Montag, 3. Juli 2017

Mädesüß-Tarte zum Blogevent "Kräuter machen Laune" von Talu

Mädesüß-Blüten als Aromageber der Tarte - da machen Kräuter Laune.
Mal wieder ein guter Grund zu bloggen:  Dieser Beitrag ist dem Kräuter-Wettbewerb "Kräuter machen Laune" von Talu gewidmet, einen neuen Portal, bei dem sich auch Kräuterfans sicher wohlfühlen werden. Klar suche ich mir für so einen Beitrag weder Schnittlauch noch Petersilie aus, und auch wer glaubt, dass ich nun zu Brennnesseln und Giersch greife, wird sich wundern. Es ist Mädesüß-Zeit! Also zielt mein Beitrag eher auf die Dessert- und Kuchenfraktion unter euch ab. Was habe ich davon? Eine Mädesüß-Tarte! Lecker. Und natürlich schiele ich ein wenig auf den Publikumspreis - eine Gewürzmühlenset. Ich bin ja bescheiden. Doch das habe ich nicht in der Hand, sondern ihr!

Mürbeteig mit einer Quark-Ei-Nuss-Füllung und dem Geschmack von Honig und Mädesüß.
Als Bestäubung wurden kalorienarm einfach ein paar Mädesüßblüten über die Tarte geschüttelt.
Sieht ein wenig aus wie eine Fleischpastete mit Faschings-Konfetti...schmeckt aber ganz anders ;)

Doch erst die Arbeit und das Vergnügen. Mädesüß! Das findet ihr aktuell an Wasserläufen und kleinen Bächen. Mädesüß gehört zur Hochstaudenflur, zusammen mit Blutweiderich und einigen anderen sehr köstlichen, wilden Vertretern der einheimischen Flora. Zu erkennen ist es wirklich leicht, an seinen wie gelblich-weiße Wolken aussehenden Blütenständen, die nach Zahnpasta oder Kaugummi duften - die Salicylsäure machst möglich. Davon sammelt ihr ein Stäußchen. Sammelt gleich ein wenig mehr und trocknet  die Blüten: Sie sind ein super Teebestandteil und wirken bei Erkältungen mit Kopfschmerzen und Fieber und schmecken auch noch, wie sie riechen.

Sieht mehr aus, als es ist: Die Zutaten für die Tarte. Optional ist Marmelade zum Bestreichen.

Zutaten und Zubereitung der Mädesüß-Tarte 

Butter -  bei 40 Grad Außentemperatur lassen wir  
die einfach in der Sonne schmelzen.

Für den Teig (ein klassischer Mürbeteig tut es auch):

  • 250 g Mehl
  • 80 g Zucker
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 150 g Butter

Für die Füllung:

Mädesüß - eine Handvoll großer Stauß ergibt....
  • 3 Eier
  • 50 g Butter
  • 250 g Quark (abtropfen lassen)
  • 100 g gemahlenen Haselnüsse oder Mandeln
  • 80 g Honig 
  • 1 kleine Bio-Orange
  • 1 Strauß (etwa 15 Stängel) Mädesüßblüten
  • 3 EL Gelee (z.B.  Johannisbeergelee oder Orangenmarmelade oder einfach  Honig) 

Zubereitung der Tarte:

...entweder gezupft oder mit der Kräuterschere geschnitten...
Für den Teig Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Vertiefung drücken und die Butter in Flöckchen hineingeben, ebenso Zucker, Vanillezucker, Salz und das Ei. Schnell zu einen Knetteig kneten und mindestens 30 min kühl stellen. Anschließend ausrollen und ein Tarteform damit auskleiden. Die mit Teig ausgekleidete Backform ins Eisfach stellen und sich derweil um die Mädesüßblüten kümmern.
...eine Handvoll Mädesüßblüten, fertig zur Verarbeitung.
 ...und derweil ist auch die Butter umweltfreundlich und
energieeffizient in der Sonne  geschmolzen.
Für die Füllung die Mädesüßblüten von den Blütenstielen zupfen  und kleinschneiden (oder wer eine komfortable Kräuterschere hat, kann die Blüten direkt von den Blütenstielen schneiden - mein Dank für diese Schere geht an Talu! Zukünftig verwerte ich wohl die doppelte Menge Wildkräuter in der Hälfte der Zeit :-)). Butter schmelzen und die Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen. Butter, Quark, Nüsse, Honig und den Abrieb der Orange und den Saft einer halben Orange miteinander verrühren. Dann das steife Eiweiß und die Mädesüßblüten unterheben und die Füllung in die Form füllen. Ab in den Ofen: bei 200 Grad Umluft muss man sich noch 25 min gedulden. Am letzten Drittel der Backzeit ein Auge aus das Backwerk haben und wenn es zu dunkel wird, mit Alufolie abdecken. Noch heiß mit dem Gelee bepinseln, abkühlen lassen und erst dann aus der Form lösen.

Was ist eigentlich ein "Kraut"?

Eine unkonventionelle Backform: zusammengetackertes
Backpapier. Meine Tarteform ist
runtergefallen und zerbrochen.
Eiweiß und Mädesüßblüten kommen nun in die Füllung,
werden aber lediglich untergehoben und nicht gerührt.
Das sieht nun nicht so spannend aus: Die Mädesüß-Tarte
vor ihrem Besuch im Ofen.
Wie gewohnt gibt es zum Rezept noch ein wenig botanisches Geplauder dazu. Dieses Mal fiel mein Blick auf meinem Tisch immer wieder auf das Holzschild: "Ich liebe Kräuter".  Wirklich nur Kräuter? Was genau ist das eigentlich, ein Kraut? Macht sich darüber noch jemand anderes Gedanken, außer  eine UnKRAUT liebende Botanikerin?
Ein Kraut ist botanisch nämlich genau definiert. Es handelt sich um eine nicht verholzende Pflanze, die nach der Blüte und der Ausbreitung ihrer Samen abstirbt oder sich zumindest  ins Erdreich zurückzieht. Im Winter sieht man von ihr also entweder gar nichts, oder lediglich die letzten Reste ihrer Stängel aus der Erde ragen. Aha! Klingt einfach. Was ist mit den mehrjährigen Kräutern? Schaut man genauer hin, ist das auch erst mal keine komplizierte Sache, noch nicht mal bei der zweijährigen Nachtkerze. Diese wächst im ersten Jahr als grüne Bodenrosette, zieht sich im Winter ins Erdreich zurückziehen und im Folgejahr treibt sie kräftig aus, bekommen Blüten, Samen und dann stirbt sie artig getreu der Definition ab. Passt. Gelegentlich gibt es Kräuter, deren grüne Stängel dank milder Winter erhalten bleiben und dann mehrere Jahre in Folge wieder austreiben. Bei meiner Malven kann ich das jedes Jahr beobachten, aber nur, wenn ich sie nicht niedersense. Solche "Ausreißer" schulden wir mitunter auch dem Klimawandel. Verholzen tun die Stängel der Malve dabei aber auch nur partiell, weshalb wir hier ein Auge zudrücken können. Soweit so gut. Nun schauen wir in die Küche und schon wird es mächtig kompliziert. Von wegen Küchen"kräuter"...
Denken wir an Rosmarin, Thymian und Lavendel. Nein, diese Gewächse bitte nicht als junge Pflanzen vorstellen, sondern als schöne große Exemplare in der spanischen Macchia oder wie man sie in wirklich guten Gärtnereien bekommen. Manche dieser Pflanzen sind mitunter mehrere Jahrzehnte alt und haben schon einen richtigen kleinen Stamm. Stamm? Das, woran ihr nun denkt, ist richtig. Ich seid sozusagen auf dem sprichwörtlichen Holzweg, der aber kein Holzweg im sprichwörtlichen Sinn ist. Denn Stämme sind tatsächlich immer verholzt. Streng genommen müsste man Rosmarin und Co.  deshalb zu den Büschen zählen, nicht zu den Kräutern. Selbst Basilikum verholzt, wenn man aus ihm einen richtigen Busch zieht. Diese kulinarischen Vertreter des Mittelmeerraumes sterben auch nicht nach der Blüte ab und ziehen sich im Winter auch nicht ins Erdreich zurück. Damit sind sie botanisch betrachtet also keine Kräuter, sondern Büsche. Aber "Küchenbusch"  hat sich nicht durchgesetzt, was wohl daran lag, das ältere, heimische  Küchenkräuter wie Anis, Fenchel und Kümmel sich tatsächlich nach Kräuterdefinition verhalten und den Begriff Küchenkräuter längst geprägt hatten, bevor das mediterane Buschwerk unsere Küchenschränke infiltierte. Doch wen stört´s? Den Geschmack  nicht - höchstens den definitionsbesessenen Botaniker und der lässt sich mit Baldrian (ja ein echtes Kraut) besänftigen. Na, mit der Störung kann ich leben.

Mädesüß - ein Kraut das Laune die Stimmung wirklich hebt,
denn die Salicylsäure vertreibt Kopfschmerzen.

Blühende Kräuter - Mädesüß ist Inspiration pur

Auch wenn man bei "Kräuter" immer erst mal an "Grünzeug" denkt (mir geht es da nicht anders), verbirgt sich hinter so einen einfachen Begriff zusätzlich eine riesige, bunte, florale Welt - immerhin gehören dazu auch die vielen, schönen Kräutern mit ihren essbaren Blüten, wie etwa die Taglilien, Kapuzinerkresse, Stiefmütterchen und viele weitere. Das Mädesüß ist aus meiner Sicht eines der spannensten Wildkräutern für die Küche, die mich mit ihrem lieblichen und ungewöhnlichem Aroma jedes Jahr aufs Neue inspiriert, die Kochbücher zu verlassen und einfach darauf los zu kochen. Leider findet es bislang ein eher stiefmütterliches Dasein in den Küchen, auch wenn es seid vielen Jahrhunderten einen festen Platz in den Apotheken und Arzneien der Naturheilkundigen hat. Es wird Zeit, dass das Mädesüß, wie der Bärlauch es seid einigen Jahren auch erfährt, eine Küchen-Renaissance erlebt. Vielleicht ist dieses Rezept ja ein Anreiz, sich in neues Gebiet zu wagen. Irgendwo in diesem Blog habe ich noch einige weitere Mädesüß-Rezepte, etwa den Mädesüß-Pudding. Einfach mal im Rezept-Register gucken und inspirieren lassen. Kräuter und Büsche machen nämlich mächtig Laune ;)

Und nun seid ihr gefragt: Talu-Publikumspreis

Wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dann freue ich mich, wenn ihr beim Publikumspreis von  Talu mitmacht und für die Mädesüß-Tarte stimmt. :)


Meine Tarte ist ein Tick  zu dunkel geworden. Ah. Zwei Minuten zu lang gewartet.
Vorführeffekt. Tut dem Geschmack aber keinen Abbruch und lässt sich an der
Kaffeetafel mit Puderzucker, Schlagsahne kaschieren. Lecker ist sie trotzdem.

Sahne ist dazu köstlich. Aber an den weißen Blütentuffs darf sich erst einmal das Auge satt essen.
Mein Dank geht an Talu für die Kräuterschere, das nette Brettchen und den Block -
und natürlich für die Einladung zum Kräuter-Wettbewerb.

Als Tipp von meinen Männern: Esst die Tarte warm mit einer Kugel Vanilleeis.
Viel Spaß beim Nachbacken.

Kommentare:

  1. Liebe Sindy,
    kürzlich haben wir auf einem Kochtag bei meiner Lieblingskräuterköchin eine Mädesüß-Cassis-Creme fabriziert mit viel Sahne, die traumhaft geschmeckt hat. Leider hab ich noch nie selber Mädesüß in der Natur gefunden. Aber allmählich, auch dank deines Beitrags, lerne ich das Kraut immer besser kennen und vielleicht find ich dann mal eine Stelle. Vielen Dank für dieses süße Rezept. Der Tipp von deinen Männern mit Vanilleeis klingt verführerisch.
    Liebe Grüße
    Tina

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  2. Liebe Tina,
    ja Mädesüß wächst nicht einfach auf der Wiese. Meist finde ich es an Bächen (und sein sie noch so klein, solange sie nur die meiste Zeit im Jahr Wasser führen) , Rückhaltebecken, Flussauen, gelegentlich auch in Senken von Feuchtwiesen oder an etwas stiefmütterlich Standorten wie Abwasserrinnen von landwirtschaftlichen Wegen (bei letztem Standort würde ich es schon wegen der damit meist verbundenen Pestizid-Spitzerei drum herum nicht pflücken). Es ist also nicht das sonst "typisch und überall" anzutreffende Grün, aber wenn du mal im Wald spazieren gehst, schau vorher mal auf der Karte, wo evtl. ein Bach entlangpätschert. Da würde ich mit dem Suchen anfangen. Immer dran denken: Nur maximal 1/3 des Bestandes sammeln, eher weniger, denn andere wollen ja evtl. auch noch etwas davon und zur Ausbreitung müssen ja auch noch ein paar Samen übrign bleiben. Ich drück dir die Daume!
    Liebe Grüße aus dem Mädesüß :)
    Sindy

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  3. Das Rezept klingt super interessant, werde ich auf jeden Fall ausprobieren! Bei Erkältungen sind normalerweise Probiotika von viaminexpress.org mein Geheimrezept. Werde aber auch mal versuchen ein wenig Mädesüß zu trocknen und mir davon dann einen Tee zu machen. :)

    Liebe Grüße
    Katja

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  4. Liebe Katja,
    mal eine Runde spaziren zu gehen und sich ein paar Heilpflanzen mit Heim zu bringen ist auf alle Fälle ein Versuche der nichts kostet und gleichzeitig gesundheitsfördernd ist. Ernsthafte Erkrankungen oder solche die länger als 3 Tage dauern, sollten aber immer auch von einen Arzt abgeklärt werden. Selbstmedikation erfolgt immer auf eigene Gefahr. Ich muss das hier leider immer wieder angeben, auch wenn ich der Meinung bin, das ein Mensch mit gesundem Menschenverstand das weiß und für sich selbst Verantwortung übernimmt. Insofern wünsche ich dir Wohlgeschmack und viel Gesundheit mit dem Mädesüßtee ;).
    Liebe Grüße aus den mannshohen Brennnesseln
    Sindy

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