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Mittwoch, 1. April 2015

Reinigungsmilch mit Rosskastanienknospen - wieder was für die Haut


Ein schnell gemachtes Mitbringsel oder zum Eigengebrauch:
Reinigungsmilch mit Rosskastanienknospen.
Knospen sind ein tolles Material und nun ist die Zeit sie zu nutzen. Rosskastanienknospen stecken voller Vitalstoffe, Enzyme und Mineralstoffe und darüber hinaus auch Saponine, jener waschaktiven Substanzen, die auch in den Rosskastanienfrüchten zu finden sind.  Gestern hab ich Euch eine Salbe für die Hautpflege vorgestellt. Ein paar Knospen hatte ich allerdings zu viel gesamelt. Wegwerfen? Nichts da! Zaubern wir noch schnell eine Reinigungmilch aus Rosskastanienknospen, völlig frei von diesem ganzen chemischen Schnickschnack.

Milch, Salz, etwas Pektin, Rosskastanienknospen
und ein Teelöffel Öl  (auf dem Foto fehlend)
und schon hat man eine hautfreundliche,
schonende und sehr gut für empfindliche Haut
verträglich und natürliche Reinigungsmilch.

Zutaten für die Reinigungsmilch aus Rosskastanienknospen

  • 100 ml Milch
  • 1 El kleingeschnittene Rosskastanienknospen
  • 1 Prise Meersalz
  • 1/2 TL Sofortgelatine oder eine gute Prise Apfelpektin
  • 1 TL Rapsöl

Als Milch eignet sich am Besten Ziegenmilch, aber wer die nicht hat, erziehlt auch mit Vollmilch gute Ergebnisse. Die Haut freut sich so oder so.

Die Rosskastanien kleinschneiden und mit Milch und Salz im Mixer fein pürieren und ein paar Minuten ziehen lassen. Durch einen feinen Filter in ein Fläschchen oder ein Glas füllen und die Gelatine oder das Apfelpektin zugeben und kräftig schütteln oder gut umrühren. Die Lotion ist wie übliche Reinigungsmilch zu verwenden.

Anmerkungen und Tipps zur Reinigungsmilch aus Rosskastanienknospen

Eine aufgeschnittene Rosskastanienknospe -
voller toller Inhaltsstoffe!
  • Das Pektin dient einfach dazu, die Milch etwas anzudicken und kann auch weggelassen werden, dann hat mal einen ziemlich flüssigen Gesichtsreiniger, der sich für Wattepads eignet.
  • Haltbar ist die Milch im Kühlschrank leider nur eine Woche, also nicht literweise herstellen! Wer zu viele Knospen gepflückt hat, kann die übrigen Knospen einfrieren und nach und nach für neue Milch oder Salbe verwenden.

Dienstag, 31. März 2015

Rosskastanienknospen-Salbe für die Haut - Sinnliches gegen Juckreiz

Als Ostergeschenk eine Salbe aus Rosskastanienknospen?
Naturliebhaber freuts bestimmt.
Heute ein Ausflug in die Naturkosmetik. Wer viel draußen unterwegs ist, dessen Haut wird stark beansprucht: Schürfungen, Brennnesselpieckser, Insektensticke, Sonnenbrand, Hautreizungen durch allerlei Pflanzen. Hier bietet die Natur mal wieder die beste Pflege: aus Rosskastanienknospen! Die sind grad schön prall und kurz vor dem aufplatzen. Der perfekte Zeitpunkt eine Handvoll Knospen mit nach Hause zu nehmen.


Die Wirkstoffe und Wirkung der Rosskastanien-Pflanze

Die Rosskastanie hat allerlei Wirkstoffe zu bieten. Diese Stecken nicht nur in den Kastanien selbst, sondern auch in den Knospen, die nun an den Bäumen zu sprießen beginnen. Neben Enzymen finden sich in der Rosskastanienpflanze auch Harze, Phytosterin, Gerbstoffe, die waschaktiven Saponine, Aeculin und Aescin als besondere Wirkstoffe, Reichlich Magnesium, ätherische Öl und Fette,Flavonoide, Cumarine un natürlich Chlorophyll, Bitterstoffe und Eiweiße. Jede Menge tolles Zeug also, das eine ganze Reihe von Auswirkungen auf den Menschen hat: entzündungshemmend, blutreinigend, entgiftend, wundheilend, UV-schützend, schmerzstillend, blutstillend, hustenstillend, venenstärkend und hautberuhigend. Darüber hinaus wirken Rosskastanienanwendungen basisch. Das schreit ja förmlich nach: "Benutz mich, ich bin toll!" Wie man Rosskastanien zum Waschen einsetzt, habe ich euch ja bereits im Herbst gezeigt. Seither hab ich mich mit Rosskastanien näher befasst und bin ein wahrer Rosskastanien-Fan geworden, wenn es um Reinigung geht.

Heute also ein Rezept für den Unkrautgourmet und die bevorstehende Gartensaison. Einen kleinen Tiegel voller Rosskastanienknospen-Salbe werde ich die nächsten Monate wohl in meinen Rucksack immer dabei haben. Die Salbe wirkt nicht nur bei Juckreiz und Sonnenbrand, sondern auch bei Akne und Exzemen. Die Zutaten sind nun wirklich simpel und die Herstellung erfordert lediglich ein wenig Wartezeit. Dafür weiß man was drin ist.

Die Zutaten für Rosskastaneinknospensalbe sind überschaubar: 2 Esslöffel Rosskastanienknospen
geben der Salbe ihre Wirkstoffe. Dazu Bienenwachs, Öl, Salz und ein guter Schuss Honig.

 

Inhaltsstoffe der Rosskastanienknospen-Salbe

  • 2 EL kleingeschnittenen Rosskastanienknospen
  • 2 TL Kastanienhonig
  • 100 g Öl (am Besten ist hier kaltgepresstes Mandelöl, zur Not tut es aber auch Rapsöl)
  • 10 g Bienenwachs
  • 1 Prise Meersalz

Anleitung zur Salbenherstellung aus Rosskastanienknospen

Blick ins Glas: Die Rosskastanienknospen extrahieren im Öl.
Die Rosskastanienknopsen werden möglichst kleingeschnitten  und zusammen mit dem Honig, dem Salz und dem Öl verrührt. Im Öl bleibe die Knospen 1 Woche lang, wobei es möglichst mehrmals täglich geschüttelt werden sollte. Nach der Woche filtert man die Knospen durch ein feines Sieb ab und drückt diese noch ein wenig aus. das Öl wird zusammen mit dem Bienenwachs in Wasserbad unter Rühren erhitzt, bis sich das Wachs vollständig gelöst hat. In einen (oder mehrere kleinere) Tiegel gegossen erhält man ca. 100 g etwas festere Salbe. Wem die Masse zu fest ist, kann diese noch einmal kurz erwärmen und etwas mehr Öl unterrühren. Haltbar ist das Ganze etwa 3 Monate, gekühlt auch etwas länger.
Nach einer Woche ist das Öl ziemlich trübe. Ein
gutes Zeichen, denn die Inhaltsstoffe sind aus den
Rosskastanienknospen ins Mandelöl gewandert.


Anmerkungen zur Salbe

Den Kastanienhonig riecht man in dieser Kombination schön heraus und zusammen mit dem Bienenwachs ist dass ein sehr sinnlicher Duft. Den UV-Schutz dieser Creme sollte man nicht überschätzen. Ich würde den Lichtschutzfaktor hier auf maximal 2 oder 3 einschätzen. Verantwortlich ist hier das Aesculin. Das hat noch eine ganz andere Eigenschaft: Wer eine UV-Lampe zu Hause hat, der sollte man ein Stück Rosskastanienrinde in ein Glas mit Wasser legen und einige Stunde warten und dann das Wasserglas im Dunken mit der UV-Lampe beleuchten: Aesculin flouresziert blau-grün! Ein tolles Spektakel. Eure Kinder werden kreischen vor Begeisterung :). Wenn ich das nächse mal dran denke, besorge ich mir eine neue UV-Lampe im Baumarkt und mach mal ein Foto davon und stelle das hier ein.

Dienstag, 13. Januar 2015

Weihnachtsbaum-Recycling: Trink Deinen Tannenbaum als Tee (Tannennadeltee)

Heute geht es mit dem Tannenbaum in die Küche.  Ihr braucht für einen ersten Versuch nur einen Teelöffel Tannen- oder Fichtennadeln, nicht gleich den ganzen Baum. Am besten stammen Nadeln, die man zum Essen oder Trinken nutzt von weit oben am Baum, weil man nie weiß, welches Tier unten am Baum sein Beinchen gehoben hat.

Tannentee sollte man nicht als "Alltagstee" trinken, sondern wohl dosiert und gezielt bei Erkältungen,
Magenproblemen oder Verdauungsbeschwerden. Er beruhigt darüber hinaus auch die Nerven,
sollte aber wegen des hohen Tannin- und Terpentinöl-Gehalts in der Schwangerschaft NICHT getrunken werde.

Zubereitung von einer Tasse Tannentee vom Weihnachtsbaum

1 TL Nadeln klein schneiden und anquetschen, mit heißem Wasser übergießen und maximal zwei Minuten ziehen lassen. Am besten den Tee mit Honig süßen und wer ihn zu Hause hat, der sollte unbedingt echten Tannenhonig verwenden. Der Tee sieht an sich recht unspektakulär aus, da er sich bei dieser Ziehzeit kaum verfärbt, wirkt aber entspannend und gleichzeitig anregend. Längere Ziehzeiten lösen nur zu viele Gerbstoffe und der Tee wird bitter.
Was man beobachten kann, sind weiße Flocken im Tee. Das ist ein Gemisch aus Staub, der zwischen den Nadeln auch beim Abbrausen hängen bleibt und den Tanneneigenen Wachs, das die Nadeln überzieht und sie vor dem Austrocknen bewahrt. Ein paar denaturierte Proteine hängen da gewiss auch noch drin.  Wen das stört, der kann den Tee noch mal durch ein Teesieb jagen, wer optisch unempfindlich ist, kann die Flöckchen auch mitrinken.

Tannennadeltee - den Wald in der Nase

Wirklich? Tee aus Tannennadeln? Von meinem Weihnachtsbaum? Wie gesagt, mein biologischer Weihnachtsbaum war dieses Jahr eine Nordmanntanne. Ich war  neugierig, ob man einen Unterschied schmeckt zwischen einer Nordmanntanne, einer Weißtanne (aus dem eigentlich früher der Tannentee gemacht wurde) und einer Fichte. Und meine Antwort: Nein, nicht wirklich. Leichte, ganz leichte Nouncen sind wohl zu schmecken, aber das, was einen an Geruch in die Nase kommt, das ist der wohlige Duft, den man riecht, wenn man an eine sonnigen Tag durch den Schwarzwald läuft. Tanne, Fichte, Weißtanne, Douglasie - man muss schon ein Trüffelschwein sein oder ein Parfümeur, um in diesem Tee den Unterschied riechen zu können. Und von den Inhaltsstoffen? Erinnert Euch: Kein standardmäßig verkaufter Weihnachtsbaum ist giftig.

Achtung: Ihr solltet, wenn Ihr vor habt Euren nächten Weihnachtsbaum als Nutzpfanze umzurüsten unbedingt bei Eurem Tannenbaumverkäufer versicher, dass der Baum nicht gespritzt und biologisch aufgewachsen ist und dass es auch wirklich keine Eibe ist! Ein Tee aus Eibennadeln und das war´s mit Weihnachten. Ende. Tod.
Schwangere sollten auf einen tanninhaligen Tee verzichten und generell keine Nadelbäume während der Schwangerschaft konsumieren.

Tannentee ist ein Heiltee, kein Alltagstee!

Nadelbäume enthalten Tannine und Terpentinöl. Grad das Terpentin klingt schon schrecklich - darauf komme ich gleich. Die Tannine sind es, die der Tanne ihren Namen geben. Tannine sind Gerbstoffe, die Tanne ist also ein so gerbstoffhaltiger  Baum, dass man ihr gleich den Namen einer ganzen Stoffgruppe gegeben hat - oder war es anders herum? Egal, Ihr wisst worauf ich hinaus will. Gerbstoffe stellt die Pflanze als Fraßschutz her. Es muss ja nicht jedes Tier an ihr herumbeißen. Und so springen im Schriesheimer Wald z.B. die Schafe zwischen den Tannen herum und fressen das Gras, aber lassen die Tannen links stehen. Lässt man in so einem Wald ein Pferd herumspringen... die Tannen würden anders aussehen. Pferde fressen Tannen (sollten aber nicht übermäßg viel, bis gar keine davon zu fressen bekommen). Diese Geschmacksverirrung ist wahrscheinlich ein Relikt aus der Zeit, als das Eohippos noch durch die Wälder lief und noch kein Steppentier war und Gras fraß.  Gerbstoffe helfen als Fraßabwehr also nicht bei jedem Lebenwesen, aber doch bei einigen.

Terpentinöl gehört nun zu den ätherischen Ölen. Klingt schräg, oder? Terpentin? Ein ätherisches Öl?  So  unglaublich das auch anmutet, hat man doch bei "ätherische Öle" eigentlich immer einen Wohlgeruch im Kopf. Vetiver ist aber auch so ein ätherisches Öl, das nun nicht unbedingt gut riecht.  Geschmackssache. Biochemisch betrachtet sind  "ätherische Öle" "organisches Lösungsmittel" - na, da denkt man doch schon viel eher an Terpentin. Es fallen also nicht nur "Wohlgerüche" unter diese Bezeichung. Terpentinöl wird industriell aus Kiefern gewonnen, ist aber in den anderen Nadelbäumen ebenfalls enthalten. Die meisten werden Terpentin wohl eher als Farbverdünner kennen, als aus naturheilkundlicher Anwendung und haben vielleicht ein Flasche davon im Bastelkeller mit den beiden Gefahrenstoff-Zeichen für "umweltschädigend" und "gesundheitsgefählich" - ja, in Reinform. Zum Glück besteht der Baum nicht nur aus Terpentin, sondern enthält noch viele weitere Terpene, von denen viele eine durchaus positive Wirkung auf die Gesundheit des Menschen haben. Terpentin ist eben auch hier wieder  der Namensgeber dieser Stoffgruppe. Die Mischung und die Dosis machen das Gift.

Tannentee ist aus den Apotheken weitgehend verschwunden

Ich muss zugeben: Wirklich wissen tue ich das nicht. Ich habe mich selbst oft gefragt, warum  es
Tannen-Tee in den Apotheken nur sehr sehr selten zu kaufen gibt und auch der dritte Apotheker zucke auf die Frage nur verschämt die Schultern. Also mutmaße ich mal ein wenig und gebe hier mal ein paar Denkanstöße:
  • Manchmal stehen bedenkliche Inhaltsstoffe dahinter, so wie es beim Beinwell und seinen Pyrrolizidinalkaloiden war. Dennoch kann man Beinwell in er Apotheke kaufen - für die äußerliche Anwendung. Dies scheint mir also kein schlagendes Argument gegen Tanne in Apotheken zu sein.
  • Manchmal sind es wirtschaftliche Aspekte. Ist das Produkt "zu billig", weil es einfach überall erhältlich ist, dann lässt es sich schlecht verkaufen. Tannennadeln oder Fichtenwipfel lassen sich nun wirklich in fast jede Wald finden. Da müsste schon eine ordendliche Marketing-Abteilung ran und irgendeine hochseltene oder weit gereiste kaukasische Edeltanne mit viel "Tamtaram" beweihräuchernd und hochstilisierend anpreisen, damit ein so simples Produkt wie Tannennadeln bei der Markteinführung überhaupt den Sprung in die Apothekenregale schafft. Also macht man lieber mit einem gewissen Maß an Mehraufwand ätherisches Öl aus den Nadeln und füllt das in Fläschchen ab und verkauft es für teueres Geld. Wie die basischen Badesalze.... teuer verkauft sich gut. Und mal ehrlich: Wer würde sich nicht komisch vorkommen, wenn er in die Apotheke ginge und 2 kg Tannennadeln bestellt, während der Nachbar Augenbraue zuckend zu einem herüberschielt, weil er denkt: "Nach Weihnachten hab ich einen ganzen Baum voll weggeworfen, und der Trottel kauft sich so was."
  • Damit sind wie beim nächsten Punkt: Den Inhaltsstoffen. Destillierte ätherische Öle sind 100% ätherisches Öl. Da gibt es kaum Schwankungen. Die Beschriftung ist einfach: "100% Tannenöl". Anders als in so einem lebenden Baum, wo Tannine, Terpene und anders Inhaltsstoffe je nach Jahres- und Tageszeit auch mal stark schwanken können und hin und wieder vielleicht auch mal über die Skala des Erlaubten hüpfen, ist ein ätherisches Öl, eben ein Öl, ganz gleich was in der Destille zurückblieb. Ätherische Öle sind beschreibungstechnisch für die Inhaltsangaben auf den Packungen also recht einfach. Bei "einen Fläschchen Tannennadelöl gegen meine Erkältung, bitte" guckt der Nachbar an der Kasse auch eher neugierig interessiert, weil er sich denkt : "Hoppala, da kennt sich jemand in Naturheilkunde aus."
  • Die Destillation hat darüber hinaus noch einen anderen wirtschaftlichen Grund: Platz und Transportkosten.  Das Öl füllt bei gleicher Wirksamkeit die Regale der Lieferanten und Apotheken bei weitem nur um einen Bruchteil,  wie die gleiche Menge dafür notweniger Tannennadeln. Dies ist aus meiner Sicht, der wohl ausschlaggebenste Grund. Tanne pur braucht zu viel Platz.
  • Hand aufs Herz. Hättet Ihr gewusst, dass man einen Tee aus Tannennadeln machen kann? Vielleicht handelt es sich hierbei um vergessenes Wissen vergangener Tage, das sich jenseits der ätherischen Öle nicht so recht durchzusetzten vermag in einer Welt der Kapseln, Tabletten und Teebeutel, der Marketingmaschinerien und Geldmacherein. Will Euch mal wer kaukasische Edeltanne als besonders wertvollen Tee für viel Geld verkaufen, geht lieber in den Wald. Unsere heimischen Edeltanne kann das, was die kaukasischen kann, erst recht.

Tannentee enthält ein ganzes Arselnal hochwirksamer Stoffe und das in gar nicht mal so geringer Menge, besonders in wachsenden Stadium - Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Öle. So ein Gebräu trinkt man nicht mal eben so jeden Tag. Das ist Medizin direkt aus der Natur, und wer sich mehr als ein Tässchen testweise genehmigen will, der sollte wirklich einen heilkundigen Naturmediziner dazu befragen.Vielleicht wird auf diese Weise der Tannentee dann auch wieder populär.

Gleiches mit Gleichem - kurzer Abstecher zum Tannentee in die Homöopathie

Man erinnere sich an Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, der die Wirkung der Pflanzen auf Menschen sozusagen im Umkehrschluss angewendet hat (ohne hier auf die Dosierung einzugehen). Für die Tanne würde das bedeuten, dass sie beim gesunden Menschen
  • Störungen der Zentrallervensystems
  • Nieren- und Leberschäden
  • Verstopfungen und Bähungen
  • Entzündungen von Magen, Darm und der Mundschleimhaut
  • Atemnot
  • Stoffwechselstörungen
hervorruft, bzw. bei Menschen mit solchen Symptomen hilft.

Hildegard von Bingen und der Tannentee

Das alles bekommt Ihr aber kaum von ein paar Schluck Tee! Bei zwei Tassen kann es aber duchaus sein, dass es im Magen "rumpelt", oder Euch der Duft des Tees als "zu viel" erscheint. Wer dann weiterhin seine Nase drüber hält, der kann auch schon mal Atemnot bekommen. Allerdings: Wenn ich mir einen Tannentee mache, dann bleibt meist eine halbe Tasse stehen. Ich trinke den gar nicht ganz aus. Irgendwie weiß mein Körper dann schon, dass die halbe Tasse reicht und dann ist auch schon Schluss. "Reinwürgen" solltet Ihr ihn also nicht.  Es kommt aber auch vor, dass ich  zwei Tassen über den Tag verteilt trinken kann, wenn mich der Husten plagt oder der Magen. Tannentee ist ein Heiltee! Der Mensch weiß schon instinktiv, wann er so was trinken sollte und wann nicht, vorausgesetzt man hat nicht verlernt auf seinen Körper zu hören, und wenn das der Fall ist, dann sollte man wirklich einen Naturheilkunler zur Dosis befragen.

Fragt vor der kurmäßigen Anwendung des Tannentees Euren Heilprakiker, naturheilkundlich versierten Arzt oder Apotheker.

Früher litten die Menschen häufig unter Vitamin C Mangel und allen möglichen Verdauungschwierigkeiten (man denke nur an die mittelalterliche Küchenhygiene und die beschrängte Kühlfähigkeit für Fleisch), da hat Hildegard von Bingen mit ihrem Rezept für Tannentee schon recht getan. Leute mit Skorbut und ständigen Koliken hatten hier ein gutes Heilmittel zur Hand, das zudem kostenlos und überall zu haben war. Tannentee war eine überaus wirkame "Arme-Leute-Medizin", wenn man so will.

Zum Probieren könnt Ihr aber ein Tässchen Tee aus Eurem Weihachtsbaum kochen, das bringt Euch nicht um. Ihr müsst es ja nicht vollständig austrinken. Für die Erkältungszeit ist es duchaus angebracht mal eine Schachtel Tannennadeln aufzuheben. Nur Eibe tötet in dieser Dosis (Eibe wird nie als Weihnachtsbaum verkauft und gelangt allenfalls mal beim "Wildschlagen" von Tannenbäumen ins Wohnzimmer.)

Tannenharz und die aromatischen Verbindungen

Ausgereife Nadeln sind harzhaltiger und gerbstoffreicher als die jungen Wipfel und natürlich viel härter.  Beim Verdampfen im heißen Wasser oder beim Räuchern (dazu kommen wir noch), verdampft auch das Harz, in dem  jene oft aromatischen Verbindingen enthalten sind, die den ätherischen Ölen ihren Duft verleihen: Borneole, Pinen, Limonen, Camphen, Phellandren. Je mehr dieser aromatischen Verbindungen verdampfen, desto härter wird das Harz. Dies ist auch der Grund, warum steinhartes, altes Harz kaum noch duftet, beim Erhitzen aber doch noch die einen oder anderen aromatischen Moleküle aus dem Inneren freisetzt.

Das, was Euch beim Tee in die Nase steigt, sind  die ätherischen Öle, die sich aus den Nadeln lösen. Da sich die Öle relativ rasch lösen, reichen 2 Minuten Ziehzeit. Danach kommen dann nach und nach immer mehr Stoffe aus den Nadeln, bis hin zu den Gerbstoffen und Harzen. Wer seine Nadeln zehn Minuten auskocht, der hat oft mit einen harziger Rand im Topf zu kämpfen, der sich aber mit Butter, Öl oder Milch einfach entfernen lässt. Weniger ist als manchmal mehr.

Ausgereifte Tannennadeln für Tee - warum nicht

Der Tee lässt sich auch aus Tannennadeln, Douglasien oder Zirben oder Kiefern zubereiten. Ich habe meine Nordmanntanne verarbeitet. Ich lese immer wieder, dass man zum Auskochen nur junge Spitzen von Tanne, vorzugsweise Weiß-Tanne verwenden soll. Natürlich finden sich in jungen Blättern das Maximum an Inhaltsstoffen, was aber nicht bedeutet,  dass in den ausgereiften Blättern gar nichts mehr davon vorhanden ist. Natürlich sinkt der Gehalt dieser Inhaltsstoffe immer weiter, vor allem wenn der Weihnachstbaum schon zwei Wochen in der Wohnung stand. Hier müsste man tatsächlich mal die Universität drauf ansetzten die Inhaltsstoffe einer Tanne nach zwei Wochen im Christbaumständer zu analysieren. Man trinkt einen Tee aus den Tannennadeln des Weihnachtsbaums also nicht, weil dieser grade im Saft seinen Lebens steht, sondern eher, weil er grade da stand, wo der Weg zur Küche ein sehr kurzer war. Das sollte man bedenken! Man trinkt den Tee wahrscheinlich zur schlechtesten Zeit für Baum ...aber genau dieser Baum wird wohl nie wieder bessere Zeiten sehen und wenn man sich im Winter mit der X-ten Erkältung herumärgert, wieso sollte man da nicht mal ein Tässchen Tannentee versuchen. (Und nochmal: Wird die Erkältung nach drei Tagen nicht besser, unbedingt zum Arzt!)

Mein Fazit zum Tannenbaum-Tee

Und ich muss sagen: Der Tee schmeckt gar nicht so schlecht. Mit einem Löffel Tannenhonig gibt das eine runde Sache, da steigen beim Trinken die ätherischen Öle in die Nase und schon kann man frei durchatmen. Ich hatte das Gefühl, dass der Duft aus dem Tee eine geistige Frische hervorruft und einen ähnlichen Effekt hat, wie Pfefferminztee. Da dieser Tee aber aus einem Baum gemacht wurde, der in der Winterruhe war und darüber hinaus zwei Wochen im Wohnzimmer stand, kann man von ihm eben nicht das Maximum an Heilkraft und Inhaltsstoffen erwarten. Gleiches gilt für Bäder und Inhalationen mit dem ausgedienten Tannenbaum! Es heißt aber nicht, dass der Baum, nur weil er in die missliche Lage eines Weihnachtsbaums gekommen ist, überhaupt keine Inhaltsstoffe mehr besitzt. Auch in den ausgereiften Nadeln hat man immer noch jede Menge Wirkstoffe. Die Öle und Harz riecht man auch nach Wochen, ja Monaten im geschlagenen Baum. Das dies ein "inhaltstofflich leicht abgespeckter" Baum ist, ist aber wiederrum gar nicht so schlimm, denn ein Tost auf den alten Baum mit einem nicht ganz so heilkräftigen Tee, ist bei guter Gesundheit doch in Ordnung.
Es ist schon eigenartig, seinen Weihnachtsbaum so wegzutrinken. Ein bisschen wie ein Sonntagsbraten, den man noch mit Namen und Ohren kannte.

Tannenbier - ein Schwank aus der Geschichte

Das gab es auch: Bier gebraut aus Tannenzweigen. Dafür ließen die Braumeister im Mittelalter die Nadeln vergären. Das Ergebis war ziemlich berauschend. Wer ein solches Bier einmal probieren möchte, sollte den Biergarten der Burg in Bad Münstereifel mal besuchen und dort ein "Herzogen Tannenbier" bestellen. Das wird  noch nach uraltem Rezept ohne Hopfen gebraut und stammt aus einer Zeit, als die Kräuterbiere noch das Non-Plus-Ultra der Biere waren. Dort kann man ja mal den Schankwart fragen, ob es theoretisch möglich ist, auch einen Tannenbaum nach Weihnachten zu Bier zu vergären.

Und was kann man noch aus dem alten Weihnachtsbaum machen?

Das lest Ihr am besten hier:
"Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!"

Mittwoch, 30. Juli 2014

Hochsommer ist Startsaison zum Sammeln von Samen - die Nelkenwurz

Langsam geht die Wildkräutersaison zu Ende. Man merkt es schon, zum täglichen Kochen gehen mir die Zutaten aus und täglich Brennnessel zu essen, muss auch für mich nicht sein. Es ist Ende Juli und die meisten krautigen Pflanzen haben ihre "saftige" Zeit hinter sich gebracht, sind verblüht und tragen die ersten Samen. Zeit ans nächste Jahr zu denken. Während ich die letzten Wochen und Monate eher mit einem großen Korb unterwegs war, habe ich nun immer einen Stift und etliche Butterbrotpapiertüten in der Tasche. Komme ich an samentragenden Pflanzen vorbei, streife ich mir immer ein paar in die Papiertüte ab und beschrifte diese gleich. Heute landete vor allem Nelkenwurzsamen in meiner Sammlung.

Aktuell gibt es Samen der echte Nelkenwurz (Geum urbanum)


Die Nelkenwurz ist eine kleine, unscheinbare Pflanze im gelben Blüten und hakentragenden Nüsschen als Fruchtstand.
 
Diese ist nahezu überall anzutreffen, wenn man erst einmal weiß, wie sie aussieht. Die unscheinbare Pflanze gehört zu den Rosengewächsen und es lohnt sich, sich mit der Nelkenwurz einmal genauer zu beschäftigen.
Eine schönes Pflanzenporträt findet sich in Wikipedia.

Woher die Nelkenwurz ihren Namen hat - ein Selbsttest

Macht einmal folgendes: Wenn Ihr die Pflanze findet, versuche eine herauszuziehen, so dass Ihr einige Würzelchen habt. Reibt mit dem Fingernagel die Rinde der Wurzel an und richt einmal daran. Dann wisst Ihr sofort, woher die Pflanze ihren Namen hat: Nelken-Wurz. Tatsächlich kann man die Wurzeln als Nelkenersatz verwenden. Im Winter werde ich Euch das eine oder andere Keksrezept mit Nelkenwurz vorstellen. Die Wurzeln sammelt man nämlich erst im Herbst.

Verwendung von Nelkenwurz - der Nelkenwurzwein

Auch einen Nelkenwurz-Wein kann man aus ihnen herstellen, für den man aber relativ viele Wurzeln benötigt. Dafür werden 150 g Wurzeln  mit 750 ml Weißwein übergossen, dass sie bedeckt sind und 2 Wochen ziehen gelassen (am besten in der Sonne und täglichem Schütteln).
In früheren Zeiten hat man sehr viele Kräuterweine in der Medizin eingesetzt, vermutlich, weil die Herstellung von Weinen einfacher und nicht so teuer und aus war, wie die Herstellung von Reinalkohol, wie der für Tinkturen verwendet wird. Deshalb sollte man den Wein dann auch nicht wie normaler Wein trinken, sondern ihn tatsächlich Eßlöffel- bis maximal Schnapsglasweise einnehmen.

Hildegard von Bingen, die Nelkenwurz und die Libido 

Nelkenwurzwein hilft bei Verdauungsbeschwerden und dient als Tonikum für die Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen. Ein Trank aus Nelkenwurz bereitet soll, laut Hildegard von Bingen, die Liebe entfachen. Ob´s stimmt? Die Nelkenwurz trägt auch den vielsagenden Namen "Manneskraftwurzel". Vielleicht doch gleich mal ein paar Samen für den Eigenanbau sammeln und den Nelkenwurz-Wein nächstes Jahr ausprobieren?

Im zeitigen Frühjahr kann man die jungen Blätter in den Salat untermischen. Sie schmecken angenehm würzig-mild.
Den Tee aus den Nelkenwurz-Wurzeln kann ich nicht zum Trinken empfehlen - maximal zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Er schmeckt wirklich scheulich.

Cool Frisur. Die Nüsschen der Nelkenwurz lassen sich einfach abstreifen, wenn sie trocken und braun sind, und als Saatgut fürs nächste Jahr verwenden.

Die Nelkenwurz mag es halbschattig

Ich habe im letzten Jahr schon einige Samen gesammelt und diese einfach in den Garten gestreut. Dieses Jahr haben ich mehrerer Nelkenwurzpflanzen, die Bereiche besiedeln, in denen so manches Kraut nicht so recht wachsen will (zum Beispiel unter meinen all zu ausladenen Feigenbaum). Ich freu mich schon aufs nächste Jahr und mein stätig wachsendes Nelkenwurz-Feld. Auch im Blumentopf funktioniert das Anpfanzen  ganz gut, allerdings sollte die Erde nicht trocken fallen. Die Nelkenwurz mag halbschatten und humosen Böden und eigent sich prima als Unterpflanzung großer Bäume oder ausladender Sträucher.


Samstag, 19. Juli 2014

Schafgarbe - die Schwester der Kamille

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine der wohl interessantesten Pflanzen in der Naturheilkunde und steht der echten Kamille in nichts nach.  Nur der Geschmack der Schafgabe ist extrem bitter, was ihre Verwendung in der Küche stark begrenzt.

Schafgarbe sammel lohnt sich - ein Heilkraut für Bauch und Unterleib

Schafgarbe lässt sich prima trocknen und auch im getrockneten Zustand vielseitig verwenden. Sie fehlt in fast keiner Kräutermischung und gilt als Geheimtipp unter den "Frauenkräutern". Tee mit Schafgabe hilft gegen Magenbeschwerden, Bauschschmerzen, Durchfall, Blasenschwäche, Regelstörungen, Menstruationsbeschwerden und Krampfadern, sie wirkt blutreinigend und hilft sogar bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen (denen wenn man das Gefühl hat das das Hirn würde platzen). Vor allem ist Schafgabe ein echtes Gallentonikum.

Die Pflanze hilft sogar gegen Bettnässen, wenn man Kindern eine Teemischung aus Schafgarbe, Johanniskraut, Kamille, Zinnkraut und Frauenmantel gibt, während eine Kombination aus Holunderblüten und Schafgabe eine heranschleichende Erkältung abfängt.

Bei Krampfadern muss man Schafgarbe nicht unbedingt trinken, sondern man kann sie auch als Kompresse auflegen. Äußerlich angewendet kann sich ein schwarker Tee (1 Handvoll Kraut und Blüten für 15 min in 1l Wasser kochen) ins Badewasser gegossen positiv auswirken auf Gicht, Rheuma, Hömorrhoiden, Blasenschwäche und sogar bei Frostbeulen. Ein Gesichtsdampbad mit Schafgarbe verschafft Linderung bei Akne und fügt man dem Dampfbad auch noch Kamille bei, bekommt man Nasennebenhöhlenentzündungen gut in den Griff.

Schafgarbensirup - Bittere Medizin mal ein Bisschen süß

Medizin muss bitter schmecken?  Die positiven Wirkungen der Schafgarbe lassen sich auch mit einem Schafgarbensirup herbeiführen. Ob nun die entzündungshemmende, antiseptische, krampflösende, harntreibende, blähungswidrige, verdauungsfördernde, anredende oder menstruationsregelnde Wirkung gewünscht ist -hier kann man es auch mit einem Schafgarbensirup versuchen. 2-3 TL am Tag sollten genügen.
Dafür zupft man möglichst akribisch die einzelen Blüten von den Dolden, bis man etwa eine Tasse voll hat. Je mehr Grünzeug man dabei dran lässt, desto bitterer wird der Sirup. Die Bitterstoffe stecken überwiegend im Kraut.
Die Blüten kommen in einer Schale und werden mit dem Saft von 2 Zitronen übergossen.
Dann löst man 1kg Zucker in  1l heißem Wasser auf und übergießt die Blüten damit. Die Schüssel wird abgedeckt 2 Tage an einem warmen Ort gestellt und immer wieder umgerührt.  Anschließend seiht an die Sirup ab und füllt ihn in sterile Flaschen. Will man den Sirup nicht gleich verbrauchen, kann man ihn auch einkochen.

Das Thujon im Schafgarbentee oder was die Pflanze mit Absinth gemeinsam hat

Für Tee verwendet man 2 TL Kraut und/oder Blüte auf 250 ml kochendes Wasser und lässt die Schafgarbe 10 min ziehen. 3 Tassen pro Tag ist die allgemeine Dosierung. Der Tee schmeckt jedoch ziemlich widerlich, was die meisten per se schon davon abhalten wird, ihn über einen längeren Zeitraum zu trinken - die Natur schützt den Menschen von von sich aus gegen Missbrauch. Denn in der Tat sollte man nach max. 8 Wochen Teekurz eine längere Pause einlegen: Schafgarbe enthält Thujon - der Wirkstoff, der auch im Absinth steckt, und der wirkt leider giftig. Thujon kommt in größeren Mengen im Wermut vor und vor allem in der Thuja (namengebend), in geringen Mengen findet man Thujon auch im Rosmarin, Salbei und Thymian. Kein Grund also, auf Schafgarbe ganz zu verzichten, denn auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift und Thujon in der Schafgarbe ist neben nicht so hoch dosiert wie in der Thuja, aber eben mehr enthalten als im Rosmarin. Bei längerer Anwendung kommt aber dann doch einiges zusammen und man sollte dem Körper die Möglichkeit geben, sich davon zu erholen. Eine schöne, informative Seite über Thujon findet sich unter http://www.thujone-info.com/. Hier könnt Ihr Euch genauer über die "grüne Fee" im Absinth informieren.

Die weiteren Inhaltsstoffe der Schafgarbe

Neben dem Thujon enthält die Schafgarbe auch noch Campher (schleimlösend, durchblutungsfördernd) , Eukalyptol (schleimlösend, bakterizid)  und Cumarin (aromatisierend, einige Cumarinderivate sind blugetinnungshemmend)  - alles Namen die dem Kräuterkundigen doch irgendwie vertraut vorkommen. Weniger bekannt sind Proazulene (gelten als qualitätsbestimmend für die Schafgarbe) und die Klassiker der Inhaltstoffe wie Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Mineralstoffe und Natrum. Natrium? Ja, denn tatsächlich schleußt Schafgarbe Natium in die Körperzellen und deswegen ist ein Tee aus Schafgarbe auch bei Stoffwechselstörungen durchaus förderlich. Schafgarbe ist als Heilkraut eben wie die Schwester der Kamille.

Samstag, 28. Juni 2014

Das Geheimnis des Mädesüß

Zu manchen Pflanzen fühlt man sich magisch hingezogen, so wie zum Mädesüß. Schon als kleines Mädchen hab ich jene fluffigen Blütenrispen geliebt, die so herrlich nach Kaugummi riechen. Der Geruch stammt von den ätherischen Ölen. Und gleich zwei weitere Inhaltsstoffe machen das Mädesüß so besonders: Vanillin und Salicylsäure.

Mädesüßtee und die Salicylsäure

Ein Tee aus den Blüten ist dank der Salicylsäure ein wenig mit einem Schmerzmittel vergleichbar, das oft als wesentlichen Wirkstoff  Acetylsalycilsäure enthält. Deswegen bringt ein Mädesüßblütentee Linderung bei fiebrigen Erkältungskrankheiten, Grippe und rheumatischen Erkrankungen.

Zubereitung des Mädesüßtees:

Dafür setzt man 1 Tl Blüten (oder 2 TL getrocknetes Kraut, das weniger Salicylsäure enthält) mit 1/4 l kochendem Wasser an und lässt den Tee 10 Minuten ziehen. 2 Tassen am Tag reichen und schmecken mit Honig gesüßt vor allem kranken Kindern.

Der Tee unterstützt aber auch die Ausscheidung über die Niere und galt deswegen auch von Alters her schon als Nierenmittel. Wer davon 4 Tassen am Tag trinken kann, kann mit Mädesüßtee auch eine Blutreinigungskur machen.

Tatsächlich war Mädesüß zusammen mit der Weide, eine der ersten bekannte Quelle, aus der man das Schmerzmittel Aspirin synthetisiert hat. Da es Menschen gibt, die Salicylsäure, den Hauptwirkstoff des Aspirins, nicht vertragen, ist die Anwendung von Mädesüßtee nicht für jeden geeignet.

Äußerliche Anwendung von Mädesüß-Kosmetik

Auch äußerlich lässt sich Mädesüß verwenden: Gerade wer jetzt im Sommer oft unter geschwollen Füßen leidet, kann ein Fußbad oder Kompressen mit Mädesüß versuchen. Dafür kann der oben angegebenen Tee in größerer Menge und in stärkerer Dosierung angesetzt werden.

Ein Rezept für eine straffende Gesichtslotion mit Mädesüß:

Eine Handvoll Mädesüßblüten werden in 150 ml Wasser gekocht, so lange ziehen lassen, bis das Wasser kalt ist. Anschließend abfiltern,  mit 100 ml Hamameliswasser verrührt und in Flaschen gefüllt.

Und woher hat das Mädesüß seine Namen?

Das bleibt wohl das Geheimnis dieser Pflanze. "Süß" kommt ganz klar vom süßen Duft, den das Mädesüß verbreitet. Aber "Mäde"? Man munkelt, das ist ein Wortbestandteil, der sich sowohl von "Met", als auch "Mede" ableiten lässt.
Met war jener altgermanischen Honigwein, den unsere Vorfahren wohl auch mit Mädesüß aromatisiert haben. Auch heute wird mit Mädesüß Milch, Sahne, Wasser und auch Wein aromatisieren, wie im "Mädesüß stirred" oder dem Mädesüßpudding vorgestellt. Das Vanille-Aroma  und die ätherischen Öle übertragen sich auf die Flüssigkeiten und geben ihnen ein ganz besonders lieblich-süßes Aroma.
Auf der anderen Seite ist "Mede" ein alter Begriff für Grasland. Beim Trocken von mädesüßhaltiger Maht, riecht diese ebenso süß - im englischen auch "meadow sweet" bezeichnet. Meadow = Wiese. Moment. Mead? Wenn man das so liest, wie es da steht: M E A D, kommt man schnell zu "Mäde".
Von Mädchen kommt Mädesüß also nicht. Oder doch? Die Bauersburschen lagen bestimmt gerne mit ihren süßen Mädchen im lieblich duftenden Heu und im Mädesüß, nachdem sie das Gras gesennst und gerauft haben.  Vielleicht haben Mede und Mädchen im Mädesüß zusammengefunden...Wie auch immer: Das Mädesüß wird sein Namens-Geheimnis wohl ewig wahren.

Montag, 23. Juni 2014

Nachtkerzen - ein Sirup gegen Husten und ein Öl für die Haut

Die Nachtkerze liebt trockene Standorte.

Es gibt ja viele Hausmittel gegen Husten. Von Spitzwegerichsirup bis Zwiebelsaft sind den Heilkundigen einige Rezepturen aus der Natur geläufig, die Nachtkerze (Oenothera biennis) ist dabei eher unbekannt, aber ebenso hilfreich.

Nachtkerzen schmeicheln der Haut

Nachtkerzenöl kennt vielleicht der eine oder andere Neurodermitiker. Tatächlich haben Nachtkerzen einen überaus positiven Einfluss auf die Haut, vor allem das Öl. Auch für Smoothis sind die Blüten eine echte Bereicherung und ein Jungbrunnen für die die aüßere Hülle. Ein tolles Rezept für wahre Schönheit von Innen ist der Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie.

 

Nachtkerzenöl gegen Neurodermitis, Diabetes, MS und Hyperaktivität

Das Öl wird aus den winzigen Samen gewonnen, was eine wahnsinnig mühsame Prozedur ist und leider nicht tauglich, um das Vorgehen zur Ölgewinnung hier vorzustellen. Nachkerzenöl kann man in guten Ölmühlen oder der Apotheke kaufen. Die Samen aus denen das Öl gewonnen wird haben eine sehr hohen Anteil an Gamma-Linolsäuren, was bei Neurodermitis zu einer deutlichen Linderung ihrer Ekzeme und Schübe führen kann. Dafür reichte es einen TL täglich z.B. in Salatsoßen zu mischen. Nachtkerzenöl findet auch Anwendung bei eine zu hohen Cholisterinspiegel, bei der Behandlung von Multipler Sklerose, Diabetes Typ II, bei Wecheljahrbeschwerden oder PMS. Neu und relativ erfolgreich ist der Versuch Nachkerzenöl auch bei hyperaktiven Kindern und ADHS-Kindern anzuwenden. Die Kinder werden oft ruhiger, wenn sie Nachtkerzenöl über die Nahrung zugeführt bekommen. Vermutlich spielt hier die Versorgung mit essenziellen Fettsäuren eine große Rolle, die in der Nachtkerze ebenfalls reichlich vorhanden sind, so wie Ölsäuren.
Auch soll Nachtkerzenöl die Immunabwehr stärken und - jetzt wird es spanned - eine gewissen Leberschutzwirkung haben. Angeblich soll ein Kater nach zu viel Alkoholkonsum mit der Einnahme von Nachtkerzenöl schnell besser werden.  Ich hab das noch nie ausprobiert, würde mich aber über Rückmeldungen freuen.

Extratipp für ein gutes Nachtkerzenöl

Gute und hochwertige Öle und am Besten noch aus heimischen Anbau und/ oder Verarbeitung zu finden ist gar nicht so leicht. Ich habe lange gesucht und viele Öle getestet und habe auch einen Favoriten gefunden: am besten Nachtkerzenöl von Natulio (mit dem Code "Sindy10" erhaltet ihr 10% Rabatt auf ein wirklich hochwertiges Öl, das ich auch gern verwende!). 

Eigene Erfahrungen mit Nachkerzenöl

Mein Sohn ist ein solcher Neurodermitis-Patient. Die äußerliche Anwendung von Nachtkerzenöl haben wir abgebrochen, da wir da keine Besserung feststellen konnten. Was aber geholfen hat, war jener TL Nachtkerzenöl, den ich hier und da immer mal wieder unter das Essen gemogelt habe. Das war und ist nicht immer einfach, denn Nachtkerzenöl hat einen ganz eigenwillen Geschmack. Anfangs saß mein Sohn deshalb etwas naserümpfend vor der Nudelsoße. Ich hab die Dosis dann erst mal auf ein paar Tropfen gesenkt und nach und nach auf 1 TL erhöht. Nach wie vor hat er Neurodermitis, aber die Schübe und ihre Intensität sind deutlich zurückgegangen und die Katzerei haben wir im Griff. Heute findet er das  Mixen von Smoothies "cool", so da kommt der TL dann einfach hinein - oder eben ein paar Blüten. So bin ich auf die Nachtkerze aufmerksam geworden.

Ob Haut oder Schleimhaut scheint der Nachtkerze gleich zu sein: Sie lindert. Und so gibt es dann auch einen Sirup aus den Blüten, der gegen Husten und Bronchitis hilft. Bevor man zu härteren Mitteln greift, kann man den Sirup ausprobieren. Bei der Naturheilkunde und Homöopathie ist es eh so, dass das Kraut zum Menschen passen muss.  Den einen hilft Spitzwegerich, dem anderen Eibisch, dem dritten Efeu und ich bin irgendwie bei der Nachtkerze hängen geblieben.

Nachtkerzensirup gegen Husten herstellen:

Nachkerzenblüten werden werd mal zu einem Tee gekocht, der mit Zuckerlösung zu Sirup angedickt wird.

Nachtkerzensirup gegen Husten.
Die Nachtkerzenblüten werden am Nachmittag gesammelt und umgehend verarbeitet. Zwei Handvoll Blüten werden in 250 ml heißem Wasser bis zum Siedepunkt erhitzt (es darf nicht kochen!). Danach den "Tee" noch 15 min ziehen lassen.
In der Zeit eine dicke Zuckerlösung kochen (Wasser und Zucker im Verhältnis 1:1).
Anschließend die Blüten aus dem Tee fischen und ausdrücken. Die Teemenge abmessen und die gleiche Menge Zuckerlösung zugeben. Der so hergestellte Sirup ist im Kühlschrank mehrerer Wochen haltbar. Man kann ihn auch Einfrieren, so dass man in der Erkältungzeit den Sirup vorrätig hat.



Was Nachtkerzen mit Bahnlaternen und starken Stieren zu tun haben

Eine Geschichte am Rande:  Nachtkerzen sind auch unter dem Namen "Bahnlaternen" bekannt, weil sie ihre Blüten meist abends erst so richtig öffnen und gerne an Bahnlinien entlang wachsen. Auch in Steinbrüchen oder ähnlich trocken Standorten findet man Nachtkerzen. Andere Synonyme sind "gelbe Rapunzel" oder Schinkenwurzel. Letzen Namen hat sie wahrscheinlich, weil ihre Wurzel beim Kochen rot anläuft und die Farbe von Schinken annimmt. Und tatsächlich soll in der Nachtkerzenwurzel die Kraft von zwei Stieren enthalten sein. Nun denn: Der Glaube versetzt Berge.