Samstag, 20. September 2014

Muggefug oder ein scheußliches Erwachen mit Löwenzahnwurzelkaffee

Dieser Beitrag ist schon etwas älter und beinhaltet meinen ersten Versuch aus Löwenzahnwurzel einen Kaffeeersatz herzustellen. Dieser Versuch war ein sehr lehrreicher Fehlschlag, weshalb ich ihn nicht lösche, damit euch diese Fehler nicht auch unterlaufen, solltet ihr irgendwann mal selbst Muggefug herstellen wollen. Bitte lest unbedingt auch  meinen jüngeren, zweiten Blogbeitrag zum Löwenzahnwurzelkaffee durch  (Muggefug Teil 2 - Wie aus Löwenzahnwurzel ein schmeckender Kaffeeersatz wird), wenn ihr wirklich einmal wissen wollt, wie Löwenzahnwurzelkaffee recht schmackhaft , aber auch recht mühsam, hergestellt werden kann. Ansonsten ist dieser Beitrag ein Lehrstück, wo überall die Haken an der Sache liegen können. 
Liebe Grüße aus den Nesseln, Eure Sindy (Diese Einleitung ist ein Edit vom 1.9.2015)

Ist das Kaffee? Nein, das ist Muggefug aus gerösteten Löwenzahnwurzeln. Sieht lecker aus und
schmeckt besch...eiden.


Unter Wikipedia findet sich ein alter Artikel zu "Muggefug", jener Kaffeeersatz aus allen möglichen Pflanzen, aber eben nicht aus Kaffeebohnen. Muggefug ist ein Notkaffee. Getreidekaffee nach Hildegard von Bingen ist genauso Muggefug, wie Kaffeeersatz aus Eicheln. Letzteren habe ich letztes Jahr zubereitet und kann Euch, wenn Interesse besteht, auch diese Version vorstellen. Nur so viel: Von den Socken gehauen hat der Eichelkaffee mich nicht. Aber: Ich wusste nicht, dass es noch schlimmer geht! Diese Jahr wollte ich jenem Mythos auf die Schliche kommen, Muggefug aus Löwenzahnwurzeln herzustellen. Wie schmeckt der wohl? Ich kann euch vorneweg sagen: Der hat mich nun wirklich aus den Socken gehauen - im negativen Sinne. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Eicheln und Löwenzahn, ich würde Eicheln nehmen, aber auch auf den kann ich verzichten.

Die Herstellung von Ersatzkaffee 

Die Herstellung von Muggefug ist immer gleich: Man säubert die Wurzeln, schneidet sie klein, röstet sie (und das ist der wichtigste Schritt), zermahlt diese und dann bereitet man das Ganze wie Filterkaffee zu. In einem Kaffeevollautomaten würde ich diesen Versuch NICHT machen, denn wenn die Löwenzahnwurzeln nicht vollständig trocken sind, verklebt Euch das gesamte Mahlwerk. Ich hab zum Zermahlen einen alte Handmühe genutzt und saß danach eine Stunde dran, die Mühle auseinanderzunehmen und zu säubern. Bei der Herstellung von Getreidekaffee geht man ähnlich vor, man röstet die Körner und zermahlt diese grob. Bei Eicheln wird es komplizierter, denn die Gerbstoffe bedürfen einer vorherigen mehrtägigen Wässerung.

Wie schmeckt Kaffee aus Löwenzahnwurzeln? Mein Selbsterfahrungsfazit

Nichts desto trotz: Einmal Kaffeeersatz aus Löwenzahnwurzen herzustellen, wollte ich immer schon mal ausprobieren, um bei meinen Führungen eine Antwort auf die Frage geben zu können: Wie schmeckt Löwenzahnwurzelkaffee?  Mein Resümee: Scheußlich! Man kann aus Löwenzahnwurzeln Kaffeeersatz herstellen, aber man kann das auch aus alten, gerösteten Schuhsohlen - beides dürfte ähnlich schmecken. Der Aufwand ist gewaltig, das Ergebnis enttäuschend. Keiner kann so kaffeesüchtig sein, dass er lieber ein solches Gebräu trinkt, statt auf Tee umzustellen.  Löwenzahnwurzelkaffee befriedigt das Bedürfnis des Gehirns nach Coffein, dass sich nach dessen Entzug häufig für 2-3 Tage mit  Kopfschmerzen äußert, in keinster Weise! Muggefug enthält nämlich kein Coffein, und das Gehirn lässt sich da auch nicht mit dem Anblick eines Pseudokaffees abspeisen. Ja, Löwenzahnwurzelkaffee sieht tatsächlich aus wie Kaffee!  Mehr hat er mit ihm aber auch schon nicht mehr gemeinsam. Er riecht wie altes Heu, schmeckt ziemlich bitter und erinnert an vergammeltes Gras, oder eben an eine schlecht zubereitete Löwenzahnwurzelsuppe. Selbst mit Milch und Zucker (bei 2 Teelöffen habe ich aufgeben) ist er für mich als Wildkräuterfan, die einiges an ungewohnten Aromen gewöhnt ist, ungenießbar.

Mein Selbsterfahrungsfazit aus dem Versuch Ersatzkaffee aus Löwenzahn herzustellen

Nie wieder, einmal reicht - so kännte man das Ergebniss zusammenfassen. Ich weiß nun wie der Kaffee "schmeckt" und kann davon berichten, dass die Stunde, die ich mit dem Sammeln und der Zubereitung verbracht habe (plus eine weitere Stunde zur Reinigung des verklebten Mahlwerks meiner Handmühle), dem Ergebnis in keinster Weise gerecht wird. Der Ersatzkaffe wird weder dem Wort "Ersatz" und schon gar nicht dem Wort "Kaffee" gerecht. Bevor ich den wieder trinke, pflücke ich mir lieber etwas wilden Quendel und mach mir daraus einen Thymiantee und das will bei mir schon etwas heißen.

Eine Bilderserie zur Herstellung von Ersatzkaffee aus Löwenzahn - der berühmte Muggefug

Nichtsdestotrotz: Um Euch zu zeigen, wie es es gemacht wird, hier eine kleine Bildergeschichte zur Herstellung von Kaffeeersatz aus Löwenzahnwurzel.
Für den Selbstversuch wurden sechs Löwenzahnpflanzen ausgegraben.

Schaut ein wenig aus wie Ginseng - mit der Gemüsebürste wurden die Löwenzahnwurzeln unter Wasser gereinigt und das Grünzeug abgeschnitten...

...dann kleingeschnitten...

...und in einer beschichteten Pfanne ohne Fett geröstet. Das Rösten dauert etwa 5 Minuten.

Die Ausbeute nach dem Mahlen der gerösteten Löwenzahnwurzeln in einer alten Handmühle. Diese hat ganz schön gelitten, da einige Löwenzahnstücke nicht ganz durchgeröstet waren und das Mahlwerk verklebt haben. Aus sechs Löwenzahnwurzeln lassen sich  etwa 2 Tassen Muggefug herstellen.

Sieht aus wie Kaffee - so ganz ohne Geruch, könnte man der Illusion glatt erliegen. Dies ist aber Ersatzkaffee aus gerösteten Löwenzahnwurzeln, ein schreckliches Gebräu :)

Da hilft auch kein Zucker und sei der Zuckerlöffel noch so liebevoll selbst hergestellt: Der gammlig-grasige Geschmack des Löwenzahnkaffees lässt sich auch mit Süße nicht übertünchen.....

...und auch Milch hilft nicht. Mein Fazit: Die Herstellung von Ersatzkaffee aus gerösteten Löwenzahnwurzeln lohnt sich nicht! Dann lieber Tee.

Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie man etwas aus Naturprodukten herstellt? Ihr habt gehört man kann Eicheln zu Brot machen und wisst nicht wie? Ihr wollt wissen, ob man Buchenblätter essen kann? Macht mit! Schreibt ein Kommentar mit Eurer Frage und ich mache mich für Euch schlau.

Kommentare:

  1. Hallo Sindy, dein Blog gefällt mir. Ich werde jetzt öfter reinschauen.
    Von Löwenzahnkaffee habe ich auch schon gelesen. Jetzt weiß ich, dass ich das nicht ausprobieren muss. Danke fürs Testen. Das sieht auch nach viel Arbeit aus.
    Da bleib ich dann lieber bei Löwenzahntee als Frühjahrskur. :-)
    Liebe Grüße Sara

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  2. Beim "normalen Kaffee" ist doch auch die Röstung das "Entscheidende".
    Die Test-Mischung war aber nicht ganz durchgeröstet, wie beschrieben.
    Vielleicht Löwenzahnwurzelkaffee nicht ganz so schlimm schmecken, wenn die Röstung stimmt? (Warum hätten sich die Leut' das früher sonst antun sollen, - Krieg hin oder her).

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  3. Das stimmt. Die Mischung war nicht vollständig duchgeröstet und auf die Röstung kommt es an. Wahrscheinlich waren meine gerösteten Stücke schlicht zu groß. Mittlerweile hab ich einige Erfahung im Rösten dazugewonnen und werde den Versuch wiederholen, sobald ich im Garten wieder die Beete umsteche. Das hier ist ja ein experimenteller Blog, da darf man auch dazulernen ;). Ich werde Euch dann berichten, ob der Geschmack sich verbessert hat und was ich dann anders gemacht habe. Dann bleibt dem einen oder anderen vielleicht so ein verkorkstes Ergebnis erspart.
    Warum sich die Leute so was antun sollten? Ich frage mich auch oft, warum ich mir das antue :). In erster Linie war Löwenzahn kostenlos und von Natur aus ist er einfach bitter, so wie Kaffee an sich auch ein recht bitteres Getränk ist. Nur Kaffee war in Kriegszeiten teuer, aber so ganz auf seine "Tasse Braunes" wollte man wohl nicht verzichten. Es gibt wohl so was wie die "Tee-Aufbrüher" und die "Röst-Aufbrüher". Man hat ja damals mit allerhand "Naturmaterialien" herumprobiert, hat Weißdornkerne geröstet, Eicheln (das schmeckt sogar, aber drüber berichte ich ein andern mal), sogar Baumrinde, Dinkel, Cichorienwurzel....Geschmacklich haben sich die letzten beiden durchgesetzt, denn den Landkaffee gibt es noch heute, zudem hatte man das Getreide ohnehin vor der Haustür, solange man Mehl braucht. War dann wohl nicht so mühsam wie das Suchen von Löwenzahn oder das Sammeln von Eicheln, aber viel günstiger als der Kauf von Kaffeebohnen.

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  4. Nur so 'ne Idee zu rösten: Vllt solltest du die Wurzeln erst trocknen und dann rösten?!

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  5. Geroestete Loewenzahnwurzeln sind ein uraltes Rezept zur Reinigung und Staerkung der Leber und wurde vorzugsweise im Fruehling/fruehen Sommer getrunken um den Koerper darin zu unterstuetzen, sich von ueberfluessigen "Altlasten" zu befreien. Mag sein, dass sich in der (Nach-)Kriegszeit die Menschen damit als Kaffeeersatz beholfen halben, aber in erster Linie gilt das Getraenk bei noch Heilkundigen nicht als Genussmittel sondern als wertvolles Rezept - wie es schmeckt ist dabei absolut zweitrangig.

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  6. Hallo alle zusammen, soweit ich informiert bin, gilt geroestete Lowenzahnwurzel als Tee als wunderbares, uraltes Rezept um die Leber im Fruehjahr/Sommer bei Ihrer Filterfunktion zu unterstuetzen und angesammelte 'Altlasten' aus dem Koerper zu entfernen. Es handelt sich bei diesem Zusammenhang nicht um ein 'Genussmittel' und der Geschmack ist dabei vollkommen zweitrangig. Sehr bitter im Geschmack und somit den Koerper stark "kuehlend" wuerde man dieses Getraenk auf keinen Fall in den kalten Jahreszeiten trinken. Leider ist dieses alte Wissen nicht weit verbreitet - schade eigentlich.

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  7. Und ja, soweit ich gehoert habe, muessen die Wurzeln erst getrocknet werden und dann erst geroestet.:)

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  8. Hallo Mi Vogru,
    vielen Dank für deine Hinweise.
    Über Geschmack lässt sich streiten. Und dennoch kann auch der Löwenzahnwurzelkaffee durchaus lecker zubereitet werden, wie sich nach vielen Fehlschlägen gezeigt hat:
    http://unkrautgourmet.blogspot.de/2015/06/muggefug-teil-2-wie-aus-lowenzahnwurzel.html.
    Die Löwenzahnwurzeln waren auch im ersten, oben beschriebenen Durchgang rein äußerlich knochentrocken, doch hat sich beim Zermahlen etwas anderes gezeigt. Das war einer der Haken an der Zubereitung. "Trocknen" klingt so einfach, doch der Teufel steckte im Detail. Im zweiten Blogbeitrag gelang mir das Trocknen und Zubereiten deutlich besser. Interessant, und zu deiner Aussage mit dem "kein Getränk für kalte Jahreszeiten" passend, funktioniert der Muggefugg aus Frühsommerlöwenzahnwurzeln am besten. Die Natur regelt das schon selbst ;), man muss nur auf sie hören.
    "Gesundheit" muss man also nicht zwangsläufig mit "Herunterwürgen" gleichsetzten.
    Viele Menschen würden sicher gesünder leben, wenn sie nur wüssten, wie sie all das gesunde Zeugs zubereiten könnten. Hier kommt dieser Blog ins Spiel, der ausdrücklich kein Heilpflanzenblog mit therapeutische Ratschläge ist, sondern lediglich Anregungen für die Wildpflanzenküche bietet. Und das sage ich immer wieder: Die Dosis macht das Gift und wenn einer eine Abneigung gegen diese und jene Pflanze verspührt, sollte er unbedingt drauf hören und diese nicht "herunterwürgen", denn im gesunden, austarrierten Zustand, weiß der Körper sehr gut, was er braucht und was nicht. So glaube ich nicht, das in der Nachkriegszeit Löwenzahnwurzelkaffee literweise getrunken wurde wie heute die kolumbianische Bohnensuppe, höchsten ab und an mal ein Tässchen Muggefug, so berichtete es mir jeenfalls die Nachkriegseneration meiner Familie. Das hat der Leber dann sicher auch gut getan und damit war das verlangen nach "Kaffeeersatz" dann sicher auch befriedigt.

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