschön sind". Bilder solcher "Blumen-Nudeln" kursieren im Internet. Ich war mal wieder neugierig: Wie schwer ist es, so was nachzumachen? Wieviele Fehlversuche braucht man?  Was geht leicht, was nicht? Welcher Nudelteig eignet sich? Und vor allem: Wie sehen so wunderschöne Nudeln nach dem Kochen aus? Was passiert dann mit der blumigen Kunst?

Denn das Auge isst mit: So schön können Nudeln sein.

Grundrezept für die Nudeln nach Mamma mia:

1 Ei auf 100 g Mehl. Basta.

Die Eier werden zuerst mit einer Gabel unter die entsprechende Menge Mehl  gerührt, dann gründlich geknetet bis man an die Nudelmaschine gehen kann. Ist der Teig zu trocken: etwas Wasser zufügen. Ist er zu feucht, kommt etwas Mehl hinzu. Der Teig darf nicht kleben und nicht brechen. An der Nudelmaschine müssen die einzelnen Portionen sehr häufig durchgenudelt werden, damit der Teig elastisch wird. Wir hatten 6 Eier und 600 g Mehl in Arbeit.
Die Blütenblätter kommen in der finalen Nudelrunde auf den Teig. Um die (Blüten-)Blättern zu fixieren wurde die Nudelstärke auf 9 gesetzt (die dünnste Stufe).
Gekocht wird in Salzwasser mit einen Schuss Olivenöl. Also vom Rezept her nichst Spektakuläres.
Sieht ja noch recht aufgeräumt aus. Das Versuchmaterial liegt bereit, die ersten Probekurbelrunden
waren erfolgreich.

Als Pflanzenmaterial für Nudel-Kunst geeignet (eine Auswahl)

Nur mal Grünzeug: Rucola, Beifuß, Brennnessel
  • junge Rucola-Blätter
  • junge Brennnesselblätter
  • junge Gierschblätter
  • junge Pimpernellenblätter
  • Malvenblütenblätter
  • Nachtkerzenblütenblätter
  • Ringelblumenblütenblätter
  • Veilchenblütenblätter
  • Rosenblütenblätter
  • Gänsefingerkraut-Blättchen
  • Dillblättchen
Je feiner und filigraner, desto schöner.

Einmal duchnudeln - das reicht nicht, da und dort heben sich
die Blätter von den Nudeln ab. Beim Trocknen werden die
Pfanzen an solchen Stellen unansehlich und brüchig. Also
nochmal durchnudeln.
Weniger geeignet: Taglilienblütenblätter, Kapuzinerblütenblätter und alles was zu dick, fleischig oder fasrig ist. Junge Gundermannblätter kann man verwenden, die älteren schon nicht mehr.

Das Kunstwerk im Kochtopf

Im Kochtopf gehen die  leuchtenden Farben verloren. Einzig meine geliebte grüne Brennnessel sticht noch hervor. Hab ich schon erwähnt,  dass ich Brennnessel liebe? Je mehr ich mich mit den garstigen Monstern befasse, desto mehr bin ich ein Fan von ihnen. Hier punkten sie nun auch mit ihrer Unverwüstlichkeit und ihrer schönen Optik. Die anderen Pflanzen erkennt man kaum mehr. (Das Bild ist weiter untern).

Mein Fazit der Aktion "Nudel-Kunst mit Unkraut"

Die Taglilien-Blütenblätter zerlegt die Nudelmaschine in ihre
Fasern. Spannend, aber für Nudeln ungeeignet.

Rosa Nachtviolen-Blütenblätter und Rucola. Hübsch.
Solch wunderschön anzusehenden Nudeln sind ein perfektes Geschenk für Leute, die schon alles haben und die sich über Selbstgemachtes und die darin investierte Zeit erfreuen, oder für Menschen, die eine ganz besondere Portion Liebe benötigen.  Ich selbst war bei der Aktion zwischen Freud und Leid.
Auf der einen Seite hat es natürlich wahnsinnig Spaß gemacht, herumzuprobieren, zu schauen, welche Pflanzen sich "durchnudeln" lassen, und welche nicht so geeignet sind. Meine Jungs düsten durch den Garten und kamen mit immer neuen Blüten und Blättern an: "Mama, das mal probieren." Beim Gras war dann aber Schluss. Die ganze Aktion hat uns mal wieder einen ganzen Nachmittag beschäftigt.
Die ersten 3 Minuten im Topf. Noch sieht es gut aus, aber die
Farben verblassen immer mehr.
Für das Titelfoto dieses Beitrags kann man etwa noch ein Drittel bis die doppelte Menge an Nudeln dazu rechnen, die nichts geworden sind: Entweder wurde der Teig zu matschig, wie bei den saftigen Taglilien, oder der Teig ist zu schnell beim Durchnudeln zerrissen, weil die Mittelrippe der Blätter zu derb bzw. dick war (wie beim Beifuß). Auch ungrade Ränder die abgeschnitten werden mussten, zähle ich dazu. Ebenso haben die Blätter nicht immer beim ersten Mal an den Nudeln gehalten, vor allem als wir dickere Nudelstärken ausprobiert haben. Auch haben wir versucht sie in den Teig zu integireren (indem wir sie zwischen 2 Teigschichten gepackt hatten), aber da war das Ergebnis zu blass und der Aufwand nicht gerechtfertig. Wie haben die Nudeln dann meist zwei Mal durchgedreht: Das erste Mal um die Blätter mehr oder minder zu fixieren, das zweite mal bei der dünnsten Stärke, um die Blätter ganz in den Nudelteig zu pressen. Auch dabei gab es natürlich Missgeschicke und aus so manch schöner Nudel wurde ein Verkehrsunfall. Die Unfälle und Fehlversuche landeten dann ebenfalls im Nudeltopf mit der Mama-Portion (ich hatte wohl die größte :-)) . Die Kinder wollten natürlich nur die schönsten Exemplare.
Leider lassen sich solche Nudeln nicht gut mit der Schneidvorrichtung der Nudelmaschine schneiden (jedenfalls nicht mit meinem Einfach-Nudelmaschinchen). Deswegen wurden alle Nudeln per Hand und einen Messer geschnitten. Der Vorteil: Man kann sich schöne Stücke raussuchen und präzise schneiden. Der Nachteil: Mamma mia! Was für eine Arbeit! Für 4 Personen steht man ewig in der Küche! Nach 3 Stunden durchgenudel hatten wir dann alle keine recht Lust mehr. Ich hab dann kurzerhand noch eine Nudelportion ohne Verziehrung durchgeleiert und war froh, als ich mich ans Aufräumen begeben konnte. Was für ein Akt.
Soße? Nein, keine Soße! Da sieht man ja nichst mehr. Diese Nudeln isst man Aglio e olio: Mit zerdrücktem Knoblauch und Olivenöl. Ironie des Schicksals: Meine Jungs kippten natürlich Tomatensoße drüber. Ähm....hattet ihr nicht die schönsten Nudeln?

Seht ihr die Brennnessel? Die lässt mich nie im Stich! Dazu am besten: Aglio e olio,
also nur Olivenöl und Knoblauch.

 

Die Wildkräuter-Alibi-Nudel, die Nudelstärke und die Farbe

Die Brennnessel mal wieder: Sie entpuppte sich hier
einmal mehr als mein absoluter Favorit.
Insgesamt ist mir zu wenig Wildkraut in diesen Nudeln. Es sind sozusagen  "Alibi-Nudeln" nach dem Motto: "Aber da waren doch 3 Blätter Brennnessel drin....".  Beim nächsten Mal, werde ich ganze Brennnesselblätter auf die ohnehin schon grünen Brennnesselnudeln legen und diese durchzunudeln. Ob man einen Unterschied zwischen "normal grünen Nudeln" und den Dekoblättern sehen wird?  Ich werde euch berichen.
Ich mag Nudeln so dünn wie es geht, weil die einfach fix fertig sind. Deswegen habe ich die Einstellung der Nudelstärke auf die dünnste Nudeldicke gestellt. Die Nudeln die man im Internet in dieser Version findet, haben meist einen Gang durch die Nudelmaschine bei Stufe 6 hinter sich, manchmal auch 7 (als mittel bis grad so dünn). Dadurch werden die Blüten nicht  durch die Quetschung "verzerrt", aber die Blüten trocknen dann innerhalb der Nudel und verändern ihre Farbe. Das fand ich schade. Auch deswegen war ich mit der dünnsten Einstellung  sehr zufrieden. Die (Blüten-)Blätter wurden dadurch zwar in die Länge gewalzt, trockneten aber binnen 2-3 Stunden in der Sonne vollständig und behielten auch 2 Tage später noch ihre kräftige Farbe (was mich vor allem bei den Malvenblüten und Rucola-Blättern sehr gefreut hat). Mit 10 Minuten Garzeit sind die Nudeln gleichmäßig durch. Schmecken tut man die grüne/bunte Pracht nicht, aber das Auge isst ja mit, und so fallen diese Nudeln mal wieder  unter die Kategorie "Seelennahrung". Irgendwie waren sich alle einig: Dies war das schönste Nudelgericht ever.
Die Malvenbüten machten aber auch eine gute Figur auf den Nudeln.
Leider verliehren sie beim Kochen fast ganzlich die Farbe.
Nudeln zu schön zum Essen.

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