Sonntag, 3. August 2014

Wilder Majoran, echter Majoran, Dost und Oregano - wer ist was?

Ein großes Verwirrspiel herrscht um die Trivialnamen wilder Majoran, echter Majoran, Dost und Oregano. Was ist nun was? Ihr wisst es? Seid Ihr Euch sicher? Ganz sicher?  Die Botaniker haben es da einfacher: Sie nutzen die lateinischen Namen und damit ist dann schnell alles klar.

Hinter Origanum vulgare verbirgt sich der Dost, der wilde Majoran und meistens das Oregano in der Küche

Origanum vulgare - der Dost blüht lila
Im Althochdeutschen war "Dost" auch ein Begriff für Büschel, so das anzunehmen ist, dass man dem Dost seinen Namen aufgrund der in Büscheln zusammenstehenden Blüten gegeben hat.
Der lateinische Beiname deutet schon darauf hin, dass er "vulgare",  "gewöhnlich", also recht häufig anzutreffen ist.
Da meist Köstergärten ihn als Heilpflanze und Würzkraut verwendeten und ihn die Mönche und Nonnen mit dem lateinischen Namen ansprachen hieß er "Origanum". Dann schaffte das Kraut den Sprung in die Volksküchen und aus dem  "Origanum" wurde im Sprachgebrauch das "Oregano". Bis hier ist alles gut. 1753 brachte Carl von Linné mit seiner botanischen Nomenklatur Ordnung ins Pflanzenreich. Diese war ursächlich für das Durcheinander unter den volkstümlichen Begriffen, denn seither zählt, wissenschaftlich sortiert, auch der echte Majoran unter diese Gattung. Dazu gleich mehr.
Der Trivialname "Wilder Majoran" nimmt Anklang an den echte Majoran, die eben beide aus der Gattung Origanum kommen, soll heißen, es gibt einen echten und einen "falschen" Majoran. O. vulgare ist der "falsche" oder netter ausgedrückt der "wilde".
Lustig wird es, wenn man sich anschaut, welche Trivialnamen der Dost so hat: 
  • Badkraut
  • Berghopfen
  • Bergmime
  • Lungenkraut ( hier gibt es eine ganz andere Pflanze die mit gleichem Namen bezeichnet wird)
  • Frauendost
  • Wohlgemut
  • Echter Dost (das ist sehr lustig, denn dann müsste logischerweise der echte Majoran "wilder Dost" heißen)
  • Gemeiner Dost  (das entspricht dem Artnamen "vulgare" noch am ehesten.)
  • Dorst 
Tatsächlich findet sich unter "Oregano" bei Wikipedia der Dost. Vor allem, weil dort unter "Art" der Trivialname "Oregano" aufgeführt ist, was natürlich wissenschaftlich nicht korrekt ist, denn der lautet ja "vulgare".

Origanum majorana ist der echte Majoran

Origanum majorana - der echte Majoran
blüht weiß. Gefunden bei Pixabay unter dem
Begriff  "Oregano"
Da ist er, der echte Majoran und dieser trägt im lateinischen neben dem Namen für die Gattungsbezeichnung "Origanum", die Artbezeichnung "majorana". Der echte Majoran ist also die Art, während man mit Oregano die darüberstehende Gattung bezeichnet, was den Dost mit einschließt. Und genau das hat zu dem bunten Durcheinander geführt. Alles über einen Kamm zu scheren ist also nicht immer sinnvoll und Trivialnamen sind schon manchmal ziemlich schlampig, vor allem wenn man sich die Volksnamen anschaut, unter denen der echte Majoran zu finden ist:
  • Badkraut (ja welches meint man denn nun? Vielleicht doch den Dost?)
  • Gartenmajoran
  • Majorankraut
  • Wurstkraut (sehr schön, das ist doch mal anschaulich)
  • Kuttelkraut (weniger appetitlich)
  • Kranzkraut (weil es früher viel in den Kräuterbüscheln verwendet wurde - genauso wie der Dost)

Wo Oregano drauf stehen, ist nicht immer Oregano gemeint

Tatsächlich nutzen die Italiener als "Oregano" eher den echten Majoran. Und schon ist das Durcheinander perfekt. Im Biologiestudium stöhnen die Studenten oft, wenn sie all die vielen lateinischen Namen lernen müssen, aber bei manchen Pflanzen würde die Verwendung des lateinischen Namens sogar in diversen Kochbüchern hilfreich sein, denn da wo "Oregano" steht und man Dost einsetzt, lohnt es sich oft, einmal das echte Majoran zu verwenden. Der eine oder andere wird hin und wieder dann ein "Aha"- Effekt erleben.
Warum dieser Artikel? Seht Ihr beim Rezept wilder Dost mit domestiziertem Huhn  - dem echten Dost. Und nun wisst Ihr auch, nach was Ihr Ausschau halten könnt.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Erklärung, ich dachte bisher wirklich das ist ein und dasselbe :)

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  2. Anscheinend hast du einen Fehler in Wikipedia bemerkt und stellst diesen nun in diesem Artikel richtig. Dazu zwei Bemerkungen. Erstens ist Wikipedia eine offene Enzyklopädie und kann durch jeden bearbeitet und verbessert werden. Es wäre schade, wenn du diese Möglichkeit nicht ergreifst. Zweitens wäre es insgesamt nett und auch angebracht, wenn du deinen Artikel mit Quellen belegen könntest, so auch die Behauptung, dass Wikipedia falsch liegt. Dein Wissen zu diesen Themen kommt ja schliesslich auch von irgendwoher und basiert vermutlich nicht auf eigener Grundlagenforschung. All das soll nicht davon ablenken, dass solche Blogs wie deiner eine Bereicherung für das Internet sind. Wäre einfach schön, wenn nur schon die wichtigsten Grundregeln wissenschaftlicher Arbeit eingehalten würden.

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    1. Lieber Viktor,

      Danke für das Lob bzgl. "Bereicherung".
      Bitte bedenke bei deinem Wunsch nach wissenschaftlichen Grundregeln, dass dies ein rein privater Hobbyblog ist und (zu meinem Glück) keine wissenschaftliche Abhandlung, kein offizielles Nachschlagewerk und keine naturwissenschaftlich arbeitende Plattform wie "Spektrum der Wissenschaft" oder Nature, sonst müsste ich in der Tat solche Quellennachweise führen. Selbst Geo hat keine Quellennachweise, nur die Namen der Autoren. Ich schreibe hier zum privaten Vergnügen, bzw für die Küche, nicht für die Wissenschaft. Mein botanisches Wissen lasse ich mit einfließen, als "Sättigungs-Beilage" für Wissbegierige, wenn man so will. Wer eine Quellenangabe möchte, darf mich gern zu den einzelen Artikel anschreiben, ich werde diesen Mehraufwand dann aber in Rechung stellen.

      Ursprünglich war der Blog als reine private Rezeptesammlung gedacht. Viele hundert Zettel auf denen ich Rezepte kritzelt hatte, sind hier eingeflossen. Diese gebe ich unbezahlt frei und darin stecken viele, viele Stunden. Mit der Listung der Quellen würde das doppelte an Zeit hinzukommen - ich mache ja reichlich Tippfehler und lese mittlerweile 4 Mal drüber und find doch nicht alle. Ich schreibe aus lauter Liebe zur Natur und freue mich immer, wenn andere sich darüber auch freuen. Um mehr geht es mir nicht.

      Ich will deinem Hinweis aber Rechnung tragen und habe den Artikel zugunsten Wikipedia etwas geändert. In Wikipedia schreiben sehr viele Autoren mit. Der Artikel wurde seid der Veröffentlichung meines eigenen Artikels schon mehrfach umgeschreiben! Da kann ich nicht mithalten. Hier schreibe nur ich. Klar könnte ich mich nun dran setzten und bei Wikipedia mitwirken, aber das würde noch mehr meiner Zeit verschlingen, weil ich mich erst mal in die Wikipedia-Autorenseiten einlesen und mich ins System einfinden müsste, wahrscheinlich müsste ich noch irgendwo nachweisen, dass ich ich bin, ich würde Korrekturen meiner Tippfehler bekommen die ich bestätigen müsste und das ganze wieder neu eistellen usw - Zeit, die ich einfach nicht aufbringen kann, Zeit die ich lieber damit verbringe Groß und Klein auf der Wiese zu zeigen, das eine Butterblume vieles sein kann - vom essbaren Taraxacum officinale bis zum giftigen Ranunculus acris. Ich könnte mich ehrenamtlich in Vollzeit der Gesellschaft verschreiben und mich voll und ganz für sie aufopfern, aber ich versuche schon mitzuwirken, das Streuobstwiesen und Ackerunkräuter erhalten bleiben, die Kinder eine Amsel von einer Drossel unterscheiden lernen und überhaupt mal wieder raus gehen, also nur vor dem PC zu sitzten. Das digitale Feld "Wikipedia" und das professionelle Bloggen überlasse ich anderen. Ich kann einfach nicht mehr.

      Ich wolle auch nicht irgendwas behaupten, sondern zeigen, wie Trivialnamen zu Verwechslungen führen. Und nun für dich mit Quellenangabe: Im "Schmeil,Fitschen - Flora von Deutschland und angrenzender Länder, 89. Ausgabe" findest du unter "Origanum L., Dost" die "ssp. vulgare" und die "ssp. prismaticum". Letztere ist also auch "Origanum vulgare" - deutscher Trivialname: "WinterMAJORAN", nicht etwa, wie es logisch wäre, "Winteroregano". Dabei steht "Origanum vulgare prismaticum" unter "Dost". Wieder so ein Beispiel wie die Begriffe der Trivialnamen durcheinander gewirbelt werden und Verwechslungen zustande kommen. Und um das Chaos perfekt zu machen: Echter Majoran wurde von Linne als "Origanum majorana" beschrieben. Nach Moench heißt er "Majorana hortensis" (ebenfalls im Schmeil, Fitschen - Flora von Deutschland und angrenzender Länder, 89 Ausgabe"; "W. Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland Gefäßpflanzen: Atlasband 3 , 9. Auflage")...in der Küche spielt das keine all zu große Rolle: Pizza schmeckt auch mit Majoran gut, auch wenn die Italiener nun den Kopf schütteln.

      Ich wünsche dir einen schönen Feiertag.
      Liebe Grüße aus den Nesseln
      Sindy

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