Ein erdiger-veganer Detox-Aufstrich mit toller Knolle und Bodendecker
Eines der hartnäckigsten Wildkräuter und deshalb auch bis in den Winter hinein zu finden: der Gundermann. Stellenweise färbt er die Wiesen grüner, als Gras. Gundermann oder Gundelrebe ist nicht nur ein toller Bodendecker, sondern auch ein wirklich dankbares Küchenkraut.
Gelbe Beete und Gundermann sind ein erstklassiges Duo, wie hier in einen leckeren Brotaufstrich.
Das Aroma der grünen Pracht ist nicht jedermanns Geschmack, weshalb es erst mal sparsam verwendet werden sollte. Doch wer
rote Beete mag, der mag auch Gundermann. Beide schmecken recht erdig, bisweilen harzig und
passen deswegen geschmacklich auch zusammenpassen. Das Rezept lässt sich auch farblich interessant mit roter Beete zubereiten, aber damit kann ich meine Mini-Männer jagen: "Pink? Das ist was für Mädchen?! Bäh!". Ok, wie wäre es
mit "coolem Gelb"? Auf dem Wochenmarkt findet man sie hin und wieder: die gelbe Beete. Das
schöne ist, das man sie auch ohne Handschuhe schälen kann und sie färbt nicht so
penetrant wie ihre rote Schwester.
Von Detox-Pflanzen, Hexen und Malern
Und der Gundermann? Früher haben ihn Maler prophylaktisch gegessen, weil Gundermann diesem Berufsstand half, mit dem Blei, das aus den Farben in den Körper gelangt ist, besser zurecht zu kommen. Gundermann ist neudeutsch eine "Detox-Pflanzen". Klingt total hip. Doch neu ist das Wissen nicht. Viele Hexen sind wegen ihres Wissen um die entgiftenden Wirkung des Gundermanns schon verbrannt worden. Die Pflanze leitet also Schadstoffe aus dem Körper. Warum bis zu Frühling warten, um sich was Gutes zu tun? Und weil auch das irgendwie grade Trend ist: ja, das ist ein veganes Rezept. Völlig unbeabsichtigt vegan - vorausgesetzt ich habe alle Käfer gefunden ;)
Zutaten für den Gelbe-Beete-Gundermann-Aufstrich
Gelbe Beete? Das Rezept funktioniert auch mit roter Beete, die Farbe ist dann viel spektakulärer,
aber unter Umständen hat das den gegenteiligen Effekt bei den liebe Kleinen: "Pink? Ess ich nicht."
Gelb geht aber immer.
3 gelbe Beete Knollen, frisch
1 Zwiebel
60 g Sonnenblumenöl
80 g Sonnenblumenkerne, geschält
1 TL Salz
20 Blätter Gundermann
Aufstrich einfach zubereitet
Die Beete und die Zwiebel schälen und nicht zerteilen. Die gelbe Beete im Ofen backen (siehe Tipp unten) bis sie sich mit einer Gabel einstechen lässt. Das dauert 45-60 min. Nach 30 min Backzeit die Zwiebel zufügen und die letzte viertel Stunde mitbacken. Wer möchte kann in den letzten 5 min auch die Sonnenblumenkerne mitrösten, aber des geht auch ohne.
Die Gundermannblätter waschen und sehr fein schneiden. Dann das Gemüse grob zerteilen und in einen hohen Becher mit den übrigen Zutaten füllen, mit Ausnahme des Gundermanns! Mit dem Pürierstab alles fein pürieren. Ist die Konsistenz zu dick, noch etwas Öl nachgießen. Jetzt den Gundermann hinzu geben und noch einmal kurz anpürieren.
Lecker Häppchen: Gelbe Beete-Aufstrich mit Gundermann veredelt.
Tipp für den Aufstrich
Macht den Aufstrich zu einer Zeit, wo ihr ohnehin den Ofen an habt. Er muss irgendwo zwischen 175 und 200°C liegen, dann passt das schon. Wegen drei Knollen den Ofen anzuwerfen ist unsinnig, die passen auch auf die unterste Schiene oder an den Rand des Bleches und färben, anders als rote Beere, auch nichts ein.
Im Kühlschrank hält sich der Aufstrich etwa 2 Wochen. Vielleicht auch länger...
ich kann das kaum beurteilen, denn bei uns ist er ohnehin viel schneller aufgegessen.
Bevor die Reste schlecht werden: áuch zum Dippen
Manchmal treiben sich die letzten Reste etwas zu lange im Kühlschrank herum. Was dann? Wenn er nach einer Woche noch immer nicht afgegessen ist, hilft Öl und Chilipulver. Fügt dem Aufstrich einfach noch ein wenig Sonnenblumenöl hinzu, grade soviel, dass sich eine cremige Konsistenz ergibt. (Ich selbst werde das beim Nächsten mal mit Frischkäse oder Creme fraiche ausprobieren), denn noch etwas Chilipulver oder scharfes Rosenpaprika-Pulver, je nach Geschmack, und beim nächsten Filmabend noch ein paar Kräcker oder Gemüsestifte dazu reichen. Und schwupps ist der letzte Rest Gelbe-Beete-Aufstrich verschwunden.
Spargel mit Sauce Hollandaise - so lecker das auch ist, irgendwann brauch man neue Kreationen. Gerade bei heißem Sommerwetter finde ich eine leichte Sülze am Abend irgendwie auch erwischend. Dieser kalte Kühlschrankglibber - fast ein wenig wie deftige Götterspeise.
Unkraut trifft königliches Gemüse: Sülze mit Spargel und Gundermann. Auch die Nachtviole ist essbar,
dient hier aber nur zur Deko.
Jedenfalls ist Spargel entwässernd. Und Gundermann? Der müsste eigentlich "Wundermann" heißen, denn Gundermann wurde früher als Prophylaxe gegen Vergiftungen ins Essen der Maler gegeben, weil viele Farben giftige Stoffe wie Blei enthielte. Und in der Tat findet sich Gundermann heute wieder in viele Detox-Getränken. Er hilft Giftstoffe aus dem Körper zu befördern. Sülze mit Spargel und Gundermann ist demnach entgiftend und entschlackend. Aber deswegen koche ich die Sülze nicht, sondern weil Gundermann den Spargel mal ganz anders würzt, als man das gewöhnt ist. Zu dieser Jahreszeit sammelt man am besten nur die Triebspitzen vom Gundermann, der Rest ist schon zu ledrig und eignet sich eher für Detox-Smoothies oder zum Aromatisieren von Kräuterlimonade.
Zutaten für die Sülze mit Spargel und Gundermann
Eine Handvoll Gundermann sind - ohne Stile - etwa 15-20 g.
Spargel aus der Region, woher sonst?
eine kleine Handvoll Gundermann (gern mit Blüten, sofern noch welche vorhanden sind)
500 kg Spargel
50 ml Gemüsebrühe
8 Blatt Gelatine
Salz, Pfeffer, etwas Zucker
einige Spritzer Zitronensaft
optional: 2-3 Blätter Zitronenmelisse
Zubereitung der königlichen Unkrautsülze
Nach dem Waschen wir der Gundermann bis auf einige Blättchen fein geschnitten, der Spargel wird geschält und der Spargel in etwas Butter mit der Gemüsebrühe gekocht. Nichts wegschütten!
Die Spargelschale wir in gut 500 ml Wasser mit etwas Butter und Zitronensaft ausgekocht, der Sud durch ein Sieb gegossen. Mit dem Kochwasser vom Spargel sollte es etwa 500 ml Flüssigkeit ergeben. Ist zu viel verdampft, mit Wasser auffüllen und mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken.
Die Gelatine in Wasser einweichen, ausdrücken und im Spargelwasser auflösen.
Nun eine Form mit Fischhaltefolie auslegen, oder, wer eine Pastetenform hat, kann diese direkt bestücken: Die Gundermannblättchen in die Form geben und dann abwechselnd Spargel und Gundermannhäcksel in die Form schichten und vorsichtig mit dem Spargelwasser angießen. Die Sülze kühl stellen, bis sie hart geworden ist, dann stürzen und die Folie entfernen.
Eine Backform dient mir als Pastetenform. Die
Frischhaltefolie hält die Sülze die nächsten
Tage frisch.
Tipps für schöne Schichtungen
Wer Zeit hat, kann nach der ersten Schicht etwas Spargelwasser in die Form füllen, bis der Spargel bedeckt ist und die halbfertige Sülze im Kühlschrank anziehen lassen. Nach einigen Minuten die zweite Schicht einlegen und aufgießen, wieder kühl stellen. So könnt Ihr verhindern, dass zu viele Gundermannhäksel aus der untersten Schicht nach oben geschwemmt werden (dem späteren unten).
Wer dem Gundermann einige Blättchen Zitronenmelisse zufügt, erhält noch mal eine ganz andere Geschmacksnuance.
Woher kam die Idee mit dem Spargelunkraut?
Manchmal fliegen einem die Ideen für die Gerüchte zu: Mich hat vor ein paar Tagen fast der Schlag getroffen. Wir liefen an einen dieser Schicki-Micki-Restaurants vorbei und mein Blick blieb am Aufsteller hängen. Das Angebot: "Spargelsülze veredelt mit Gundermann" und das ganze für 14,40 Euro pro Portion! Ein
Hammer! Dass nenn ich Angebot (und ich hoffe man hört die Ironie heraus). Sülze - das ist nun echt banal. Spagel in Sülze? Warum nicht. Unkraut mit Spagel? Ok, dass ist ein Versuch wert. Ich hab mir also die Idee "geklaut" und brachte von diesem Ausflug noch ein breites Ginsen mit: Ja auf der noblen Speisekarte einer Edelkochburg zahlt man eben jeden Preis für garstiges Unkraut. Zu Hause zahlt man dann noch mal: Für die Unkrautvernichter und Flammenwerfer. Die Welt ist verrückt.
Diese Portion soll 14,40 Euro wert sein? Na vielleicht liegen dann ja auch 2 Scheibchen Sülze
mit drei kunstvoll angerichteten Trofen Balsamico-Creme auf einen viel größeren Teller....
Der Spargel hat mich 5 Euro gekostet, der Rest ist im Rahmen einer jeden Haushaltskasse und der Gundermann wächst bei mir besser als mein Rasen (ich hab Rasen?). Arbeitszeit etwa 15-20 Min. Sülze hatten wir für 3 Tage und nun freue ich mich auch wieder auf die nächste Spargelrunde mit Sauce Hollandaise.
Wenn man den Buttereinsatz kontrolliert wird daraus sogar ein Essen für die schlanke Linie.
Da blutet mein Herz: Unkrautbekämpfungsmittel. Bei dem Gespräch an der Kasse, das der Kunde mit den Verkäufer in einem Blumenmarkt führte, musste ich mir schwer auf die Zunge beißen. Der Kunde verließ den Laden mit einer Flasche "GierschFrei" und meiner Webadresse. Nun hat er die Wahl. Vielleicht probiert er ja den Giersch, bevor er ihn vergiftet.
Ehrenpreis wird als Unkraut geführt - des "Gärtners Pest" sozusagen.
Früher wurde Ehrenpreis gegen Pest und Aussatz eingesetzt und auch heute hilft er bei Hautproblem.
Daraufhin war ich neugierig und bin auf der Seite der Firma Neudorff zu Besuch gewesen. Immerhin, sie geben sich Mühe: Igelhäuschen, Wildpflanzenmischungen, Fledermausbehausungen....nur: Igel und Fledermäuse leben von Insekten und Insekten entwickeln sich am besten bei einer schönen Artenvielfalt zu der auch "Unkräuter" gehören, nicht nur die Pflanzen in den Wildkräutermischungen, welche die Firma auch verkauft. Aber das ist irgendwie noch nicht in den Köpfen angekommen. Hier bin ich dann doch schon fast mit Tränen in den Augen davor gesessen:
Schaut Euch mal die Liste der aufgeführten Pflanzen auf der Seite an, da ist fast alles essbar: Ackerhellerkraut, Ackerkratzdistel, Breitwegerich, Brennnessel, Ehrenpreis, Franzosenkraut, Gänseblümchen, Giersch, Gundermann, Hirtentäschelkraut, kleiner Ampfer, Löwenzahn, Melde, rote Taubnessel, Spitzwegerich, Vogelmiere, weißer Gänsefuß und auch der Weißklee (wie Rotklee zu verwenden). Das ist Gemüse! Blattgemüse! Kein Unkraut!
Rispengras ist nun nicht so der Brüller auf dem Teller, aber daraus
lassen sich bestimmt ein paar prima Körbe wicken, wenn man das Gras ein paar Zentimeter wachsen lässt. Und sogar den Vogelknöterich und
den Ackerschachtelhalm kann man als Heilpflanze im Tee verwenden.
Unkrautbekämpfungsmittel gegen Gundermann? Da schreit jeder Wildkräuterfan laut auf: NEEEEEIN!
Alles was man tun muss: Akzeptieren dass auch diese Kräuter ein Teil der Natur sind und eben an dieser Stelle wachsen wollen (und die wachsen da, ohne dass man sie groß pflegen und hegen muss).
Natürlich verstehen ich, dass, wenn man an der Stelle lieber Tomaten wachsen lassen möchte, den Giersch nicht unbedingt braucht. Aber: Die Tomate steht da doch nur ein Jahr (und schmeckt mit Giersch übrigens sehr lecker). Dann gräbt man an der Stelle den Boden um, holt die Rhizome so gut es geht eben aus der Erde und pflanzt die Tomate. Tomaten brauchen halbfertigen Kompost und wurzeln tiefer als Giersch. So gesehen kommen sich die beiden kaum ins Gehege. Im nächsten Jahr würde ich die Tomate ohnehin an eine andere Stelle setzten. Mein Gierschfeld macht jedenfalls seid Jahren keine Anstalten mehr, sich groß auszubreiten, wahrscheinlich hat der Giersch schon Angst, wenn er mich kommen sieht :-)
Erntet man die "Unkräuter" vor der Blüte, verhindert man ein Ausbreiten per Samen. Vermehren sie sich durch Rhizome (Wurzelausläufer) entzieht die regelmäßige Ernte diesen "Unkräutern" Lebenskraft. Sie müssen erst mal wieder oberirdisch wachsen, bevor sie "untenrum" weitermachen können. Den japanischen Staudenknöterich kann man so über die Zeit stark zurückdrängen bis ausmerzen, aber es braucht Geduld, manchmal mehrerer Jahre. Das gibt bis dahin jede Menge Senf :-). Und auch der Giersch lässt sich so bändigen. Ernten und essen.
Mein Tipp: Freundet Euch mit den Unkräutern an und tituliert sie um in "Wildkräuter". Andere - so wie ich - verdienen mit Giersch, Brennnessel und Co. ihr Geld, wenn sie eben solche "Wildkräuterführungen" anbieten und Euch die Pflanzen zeigen, die mit solchen Mittel bekämpft werden. Anschließend steht ihr im Garten und denkt: Der stand doch mal hier....Verrückt, oder? Das ist unsere Gesellschaft.
Nicht dass es unseren Kinder mal so geht, wie Piggeldy und Frederick in der Folge: "Was ist Unkraut?" Herrlich. Was zum Schmunzeln:
Natürlich sollte man Wildkräuter NICHT vom Wegesrand sammeln...wegen der Hunde. Was habe ich mich über Hunde schon geärgert. Die machen ihre Haufen immer auf die schönsten Kräuter. Oder wachsen sie wegen der partiellen Düngung dort besonders gut? Wer weiß. Jedenfalls nützt die Düngung den größten Wildkräuterfan nichts, denn Pflanzen an solchen "Abort-Meilen" sind einfach nicht essbar. Um Essbares zu finden, muss man also wieder ganz weit laufen oder im eigenen Garten ernten.
Wildkräuter für den Salat wachsen überall. Essen sollte man jedoch nur solche, die abseits aller Straßen,
Wege und Landwirtschaft wachsen. Dann wird die wilde Mischung auch zum Gesundheitsbrunnen.
Knoblauchsrauke, Spitzwegerich, Pimpinelle, Bärlauch und Löwenzahn - klar wachsen die bei mir längst zu Hause. Allerdings: So viel wie ich davon über das Jahr vertilge, muss ich doch gelegentlich Nachschub aus der Wildnis beziehen. Im Odenwald auf der einen oder andere Waldlichtung, in verwilderten Gärten fernab der Weinberg-Spritzerei, Ruderalflächen abseits der Landwirtschaft und jenseits aller Autobahnen....Wildkräuter-Fetischisten brauchen gutes Schuhwerk und stramme Wanderwaden, wollen sie nicht -völlig unökologisch- mit dem Auto überall hinfahren. Und so gehen auch diesem Salat wieder einige Kilometer Fußmarsch voraus. Zugegeben: Ich komme eigentlich von keinen Ausflug in die Natur ohne Grünzeug in der Tasche nach Hause :). Meine Jungs gucken schon immer ganz schräg, wenn die Mama wieder "grasen" geht : "Das müssen wir aber nicht probieren, oder oder?" "Nein, alles meins!" *hihihi
Wildkräuter für den Salat
Eine kleine Auswahl möglicher Wildkräuter die jetzt im April salattauglich sind: Pimpernelle, Gundermann,
Spitzwegerich, Löwenzahn, Schafgarbe (im Bild fehlt das "r" -Danke an Hildegard für den Hinweis-, Gänseblümchen, Bärlauch, Knoblauchsrauke und natürlich der Giersch.
Die Mischung machts, deswegen hat man beim Wildkräutersalat gute Möglichkeiten seinen eigenen Vorlieben nachzukommen. Wildkräuteranfänger sollten mit Endiviensalat/Feldsalat als Grundlage beginnen und erst man nur eine Handvoll Wildkräuter in den Salat mixen. Nach und nach lässt sich der Wilde Anteil erhöhen, bis der Wildkräutersalat zu 100% von der Wiese kommt. Warum sollte man so vorgehen?
Wildkräuter sind zäh. Selbst bei junger Spitzwegerichblättern muss man ganz schön die Kaumuskulatur bewegen.
Wildkräuter sind bitter....oder grasig oder scharf....jedenfalls enthalten sie noch alle Bitter- und Geschmacksstoffe die dem Kultursalat weggezüchtet wurden. Das macht sie so gesund, aber man sollte sich langsam an den Geschmack gewöhnen, sonst verleidet einen er Sprung ins "kalte Wasser" weitere Wildkräuterexperimente.
Wie schmecken Wildkräuter?
Die hier verwendeten Wildkräuter:
Pimpinelle: nussig-gurkig
Gundermann: erdig
Knoblauchsrauke: mild-knoblauchig
Bärlauch: scharf-knoblauchig
Löwenzahn: mild-bitter
Giersch: sehr würzig und nicht jedermanns Geschmack.
Schafgarbe: bitter
Gänseblümchen: Blütenblätter als Deko, Blätter schmecken grasig
Sehr dankbar als Füllmaterial für einen 100%igen Wildkräutersalat ist wilder Feldsalat, der wirklich wie Feldsalat schmeckt, aber lediglich kleinere Blätter hat, als unsere Zuchtsorten. Aktuell will der noch nicht so richtig wachsen. Ein Foto kommt aber hoffentlich noch.
Aktuell macht mein größter Anteil im Salat der Löwenzahn und die Pimpernelle aus etwa die Hälfte der Salatschüssel, dann folgt Giersch, und der Rest dient als "Würze" und füllt insgesamt etwa 1/4 der Schüssel.
Natürlich gibt es noch viele, viele weitere Wildkräuter. Manchmal schmecken die Blüten anders als die Blütter, die Wurzel dann noch mal gnz anders und je nach Alter und sogar nach Standort finden sich Variationen im Geschmack. Hier haben Gourmetzungen viel zu tun, die einzelen Geschmacksnuancen zu beschreiben. Ich find das immer wieder spannend, gerade wenn man einen Geschmack beschreibt, der doch sehr einmalig ist. Wie schmeckt Giersch? Eben nach Giersch :).
Für Wildkräutereinsteiger: Löwenzahn im Salat
Löwenzahn ist ein wahres Jungbrunnen. Allerdings können Wildkräuterneulingen sogar die Bitterstoffe in den jungen Blättern auf den Magen schlagen, grade wenn man die zum ersten Mal isst und die Menge zu groß gewählt hat. Wer hier seinen Magen erst langsam an gesunde Wildkost gewöhnen will, weil er weiß, dass er mit der Verdauung ohnehin Probleme hat, der sollte bei Löwenzahn das folgende versuchen:
wirklich nur junge Blätter verwenden
nur die obersten 2/3 des Blattes verwenden und den dickeren Blattstiel abschneiden
die Löwenzahnblätter 1-2 h wässern und das Wasser abgießen. Auf die weise sind die meisten Bitterstoffe aus dem Blätter entfernt.
Für Wildkräutereinsteiger: Gänseblümchenblüten im Salat?
Ehrlich? Ich ess die auch nicht an einem Stück! So ein ganzer "Klumpen" Blüte ist selbst mir zu viel. Ich bin doch keine Kuh! Die Blütenblätter zupf ich ab und streu sie über den den Salat. Den Blütenboden schneide ich klein. Wenn ich Blätter von Gänseblümchen gesammelt habe, wandern eher die in den Salat und ich lass den Blütenboden weg. Mir ist der einfach zu "faserig".
Dennoch kann man die Blüten komplett essen. Wenn ich das machen will, dann lege ich mir aber ein Glas an, in dem ich Gänseblütenknospen wie Kapern einlege. Dadurch werden die Blüten weich und können prima gegessen werden. Als Deko eigenen sich aber 1-2 Blüten am Rand der Salatschüssel immer. Sieht einfach gut aus.
Welche Soße für den Wildkräutersalat?
Eine einfache Soße aus Essig und Öl mit Salz und Pfeffer geht immer. Etwas milder sind Vinaigretten. Wie wäre es z.B. hierfür Veilchenessig zu verwenden? Joghurt- oder Sahnedressigs milder den manchmal doch recht kräftigen Geschmack der Wildkräuter und binden die Bitterstoffe zusätzlich ab. Wer sich also an seinen ersten Wildkräutersalat versucht, der sollte seinen Salat mit einen solchen Dressing versuchen. Zwei Basis-Salatsoßen als Vorschlag:
Joghurt-Dressing:
40 ml Öl
40 ml Essig
120 ml Joghurt
1,5 TL Senf
2 TL Zucker
1 TL Salz
Vinaigrette:
40 ml Öl
40 ml Essig
80 ml Wasser
2 TL Senf
1 Zwiebel
2 TL Zucker
1 TL Salz
Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch braucht es nicht mehr in der Soße, die gibt es ja reichlich im Salat. Statt Zucker geht auch Honig, Stevia oder sogar Spitzwegerichsirup. Es geht aber auch ganz ohne. Natürlich ist jede andere Salatsoße denkbar, denke da hat jeder so "seine" Soße. Ansonsten einfach mal ein wenig in den Rezeptbüchern dieser Welt googeln.
Dill und Gurke - eine klassische Kräuter-Gemüse-Liason, aber eben auch nichst Neues. Wer seine Gäste oder sich selbst einmal mit mehr als Standard überraschen will, der sollte die Variante mit Gundermann testen. Als optische Aufwertung hab ich eine handvoll Malvenblüten untergemix. Die Blüten sind im Salat recht geschmacklos, geben ihm aber den besonderen optischen "Kick".
Gurkensalat mal anders: Hier gibt Gundermann das Aroma vor und die Malvenblüten bringen die schmackhafte Optik mit. Immerhin isst auch das Auge mit.
Zutaten für den Gurkensalat mit Gundermann und Malve
3 kleine Salatguken
2 Äpfel
1 große Zwiebel
1 Handvoll Gundermannblätter (sind etwa 5-8 g)
1-2 Handvoll Malvenblüten
6 EL Joghurt
3 TL flüssiger Honig
2 TL Zitronensaft
Salz
Die Grundzutaten für den Gundermann-Gurken-Salat sind überschaubar. Macht schon so Appetit auf mehr. Fehlt nur noch das Dressing.
Zubereitung
Gurken, Äpfel, Zwiebel feinwürfeln und Gundermann hacken. Die Malvenblüten vom Blütenkelch trennen, einige Blüten zur Deko aufheben, den Rest ebenfalls kleinhacken. Aus Joghurt, Honig, Zitronensaft und Salz ein Dressing zusammen rühren und alle Zutaten miteinander vermengen. Mit Malvenblüten dekotieren und servieren.
Salat-Variationen
Wie wäre es statt violetter Malven mit gelbe Sonnenblumenblüten oder roter, duftarmer Rose? Um "langweilig grünen" Gurkensalat optisch aufzuwerten lassen sich viele essbare Blumen verwenden.
Noch junger Giersch im Garten? Dann schnell noch eine Handvoll holen und ebenfalls in den Salat mixen. Giersch gibt dem ganzen Salat noch mal ein ganz anderes Aroma, passt aber vorzüglich zum Gurken-Gundermann-Geschmack.
Sonstiges
Ich mag Dill sehr gern, aber auf Dauer wird er langweilig. Die Variation mit Gundermann bringt frischen Geschmack in altbekannten Salat. Es ist auch kein Problem den Gundermann zuletzt hinzuzufügen und die Menge so weit zu steigern, bis man die persönliche Lieblingsmenge gefunden hat. Gundermann ist sehr geschmacksintensiv!
Jetzt wird es edel. Absolutes Lieblingsdesserts aus der Unkrautgourmetküche ist die Mirabellencreme mit Kirschpflaumenkompott. Da bei meinen Männern aber die Augenbrauen in die Höhe gehen, weil da gar kein Grünzeug drin ist, hab ich das Rezept noch um den Gundermann ergänzt. Frau muss ja ihren guten Ruf wahren ;-)
Ein edles und sehr variables Dessert: Ob Mirabellen als Creme und Kirschplaume als Kompott oder anders herum, dieser Nachtisch macht alles mit. Als "Highlight" wird die Creme mit schokolierten Gundermannblätter dekoriert.
Zutaten für Mirabellencreme an Kirschpflaumenkompott mit Gundermannkonfekt:
Mirabellen, Kirsch- und Blutpflaumen eignen sich
für dieses Dessert.
Mit der Flotten Lotte ist die Mirabellencreme und das
Kirschpflaumenkompott flott zubereitet.
Die Mirabellen einkochen und mit dem Puderzucker vermischen. Dabei mit dem Kochlöffel die Mirabellen zerdrücken. Wer eine "Flotte Lotte"
hat, dreht die gekochten Mirabellen durch das kleinste Sieb. Ansonsten das Kompott so durch ein Sieb streichen. Die Gelatine 5 min in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und in die heiße Fruchtmasse einrühren, bis sie aufgelöst ist. Die Masse am besten im Eisbad kalt rühren. Zieht die Gelatine an, wird die Sahne vorsichtig untergezogen und die Creme mit Zucker abgeschmeckt. Die Creme nun im Kühlschrank vollständig erstarren lassen.
Die Kirschpflaumen ebenfalls kurz aufkochen und durch die Flotte Lotte drehen. Die Masse zurück in den Topf und mit so viel Zucker süßen, bis der
Die Mirabellencreme ist fertig gerührt und nun
ab in den Kühlschrank zum vollständigen Erstarren.
Geschmack harmonisch erscheint. Hier kann ich leider keine Angaben zur Zuckermenge machen, da der Geschmack und Säuregrad der Kirschpflaumen sehr unterschiedlich ausfällt. Einfach ausprobieren. Dann mit der in Wasser angerührten Speisestärke etwas eindicken und noch einmal aufkochen, dann abkühlen lassen.
Für das Gundermannkonfekt die Blätter kurz abbrausen und trockentupfen. Die Scokolade im Wasserbad erwärmen und die Gundermannblätter entweder ganz eintunken (dann werden sie vollständig mitgegessen) oder einseitig bepinseln. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Wer die Blätter nicht mitessen mag, kann sie vorsichtig von der Schokolade abziehen.
Sonstiges:
Schokolierte Gundermannblätter sind an sich schon für
Liebhaber herb-würziger Schokoade ein Genuss. Kinder mögen
das "Grünzeug" aber weniger.
Die Gundermannblätter können sich sehr gut mitessen lassen, da das erdige Aroma des Gundermanns mit der Zartbitterschokolade an jene herben Schokoladen erinnert, die mittlerweile im Handel standardisiert erhältlich sind und z.B. mit Chili, Meersalz oder Pfeffer verfeinert sind.Kinder mögen das allerdings nicht so, weshalb ich mich bei Kinderportionen auf den Dekoeffekt des Gundermanns beschränke. Die kleinen, sehr gut strukturierten Blätter ergeben wunderbare Schoko-Blätter. Je nach dem, ob die Vorder- oder Rückseite schokoliert wird, sehen die Abdrücke anders aus. Eine wunderbare Deko auch für Torten.
Das ganze Rezept lässt sich auch umdrehen. So kann man auch aus den Kirschpflaumen die Creme herstellen und ein Mirabellenkompott dazu kochen. Oder man macht es uni solo: Kirschplaumencreme mit Kirschpflaumenkompott. Wem das alles zu aufwändig erscheint: Die Creme an sich ist schon eine leckere Schweinerei :-).
Die Kerne der Mirabellen lassen sich gut auswaschen und trocken und für die Füllung von Mirabellenkernkissen nehmen. Mit den Kernen der Kirschpflaumen und Blutpflaumen lässt sich ein vorzügliches Amaretto-Imitat herstellen: Der Kirschpflaumenkernlikör. Kerne also nicht wegwerfen!
Der Gundermann als kultiverteWildpflanze eignet sich
vorzüglich als Hängepflanze.
Eine der wohl pfegeleichtesten und unverwüstlichsten Pflanzen ist der Gundermann. Im Frühling besticht er mit kleinen lila Blüten, im Sommer wird er zur rankenden Ampelpflanze.
Ich hatte meinen Gundermann von einem Spaziergang Ende August mitgebacht: ein paar unbeachtetet Ranken wuchsen von einem Garten auf den Bürgersteig und waren dementsprechen plattgetreten, aber noch grün. Zuhause warf ich die lädierten Ranken in unseren kleinen Teich um sie kurz zu wässern und hatte sie dann ganz vergessen. Ein paar Tage später staunte ich nicht schlecht: Die Ranke war bereits voller Wurzeln und die Blätter hatten sich gut erholt. Da ich noch einen Blumentopf frei hatte, topfte ich den Gundermann ein. Er blieb auch den Winter über im Freien, wo er sich dann fast gänzlich zurückzog. Diese Jahr blühte er schon reichlich (und eine Blüten dienten meinem Salat als wunderbar dekorative Beigabe) und geht nun ins Rankenstadium über. Die Ranken können 1 Meter und länger werden, wodurch er sich als Ampelpflanze regelrecht aufdrängt. Es gibt Glechoma auch als Zuchtformen mit weiß-gestreiften, manchmal auch behaarten Blättern. Ich mag die Wildform aber viel lieber und freu mich schon, von meinem geretteten Gundermann Kräutersalz zu machen. Einige Blätter wandern schon jetzt in meinen Salat und in meinen Tomatensaft. Gundermann schmeckt leicht nach Pfeffer.
Als Pflanze im Topf ist er völlig pfegeleicht. Das Einzige was er zu benötigen scheint ist regelmäßig Wasser. Er verträgt Sonne genauso gut wie Schatten. Allerdings bleiben seine Blätter in der Sonne klein und werden ledriger. Dem Geschmack tut das aber keinen Abbruch.