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Freitag, 24. März 2017

Kräuterquark aus Frischmilch

Ein zu einfaches Rezept? Kräuterquark mit selbst gesammelten Kräutern wird auf so ziemlich jeder Kräuterwanderung als "Wegzehrung" oder "Mitmach-Rezept" angeboten. Ist ja auch so schön vielseitig und der erste Kräuterquark der Saison trägt einfach einen Hauch von Abenteuer in sich. Viel falsch machen kann man auch nicht und Brot oder Kartoffeln werden plötzlich "wild".  Zelebrieren wir den Frühling.
Selbst hergestellter Quark mit selbst gesammelten Kräutern. Köstlich.

Allerdings habe ich einen Faible fürs Selbstgemachte und da ich mittlerweile viel mit Kindern unterwegs bin, dürfen die nun auch ihren Quark selbst herstellen, wenn es der Zeitrahmen zulässt. Viele kennen das gar nicht. "Wie, den kann man selber machen?" Na klar. Das mit den Kräutern sammeln machen wir natürlich auch.

Der 30-Minuten-(Zitronen-)Quark

  • 5 Zitronen
  • 1 l frische Milch (mit H-Milch klappt das nicht so gut)
  • Haarsieb oder Feinsieb
  • Schüssel
Zitrone und Frischmilch, ein Kaffeefilter und ein Glas und
schon gibts Zitronenquark...
...nur 5 Zitronen für 1 Liter Milch auspressen und zur Milch
geben...
...bis sie eindickt...
...dann kommt sie in den Kaffeefilter und ...
...die Molke läuft ab. Im Kaffeefilter kann das länge dauern.
Dafür die Zitronen auspressen und den Saft in 1 l Frischmilch geben und verrühren. Man merkt beim Rühren schon, dass die Milch andickt. Die Dickmilch wird ins Haarsieb gefüllt und dann heißt es warten. Es dauert leider ein paar Minuten (oder wenn der Filter sehr fein ist auch deutlich länger), bis die Molke abläuft. Im Filter zurück bleibt der Quark, schon mit Zitrone angereichert. Fehlen nur noch ein paar Kräuter, etwas Salz und Pfeffer.
Sollte der Quark zu zitronig schmecken (was bei den meisten Kindern überhaupt kein Problem ist, denn Quark pur schmeckt ohnehin nur wenigen, dann lieber mit Zitrone), einfach noch mal ein oder zwei Gläser Wasser über den Quark geben und filtrieren. Der Zitronensaft wird so herausgespült.

Das mit den 30 Minuten ist ein wenig mutig und gelingt nur mit einem Feinsieb. Die Trennung verläuft auch nicht astrein. Etwas vom Milchbruch landet in der abgetropften Molke.

Zitronen-Molke und ihre Verwendung

Die abgetropfte Zitronen-Molke kann ich nur in Maßen zum Verzehr empfehlen. Ich nehme sie als Basis für Salatsoßen, da sie ohnehin schon mit Zitrone angereichert ist. Man kann sie auch zum Kochen oder Backen verwenden oder sein Over-Night-Oat oder Birchner Müsli drin einweichen. Dinkel mit Rosinen über Nacht in Zitronenmolke und mit Honig abgeschmeckt und etwas geriebener Apfel dazu. Ein gutes Frühstück.

Der 2-Tage-Quark

  • 1 l Frischmilch
  • 200 ml Buttermilch
1 l frische Milch mit etwa 200 ml Buttermilch in einer metallfreien Schüssel mit einen Holzlöffel verrühren (lebende Kulturen reagieren mitunter empfindlich auf Metall). Schüssel verschließen und bei Zimmertemperatur 48 Stunden stehen lassen. Dann für drei Stunden leicht erwärmen. Dabei trennt sich die gelbgrüne Molke vom Bruch.
Zum Erwärmen nutze ich einen Joghurtbereiter*. Er hält die Temperatur dauerhaft zwischen 30-35 Grad.  Wer den nicht hat, kann es mit einer warmen Fensterbank oder der Restwärme im Ofen versuchen. Doch Vorsicht: Bei Temperaturen von über 35 Grad werden die Kulturen absterben. Nach dem Temperieren  lässt sich der Quark von der Molke ganz einfach mit einem Feinsieb trennen. Je länger man ihn abtropfen lässt, desto trockener wird der Quark. Meist reichen dazu 2 h im Kühlschrank.
Die abgetropfte Molke ist Rohmolke ohne Zitrone und auch der Quark schmeckt pur und mild. Ohne Kräuter hält er sich gut eine Woche im Kühlschrank und wird dort auch noch etwas fester. Er eignet sich dann auch für selbst gemachten Bresso.

Tipp: Nie wieder Buttermilch kaufen

200 ml Buttermilch in einem Liter Frischmilch verrühren und
8 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.
Fertig sind 1,2 l Buttermilch.
200 ml von der selbst angesetzten Buttermilch abfüllen und
damit einen neuen Liter Frischmilch beeimpfen.
Der Rest...hm, lecker!
Wenn ihr schon dabei seid und Milch mit Buttermilch verrührt: Setzt gleich die doppelte Menge an. Die Hälfe der Menge nehmt ihr nach 8 h Standzeit ab. Ihr habt nämlich die Buttermilchkulturen weitervermehrt und 1 l Buttermilch selbst hergestellt. Sie schmeckt viel milder als die gekaufte Buttermilch und ist daher auch meist für Kinder interessanter. Von der selbst hergestellten Buttermilch könnt ihr nun 800 ml trinken und ein Glas davon abnehmen und einen neuen Liter Milch beimpfen und so müsst ihr nun wieder in eurem Leben Buttermilch kaufen, sofern ihr Joghurtbereiter (für Joghurt, dafür eben einmal noch einen Joghurt mit lebenden Kulturen kaufen). Der Joghurtbereiter lohnt sich dann. Mache ich Buttermilch, stelle ich einfach die ganze Schüssel ins Gerät zum Erwärmen. Funktioniert einwandfrei.
  Oder man lässt die Buttermilch weitere 1 1/2 Tage stehen,   
erwärmt sie sachte und sieht wie sich unten die Molke
sammelt, die man dann...
sauber weiterarbeitet. Im Kühlschrank hält sie sich eine Woche, spätestens dann sollte der nächste Frischmilchliter für Buttermilch angesetzt werden.  Wenn man bedenkt, dass Buttermilch pro Liter im Supermarkt rund 90 Cent kostet und damit teurer ist, als Dumping-Preis-Milch, dann kann man über die Dauer seinen Lebens schon machen Euro sparen. Doch nicht das Geld war bei mir entscheidend,
sondern die Vermeidung von Plastik- und Aluminiummüll. Dies nur as Gedankenimpuls. Nun wieder zurück zum Kräuterquark :)

Rezept für den Kräuterquark-Klassiker a la "Eigenbau"

...durch einen Sieb vom Bruch trennt. Zurück bleibt
ein milder, etwas körniger Quark und Molke pur.
  • 250-300 g Quark
  • Saft einer 1/2 Zitrone (beim 10-Minuten-Quark nicht notwendig!)
  • Salz, Pfeffer
  • jede Menge Wildkräuter aller Art, von der Menge etwa die des Quarkvolumens

Die Veilchen lachten mich auf der Wiese an.
Wer kann da widerstehen? Also rein in den Quark!
Dieses Mal startet die Saison mit Knoblauchrauke, Pimpernelle, Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen und Schafgabe. Als besonderes "Bonbon" kamen dieses Mal noch ein paar Veilchen hinzu, weil sie grade blühen. Nicht zu viele, die schmeckt man sonst penetrant heraus. Die Kräuter waschen, kleinschneiden und mit den übrigen Zutaten verrühren. Abschmecken und fertig.

Fast vollständiges Eigenversorgeressen

Quark, Kräuterhack und noch etwas selbstgemachtes     
Kräutersalz dazu, durchrühren und genießen.
Tja, so ein popeliger Kräuterquark und schon wird man nebenbei unabhängig von Buttermilch und Joghurt - nichts mehr in Plastikbechern und mit Aluminiumdeckeln. Mit dem selbst hergestellten Quark und dem Sammeln der Kräuter ist der Kräuterquark vollständig handemacht. Dazu am Besten selbst gebackenes Brot aus selbst angesetztem Sauerteig. Fehlt eigentlich nur noch die selbst gezüchtete Kuh und der selbst bestellte Acker fürs Getreide.
Wie Milchintensiv Quark ist, sieht man erst, wenn man in selbst gemacht hat. Knapp 300 g bekomme
ich aus 1 Liter Frischmilch. Es steckt eine Menge Milch in Quark.
Bei der Quarkherstellung fallen als Nebenprodukt  Buttermilch und Molke an.
Dafür nehme ich die Version ohne Zitrone!

Sonntag, 1. November 2015

Ebereschen-Chutney

Von natürlichen Konservierungsmittel und einem kräftigen Pentant zur Preiselbeere: die Eberesche

Heute ein Rezept aus der Kategorie "Was? Das kann man auch essen?". Protagonisten sind die Beeren der Ebereschen, die der eine oder andere als Vogelbeeren kennt. Ja! Man kann sie essen, allerdings bedürfen auch sie, wie die Eicheln einer Vorbereitung. Bei Ebereschenbeeren heißt das: erhitzen oder einfrieren.

Die Beeren der Eberesche, auch Vogelbeeren genannt, sind essbar - allerdings erst nach dem Kochen.
Dann entwickeln sie ein streng herb-süßes Aroma, ähnlich der Preiselbeere,
und eignen sich vorzüglich für Chutneys.

Konservierungsmittel direkt aus der Natur

Vorneweg: Ebereschen sind reich an Vitamin C und Provitamin A. Sie enthalten außerdem Sorbose, einem Zucker, aus dem Früher Sorbit (daher der lateinische Gattungsname der Eberesche: Sorbus) gewonnen wurde, ein für Diabetiker geeigneter Zuckerersatz. Eberschen sind also nicht nur "Vogelfutter", auch wenn sie vom Federvieh liebend gern verspeißt werden.
Vogelbeeren lassen sich auch trocknen und als Tee verwenden.
Angeblich soll dieser den Magen beruhigen.
Einzig die Parasorbinsäure macht die Ebereschenbeeren schwerverdaulich. Parasorbinsäure ist eine Vorstufe zur Sorbinsäure (E200), die im übrigen in der Lebensmittelindustrie gern als Konservierungsmittel eingesetzte wird.  Zu viel Parasorbinsäure aus rohen Ebereschenbeeren führt zu Magenproblemen. Lustiger Weise wird die Parasorbinsäure beim Kochen oder Einfrieren zu genau jenem Konservierungsmittel umgebaut, das die Lebensmittelindustrie nutzt: Sorbinsäure.  Die Eberesche bringt ihr eigenes Konservierungsmittel mit. Auf die Weise halten die Beeren lange als Winterfutter für Vögel. Die Natur ist wunderbar.

Eine Augenweise im Herbst: Das  goldenen Laub und die knallorange-roten Beeren der Eberesche.
Klar lieben die Vögel die Beeren. So sieht dann leider auch jedes darunter geparkte Auto aus.


Zutaten für das Ebereschen-Chutney

Alle "festen" Zutaten für das Chutney. Die Vogelbeeren hatte
ich zuvor eingefroren gelagert.


  • 300 g Ebereschenbeeren
  • 2 Zwiebeln
  • 1-2 Tomaten (je nach Größe) 
  • 1 Paprika (rot oder gelb)
  • 200 g Essig (Rotweinessig oder Balsamico)
  • 1 EL Rosinen
  • 3/4  TL Salz
  • 1/2 TL frisch gemahlener Pfeffer 
  • 1/4 TL Zimt
  • 1 Chilischote
  • 250 g Gelierzucker 1:1
  • Evtl etwas Apfelsaft

 

Zubereitung des Chutneys mit Vogelbeeren

Kleine rote Kunstwerke: Ebereschenbeeren.
Die Beeren von den Rispen pflücken, waschen und für 24 h einfrieren.  Dadurch verlieren sie etwas an ihre Bitterkeit (das passiert auch durchs Kochen, somit ist das Einfrieren also nicht unbedingt notwendig). Gemüse möglichst klein schneiden, ebenso die Chilischote. Alle Zutaten bis auf den Gelierzucker in einen Topf geben und für 40-60  min  einkochen. Verdampft zu viel Essig, kann man etwas Apfelsaft zufügen. Anschließend  den Gelierzucker zugeben und noch einmal  4 min kochen, heiß in Gläser füllen und kopfüber einige Minuten zuziehen lassen.
Bei mir ergab das Rezept ein Glas a 200 und ein Glas a 250 g.  Reicht für den Winter! Vorratshaltung ist zwar schön und gut, aber oft überschätzt man sich mit dem Verbrauch. Lieber den Tieren noch etwas lassen.

Wie schmeckt Ebereschen-Chutney?

Sehr herb! Es ist mit Sicherheit nichts, das Ihr einfach so aus dem Topf löffeln werdet. Dennoch liebe ich es: Es ist die perfekte Beigabe zu Wild oder Grillfleisch oder zu den Gerichten zu denen man gerne Preiselbeeren serviert, man aber gelegentlich denkt: Hier fehlt irgendwie der richtige Pepp. Da ist der, im Ebereschen-Chutney! Ebereschen sind tatsächlich ein geschmacklich kräftiger Ersatz für Preiselbeeren, die leider nicht bei mir vor der Haustüre wachsen. Statt dessen steht jener gewaltige Ebereschen-Baum vor unserem Haus - warum also nicht das nutzen, was da ohnehin wächst, bevor die ganzen Beeren auf dem Bürgersteig landen und zertrampelt werden?
9 Meter hoch ist der Ebereschenbaum. Da bleibt genug für alle: Mensch und Tier.
Viel zu viele Beeren landen ohnehin auf dem Bürgersteig und werden zertreten.

Variationen des Chutneys - herb, herber, Eberesche

Ebereschenbeern sind sehr herb. "Schrumpfkopf-Aroma", heißt das bei mir, weil es die Backen ganz schön zusammmen zieht. Die Herbe bekommen die Beeren durch die Parasorbinsäure - für uns ist das ein "Fraßschutz" und sollte eigentlich so viel heißen wie "Finger weg von den Beeren". Allerdings wird Parasorbinsäure, wie oben schon beschrieben, zu essbarer Sorbinsäure umgewandelt, und zwar sowohl durch Frost als auch durchs Kochen. Ob die Herbe wirklich halbiert wird, wenn man die Beeren frostet und anschließend kocht, konnte ich bisher nicht wirklich objektiv beurteilen. Mein Eindruck war bisher eher ein Nein. Andere legen die Beeren zuzüglich zum Einfrieren noch mal 24h in Essig ein, wodurch sich das herbe Aroma weiter verlieren soll. Meine Beeren hatte ich zuvor eingefroren, da unsere Ebereschenbaum dieses Jahr dermaßen voll war, dass ich gar nicht alle geernteten Beeren sofort verarbeiten konnte. Der hängt immer noch zu 3/4 voll, aber da dürfen sich nun die Vögel dran laben.
Dem Chutney  lässt sich noch etwas zusätzlicher Zucker zufügen und die Chili kann man durch milde Arten ersetzen oder auch ganz weglassen, wem die zusätzliche Schärfe nicht behagt.  Sehr fein wird das ganze auch mit einer Fingerspitze klein geschnittenem Ingwer. Auch ein klein geschnittener Apfel oder eine Quitte machen sich sehr gut im Chutney und  mildern den herben Geschmack etwas ab. Ganz klar: auch die Menge der Vogelbeeren lässt sich reduzieren und z.B. durch mehr Tomaten, Zwiebeln oder einer zusätzlichen Quitte ersetzten. Gerade wenn Kinder mitessen, ist weniger mehr.

Montag, 3. August 2015

Paleo-Knäckebrot mit Brennnesselsamen

Kräcker mit Brennnesselsamen sind schnell gemacht

Da waren sie wieder, meine Paleo-Gäste, die ich schon mit  Hähnchen im Brennnesselsamenmantel verköstigen durfte. Dieses Mal sollte ein Brotersatz her. Ok, ein echter Brotersatz wurde es nicht, eher ein Knäckebrot, aber mal wieder aus 100% einheimischen Zutaten hergestellt. Wir hatten an dem Abend sehr viel Spaß mit unseren Kräckern, als wie feststellten, dass das Knäckebrot toll zu Käsecreme, selbstgemachtem Bresso mit Wildkräutern (leider zu dieser Jahreszeit nicht mit Bärlauch, sondern als Variante "Gang über die Wiese") oder in Kombination mit Brennnesselsamen-Salsa  (das Rezept liefere ich euch noch) sich super als Knabbersnack für einen Fernsehabend eignet. Das Knäckebrot war schnell verputzt. Einzige Warnung: Man sollte recht viel dazu trinken, dann haben die Leinsamen auch die erwünschte quellende, sättigende und verdauungsregulierende Wirkung.

Knäckebrot mit Brennnesselsamen
Paleo-Knäcke auf einheimisch: Kein Kokos oder Zeugs aus Übersee, nur gute einheimische
Zutaten wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Käse und natürlich Brennnesselsamen.

 Zutaten für das Paleo-Knäckebrot


  • 125 g Leinsamen
  • 100 g geriebener Käse
  • 30 g Parmesan
  • 25 g Sonnenblumenkerne
  • 2-3 EL Brennnesselsamen (das sind knapp 7-10 g)
  • 2 Eier
  • 1/2 TL Salz
  • Pfeffer
  • 1 TL gemischte, getrocknete Wildkräuter (Giersch, Bärlauch, Dost...)
  • ein "Schluck" Wasser
Bestandteil des Knäckebrots
Nein, kein Mehl. Als "Kleber" in diesem Knäckebrot dienen Eier und Leinsamen.

 Kinderleiche Zubereitung

Knäckebrot vor dem Backen
Kleine, runde Knäckebrote warten aufs Backen.
Alle Zutaten vermengen und 15 min quellen lassen. Dann in der gewünschten Größe auf ein mit Backpapier belegte Backblech zu flachen Fladen ausstreichen und bei 150-160 Grad Umluft für 15 min backen. Wenn das Knäckebrot hart geworden ist und sich vom Papier lösen lässt, einmal wenden und und weitere 5 min backen.


Was gibt es bei Paleo-Knäckebrot zu beachten? Back-Variationen!

Die Backofenhitze darf nicht zu hoch sein! Ab 160 Grad werden viele der guten Inhaltsstoffe zerstört. Lieber sollte man die Temperatur niedriger schalten und die Backzeit länger machen, die Knäckebrote lieber mehr trocknen als backen. Wer eine E-Herd nutzt sollte das Knäckebrot auch nicht über 160 Grad backen.
Das Knäckebrot verzeiht viel und ist sehr variabel. So lassen sich die 130 g Käse durch nahezu jeden beliebigen Hartkäse ersetzen, die Körnermenge lässt sich mit Nüssen, Schwarzkümmel oder sogar getrockneten Pilzen ergänzen und den eigenen Vorlieben entsprechend anpassen. Bis zu 60 g (inklusive des Sesams)  lassen sich  als persönliche "Knabberzutaten" zufügen.  Es ist und bleibt wegen des Käseanteils aber ein herzhaftes Knäckebrot. Und wieder sind 3 EL Brennnesselsamen aufgebraucht.
Mit Frischkäse oder Salsa eine leckere, gesunde Steinzeitknabberei:
Paleo-Knäckebrot mit Brennnesselsamen





Mittwoch, 29. Juli 2015

Labneh im Nacht(kerzen)hemd oder im Brennnesselsamenmantel

Frischkäsekugeln aus Joghurt von Blüten und Samen umhüllt

Schnell noch mal was dazuwischen geschoben, weil es gerade zum vorangegangenen Artikel mit den Nachtkerzen passt und außerdem lässt es sich dieses Frischkäse prima auch mit Brennnesselsamen zubereiten. Natürlich haben ich am nächsten Morgen die Nachtkerzenblütenblätter eingesammelt. Vertrocknet wären sie bis zum Mittag ohnehin, also isst man sie doch vorher besser auf. Im Kühlschrank bleiben sie bis zu 24 h frisch. Auch mir fällt es wie den Bienen schwer, bei dem knatschige Gelb der Blütenblätter die Finger von zu lassen.

Labneh und Nachtkerzenblüten



Labneh ist sozusagen "entmolkter" Joghurt. Sehr lecker schmeckt er vor allem mit 3,8%igem Joghurt zubereitet und ist  im Vergleich zu gekauftem Frischkäse halt "live" zubereitet. Die Kinder haben an so was immer Spaß und lernen gleichzeitig auch, dass Herstellung von Frischkäse nichts anderes ist als "Joghurt mit Geduld". Und so geht´s.

Im Keimglas: Die sauberste Variation Labneh (Frischkäse aus Joghurt) herzustellen

  • 500 g Naturjoghurt (am besten Vollfettstufe)
  • Salz und Pfeffer nach Belieben
  • eine Schüssel voller Nachtkerzenblüten oder Brennnesselsamen

Erfahrungswerte bei der Zubereitung vom Labneh

Keimglas zweckentfremdet
Das Kaffeefilterpapier wird zurecht geschnitten und in den
Keimglasdeckel gelegt...
Eine Variante ist den Joghurt einfach in einen Kaffeefilter aus Papier zu füllen und über einen Sieb samt Abtropfschüssel 12-24 h abtropfen zu lassen.
Keimglas zur Frischkäseherstellung
Nachdem ich Labneh eine ganze Weile so hergestellt habe, war mir das Handtieren mit Kaffeefilter, Sieb und Schüssel irgendwann zu aufwändig. Ständig steht so viel Gedöhns in der Küche. Das muss doch platzsparender gehen. Geht auch. Mein  Keimglas* steht im Sommer nur im Schrank. Irgendwie auch schade. Das ist ein ganz einfacher Keimglas-Verschluss, der Löcher im Deckel hat und ein integrierte Abstellvorrichtung, alles aus einen Guss, einfach zum Aufschrauben auf ein beliebiges Einmachglas,super einfach zu reinigen und viel
Joghurt im Keimglas
...sonst würde der Joghurt durch die Löcher fließen...
platzsparender als die großen Keimgeräte. Verkeimen tut das Saatgut hier auch nicht so schnell, weil nichts in der "Siffe" steht.
In so einem  Keimglas* müsste sich doch auch Frischkäse machen lassen. Da der Joghurt anfangs noch recht flüssig ist, habe ich einfach einen Kaffeefilter als Einsatz zurecht geschnitten und von innen an Deckel vor das Abtropfsieb gelegt. Dann füllt man den Joghurt ins Glas, schraubt den Deckel auf,  dreht das Ganze um und lässt es für besagte 12-24 h abtropfen. Etwa nach der Hälfte der Zeit kann man den Kaffeefilter-Einsatz entfernen, der Joghurt ist dann schon dick genug.
Labneh
Nach 12-24h ist der Joghurt entwässert und
stichfestes Labneh daraus entstanden.
Anschießend kommt das Labneh noch ein paar Stunden zum Nachreifen in den Kühlschrank. Die abfließende Molke kann man prima für Salatsoße oder als Shake-Basis verwenden, also nicht wegkippen.
Nach der Reifezeit kann man den Frischkäse beliebig würzen, mit Kräutern verfeinern oder einfach pur essen. Wenn man von ihm kleine Nocken absticht und in kleingeschnittenen Nachtkerzenblütenblättern (oder Kräutern oder anderen essbaren Blüten) wälzt, hat man einen prima protionierten und verpacken Brotaufstrich.
Mit Blüten hält sich der Frischkäse etwa 1-2 Tage im Kühlschrank. Ohne Deko ist er auch nach 1 Woche noch lecker.
Wer seiner Haut von Innen heruas etwas Gutes tun möchte, kann dem Labneh noch einen TL Nachtkerzenöl (mit dem Code "Sindy10" erhaltet ihr 10% Rabatt auf ein wirklich hochwertiges Öl, das ich auch gern verwende!) zufügen. Damit wirds auch noch mal schön weich im Geschmack.


Wer mehr benötigt ist mit Sieb besser dran

Größere Mengen Labneh stelle ich aber dennoch im Sieb her. Das Keimglas ist nur für 1-2 Portionen zu gebrauchen, hat aber den Vorteil, dass an den Joghurt während der Entwässerung keine Fliegen heran kommen können. Wer 1 kg Joghurt verarbeitet, erhält etwa 700 g Labneh, je nach Fettgehalt des Joghurts (je mehr Fett, desto weniger Molke geht ab und desto cremiger aber auch fester wird das Labneh).

Essbare Blüten und Brennnesselsame für die Joghurt-Frischkäsekugeln

Nachtkerzenblüten
Nachts geblüht, morgens geerntet sehen die Nachtkerzenblüten noch schön gelb aus.
Im Kühlschrank halten sie gut ein bis zwei Tage.
Als Blüten kommen außer Nachtkerzen auch Kornlumenblütenblätter, Mohnblüten, Ringelblüten, Veilchen, sogar kleingeschnittenen Sonneblumenblütenblätter, Taglilien oder  Borretschblüten in Frage. Probiert ihn als Wildkräuter-Labneh gewälzt in Wildkräuterhackmischungen oder solitär mit kleingehackten Gierschblättern. Versucht die Frischkäsekugeln auch mal in Samen zu wälzen. Von Kümmel über Samen der Jungfer im Grünen ist alles denkbar, solange der Samen essbar ist.
Frischkäsekugel im Blütenblätterbad
"American Beauty" in gelb. Hier darf eine Labnehkugel in Blütenblättern baden.
Rosenblütenblätter gehen natürlich auch ;)

Und mit Brennnesselsamen? Ja klar! Ummantelt die Frischkäse-Bällchen mit einer Hülle aus Brennnesselsamen! Besonders lecker wird es, wenn ihr die Samen vorher kurz fettfrei anröstet,  weil sie dann einen leichten Nussgeschmack erhalten. Nur vorsichtig sein, die kleinen Samen verbrennen schnell.
Uff! Nun hab ich die Kurve zu den Brennnesselsamen doch noch gekriegt. :)
Labneh im Blütenmantel
Ja, Käse ist gelb :). Luftig,flatternde Labneh-Kugeln sind lecker aufs Brot oder einfach so.

Konventionell mit Schnittlauch oder mit buntem Blütenkonfetti: Labneh sieht nicht nur
immer anders aus, er schmeckt auch mit seiner Umhüllung immer anders.