Themen

Dienstag, 20. Mai 2014

Wie man aus Brennesseln eine Fasermatte herstellt

Ein Deckchen aus Brennnesseln


Von einer Kindergärtnerin wurde ich mal gefragt, ob ich mit den Kindern nicht mal Stoff aus Brennnesseln herstellen könnte. Ich las mich in das Thema ein und kapituliert. Ein Tuch aus Nesseln herzustellen, das bedarf schon einer ziemlich aufwändigen Prozedur. Doch so ganz aufgeben wollte ich die Idee aus Brennnesseln Stoff oder wenigstens "irgendwas" herzustellen auch nicht.
Eines Tages drehten wir mal wieder Brennnesselnudeln durch die Nudelmaschine und um mich zu ärgern, steckte mein Sohn ein Brennnesselstil dazwischen. Ich staunte nicht schlecht: Die Fasern, aus denen der Brennnesselstoff gewebt wird, waren zum Greifen nah.Und somit war der Grundstein für diese Idee gelegt.
Die Brennnesselfasermatte, sozusagen die Urmutter aller Brennnesselstoffe.

Entblätterte Brennnesselstile sind das Ausgangsmaterial.
Ein paar mal mit einem Handschuh abstreifen, dann sind alle Brennhaare abgeknickt.

Aufgeschnitten kann man die Fasern der für den Brennnesselstoff schon erkennen.


Die Nudelmaschine wir ein wenig zweckentfremdet.
Beim Durchnudeln brechen die Fasern aber gut auseinander.
Manchmal endet das Durchnudeln aber im Desaster.
Hier lassen sich die Fasern zwar gut erkennen,
zum Weben ist dieser Stängel allerdings nicht mehr tauglich.
So sieht gutes Augangsmaterial zur Weiterverarbeitung aus.
Zum Weben stecke ich die Fasern auf einer Schaumstoffmatte fest.
Weben lassen sich die störrischen Fasern gut, solange sie noch feucht sind.


"Brennnesselstoff" ist das noch nicht, aber eine Brennnesselmatte aus Brennnesselfasern.
Dies kann nun am besten zwischen Zeitungspapier und einem Stapel Bücher gepresst ein paar Tage fertigtrocknen.

Nette Tischdeko für Naturfreunde: Die Brennnesselfasermatte.


10 Kommentare:

  1. Sehr cool, und dazu auch noch dekorativ! Kann ich mir richtig gut vorstellen als Deko-Element auf einem sommerlichen Landhaus-Tisch! :)

    Nachdem mich dieses Wunderkraut schon im Kochtopf überzeugt hat, bin ich jetzt auch motiviert, es mal anderweitig zu verarbeiten. Danke dafür ;)

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Birgit,
    vielen Dank. Zieh Handschuhe an - wenigstens bis die Stängel durchgenudelt sind.
    Eine Freundin hat die Dekomatte, die ich ihr geschenkt hatte, einlaminiert. Die hat sie bis heute, allerdings hätte ich es lieber gesehen, wenn mein Geschenk plastikfrei geblieben wären. Nach dem kompostieren hätte sie auch ein neues bekommen. Immerhin sind Nesseln ja wirklich ein schnell nachwachsender und nachhaltiger Rohstoff.
    Bitte gern. Und viel spaß weiter hin mit dem "Wunderkraut" :).
    Liebe Grüße Sindy

    AntwortenLöschen
  3. wäre vll ein nudelholz eine alternative zur nudelmaschine? schöner beitrag! befass mich grad intensiver mit alten stoffmaterialien (hanf, leinen). die brennessel ist - eine sehr besondere pflanze. und man findet sie überall.

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Lisa,
    mit Nudelholz ist das ein Kraftakt, weil die Stengel doch relativ hart sind. Mit den Hammer braucht man viel Feingefühl, um die Stengel gleichmäßig zu beklopfen. Für mich war die Nudelmaschine die einfachse, schnellste und gleichmäßigste "Bearbeitungsmaschinerie", die ich zu Hause hatte. Aber sei kreativ. Wenn du eine gute Methode gefunden hast, lass es mich wissen.
    Liebe Grüße Sindy

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Freunde der gewebten Nessel,
    mir kommt es so vor, alsob hier eine "Webholzmatte" entstanden ist. Die Nesselstängel lassen sich jetzt im August (2. Ernte, sonst im Juni bei der Blüte) sehr gut schälen. Beim Ernten braucht man Handschuhe, bis die Blätter abgestreift sind. Sobald der Stängel einmal der Länge nach durch den Handschuh gezogen wurde kratzt er zwar noch, brennt aber nicht mehr (zu 99% mindestens). Entweder "kalandriert" man die Stängel mit dem Nudelholz (flach drücken) oder man klopft sie mit einem handlichen runden Stein platt. Aufgefaltet läßt sich die Rinde gut vom Holz lösen. Alternativ kann man die Rinde tangential längs mit dem Daumennagel einritzen und dann längs die Kerbe immer weiter um den Stängel arbeiten, bis die Rinde im Ganzen abfällt.

    Jetzt scheiden sich die Wege in der Verarbeitung. Man kann, ähnlich wie oben gezeigt, aus den vorgetrockneten Streifen weben, oder man macht Kordel. Für letzteres werden die Rindenstreifen frisch längs in dünne Streifen gerissen (macht den Kindern sicher Spaß beim Mitmachen). Dann werden sie getrocknet und können jetzt zu einer langen, recht haltbaren, Kordel verarbeitet werden. Es wird dabei immer gleichzeitig an zwei Einzelgarnen gesponnen und sofort gezwirnt. Die Kordel läßt sich zwar auch aus frischen Streifen spinnen, wird aber nach dem Trocknen recht lose. Daraus läßt sich dann ein recht stabiles Gewebe erzeugen oder man kann damit Dinge zusammenbinden.

    Viele Grüße von Dietmar

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Dietmar,
      das mit den Kordeln ist eine Superidee. Werd das die Tage gleich mal ausprobieren. Die Brennnesselsamen-Ernte ist ja im vollen Gang und bei der Gelegenheit schneide ich die Nessel ohnehin wieder kurz, damit ich im Herbst frisches Brennnesselgemüse habe :)
      Vielen Dank für den tollen Tipp.
      Beste grüße aus den -noch- hohen Nesseln.
      Sindy

      Löschen
  6. https://vimeo.com/225183045 ein interessanter Film über das herstellen von Stoffen aus Brennessel

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Freunde der gesponnenen Nessel!

    Hier kommt eine Version, die man im Winter bearbeiten kann. Man braucht Nesselstängel, die schon abgestorben sind. Sie sollen brasun sein und dürfen schon einige Schecken und faserige Stellen zeigen, aber noch nicht hellbeige und glatt. Diese Stängel sind einem natürlichen Rotteprozess unterworfen, der langsam genug läuft, daß man ein gutes Zeitfenster zur Ernte findet.

    Die geernteten Stängel werden getrocknet und dann entweder längs aufgeschlitzt oder gewalzt bzw. geklopft. Sie lassen sich dann auffalten, daß die Rinde unten und das Holz oben liegt. Jetzt bricht man knapp zwei Finger breite Stücke des Holzes nach unten (richtung Rinde) ab und zieht die Fasern vom Abschnitt ab. Nach einigen Wiederholungen hängt ein Streifen Rinde am Rest vom Stängel, den man dann wiederum nach unten vom längeren Stück Stängel lösen kann. Es reißen immer mal kleinere Rindenabschnitte mit den Abschnitten ab. Diese Rinde wird abgezupft und ebenfalls grob nach Länge sortiert gesammelt. Sobald ein Häufchen lose kleinfingerdick ist wird es quer über die Handflächen gelegt und zwischen den Händen gerubbelt, bis die Fasern sichtbar sind. Diese Faserbündel können jetzt zu einem recht festen Darn verarbeitet werden, wie ich es oben zur grün geschälten Nesselrinde skizziert habe. Die Verarbeitung ist um Einiges mühsamer, aber das Resultat ist deutlich "textiler" und läßt sich vermutlich auch zum Häkeln, Stricken, Flechten, Weben oder Knüpfen nutzen.

    Viele Grüße von Dietmar

    AntwortenLöschen
  8. Hallo,
    ganz hübsche Seite! Tolle Tipps! Tipp von mir zum Brechen der Stängel: Mit beladener Sackkarre drüberfahren. Dazu den Untergrund mit Bedacht wählen. Alternativ: Auf hartem Boden ausbreiten und mit Holzschuhen drüberlaufen

    AntwortenLöschen