Donnerstag, 10. Juli 2014

Mirabellenlikör

Ein Schnellrezept für Likör-Fans, das nur Geduld erfordert: Der Mirabellenlikör!
Eigentlich war ich heute auf der Jagd nach Schafgabenblüten, bin dann aber an einen Mirabellenbaum hängen geblieben, der so voll mit fast schon überreifen Früchten war, dass der Korb anschließend fast überquoll von duftenden Mirabellen. Die Schafgabe muss warten. Also noch ein Likör :-). So ist das bei den Unkrautgourmes, die packen die Gelegenheit beim Schopfe. Auch unsere Vorfahren ließen das verletzte Mammut nicht links liegen, nur weil die Frau in der Höhle gesagt hat: "Schatz, aber heute bringst mal Fisch mit, meine Blätter und Beeren passen da viel besser zu, als zu deinem Mammutbraten."

Das Schöne an diesem Rezept: Man hat kaum Arbeit. Die Mirabellen müssen dank des Überbrühens nicht erst noch umständlich entkernt werde, sondern kommen, so wie sie sind, nach der "heißen Dusche"  ins Glas.

Zutaten für den Mirabellenlikör:

  • 900 g Mirabellen, überbrüht
  • 350 g Kandis oder Rohrzucker
  • 1l Wodka
  • 2 Vanillestangen

Zubereitung:

Die Mirabellen überbrühen oder einmal kurz in kochendes Wasser geben, dann abwechselnd mit dem Zucker in ein großes, verschließbares Gefäß schichten. Mittenrein kommen die aufgeschnittenen, leicht ausgekratzten Vanillestangen. Den Ansatz mit Wodka übergießen und mindestens 4 Wochen ziehen lassen. Anschließend abfiltern und in Flaschen füllen.

Jetzt beginnt der schwerste Teil: Warten! 4 Wochen muss der Likör mindestens ziehen.
Sonstiges: 
Natürlich lässt sich hier auch Doppelkorn verwenden und Leute die das Besondere mögen, können das Rezept mal mit Gin ausprobieren. Der reine Mirabellengeschmack kommt für mich im Wodka am Besten zur Geltung, aber das ist Geschmackssache.
Die durchgezogenen Mirabellen sind ähnlich alkoholisiert wie Rumtopffrüchte und lassen sich so auch verwenden. Man kann sie auch anschließend durch die Fotte Lotte drehen und macht aus dem alkoholisierten Fruchtmus, verdünnt mit anderem Obst wie z.B Pfirsichen, ein köstliches Sorbet. Selbstgemachte, beschwipste Marmelade lässt sich  ebenfalls aus dem Obst zaubern. Allerdings würde ich hier nur max. 1/3 der Früchte durch betrunkene Mirabellen ersetzten. So eine Marmelade ist nichts zum Frühstück, eignet sich aber prima für das Überziehen von Gebäck und Torten. Oder man friert die Früchte am Stück bis Weihnachten ein und gibt immer dann immer mal ein paar davon in den Glühwein. Auch für Frucht-Bowlen lassen sich derart betrunkene Früchte gut verwenden. Sie hat dann was von einer Cocktail-Kirsche...ist aber wilder.

Geschafft! Das Warten hat ein Ende, der Mirabellenlikör ist fertig.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Johanniskrautöl

 Es gehört zu den Klassikern in der Naturheilkunde: das echte Johanniskraut (Hypericum perfloratum). Am bekanntesten ist es in Form des roten Johanniskrautöl, weil es so schön auffällt, wenn es so im Schrank steht. Rotes Öl ist schon etwas besonderes. Eigentlich müsste es Jöhannisblütenöl heißen, aber da sind wir mal nicht so kleinlich.
Was wenige wissen: Johanniskrautöl eignet sich in Maßen auch für die Küche - es ist sozusagen essbare Medizin.

In höheren Lagen und im kühleren Norden des Landes blüht das Johanniskraut jetzt.
Im Oberrheingraben ist die Blüte seid 4 Wochen vorbei.
Solange zieht das Johanniskrautöl bereits.

 Vom Johanniskrautöl, der Sonne und seiner Heilwirkung

Äußerlich angewendet kennen Johanniskrautöl die meisten wohl bei Muskelverspannungen, Prellungen und Verstauchungen. Dafür wird das Öl auf die entsprechende Stelle auftragen und einmassieren. Es steigert die Durchblutung, wirkt schmerzlindernd und hemmt Entzündungen. Der Inhaltsstoff Hyperforin wirkt darüber hinaus auch antibakteriell und antiviral.
Hypericin ist ein weiterer Wirkstoff im echten Johanniskraut. Er ist maßgeblich an der Rotfärbung des Öls beteiligt und erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut. Deshalb hört und ließt man immer wieder die Warnung, dass hellhäutige Personen nach der Anwendung von Johanniskraut vorsichtshalber ein paar Stunden die stechende Sonne meiden sollen. Auch hier ist wieder viel "Panik" im Spiel. Sagen wir so: Im Urlaub am Mittelmeer würde ich mich erst abends mit Johanniskraut einreiben, wenn ich aus Irland käme. In unseren Breiten hat die Sonne kaum genügend Strahlungsintensität, um an mit Johanniskrautöl behandelter Haut Schaden an zu richten. Im Gegenteil: Hypericin sorgt dafür, dass wir schneller braun werden. Übrigens: Im antiken Griechenland wurde Olivenöl als Sonnenschutzmittel verwendet. Es block von Natur aus ca. 20 Prozent der Strahlung ab. Olivenöl und Hypericin sind also eine unschlagbare Kombination für Fans gebräunter Haut. Wer es als "Bräunungsmittel" nutzen will, sollte das Rotöl deshalb mit Olivenöl ansetzten. Wer es aber damit übertrieben hat und sich nach einem zu intensiven Sonnebad mit Johanniskrautöl einreibt, oder Verbrennungen ersten Grades hat und Johanniskrautöl auf die betroffenen Stelle aufträgt, wird schnell Linderung erfahren.
Doch es hilft nicht nur Sonnenanbeter: Von Patienten mit Schuppenflechten ist bekannt, dass die Flechten nach dem Einreiben mit Johanniskrautöl und einen anschließenden Sonnenbad nach ein paar Tagen deutliche Verbesserungen des Hautbildes zeigt. Sogar bei Krampfadern soll das rote Öl helfen, indem man es regelmäßig, auf die Kompressen aufgetragen, anwendet.  Mit Johanniskrautöl getränkte Kompressen werden ebenfalls eingesetzt bei Seitenstechen, Hexenschuss, Ischiasschmerzen, Blasen-, Eierstock-und Gelenkentzündungen und auch bei Gürtelrose. Ein echtes Nervenöl.

Johanniskrautöl innerlich angewendet

Bei so viel äußerern Anwendungsmöglichkeiten geraten viel ins Stutzen: Kann man das Johanniskrautöl denn unbedenklich essen? In Maßen: ja. Und auch über das Essen aufgenommen hat es viele positive Effekte.  Da es sich aber beim Johanniskraut um eine Heilpflanze handelt, würde ich das Öl nicht wie Sonnenblumenöl einsetzen, sondern sehr bewusst immer dann, wenn man seine Heilkraft benötigt. Wer mag schon einen Teelöffel Johanniskrautöl pur schlucken, wenn es ihm ohnehin schon schlecht geht?
Ein Teelöffel oder Esslöffel Johanniskrautöl im Salat oder unter Quark gerührt oder ein paar Tropfen zur mitessbaren Deko auf dem Teller,  kommen bei mir immer dann auf den Tisch, wenn gerade Kopfschmerzen angesagt sind. Johanniskrautöl ist von Natur aus schmerzlindernd und nervenberuhigend . Bei Magenproblemen, Schleimhautreizungen oder Koliken, bei Entzündungen oder Magengeschwüren können ebenfalls über den Tag verteilt bis zu 3 EL Johanniskrautöl ins Essen wandern. Oft reichen aber schon 1-2 Teelöffel.

Wie stellt man Johanniskrautöl her?

Olivenöl und Johanniskrautblüten. Nach 2-3 Wochen nimmt das Öl langsam die typische Rotfärbung an.
In diesem Ansatz habe ich probehalber einige Melissenblätter beigemischt.

Man sammet die erblüten Blüten und die Knospen. Ein Wenig vom Kraut darf auch im Öl landen, also muss man bei Zupfen der Blüten nicht ganz so exakt vorgehen. Die Blüten kommen in ein Bügelglasgefäß und werden mit so viel Olivenöl übergossen, dass sie grade anfangen zu schwimmen. Nun braucht das Glas einen sonnigen Standort. Die nächsten 4 Tage wird das immer mal wieder vorsichtig umrühren, damit Luftblasen und Wasser entweichen können. Dann wird das Glas verschlossen und bleibt 6-8 Wochen in der Sonne stehen. Grade die ersten paar Wochen sind interessant, weil wie von Zauberhand aus dem merkwürdig anmutenden Gebräu, tatsächlich eine blutrote Suppe wird. Kinder finden das immer wieder spannend. Eine schöne Gelegenheit ihnen zu zeigen, wie sich ein Farbstoff aus einer Pflanze, die noch nicht einmal rot ist, förmlich heraussaugen lässt. Apropo Zauberhand.....

Zauberei mit Johanniskrautöl

Wo wir schon mein Thema Kinder sind: Man nehme 1-2 Blütenknospen und zeige sie dem staunenden Publikum, dass sie sich überzeugen mögen, dies ist eine GELBE Blüte. Dann lege man diese Blüte vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und spreche in gewichtigem Tonfall eine magische Beschwörungsformel. Während man so vor sich hinbeschwört, zerreibe  man dabei die Blüte zwischen den Fingern. Bevor man das Ergebnis präsentiere, berichte man dem Publikum, dass sie sich selbst überzeugt haben, dass dies eine helle, gelbe Blüte gewesen war und frage, ob irgendwer im Publikum Anzeichen von Blut an der Blüte gesehen hat. Kopfschütteln wird Euch die Antwort sein. Dann, der große Augenblick: "Tata!" präsentiert ihr die zerriebene Blüte - Eure Finger sind blutrot oder von adeligem Purpur.
Anmerkung: In der Natur verstecken sich immer wieder dunkle Farben hinter helleren. Vielleicht fasziniert uns deswegen auch die Herbstfärbung von Blättern, wenn aus saftig grünem Laub binnen einiger Tage blutrote oder quietschgelbe Blätter werden. In den Blättern zerfällt das Chlorophyll und gibt den Blick auf die anderne Farben in den Zellen frei.

Johanniskraut-Tinkturen und Tees gegen Depressionen

In der Naturheilkunde hingegen werde häufiger Tinkturen und Tees verwendet, weil diese vor allem bei Depressionen besser wirken, als das Öl. Wer im Winter häufiger unter dem "Winterbluse" leidet und die Sonne vermisst, der kann 2 TL Kraut (!)  mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und ein paar Minuten ziehen lassen. Aus Erfahrung kann ich sagen: Ja man wird unweigerlich glücklich, sobald die Tasse leer ist, denn der Tee schmeckt furchtbar.

Eine Warnung zum Johanniskraut zum Schluss

Johanniskraut nicht in der Schwangerschaft anwenden oder wenn ein Kinderwunsch besteht. Es fördert die Abstoßung des Embryos.
Auch sollte man - wie bei allen Heilpfanzen - die Dosierung "nicht zu gut" meinen und prinzipiell Heilpfanzen nicht über Wochen oder gar Monate hinweg ohne ärztliche Rücksprache konsumieren, sondern es eher homöopathisch halten und in Intervallen genießen. Also gönnt Eurem Köprer immer mal wieder einige Wochen Pause. Der menschliche Körper gehört einem Gewohnheitstier, und das gewöhnt sich an jede Droge und fordert nur immer noch höhere Dosen. Und bekanntlich macht die Dosis ja das Gift.

Montag, 7. Juli 2014

Mirabellencreme an Kirschpflaumenkompott mit Gundermannkonfekt

Jetzt wird es edel. Absolutes Lieblingsdesserts aus der Unkrautgourmetküche ist die Mirabellencreme mit Kirschpflaumenkompott. Da bei meinen Männern aber die Augenbrauen in die Höhe gehen, weil da gar kein Grünzeug drin ist, hab ich das Rezept noch um den Gundermann ergänzt. Frau muss ja ihren guten Ruf wahren ;-)

Ein edles und sehr variables Dessert: Ob Mirabellen als Creme und Kirschplaume als Kompott oder anders herum, dieser Nachtisch macht alles mit. Als "Highlight" wird die Creme mit schokolierten Gundermannblätter dekoriert.

Zutaten für Mirabellencreme an Kirschpflaumenkompott mit Gundermannkonfekt:

Mirabellen, Kirsch- und Blutpflaumen eignen sich
für dieses Dessert.
Für die Creme:
  • 500 g Mirabellen
  • 100g Puderzucker
  • 250 ml steif geschlagene Sahne
  • 4 Blatt Gelatine
  • Zucker 

Für das Kirschpflaumenkompott:

Für das Gundermannkonfekt:
  • Einige Gundermann-Blätter
  • etwas Zartbitter- oder Vollmichkuvertüre

Zubereitung: 

Mit der Flotten Lotte ist die Mirabellencreme und das
Kirschpflaumenkompott flott zubereitet.
Die Mirabellen einkochen und mit dem Puderzucker vermischen. Dabei mit dem Kochlöffel die Mirabellen zerdrücken. Wer eine "Flotte Lotte" hat, dreht die gekochten Mirabellen durch das kleinste Sieb. Ansonsten das Kompott so durch ein Sieb streichen. Die Gelatine 5 min in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und in die heiße Fruchtmasse einrühren, bis sie aufgelöst ist. Die Masse am besten im Eisbad kalt rühren. Zieht die Gelatine an, wird die Sahne vorsichtig untergezogen und die Creme mit Zucker abgeschmeckt. Die Creme nun im Kühlschrank vollständig erstarren lassen.
Die Kirschpflaumen ebenfalls kurz aufkochen und durch die Flotte Lotte drehen. Die Masse zurück in den Topf und mit so viel Zucker süßen, bis der
Die Mirabellencreme ist fertig gerührt und nun
ab in den Kühlschrank zum vollständigen Erstarren.
Geschmack harmonisch erscheint. Hier kann ich leider keine Angaben zur Zuckermenge machen, da der Geschmack und Säuregrad der Kirschpflaumen sehr unterschiedlich ausfällt. Einfach ausprobieren. Dann mit der in Wasser angerührten Speisestärke etwas eindicken und noch einmal aufkochen, dann abkühlen lassen.
Für das Gundermannkonfekt die Blätter kurz abbrausen und trockentupfen. Die Scokolade im Wasserbad erwärmen und die Gundermannblätter entweder ganz eintunken (dann werden sie vollständig mitgegessen) oder einseitig bepinseln. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Wer die Blätter nicht mitessen mag, kann sie vorsichtig von der Schokolade abziehen.


Sonstiges:

Schokolierte Gundermannblätter sind an sich schon für
Liebhaber herb-würziger Schokoade ein Genuss. Kinder mögen
das "Grünzeug" aber weniger.
Die Gundermannblätter können sich sehr gut mitessen lassen, da das erdige Aroma des Gundermanns mit der Zartbitterschokolade an jene herben Schokoladen erinnert, die mittlerweile im Handel standardisiert erhältlich sind und  z.B. mit Chili, Meersalz oder Pfeffer verfeinert sind.Kinder mögen das allerdings nicht so, weshalb ich mich bei Kinderportionen auf den Dekoeffekt des Gundermanns beschränke. Die kleinen, sehr gut strukturierten Blätter ergeben wunderbare Schoko-Blätter. Je nach dem, ob die Vorder- oder Rückseite schokoliert wird, sehen die Abdrücke anders aus. Eine wunderbare Deko auch für Torten.
Das ganze Rezept lässt sich auch umdrehen. So kann man auch aus den Kirschpflaumen die Creme herstellen und ein Mirabellenkompott dazu kochen. Oder man macht es uni solo: Kirschplaumencreme mit Kirschpflaumenkompott. Wem das alles zu aufwändig erscheint: Die Creme an sich ist schon eine leckere Schweinerei :-).
Die Kerne der Mirabellen lassen sich gut auswaschen und trocken und für die Füllung von  Mirabellenkernkissen nehmen. Mit den Kernen der Kirschpflaumen und Blutpflaumen lässt sich ein vorzügliches Amaretto-Imitat herstellen: Der Kirschpflaumenkernlikör. Kerne also nicht wegwerfen!

Sonntag, 6. Juli 2014

Kirschpflaumen, Blutpflaumen und Mirabellen - kleiner Ausflug in die Botanik

Aktuell sind die Mirabellen reif und die Kirsch- und Blutpflaumen ebenfalls. Mirabellen erkennen die meisten an ihren leuchtend gelben, duftenden Früchten. Bei Kirschplaume und Blutpflaume gibt es dann schon wieder Unsicherheiten: Kann man die Früchte essen?

Kirschpflaume, Mirabelle und eine alte Sorte der Blutpflaume mit grünem Blattlaub. Sicher welche schneckt, kann man nur bei der Mirabelle sein, bei den anderen beiden ist das immer ein Abenteuer.

Was man bei Mirabellen klar mit "ja" beantworten kann, ist bei Kirsch- und Blutpflaume nicht so ohne weiteres möglich. Hier ist vorsichtiges Probieren angesagt. Es gibt zahlreiche Sorten von Prunus carasifera, die zum Teil nur als Ziergehölz gezüchtet wurden. Die Früchte schmecken dann oft fade-mehlig bis extrem sauer. Die Prunus carasifera-Sorten die zum Essen gezüchtet wurden, sind mehr oder weniger süß-sauer.  Ich hab schon viele probiert und muss sagen: Es bleibt ein Abenteuer.

Eine neuere Sorte der Blutpflaume mit braun-grünem Blattlaub. Auch hier muss man testen, ob die
Früchte schmackhaft sind.
Auch ist das Verhalten beim Kochen der Früchte sehr unterschiedlich. Mache ziehen extrem Wasser, während andere eine schöne musige Konstenz aufweisen.  Die Früchte der Kirschplaumen sind gelb-orange-rot, orange-rot bis hin zu tiefem Dunkelrot. Das macht die Unterscheidung zu den Früchten der Blutpflaume bisweilen schwer, die von Hellrot bis ins tiefe Violett und Braun-Rot reichen. Allerdings haben manche Soten der Blutpflaume ein violett-rotbraunes Laub. Grade bei den älteren Sorten ist der Neuaustrieb rotbraun und vergrünt später, bei neueren Sorten bleibt das Laub die ganze Vegetation hindurch rotbraun bis braun-grün. Es lohnt sich also hin und wieder der Blick auf die ganze Pflanze.

Auch wenn man nicht alle Blutpflaumen-Früchte essen kann, ist ihre Blüte im zeitigen Frühjahr für Bienen oft eine der ersten Nahrungsquellen - vom seelischen Aspekt für uns mal abgesehen, wenn nach einem langen Winter plötzlich so ein Blütenmeer vor uns auftaucht.
Wer eine mehlig-fade Blutpflaume zu Hause hat und diese das erste Mal probiert, muss keine Angst haben: Bei den gezüchteten Subspezies der Art Prunus carasifera gibt es keine giftigen Sorten, aber eben einige die nicht wirklich schmecken und nur als Ziergehölze gezüchtet wurde. Der Baum fällt im Frühling vierorts auf, wenn er als üppige weiße "Blütenwolke" zu den ersten blühenden Bäumen gehört.

Es gibt auch einige giftige Vertreter unter der Gattung Prunus: der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) z.B., der aber deutlich kleinere, fast schwarze und in Trauben zusammengefassten Steinfrüchte besitzt und sich deshalb leicht von den Pflaumen und Mirabellen unterscheiden lässt. Auch ist sein Laub  derb-ledrig und immergrün, weshalb er häufig als Heckenbepfanzung in Gärten zu finden ist. Die Vögel freuen sich, denn seine Früchte werden gerne von ihnen gefressen. Der stark blausäurehaltige Kern passiert aufgrund fehlender Zähne im Vogelschnabel unbeschadet das Tier. Auf diese Weise findet seine Verbreitung statt. Auch die Blätter des Kirschlorbeers enthalten Blausäure. Vor allem wenn kleine Kinder die Früchte des Kirschlorbeers essen und dabei die Kerne zerbeißen, wird es schnell kritisch. Aktivkohle sollten Eltern, die so einen Baum besitzen, im Fall der Fälle zu Hause haben. Unbedingt bei Verzehr einen Arzt zu Rate ziehen!

Ein El Dorado für Tier und Mensch: Eine naturbelassene Hecke aus Mirabellen, Kirsch- und Blutpfaumen.

Auch die Kerne anderer Prunus-Arten haben einen mehr oder weniger hohen Blausäure- und Amygdalingehalt. Man kennt das von der Bittermandeln (Prunus dulcis). Bereits 6 Kerne der Bittermandel können ein Kind töten, ein Erwachsener muss schon 60 Kerne essen. Auch in  bitteren Aprikosenkernen findet sich Blausäure. Dennoch empfehlen einige Gesundheitsapostel 1-2 Kerne am Tag zu verzehren, da die Kerne das krebsverhinderne Vitamin B17 enthalten. Auch hier ist es wieder: Das Thema zu den Grenzgängern - Schaden und Nutzen sind bei der Ernährung immer abzuwägen und auch hier macht die Dosis wieder das Gift. 
Auch die Kerne der Kirschpflaume und die der Blutpflaume enthalten Blausäure, weshalb man beim Verarbeiten und Essen darauf achten sollte, dass die Kerne unbeschädigt bleiben. Dennoch kann man außer dem Fruchtfleisch aber eben auch die Kerne noch verwenden. Aus Blut- und Kirschplaumenkerne lässt sich der nach Amaretto schmeckende Pflaumenkernlikör herstellen, während die kleineren Kerne der Mirabelle, die wesentlich verletzlicher sind, eher für Kirschkernkissen eignen...ich meine natülich Mirabellenkernkissen :-)

Hier waren alle drei gleichermaßen essbar:
Mirabellen (gelb), Kirschpflaumen (hellrot) und Blutpflaume (violett)
Kirschplaumen, Mirabellen und Blutpflaumen als Unkraut zu bezeichnen, ist nun wirklich nicht richtig. Allerdings finden sich viele verwilderte Büsche und Bäume dieser Arten und die Früchte die oft auf den Bürgersteigen für ein massenhaftes Wespenaufkommen und bisweiligen glitschigen Untergrund sorgen, werden dann doch hin und wieder als "lästig" betrachtet. Bevor das schöne Obst, das vielleicht sogar gegessen werden kann, unachtsam zertrampelt wird, lohnt es sich für die Besitzer einen Biss in die Früchte zu wagen. Vielleicht haben sie ja Glück und es verbirgt sich ein leckerer Schatz in Garten.  



Samstag, 5. Juli 2014

Labkrautgelee - oder englische Bitterorangenmarmelade trifft deutsche Blumenwiese

Es ist schon verrückt. Viele Menschen kennen Moringa und Goji oder doch wenigstens Pfeffer und Zimt. Aber beim heimischen Labkraut zucken die meisten unwissend mit den Schultern. Dabei wächste Labkraut fast überall auf der Wiese während Goji ein Neophyt aus China ist. Sogar Kokosnüsse und Paranüsse sind uns nicht fremd und wir essen sie wie selbstversändlich, obwohl sie viele Flugkilometer oder Frachtschiffstunden hinter sich haben, was ökologisch völlig unsinnig ist. Aber Labkraut? Wer weiß schon, wie das aussieht? Viel spannender wird die Frage: Wer weiß schon, wie das schmeckt?

Die gelbe Variante des Wiesenlabkrauts. Früher nutzte man die in ihm enthalten Labfermente zur Käsehersellung.
Heute ist es fast in seiner Nutzung in Vergessenheit geraten.

Sammeltipps: 

Immer wenn Blüten verwendet werde, sollte es vor der Sammlung einen, besser zwei Tage nicht geregnet haben, damit sich genug Nektar in den Blüten gesammelt hat. So auch hier, beim Labkraut.

Zutaten für das Labkrautgelee:

  • ein großer Büschel blühendes Labkraut (das sind ca 20-30 Stängel)
  • 1 Päckchen Gelierzucker 2:1
  • 3/4 l Wasser

Zubereitung:

Die Blüten von den groben  Stängeln zupfen und in eine Teekanne oder Topf geben. Mit dem gleichen Volumen kochenden Wassers übergießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag den Tee abfiltern und mit so viel Gelierzucker aufkochen, wie der Anleitung zu entnehmen ist.  Vier Minuten sprudelnd kochen und heiß in Gläser füllen.

Sonstiges:

  • Hier ist es praktisch sich voher mit dem Gelierzucker zu beschäftigen. Wird ein Päckchen für ein 3/4 Liter Flüssigkeit benötigt, sollten auch so viel Labkraut gesammelt werden, dass man einen etwa einen 3/4 Liter Blüten erhält.  Aus Erfahrung weiß ich: Das ist schon eine ganze Menge Labkraut. Evtl. muss man vom Gelierzucker  einfach die passende Menge abmessen, wenn man nicht genug Blüten zusammen bekommt.
  • Mit Labkraut lassen sich wunderbare Sachen zaubern und aromatisieren, wie z.B. dieses Gelee, das vom Geschmack her etwas an die herbe, englische Bitterorangenmarmelade erinnert, aber durch die grünen Labkrautteile auch einen leichten "Heugeschmack" besitzt, der aber nicht abschreckend ist. 
  • Ich verwende hier 2:1 Gelierzucker. Mit 1:1 Gelierzucker schmeckt die Marmelade deutlich süßer. Geschmackssache. Generell versuche ich von dem übersüßten Geschmack, den uns die Nahrungsmittelindustrie andichtet, weg zu kommen. Auch kann ich Labkrautgelee nicht täglich essen (der Geschmack ist schon speziell)  und koche es deshalb in kleinen Gläschen ein. Aber jedes Mal wenn ich ein Labkrautgelee-Gläschen öffne, dann freue ich mich drauf, eben weil es etwas Besonderes ist.

Freitag, 4. Juli 2014

Kuriose Gedanken beim Essen: Warum wir alle keine Vegetarier sind oder wie viele Insekten isst ein Mensch in seinem Leben?

Eine Marienkäferlarve in meinem Bärenklau. Fast hätte ich sie übersehen,
aber sie überstand den Abwasch und kletterte da so mobil herum - ganz nach dem Motto:
Wenn dies ein vegetarisches Gericht werden soll, muss ich hier raus.
Beim Sammeln von Wildkräuter kommt es häufiger vor, dass man Spinnen, Käfer, Larven, Raupen oder sonstige Tiere mit nach Hause bringt. Nach dem Waschen ist das meiste auch weg - natürlich rette ich jedes Tierchen und setzte es nach draußen. Ergo gehe ich  beim Essen davon aus, dass das Thema "tierische Beikost" sich auf das beschränkt, was ich im vollen Bewußtsein meiner kognitiven Fähigkeiten auf den Teller lege. Das Schnitzel, die Fleischbällchen, die Hühnerbrust - das sind die definierten Mengen die ich bewusst verspeise, wo ich eine Wahl habe, ob ich das esse oder nicht, ob ich viel davon essen oder wenig, ob ich Bio-Fleisch kaufe oder die Massentierhaltung unterstütze. Was ich aber nicht sagen kann: Wenn ich kein Fleisch essen, dann bin ich Vegetarier.
Beim Thema Vegetarismus bin ich zwiegespalten. Weniger ist mehr. Und dennoch ist Fleisch von je her eine wichtige Eiweißquelle für uns. Sogar Schimpansen gehen mitunter auf die Jagd und fressen sogar kleine Affen, die sie am lebendigen Leib auseinander reißen, weil ihr Köper nach Eiweiß giert. Also von einer Affenhorde gejagd und getötet zu werden, ist nicht schön anzuschauen. Aber es zeigt: Auch unsere Artverwanden benötigen hin und wieder Fleisch. Etwas weniger als wir - vielleicht weil sie deutlich mehr Insekten essen, die ebenfalls eine hochwertige Eiweißquelle sind. Insekten sind für uns Menschen die Eiweißquelle der Zukunft. Erkannt haben das schon einige, das Essen von Insekten in Insekten-Restaurants gilt aber immer noch eher als Abenteuer, denn als Normalkost.
Das Verrückte: Gerade jene Konsumenten, die viel Obst und Gemüse essen, weil sie auf Fleisch verzichten, essen auch mehr ... Insekten. So gucke ich nicht in Kirschen, wenn ich sie essen, einfach aus dem Grund, da ich meinen Kirschbaum nicht spritze und weiß, dass da ganz sicher Maden der Kirschfliege drin sind. Die schmecken nach Kirsche, wonach auch sonst. Man muss die Kirsche nur gut kauen, damit die Made ein schnelles Ende findet und nicht erst im ätzenden Magensaft ihren Todeskampf führt. Eklig? Ansichtssache. Die Made durfte bis zu ihrem Tod im biologischen Paradies wohnen. Ihren Tod hat sie nicht kommen sehen. Sie ist glücklich schmatzend relativ rasch gestorben und musste dafür noch nicht einmal ihr Paradies verlassen. Welches ehemalige Schwein oder Rind auf dem Teller kann das schon von sich behaupten? Bei der Marienkäferlarve musste ich dann aber schon die Stirn runzeln. Wonach schmeckt die wohl? Die frisst Blattläuse. Blattläuse haben ich auch sicherlich schon in Unmengen unbewußt konsumiert, aber so einen richtigen "Blattlausgeschmack" hab ich dabei nie feststellen können. Auf der anderen Seite schmecken Marienkäfer widerlich....fragt jetzt bitte nicht, woher ich das weiß...
Wir essen dennoch Käfer! Die befinden sich im Müsli. Kein Witz. Betrachtet Bio-Müsli mal im Binokular. Da sind Unmengen an verbröselten Käferbeinen und Panzerresten zu finden. Wer Müsli isst, kann sich definitiv nicht Vegetarier nennen. Ich muss immer schmunzeln, wenn auf dem Müsli steht, es würde sich um ein "veganes" Produkt handelt.
Statistisch gesehen isst jeder "normale" Bundesbürger 500 Insekten in seinem Leben - die Angaben  schwanken stark, wenn man im Internet danach googelt....mal im Schlaf, mal beim Radfahren, mal nur Spinnen, dann nur Ameisen.  Ich frag mich wie man eine solche Zahl ermitteln kann. Ich schätze mal hinter die 500 kann man getrost eine weitere Null hängen - oder zwei. Wie viele Kirschen habe ich schon gegessen in denen Maden waren? Wie viele Kilo Müsli mit knusprigen Käferbeinen verdrückt? Wie viele Blattläuse sind der Salatwaschung nicht entkommen und wurden in meinen Magensäften aufgelöst? Und wie viele Marienkäferlarven haben sich in meinem Bärenklau noch versteckt? Und da zähle ich die 8 statistisch im Schlaf  verschluckten Spinnen im Leben noch gar nicht mit. Oder die Insekten, die man beim Radfahren so einatmet. Ich rechne mal mit 10.000 Insekten die man so im Leben isst - aber das ist nur eine reine Bauchgefühl-Nummer. Und das sind gute Bio-Produkt-Insekten oder Wildtiere, nicht diese antibiotikaverseuchten Tiere aus der Massentierhaltung. Irgendwie beruhigend, oder?  Wir sollten mehr Insekten essen.
Nein, Vegetarier kann ich mich wahrlich nicht nennen. Wie die Urzeitmenschen gehen ich sammeln und unbewusst jage ich dabei das eine oder andere Insekt, das meinen Speiseplan auf wundersame Weise bereichert. Aber die Marienkäferlave auf dem Bild sitzt nun auf meiner Kapuzinerkresse und verdrückt glücklich die Blattläuse....bis zum nächsten Salat, wenn ich mal wieder Kapuzinerkresse brauche. :-)

Mittwoch, 2. Juli 2014

Kartoffelbrei mit Bärenklau

Der Bärenklau vor der Blüte.
Dies ist ein einfaches, aber auch leckeres Rezept. Bärenkau gehört zu den Pflanzen, die Kartoffelgerichte mit ihrer würzigen Note extrem gut aufwerten. Es gibt kaum ein Wildkraut, das besser zu Kartoffen passt - noch nicht mal Petersilie. Auf der anderen Seite sind Kartoffel an sich schon ein gutes Basismaterial, um die Geschmacksrichtungen von verschiedenen Wildkräutern  auf sehr milde Weise kennenzuernen, da sie viele Bitterstoffe abbinden.


Sammeltipps:

Zwei handvoll Bärenklau sind eine gute Menge für 500g
Kartoffen.
Bärenklau findet sich häufig auf landwirtschaftlich genutzen Wiesen. Meist ist er im Juli schon recht hoch und setzt Blüten an. Wird die Wiese aber regelmäßig gemäht, finden sich auch jetzt, im Juli,  noch frisch austreibende Blätter die geerntet werden können. Macht dies am Besten in den Abendstunden, wenn die Sonne nicht mehr sticht oder tragt Handschuhe. Der Wiesen-Bärenklau kann, wie sein großer Verwandter die Herkulesstaude,  Hautreizungen auslösen

Zutaten für den Kartoffelbrei mit Gänsefingerkraut oder Bärenklau :

Mit einem Kartoffelstampfer ist der
Wildkräuter-Kartoffelbrei schnell fertig.
  • 500 g  Kartoffen
  • 1-2 handvoll junge Bärenklau-Blätter oder die Hälfe junger Gänsefingerkaut-Blätter
  • 1 Zwiebel
  • etwas Öl
  • 1/4 l Gemüsebrühe
  • Muskat, Salz, Pfeffer
  • Nach Belieben etwas Sahne

Zubereitung:

Die Kräuter waschen und sehr fein schneiden. Die Zwiebel klein schneiden und in Öl anbraten, die Kräuter dazugeben und mit Gemüsebrühe ablöschen. Alles 10 Minuten leise köcheln lassen. In der Zeit die Kartoffeln schälen, klein schneiden und kochen (oder Pellkartoffen vom Vortag nehmen). Das Karoffelwasser abgießen und die gedünsteten Kräuter zufügen. Mit einem Kartoffelstampfer alles zu Brei stampfen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Wer es noch milder mag, der kann einen guten Schuß Sahne hinzufügen.
Der Kräuter-Kartoffelbrei lässt sich nun dekorativ anrichen und schmeckt z.B. zu Karottengemüse und Fleischbällchen. :-)

Kartoffelbrei ist langweilig? Alte Kartoffeln auch? Wie wäre es mit ein wenig Wildkräuter-Pepp durch Wiesen-Bärenklau. Das macht aus einem banalen Gericht wieder eines, das im Wildkräuterlokal mit viel Tam-Tam angepriesen werden würde und einen anständigen Preis hätte.

Sonstiges:

Die jungen Blätter des Wiesen-Bärenklaus schmecken sehr würzig. Der Duft der Pflanze ist allerdings eher abschreckend.   Da sich mit dem Kochen aber der Geruch verflüchtigt, bleibt im Kartoffenbrei die würzige Note zurück. Also keine "Furcht" vor einem Kraut, an dem man riecht und denkt: "Was? Das kann man essen? Riecht ja widerlich."  Der Bärenklau überrascht den, der sich überwindet,  mit einem vorzüglichen Geschmack. Er ist ein wenig mit der indonesischen Durian-Frucht vergleichbar: Stinkt wie die Hölle, schmeckt aber wie der Himmel - nur eben, dass Bärenkau eher unter Gemüse einzuordnen wäre, als unter Obst (wobei Obst und Gemüse keine botanische Einteilung ist!). Bärenkau ist ein richtiges "Wildkräuter-Einsteigerrezept für angehende Hardcore-Kräuterfans". Hardcore deshalb, da die Furocumarine im Bärenklau bei Berührung durch empfindliche Menschen im Sonnenlich Hautreizungen auslösen können! Deshalb ist ein wenig Vorsicht geboten. Evtl. empfieht es sich nicht nur beim Sammeln, sondern auch bei der Verarbeitung Handschuhe zu tragen. Es gibt aber auch Menschen, die überhaupt keine Probleme mit den Fucocumarinen haben, dafür auf Doldenblütler reagieren. Da der Bärenklau zu solchen zählt, sollten Allergiker,  die Gewächste aus der Familie der Apiaceae nicht vertragen, lieber keinen Bärenkau verwenden. Das muss jeder für sich vorsichtig austesten.Es gibt aber viele Menschen, die weder mit Forocumarinen noch Doldengewächsen Probleme haben und hier eine echte Bereicherung ihrer Küche finden.