Sonntag, 6. Juli 2014

Kirschpflaumen, Blutpflaumen und Mirabellen - kleiner Ausflug in die Botanik

Aktuell sind die Mirabellen reif und die Kirsch- und Blutpflaumen ebenfalls. Mirabellen erkennen die meisten an ihren leuchtend gelben, duftenden Früchten. Bei Kirschplaume und Blutpflaume gibt es dann schon wieder Unsicherheiten: Kann man die Früchte essen?

Kirschpflaume, Mirabelle und eine alte Sorte der Blutpflaume mit grünem Blattlaub. Sicher welche schneckt, kann man nur bei der Mirabelle sein, bei den anderen beiden ist das immer ein Abenteuer.

Was man bei Mirabellen klar mit "ja" beantworten kann, ist bei Kirsch- und Blutpflaume nicht so ohne weiteres möglich. Hier ist vorsichtiges Probieren angesagt. Es gibt zahlreiche Sorten von Prunus carasifera, die zum Teil nur als Ziergehölz gezüchtet wurden. Die Früchte schmecken dann oft fade-mehlig bis extrem sauer. Die Prunus carasifera-Sorten die zum Essen gezüchtet wurden, sind mehr oder weniger süß-sauer.  Ich hab schon viele probiert und muss sagen: Es bleibt ein Abenteuer.

Eine neuere Sorte der Blutpflaume mit braun-grünem Blattlaub. Auch hier muss man testen, ob die
Früchte schmackhaft sind.
Auch ist das Verhalten beim Kochen der Früchte sehr unterschiedlich. Mache ziehen extrem Wasser, während andere eine schöne musige Konstenz aufweisen.  Die Früchte der Kirschplaumen sind gelb-orange-rot, orange-rot bis hin zu tiefem Dunkelrot. Das macht die Unterscheidung zu den Früchten der Blutpflaume bisweilen schwer, die von Hellrot bis ins tiefe Violett und Braun-Rot reichen. Allerdings haben manche Soten der Blutpflaume ein violett-rotbraunes Laub. Grade bei den älteren Sorten ist der Neuaustrieb rotbraun und vergrünt später, bei neueren Sorten bleibt das Laub die ganze Vegetation hindurch rotbraun bis braun-grün. Es lohnt sich also hin und wieder der Blick auf die ganze Pflanze.

Auch wenn man nicht alle Blutpflaumen-Früchte essen kann, ist ihre Blüte im zeitigen Frühjahr für Bienen oft eine der ersten Nahrungsquellen - vom seelischen Aspekt für uns mal abgesehen, wenn nach einem langen Winter plötzlich so ein Blütenmeer vor uns auftaucht.
Wer eine mehlig-fade Blutpflaume zu Hause hat und diese das erste Mal probiert, muss keine Angst haben: Bei den gezüchteten Subspezies der Art Prunus carasifera gibt es keine giftigen Sorten, aber eben einige die nicht wirklich schmecken und nur als Ziergehölze gezüchtet wurde. Der Baum fällt im Frühling vierorts auf, wenn er als üppige weiße "Blütenwolke" zu den ersten blühenden Bäumen gehört.

Es gibt auch einige giftige Vertreter unter der Gattung Prunus: der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) z.B., der aber deutlich kleinere, fast schwarze und in Trauben zusammengefassten Steinfrüchte besitzt und sich deshalb leicht von den Pflaumen und Mirabellen unterscheiden lässt. Auch ist sein Laub  derb-ledrig und immergrün, weshalb er häufig als Heckenbepfanzung in Gärten zu finden ist. Die Vögel freuen sich, denn seine Früchte werden gerne von ihnen gefressen. Der stark blausäurehaltige Kern passiert aufgrund fehlender Zähne im Vogelschnabel unbeschadet das Tier. Auf diese Weise findet seine Verbreitung statt. Auch die Blätter des Kirschlorbeers enthalten Blausäure. Vor allem wenn kleine Kinder die Früchte des Kirschlorbeers essen und dabei die Kerne zerbeißen, wird es schnell kritisch. Aktivkohle sollten Eltern, die so einen Baum besitzen, im Fall der Fälle zu Hause haben. Unbedingt bei Verzehr einen Arzt zu Rate ziehen!

Ein El Dorado für Tier und Mensch: Eine naturbelassene Hecke aus Mirabellen, Kirsch- und Blutpfaumen.

Auch die Kerne anderer Prunus-Arten haben einen mehr oder weniger hohen Blausäure- und Amygdalingehalt. Man kennt das von der Bittermandeln (Prunus dulcis). Bereits 6 Kerne der Bittermandel können ein Kind töten, ein Erwachsener muss schon 60 Kerne essen. Auch in  bitteren Aprikosenkernen findet sich Blausäure. Dennoch empfehlen einige Gesundheitsapostel 1-2 Kerne am Tag zu verzehren, da die Kerne das krebsverhinderne Vitamin B17 enthalten. Auch hier ist es wieder: Das Thema zu den Grenzgängern - Schaden und Nutzen sind bei der Ernährung immer abzuwägen und auch hier macht die Dosis wieder das Gift. 
Auch die Kerne der Kirschpflaume und die der Blutpflaume enthalten Blausäure, weshalb man beim Verarbeiten und Essen darauf achten sollte, dass die Kerne unbeschädigt bleiben. Dennoch kann man außer dem Fruchtfleisch aber eben auch die Kerne noch verwenden. Aus Blut- und Kirschplaumenkerne lässt sich der nach Amaretto schmeckende Pflaumenkernlikör herstellen, während die kleineren Kerne der Mirabelle, die wesentlich verletzlicher sind, eher für Kirschkernkissen eignen...ich meine natülich Mirabellenkernkissen :-)

Hier waren alle drei gleichermaßen essbar:
Mirabellen (gelb), Kirschpflaumen (hellrot) und Blutpflaume (violett)
Kirschplaumen, Mirabellen und Blutpflaumen als Unkraut zu bezeichnen, ist nun wirklich nicht richtig. Allerdings finden sich viele verwilderte Büsche und Bäume dieser Arten und die Früchte die oft auf den Bürgersteigen für ein massenhaftes Wespenaufkommen und bisweiligen glitschigen Untergrund sorgen, werden dann doch hin und wieder als "lästig" betrachtet. Bevor das schöne Obst, das vielleicht sogar gegessen werden kann, unachtsam zertrampelt wird, lohnt es sich für die Besitzer einen Biss in die Früchte zu wagen. Vielleicht haben sie ja Glück und es verbirgt sich ein leckerer Schatz in Garten.  



Samstag, 5. Juli 2014

Labkrautgelee - oder englische Bitterorangenmarmelade trifft deutsche Blumenwiese

Es ist schon verrückt. Viele Menschen kennen Moringa und Goji oder doch wenigstens Pfeffer und Zimt. Aber beim heimischen Labkraut zucken die meisten unwissend mit den Schultern. Dabei wächste Labkraut fast überall auf der Wiese während Goji ein Neophyt aus China ist. Sogar Kokosnüsse und Paranüsse sind uns nicht fremd und wir essen sie wie selbstversändlich, obwohl sie viele Flugkilometer oder Frachtschiffstunden hinter sich haben, was ökologisch völlig unsinnig ist. Aber Labkraut? Wer weiß schon, wie das aussieht? Viel spannender wird die Frage: Wer weiß schon, wie das schmeckt?

Die gelbe Variante des Wiesenlabkrauts. Früher nutzte man die in ihm enthalten Labfermente zur Käsehersellung.
Heute ist es fast in seiner Nutzung in Vergessenheit geraten.

Sammeltipps: 

Immer wenn Blüten verwendet werde, sollte es vor der Sammlung einen, besser zwei Tage nicht geregnet haben, damit sich genug Nektar in den Blüten gesammelt hat. So auch hier, beim Labkraut.

Zutaten für das Labkrautgelee:

  • ein großer Büschel blühendes Labkraut (das sind ca 20-30 Stängel)
  • 1 Päckchen Gelierzucker 2:1
  • 3/4 l Wasser

Zubereitung:

Die Blüten von den groben  Stängeln zupfen und in eine Teekanne oder Topf geben. Mit dem gleichen Volumen kochenden Wassers übergießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag den Tee abfiltern und mit so viel Gelierzucker aufkochen, wie der Anleitung zu entnehmen ist.  Vier Minuten sprudelnd kochen und heiß in Gläser füllen.

Sonstiges:

  • Hier ist es praktisch sich voher mit dem Gelierzucker zu beschäftigen. Wird ein Päckchen für ein 3/4 Liter Flüssigkeit benötigt, sollten auch so viel Labkraut gesammelt werden, dass man einen etwa einen 3/4 Liter Blüten erhält.  Aus Erfahrung weiß ich: Das ist schon eine ganze Menge Labkraut. Evtl. muss man vom Gelierzucker  einfach die passende Menge abmessen, wenn man nicht genug Blüten zusammen bekommt.
  • Mit Labkraut lassen sich wunderbare Sachen zaubern und aromatisieren, wie z.B. dieses Gelee, das vom Geschmack her etwas an die herbe, englische Bitterorangenmarmelade erinnert, aber durch die grünen Labkrautteile auch einen leichten "Heugeschmack" besitzt, der aber nicht abschreckend ist. 
  • Ich verwende hier 2:1 Gelierzucker. Mit 1:1 Gelierzucker schmeckt die Marmelade deutlich süßer. Geschmackssache. Generell versuche ich von dem übersüßten Geschmack, den uns die Nahrungsmittelindustrie andichtet, weg zu kommen. Auch kann ich Labkrautgelee nicht täglich essen (der Geschmack ist schon speziell)  und koche es deshalb in kleinen Gläschen ein. Aber jedes Mal wenn ich ein Labkrautgelee-Gläschen öffne, dann freue ich mich drauf, eben weil es etwas Besonderes ist.

Freitag, 4. Juli 2014

Kuriose Gedanken beim Essen: Warum wir alle keine Vegetarier sind oder wie viele Insekten isst ein Mensch in seinem Leben?

Eine Marienkäferlarve in meinem Bärenklau. Fast hätte ich sie übersehen,
aber sie überstand den Abwasch und kletterte da so mobil herum - ganz nach dem Motto:
Wenn dies ein vegetarisches Gericht werden soll, muss ich hier raus.
Beim Sammeln von Wildkräuter kommt es häufiger vor, dass man Spinnen, Käfer, Larven, Raupen oder sonstige Tiere mit nach Hause bringt. Nach dem Waschen ist das meiste auch weg - natürlich rette ich jedes Tierchen und setzte es nach draußen. Ergo gehe ich  beim Essen davon aus, dass das Thema "tierische Beikost" sich auf das beschränkt, was ich im vollen Bewußtsein meiner kognitiven Fähigkeiten auf den Teller lege. Das Schnitzel, die Fleischbällchen, die Hühnerbrust - das sind die definierten Mengen die ich bewusst verspeise, wo ich eine Wahl habe, ob ich das esse oder nicht, ob ich viel davon essen oder wenig, ob ich Bio-Fleisch kaufe oder die Massentierhaltung unterstütze. Was ich aber nicht sagen kann: Wenn ich kein Fleisch essen, dann bin ich Vegetarier.
Beim Thema Vegetarismus bin ich zwiegespalten. Weniger ist mehr. Und dennoch ist Fleisch von je her eine wichtige Eiweißquelle für uns. Sogar Schimpansen gehen mitunter auf die Jagd und fressen sogar kleine Affen, die sie am lebendigen Leib auseinander reißen, weil ihr Köper nach Eiweiß giert. Also von einer Affenhorde gejagd und getötet zu werden, ist nicht schön anzuschauen. Aber es zeigt: Auch unsere Artverwanden benötigen hin und wieder Fleisch. Etwas weniger als wir - vielleicht weil sie deutlich mehr Insekten essen, die ebenfalls eine hochwertige Eiweißquelle sind. Insekten sind für uns Menschen die Eiweißquelle der Zukunft. Erkannt haben das schon einige, das Essen von Insekten in Insekten-Restaurants gilt aber immer noch eher als Abenteuer, denn als Normalkost.
Das Verrückte: Gerade jene Konsumenten, die viel Obst und Gemüse essen, weil sie auf Fleisch verzichten, essen auch mehr ... Insekten. So gucke ich nicht in Kirschen, wenn ich sie essen, einfach aus dem Grund, da ich meinen Kirschbaum nicht spritze und weiß, dass da ganz sicher Maden der Kirschfliege drin sind. Die schmecken nach Kirsche, wonach auch sonst. Man muss die Kirsche nur gut kauen, damit die Made ein schnelles Ende findet und nicht erst im ätzenden Magensaft ihren Todeskampf führt. Eklig? Ansichtssache. Die Made durfte bis zu ihrem Tod im biologischen Paradies wohnen. Ihren Tod hat sie nicht kommen sehen. Sie ist glücklich schmatzend relativ rasch gestorben und musste dafür noch nicht einmal ihr Paradies verlassen. Welches ehemalige Schwein oder Rind auf dem Teller kann das schon von sich behaupten? Bei der Marienkäferlarve musste ich dann aber schon die Stirn runzeln. Wonach schmeckt die wohl? Die frisst Blattläuse. Blattläuse haben ich auch sicherlich schon in Unmengen unbewußt konsumiert, aber so einen richtigen "Blattlausgeschmack" hab ich dabei nie feststellen können. Auf der anderen Seite schmecken Marienkäfer widerlich....fragt jetzt bitte nicht, woher ich das weiß...
Wir essen dennoch Käfer! Die befinden sich im Müsli. Kein Witz. Betrachtet Bio-Müsli mal im Binokular. Da sind Unmengen an verbröselten Käferbeinen und Panzerresten zu finden. Wer Müsli isst, kann sich definitiv nicht Vegetarier nennen. Ich muss immer schmunzeln, wenn auf dem Müsli steht, es würde sich um ein "veganes" Produkt handelt.
Statistisch gesehen isst jeder "normale" Bundesbürger 500 Insekten in seinem Leben - die Angaben  schwanken stark, wenn man im Internet danach googelt....mal im Schlaf, mal beim Radfahren, mal nur Spinnen, dann nur Ameisen.  Ich frag mich wie man eine solche Zahl ermitteln kann. Ich schätze mal hinter die 500 kann man getrost eine weitere Null hängen - oder zwei. Wie viele Kirschen habe ich schon gegessen in denen Maden waren? Wie viele Kilo Müsli mit knusprigen Käferbeinen verdrückt? Wie viele Blattläuse sind der Salatwaschung nicht entkommen und wurden in meinen Magensäften aufgelöst? Und wie viele Marienkäferlarven haben sich in meinem Bärenklau noch versteckt? Und da zähle ich die 8 statistisch im Schlaf  verschluckten Spinnen im Leben noch gar nicht mit. Oder die Insekten, die man beim Radfahren so einatmet. Ich rechne mal mit 10.000 Insekten die man so im Leben isst - aber das ist nur eine reine Bauchgefühl-Nummer. Und das sind gute Bio-Produkt-Insekten oder Wildtiere, nicht diese antibiotikaverseuchten Tiere aus der Massentierhaltung. Irgendwie beruhigend, oder?  Wir sollten mehr Insekten essen.
Nein, Vegetarier kann ich mich wahrlich nicht nennen. Wie die Urzeitmenschen gehen ich sammeln und unbewusst jage ich dabei das eine oder andere Insekt, das meinen Speiseplan auf wundersame Weise bereichert. Aber die Marienkäferlave auf dem Bild sitzt nun auf meiner Kapuzinerkresse und verdrückt glücklich die Blattläuse....bis zum nächsten Salat, wenn ich mal wieder Kapuzinerkresse brauche. :-)

Mittwoch, 2. Juli 2014

Kartoffelbrei mit Bärenklau

Der Bärenklau vor der Blüte.
Dies ist ein einfaches, aber auch leckeres Rezept. Bärenkau gehört zu den Pflanzen, die Kartoffelgerichte mit ihrer würzigen Note extrem gut aufwerten. Es gibt kaum ein Wildkraut, das besser zu Kartoffen passt - noch nicht mal Petersilie. Auf der anderen Seite sind Kartoffel an sich schon ein gutes Basismaterial, um die Geschmacksrichtungen von verschiedenen Wildkräutern  auf sehr milde Weise kennenzuernen, da sie viele Bitterstoffe abbinden.


Sammeltipps:

Zwei handvoll Bärenklau sind eine gute Menge für 500g
Kartoffen.
Bärenklau findet sich häufig auf landwirtschaftlich genutzen Wiesen. Meist ist er im Juli schon recht hoch und setzt Blüten an. Wird die Wiese aber regelmäßig gemäht, finden sich auch jetzt, im Juli,  noch frisch austreibende Blätter die geerntet werden können. Macht dies am Besten in den Abendstunden, wenn die Sonne nicht mehr sticht oder tragt Handschuhe. Der Wiesen-Bärenklau kann, wie sein großer Verwandter die Herkulesstaude,  Hautreizungen auslösen

Zutaten für den Kartoffelbrei mit Gänsefingerkraut oder Bärenklau :

Mit einem Kartoffelstampfer ist der
Wildkräuter-Kartoffelbrei schnell fertig.
  • 500 g  Kartoffen
  • 1-2 handvoll junge Bärenklau-Blätter oder die Hälfe junger Gänsefingerkaut-Blätter
  • 1 Zwiebel
  • etwas Öl
  • 1/4 l Gemüsebrühe
  • Muskat, Salz, Pfeffer
  • Nach Belieben etwas Sahne

Zubereitung:

Die Kräuter waschen und sehr fein schneiden. Die Zwiebel klein schneiden und in Öl anbraten, die Kräuter dazugeben und mit Gemüsebrühe ablöschen. Alles 10 Minuten leise köcheln lassen. In der Zeit die Kartoffeln schälen, klein schneiden und kochen (oder Pellkartoffen vom Vortag nehmen). Das Karoffelwasser abgießen und die gedünsteten Kräuter zufügen. Mit einem Kartoffelstampfer alles zu Brei stampfen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Wer es noch milder mag, der kann einen guten Schuß Sahne hinzufügen.
Der Kräuter-Kartoffelbrei lässt sich nun dekorativ anrichen und schmeckt z.B. zu Karottengemüse und Fleischbällchen. :-)

Kartoffelbrei ist langweilig? Alte Kartoffeln auch? Wie wäre es mit ein wenig Wildkräuter-Pepp durch Wiesen-Bärenklau. Das macht aus einem banalen Gericht wieder eines, das im Wildkräuterlokal mit viel Tam-Tam angepriesen werden würde und einen anständigen Preis hätte.

Sonstiges:

Die jungen Blätter des Wiesen-Bärenklaus schmecken sehr würzig. Der Duft der Pflanze ist allerdings eher abschreckend.   Da sich mit dem Kochen aber der Geruch verflüchtigt, bleibt im Kartoffenbrei die würzige Note zurück. Also keine "Furcht" vor einem Kraut, an dem man riecht und denkt: "Was? Das kann man essen? Riecht ja widerlich."  Der Bärenklau überrascht den, der sich überwindet,  mit einem vorzüglichen Geschmack. Er ist ein wenig mit der indonesischen Durian-Frucht vergleichbar: Stinkt wie die Hölle, schmeckt aber wie der Himmel - nur eben, dass Bärenkau eher unter Gemüse einzuordnen wäre, als unter Obst (wobei Obst und Gemüse keine botanische Einteilung ist!). Bärenkau ist ein richtiges "Wildkräuter-Einsteigerrezept für angehende Hardcore-Kräuterfans". Hardcore deshalb, da die Furocumarine im Bärenklau bei Berührung durch empfindliche Menschen im Sonnenlich Hautreizungen auslösen können! Deshalb ist ein wenig Vorsicht geboten. Evtl. empfieht es sich nicht nur beim Sammeln, sondern auch bei der Verarbeitung Handschuhe zu tragen. Es gibt aber auch Menschen, die überhaupt keine Probleme mit den Fucocumarinen haben, dafür auf Doldenblütler reagieren. Da der Bärenklau zu solchen zählt, sollten Allergiker,  die Gewächste aus der Familie der Apiaceae nicht vertragen, lieber keinen Bärenkau verwenden. Das muss jeder für sich vorsichtig austesten.Es gibt aber viele Menschen, die weder mit Forocumarinen noch Doldengewächsen Probleme haben und hier eine echte Bereicherung ihrer Küche finden.

Montag, 30. Juni 2014

Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie

Noch ein Smoothie? Dieses Mal ist er wieder ein wenig grün-gelb, aber anders als der Labkraut-Zitronen-Smoothie gibt dieser hier keinen frischen Atem, dafür aber schöne Haut. Feuchtigkeit aus der Melone und die Gamma-Linolsäure aus den Nachtkerzen sorgen dafür, dass dieser Smoothie eine Wohltat für die Haut ist. Schönheit kommt von innen :-)

Überschaubare Zutaten für den Nachtkerzen-Smoothie. Fehlt nur noch etwas Wasser und ein Teelöffel Öl.

Zutaten für den Nachtkerzenblüten-Melonen-Smoothie:

  • 1/2 Honigmelone, Gaia- oder Netzmelone
  • 5-10 Nachtkerzenblüten
  • 1 TL Öl (am besten Nachtkerzenöl (mit dem Code "Sindy10" erhaltet ihr 10% Rabatt auf ein wirklich hochwertiges Öl, das ich auch gern verwende!) ; Sonnenblumenöl ist aber auch möglich)

In 5 Min. ist dieser Hautschmeichel-Smoothie mit
Nachtkerzenblüten zubereitet.

Zubereitung:

Die Melone schälen und in grobe Stücke zerteilen. Die Kerne müssen nicht entfernt werden, die kann man mit mixen. Die Nachtkerzenblüten ausklopfen, da gern kleine Käfer in den Blüten sitzen. Alles im Mixer mit etwas Wasser  2-3 Minuten mixen.


Sonstiges:

Nachtkerzenblüten sind extrem schnell verwelkt. Ich hab gute Erfahrungen mit der Lagerung der Blüten in Plastiktüten gemacht, die ich aufgeblasen und dann mit einem Klipp luftdicht verschlossen habe. Die Blüten halten sich so im Kühlschrank wenigstens eine Nacht, sollten dann aber spätestens am nächsten Tag verbraucht werden.

Sonntag, 29. Juni 2014

Giersch-Pesto - ein echtes Unkrautgourmet-Rezept

Pestos aus Wildkräuter sind schnell zubereitet und grade das Giersch-Pesto kommt mit einem Minimum an Zutaten zum maximalen Geschmack. Ein echtes Unkrautgourmet-Rezept, denn grade Giersch wird von in vielen Gärtnern als echte Plage bezeichnet. Definitionssache. Für Wildkräuterfans ist es echtes Gemüse :-)

Zutaten für ein leckeres Pesto aus dem Wildkraut Giersch: Gehackte Mandeln, Salz, Pfeffer, Parmesan, Öl und natürlich Giersch.


Im Mörser werden die Zutaten zerkleinert und vermengt.
Im Topf gebändigt oder verarbeitet -
so ist Giersch kein Ärgernis :-)

Sammeltipp:

Jetzt Ende Juli sind die älteren Blätter des Giersch leider kaum mehr für Pestos zu gebrauchen. Die Blüte ist auch fast vorbei und die älteren Pflanzenteile sind zäh und ledrig. Wer den Giersch aber immer mal wieder mit dem Rasenmäher überfährt, kann ganzjährig junge, zarte Blätter ernten. Die jungen Blätter erkennt man daran, dass sie noch glänzen. Wer aber beißfreudig ist kann auch etwas ältere Blätter noch verarbeiten. Der Geschmack ist derselbe, die Konsistenz aber "ledriger".


Zutaten für das Giersch-Pesto:

  • 60 g Giersch (das sind ca. 2-3 handvoll)
  • 40 g fettfrei angeröstete, gehackte Mandeln oder Sonnenblumenkerne
  • 75 g geriebener Parmesan
  • 150 ml Raps- oder Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Gierschblätter fein hacken, dann im Mörser mit Mandeln und Parmesan zerreiben. Anschließend mit so viel Öl verrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist und mit Salz und Pfeffer nach Geschmack würzen. Wer es kräftiger mag, erhöht die Parmesan-Menge.
In Ermangelung eines Mörsers kann man das Pesto auch mit dem Pürierstab zubereiten, dann aber nur kurz anpürieren, sonst wird das Pesto zu musig.

Sonstiges:

  • Giersch-Pesto passt zu vielen Anlässen: als Topping auf Kräcker, zu gekochten Kartoffeln, als Nudel-Pesto oder einfach rustikal aufs Brot...
  • Vollständig mit Öl überdeckt hält es sich im Schraubglas einige Wochen im Kühlschrank. Das Pesto auf dem Bild gibt es schon lange nicht mehr. Das wurde noch am selben Tag unter Spagetti gerührt. Schade. Nun muss ich wieder warten, bis frischer Giersch sprießt.

Samstag, 28. Juni 2014

Das Geheimnis des Mädesüß

Zu manchen Pflanzen fühlt man sich magisch hingezogen, so wie zum Mädesüß. Schon als kleines Mädchen hab ich jene fluffigen Blütenrispen geliebt, die so herrlich nach Kaugummi riechen. Der Geruch stammt von den ätherischen Ölen. Und gleich zwei weitere Inhaltsstoffe machen das Mädesüß so besonders: Vanillin und Salicylsäure.

Mädesüßtee und die Salicylsäure

Ein Tee aus den Blüten ist dank der Salicylsäure ein wenig mit einem Schmerzmittel vergleichbar, das oft als wesentlichen Wirkstoff  Acetylsalycilsäure enthält. Deswegen bringt ein Mädesüßblütentee Linderung bei fiebrigen Erkältungskrankheiten, Grippe und rheumatischen Erkrankungen.

Zubereitung des Mädesüßtees:

Dafür setzt man 1 Tl Blüten (oder 2 TL getrocknetes Kraut, das weniger Salicylsäure enthält) mit 1/4 l kochendem Wasser an und lässt den Tee 10 Minuten ziehen. 2 Tassen am Tag reichen und schmecken mit Honig gesüßt vor allem kranken Kindern.

Der Tee unterstützt aber auch die Ausscheidung über die Niere und galt deswegen auch von Alters her schon als Nierenmittel. Wer davon 4 Tassen am Tag trinken kann, kann mit Mädesüßtee auch eine Blutreinigungskur machen.

Tatsächlich war Mädesüß zusammen mit der Weide, eine der ersten bekannte Quelle, aus der man das Schmerzmittel Aspirin synthetisiert hat. Da es Menschen gibt, die Salicylsäure, den Hauptwirkstoff des Aspirins, nicht vertragen, ist die Anwendung von Mädesüßtee nicht für jeden geeignet.

Äußerliche Anwendung von Mädesüß-Kosmetik

Auch äußerlich lässt sich Mädesüß verwenden: Gerade wer jetzt im Sommer oft unter geschwollen Füßen leidet, kann ein Fußbad oder Kompressen mit Mädesüß versuchen. Dafür kann der oben angegebenen Tee in größerer Menge und in stärkerer Dosierung angesetzt werden.

Ein Rezept für eine straffende Gesichtslotion mit Mädesüß:

Eine Handvoll Mädesüßblüten werden in 150 ml Wasser gekocht, so lange ziehen lassen, bis das Wasser kalt ist. Anschließend abfiltern,  mit 100 ml Hamameliswasser verrührt und in Flaschen gefüllt.

Und woher hat das Mädesüß seine Namen?

Das bleibt wohl das Geheimnis dieser Pflanze. "Süß" kommt ganz klar vom süßen Duft, den das Mädesüß verbreitet. Aber "Mäde"? Man munkelt, das ist ein Wortbestandteil, der sich sowohl von "Met", als auch "Mede" ableiten lässt.
Met war jener altgermanischen Honigwein, den unsere Vorfahren wohl auch mit Mädesüß aromatisiert haben. Auch heute wird mit Mädesüß Milch, Sahne, Wasser und auch Wein aromatisieren, wie im "Mädesüß stirred" oder dem Mädesüßpudding vorgestellt. Das Vanille-Aroma  und die ätherischen Öle übertragen sich auf die Flüssigkeiten und geben ihnen ein ganz besonders lieblich-süßes Aroma.
Auf der anderen Seite ist "Mede" ein alter Begriff für Grasland. Beim Trocken von mädesüßhaltiger Maht, riecht diese ebenso süß - im englischen auch "meadow sweet" bezeichnet. Meadow = Wiese. Moment. Mead? Wenn man das so liest, wie es da steht: M E A D, kommt man schnell zu "Mäde".
Von Mädchen kommt Mädesüß also nicht. Oder doch? Die Bauersburschen lagen bestimmt gerne mit ihren süßen Mädchen im lieblich duftenden Heu und im Mädesüß, nachdem sie das Gras gesennst und gerauft haben.  Vielleicht haben Mede und Mädchen im Mädesüß zusammengefunden...Wie auch immer: Das Mädesüß wird sein Namens-Geheimnis wohl ewig wahren.