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Montag, 30. März 2020

Unkrautgourmet sucht Unterstützer für Mehrwert

Die Streuobstwerkstatt - ein Crowdfundingprojekt vom Unkrautgourmet

"Wir haben Kirschen gelocht" - das war die Antwort von Julia (7 Jahre) aus der 2. Klassen, auf die Frage, was man denn in einer Streuobstwerkstatt macht.
Aktuell möchte ich eine solche Streuobstwerkstatt fest etablieren und natürlich gibt es hier auch jede Menge Unkraut :D.
Ich weiß, ganz viele Menschen lesen meinen Blog und freuen sich über die Rezepte hier. Vielleicht ist es auch schon aufgefallen, ich habe die letzte Zeit Werbung auf ein Minimum reduziert. Viel lieber sind mir authentische Inhalte und weniger Konsum. Doch ohne Geld geht es nicht. Daher die Bitte an Euch: schaut Euch das Projekt auf StartNext an und wenn Ihr hier gerne in den Rezepten stöbert, dann helft mir mit einem Beitrag Eurer Wahl, die Streuobstwerkstatt auf die Beine zu stellen. Oder leitet den Link weiter an Menschen, die solche Projekte gerne unterstützten. Das wäre so hilfreich.




Worum geht es in der Streuobstwerkstatt?


Es soll ein Lernort geschaffen werden für Jung und Alt, in dem man Streuobstwiesen erleben kann. Außerdem sollen 30 (!) alte, große Obstbäume fachgerecht geschnitten werden, damit diese möglichst lange erhalten bleiben.
Wenn die Finanzierungsphase auch das 2. Zeil erreicht, soll hier ein Ort geschaffen werden, an dem auch die Kinder aus der Lerntherapie einen Ort haben, an den sie gerne kommen und lernen wieder gerne zu lernen - denn draußen sind sie alle gerne.
Papier nutzen wir auch in der Streuobstwerkstatt. Wir lernen ja auch "richtig" ;-)

Was passiert mit Eurem Geld?

Das wird für viele gute Dinge eingesetzte: Baumpflege, Gartenequipment für Kinder, eine neue Gartenhütte, ein Regendach, eine kleine Kelter, endlich ein paar Tische und Bänke, ein behindertenfreundlicher Weg, Schüsseln, Messer, Löffeln. Teller, Schneidbrettchen, Flaschen, Becherlupen, und vielleicht ist dank Eurer Hilfe  ist sogar ein Feldmikroskop drin. Ich fahre davon also nicht in den Urlaub.

"Kirschen lochen für Beginner":Was gäbe ich nun für einen Tisch und eine Bank und noch 2 Schüsseln mehr... 

 Warum solltest Du das Projekt unterstützen?


  • Du hilfst mit, die kulturelle Biodiversität zu erhalten, da hier einige alte Sorten wachsen, etwa eine große Grüne Renecloude, eine unbekannte Mostbirne und eine Kirschsorte, die bislang noch nicht bestimmt werden konnte
  • Du hilfst mit Lebensraum zu bewahren, denn in den Alten Obstbäumen wohnen Fledermäuse, Grünspecht und Co.
  • Du hilfst mit, einen Ort zu erschaffen, der sicher ist und an dem Kinder hoffentlich  gerne Lernen  werden - draußen im Freien und nicht schon wieder "eingesperrt" in einem Gebäude.
  • Du bekommst ein Dankeschön :).
  • Du bekommst alle Inhalte, hier auf dieser Webseite, seid jeher kostenlos. Lass das für mich nicht umsonst sein.
  • Du hilfts mit, einen der artenreichsten und immer bedrohteren Lebensräume in Mitteleuropa zu schützen: die Streuobstwiesen!
Winterprinz, Alkmene und Kalbfleischapfel - Bäumchen schüttel Dich, denn die Äpfel sind schon alle reif.


Du brauchts Motivation mitzumachen?




  • Postkarten oder Kalender sind ein schönes Geschenk für Naturfreunde - mit Mehrwert, denn dafür unterstützt Du ja auch ein schönes Projekt, hilfst der Natur und freust Dich lange Zeit daran.
  • Vielleicht ist auch ein anderes Dankeschön ein schönes Ostergeschenk mit Mehrwert?
  • Du wohnst in der Nähe und willst einen schonen Vormittag oder Nachmittag erleben in der Natur? Auch da ist sicher eines der Dankeschöns etwas für Dich.
  • Du wolltest schon immer Drohnenfotos? Auch hier haben wir ein Dankeschön, das allerdings räumlich auch auf den Rhein-Neckar-Kreis und den Odenwald begrenzt ist, da wir wegen Umweltschutzgründen nicht weit fahren wollen.
  • Du sitzt aktuell auch nur zu Hause und fühlst Dich ohnmächtig in Anbetracht der Situation? Hier kannst Du konkret was tun. Ich denke schon über die Krise hinaus und weiß, das es viele Kinder geben wird, die in den Ferien einiges in der Schule nachzuholen haben werden. Wäre es dann nicht schön, wenn die Kinder draußen im Freien all das nachholen könnten, statt schon wieder in der Stube hocken zu müssen. Gebt den Kindern ihr Lächeln zurück und hilf mir diesen Ort zu schaffen.
Schaut rein! 
Helft mit und unterstützt das Projekt! 
Und leitet den Link weiter! 

Die Kampagne läuft bis zum 30.Mai 2020. 

Vielen lieben Dank!

Ohne Regenunterstand können wir nicht mehr tun, als die Sachen einfach in den Regen zu hängen.


Mittwoch, 8. August 2018

Holunderbeerpudding im Birnenkleid & Holunderbeerlimonade

Birnen gefüllt mit Holunderbeerenfruchtmasse

Tolle Kombination: Birnen, Holunderbeeren und Nelkenwurz.
Holunderbeerenzeit. Es ist Hochsommer und alles ist verdorrt. Auch mein Unkraut leidet. So wollte ich eigentlich diese Holunderbeeren-Süßspeise mit Nelkenwurz zubereiten, aber als ich die erste Pflanze aus dem harten, steinigen Boden befreit hatte, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen doch auf gängige Küchengewürze zurückzugreifen. Wenn das Wetter also wieder etwas mehr Regen bietet, die Nelkenwurz sich erholt hat und immer noch Holunderbeeren nicht vollständig vertrocknet an den Büschen hängen, dann versucht dieses Rezept einfach mit den Wurzeln von 5 Nelkenwurz-Pflanzen, die ihr säubert, kleinschneidet und mitkocht.
Überschaubare Zutaten, der Honig vom regionalen Imker, der Ingwer aus meinen Blumentopf, Nelkenwurz,
Birnen und Holunder aus dem Garten. Lediglich die Stärke und den Honig habe ich dazugekauft.

Zutaten für Holunderbeerpudding

  • 2 Birnen (z.B. Williams Christ, die werden gerade bei uns reif)
  • 2 Nelken
  • 150 g Holunderbeeren, vorbereitet gewogen
  • 1 halbe Fingerkuppe geriebender, frischer Ingwer
  • 1-2 EL Honig
  • etwas Zitronenschalenabrieb oder einen Spritzer Zitronensaft
  • 1-2 EL Speisestärke
  • 500 ml Wasser

Zubereitung des Holunderbeerpuddings:

Beim Aushöhlen der Birnen daran denken, das man vom
"Boden" noch ein Stück abschneiden muss....
...nur ein kleines Stück, aber das erhöht die Standfestigkeit
enorm.
Eine Birne kleinschneiden, andere Birne halbieren und mit einem Eisportionierer oder Löffel aushöhlen. Am Boden der Birne eine gerade Fläche abschneiden, so dass die Birnen nachher nicht umkippt, wenn sie befüllt wird. Die Holunderbeeren von den Dolden abrebeln und mit Nelken(-wurz), geriebenem Ingwer und Birnenwürfeln in der Hälfte des Wassers 15 min kochen. Den Saft durch ein Sieb abgießen und zurück in den Topf geben (die Fruchtmassen kann man weiterverwenden, siehe unten), Honig zufügen und verrühren. Die andere Hälfte des Wassers mit der Speisestärke verrühren, zum Holunder-Birnensaft geben und noch einmal aufkochen lassen. Wer statt Holunderbeerensuppe
wirklich einen Pudding bevorzugt, fügt noch etwas Stärke hinzu (vorher in wenig Wasser angerührt), wer es süßer mag, darf auch noch etwas Honig mehr zugeben.
Die Masse vorsichtig in Birnenhälften füllen und nach belieben dekorieren.

Natürlich kann man die Birnenhälften vorher auch weich kochen. Ich bevorzuge aber möglichst viel frisches Obst, und habe daher die Birne ungekocht verwendet. Holunderbeeren lassen sich nicht roh essen, sie müssen gekocht werden, um die Giftstoffe zu zerstören.

Die Holunderbeeren vorbereitet wiegen.


Holunderbeerlimonade

Den Holunderbeeren"trester" habe ich ein zweites Mal aufgekocht, abgeseiht, abkühlen lassen und mit 1/3 der Menge mit Mineralwasser aufgefüllt und wollte da mit Eiswürfeln serviert ebenfalls fotografieren, aber das haben meine Jungs so schnell getrunken, so schnell war der Fotoapparat nicht griffbereit :/.


Die Schneidgiraffe mit Fangkorb bewährt sich nicht nur bei
Äpfen und Birnen, sondern fängt zuverlässig auch Holunderdolden.


Ein Trauerspiel: Die Dürre setzt meiner Wiese extrem zu. Nur der Nelkenwurz bleibt trotzig grün.
Da der Boden aber so extrem hart ist, habe ich nur eine Pflanze ausgegraben und habe dann auf
 Gewürznelken zurückgegriffen. Im Rezept kann man mischen oder man verwendet
statt 2 Gewürznelken die Wurzeln von 4-5 Nelkenwurz-Pflanzen. Diese waschen, kleinschneiden und
einfach mitkochen.
So würde ich das essen: ohne viel "Schisslamang".
Was ein wenig Puderzucker als Deko ausmacht...aber die Sauerrei will ja hinterher auch vom Tisch
gewischt werden oder...
...dient den Wespen als Futter....so man den Wespen auch ein wenig Nachtisch gönnt. Mich stören
sie nicht, fressen sie doch auch Raupen von den Saltpflanzen oder die lästigen Fliegen.
Lecker: Holunderbeerpudding in einer Birnenschale serviert. Wo gibt es denn so was?
Viel Spaß beim Sammeln, Nachkochen und guten Appetit!

Freitag, 10. März 2017

Mit einem Spitzrabau, 23 kleinen Rabauken und zwei Feuersalamander unterwegs

Ein schwarz-gelbes Pflanzerlebnis bei Regenwetter

Obstbäume mit Schulklassen im Regen zu pflanzen war schon eine besondere Aktion. Wir haben unser Exemplar, einen Spitzrabau-Apfelbaum, quer durch den Weinheimer Exotenwald zur Pflanzstelle getragen. Natürlich gab es wegen des Wetters erst mal lange Gesichter bei den Kindern: "Wie? Die Streuobst-Tante will trotzdem mit uns auf die Wiese? Bei diesem Regen?" Das zumindest war in dem einen oder anderen Gesicht abzulesen, ausgesprochen hat es keiner. Tapfere kleine Mannschaft! Belohnt wurden sie tierisch, denn wir haben nicht nur eine  Eidechse aus dem Pflanzloch gerettet, sondern auf dem Weg zur Wiese gleich mehrerer Feuersalamander entdeckt. Ein Ausflug in die Tierwelt.

Der gebänderte Feuersalamander (Salamandra salamandra ssp. terrestris)
ist aktuelle auf Partnersuche.

Die namensgebende Unterart Salamandra salamandra salamandra,
der gefleckte Feuersalamander, sucht ebenfalls nach einem passenden Paarungspartner.

Feuersalamender Lurchi: Kindheitserinnerungen und Sympathieträger

Unkrautgourmets sind Feuersalamander wahrlich nicht, denn sie ernähren sich von Schnecken, Insekten und Würmern. Damit sind sie mir sympathisch. Wer will schon Brennnesseln mit Schnecken dran essen? Doch die eigentliche Sympathie entstammt meinen Kindheitserinnerungen: Lurchis Abenteuer* . Das waren damals die Geschichten, mit denen wir zu Hause das Schreibschriftlesen geübt haben. Und was auch immer das für eine Quälerei war, Lurchi war einfach toll. Schon schade, dass viele Kinder Klassiker wie diesen heute kaum mehr kennen.

Ammenmärchen: Vom Killerlurch und tödlichen Ohrenschmalz

Das Feuersalamander keine Eier legen, sondern bewegliche Larven in Wassergeburt zur Welt bringen, das ist schon etwas Besonderes, aber die Kinder interessierte natürlich am meisten das Gift. Als ich davon erzählte, dass Feuersalamander am Rücken Giftdrüsen haben mit denen sie ihr ganz eigenes Gift bis zu einen Meter weit schießen können und dass diese Drüsen auch am Ohr sind, da schaute mich ein Mädchen mit großen Augen an: "Die schießen giftiges Ohrenschmalz?" Ähm. Nein, nicht wirklich. Wenn Salamander Ohren hätten, würde das Gift sicher wohl auch das Ohrenschmalz vergiften. Aber Ohren haben sie nicht. Sie "hören" Vibrationen und somit auch Schall mit dem ganzen Körper. Das Gift ist ein Alkaloid, also eine Stoffgruppe, welche die Wildkräuter-Fans unter euch sicher nicht fremd ist, denn Alkaloide finden sich recht häufig in giftigen Pflanzen wie den Nachtschattengewächsen z.B. der Tollkirsche. Der Feuersalamander synthetisiert aber seinen eigenen Alkaloid-Cocktail, der sogar nach ihm benannt wurden. Daraus kann man ein echtes Mantra machen: Samandarin, Samandaridin und Samandaron. Das dem Gift das "l" aus dem Salamander fehlt, liegt wohl daran, dass Chemiker keine systematischen Zoologen sind. Vielleicht hatte der Zoologe aber auch einen Sprachfehler oder der Chemiker einen Hörschaden. Oder der Biochemiker war so ein tippender Fehlerteufel, wie ich es bin und dann hat einfach ein "l" gefehlt :). Es darf gemutmaßt werden. Ich tippe auf Hörschaden, denn sonst müsste es z.B. Salamanderin heißen - mit "e", nicht mit "a". Heißt ja auch Salamander. Aber vielleicht bin ich auch zu sehr Biologe und zu wenig Chemiker und die ganze Nomenklatur hat doch einen wirklichen Hintergrund. Ich lasse mich da gerne aufklären.

Abwehrmittel: Ein fungizider und bakterizider Lurch

Wie auch immer nun die Giftstoffe geschrieben werden, Menschen sterben daran nicht. Allerdings kann Salamander-Gift auf zarter Kinderhaut und bei empfindlichen Menschen brennen und ins Auge sollte man das auch nicht bekommen. Das Gift dient in erster Linie der Abwehr. Besitzer von jungen Hunden oder Katzen sollten bei Feuersalamandern jedenfalls lieber einen Bogen um die Lurche machen, denn wenn ein junger Hund in einen Feuersalamander beißt, dann ist das äußerst unangenehmen, im schlimmsten Fall auch tödlich. Doch die meisten Haustiere werden es überleben und daraus ihre Lehren ziehen: Nämlich nie wieder in eine schwarz-gelbe-Wurst zu beißen. In erster Linie jedoch dient das Gift der Hautpflege. So ein Lurch verbringt einen Großteil seines Lebens in feucht-modrigen Winkeln im Wald oder Höhlen - Heimat unzähliger Mikroorganismen, die aufs Zersetzen ausgelegt sind. Die feuchte Haut des Feuersalamanders wäre ein optimaler Nährboden für  Schimmelpilze und Bakterien, wenn, ja wenn da nicht die Gifte wären, die eben Schimmelpilze und Bakterien am Wachstum hindern. Trickreiche Natur.

Seltenheiten: Vom Feuersalamander und Spitzrabau

Auf der Roten Liste ist der schwarz-gelbe Lurch - noch - nicht zu finden, hat aber bereits den Status von "besonders geschützt" erreicht, sozusagen die Vorstufe der vom Aussterben bedrohten Arten. Es gibt also noch Hoffnung. Im Weinheimer Exotenwald kriechen auf alle Fälle mindestens 2 Exemplare herum. Und irgendwie ist es schön zu wissen, dass man solche Tiere vor der Haustüre hat und dass sie, sofern sie nicht unter die Räder oder in eine Hundeschnauze kommen, durchaus 20-50 Jahre alt werden können. 20-50 Jahre! Dann sind die Viertklässler von gestern erwachsen, haben hoffentlich einen Partner fürs Leben gefunden, einen schönen Beruf und eine glückliche Zukunft. Vielleicht kommen sie dann zu ihrem gestern gepflanzten Baum zurück, vielleicht sogar mit ihren eigenen Kindern und sammeln die lustig geformten Äpfel auf. Denn dann ist unser gepflanzter Spitzrabau  ein stattlicher Baum im ertragsfähigen Alter geworden und erfreut Mensch und Tier, weil er doch etwas Besonderes ist. Die Odenwälder Lokalsorte galt viele Jahre als verschollen. Von der Sorte her an sich ist der Spitzrabau bis auf die spitz zulaufenden Äpfel nicht besonders. Die Äpfel haben kein besonderes Aroma und sind noch nicht mal lange lagerfähig. Saften und Backen kann man mit ihnen aber prima. Das Besondere ist eher der Baum, denn als Apfelbaum ist der Spitzrabau sehr robust und anpassungsfähig, wird sehr alt und sehr groß und bietet damit wieder Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und Äpfel. Wer weiß schon, ob im Jahr 2067, nicht ein Apfelbaum gesucht wird, der genau diese Eigenschaften besitzt, z.B. um den Klimawandel zu trotzen? Ob in seiner Krone nicht eine Flechte wächst, die als Mittel gegen Krebs entdeckt wird, oder zu seinen Füßen ein Feuersalamander kriecht, dessen Gift als Mittel gegen multiresistente Keime weiterentwickelt wird. Wir müssen weiter denken. 7 Generationen weiter. Wir wissen nicht was kommt, daher ist es so wichtig, zu erhalten, was wir haben und nicht alles immer nur auf den sofortigen, persönlichen Profit zu richten. Immerhin: In 50 Jahren stehen dann hoffentlich an der  badischen Bergstraße zwischen Weinheim und Schriesheim ein paar  Spitzrabau-Apfelbäume im besten Alter, denn ich werde neben dem Exemplar in Weinheim diesen Monat noch 2 weitere Bäume mit Schulklassen pflanzen dürfen und ich bin gespannt, was wir dabei erleben.
Mein Dank geht an dieser Stelle den Unesco Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, der die Bäume gespendet hat.
Pressebericht in den Weinheimer Nachrichten


Auflösung vom Bilderrätsel

Ja! Mein anonymer Rätselknacker hat des Rätsels Lösung aus dem vorherigen Beitrag gefunden: ein Fliegenpilz. Stimmt, kann kaum etwas anderes sein, auch wenn ich beim Betrachten des Rätselbildes in erster Linie an einen verschimmelten Erdbeerkuchen dachte. Herzlichen Glückwunsch :).

Unverkennbar: Der Fliegenpilze. Er stammt aus der selben Gattung Amanita wie der Knollenblätterpilz.
Auch wenn man sie beide nicht essen kann, sind sie als  Mykorrhiza-Pilze wichtige Helfer
unserer Waldbäume und sollten daher auch nicht zerstört werden. Hauptwirkstoff ist nicht das Muskarin,
sondern die Ibotensäure, die binnen 2 Stunden nach dem Essen auf das Nervensystem wirkt und in
schweren Fällen auch zum Tod führen kann.
Apropos Erdbeerkuchen:  Jetzt ist auch endlich wieder Zeit, die Wildkräutersaison zu starten.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Die Apfellocken, die Schreibpause und jede Menge Reflexion

Ein herzliches Dankeschön an alle treuen Blogleser! Einige von Euch haben mir geschrieben und mich gefragt, was ich denn mache, wo doch hier so lange kein neues Rezept erschienen ist.
Apfelringe aus dem Ofen sind nicht nur langweilig und unökologisch. Mach doch lieber Apfellocken.
Das erzähle ich euch gerne, doch vorher lade ich euch zu einem auf  neudeutsch titulierten "Live-Hack" ein: Wie trocknet man Apfelringe ohne Sonne wenigstens einigermaßen effizient im Ofen. Das wichtigste ist: Ihr nutzt Ökostrom. Das zweite: Ihr nutze den Platz im Ofen! Das dritte: Ihr nutzt den Ofen zuvor für anderes und dörrt nur in der Restwärme.Ja, das ist nicht neu....außer das mit dem Platz vielleicht. Und da kommen die wundersamen Apfellocken ins Spiel. Apfelringe sind doch langweilig oder?
Besser als Chips und origineller als langweilige Apfelringe: Die Apfelspiralen.
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich in Artikeln Bilder oder youtube-Videos  zu "Dörren von Apfelringen" sehen, wo sagenhafte 10 oder 20 Apfelringe auf einen Blech nebeneinander zum Trocknen im Ofen liegen. Schluss damit. Wenn schon im Ofen, dann richtig. Dazu braucht ihr kein Blech, sondern das Ofenrost, wenn möglich sogar zwei oder drei davon.

Keine 5 Minuten und 50 Äpfel waren fertig zum Dörren.
Happy-Food: Apfelspiralen nach dem Dörren im Ofen.
Ordendlich geschrumpft: Die Apfellocken
Viele Streuobst-Apfelsorten behalten beim Trocken ihre
schönen Farben, ganz ohne Zitronensäure.
Als sehr praktisch hat sich hier ein  Apfelspiralschneider* entpuppt,  ein wirklich tolles Gerät: die Kinder essen doppelt so viele Äpfel in der Hälfte der Zeit. Der entkernt euch den Apfel und schneidet ihn in einheitlich dicke, gut zu trocknende Spiralen, die man mit einen Schnitt in Ringe aufteilen kann, wenn man das möchte. Wer das Gesündeste, die Schale, auch noch entfernt haben möchte, für den erledigt das der Apfelspiralschneider gleich mit.
Jetzt geht´rund: Kurbelt. Dann nehmt ihr das Gitter in eurem Ofen, "bockt" es mit vier Tassen auf dem Tisch und hängt die Äpfel ins Gitter. Immer zwei Apfel-Spiralwindungen zwischen zwei Gitterstäbe (wie im Titelbild des Beitrags). Weiter auseinander wäre Platzverschwendung, dichter geht auch nicht, da die Äpfel sonst schlecht trocknen. Schön Apfel an Apfel setzten, das ganze Gitter voll. Wenn ihr einen Nachbarn habt, der zufällig ein zweites passendes Gitter besitzt, und vielleicht noch einen dritten Nachbarn mit noch einem passenden Ofenrost für euren Herd, dann bekommt ihr mit einer Ofenladung 40-60 Äpfel je nach Größe zeitgleich getrocknet! Dann lohnen sich die 50-60 Grad über mehrerer Stunden im Ofen ...eigentlich auch unnötig. Backt Plätzchen! Dann nutzt zum Dörren die Nachwärme des Ofens. Nach drei Plätzchenladungen an drei hintereinanderfolgenden Tagen sind auch die Apfelringe fertig -  zusammen mit sämtlichen Plätzchen für die Adventszeit. Weihnachten kann kommen. Sehr entspannt. Sehr ökologisch. Sehr nachhaltig. Mich mach das glücklich.

Als Tipp: Man muss etwas vorsichtig sein, wenn man die getrockneten Apfelspiralen vom Gitter löst. Sie zerbrechen schnell, wenn sie knochentrocken geworden sind. Am Besten die Äpfel während des Dörrens immer mal wieder am Gitter etwas bewegt, damit sie nicht festbacken.

Die Apfelspiralen am Stück sehen übrigens wirklich chic aus und sind ein super schönes selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk - natürlich in einer schönen, jahrelang wiederverwertbaren Keksdose. Klar solltet ihr dafür dörrtaugliche Apfelsorten verwenden, viele der alten Sorten sind anno dazumal eigens zum Dörren gezüchtet worden (Orleonsrenette, Hauxapfel oder Glockenapfel, um nur drei von 2000 zu nennen) und behalten, wie man auf den Fotos sehen kann, ihre Farbe.  Zur Not eigenen sich auch  regional angebaute, dieses Jahr geerntete Boskop-Äpfel.

Zabergäurenette, Winterprinz und Co. Die alten Apfelsorten haben nicht nur tolle Namen,
sondern auch tolle Eigenschaften.

Dörrautomat ja oder nein?

Brauch man einen Dörrautomat? Nö. Euch den Apfelschneider zu empfehlen ist mir eigentlich schon 100 % Konsum zu viel, denn es tut auch ein Messer. Aber ich habe das Ding mal geschenkt bekommen und  habe mich diesen Herbst damit bestimmt schon zweimal um die Welt gekurbelt. Ich nutze es wirklich fast jeden Tag. Ein guter Vorsatz fürs nächste Jahr: WENIGER konsumieren! Im Zweifelsfall also nicht kaufen. Weder Spiralschneider, noch Dörrautomat. Die Äpfel schmecken saftig ohnehin am besten und sind auch viel gesünder so. Ich braucht aber eine Alternative für die "Karoffel-Chips-o-Manie" meiner Jungs. Apfelringe sind eine wirklich gute Alternative.

Dem digitalen Overflow entgegnen

So, nachdem wir nun Apfelchips zum Knuspern haben, kommt nun auch die Antwort auf die Frage: Was tue ich? Ich lebe - und ich tue es wirklich, nicht am Bildschirm, sondern bewusst, präsent, relativ frei von PC, Handys und technischem und digitalen Overflow. Mal wieder 100% mit Kopf, Körper und Seele bei einer Sache sein. Etwas, dass sich in unserer Gesellschaft als echte Herausforderung entpuppt. Mein täglicher Spießroutenlauf.

Wirklich Entschleunigung

Es tut gut sich den Luxus zu erlauben gewissermaßen technisch aus dem Mainstream auszusteigen, wieder den Menschen direkt in die Augen zu schauen und nicht mit dem Kopf in der Hosentasche zu stecken und sich zu fragen, ob der Vibrationsalarm nun wirklich das Wort "Alarm" verdient hat. Entschleunigung. Doch, doch, ich schreibe nach wie vor E-Mail und nutze das Internet. Aber in Maßen. Eine Stunde am Tag - Maximum. Am Wochende versuche ich es ganz zu vermeiden. Wieder mehr Bewusstsein für den Tag, mit Herz und Geist bei der Familie. Machst du eine Tür zu, öffnen sich drei neue.

Zeit der Reflexion

Es ist viel passiert, das mir zu denken gab, privat ebenso, wie weltpolitisch. Und ich nahm mir etwas heraus, das heute nicht mehr selbstverständlich ist: Ich nahm mir die Zeit, das alles zu reflektieren, daraus für mich persönliche, konkrete Schlüsse zu ziehen, zu hinterfragen und zu überlegen, wie diese Erkenntnisse wirklich in meinem Alltag zum Tragen kommen und nicht einfach als Gedankenfetzen verhallen. Das Fazit: Entschleunigung. Wirkliche Entschleunigung. Nicht dieser "Work-Life-Balance"-Hype. Nicht das  X-Angebote von Dienstleister Y, der mir "werde-zum-Guru-trotz-einer-88h- Arbeitswoche-und-das-in-13,5min-für-nur-340,98 Euro-und-wenn-du-dich-die-nächsten-24h-entscheidest-zahlst-du-10%-weniger-und-wirst-die-nächsten-180Wochen-täglich-dreimal-gratis-mit-unserem Newsletter-erschlagen-der-dir-zeigt-wie-du-mehr-Zeit-im-Alltag-für-dich-findest". Stopp!

Schalt ab!

Echte Entschleunigung. Das bedeutet mehr Menschlichkeit, mehr Zeit, mehr Wärme, mehr achtsamer Umgang - viel mehr. Sehr viel mehr! Mit allem, vor allem mit der eigenen Familie, mit Kindern, Freunden, Mitmenschen und mit sich selbst. Mit Ressourcen, der Natur, mit dem, was man ohnehin besitzt. Nichts, das man für Geld kaufen kann. Ja, so ein Pech. Ich könnte ein Seminar dazu anbieten und reich werden, aber dann wäre ich nicht besser als Dienstleister Y....paradox. Es bedeutet Sachen direkt abzuschalten, nicht erst noch 10 anderen Sachen anzufangen, die einem zeigen sollen, wie man abschaltet, nur um dann herauszufinden, dass man dem Burnout längst erlegen ist, noch bevor man bei Sache 5 angekommen ist. Im Grunde weiß man es doch.  Nur der Mut fehlt. Macht einfach - beziehungsweise macht weniger! Viel weniger. So einfach. Kostenlos.

Weniger Konsum macht glücklich

Die Frage nach dem "brauche ich das wirklich?" stellte ich mir anfangs ganz bewusst jeden Tag, genau so, wie die Frage nach dem "macht mich das wirklich langfristig glücklich?" Und man ist überrascht, wenn die Antwort so oft "nein" lautet. Es wird mit der Zeit besser. Man verinnerlicht diese Art zu denken. Man stellt fest, dass man gar nicht viel benötigt, um glücklich zu sein. Dann stellt man sich diese Fragen nicht mehr täglich, sondern wöchentlich - irgendwann monatlich. Jetzt zu Weihnachten stelle ich sie mir bewusst wieder täglich. Und die Antwort lautet weiterhin sehr oft "nein". Dann lächele ich. Ich bin glücklich. Weniger Konsum ist die Folge. Mehr Bewusstheit. Viel mehr Ruhe und Gelassenheit. Ich habe mehr gewonnen, als ich zurückgelassen habe. Und dann ist es auch nicht mehr schwer, für die Dinge, die man wirklich benötigt, wieder etwas mehr auszugeben (auch wenn man nicht viel hat), dafür aber qualitativ Hochwertiges und Nachhaltiges zu kaufen.  Erstaunlicher Weise war das Erste, das ich mir unter diesem Aspekt neu zugelegt habe, eine handgeschmiedete Sense aus Österreich. Ja, da musste ich selbst drüber schmunzeln. Aber die Sense macht mich glücklich.Verrückt.

Ein selbstgewickelter Korb voll selbst gesammelter Streuobstäpfel. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.

Entdigitalisiert gegen den Mainstream der Gesellschaft

Leben kann man nicht am PC und auch nicht davor, nicht am Handy, an keinem Display dieser Welt, nur im mitmenschlichem Umgang, im täglichen Tun. Klingt ein wenig nach Mutter Theresa. "Du willst die Welt retten?", stellt  neulich mal ein Freund von mir fest. Hm. Wenn man es so sieht....vielleicht. Wenn es mir gelingt...warum nicht? Mein vorrangiges Ziel ist das aber nicht. Sondern das Ziel gilt eigentlich mir und meiner Familie selbst:  Mehr im Hier und Jetzt, mehr Zeit, mehr soziale, direkte Qualität. Es ist mal wieder paradox. Gleichzeitig leben wir in einer vernetzen, schnellen, oberflächlichen Ich-Welt, englisch "I"...wo das überall drin steckt.... I-Phone, I-Pad, I-solation. Bezeichnend. Es gibt dazu ein schönes youtube-Video:  Look up von Gary Turk. Das ist das englische Original, irgendwo gibt es auch eines mit deutschem Untertitel. Fast 60 Millionen Mal wurde es angesehen. Ob 60 Millionen Menschen danach wirklich das Handy weggelegt haben? Dauerhaft? Oder ob sie wieder vom digitalen Mainstream der Gesellschaft verschluckt wurden? Fünf Minuten können dem Leben einen neuen Impuls geben, aber im Leben selbst wird sich zeigen, ob der Impuls verhallt oder zu einem wirklichen Lebenswandel führt. Ich habe es geschafft. Seit fast einem Jahr habe ich das Bloggen ruhen lassen können, hab entspannt die sinkenden Besucherzahlen beobachtet. Anfangs war ich etwas traurig, aber dann sieht man, das Klickraten eben nicht alles sind, vor allem nicht in einen Blog wie diesem, der nicht aufs Geld verdienen ausgelegt ist, eigentlich auch nichts verkaufen möchte. Die Klickrate ist dann die einzige Messlatte. Um so schwerer ist es, sich davon zu verabschieden, auch mal Dinge zu tun, ohne sich zu vergleichen. Plötzlich fühlt man sich wieder wie ein Astronaut in der Schwerelosigkeit. Alles wird viel leicher....natürlich hat man bei so viel Leichtigkeit erst mal mit der Orientierung zu kämpfen. Doch es gelingt. Wirkliche Entschleunigung bedeutet, man muss erst mal eine Tür zu machen, dann öffnen sich drei neue.

Daher ist es hier 2016 still gewesen. Ich werde auch weiter bloggen, wenn ich die Muse dazu habe. Im Moment erfordert die reale Präsenz meine ganze Aufmerksamkeit :). Aber alles hat eben seine Zeit.

Apfelbohrkern-Tee - Resteverwertung der Apfelringe

Und was machen wir zum Abschluss mit den ausgestochenen Apfelgehäusen von unseren Apfellocken? Tee aus "Apfelbohrkernen": einfach 4-5 der ausgestochenen Apfelkerngehäuse  in eine Teekanne geben, heißes Wasser drauf und 5 min ziehen lassen. Wer möchte gibt noch Honig hinzu oder einen Schuss Apfelsaft. Der Tee schmeckt auch kalt gut. Vielleicht denkt ihr bei einer Tasse ja darüber nach, was ihr in eurem Leben ändern wollt, um glücklich zu sein. Eines kann ich euch versprechen: Es wird erst mal nichts sein, was ihr kaufen könnt, sondern etwas, das ihr euch nehmen müsst und dürft: Zeit. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine besinnliche Adventszeit.
"Apfelbohrkern-Tee" - als Resteverwertung der ausgestochenen Apfelgehäuse . Schmeckt auch kalt
und lässt sich bei Bedarf mit einen Schuss Apfelsaft süßen.