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Donnerstag, 14. Januar 2021

Der Unkrautgourmet erhält eine brandneue Startseite

Neues Jahr, neues Glück und neue Seite

erst mal hoffe ich, dass Ihr alle einen guten und relativ ruhigen Start hattet. 

Am Unkautgourmet möchte ich dieses Jahr etwas verändern. Alles unter einem Dach, alles in einer einheitlichen Aufmachung und alles für jeden gut lesbar. Das war schon lange mein Wunsch. Kosten darf das Ganze -leider- auch nichts, da ich 2020 finanziell durch Corona stark ausgebremst wurde und wohl auch dieses Jahr noch mehr als 90% Einbußen haben werde.

Nichtsdestotrotz will ich die Zeit nutzen und meine Träume auch nicht so einfach ins Korn werfen. Daher habe ich angefangen, eine neue Seite zu bauen unter

  https://musikderpflanzen.jimdofree.com/ 

Diese soll zukünftig auf Unkrautgourmet.de liegen.  Das wird aller Voraussicht nach im Juni erfolgen. Da das alles sehr technisch ist, fällt es mir relativ schwer mich durch die ganzen Details zu buddeln. Doch ich hoffe, es wird sich für Euch lohnen. Diese alten Seiten auf  Blogger wird aber nicht gelöscht und auch weiterhin erreichbar bleiben.



Musik der Pflanzen und die Sache mit der Kommunikation

Doch ich möchte Euch schon mal einen Blick in meine erweiterte Unkrautwelt geben. Sindy verlässt die Nesseln und nimmt Euch auf eine weiter gefasst Reise ins Pflanzenreich. Ich hoffe, ihr findet das genau so spannend wie ich. Das Interessanteste dürfte dann  "Musik der Pflanzen" sein. Das ist ein relativ neues Feld und ungeheure faszinieren. Darauf freue ich mich besonders und werde das auch im neuen Blog ausgiebig tun. Aktuell kann man sich anhören, wie eine Grünlilie und ein Tannenbaum klingt :-). WELTPREMIERE! Ja, der Tannenbaum. Nun liegt er zerkleinert bei mir in der Küche :-).  Obwohl ich Botanik studiert habe, habe ich erst mit Musik of the Plants verstanden, wie wenig wir eigentlich von der Botanik wissen. Wir können das Genom einer Pflanze vollständig verändern, haben ihr Wesen und ihre Rolle im Kosmos aber noch überhaupt nicht verstanden. Wir kennen ja noch nicht mal unsere.

Wenn man das erkannt hat, verändert sich die Welt schlagartig. Man verändert seine Paradigmen, die Framings, Denkmuster, oder wie immer mal das eigene Mindset nennen möchte. Damit war und ist das Thema Paradigmen für mich seither ein ständiger Wegbegleiter und auch das möchte ich im neuen Unkrautgourmet einfließen lassen. Ein wenig mehr Philosophie.


Vordenken, Umdenken, Nachdenken

Über Paradigmen kann man sehr kontrovers diskutieren, aber manchmal ist es hilfreich zu sehen, dass es Möglichkeiten gibt, das Framing auch zu verlassen. Ich möchte das auch völlig unaufgeregt machen und jeder soll bitteschön seine eigenen Gedanken haben dürfen und auch frei sein, diese zu äußern, solange der nicht Mitmenschen tollt oder beleidigt.  

Die Welt aus immer wieder neuen Blickwinkeln betrachten.... ein Lernprozess, der wohl nie angeschlossen wird.  Doch unser Planet braucht dringend neue Denkansätze seiner terraformenden Bewohner, damit auch die nächsten 7 Generationen auf diesem Planen leben können und seine Schönheit, Artenvielfalt, Fülle und Einzigartigkeit erleben zu können. Menschen für diese Schönheit der Natur zu begeistern, das ist es, was ich möchte.


Buch und Buchungen für mehr Obstbäume

Natürlich möchte ich mit meiner Tätigkeit auch etwas Geld verdienen. Die Seite hat aktuell (noch) keine Google-Adsens Werbung (ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dort die möchte). Ich verdiene damit also nur, über Buchverkauf, Buchung und wenn jemand über meine Affiliate-Links läuft. Tatsche ist aber, dass hier auf dieser Seite bisher 2 Leute mal etwas gespendet haben und um Laufe der letzte 5 Jahre immerhin 70 Euro Werbeeinnahmen durch Adsens reinkamen. Das war das doppelte der Spenden :D. Ich weiß natürlich, dass jeder etwas für die Streuobstwerkstatt gespendet hat ;-). Ich bin da auch nicht so der große Spendenaufrufer. Tatsächlich ist also die lästige Werbung das, was am meisten Einnahmen brachte. Das gibt mir doch ein wenige zu denken.

Wie wichtig Geldeinahmen sind, zeigt sich seit März 2020: Ich habe mehrerer Flächen von Brombeeren freigestellt, um dort mit Schulklassen Bäume pflanzen zu können und Streuobstwiesen mit alten, frei verfügbaren  Obstsorten zu bepflanzen. Doch in diesem und auch im letzten Jahr hatte ich kaum Klassen. Folglich habe ich auch keinen Zuschuss für den Kauf der Bäume bekommen. Es fehlt nun Geld, Hochstämme zu kaufen oder auch die Altbäume die nächsten Jahre schneiden zu lassen! Die Flächen sind entbuscht, aber es geht nicht weiter. Man könnte sagen: "Naja, wo ist da Problem? Dann warte halt noch 1-2 Jahre". Aber die Sommer werden immer trockener und ich möchte ja auch mit Schulklassen eines Tages ernten können. So ein Hochstamm braucht rund 5-10 Jahre bis er trägt. Es kommt also auf jedes Jahr an. Es kommt ohnehin mittlerweile auf jeden Baum an, der gepflanzt wird...Wer mich hier unterstützen will... gerne. Auf der neuen Seite ist der Spendenbutton hoffentlich häufig genug zu sehen :D. Ich pflanze für Dich einen Obstbaum und berichte Dir im Laufe der Zeit auch, wie es ihm geht. Hochstämme kosten zwischen 40 und 90 Euro. Wie soll Martin Luther einst gesagt haben? "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen". Auch wenn er das nicht gesagt hat: Ich tue es!  Nur fehlt der schnöde Mammon.


Shop ist im Aufbau 

Auch ein Shopsystem werde ich nach dem Umzug im Juni hoffentlich haben. Das ist noch abgeschaltet, aber schon integriert, weshalb man rechts oben den Einkaufskorb als Symbol schon findet. Das ist aktuell auch aus Kostengründen noch nicht möglich. Ich kaufe eben lieber erst mal Bäume, als einen Webprovider zu bezahlen. Macht alles nichts, eine Mail und alles läuft :-). Muss ja nicht alles von Anbeginn perfekt sein.


Der Unkrautgourmet wird barrierefrei

Ein Herzenswunsch hat sich dann auch erfüllt: Barrierefreiheit. Die neuen Seiten habe ich so optimiert, dass auch Menschen, die an einer der drei Farbwahrnehmungsstörungen leiden, die Webseite dennoch gut sehen können. Es steckt also sehr viel Vordenken hinter den neuen Seiten und Farben als man auf den ersten Blick sieht. Grün ist halte einfach für Rot-Grün-Blinde eine ganz schlechte Farbe. Ich würde mich freuen, wenn ich von Euch dazu ein kleines Feedback bekomme, so ihr Lust habt, das hier zu kommentieren. Vielleicht stehe ich ja mal wieder auf einen anderen Schlauch, der sich so einfach befreien lassen würde, wenn man nur mal einen Hinweis darauf bekäme. 


Das einsame Gänseblümchen, das dem Winter trotzt

Damit erst mal gut. Ich freue mich, wenn die Gartensaison wieder losgeht und alles wächst und blüht. Ich zähle schon die Tage, an denen ich meine Peperoni-Samen in die Erde bringen kann: 30 :-). Heute war ich im frostigen Schnee und Matsch unterwegs und habe prompt ein einsames, blühendes Gänseblümchen gefunden! Bellis perennis. Die Schönes des Jahres. Sie blüht auch im tiefsten Winter. Ein erstaunliches Pflänzchen. Ich dachte noch kurz daran, ein Blümchen als Salatdeko mitzunehmen, habe es dann aber erst mal ausgiebig bewundert und dann da stehen gelassen, wo es noch steht. Es war zu schön zum Aufessen. Auch eine Form von Achtsamkeit.

Fast allein auf weiter Flur - auf alle Fälle weit und breit das einzige Blümlein das blüht...

...Bellis perennis, das Gänseblümchen. Es war noch nie so schön wie heute. Auch der frostige Winter hält es nicht vom Blühen ab.




Freitag, 4. August 2017

Vom Unkrautgourmet zum Insektengourmet

Insektenessen - reine Kopfsache

Insekten zum Essen, hübsch verpackt, aber schon längst in aller Munde.
Böse Zungen behaupten, bei mir gibt es so selten Fleisch, weil ich genug Insekten (mit)essen. Wer weiß...Jedenfalls möchte ich euch heute mitnehmen zu einen Ausflug in den Welt der Enthomophagie, des Insektenessens. Und wer nun glaubt, das betrifft ihn nicht, der irrt sich sehr.
Sicher: Bei den wenigstens wird es Mehlwurm in Aspik geben. Und wer zugibt Entomophage zu sein, der wird in Deutschland nach wie vor für einen "Spinner" gehalten - eine Mischung aus Spinne und Spanner - beides essbare Insekten. Passt. Dabei kannte die (Nach-)Kriegsgeneration noch Engerlingsuppe und kandierte Maikäfer und das ist gar nicht so lange her.

Suppe aus Engerlingen - kann man sich heute kaum mehr vorstellen, allenfalls
im Überlebenskurs.

Unkraut und Insekten - zu Unrecht verschmäht

Warum nun dieses Thema? Weil Unkraut und Insekten zusammen gehörten, weil beides stiefmütterlich behandelt wird und nur durch die Zugpferde "Biene" und "Bärlauch" in der Öffentlichkeit Beachtung finden. Über 25% aller Ackerunkräuter stehen auf der Roten Liste - und es werden immer mehr. Mit ihnen sterben die, die in der Monokultur keine Nahrung mehr finden oder vergiftet werden: die Insekten. Liebe geht durch den Magen. Unkraut esse ich schon lange. Warum also nicht Insekten? Unbewusst konsumiere ich die nämlich schon seid Kindertagen - seid meinem ersten nicht gespritzen Baby-Apfelsaft. Es wird Zeit sich ein paar Dinge vor Augen zu führen.
Kandiere Maikäfer kannte meine Uroma noch.

Schneewittchenapfel oder Made

Wäre dieser Apfel in der Saftpresse gelandet, man hätte nie erfahren, was darin gewohnt hat.
Hätte die Hexe im Märchen Schneewittchen gesagt: "Hier mein hübsches Kind hast du einen vergifteten Apfel oder hier eine Made. Entscheide, wo du reinbeißen willst!" Was hätte Schneewittchen wohl gewählt? Wofür hättet Ihr euch entscheiden? Schneewittchen hatte keine Wahl, aber wir haben sie. Dennoch wählen die meisten den giftigen Apfel. Warum?
Der eine oder andere weiß, dass ich in die Welt des Streuobstbaus abgetaucht bin und da wimmelt es bekanntlich vor Krabbeltieren - auf und im Obst. Ich esse lieber ungespritztes Obst und ein ungiftige Kirschmade, als einen mit sonst was gespritzen Schneewittchenapfel -  eben jene absolut perfekte Frucht, über die ich absolut gar nichts weiß, außer das sie zu 100% gespritzt wurde und das gleich mehrfach. Womit? Keine Ahnung. "Hier mein Kind, hast du einen vergifteten Apfel...." Über unsere Lebensmittel wissen wir eigentlich gar nichts. Ist das nicht erschreckend?

In den Saftkeltereien werden die Äpfel grob gewaschen und landen dann
im Stück im Muser. Keiner macht sich die Mühe vorher alle Tiere aus
den Äpfeln zu schneiden.
Selbst beim Pressen per Hand gilt: Alles rein, solange es nicht schimmlig ist.
Und wer in der Maische einen zerquetschten Wurm erkennt, der muss
schon Molekularbiologe sein. Selbst gekelteter Apfelsaft! Es gibt nichst,
was besser schmeckt. Ob es an den mitgepressten Bio-Apfelwicklern liegt?

Unbewusst und schlecht gekaut - zugeflogenes Zufallsessen

In der Tat werde ich - wie ihr alle auch - in meinen Leben wohl schon sehr viele Insekten versehentlich und unwissend mitgegessen haben. Wie viele Käfer ich allein beim Radfahren verschluckt haben, kann ich gar nicht sagen. Verdaut hab ich sie alle. Egal ob 10 g oder 10 kg - geschadet hat mir das nicht. Und auch im Unkraut es ist wirklich nicht einfach immer jeden Käfer heraus zu fischen. Da kann man noch so sehr schütteln und waschen. Hilft nur gut durch zu kochen oder braten, dann ist der Käfer wenigstens gar.

Insektensterben und Insektenessen

Und dann sind da die Kirschen. Viele alte Sorten schmecken göttlich - trotz Maden. Mich stören die nicht mehr, denn sie bringen mich nicht um. Was mich und zahlreiche Insekten umbringt, ist das Gift im Essen, das wir zu Tonnen überall versprühen damit bloß keine Made in irgendwas drin ist, um uns dann über das Insektensterben zu wundern. Provokant auf den Punkt gebracht: Entweder ich akzeptiere das zum Teil madige Obst oder trage zum Insektensterben bei. Absichtlich provokant! Ihr sollt ja nachdenken. Es gibt auch Bioobst ohne Maden, das vor Insektenflug eingenetzt wurde usw., aber das lassen wir mal außen vor, bevor wir wieder anfangen uns irgendwas schön zu reden. Gespritztes Obst versuche ich zu vermeiden, einfach, weil meine Familie schon mannigfaltige Erfahrungen mit dem Thema Krebs machen musste. Damit leben wir länger und die Insekten auch.

Kulinarische Schädlingsbekämpfung ist wie Unkraut essen

10 kg Kirschen - mit Sicherheit sind davon 100 g Maden.
Doch jeder der Kirschen nicht spritzt weiß, dass ab Juni in so ziemlich jeder Kirschen wenigstens ein Lebewesen herumkriecht. Seid gut 10 Jahren ist auch noch die Made der Kirschessigfliege hinzugekommen, die aus Übersee eingeschleppt wurde. Anfangs hab ich versucht die Tiere heraus zu pulen. Heute esse ich die Maden - im jungen Stadium - einfach mit. Der beste Weg der Schädlingsbekämpfung... ist wie Unkraut aufzuessen, statt es weg zu spritzen.

Kirschmaden schmeckt nach Kirsche - wonach auch sonst? Und nein, ich schaue nach wie vor nicht rein in die Kirsche. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß...aber ich weiß es ja, warum stört es mich dann nicht? Insektenessen ist reine Kopfsache. Nur unser kultureller Ekel ist die Barriere, die es zu überwinden gilt. Dafür muss man noch nicht mal in ein teures Insektenlokal marschieren, da reicht die nächste Streuobstwiese.

Von nicht-vegane Kirschen und fleischhaltigem Apfelsaft

Wer sieht sie, die Kirschmade?
Seitdem esse ich ich Kirschmaden quasi im Halbbewußtsein mit. Jeder der mal gesehen hat, wie ein Schwein ausgenommen wird, sollte eigentlich vor einer winzigen Made keine Scheu haben. Klar, wenn sie in den Mund kommt, lebt sie, ist aber spätestens mit den ersten Bissen auch nur ein totes Tier. Vegetarier-Dasein ade.

Der Pfeil offenbart das tiereische Innenleben einer Streuobstkirsche. In den Schale waren dann
noch 10 weitere. Keine hat die kulinarische Schädlingsbekämpfung überlebt.
Gleiches gilt auch für den guten Streuobstwiesen- oder Bio-Apfelsaft. Auch da sind haufenweise diverse Tiere mit rein gequetscht worden. Apfelsaft ist nie vegan, schon gar nicht, wenn er "Öko" ist. Vegan steht da nur manchmal drauf, wenn zum Klären keine tierische Gelatine verwendet wurde, aber wenn die Äpfel nicht einzeln aufgeschnitten wurden und alle Apfelwickler und andere Bewohner eines Apfelgehäuses entfernt wurden, dann ist das "vegan" auf den Flaschenetikett eigentlich ein Etikettenschwindel. Die Menschheit ist mit Insekten im Essen aufgewachsen. Aber wie beim Apfelsaft und der Kirsche gilt: Was ich nicht weiß, kann ich ignorieren....wenigstens stellt der Kopf auf Unwissend und der Magen ist ohnehin blind. Es ist aber eine Utopie zu glauben, man würde keine Insekten zu sich nehmen. Wir tun es...warum also nicht bewusst?

In drei Schritten zum Entomophagen

Nachdem ich mir dessen klar war, machte ich den Selbstversuch: in 3 Stufen vom Unkrautgourmet zum Insektengourmet.

Schritt 1: Esse eine Kirschmade.

Von Weitem betrachtet, mag man sich mit einer Kirschmade anfreunden können. So nah
herangezoom vergrößert sich aber auch der Ekel. Es kostet schon Überwindung die Made
pur zu essen.
Die einfachste Aufgabe, weil schon 1000fach unbewusst gegessen: Kirschmade. Dieses Mal aber pur aus der  Kirsche gepult und bei vollem Bewusstsein. Wah! Lebendfutter. Zugegeben: Wenn einen die Made anguckt, kostet es Überwindung sie zu esse. Die Made ist aber echt klein. Meine Zähne hingegen echt groß. Die Made zieht eindeutig den kürzeren. Kopfsache. Dennoch starrte ich mein Opfer einige Minuten an, bevor ich es verzehrte..Ich esse die Kirschmade nach wie vor lieber nett verpackt in einer Kirsche, als pur :), am liebsten esse ich natürlich Kirschen ohne Maden. Aber ich kann es: Insekten essen bei vollem Bewusstsein.

Schritt 2: Insektenriegel.

Man sieht das den Riegeln von Sens Foods in keinster Weise an, dass diese auf  Basis
von Insektenmehl hergestellt werden. Einziges Manko, das ich festgestellt habe: Bis auf den Riegel
mit Ananas waren alle etwas trocken. Zum Kaffee schmecken die aber prima :D
So eine Made ist winzig. Wie steht es mit größerem? Ich saß eine ganze Weile vor einen Päckchen voller küchenfertiger Heuschrecken....nein, das kann ich - noch - nicht. Ein anderer Weg musste her und an dieser Stelle kam Sensbar ins Spiel.
Hier möchte ich  Bogdan und Micha von Sens Foods für die zweite Packung Insektenriegel danken! Ich mache das Experiment "Insektengourmet" mittlerweile auch für Schüler und andere Gruppen. Schule ist Kopfsache. Insektenessen ist auch Kopfsache. Es gilt neue Erfahrungen zu sammeln und seine eigene Meinungen zu bilden. Viele Kinder sind wirklich mutig und nehmen das echt positiv auf.
Dennoch saß ich anfangs erstaunlich lange vor den Riegeln aus Insektenmehl. Drei Tage lang braucht ich, bis mein Kopf sich an den Gedanken gewöhnt hatte, da rein zu beißen. Kinder machen das binnen Minuten. Kein Witz. Verrückt. Reine Kopfsache. Ich scheine einen Sturkopf zu haben. Doch nachdem der erste Bissen getan war, waren die Riegel schneller weg, als ich dachte. Vor allem den mit "Ananas" und "Orange und dunkle Schokolade" fand ich richig gut. Wie die Riegel pur ohne aromatische Zutaten schmecken, das würde ich gern mal wissen...

Sensbar von Sens Foods und der Schritt ins Reich der Insektenesser

Keine Angst vor Käfern...oder Grillen, denn aus denen
sind die SensBars gemacht.
Crowdfounding sei Dank bin zufällig auf Sensbar gestoßen und fand das Projekt faszinierend. Ob Insektenproteinriegel unsere Ernährung revolutionieren werden, glaube ich zwar nicht, aber vielleicht helfen sie beim Umdenken, Insekten bewusst in die Küche zu bringen. Mich hat es zum Nachdenken angeregt, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, unsere Insekten zum Essen sollten zukünftig vor Ort produziert werden - vielleicht sind z.B. Bienenlarven vom heimischen Imker eine Option für die Küche (ich weiß, das wird schon gemacht, aber jetzt kann ich mich damit anfreunden). Wie auch immer: Ein Riegel und 1000 neue Ideen. Dafür meinen Dank an das Sens Foods-Team!

Schritt 3: Heuschrecke am Stück

Auch das kann man kaufen: Küchenfertige Heuschrecken am Stück.
"Wie die Riegel pur ohne aromatische Zutaten schmecken, das würde ich gern mal wissen..." Und so zündete ich Stufe 3: Esse Heuschrecken. Nach der Made und dem Riegel war das ein Klacks...oder? Es ist tatsächlich noch mal ein Stück Überwindung mehr, eine Grille oder Heuschrecke frittiert am Spieß zu essen. Aber im Speckmantel ist das wie Kirschmade im Kirschmantel. Happs und weg. Tatsächlich war mein eigener Kopf nach der Zubereitung der Tiere in der Pfanne mit dem Gedanken schnell angefreundet, die etwas spröden Heuschrecken auch zu essen. Meine Familie rümpfte allerdings die Nase...aber das haben sie auch vor vielen Jahren getan, als ich angefangen habe, Brennnessel in die Küche zu schleifen. Es braucht eben alles seine Zeit.
Zweimal Insekt zum Essen: als Grillenmehlriegel oder als küchenfertige Heuschrecke. Für den
Einstieg  in die bewusste Welt des Insektenessens finde ich die Riegel sympatischer:
ist wie Hackfleisch, statt Spanferkel.

Insektenessen, Insektenhotel, Insektensterben  - jeder entscheidet, jeder trägt mit

"Küss mich, ich bin eine verzauberte Prinsessin, aber bitte iss mich nicht!"
Wer kann da widersprechen?
Küchenfertige Insekten und Riegel sind leider relativ teuer: 4 Sensbars kosten 11,49 Euro,  eine Essbare Insekten Mischung* ebenfalls satte 11,99 Euro. Satt wird man davon jedoch nicht. Aber vielleicht hilft der Genuss der Insekten, diese Tiere von einen anderen Standpunkt aus zu betrachten. Für mich ist die Faszination "Insekt" noch gewachsen und ich werde mich wieder auf madiges Obst stürzen.  Das will eh keiner haben, aber jeder möchte ein Insektenhotel im Garten... verkehrte Welt. Aber es wird selbst für mich noch ein langer Weg, bis ich auf der Wiese sitze und frisch gefangene Heuschrecke am Lagerfeuer röste...ich schaue mir die Tiere lieber lebendig an, solange es sie noch in freier Wildbahn gibt...Weil wir ja den Schneewittchenapfel bevorzugen. Weil wir überall Gift spritzen: auf den Hopfenfelder, den Weinbergen, den Getreideäckern und Obstplantage, im heimischen Vorgarten und der Garageneinfahrt, in der Zierrabatte oder dem Gemüsebeet. Das Insektensterben hat jeder einzelne mit zu verantworten, ob er nun seinen englischen Rasen trimmt, Herbizide in die Pflasterfugen seiner Einfahrt sprüht oder Insektizide an seinem Haustier oder dem Gartenhäuschen anwendet, ob er Obst, Wein, Bier oder Getreideprodukte aus konventioneller Erzeugung kauft oder verwendet. Da hilft auch kein Insektenhotel. Insekten brauchen mehr. Alle Insekten. Sie brachen einen intakten Lebensraum. Sie brauchen eine Lobby. Es fängt im Kleinen an. Bei jedem einzelnen.

Zu schön zum Essen: eine wunderbar grüne Heupferdame. Hoffentlich ist sie
nicht an einer Autoscheibe zermatscht.

Mittwoch, 5. August 2015

Foodwatch-Aktion gegen Glyphosat! Bitte mitmachen!

Helft mit die Neuzulassung von Glyphosat zu verhindern

Das ist wichtig! Ich hatte schon mehrfach über Unkrautvernichter berichtet und der eine oder andere kann sich an meine Geschichte von der Kornrade, meinen Post über Spritzmittel, meinen Beitrag über die Grenzwerte und Sikkation in der Landwirtschaft oder mein Plädoyer für Unkräuter erinnern. Ich muss mich jetzt schwer beherrschen nicht wieder einen ganzen Roman dazu zu tippen. Jedenfall:  Nun hat Foodwacht aus aktuellem Anlass eine Protestaktion gegen die Neu-Zulassung von Glyphosat gestartet. Als könnte Foodwatch meine Gedanken lesen.  Ihr findet sie hier:

Aktion gegen Unkrautvernichter
 Foodwatch ruft zur E-Mail-Protestaktion gegen Glyphosat auf!
https://www.foodwatch.org/de/informieren/glyphosat/e-mail-aktion-krebsgefahr-keine-neuzulassung-von-glyphosat/


Bitte macht da mit und geht im Text auf den Aktions-Link! Jede Stimme zählt.

Stimmt die EU der Neuzulassung von Glyphosat zu und gibt die EU-Lebensmittelbehörde EFSA ihre Verwendungsempfehlung heraus, darf der konventionelle Landbau für weitere 10 Jahre Glyphosat auf die Felder ausbringen. Weiter 10 Jahre - für einen Stoff, den die WHO als wahrscheinlich krebserregend einstuft!  Nun scheiden sich die Geister. Die Einen sagen "wahrscheinlich" ist nicht "gewiss" und denken, das gibt ihnen alles Recht weiter zu machen.  Aber allein das ein so unsicherer Stoff, für den es sich immer mehr verdichtende Studien zur Krebsauslösung gibt, in einer solchen Menge in die Umwelt und vor allem direkt auf unser täglich Korn, Kartoffeln, Biergerste,...  gebracht wird, ist unverantwortlich! Ich glaube den meisen Menschen ist gar nicht klar, das sie wahrscheinlich schon ein Dutzen Brote gegessen haben, das aus Korn bestand, welche mit Monsantos Roundup gespitzt wurde, den meisten ist nicht klar, das sich Glyphosat trotz seiner bis zu 215-tägigen  Halbwertzeit immer weiter im Boden anreichert, weil Halbwertszeit auch immer Anreicherung von Restmengen bedeutet, vor allem wenn mehrmals jährlich immer neues Zeug draufgespritzt wird und zur Erntezeit die menge noch mal ordendlich erhöht wird. Ich glaube, die meisten haben noch nie bei ihrem Wasserwerk nachgefragt, ob ihr  Trinkwasser auch auf Glyphosat untersucht wird ...es ist mittlerweile nahezu überall, sogar in der Muttermilch, womit wir wieder beim 30-Jährigen Mann sind, für den auch die Grenzwerte und Höchstdosis-Mengen ausgelegt sind, auch die von  Glyphosat.

Hier ist sie nun, eine Chance dagegen anzugehen!

Es ist nur ein Stoff von vielen, der als Unkrautvernichter eingesetzt wird, aber einer, den die WHO schon eine Weile unter Beobachtung hat und bei dem nun die ersten Glocken schrillen, zumal er in einer wirklich großen Menge ausgebracht wird! Deswegen: Bitte verteilt den Link, bitte unterschreibt, macht Werbung für die Aktion! Die Zeit drängt! Es geht um unsere Gesundheit, unsere Natur und unser täglich Brot! Es betrifft wirklich JEDEN!



Uff, nun hab ich mich aber beherrscht.


Montag, 1. Juni 2015

Unkräuter sind Wildkräuter - ein Plädoyer für Wildwuchs

Was ist Unkraut?

Da blutet mein Herz: Unkrautbekämpfungsmittel. Bei dem Gespräch an der Kasse, das der Kunde mit den Verkäufer in einem Blumenmarkt führte, musste ich mir schwer auf die Zunge beißen. Der Kunde verließ den Laden mit einer Flasche "GierschFrei" und meiner Webadresse. Nun hat er die Wahl. Vielleicht probiert er ja den Giersch, bevor er ihn vergiftet.
Ehrenpreis wird als Unkraut geführt - des "Gärtners Pest" sozusagen.
Früher wurde Ehrenpreis gegen Pest und Aussatz eingesetzt und auch heute hilft er bei Hautproblem.

Daraufhin war ich neugierig und bin auf der Seite der Firma Neudorff zu Besuch gewesen. Immerhin, sie geben sich Mühe: Igelhäuschen, Wildpflanzenmischungen, Fledermausbehausungen....nur: Igel und Fledermäuse leben von Insekten und Insekten entwickeln sich am besten bei einer schönen Artenvielfalt zu der auch "Unkräuter" gehören, nicht nur die Pflanzen in den Wildkräutermischungen, welche die Firma auch verkauft. Aber das ist irgendwie noch nicht in den Köpfen angekommen.  Hier bin ich dann doch schon fast mit Tränen in den Augen davor gesessen:

http://www.neudorff.de/pflanzenpflege/unkraut-bekaempfung/uebersicht.html

Schaut Euch mal die Liste der aufgeführten Pflanzen auf der Seite an, da ist fast alles essbar: Ackerhellerkraut, Ackerkratzdistel, Breitwegerich, Brennnessel, Ehrenpreis, Franzosenkraut, Gänseblümchen, Giersch, Gundermann, Hirtentäschelkraut, kleiner Ampfer, Löwenzahn, Melde, rote Taubnessel, Spitzwegerich, Vogelmiere, weißer Gänsefuß und auch der Weißklee (wie Rotklee zu verwenden). Das ist Gemüse! Blattgemüse! Kein Unkraut!
Rispengras ist nun nicht so der Brüller auf dem Teller, aber daraus lassen sich bestimmt ein paar prima Körbe wicken, wenn man das Gras ein paar Zentimeter wachsen lässt.  Und sogar den Vogelknöterich und den Ackerschachtelhalm kann man als Heilpflanze im Tee verwenden.
Unkrautbekämpfungsmittel gegen Gundermann? Da schreit jeder Wildkräuterfan laut auf: NEEEEEIN!

Alles was man tun muss: Akzeptieren dass auch diese Kräuter ein Teil der Natur sind und eben  an dieser Stelle wachsen wollen (und die wachsen da, ohne dass man sie groß pflegen und hegen muss).
Natürlich verstehen ich, dass, wenn man an der Stelle lieber Tomaten wachsen lassen möchte, den Giersch  nicht unbedingt braucht. Aber: Die Tomate steht da doch nur ein Jahr (und schmeckt mit Giersch übrigens sehr lecker). Dann gräbt man an der Stelle den Boden um, holt die Rhizome so gut es geht eben aus der Erde und pflanzt die Tomate. Tomaten brauchen halbfertigen Kompost und wurzeln tiefer als Giersch. So gesehen kommen sich die beiden kaum ins Gehege. Im nächsten Jahr würde ich die Tomate ohnehin an eine andere Stelle setzten. Mein Gierschfeld macht jedenfalls seid Jahren keine Anstalten mehr, sich groß auszubreiten, wahrscheinlich hat der Giersch schon Angst, wenn er mich kommen sieht :-)

Erntet man die "Unkräuter" vor der Blüte, verhindert man ein Ausbreiten per Samen. Vermehren sie sich durch Rhizome (Wurzelausläufer) entzieht die regelmäßige Ernte diesen "Unkräutern" Lebenskraft. Sie müssen erst mal wieder oberirdisch wachsen, bevor sie "untenrum" weitermachen können. Den japanischen Staudenknöterich kann man so über die Zeit stark zurückdrängen bis ausmerzen, aber es braucht Geduld, manchmal mehrerer Jahre. Das gibt bis dahin jede Menge Senf :-). Und auch der Giersch lässt sich so bändigen. Ernten und essen.

Mein Tipp: Freundet Euch mit den Unkräutern an und tituliert sie um in "Wildkräuter".  Andere - so wie ich - verdienen mit Giersch, Brennnessel und Co. ihr Geld, wenn sie eben solche "Wildkräuterführungen" anbieten und Euch die Pflanzen zeigen, die mit solchen Mittel bekämpft werden. Anschließend steht ihr im Garten und denkt: Der stand doch mal hier....Verrückt, oder? Das ist unsere Gesellschaft.
Nicht dass es unseren Kinder mal so geht, wie Piggeldy und Frederick in der Folge: "Was ist Unkraut?" Herrlich. Was zum Schmunzeln:

 

Donnerstag, 31. Juli 2014

Unkrautvernichtung mal anders

Dies ist ein Appell an alle Gartenbesitzter

Aufessen ist besser als vergiften! Außerdem bietet z.B. die Brennnessel Lebensraum für rund 70 (!) Tierarten.
Da haben wir es wieder: Die Unkrautvernichter. Das Umweltinstitut München e.V hat soeben einen Newsletter zu schädlichen Glyphosat in Unkrautvernichtern herausgegeben, die auch in Privatgärten massiv eingesetzt werden. 40 Tonnen (!) landen so jedes Jahr in der Natur, vernichten Artenvielfalt, vergiften den Boden und die Natur und letztlich auch den Menschen. Und warum? Weil das Bisschen Brennnesssel stört, oder das Knopfkraut zwischen den Steinfugen herauswächst. Ihr kennt meine Lösung: Aufessen, wann immer es möglich ist. Das ist sicher die bessere Alternative - noch vor dem Jähten oder Mulchen. Zu bedenken gibt es außerdem: Giftige, aber einheimische Unkräuter tragen immer auch ihren Beitrag zur Natur bei - als Bienenweide, Lebenraum oder Käferparadies.  Rausreißen kann man sie immer noch, ohne gleich mit der der Giftkanone auf einen Spatzen zu schießen. Ein perfekter englischer Rasen ist wie eine riesige Monokultur für jeden Käfer. Die Tiere werden verhungern. Nichts gegen ein Stück englischen Rasen, aber dann sollte jeder für Ausgleichsflächen sorgen. Der Natur zuliebe - uns zuliebe.
Sehr informativ:  Faltblatt "Gift im Garten".