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Dienstag, 28. März 2017

Seedegg und Brennball - blühende und brenzlige Ostereier ganz ohne Kalorien

Osternester mit wachsender Überraschung aus erdigen Eiern

Mal wieder eine Kollegin, die über zu viele Kilos auf der Waage jammert? Und Ostern steht bevor? Schokoladeneier, Creme-Eier, Nougat-Eier, Eierliköreier. Ach du dickes Ei! Kilofallen überall. Da sollen wir mal wieder ein Lächeln in das Gesicht eines netten Menschen zaubern. Heute eine Geschenkidee aus der Natur, die im besten Fall gar nichts kostet und dazu nicht auf die Hüften schlägt. Die etwas andere Osternestfüllung. Und wenn ihr die Eier richtig bestückt, dann kann man aus dem wachsenden Ergebnis noch etwas Gesundes zubereiten.
Seedballs in Eierform - ein Nest mit 0 Kalorien aber 100% Spaß. Was da heraus sprießt?
Es sind eben echte Überraschungseier ohne Müll.

5 Minuten Matscherei und eine Sommer voller Sammelarbeit

Selber sammeln, selber buddeln - so kosten Samenbomben nichts. Wer seine Samen im Sommer und Herbst für Seedballs selber sammelt, spart Geld, war viel in der Natur und hat  mit der Herstellung der Kugeln viel mehr Freude, einfach weil man weiß, was das für eine Arbeit war. Benötigt werden:
  • Mutterboden
  • Wasser
  • selbst gesammelte Samen von Blumen (oder Baumsamen, z.B.  Ahornpropeller, Eicheln, Lindennüsse, Weißdorn, Kerne aus Hagebutten)
  • wenn nötig etwas lehmigen  Erdaushub von der nächsten Baustelle
Eine Mischung buntes, einheimisches, regionales Saatgut mit Kornblume, Wiesebärenklau,
wilde Möhre und Co. alles was man eben vor der Haustür finden und sammeln kann.
Baulehm und Gartenkompost - eine schöne Mischung.
Alles verkneten und Eier etwa in der Größe von Walnüssen oder Wachteleiern daraus formen. Die Sameneier in 1-2 Tagen durchtrocken lassen und in Eierkartons oder ein Osternest verpacken. Fertig ist eine tolle Überraschung.

Alles mischen und dann gehts an Matschen.

Samenbomen machen heißt, noch mal Kind sein dürfen

Seedbombs, Seedballs, Samenbomben oder Saatkugeln...sie haben viele Namen. Ursprünglich  kommt die Idee aus dem Guerilla-Marketing und es gibt 1000 Rezepte. Rezepte? Für Samenkugeln?  Seltsame Gesellschaft. Es gibt doch tatsächlich Anleitungen zum Dreck mischen, in denen steht "nehmen Sie 200g Lehmpulver und 400g Blumenerde und 50 g Blumensamen" oder es gibt diese Kugeln gar fertig zu kaufen, entweder zum Anrühren als "Fertig-Seedball-Mischung" oder schon fix und fertig zu perfekt kreisrunden Kugeln geformt und alles hübsch verpackt. Oh Mann.

Kinderhände und Matsch. Heute matschen viele Kinder
vorsichtiger oder gar nicht mehr. Sie trauen sich nicht mehr,
aus Angst sich dreckig zu machen, aus Angst vor Keimen,
aus Angst davor, von anderen ausgelacht zu werden.
Traut euch Kinder! Das Leben ist schön.
Wie weit haben wir uns von der Natur entfernt, dass man zum Matschen Anleitungen braucht oder so was als Fertigprodukt kaufen muss. Erinnert euch an die Kindheit. Das war so einfach und lustig. Da ist Erde, da ist eine Pfütze - alles schön durchkneten noch ein paar Samen oder Beeren von den Wildblumen und Büschen in der Umgebung dazu und man sah aus wie ein Schwein und hat sich gefreut wie...ja, ein Kind. Und natürlich haben wir auch Matschkugeln gemacht. Jede Menge Matschkugeln. Wenn die zu matschig waren, wurde noch mehr Dreck in die Pfütze geworfen, bis die Kugeln endlich gut geklebt haben und dann ging die Schlammschlacht los.
Deshalb: Liebe Leute, vergesst den Perfektionsmus und den Konsumirrsinn, lasst euch nicht verführen zum Kauf von Lehmpulver oder Tonerden oder sonst einer unsinnigen "Spezialzutat". Alles nicht nötig.  Muttererde hat Mutterboden und der ist völlig ausreichend. Wenns nicht klebt, noch etwas Baulehm zu - einfach mal ins nächste Loch schauen, was ausgehoben wird. Etwas Wasser zugeben, matschen und fertig. Strohhäcksel gibt es kostenlos im Sommer auf jedem Acker oder im Reitstall, Zoos oder in Tierheimen, sollte die Erde zu fett sein oder der Aushub zu kompakt. Einfach nachfragen.

"Brennball" mit Brennnesselsamen

Heute ist mein liebstes Saatgut für die Seedballs Brennnesselsamen. Kostet nichts, findet man im August im Massen und schon entsteht ein wunderbares Ökosystem. Außerdem keimen Brennnessel in Seedballs viel besser, als alles, was ich bisher ausprobiert habe. Probiert es aus! Macht echte "Brennballs"...aber werft die nicht zum Nachbarn mit dem englischen Rasen, das kann Ärger geben. Bester Platz ist ein Laternenmast am Feldweg oder eine Bank im Park, in Komposthaufennähe oder auch ein Balkonkasten. Warum nicht?  Die Schmetterlinge freut es nächstes Jahr.
Natürlich sind eurer Themen-Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mach "Butterfly-Balls" mit Samen für Schmetterlingsblumen, "Bee-Balls" mit Samen für Wildbienenblumenmischungen, "Red-Balls" (oh, das wär eine Marketing-Gag für Red-Bull...Red-Balls können nämlich wirklich fliegen...na jedenfalls kurz) mit Blumensamen von Blumen die rot blühen,  usw. je nach euren Lieblingsfarben und Vorlieben. Simpel. Zur Not hilft die örtliche Gärtnerei mit Samen aus.

Einem "Brennball" mit Brennnesselsamen entstanden: meine Brennnessel.
Doch sie ist für meine Küche tabu, hat sich doch schon ein Gourmet gefunden. Der...

...Admiral war schneller als ich. Der Falter hatte hier bereits sein Ei abgelegt.
Das macht er tatsächlich einzeln: Pro Admirals-Ei ein Brennnesselpflanze.
Ihr dürft also viele Brennballs machen, ...

...denn die Raupe dient mitunter auch einem Vogel oder einer Schlupf- oder Grabwespe als Nahrung.
Was das hier für zwei Hautflügler sind, konnte ich so schnell nicht bestimmen. Ich hoffe nur, dass sie
die Admiralsraupe in Ruhe lassen -  und selbst wenn: So ist die Natur und all das live auf einer
einzigen kleiner Brennnessel. Und alles nur, weil ich letztes Jahr einen Seedball mit Brennnesselsamen
in den Garten geworfen habe. Super, oder? Das faszinierende Ökosystem direkt am Haus!

Die Wissenschaft hinter den Saatbällchen

Der nachfolgende Text ist nur für den, der sich immer fragt, was denn nun an den gekauften Seedballs so besonders ist, außer die hübsche, aber völlig unnötige Verpackung und der aberwitzige Transport vom Hersteller zu euch (und den Samen und die Erden zum Hersteller, die Verpackung für diesen Transport, das Benzin, die Herstellung von Abfüllanlagen und deren Stromverbrauch, der Verpackungsmüll...das muss man sich mal vor Augen führen, was wir da täglich für einen Konsumunsinn fabrizieren) und dann der Transport von euch zu dem, dem ihr das Päckchen schenkt. Der wirft es dann irgendwo hin und in den meisten Fällen wird er nicht nach ein paar Wochen schauen, ob die Samen auch aufgegangen sind. Meist tun sie das nämlich ohnehin nicht. Darum kann man sich fragen, so man denn Spaß an der Wissenschaft hat, wie man den Wachstumserfolg solchen Bällchen erhöhen kann.

Ein paar Dinge erhöhen den Erfolg der Keimung:

 

Seedeggs und Seedballs in Großproduktion. Nächse Woche werden die
Saatkugeln "gesäät": Wettweitwurf mit Kindern. Die Eier kommen in
Osternester. Was da wohl daraus sprießt? Ein echtes Ü-Ei.
  • Nehmt keine Blumenmischungen aus dem Supermarkt, sondern Samen von Wildpflanzen, die ihr am besten direkt vor eurer Haustür gesammelt habt. 
Solche Pflanzen  sind auch den Boden gewöhnt, aus dem wahrscheinlich auch eure Kugel besteht. Versucht es mit Löwenzahn oder Breitwegerich, wenn euch Brennnessel nicht zusagt. Etwas edler sind Klatschmohn und Kornblumen. Wer z.B. Vogelmiere oder Löwenmäulchen nimmt, kann die Erdkugeln einfach im Saatgut wälzen, denn beide gehören zu den Lichtkeimern. Wer Saatbällchen mit Küchenkräutern verschenken möchte, sollte das auch so machen, denn die Mehrzahl der gängigen Küchenkräuter, vom Basilikum, Lavendel bis zum Thymian sind ebenfalls Lichtkeimer.
  • Die Kugel sollten binnen 1-2 Tagen völlig trocken sein, ohne zu zerfallen.
Länger sollte der Trocknungsprozess nicht dauern, da sonst die Keimung in  Kugel beginnt, sie dann aber wieder eintrocknen und absterben.Strohhäcksel, Sand, Sägemehl oder Späne kann helfen, die Erdmischung für Samenbällchen zu optimieren. Einfach testen.
  • Die Kugel lässt sich nach dem Trocknen transportieren ohne zu zerbrechen.
Gerade wenn ihr sie verschenken wollte, sollte sie transportierfähig sein. Lasst ihr sie tatsächlich werfen, sollte sie dem Schwung standhalten, sonst zerkrümmelt sie beim Abwurf.
  • Die getrocknete Kugel zerfällt rasch, sobald ihr sie 1-2 Tage lang immer wieder gründlich gegossen habt.
Das ist der Knackpunkt. Wichtig ist, dass die Kugel zerfällt, damit auch Samen im Inneren der Kugel Keimen können. Blumenmischungen enthalten meist Licht- und Dunkelkeimer, also solche Pflanzen, die Sonnenlicht brauchen und solche, die es beim Keimen abgedunkelt möchten. Daher geht nur ein kleiner Teil der Samen in den Samenbomben auf. Ihr erhöht die Chance beträchtlich, wenn die Kugel in den ersten zwei Tagen "zerfließen" kann. Die Samen haben dann meist genug Feuchtigkeit und  über die vergrößerte Oberfläche haben natürlich auch mehr Samen bessere Wachstumsbedingungen.
  • Sie sollte  nicht größer als eine Walnuss sein.
Mehr Kugeln bedeuten größere Chance, dass wenigstens eine da landet, wo sie wachsen kann. Auch ist durch den Zerfall der kleineren Kugeln die Chance größer, dass auch im Inneren der Kugel liegende Samen zum Keimen kommen. Die meisten Wiesenblumen keimen von Erdoberfläche bis maximal 1 cm Tiefe. Da könnt ihr euch ausdenken, was für Wachstumschance ein Samen im Inneren einer 10 cm Kugel hat.

  • Versucht es zuerst einfach mit Mutterboden ohne den Erdaushub/Lehm.
Einfach eine Kugel aus Erde vor der Haustür formen und in die Sonne oder auf die Fensterbank legen. In 1-2 Tagen sollte die Kugel vollständig trocken sein. Mutterboden ist meist ohnehin schon perfekt. Er ist der regionale Boden an den regionalen Blumen angepasst sind. Die meisten Oberböden kleben durch den Humusgehalt und die eingetragenen Flugstäube schon genug. Wir hier im Oberrheingraben haben direkt unter dem Mutterboden eine erhebliche Löss-Schicht. Löss enthält von Natur aus etwa 5 bis 20% Lehm und das reicht zum Zusammenkleben der Kugeln vollkommen aus, meist muss man dann noch Komposterde zum Auflockern beigeben.

Welche Samen kann man sammeln?

Wilde Möhre, Karden, Sternmiere, Brennnesseln, Taubnesseln, Malve, Storchschnabel, Seifenkraut, Pimpernelle, Wicken, Platterbsen, Klatschmohn, Erdrauch, Löwenzahn, Bocksbart, Rainfarn, Frauenfach, Lein, Königskerze, Ackerstiefmütterchen, Steinklee, Gänseblümchen, Kamille, Veilchen, Leimkraut, Kornblume, Bärenklau, Beinwell, Skabiosa und viele, viele mehr. 
Je näher die Mischung aus der Region kommt, desto besser, denn desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Samen keimen, weil sie an die Umgebung angepasst sind.

Gelegentlich ist auch zu lesen, dass man einfach etwas Vogelfutter (z.B. das verbliebene Winterfutter) in die Saatbällchen mischen kann, doch das ist ungünstig, denn in vielen Vogelfuttermischungen findet sich Ambrosia und auch das muss sich nicht weiter ausbreiten. Und wenn wir schon bei Neophyten sind: Bitte auch keine anderen nicht- einheimischen Kräutersamen wie Springkräuter beifügen. Die Impatiens-Arten sind eine echte Plage für die heimische Natur.

Werfen und wachsen? Schön wäre es.

Ein Werbemärchen: Schmeiße eine Kugel mit Samen drin in die Gegend und schon blüht das überall. Schön wäre es. Seedballs sind ein Marketing-Gag! Geht dem nicht auf den Leim.
Leider landet wirklich nur ein ganz kleiner Teil dort, wo er wirklich gut wachen kann. Das größte Problem ist, dass die Samenkugeln die nächsten Tage aufgehen müssen und die Bällchen dabei ordendlich feucht gehalten werden müssen. Am besten sollten sie dabei zerfallen und dann mit reichlich Regen versorgt werden und zwar über mehrere Wochen hinweg. Also Samenbomben am besten vor einer angekündigen Regenperiode werfen oder zertrümmern und kurz in den Gartenboden oder eine frisch angelegte Wiese einarbeiten oder dort platzieren, wo der Rasensprenkler auch in heißen April und Mai-Tagen für genug Feuchtigkeit sorgt. Bällchen, die im Gebüsch landen oder in einen Randstreifen, haben schlechte Karten: Zu dunkel, zu trocken, zu viele Füße, zu viel Müll... Die besten Methode ist es immer noch die Blumensamen direkt in Blumentöpfe, Blumenkästen oder den Garten in ein dafür hergerichtetes Beet oder eine Wiesenfläche einzuarbeiten und dann regelmäßig zu gießen. Dann keimen tatsächlich die meisten Blumen. Aber dann würde eine Stunde spaßiges Matschen fehlen. Irgendwie auch schade. Ich hatte einen lustigen Nachmittag mit den Kindern und sah danach aus so aus.

Frohe Ostern mit einer wachsenden Überraschung!

Samstag, 1. August 2015

Das einfachste Natur-Shampoo der Welt - das Seifenkraut

Seifenkrautsud ist ein Shampoo für Minimalisten

Der Name ist Programm! Die Saponine des Seifenkrauts lassen sich als ultramilde Seife nutzen und natürlich auch als Shampoo einsetzten. Der nächste Selbsttest stand an, als das Seifenkraut groß genug war, um es zu ernten. Sechs Wochen lang wusch ich mir alle 2-3 Tage mit Seifenkrautlösung die Haare und bin nach wie vor begeistert. Kein sonstiges Shampoo, keine Kur, keine Spülung. Einfach Seifenkrautsud.  Reduktion aufs Wesentlich. Es funktioniert!

Reduktion aufs Wesentlich: Ausgekochtes Seifenkraut als Shampoo.

Wie stellt man Shampoo aus Seifenkraut her?

Die Pflanzenteile kleinschneiden, mit Wasser bedecken und 10 min Auskochen, dann die Lösung abseihen und in Flaschen füllen. Haltbar ist dieses "Seifenkrautwasser" etwa 1-2 Wochen im Kühlschrank.

Seifenkraut
Noch steht es im Garten, gleich im Bad.

Etwas umständlich ist die Anwendung

Wie wäscht man nun die Haare damit? Hier hat sich bewährt das Seifenwasser vorher mit dem Milchschäumer aufzuschäumen und den recht schönen, cremigen und stabilen Schaum in die feuchten Haare zu massieren. Gießt man das Seifenwasser direkt über den Kopf, schäumt es nicht und es fließt auch zu schnell ab. Mit zuvor aufgeschäumten Seifenkrautwasser geht das aber super. Der Schaum bleibt mehrere Minuten lang stabil. Es reicht zeitlich also, kurz vor dem Duschen den Milchschäumer zu aktivieren und das Shampoo zu schäumen.

Seifenkraut beim Auskochen
Ich hab nur etwas Wasser nachgeschüttet beim Kochen, schon schäumt es ordentlich.


Optional: Verdicker und Konservierungsmittel

Man könnte nun hergehen und dem Ganzen einen Gelbinder und Konservierungstoff wie ein paar Gramm Xanthan* oder einen Spritzer Rokonsal* zugeben. Beide dickt das Natur-Shampoo etwas an und Rokonsal macht aus den 2 Wochen Haltbarkeit zusätzlich etwa 6-8 Wochen (ebenfalls im Kühlschrank!). Damit hätte man den Sud länger auf dem Kopf und er ließe sich an Ort und Stelle mit den Fingern etwas aufschäumen. Aber: Eigentlich muss das nicht sein. Geht ja darum den Kopf mal einen Weile chemiefrei zu bekommen (auch wenn beides Naturprodukte, bzw. in der Naturkosmetik zugelassen sind)  und zu zeigen, dass man durchaus Haare auch mal ganz ohne Chemie waschen kann.

Seifenkautlösung
So sieht der fertige Seifenkrautsud aus und nun schaut mal was passiert, wenn man den mit
einem Milchaufschäumer bearbeitet....

Alles nur rosa-rot? Die Nachteile!

Ich bin praktisch veranlagt und ein Simplifizist. Damit hau ich die komplette oberirdische Pflanze in den Topf. Der Nachteil an meinem doch recht einfachen und brachialen Vorgehen: Die Lösung wird dank des Chlorophylls grünlich-braun. Dementsprechend sieht dann auch das Ausspülwasser aus. Aber nun gut, dann gilt es eben, so lange auszuspülen, bis das Wasser klar ist. So wird aus einen Nachteil ein Vorteil, denn so sieht man, wann wirklich gut ausgespült ist. Oft macht man das eh viel zu kurz.

aufgeschäumtes Seifenkraut
...dann entsteht ein richtige schöner Schaum - und so viel davon. Herrlich.

Nur die Seifenkraut-Wurzeln? Und was ist mit dem Rest?

Eigentlich verwendet man vom Seifenkraut zur Saponien-Gewinnung nur die Wurzeln. Es ist aber etwas mühsam die Pflanze auszugraben, die Wurzeln zu waschen und diese dann zu verarbeiten. Und der Rest der Pflanze? Was macht man damit? Deswegen war das mal wieder ein Sprung ins Ungewisse: Ob sich Saponine auch aus den oberirdischen Pflanzenteilen gewinnen lassen? JA! Hurra! Die Lösung wird halt grün, die Farbstoffe sind aber wasserlöslich und damit ist auch alles gut.

Schaum des Seifenkrauts
Der Schaum ist schön fest, recht stabil und cremig. Diesen Schaum kann man nun super zum
Haarewaschen direkt ins feuchte Haar massieren. Anschließend ausspülen und fertig.

Shampoo-Variationen für noch kräftigeres Haar

Wer möchte kann noch Rosmarin oder Brennnesselwurzeln in den Topf geben. Beides kräftigt das Haar zusätzlich. Rosmarin gibt der seifigen Lösung auch einen angenehmen Duft, denn das ist ein kleines, weiteres Manko: Das Shampoo riecht nicht gerade lecker. Nicht wirklich schlimm, aber ständig daran schnüffeln würde ich auch nicht wollen.

Seifenkrautblüte
Seifenkraut gehört in die Familie der Nelkengewächse. Toll, was die Natur so zu bieten hat.

Mein Fazit zum Naturshampoo

Mal für 1-2 Monate auf 100% Natur-Kopfpflege umzustellen schadet nicht. Meine Kopfhaut hat sich sehr entspannt, meine Haare zu ihrem natürlichen Rückfettemechanismus zurückgefunden. Ich werde es im nächsten Jahr definitiv wieder tun! Gerade Chemiekaliensensiblen mag dieser Shampooersatz Erleichterung bringen. Allerdings: Ob es sich für alle Haartypen eignet, kann ich nicht sagen und wer gewohnt ist, sich täglich die Haare zu waschen hat gewiss noch einmal andere Ansprüche. Für mich war es ein Versuch wert und meinen Haaren ist es gut bekommen. Ich hab ziemlich dickes, kräftiges und recht langes Haar, klassischer Weise an den Spitzen eher trocken. Dennoch blieben meine Haare gut kämmbar, ohne chemische Weichmacher aus den Spülungen, was mich überrascht hatte. Ich bin davon ausgegangen, dass meine Haare nach spätestens 3 Wochen anfangen zu verfilzen, aber keine Spur davon. Der "Gesundheitszustand" meiner Haare ist stabil - für mich ein Zeichen, dass ich theoretisch so weiter waschen könnte. Ein großer Vorteil: Das ganze "Shampoo" kostet nichts, verursacht keinen Plastikflaschenmüll, ist frei von jeglicher Chemie, 100% biologisch abbaubar und besteht aus lediglich 2 Grundzutaten: Wasser und Seifenkraut. Leider ist mein Seifenkrautbestand nun aufgebraucht :/, aber nicht mehr lange und dann gibt es ja wieder Rosskastanien.

Prost? Nein, das ist kein Bierchen -heul- sondern Shampoo!
Schmeckt furchtbar, aber reinigt prima ...die Haare!



Sonntag, 12. Juli 2015

Eine mobile, solare Dörreinheit aus Recyclingmaterial für Null Euro

Von der Fettpfanne bis zur "schwarzen Kiste" - solare Trockner für Experimentierfreudige

Solare Trockner von einem Meter Länge
Unsere solare, mobile Trocken-Einheit. Apfelscheiben sind so in
1-2 Tagen durchgetrocken.
Solare Dörrapperate sind super ökologisch. Spätestens seid der selbstgemachten Gemüsebrühe experimentiere ich mit verschiedenen Varianten Obst und Gemüse noch schneller und nachhaltiger zu trocken. Ein elektrisches Dörrgerät ist mir jedoch zu teuer und der Strom aus dem Ofen ebenso - auch wenn ich strenggenommen mit Ökostrom dörren würde. Aber nur nicht verbrauchter Strom ist wirklich ökologisch :) und bei der Hitze kommt es mir eh widersinnig vor, ein elektrisches Dörrgerät anzuschalten. Das muss doch günstiger gehen.


Selber machen statt kaufen

Es gibt einige Seiten im Internet, die Bauanleitungen für solare Dörrgeräte und solare Trockentunnel anbieten, zum Teil gratis, zum Teil mit zum Kauf-Download. Mir sind die alle zu groß. Ich brauch was kleines, mobiles, was ich unter den Arm klemmen kann, wenn ich mal wieder zwei Rosen trocken oder Zitrusschalen trocken will.  Kräuter trockne ich kopfüber aufgehängt auf meiner Terrasse und Obst und Gemüse esse ich eigentlich lieber frisch. Dennoch: Gelegentlich trockne ich dann doch hier und da mal etwas. Bisher haben ich mit der Restwärme des Ofens getrocknet, doch bei der Hitze backe ich selten. Also bleibt nur die Sonne.
Aus Mamas fixer Idee zum Mini-Trockentunnel, wurde mal wieder ein Familien-Projekt. Wie kann man Sonnenwärme zum Trocknen nutzen? Meine Jungs blühte voll auf und kam mit immer neuen Ideen - bishin zu: "Mama, wir müssen die Lüftung aus deinem Laptop ausbauen, damit wir einen Luftzug erzeugen." Clever, aber am Laptop wird nichts ausgeschraubt. Aber: Die Kinder hatten Spaß dabei, Lösungen zu finden und anschließend zu werkeln und war überrascht, mit was für Ideen sie ankamen.

Vorversuch Teil 1: In der Fettpfanne dörren

Meine ersten diletantischen Trocknungsversuche waren gar nicht schlecht: Meine ausgediente Fettpfanne  und eine Plexiglasplatte (die leider nicht ganz die passenden Maße hat, aber egal) aus unserem abgebauten Spielhäuschen dienen als erster "Trockentunnel". Das die Plexiglasplatte gar nicht ganz passt, ist im Nachhinein nicht schlimm, denn die Feuchtigkeit die beim Trocknen entsteht, kann  zügig abdampfen. Heißt wird es dennoch. Das Blech erwärmt sich in der Sonne über 50 Grad. Beim Versetzten halten meine Finger die Hitze grade noch so aus. Innentemperatur stieg deutlich über 42 Grad und ich frage mich, ob Dörren in einem "professionellen" solaren Trockentunnel, wo die Temperaturen auch mal 60 Grad steigen, überhaupt noch für Rohköstler geeignet sind.
Rohköstliches Leinsamen-Knäckebrot - natürlich sonnengetrockent. Mit Walnusstapenade und
Bärlauchpesto ist das ein No-Carb-Snack. Viel dazu trinken!

Wird man als Rohköstler ideologisch dazu gezwungen einen stromziehenden Dörrapperat zu benutzten, damit man bloß nicht über 42 Grad kommt? In der Wüste wird es deutlich heißer. Ist Wüstennahrung dann nicht mehr für Rohköstler gut? Seltsame Gedanken, die einen bei solchen Projekten im Kopf herumgeistern. Da ich das nicht so ideologisch streng mit der Ernährungstypisierung nehme, war mir die 42 Grad Regel erst mal nicht so wichtig. Mir ging es darum: Kann man mit so "popeligen Dingen" wie einer Fettpfanne und einer Plexiglasplatte dörren?

Vorversuch Teil 2: Der Härtetest mit Rohkost-Knäckebrot

In der Fettpfanne dörren.
Ob unser Rohkostbrot wirklich noch Rohkost ist? Mit einer Fettpfanne und einer Plexiglasplatte
steigen die Temperaturen auch man schnell über die magische Rohkost-Marke.
Da dies hier als "Testrezept" für den Dörrapperat und war eigentlich nicht als super ausgefeiltes  "Essrezept" gedacht ist, es adann aber doch so toll funktioniert hat, hier nur kurz, was das Sonnenknäckebrot beinhaltet und wie man es anrührt:

  • 100 g Leinsamen im etwas Wasser ausquellen lassen, 
  • dann mit 1 EL Tomatenmark und 
  • 1/2-1 TL Salz verrühren. 
  • Die Massen dünn auf ein Backpapier streichen und ab damit aufs Trockenblech. 

Das sonnengetrocknete Leinsamenknäckbrot ist zwar
dünn, aber richtig knusprig.
Das Ergebnis fand ich gar nicht so schlecht. Am ersten Tag trocknete die Vorderseite, dann war das Brot so trocken, dass man es vom Backpapier ziehen  und undrehen konnte. Nachtrocknungszeit waren dann nur noch wenig Minuten auf dem Trocknungsblech in der Sonne. Das Brot schmeckt pur etwas nach Heu, aber mit Walnusstapenade oder einem Pesto (bei mir war es ein Rest Bärlauchpesto, der unbedingt weg musste - undja das hält sich auch deutlich länger als 4 Wochen) war das ein super Snack zu einer Runde Scrabbel - und was für Anhänger der No-Carb-Ernährung. Meine Fettpfnne hatte den Test bestanden :). Da so ziemlich jeder einer solche Fettpfanne oder ein Backbleck mit höherem Rand zu Hause hat, kann ich nur empfehlen, solltet ihr das testen wollen,  die Augen offen zu halten nach ausgedienten Glasscheiben oder Gewächshausplanen, Plexiglasplatten oder defekten Aquarien oder Terrarien.
Unser Versuch ging weiter.

Grundprinzip der meisten solaren Trockentunnel 

In "richtigen" Trockentunneln dient die Hälfte der Fläche  als schwarze "Kollektorfläche" die sich aufheißt und die Luft erwärmt. Auf die andere Hälfte kommt das Trockengut. Eine Belüftung wird bei den großen Trockentunneln dann meist mit einen Ventilator erzeugt, natülich über Photovoltaik.

Unsere dörrender "Röstomat 3001"

Mal wieder sollte aber nichts gekauft, sondern für unseren Trockentunnel "Abfallholz" genutzt werden, dass sich bei uns im Laufe der Zeit so angesammtelt hat. Größer als ein Meter sollte er auch nicht werden, um ihn gut verstauen und tansportieren zu können. Auch haben wir wir uns entschieden, es erst mal ohne Belüftung zu versuchen, vielleicht lassen sich die Undichtigkeiten und die Physik dafür nutzen (warme Luft steigt nach oben) einen Luftstom zu erzeugen, der fürs Trocknen ausreicht. Bei der Fettpfanne reichten die Luftschlitze ja ebenfalls.

Die Sache mit dem Dörr-Einsatz 

Ein Dörreinsatz aus einem Keilrahmen und einen Knoblauchnetz
Ein ausgedienter Keilrahmen mit einen Knoblauchnetz
bespannt: der Dörreinsatz.
Der Dörreinsatz im Test mit Nachtkerzenblüten
Der Dörreinsatz im Test mit ein paar Nachtkerzenblüten
in der Fettpfanne.
Die schwerste Herausforderung gleich zu Beginn: Wir brauchen einen Dörrahmen auf dem das Dörrgut gelagert wird und besser belüftet ist als Backpapier.  Problem ist nämlich, dass man kein X-beliebiges Gitter nehmen kann, sondern das dies aus Edelstahl sein muss. Beim Trocknen finden Oxidationsprozesse statt, die das Metall angreifen. Auch Kunststoffnetze eigenen sich, sofern sie lebensmitteltauglich sind. Die Poren- oder Maschenweite darf nicht zu groß sein, weil kleinere Beeren beim Trocknen und Schrumpfen sonst durch die Maschen purzeln. Alles nicht so einfach. So saßen wir 3 Tage und probierten herum, bis wir eine ebenso geniale, wie günstige Variante gefunden hatten: Wir nutzen
einen alten Keilrahmen, den wir abspannten und noch etwas auseinander zogen, um die Spannfläche zu vergrößern und als Netz griffen wir zu einen Kunststoffnetz aus dem Lebensmittelbereich: Ein Knoblauch-Netz. Ob das lebensmittelecht ist? Nun die Laborkosten spar ich mir und bete. Für die ersten "Gehversuche" muss das ausreichen. Als Alternative haben wir unser altes Küchensieb aus Edelstahl im Visier, doch das ist aktuelle noch diensttauglich. Also: Knoblauchnetz aufgeschnitten und mit einen Möbeltucker an den Keilrahmen getackert. Fertig war der Dörreinsatz.

Perfekt um Blüten schnell und schonend zu trocknen

Nachtkerzentrocknung im Vergleich.
Die gelbe Nachtkerze wurde im "Mini-Trocker" getrocknet.
De braune Blüte trocknete als Vergleich einfach
so in der Sonne. Fazit: Im Trockentunnel bleibt die Farbe
besser erhalten und es geht viel schneller.
Getestet wurde der Dörreinsatz wieder in der Fettpfanne. Die Nachtkerzenblüten die morgens auf den Dörreinsatz in die Fettpfanne kamen waren binnen weniger Stunden vollständig trocken und  - schön gelb geblieben und nicht braun geworden. Insofern lohnt sich das Umfunktionieren einer Fettpfanne vor allem um Blütenblätter rasch zu trocknen, damit sie ihre Farbe weitestgehend erhalten.


Der Mini-Trockentunnel als Kinderbastelprojekt

Mit dem Bau des eigentlichen Mini-Trockentunnels oder des "Röstomats 3001", wie ihn unsere Jungs nennen, beauftragte ich meinen "Großen". Auftrag: Baue eine Kiste für den Dörreinsatz, die zur Hälfte aus solarer Kollektorfläche besteht.  Interessanter Weise baute unser 12-Jähriger die Kiste aus Restholz extakt um den Dörreinsatz herum  plus die doppelte Länge Schwarzfläche und wählte die Größe so, dass die Plexiglasplatte den Kasten vollständig bedecken kann - und alles ohne Anleitung, ohne Plan, ohne Zeichung. Nichts. Einfach nur toll. Weniger Konsum, mehr das nutzen was da ist, vor allem den Kopf :).Wenn man das nur lange genug vorlebt, kommt das bei den Kindern irgendwann an. Hurra.

Schwarze Farbe? Schwarze Farbe!

Da standen wir vor einem weiteren Problem: Unser Trockentunnel braucht eine schwarze Kollektorfläche. In den Selbstbauanleitungen werden dafür häufig Off-Set-Bleche und Solarfarbe verwendet. Die Farbe muss definitiv ungiftig sein. Im Tunnel entstehen Temperaturen über 45 Grad, Ausdünstungen sind also vorprogrammiert. Solarfarbe wollten wir nicht kaufen (schon wieder Konsum). Wasserfarbe? Wäre ein Versuch,  verläuft aber evtl. in der Kiste, wenn was tropft  und wir rechneten mal mit allem. Letztendlich haben wir uns vorerst für 2 DinA4 Blätter Tonpapier in schwarz entschieden und diese einfach auf den Boden unserer Trockenkiste gelegt. Dünstet Tonpapier giftige Dämpfe aus?  Gute Frage. Bisher habe ich dazu nichts gefunden. Da man es schon ewig in den Kindergärten dieser Welt verwenden, hoffen wir mal das Beste.

 Das große Schumzelten  über das krumme und schiefe Ding, aber....

....es tat tatsächlich seinen Dienst! Apfelscheiben von 2-3 mm Dicke waren an einen bis zwei sonnigen Tag vollständig durchgetrocknet. Anfangs hatten wir ein paar Probleme mit Schwitzwasser, die sich aber beheben ließen, in dem wir die Box in einen etwa 30 Grad Winkel zum Boden aufstellen, mit dem Dörrgut in der oberen Hälfte und die Plexiglasplatte am oberen Ende einen spaltbreit offen ließen. So lag das Trocknungsgitter etwas höher als die Kollektorfläche und die Luft konnte sich über der freien, schwarzen Kollektorfläche erst erwärmt (einströmen konnte sie durch alle die Schlitze sowieso), dann am Obst vorbei nach oben strömt und durch den Spalt zwischen Kiste und  Plexiglas entweichen.
etwas lästig aber notwendig: Die Kiste muss alle 2 Stunden der Sonne nach ausgerichtet werden.
Lässt man einen Luftspalt muss man dringend ein Fliegengitter über das Trockengut legen, sonst gibt das ein wenig appetitliches Gesumme in derTrockenbox. Den Fliegen und Wespen scheint die Dörrhitze nichst auszumachen :/

Handmade with love - Perfektion "unerwünscht"

Der solare Mini-Trockentunnel im Einsatz.Hobby-Heimwerker mögen mir verzeihen. Klar präsentiert man im Internet am liebsten die total tollen Sachen, damit alle gucken und staunen, was man alles kann :). Ich fühle mich da manchmal etwas "ab vom Schuss" und mit diesem so gar nicht serienreifen Modell auch eher am Ende der Handwerkerskala. Aber: Macht! Macht einfach! Wir hatten nichts gekauft, haben uns einige Tage Gedanken und Bastelarbeit gestellt und nun haben wir eine kleine mobile Dörreinheit, die uns zu permanenter Verbesserung inspiriert, eben weil sie nicht perfekt ist. Warum konfrontiere ich Euch mit so einer halbfertigen Idee? Genau darum! Die meisten werden "Dörrapperat kaufen" googeln und wieder blind konsumieren. Aber wir haben doch schon alles. Ressourcensparen. Kopf einschalten. Kinder inspirieren, nicht immer nur "haben wollen" zu schreien, sondern zum "will machen" anregen. Perfektion? Wozu? Mit im Baumarkt exakt zurechtgesägten, frisch polierten Holz und einem Arsenal diverser Werkzeuge kann man so ziemlich alles zur Perfektion bringen. Hier war nur ein alter Möbeltucker, einen Kinderlaubsäge, ein alter Keilrahmen, ein Knoblauchnetz, Restholz diverser Bastel-Aktionen, Tonpapier, eine alte Plexiglasplatte, Hammer und Nägel im Einsatz. Kosten: Null Euro. Spaßfaktor: 100%. Erfolgserlebnis für die Kinder: unbezahlbar :). Und das alles: Handmade with love. Was will man mehr.

Im Solartrockner getrocknete Apfelscheiben
Die Apfelringe wren in 2 Tagen knochentrocken. Meine Kinder haben sie dann noch in
Schokolade gebadet - solche Schleckermäuler.



Montag, 29. Juni 2015

Pflanzensamen fix verstauen - ein Samentütchen mit 3 Fächern

Upcycling einer Papiertüte

Geht´s euch auch manchmal so? Da ist man im Urlaub und sieht Blumen, die grade Samen tragen und - natürlich vorausgesetzt die stehen nicht unter Schutz oder wachsen auf Privatgelände - schon hat man eine handvoll in der Tasche. Nur wohin damit?  Wahrscheinlich kennen viele Faltanleitungen für Samentütchen, doch für viele benötigt man Schere oder Kleber, Tesafilm oder sonstwas, was man grad nicht da hat. Deswegen will ich eine Faltanleitung in Erinnerung rufen, für die man eigentlich noch nicht mal eine Schere braucht. Und weil "Apotheker-Briefchen" langweilig sind, zeige ich euch die praktische 3-in-1-Samentüte. Alles was man dazu braucht: Eine ausgediente Papiertüte, die bei jedem Kauf von Obst oder Gemüse oder bei jedem Brötchen vom Bäcker anfällt.


Als Faltanleitung dient die Bilderserie der ICPS Seed Bank.  Die machen das schon mal mit gebrauchtem Papier - löblich - und nutzen für die exakte Faltung ein Lineal. Klar könnt ihr die Samentütchen super akurat und bis in die Perfektion einer Origami-Figur falten. Aber ich hab es gern praktisch und weniger perfekt. Außerdem gehörte ich nicht zu den Menschen, die im Urlaub ein Lineal mit sich herumtragen, deswegen machen wir das ohne. Auch eine Schere zum Abschneiden braucht ihr nicht wirklich, denn mit harten Kanten und ruhigem Reißen erreicht ihr ein ebenso gutes Ergebnis. Los geht´s.

Die Schritt für Schritt-Anleitung für das 3-in-1-Samentütchen

1) Der Boden der Tüte wird abgeschnitten. Ist keine Schere zur Hand, einfach eine harte Kante falten und möglichst grade abreißen.










 2) Den "Tütentunnel" einmal diagonal auf Kante Falten. Am besten die eben abgeschnittene Kante an die gegenüberliegenden Längsseite des Papiertunnels falten, so dass die möglicherweise eingerissene oder zerfranste Tütenöffung übersteht.










3) Man erhält ein Dreieck mit einem überstehende Reststück. Das muss ab! Würde man das Dreieck nach dem Entfernen der überstehenden Kante  auffalten hätte man ein Quadrat. Wir lassen das aber als Dreieck gefaltet.









4) Das Dreieck mit der Spitze nach oben vor sich legen. Augenmaß: Die rechte und linke Ecke jeweils etwa bei 1/3 der Kantenlänge umfalten. Gleiches mit der andere Seite wiederholen.








5) Von unten sieht das so aus.












 6) Von oben sieht die Figur aufgestellt nun so aus.












7) Ein Zipfel wird in die Gegenseite gesteckt und die Kanten nachgezogen.











8) Und nun die untere Hälfte nach oben klappen. Bis hierher ist es die die Faltanleitung, die man auf den Seiten der  ICPS Seed Bank findet. Doch wir haben einen "Papiertunnel" benutzt und das macht die Sache spannend. Weiter geht´s.








 9) Von oben betrachtet sehen die Zipfel zum Einschlagen so aus, wie auf dem Foto. An der roten Linie schneidet oder reißt ihr das Papier vorsichtig auseinander.









10) Das siehet dann so aus wie auf dem Foto hier nebenan.










11 ) Das Ergebnis: Ihr habt 3 Fächer und ein Einsteckfach für die Zipfel zum Verschließen des 3-in1-Samentütchens.











12) Beim Verschließen merkte ich dann wie krumm ich doch mal wieder gefaltet hab. Egal. Macht jedes Mal wieder Spaß :-)

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Wenn man ohne Schere arbeitet darf man den Charme mehr oder weniger genauer Reißkanten
genießen.

Ich habe in den 3-in-1-Tütchen auch schon Kleinkram wie Pflaster, Büroklammern oder Briefmarken transportiert - besser als das ganze Zeug lose im Rucksack oder in der Hosentasche zu haben. Auf Tagestouren lassen sich Kinder wie Erwachsene gleichermaßen verblüffen, wenn man aus ihre Bäckertüte mit den süßen Teilchen vor dem nächsten Mülleimer rettet und mal fix ein solches Täschlein faltet.





Und der Tütenboden? Der dient mir erst mal als "Sammelbehälter" für meine Samensammlung.

Natürlich ließe sich das alles mit Tesafilm verstärken, mit Heftklammern fixieren und mit chickem Blümchenpapier dekorieren, aber genau darum geht es: Die einfachsten Lösungen liegen meist direkt vor uns, wenn wir mit dem, was wir haben, nur achtsamer umgehen würden.  Wir sollten viel, viel, viel weniger Rohstoff (Papier und alles andere eben auch)  verschwenden und das, was wir haben, viel effektiver nutzen.


Im Einsteckfach für den "Verschlusszipfel lassen sich prima
kleine Nachrichten oder Aussaat-Hinweise verstauen.

Sonntag, 31. Mai 2015

Wassereis mit Holunderblütensirup und Plastik-Upcycling

Kennt Ihr das auch noch? Das Wassereis in diesen Plastikschläuchen? Ein Evergreen. Meine Kinder lieben das. Mal abgesehen vom Plastik besteht das Zeug im Inneren ja leider nur aus Wasser, Aroma und künstlichem Farbstoff. Das muss doch anders gehen. Und es geht anders. Kontrollierter Zucker, 100% Holunderaroma direkt aus der Natur und Wasser - und die Eisform aus Recyclingmaterial, das dann auch noch mal recycelt wird.
Wassereis mit Holunderblütengeschmack aus recycelten Plastiktüten.

Das schnelle Eis und der ewige Plastikmüll - Upcycling

Vakuumiergeräte schweißen Plastik - tolles Gerät zum
Mehrfachverwenden von Plastikverpackungen.
Plastikmüll vermeiden heißt in erster Linie: Vermeide den Kauf von Produkten mit Plastik und in zweiter Linie heißt es: Plastik, das im Umlauf ist, so lange zu nutzten, wie es der Zustand des Plastiks zulässt. Achtet mal drauf, wie viel Plastik in der Küche so anfällt. Erschreckend. Hier eine Kekstüte, da eine Salatumhüllung, hier eine Süßwarentüte und da ein Verpackungsbeutelchen. Ab in den Müll. Aus den Augen aus dem Sinn. Ja Pustekuchen. Plastik ist nicht tot zu kriegen und die Quittung zahlen unsere Kinder und Enkelkinder. "Mama, warum habt ihr damals nichts gemacht, ihr habt das doch kommen sehen." Ja, aber wir waren zu bequem. Die Antwort will ich ihnen nicht geben! Also vorleben wie es anders geht.
Ein selbst hergestellter Plastikschlauch fürs
Wassereis. Beim Befüllen hilft ein Trichter aus
meiner "Prä"-Ökozeit - auch aus Plastik.
Plastik lässt sich unter Umständen nahezu 1:1 weiterverwende. Ich habe einst ein Vakuumierer** zum Geburtstag geschenkt bekommen und als die mitgelieferten Beutel alle waren festgestellt, dass es jedes andere dünne Plastik fast genauso gut schweißt. Prima. Ein Upcycling-Gerät! Auf diese Weise kann man Plastikverpackungen zwei-, drei- oder sogar viermal nutzen, bevor es dann endgültig im Müll landet. Ein kleiner Plastikbeutel dient mir hier als Grundlage für die Eishülle. Ihr erkennt ihn vielleicht wieder: Der Beutel war schon beim Tee-Fermentieren im Einsatz und kam als "Abschiedstütchen" von einen Kindergeburtstag in unser Haus...einmal...zweimal...dreimal genutzt...und sein Ende im Müll ist noch nicht gekommen :-) . Mit dem Gerät sind in zwei Schritten schnell die Plastikschläuche für unser Eis zusammengeschweißt.


Wassereis aus Holunderblütensirup herstellen

Fast fertig. Nur noch ab ins Gefrierfach damit und warten.
Als Füllung wird einfach etwas Holunderblütensirup mit stillen Wasser vermischt - je nach Geschmack. Bei uns kommen auf 250 ml Wasser etwa 3-4 EL Sirup. Wer möchte kann ein paar Holunderblütensternchen in den Schlauch füllen. Nicht zu voll machen! Zum einen muss der Schlauch noch zugeschweißt werden, zum anderen dehnt sich das Wasser noch aus. Zwei Fingerbreit unterhalb der Füllkante ist Schluss. Dann wird zugeschweißt und ab damit ins Eisfach.

Natürlich könnt Ihr den verdünnten Sirup auch in Eiswürfelbehälter (lecker für Hugo) oder Eisformen mit Stiel füllen. Lecker! Lecker! Und ganz ohne Chemie. Geht doch. Nur: Viel zu schnell gegessen. Und dafür werden Plastikverpackungen eigens hergestellt? Ich schäme mich. Das nennt sich menschliche Intelligenz? Für diese zwei Minuten Schleckzeit Müll für die nächsten 30 Jahre? Wirklich erschreckend, wie gedankenlos wir mit Plastik umgehen.

Ein paar Blütensternchen vom Holunder als "Dekomaterial", auch wenn man sie im gefrorenen
Wassereis fast nicht mehr sieht: Der Gedanke zählt.
Das Wassereis mit Holunderblütengeschmack ist fertig!
Zum Essen wie gewohnt ein Ende einschneiden, das Eis herausdrücken und schlecken.

Recycling-Idee für Eis-Plasikhüllen: Samentütchen

Es wirkt ein wenig verrückt Eistütchen zu trocken, aber....
Was tun? Weg vom Mainstream. Probleme löst man nicht, indem man tut, was alle tun. Ein wenig kreative Verrücktheit ist nötig: Ich spühle die leer geschleckten Eis-Schläuche kurz mit Wasser aus (das kommt in die Gießkanne), dann kommen sie auf meinen "Trockenbaum", einen schönen Ast. Nach ein paar Minuten sind sie zu ihren nächsten Einsatz bereit: Dann schweiße ich damit meine Samen ein, die ich den Herbst/Winter über lagern möchte. Gelegentlich löchere ich die Beutelchen dann noch mit einer Nadel nach, damit sich keine Luftfeuchtigkeit darin staut und die Samen anfangen zu schimmeln, doch häufig finden sich bis zu diesem Zeitpunkt schon genug Löchlein in der Tüte. Natürlich lässt sich jeder Kleinkram in solche Tütchen einschweißen, wichtig ist, dass Ihr dafür kein Extra-Plastik kauft, sondern das benutzt, das Euch in die Finger fällt, soll ja statt im Müll zu landen, vorher noch einen Mehrwert erhalten.
...am Ende haben die Eistütchen aus dem Schleckeis noch mal einen neuen Verwendungszweck: Als Samentütchen.
Aktuell überlege ich noch, was ich aus den gebrauchten Samentütchen anschließend noch herstellen kann, aber da fällt mir sicher noch was ein. Und Ihr? Habt Ihr auch solche Upcycling-Projekte? Wie vermeidet oder verwertet Ihr Plastikmüll?


** ein  Affiliate-Link zu Amazon. Meinen Vakuumierer gibt es leider nicht mehr, der CASO VC 10 Vakuumierer ist "made in Germany" und aktuell auf Platz1 der Amazon-Bestseller-Vakuumierer-Liste.