Samstag, 9. August 2014

Ohne die Kornelkirsche wäre die Geschichte Roms wahrscheinlich eine andere

Na gut, der Titel dieses Threads ist eine mehr als gewagte These. Dennoch ist der gelbe Hartriegel, die Kornelkirsche oder im Lateinischen Cornus mas, ein Busch, der maßgeblich seinen Teil zur römischen Geschichte beigetragen hat. Der Legende nach steckte der Gründer Roms, Romulus, den Grundriss seiner Stadt mit Holzstäbe aus Hartriegelholz ab. Die römische Armee hätte ohne ihren Lanzen sicherlich die eine oder andere Phalanx nicht halten können, aber die Lanzenschäfte waren hart wie Eisen und nur äußert schwer zu brechen: Sie waren aus Cornus mas gefertigt, einem der härtesten Hölzer Europas, so schwer und kompakt, dass das Holz nicht schwimmt!
Die Lanzenschäfte der römischen Soldaten wurden oft aus dem äußerst stabilen Holz des Hartriegels gefertigt.

Woher der Hartriegel seinen Namen hat

Cornus mas bedeutet übersetzt so viel wie "Horn des Bocks" und deutet darauf hin, dass die Härte des Holzes mit der Härte von Gehörn und Geweih vergleichen wurde.  Sigmund Freud würde mas mit "männlich" oder "Mann" übersetzten und das "männliche Horn" in einen ganz anderen Kontext setzten...wie auch immer. Genutzt wurde das gut polierbare Holz der Kornelkirsche nicht nur von den Römern, sondern auch von unseren deutschen Vorfahren für Leitersprossen, Spazierstöcke, Werkzeugstiele und tatsächlich auch als Türriegel. Von den harten Eigenschaften des Holzes her muss ein solcher Riegel vor der Tür wie ein Sicherheitsschloss gewirkt haben, denn so ausgestattete Tore, waren nicht einfach einzutreten. Daher wurde Hartriegelholz häufig als Riegel für Stallungen genutzt.

Kornelkirschen waren früher ein gängiges Obst, heute wird sie verkannt

Die Kornelkirsche war früher ein gängiger Obststrauch. Dieses Wissen ist heute so weit in Vergessenheit geraten, dass ich schon häufiger auf den Spielplätzen dieser Welt erlebt hatte, wie Mütter ihre Kinder vor dem Verzehr der Früchte warnten: "Die sind giftig!" Aber das ist Unsinn. Natürlich sollte man seine Kinder aufklären und ihnen einbläuen vor dem Verzehr von Beeren immer einen Erwachsenen zu fragen, ob man die essen kann. Aber wenn man nicht weiß, ob Beeren essbar sind oder nicht, warum kann man das den Kindern nicht auch so sagen: "Schatz, ich weiß nicht ob man diese Beere essen kann. Lass es lieber!" Pädagogisch wertvoll wäre der zusatzt "Lass uns den Zweig nach hause mitnehmen und gemeinsam nachschauen was das ist und ob man das essen kann." Doch so bürgert sich ein völlig falsches Wissen in den Köpfen zukünftiger Generationen ein.
Kornelkirschen sind die leckeren, gesunden Früchte des gelben Hartriegels Cornus mas.

Der gelbe Hartriegel mit den roten Früchten ist lecker und gesund

Tatsächlich ist die Kornelkirsche ein wahres Gesundheitspaket - neudeutsch würde man es schon fast als Super Food bezeichnen. In reifen Beeren stecken verschiedenste Zucker, dazu eine ganze Liternei an B-Vitaminen, reichlich Vitamin C und Vitamin E. Auszeichnen tut sich die Kornelkirsche durch ihre Gerbstoffe, die organischen Säuren, Anthozyane und Flavonoide, dazu Verbenalin, Rutin, Ellagsäure und jede Menge Mineralstoffe in einer für uns sehr guten Zusammensetzung. Die Kornelkirsche ist blutreinigend, entzündungshemmend und ein Vitaminspender. Hildegard von Bingen empfahl sie bei krankem und schwachem Magen. Auch bei Durchfall, chronischen Darmerkrankungen und bei Fieber wurden die Früchte therapeutisch in der Volksmedizin eingesetzt. Von wegen giftig.

Rinde und Blätter gegen Durchfall und Ruhr

Auch die Rinde und die Blätter des gelben Hartriegels waren Bestandteil alter Heilrezepturen gegen Gastritis, Fieber, Ruhr und Durchfall. Dafür wurde 1 TL Rinde, Laub oder Knospen mit kaltem Wasser aufgegossen und gekocht. Nach 10 min Ziehzeit konnte der Tee getrunken werden. Kornelkirschenmarmelade schmeckt aber besser :-).

Der rote Hartriegel mit den schwarzen Früchten ist ungenießbar

Die Früchte des roten Hartriegels,
Cornus sanguinea, werden
schwarzblau und sind NICHT essbar.
Ungenießbar ist der rote Verwandte des gelben Hartriegels: Cornus sanguinea. Seine schwarzblauen Steinfrüchte wurden getrocknet zu Mundwässern zum Gurgeln verarbeitet, einen starken Aufguss aus der Rinde des roten Hartriegels wurde auch eingesetzt,  um Hunderäude zu behandeln. Die Früchte von Cornus sanguinea sind nicht essbar, was sehr schade ist, denn auf den roten Hartriegel trifft man viel häufiger. Wahrscheinlich wird er Landschaftsplanern lieber angepflanzt, weil die Früchte länger am Busch bleiben und somit eher von Vögeln gefressen werden, als einen matschigen Belag auf dem Bürgersteig zu produzieren. Was die Vögel freut, ärgert mitunter den Unkrautgourmet, denn der würde die roten Beeren bevorzugen.

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