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Donnerstag, 4. Mai 2017

Heferose mit Knoblauchsrauken-Pesto

Mal wieder Unkraut essen und promt versalze ich doch das Knoblauchsrauken-Pesto. Küchenunfälle passieren gelegentlich. Für ungesalzene, gekochte Nudeln taugt das Pesto zwar wunderbar, nur dummer Weise hatte ich über einen halben Liter Pesto versalzen. Was nun? So viele Nudeln kann man ja gar nicht mit Pesto essen. Doch all die schöne verarbeitete Knoblauchsrauke wegzuwerfen, wegen einen Löffel Salz?  Außerdem lässt sich Salz an andrer Stelle sparen, wenn man selber backt. Ein salzfreier Hefeteig ist schnell gemacht und schon hat man wieder ein neues Rezept....oder ein altes, nur den Bedürfnissen angepasst.

Ein simpler Hefeteig - aufgewertet mit Pesto aus Knoblauchsrauke und nett zurechtgeschnitten:
Unkrautküche kann so einfach und lecker sein.

 

Zutaten für die Heferose mit Knoblauchsrauken-Pesto

Pesto von der Knoblauchsrauke -
nicht schlimm wenn es mal
zu salzig wurde. In diesem Rezept
findet sie ihren Platz.
  • 200 g Pesto von der Knoblauchsrauke (auch das versalze)
  • 500 g Mehl
  • 1 Päckchen Trockenbackhefe
  • 300 ml warmes Wasser
  • 1 TL Salz (oder 2 TL, sollte das Pesto nicht versalzen sein)
  • optional: 125 g Schinken 




Zubereitung

Hefeteig ausrollen und mit Pesto besreichen.
Schickenwürfel kann man optional zufügen.
Mehl mit Hefe, Salz  und Wasser zu einem Hefeteig verkneten. Der Teig sollte nicht mehr kleben. Wenn nötig, noch etwas Mehl zufügen. Zugedeckt an einen warmen Ort aufs doppelte Volumen aufgehen lassen. Dann noch einmal kurz durchkneten, zu einen Rechteck ausrollen, mit Pesto bestreichen und wer möchte, fügt noch gewürfelten Schinken hinzu. Das Rechteck von der schmalen Seite her aufrollen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und zu einen Kreis winden. Diesen im Abstand von etwa 3 cm  Breite etwa zu 4/3 einschneiden, so dass die Stücke in der Mitte alle noch miteinander verbunden sind (siehe Bild unten). Dann die einzelnen Stück zur Seite kippen und noch mal 30 min gehen lassen. Den Kranz mit Olivenöl bestreichen (ich hab das dieses Mal nicht gemacht) und im vorgeheiztem Backofen bei 220 Grad 20 min goldbraun backen.

So ungebacken sieht er noch nicht wirklich lecker aus....
...nach 20 min im Ofen macht der Knoblauhcsrauken-Pesto-Kranz eine viel besserer Figur -
jedenfalls auf dem Tisch...vom Kaloriengehalt sprechen wir besser nicht.

 

Variationsmöglichkeiten ohne Ende

Natürlich lässt sich statt eines einzigen Kranzes auch einzelnen Schnecken aus der Teigrolle schneiden, die Schnecken als Rose in Muffinförmchen backen, zu mit Pesto gefüllten Taschen verarbeiten usw. Einzig die Backzeit muss dann etwas angepasst werden, da kleine Stücke deutlich schneller gut sind.
Man kann noch gehackte Nüsse, Brennesselsamen oder Emmentaler Käse zufügen, den Kranz mit Käse überbacken, nach dem Backen mit einer Knoblauchzehe abreiben, Knoblauch unter das Pesto mischen oder Giersch :). Wer keine Knoblauchsrauke hat, macht das Pesto mit Brennnesseln und  mörsert eine Knoblauchzehe darunter. Wer auf den würzigen Geschmack von Giesch gekommen ist, der verwendet hier Gierschpesto - das behält beim Backen auch weitgehend das Aroma bei.  Giersch ist ohnehin ein super Würzkraut. Wildkräuter sind unverwüstlich und machen ziemlich viel in der Küche mit. Es ist also alles kein Hexenwerk. Nur Mut.
Das Auge isst mit: So eine Heferose macht sich auf jedem Grillfest gut. Mit Knoblauchstrauke ist sie
dann auch ein echtes Wildkräuter-Highlight.

Ist Knoblauchsrauke zur oder nach der Blüte auch noch essbar?

Immer wieder werde ich gefragt, ob man Knoblauchsrauke auch zur Blütezeit oder danach noch verwenden kann. Dann kommt jenes berühmte "ja, aber". Vorneweg:  Ja! Knoblauchsrauke kann man wie Bärlauch auch auch zur oder nach der Blüte noch essen - ABER: ein Großteils des Geschmacks ost dann weg, denn mit der Blüte fließen die  Inhaltsstoffe der Pflanze in die Blüte und die darin in  Entwicklung befindlichen Samenanlagen. Die Blätter haben zu diesem Zeitpunkt ihre Schuldigkeit getan, und sind zweitrangig geworden. Mit der Reife der Samen sterben die krautigen Pflanzen ab, für die Blätter bedeutet das quasi "Herbstzeit", auch wenn wir selbst mitten im Sommer stecken. Dennoch bleiben sie natürlich essbar, auch wenn sie faserig werden und nicht mehr so zart sind. Es gibt nur wenige Pflanzen, die mit der Bildung der Blüte wirklich giftig werden. Das Scharbockskraut gehört hier dazu.
Den Geschmack hat die Knoblauchsrauke als Kreuzblütler von den Senföl-Glykosiden zu dem das in ihr enthaltene  Sinigrin zählt. Singrin findet sich z.B. auch im schwarzen Senf. Jetzt wird der eine oder andere wahrscheinlich gleich ein A-Ha-Erlebnis haben: Beim Senf isst man die Körner, also die Samen. Die schmecken nämlich beim Senf wirklich scharf. Die Blätter eine Senfpflanze hingegen schmecken eher lasch, weshalb sie auch kaum Verwendung in den Küche finden.  Und nun dürft ihr weiter kombinieren und sicher kommt ihr auf die richtigen Schlüsse: Tatsächlich schmecken zur Blütezeit die Blüten der Knoblauchsrauke deutlich schärfer als die Blätter ! Und denkt noch weiter! Richtig!  Nach der Blüte lassen sich die Samen im Prinzip wie einheimischer Pfeffer verwenden, denn auch sie sind im ausgereiften Zustand richtig pfeffrig-scharf. Probiert es aus! In etwa  3-5 Wochen dürften die Samen der Knoblauchsrauke zumindest bei uns an der Bergstraße bereits reif sein. 2/3 der Samen sollten allerdings stehen bleiben und der Aussast dienen, damit man auch im nächsten Jahr wieder Freude an der Knoblauchsrauke hat, denn sie ist einjährig und auf die Samen angewiesen!
Fazit: Dennoch bleibt die ganze Pflanze die ganze Saison über essbar. Ein grünes, gesundes leicht bitter-würziges Pesto ergibt sich also allemal - ohne Blüten vor der Blüte, mit Blüten zur Blüte, und ergänzt mit Samen, sollte man nach der Samenreife noch Pesto übrig haben. Man kann Knoblauchsrauke also bedenkenlos essen - immer. Und gesund ist sie: antiasthmatisch, schleimlösend, antiseptisch und harntreibend - aber nur in rohem Zustand. Gekocht oder gebacken löst sich das Knoblaucharoma regelrecht in Luft auf. Es verflüchtigt sich. Daher spielt der Zustand der Pflanze in diesem Rezept eigentlich eine untergeordnete Rolle.  Selbstverständlich lässt sich mit dem frischen Roh-Pesto auch frisch gebackenes Brot bestreichen. Doch dieses Mal hatte ich genug Pesto, um es auch mal als Backzutat zu verwenden. Funktioniert wunderbar. Wem das Aroma zu wenig nach Knoblauch schmeckt, der mixt einfach noch 1-2 Knoblauchzehen unter das Pesto. Einzig zu alte Blätter werden bei der Knoblauchsrauke dann doch irgendwann so faserig, dass man dann nicht mehr von Genuss sprechen kann. Ansonsten dürft ihr hier immer herzhaft zubeißen.
Minuten später war die Heferose aufgegessen. Bei drei Männern im Haus ist alles was Schinken
enthält ratz-fatz, auch wenn der in Unkraut eingebettet ist.

Montag, 29. Februar 2016

Brennnessel-Pesto mit Beifuß

Die Kunst eine rohe Brennnessel zu essen

Oh ja, ich esse Brennnesseln, reichlich und mit Vorliebe roh. Während beim erstem Satz die meisten Menschen die Augenbrauen hochziehen, fallen beim Wort "roh" oft die Kinnladen nach unten: "Wie zum Kuckuck kann man rohe Brennnesseln essen?"
Tatsächlich geht das mit einen blanko Brennnesselblatt, das man mal eben durchs Öl zieht. Mit so einer Ölschicht brennt nichts mehr. Gut kauen tut sein übrigens und auch die Schleimhäute im Mund kommen ganz gut mit den kleinen Brennhaaren zurecht. Mit so einen Ölmantel ist die Brennnessel also in ihrer ganzen Schönheit sogar salattauglich. Doch zugegeben: Beim ersten Biss in ein vollständiges Blatt ist einem schon ein wenig mulmig. Vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein unbenetztes Brennhaar...Weitaus ungefährlicher ist da das Brennnesselpesto, heute mit einer kleiner Geschmacksergänzung.
Da Brennnesseln gern flächendeckend oder zumindest büschelweise wachsen, lässt sie sich
bereits jetzt im Februar schon wunderbar ernten.
Ein tolles Gemüse - schmackhaft, gesund und unverwüstlich.

In Anbetracht der zarten Triebe meines Liebenlingsblattgrüns kann ich nicht widerstehen: Brennnessel! Hurra!  Da ich meine Bestände aber noch etwas schonen muss, wird das Pesto um den Beifuß ergänzt, der aktuell auch seine ersten Blättchen in den zaghaften Frühling steckt.

Zutaten fürs Brennnessel-Pesto mit Beifuß

  • Ein Büschel junge Brennnesseltrieben  (das sind ca 75-100g, fertig vorbereitet)
  • 10-20 Beifußblättchen, was man eben jetzt finden kann
  • 30 g Mandeln, gemahlen
  • 40 g Parmesan, geriebene
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer
  • Olivenöl 

Falls vorhanden, die groben Brennnesselstiele entfernen und die Brennnessel und den Beifuß kleinschneiden. Den Knoblauch durch die Knoblauchpresse drücken oder kleinschneiden. Wer einen Mörser hat, mischt nun alle Zutaten im Mörser zu einer Paste und fügt dabei so viel Öl zu, dass die Masse schön pastös wird.
Die schnellen, nicht italienischen Köche, können auch einen Pürierstab oder Mixer verwenden. Dann aber nur kurz pürieren, damit die Pflanzenteile nicht zu fein und suppig werden, sonst wird das Pesto zu matschig. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
In einem Schraubdeckelglas  mit einer Ölschicht bedeckt hält sich das Pesto gut 3 Wochen im Kühlschrank - aber wahrscheinlich wird es viel schneller gegessen.

Zart-würziger Beifuß und krautig-herbe Brennnessel, ein tolles Küchenduo.

Beifuß ist toll. Den werde ich Euch im Laufe des Jahres noch genauer vorstellen.  Doch nun gibt´s erst mal Abendbrot: frisches Brennnessel-Beifuß-Pesto auf frischen Baguett. Yummi.


Insekten im Februar beobachten leicht gemacht 

Uhi, fast wärs kein veganes Essen mehr gewesen. Unglaublich! Draußen hat es 3 Grad aber auf meiner 10 cm hohen Brennnessel sitzt bereits der erste Gast: die Raupe einer Achateule. Ich werde also etwas weniger Brennnessel räubern, damit der kleinen Raupe Nimmersatt die Nahrung nicht ausgeht.
Die Raupe einer Achateule jetzt im Februar auf einer Brennnessel.

Achateulen sind nicht selten. Sie gehören zu den unscheinbaren Abendfaltern, an denen die heimischen Wildvögel sich genüßlich tun. Die Raupen der Achateule fressen auch Löwenzahn, Salweide, Ampfer und noch so einige andere Gewächse, doch keines von denen ist schon so weit, wie die Brennnessel. Wer also erste Falterraupen beobachten möchte, sollte die Tage immer mal wieder auf die Brennessel gucken. Allein 22 Schmetterlingsarten nutzen die Brennnessel als Futterpflanze. Ich stehen also mit meiner Begierde für Brennnessel in einen wirklich harten Konkurrenzkampf :).

Mahlzeit. Brennnessel-Pesto mit Beifuß schmeckt köstlich als Brotaufstich oder zu Nudeln.


Mittwoch, 24. Juni 2015

Rosenblütenpesto aus Duftrosen

Die Rosenblüte neigt sich schon bald wieder dem Ende (jedenfalls die der Einmalblüher).  Zeit einen weitere zeitweiligen Abschied zu zelebrierieren und die Rosenblüten zu nutzen, die nun an den Blütenstielen hängen, aber nicht mehr so recht erblühen wollen. Sammeln sollte ihr die Blütenblätter bei strahlendem Sonnenschein, wenn der Duft am intensivsten ist. Auch mit dem Verarbeiten solltet ihr anschließend nicht lange warten, sondern Euch direkt ans Werk begeben.
Rosen zu Nudeln? Dieses Pesto schmeckt nicht nur auf Trentette fein.

Für Rosenblütepesto eignen sich rote Duftrosen besonders. Ich hab leider nur  -ich nehme mal an - eine Albertine in Rosa  gefunden und ein paar rote Blütenblätter der Optik wegen zugegeben. Es gibt noch ein paar Tricks den Rosenduft zu intensivieren, doch zuerst das Rezept.

Zutaten für Rosenblütenpesto
Klassische Pesto-Zutaten, nur dass die Pinienkerne durch
Mandeln und ein Großteil des Basilikums durch Duftrosen
ersetzt wurde.

  • 1 große Handvoll Blütenblätter einer Duftrose (rot ist besonders schön)
  • 1 große Handvoll Basilikumblätter
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL geriebene Mandeln
  • 100 ml Olivenöl
  • 60 g Parmesan
  • 1 TL Meersalz
  • wenn nötig Rosenöl oder Rosenwasser (siehe unten)

Zubereitung: Pesto pronto mit dem Pürierstab

Normalerweise zermahlt man alle Zutaten sorgfältig im Mörser und fügt dabei immer mal wieder so viel Öl hinzu, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Jeder Italiener möge mir verzeihen und mal eben weggucken...Dieses Mal hab ich aus Zeitnot den Pürierstab gezückt und in einen hohen Gefäß alles mit einen Schlag durchgemix. Ging super schnell. Man muss ein wenig acht geben, dass die Konsistenz nicht zu musig wird, sonst sieht das Pesto nicht mehr wirklich appetitlich aus. Nun wird abgeschmeckt und bei Bedarf noch Salz zugefügt.
Rosenblütenpesto auf frischen Baguette oder als Dip für Gemüse oder Kräcker - natürlich
schmeckt es auch vorzüglich zu Nudeln.

Darfs etwas mehr Rose sein?

Die Geschmacksintenistät  nach Rose ist sowohl vom Wetter bei der Ernte als auch von der Rosenart abhängig. Ich hatte schon Rosenblütenpesto, das extrem nach Rose geschmeckt hat, so dass ich den Basilikum- und Käseanteil erhöhen musste, aber hatte auch schon welches gemacht, dass so gut wie gar nicht nach Rose mundete.  Hier kann man  im Pesto mit  1-2 Tropfen Rosenöl* oder 1-2 TL Rosenwasser* nachhelfen und den Geschmack intensivieren. Beides gibt es im Reformhaus oder im Internet. Rosenwasser ist weitaus billiger als Rosenöl. Bei letzterem muss man wirklich drauf achten, dass nur ätherisches Öl enthalten ist und keine Zusätze. Primavera hat, was Öle betrifft, zwar hohe Preise, aber auch einen exzellenten Ruf. Ich traue mich nur bei wenigen Anbietern die ätherischen Öle zum Aromatisieren von Gerichten einzusetzten, Primavera ist ein solcher.  Man muss das Öl aber wirklich extrem sparsam dosieren, damit das Pesto nicht zu "seifig" schmeckt. Rosenwassern ist, was die Intensität des Geschmacks betrifft, "harmloser", erhöht aber den Wasseranteil im Pesto. Wer sein Pesto umgehend verbraucht, den wird das nicht weiter stören. Wer es aber mit Öl bedeckt ein paar Tage im Kühlschrank lagern muss (weil er nicht alles aufessen kann oder auch weil er das Pesto verschenken möchte), der sollte lieber Rosenöl verwenden, denn ein zu hoher Wasseranteil senkt die Haltbarkeit. Rosenöl und Rosenwasser sind in ihren Fläschchen recht lange haltbar. Da habt ihr noch bis Weihnachten etwas von.
Im Kühlschrank mit einer Schicht Olivenöl übergossen halten sich Rest des Pestos etwa 3-4 Wochen. Aber lieber weniger herstellen und schnell aufessen.

Rosenblütenpesto schmeckt zu Nudeln, zu frischem Baguette und zu allerlei Fingerfood. Es ist mit Sicherheit ein Pesto, dass als Mitbringsel immer für Aufsehen sorgt und neugierige Blicke auf sich zieht. Die Rose ist eben edel. Aber ich bin der Meinung, dass man sich hin und wieder mal selbst mit solchen Leckerei verwöhnen darf  :-)

*beide Affiliate-Links führen Euch zu Amazon.


Zu schön zum Verschenken. Warum sich nicht mal selbst mit einen Rosenblütenpesto verwöhnen :-)

Samstag, 18. April 2015

Wochen-Spezial: Bärlauch-Haselnuss-Pesto

Es gibt gefühlte 2000 Varianten von Bärlauchpesto. Jeder hat seine "Geheimzutat", der eine schwört auf diesen Käse, der andere auf das Öl. Einfach und preisgünstig, aber vor allem regional und trotzdem lecker muss es für mich sein, deswegen stelle ich Euch eine mehr heimische Variation von Bärlauchpesto vor und verzichte auf teure Pinienkerne (die meist importiert sind) und greife lieber zu heimischen Nüssen: Mandeln aus der Region oder Haselnüssen von meinen Haselnussstrauch.

"Pesto regionale": heimischer Bärlauch und Nüsse aus der Region sind die Grundlage dieses
köstlichen Bärlauchpestos.
 

Kleine Anektote über Paleo-Ernährung und dem ökologischen Fußabdruck

Neulich hatte ich eine Unterhaltung mit einen Paleo-Esser, jene Menschen die Vorgeben sie würden sich wie in der Altsteinzeit erhären mit  guten Bio-Lebensmittel und natürlich nur beste Qualität. Irgendwann hab ich auf Durchzug gestellt. Mit dem aktuellen Paleo-Trend  - Steinzeitkost a la Cuisine - schießen wir uns ins ökologische Knie. Ich glaube nicht, das unsere Vorfahren in der Altzeit Kokosnüsse und täglich Fleisch gegessen haben. Die sind schön bei dem geblieben was vor der Haustür wuchs und sich fangen ließ. Da waren viele Tage in der Woche dabei, wo die Familie dank der Sammler nur von Grünzeug, Nüssen und Beeren überlebte. Nüssen! Nicht Kokosnüssen, sondern Haselnüsse! Mandeln und Walnüsse brachten erst die Römer mit nach Deutschland....jaja, die Römer leben NACH der Steinzeit. Eier? Täglich? Zeig mir einen Vogel der im November bei uns brütet....Eier gab es bestimmt auch nicht täglich. Dann wohl eher so was wie Käfer und Maden. Das was grade unter Paleo-Ernährung so läuft, ist eine ökologische Katastrophe. Allein wenn ich sehe wie hoch da der Anteil an Kokos und Fleisch in der Ernährung ist, kommt mir das Grauen. Danach könnte ich nie dauerhaft ohne schlechtes Gewissen leben. Esst mehr Grünzeug aus der Natur um euch rum, dann ernährt ihr euch wahrscheinlich steinzeitlicher als die Paleo-Leute und übernehmt auch noch ökologische Verantwortung.

"Pesto Regionale" oder italienisches Pesto ins Deutsche übersetzt

Gab es in der Steinzeit Parmesan? Sicher nicht. Und so beuge ich beschämt mein Knie und bin mir meiner Sünde bewusst und gelobe Besserung: Mein Parmesan stammt aus Italien :(.Bio-Qualität. Das klingt nach dem Paleo-Beitrag wie eine armseelige Ausrede. Deshalb: Wenn einer meiner Leserschaft schon mal ein Pesto mit deutschem Hartkäse, z.B. einem Allgäuer Bergkäse hergestellt hat: Bitte meldet Euch und lasst mich wissen, ob das ebenfalls möglich ist und wie lange haltbar so ein Parmesan-freies Pesto ist. 
Alles was aus der Region kommt ist ökologisch sinnvoller, als jedes Bio-Produkt das 1000 km Transport hinter sich hat. Naturkost heißt nicht, dass das Essen auf Kosten der Natur geht, und nur weil Pinienkerne ein Naturprodukt sind, sind sie nicht gut für die Natur, wenn sie aus Amerika eingeflogen werden. Tatsache soweit schon mal: Bärlauch und Haselnüsse sind eine perfekte Verbindung und beides wächst direkt vor meiner Tür. Und das Pesto schmeckt...vertraut einheimisch. Dieses Mal habe ich den Schritt gewagt und habe das Olivenöl infarmer Weise gegen alle Regeln der Kunst gegen Rapsöl (bio-regional) ausgetauscht!  Siehe da: Auch das geht. Natürlich verändert sich der Geschmack, aber den Löwenanteil macht ohnehin der Bärlauch aus und der hat wirklich ordendlich "Wumps". Ein klassisches Pesto mit Basilikum ist das ohnehin nicht. Der Geschmack von Pinienkernen und Olivenöl geht im Bärlauch ohnehin unter - schmeckt also ganz anders. Dann...ja dann, darf es wirklich unitalienisch schmecken.

Zutaten fürs Bärlauch-Haselnuss-Pesto

  • 250 g Bärlauch
  • 30 g Haselnüsse
  • 40 g Parmesan
  • 250 ml Öl (Olivenöl, schmeckt aber auch mit heimischen Rapsöl)
  • Salz
  • Pfeffer

Bärlauch-Pesto herstellen

Den Bärlauch waschen, trocknen und fein hacken. Die Haselnüsse werden in der Pfanne ohne Öl angeröstet bis sie duften und die braune Haut spröde wird. Die Haut abrebeln und die Nüsse fein hacken. Auch den Parmesan fein hacken oder über die Reibe ziehen.
Alles zusammen im Mörser oder Mixer zu einer körnigen Pestomasse verarbeiten und dabei das Öl nach und nach zugießen. Großzügig salzen und peffern. Aufbewahrt wird das Pesto unter einer Ölschicht. So hält es sich im Kühlschrank bis zu 4 Wochen, vorausgesetzt es wird nicht vorher gegessen.

Bärlauchpesto-Variationen

  • Klar geht das Pesto auch mit Mandeln oder ganz klassisch auch mit Pinienkernen.
  • Versucht es mal mit Bärlauch-Öl.
  • Parmesan, Pecorino oder Padano? Sogar mit Schafskäse geling Pesto, muss dann aber schnell gegessen werden. Bärlauch in Öl ist ohnehin eine haltbare Sache, erst Käse und Nüsse machen ihn verderblich.
  • Eine Prise Muskat ist sehr lecker und rundet das Pesto ab.
Das Öl über dem Bärlauchpesto hält durch den Luftabschluss
das Pesto länger frisch.
Tipp: Wichtig ist das Pesto immer mit einer Ölschicht bedeckt zu halten, so blaubt das Grünzeug lange frisch.

Das Bärlauch-Pesto und der Fuchsbandwurm

Da ist er wieder: der Fuchsbandwurm. Schlimm. Immer vermiest er einen die schönsten Gerichte. Wer auf Nummer sicher gehen will, der zieht die Bärlauchblätter vor dem zermusen durch ein mindestens 70 Grad warmes Ölbad. Am besten nimmt man dafür das gleiche Öl wie fürs Pesto und erhöhrt die Menge der Bärlauchblätter, denn allein von der Masse fallen sie einem doch etwas zusammen.
Pesto essen viele zu Nudeln. Ich geb zu: Bin ich mir unsicher, was den Fuchbandwurm betrifft, mische ich meine Nudeln mit Pesto und schieb das Ganze noch mal für eine Minute in die Mikrowelle. Ob Mikrowellen Fuchsbandwürmer töten weiß ich nicht, aber die Hitze tut es. Nach einer Minuten kommen die Nudeln heiß dampfend aus dem Gerät. Da lebt nix mehr. Mikrowellen sind gesundheitstechnisch eine Katastrophe, der Fuchsbandwurm leider auch. Einen Tod muss man hier sprichwörtlich sterben.

Edit: Böse Zungen könnten nun behaupten, dass mein Pfeffer doch bestimmt aus Indien kommt. Tut er. Noch. Ich suche immer noch nach einer adäquaten Mischung aus Senf, Mönchspfeffer, Buchweizen, Brennesselsamen und was ich so finde, um so was wie einen einheimischen Pfeffer herzustellen. Allerdings verzweifel ich oft, denn der Geschmack ist selten kochfest. Hier im Pesto würde das noch nicht mal etwas ausmachen. Und was tust Du so, um Deine Ökobilanz zu verbessern?

Apropos Nudeln....dann sind wir alle wieder miteinander versöhnt... die zeige ich Euch morgen. :)
Bärlauchpesto zum Verschenken...oder doch lieber selbst essen?


Sonntag, 29. Juni 2014

Giersch-Pesto - ein echtes Unkrautgourmet-Rezept

Pestos aus Wildkräuter sind schnell zubereitet und grade das Giersch-Pesto kommt mit einem Minimum an Zutaten zum maximalen Geschmack. Ein echtes Unkrautgourmet-Rezept, denn grade Giersch wird von in vielen Gärtnern als echte Plage bezeichnet. Definitionssache. Für Wildkräuterfans ist es echtes Gemüse :-)

Zutaten für ein leckeres Pesto aus dem Wildkraut Giersch: Gehackte Mandeln, Salz, Pfeffer, Parmesan, Öl und natürlich Giersch.


Im Mörser werden die Zutaten zerkleinert und vermengt.
Im Topf gebändigt oder verarbeitet -
so ist Giersch kein Ärgernis :-)

Sammeltipp:

Jetzt Ende Juli sind die älteren Blätter des Giersch leider kaum mehr für Pestos zu gebrauchen. Die Blüte ist auch fast vorbei und die älteren Pflanzenteile sind zäh und ledrig. Wer den Giersch aber immer mal wieder mit dem Rasenmäher überfährt, kann ganzjährig junge, zarte Blätter ernten. Die jungen Blätter erkennt man daran, dass sie noch glänzen. Wer aber beißfreudig ist kann auch etwas ältere Blätter noch verarbeiten. Der Geschmack ist derselbe, die Konsistenz aber "ledriger".


Zutaten für das Giersch-Pesto:

  • 60 g Giersch (das sind ca. 2-3 handvoll)
  • 40 g fettfrei angeröstete, gehackte Mandeln oder Sonnenblumenkerne
  • 75 g geriebener Parmesan
  • 150 ml Raps- oder Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Gierschblätter fein hacken, dann im Mörser mit Mandeln und Parmesan zerreiben. Anschließend mit so viel Öl verrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist und mit Salz und Pfeffer nach Geschmack würzen. Wer es kräftiger mag, erhöht die Parmesan-Menge.
In Ermangelung eines Mörsers kann man das Pesto auch mit dem Pürierstab zubereiten, dann aber nur kurz anpürieren, sonst wird das Pesto zu musig.

Sonstiges:

  • Giersch-Pesto passt zu vielen Anlässen: als Topping auf Kräcker, zu gekochten Kartoffeln, als Nudel-Pesto oder einfach rustikal aufs Brot...
  • Vollständig mit Öl überdeckt hält es sich im Schraubglas einige Wochen im Kühlschrank. Das Pesto auf dem Bild gibt es schon lange nicht mehr. Das wurde noch am selben Tag unter Spagetti gerührt. Schade. Nun muss ich wieder warten, bis frischer Giersch sprießt.

Freitag, 16. Mai 2014

Pesto von der Knoblauchsrauke

Die Knoblauchsrauke wächst gern im Halbschatten
großer Bäume und kässt sich gut an ihren feinen
Knoblauchsgeruch erkennen, wenn man die
Blätter zerreibt.

So lässt sich die Knoblauchsrauke zu einem Pesto verarbeiten

Jetzt gehts ans Eingemachte. Die Knoblauchsrauke gehört schon zu den Pflanzen, die Gärtner gerne ausreißen, weil sie doch ein "Unkraut" ist. Aber Moment!  Ist Rauke nicht ein Synonym für Rucola und Knoblauch klingt doch auch irgendwie lecker? Und so ist es auch.

Sammeltipps:

Die Knoblauchsrauke sammelt man am besten nicht vom Straßenrand wo Hunde...na Du weißt schon. Auch Pflanzen an Baumstümpfen, an Felsblöcken, Wildwechseln oder anderen "Markierpunkten" sollte man stehen lassen wegen dem Fuchs und dem Fuchsbandwurm. Beste Sammelzeit ist der April, kurz vor oder zur Blüte.

 

Zutaten für das Pesto von der Knoblauchsrauke:

  • 200 g Knoblauchsrauke (das ist etwa ein großer Topf voll)
  • 100g geriebener Parmesan
  • 50 g gemahlene Mandeln 
  • 50 g fein gehackte Walnüsse und/oder Sonnenblumenkerne
  • 400 ml Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

Die Rauke waschen, in der Salatschleuder trocknen, sehr fein hacken. Im Mörser kurz die Hälfte der Rauke musig mahlen, dann alle weiteren Zutaten hinzugeben und im Mörser zu Pesto verarbeiten.  Dabei so viel Öl zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
Wer insgesamt mit der Küchenmaschine arbeitet, nur ganz kurz mahlen, sonst wird das Ganze zu matschig.

Sonstiges:

Das Pesto hält sich im Kühlschrank gut 4 Wochen. Dabei sollte es immer vollständig mit Olivenöl übergossen sein.
Die Blätter und Blüten der Rauke lassen sich auch kleingeschnitten im Salat verwenden oder zum aromatisieren von Speisen. Es gilt grob: Eine große Knoblauchsrauken-Pflanze entspricht geschmacklich etwas einer halben Knoblauchszehe.
Pesto von Knoblauchsrauke als vegetatischer Brotaufstrich.

 

Verzehrtipps:

Dieses Pesto schmeckt leicht nach Rucola, und ein Bisschen nach ...na Du ahnst es schon ...Knoblauch. Wenn es kurz vor dem Verfall steht, kommt ein wenig Heuwiese durch. Anders als Rucola ist Knoblauchsrauke aber weniger scharf und deutlich weniger geschmacksintensiv. Damit ist es nahezu universal einsetzbar. Es lässt sich für Nudeln genauso verwenden, wie als zusatz zu Salatsoßen oder als Topping für Odeuvre, also diese kleine Fingerfood-Häppchen. Ich esse das Pesto auch einfach nur so als vegetarischer Brotaufstrich.