Mittwoch, 14. Dezember 2016

Die Apfellocken, die Schreibpause und jede Menge Reflexion

Ein herzliches Dankeschön an alle treuen Blogleser! Einige von Euch haben mir geschrieben und mich gefragt, was ich denn mache, wo doch hier so lange kein neues Rezept erschienen ist.
Apfelringe aus dem Ofen sind nicht nur langweilig und unökologisch. Mach doch lieber Apfellocken.
Das erzähle ich euch gerne, doch vorher lade ich euch zu einem auf  neudeutsch titulierten "Live-Hack" ein: Wie trocknet man Apfelringe ohne Sonne wenigstens einigermaßen effizient im Ofen. Das wichtigste ist: Ihr nutzt Ökostrom. Das zweite: Ihr nutze den Platz im Ofen! Das dritte: Ihr nutzt den Ofen zuvor für anderes und dörrt nur in der Restwärme.Ja, das ist nicht neu....außer das mit dem Platz vielleicht. Und da kommen die wundersamen Apfellocken ins Spiel. Apfelringe sind doch langweilig oder?
Besser als Chips und origineller als langweilige Apfelringe: Die Apfelspiralen.
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich in Artikeln Bilder oder youtube-Videos  zu "Dörren von Apfelringen" sehen, wo sagenhafte 10 oder 20 Apfelringe auf einen Blech nebeneinander zum Trocknen im Ofen liegen. Schluss damit. Wenn schon im Ofen, dann richtig. Dazu braucht ihr kein Blech, sondern das Ofenrost, wenn möglich sogar zwei oder drei davon.

Keine 5 Minuten und 50 Äpfel waren fertig zum Dörren.
Happy-Food: Apfelspiralen nach dem Dörren im Ofen.
Ordendlich geschrumpft: Die Apfellocken
Viele Streuobst-Apfelsorten behalten beim Trocken ihre
schönen Farben, ganz ohne Zitronensäure.
Als sehr praktisch hat sich hier ein  Apfelspiralschneider* entpuppt,  ein wirklich tolles Gerät: die Kinder essen doppelt so viele Äpfel in der Hälfte der Zeit. Der entkernt euch den Apfel und schneidet ihn in einheitlich dicke, gut zu trocknende Spiralen, die man mit einen Schnitt in Ringe aufteilen kann, wenn man das möchte. Wer das Gesündeste, die Schale, auch noch entfernt haben möchte, für den erledigt das der Apfelspiralschneider gleich mit.
Jetzt geht´rund: Kurbelt. Dann nehmt ihr das Gitter in eurem Ofen, "bockt" es mit vier Tassen auf dem Tisch und hängt die Äpfel ins Gitter. Immer zwei Apfel-Spiralwindungen zwischen zwei Gitterstäbe (wie im Titelbild des Beitrags). Weiter auseinander wäre Platzverschwendung, dichter geht auch nicht, da die Äpfel sonst schlecht trocknen. Schön Apfel an Apfel setzten, das ganze Gitter voll. Wenn ihr einen Nachbarn habt, der zufällig ein zweites passendes Gitter besitzt, und vielleicht noch einen dritten Nachbarn mit noch einem passenden Ofenrost für euren Herd, dann bekommt ihr mit einer Ofenladung 40-60 Äpfel je nach Größe zeitgleich getrocknet! Dann lohnen sich die 50-60 Grad über mehrerer Stunden im Ofen ...eigentlich auch unnötig. Backt Plätzchen! Dann nutzt zum Dörren die Nachwärme des Ofens. Nach drei Plätzchenladungen an drei hintereinanderfolgenden Tagen sind auch die Apfelringe fertig -  zusammen mit sämtlichen Plätzchen für die Adventszeit. Weihnachten kann kommen. Sehr entspannt. Sehr ökologisch. Sehr nachhaltig. Mich mach das glücklich.

Als Tipp: Man muss etwas vorsichtig sein, wenn man die getrockneten Apfelspiralen vom Gitter löst. Sie zerbrechen schnell, wenn sie knochentrocken geworden sind. Am Besten die Äpfel während des Dörrens immer mal wieder am Gitter etwas bewegt, damit sie nicht festbacken.

Die Apfelspiralen am Stück sehen übrigens wirklich chic aus und sind ein super schönes selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk - natürlich in einer schönen, jahrelang wiederverwertbaren Keksdose. Klar solltet ihr dafür dörrtaugliche Apfelsorten verwenden, viele der alten Sorten sind anno dazumal eigens zum Dörren gezüchtet worden (Orleonsrenette, Hauxapfel oder Glockenapfel, um nur drei von 2000 zu nennen) und behalten, wie man auf den Fotos sehen kann, ihre Farbe.  Zur Not eigenen sich auch  regional angebaute, dieses Jahr geerntete Boskop-Äpfel.

Zabergäurenette, Winterprinz und Co. Die alten Apfelsorten haben nicht nur tolle Namen,
sondern auch tolle Eigenschaften.

Dörrautomat ja oder nein?

Brauch man einen Dörrautomat? Nö. Euch den Apfelschneider zu empfehlen ist mir eigentlich schon 100 % Konsum zu viel, denn es tut auch ein Messer. Aber ich habe das Ding mal geschenkt bekommen und  habe mich diesen Herbst damit bestimmt schon zweimal um die Welt gekurbelt. Ich nutze es wirklich fast jeden Tag. Ein guter Vorsatz fürs nächste Jahr: WENIGER konsumieren! Im Zweifelsfall also nicht kaufen. Weder Spiralschneider, noch Dörrautomat. Die Äpfel schmecken saftig ohnehin am besten und sind auch viel gesünder so. Ich braucht aber eine Alternative für die "Karoffel-Chips-o-Manie" meiner Jungs. Apfelringe sind eine wirklich gute Alternative.

Dem digitalen Overflow entgegnen

So, nachdem wir nun Apfelchips zum Knuspern haben, kommt nun auch die Antwort auf die Frage: Was tue ich? Ich lebe - und ich tue es wirklich, nicht am Bildschirm, sondern bewusst, präsent, relativ frei von PC, Handys und technischem und digitalen Overflow. Mal wieder 100% mit Kopf, Körper und Seele bei einer Sache sein. Etwas, dass sich in unserer Gesellschaft als echte Herausforderung entpuppt. Mein täglicher Spießroutenlauf.

Wirklich Entschleunigung

Es tut gut sich den Luxus zu erlauben gewissermaßen technisch aus dem Mainstream auszusteigen, wieder den Menschen direkt in die Augen zu schauen und nicht mit dem Kopf in der Hosentasche zu stecken und sich zu fragen, ob der Vibrationsalarm nun wirklich das Wort "Alarm" verdient hat. Entschleunigung. Doch, doch, ich schreibe nach wie vor E-Mail und nutze das Internet. Aber in Maßen. Eine Stunde am Tag - Maximum. Am Wochende versuche ich es ganz zu vermeiden. Wieder mehr Bewusstsein für den Tag, mit Herz und Geist bei der Familie. Machst du eine Tür zu, öffnen sich drei neue.

Zeit der Reflexion

Es ist viel passiert, das mir zu denken gab, privat ebenso, wie weltpolitisch. Und ich nahm mir etwas heraus, das heute nicht mehr selbstverständlich ist: Ich nahm mir die Zeit, das alles zu reflektieren, daraus für mich persönliche, konkrete Schlüsse zu ziehen, zu hinterfragen und zu überlegen, wie diese Erkenntnisse wirklich in meinem Alltag zum Tragen kommen und nicht einfach als Gedankenfetzen verhallen. Das Fazit: Entschleunigung. Wirkliche Entschleunigung. Nicht dieser "Work-Life-Balance"-Hype. Nicht das  X-Angebote von Dienstleister Y, der mir "werde-zum-Guru-trotz-einer-88h- Arbeitswoche-und-das-in-13,5min-für-nur-340,98 Euro-und-wenn-du-dich-die-nächsten-24h-entscheidest-zahlst-du-10%-weniger-und-wirst-die-nächsten-180Wochen-täglich-dreimal-gratis-mit-unserem Newsletter-erschlagen-der-dir-zeigt-wie-du-mehr-Zeit-im-Alltag-für-dich-findest". Stopp!

Schalt ab!

Echte Entschleunigung. Das bedeutet mehr Menschlichkeit, mehr Zeit, mehr Wärme, mehr achtsamer Umgang - viel mehr. Sehr viel mehr! Mit allem, vor allem mit der eigenen Familie, mit Kindern, Freunden, Mitmenschen und mit sich selbst. Mit Ressourcen, der Natur, mit dem, was man ohnehin besitzt. Nichts, das man für Geld kaufen kann. Ja, so ein Pech. Ich könnte ein Seminar dazu anbieten und reich werden, aber dann wäre ich nicht besser als Dienstleister Y....paradox. Es bedeutet Sachen direkt abzuschalten, nicht erst noch 10 anderen Sachen anzufangen, die einem zeigen sollen, wie man abschaltet, nur um dann herauszufinden, dass man dem Burnout längst erlegen ist, noch bevor man bei Sache 5 angekommen ist. Im Grunde weiß man es doch.  Nur der Mut fehlt. Macht einfach - beziehungsweise macht weniger! Viel weniger. So einfach. Kostenlos.

Weniger Konsum macht glücklich

Die Frage nach dem "brauche ich das wirklich?" stellte ich mir anfangs ganz bewusst jeden Tag, genau so, wie die Frage nach dem "macht mich das wirklich langfristig glücklich?" Und man ist überrascht, wenn die Antwort so oft "nein" lautet. Es wird mit der Zeit besser. Man verinnerlicht diese Art zu denken. Man stellt fest, dass man gar nicht viel benötigt, um glücklich zu sein. Dann stellt man sich diese Fragen nicht mehr täglich, sondern wöchentlich - irgendwann monatlich. Jetzt zu Weihnachten stelle ich sie mir bewusst wieder täglich. Und die Antwort lautet weiterhin sehr oft "nein". Dann lächele ich. Ich bin glücklich. Weniger Konsum ist die Folge. Mehr Bewusstheit. Viel mehr Ruhe und Gelassenheit. Ich habe mehr gewonnen, als ich zurückgelassen habe. Und dann ist es auch nicht mehr schwer, für die Dinge, die man wirklich benötigt, wieder etwas mehr auszugeben (auch wenn man nicht viel hat), dafür aber qualitativ Hochwertiges und Nachhaltiges zu kaufen.  Erstaunlicher Weise war das Erste, das ich mir unter diesem Aspekt neu zugelegt habe, eine handgeschmiedete Sense aus Österreich. Ja, da musste ich selbst drüber schmunzeln. Aber die Sense macht mich glücklich.Verrückt.

Ein selbstgewickelter Korb voll selbst gesammelter Streuobstäpfel. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.

Entdigitalisiert gegen den Mainstream der Gesellschaft

Leben kann man nicht am PC und auch nicht davor, nicht am Handy, an keinem Display dieser Welt, nur im mitmenschlichem Umgang, im täglichen Tun. Klingt ein wenig nach Mutter Theresa. "Du willst die Welt retten?", stellt  neulich mal ein Freund von mir fest. Hm. Wenn man es so sieht....vielleicht. Wenn es mir gelingt...warum nicht? Mein vorrangiges Ziel ist das aber nicht. Sondern das Ziel gilt eigentlich mir und meiner Familie selbst:  Mehr im Hier und Jetzt, mehr Zeit, mehr soziale, direkte Qualität. Es ist mal wieder paradox. Gleichzeitig leben wir in einer vernetzen, schnellen, oberflächlichen Ich-Welt, englisch "I"...wo das überall drin steckt.... I-Phone, I-Pad, I-solation. Bezeichnend. Es gibt dazu ein schönes youtube-Video:  Look up von Gary Turk. Das ist das englische Original, irgendwo gibt es auch eines mit deutschem Untertitel. Fast 60 Millionen Mal wurde es angesehen. Ob 60 Millionen Menschen danach wirklich das Handy weggelegt haben? Dauerhaft? Oder ob sie wieder vom digitalen Mainstream der Gesellschaft verschluckt wurden? Fünf Minuten können dem Leben einen neuen Impuls geben, aber im Leben selbst wird sich zeigen, ob der Impuls verhallt oder zu einem wirklichen Lebenswandel führt. Ich habe es geschafft. Seit fast einem Jahr habe ich das Bloggen ruhen lassen können, hab entspannt die sinkenden Besucherzahlen beobachtet. Anfangs war ich etwas traurig, aber dann sieht man, das Klickraten eben nicht alles sind, vor allem nicht in einen Blog wie diesem, der nicht aufs Geld verdienen ausgelegt ist, eigentlich auch nichts verkaufen möchte. Die Klickrate ist dann die einzige Messlatte. Um so schwerer ist es, sich davon zu verabschieden, auch mal Dinge zu tun, ohne sich zu vergleichen. Plötzlich fühlt man sich wieder wie ein Astronaut in der Schwerelosigkeit. Alles wird viel leicher....natürlich hat man bei so viel Leichtigkeit erst mal mit der Orientierung zu kämpfen. Doch es gelingt. Wirkliche Entschleunigung bedeutet, man muss erst mal eine Tür zu machen, dann öffnen sich drei neue.

Daher ist es hier 2016 still gewesen. Ich werde auch weiter bloggen, wenn ich die Muse dazu habe. Im Moment erfordert die reale Präsenz meine ganze Aufmerksamkeit :). Aber alles hat eben seine Zeit.

Apfelbohrkern-Tee - Resteverwertung der Apfelringe

Und was machen wir zum Abschluss mit den ausgestochenen Apfelgehäusen von unseren Apfellocken? Tee aus "Apfelbohrkernen": einfach 4-5 der ausgestochenen Apfelkerngehäuse  in eine Teekanne geben, heißes Wasser drauf und 5 min ziehen lassen. Wer möchte gibt noch Honig hinzu oder einen Schuss Apfelsaft. Der Tee schmeckt auch kalt gut. Vielleicht denkt ihr bei einer Tasse ja darüber nach, was ihr in eurem Leben ändern wollt, um glücklich zu sein. Eines kann ich euch versprechen: Es wird erst mal nichts sein, was ihr kaufen könnt, sondern etwas, das ihr euch nehmen müsst und dürft: Zeit. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine besinnliche Adventszeit.
"Apfelbohrkern-Tee" - als Resteverwertung der ausgestochenen Apfelgehäuse . Schmeckt auch kalt
und lässt sich bei Bedarf mit einen Schuss Apfelsaft süßen.

Montag, 29. Februar 2016

Brennnessel-Pesto mit Beifuß

Die Kunst eine rohe Brennnessel zu essen

Oh ja, ich esse Brennnesseln, reichlich und mit Vorliebe roh. Während beim erstem Satz die meisten Menschen die Augenbrauen hochziehen, fallen beim Wort "roh" oft die Kinnladen nach unten: "Wie zum Kuckuck kann man rohe Brennnesseln essen?"
Tatsächlich geht das mit einen blanko Brennnesselblatt, das man mal eben durchs Öl zieht. Mit so einer Ölschicht brennt nichts mehr. Gut kauen tut sein übrigens und auch die Schleimhäute im Mund kommen ganz gut mit den kleinen Brennhaaren zurecht. Mit so einen Ölmantel ist die Brennnessel also in ihrer ganzen Schönheit sogar salattauglich. Doch zugegeben: Beim ersten Biss in ein vollständiges Blatt ist einem schon ein wenig mulmig. Vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein unbenetztes Brennhaar...Weitaus ungefährlicher ist da das Brennnesselpesto, heute mit einer kleiner Geschmacksergänzung.
Da Brennnesseln gern flächendeckend oder zumindest büschelweise wachsen, lässt sie sich
bereits jetzt im Februar schon wunderbar ernten.
Ein tolles Gemüse - schmackhaft, gesund und unverwüstlich.

In Anbetracht der zarten Triebe meines Liebenlingsblattgrüns kann ich nicht widerstehen: Brennnessel! Hurra!  Da ich meine Bestände aber noch etwas schonen muss, wird das Pesto um den Beifuß ergänzt, der aktuell auch seine ersten Blättchen in den zaghaften Frühling steckt.

Zutaten fürs Brennnessel-Pesto mit Beifuß

  • Ein Büschel junge Brennnesseltrieben  (das sind ca 75-100g, fertig vorbereitet)
  • 10-20 Beifußblättchen, was man eben jetzt finden kann
  • 30 g Mandeln, gemahlen
  • 40 g Parmesan, geriebene
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer
  • Olivenöl 

Falls vorhanden, die groben Brennnesselstiele entfernen und die Brennnessel und den Beifuß kleinschneiden. Den Knoblauch durch die Knoblauchpresse drücken oder kleinschneiden. Wer einen Mörser hat, mischt nun alle Zutaten im Mörser zu einer Paste und fügt dabei so viel Öl zu, dass die Masse schön pastös wird.
Die schnellen, nicht italienischen Köche, können auch einen Pürierstab oder Mixer verwenden. Dann aber nur kurz pürieren, damit die Pflanzenteile nicht zu fein und suppig werden, sonst wird das Pesto zu matschig. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
In einem Schraubdeckelglas  mit einer Ölschicht bedeckt hält sich das Pesto gut 3 Wochen im Kühlschrank - aber wahrscheinlich wird es viel schneller gegessen.

Zart-würziger Beifuß und krautig-herbe Brennnessel, ein tolles Küchenduo.

Beifuß ist toll. Den werde ich Euch im Laufe des Jahres noch genauer vorstellen.  Doch nun gibt´s erst mal Abendbrot: frisches Brennnessel-Beifuß-Pesto auf frischen Baguett. Yummi.


Insekten im Februar beobachten leicht gemacht 

Uhi, fast wärs kein veganes Essen mehr gewesen. Unglaublich! Draußen hat es 3 Grad aber auf meiner 10 cm hohen Brennnessel sitzt bereits der erste Gast: die Raupe einer Achateule. Ich werde also etwas weniger Brennnessel räubern, damit der kleinen Raupe Nimmersatt die Nahrung nicht ausgeht.
Die Raupe einer Achateule jetzt im Februar auf einer Brennnessel.

Achateulen sind nicht selten. Sie gehören zu den unscheinbaren Abendfaltern, an denen die heimischen Wildvögel sich genüßlich tun. Die Raupen der Achateule fressen auch Löwenzahn, Salweide, Ampfer und noch so einige andere Gewächse, doch keines von denen ist schon so weit, wie die Brennnessel. Wer also erste Falterraupen beobachten möchte, sollte die Tage immer mal wieder auf die Brennessel gucken. Allein 22 Schmetterlingsarten nutzen die Brennnessel als Futterpflanze. Ich stehen also mit meiner Begierde für Brennnessel in einen wirklich harten Konkurrenzkampf :).

Mahlzeit. Brennnessel-Pesto mit Beifuß schmeckt köstlich als Brotaufstich oder zu Nudeln.


Samstag, 27. Februar 2016

Das Lebensgeister-Elixier gegen die Frühjahrsmüdigkeit

Frühlingsstart mit einen Brennnessel-Power-Drink

Gratis Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit: Brennnessel! Hier zum Einnehmen als Getränk.
Ein Mann geht in die Apotheke: "Guten Tag, haben Sie etwas gegen Frühjahrmüdigkeit?"
 "Aber sicher doch", antwortet der Apotheker: "Wir haben hier ein einzigartiges, altbewährtes Produkt. Als Inhaltsstoffe sind aufgeführt: Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Silicium, Eisen, Mangan, Vitamin C, B2, B5, E und K. Ferner enthält es krebshemmende Carotinoide, die auch beim Sehvorgang und für die Haut und Leber wichtig sind. Außerdem enthält es krebsvorbeugende,  antiviral und antibakteriell wirkenden Flavonoide, die  sich auch  positiv auf Ihr Herz-Kreislaufsystem auswirken. Das Produkt enthält auch Kumarin, das  beruhigend und gefäßharmonisierend wirkt, die Blutgerinnung verringert und die Lymphe in Fluß bringt. " 
"Klingt wie ein Wundermittel", nickt der Kunde.
Der Apotheker zieht die Augenbrauen hoch: "Oh ja! Es in in der Tat ein Wundermittel! Als besonderes Bonbon enthält es Acetylcholin , das den Blutdruck senkt, die Darmtätigkeit aktiviert und ebenfalls Ihre Gefäße erweitert; dazu kommen Ameisen- und Essigsäure. Beides dient als natürliches, antibakteriell wirkendes Konservierungsmittel. Als besonderer Inhaltsstoff  ist in diesem Mittel Serotonin enthalten: Es reguliert die Weite sämtlicher Gefäße im Körper, ob Blutgefäße, den Margen-Darm-Trakt oder die Atemwege. Serotonin ist auch als Glückshormon bekannt ."
Der Kunde schaut den Apotheker ungläubig  an:  "Das klingt wie ein unbezahlbares Wundermittel. Allein vom Zuhören bin ich schon deutlich wacher geworden."
An dieser Stelle dürft Ihr alle selbst überlegen: Was wäre Euch ein solches Mittel in der Apotheke wert?

Der Apotheker nickt und reicht dem Kunden eine Brennnessel: "Das Wundermittel gibt es gratis."
Eigentlich müsst diese Pflanze ein Vermögen kosten: die Brennnessel. Zum Glück kostet sie nichts.
Dieses Power-Mittel gibt es kostenlos sprichwörtlich an jeder Straßenecke,
sofern diese nicht von Hunden und Füchsen frequentiert wird....
 
Die Natur ist wundervoll - leider läuft das in den Apotheken etwas anders. Dort hättet Ihr nun einen Berg an teuren Mittelchen auf dem Tresen liegen.  Doch die grüne Apotheke der Natur kostet nichts. Willkommen zurück im Unkrautgourmet. Die Winterpause geht langsam zu Ende und ich scharre schon mit den Fingernägeln in der Erde auf der Suche nach dem ersten essbaren Grün.

Übrigens: Keinen der oben genannten Inhaltsstoffe kann man mit einer Handvoll Brennnesseln überdosiert, wie es bei der Einnahme mit isolierten Substanzen doch recht schnell passieren kann. Bei Einzelmittelchen fehlt  das Maß der Dinge, die Geschmacksstoffe und das "Sattgefühl", die einem sagen, dass es nun aber gut ist und man nicht mehr zu sich nehmen sollte. Doch nun ist es aber gut mit dem Getippe. Auf geht´s an den Mixer.

Zutaten und Zubereitung des Lebensgeister-Elixiers

  • eine Handvoll Brennnessel (das sind etwa 50 g)
  • 1 Banane
  • 500 ml Buttermilch
  • Saft einer Orange
  • Optional: Etwas Honig oder etwas Obst mehr.

Alles Zutaten in einen Mixer mixen und genießen. Schmeckt leicht krautig-herb, lässt sich aber mit Honig oder Obst nachsüßen, wenn man es denn süßer haben möchte.

Die Frage nach dem Mixer: Smoothiemixer oder nicht? Ich habe leider keinen Hochleistungsmixer. Bei mir packt das der Haushaltsmixer noch. Gerade jetzt im zeitigen Frühjahr sind die Blätter eh alle noch butterweich.


Grüne Apotheke gegen Frühjahrsmüdigkeit

Wie schon fertig? Ja! Sehr simple und überaus effektiv. Ich selbst werde die nächsten 4 Wochen alle 2-3 Tage einen brennnesselhaltigen Drink mixen oder sie anderweitig in meinen Speiseplan einbauen, solange mein Körper danach verlangt und habe, bis die Frühjahrsmüdigkeit um mich herum zuschlägt, meine Mineralstoff- und Vitaminspeicher mit der Brennnessel schon längst wieder aufgefüllt, ohne auch nur einen einzigen Schritt Richtung Drogerie oder Apotheke gesetzt zu haben. Da wusle ich lieber in der grünen Apotheke der Natur herum. Frühjahrsmüdigkeit ade. Unkraut ade (Oh, nein! Also ich schneide sie nur ab und reiße sie nicht raus, wenn für mich gehört sie als Gemüse in den Garten und soll ja wieder nachwachsen dürfen...).

Achtung: Histamin

Einen kleinen Wehmutstropfen und Warnhinweis zum Schluss für hochgradige Histamin-Allergiker: In den Brennhaaren stecken auch Histamine, die allergische Reaktionen verstärken oder auch auslösen können. Wer empfindlich auf Histamine reagiert, sollte vorsichtig mit kleinen Mengen testen. Histamine sind leider hitzebeständig, weshalb man dieses Drink nicht mit abgekochten Brennnesselblättern "enthistaminisieren" kann. Ich selbst vertrage auch einige histaminhaltige Lebensmittel nicht gut, aber mit der Brennnessel hatte ich bislang keine Probleme. Das muss jeder selbst austesten.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Die den Weihnachtsbaum isst - der etwas andere Radio-Beitrag

Den Weihnachtsbaum nachhaltig nutzen und ihn konsumieren - ein Radio-Beitrag mit mir im NDR2

Im Norden der Republik arbeiten die Menschen heute (6.Januar), denn nur wir glücklichen Süddeutschen haben am Tag der heiligen drei Könige frei. Zwei dieser fleißigen Nordlichter, Holger Ponik und Ilka Petersen vom NDR2,  haben mich heute morgen schon angerufen und zum Radio-Interview gebeten. Dem bin ich natürlich promt nachgekommen, ging es doch um mein Herzensthema: Die Nutzung des Tannenbaumes nach Weihnachten. Werft das gute Stück nicht einfach weg, wie es in unserer Gesellschaft üblich ist - ist doch so ein Baum das Symbol für Besinnlichkeit und Einkehr gewesen. Ihn weiterzuverwerten ist viel nachhaltiger.
Viel Spaß beim Reinhorchen: hier klicken

Oder mit ein wenig Lesestoff hier:
https://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/Essen-Sie-Ihren-Tannenbaum,weihnachtsbaum1082.html

Ja, bisschen verrückt ist das schon, was ich so mache :-D

Dienstag, 5. Januar 2016

Viel Freude in der Natur für 2016

Nein, ich hab Euch nicht vergessen. Und deswegen möchte ich Euch aus meiner Winterpause nachträglich noch ein gutes, gesundes, wunderschönes Jahre 2016 wünschen. Da ich gerade meine gefühlten 50.000 Fotos sortiere, hab ich auch eine nette Bilderserie gefunden, in der man sieht, wie das Glück wächst :).

Eine Marienkäferlarve...
...und noch eine. Diese hier ist etwas stacheliger und gehört einer anderen Gattung an. Die
Nachtkerzen auf denen die Larven saßen konnte ich natürlich nicht pflücken.

Die Melde war voll mit sich häutenden Marienkäferlarven und damit tabu für die Küche.
Marienkäfer schmecken furchtbar, total bitter und ich bin ja nun einiges gewöhnt.
Und dann waren plötzlich Marienkäfer überall, in allen möglichen Farben und Punktierungen.

Ich verzichte aber liebend gerne auf den einen oder anderen grünen Stängel mit Käfern,
bin ich doch froh, eine solch bescheidenen Artenvielfalt überhaupt in unserer Agralandschaft
vorzufinden.

In diesem Sinne hoffe ich sehr, Euch mit dem ersten sprießenden Grün  wieder mit meinen kuriosen, wilden Küchenexperimenten und der einen oder anderen Anektode aus der Natur versorgen zu können und wünsche Euch allen viel Freude und Liebe fürs Jahr 2016 und viele schöne Momente im Grünen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei ein paar ganz besonderen Menschen bedanken:
  • Der Familie Kling aus Wilhelmsfeld, die sich alle die Wachstumsjahre um unsere Tannenbäume im Wald gekümmert hat und bereits seid viele Jahren unseren kommenden Weihnachtsbäume schon hegt und pflegt. Danke!
  • Herr Seiler von der Gartenharmonie in Lindau, der uns mit seiner Großbestellung von meinen Büchlein das Weihnachtsfest verschönert hat. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!
  • Marion, die hier auch immer wieder im Blog etwas kommentiert und den Unkrautgourmet weiterempfiehlt. Ganz herzlichen Dank!
  • Meine Mutter und Familie für einfach alles :)
  • Allen Bloggern die sich 2015 mit mir vernetzt haben (besucht rechts die "schöne Blogs die ich lese"), mir Feedback gegeben haben oder auf deren Seite ich selbst die eine oder andere Inspiration gefunden habe. Ihr seid alle klasse! Vielen lieben Dank für ein tolles Jahr 2015!
  • All den unbekannten Lesern, die den Blog teilen, das Büchlein gekauft haben, meine Experimente nachgekocht haben ( und vielleicht doch den Mund schief gezogen haben,aber dennoch immer wieder hier reingucken), den stillen Mitlesern und allen Menschen die sich hierher verirrt haben. Ihr seid alle wunderbar!
Ich sitzt hier schon mit Messer und Gabel vor unserem Tannenbaum und warte darauf, dass ich ihn essen kann....

Sonntag, 15. November 2015

Bratapfel mit Fichtensoße - auch als "to go"-Variante

Diese Soße aus dem Christbaum gehört ab jetzt zum Bratapfel

Heute ein Special für das Blogevent von lifeisfullofgoodies.com. Nein, das ist kein Gartenblog, kein Wildkräuter, sondern ein Blog, den ich mir gerne anschaue, weil das "Food Porn" in Perfektion ist, und ich zugeben muss: Da gucke ich mir gern Essen an. Doch erst mal raus!
Noch steht der Tannenbaum im Wald und die Fichte im Garten, so dass ich gestern einen Küchen-Versuch mit voll ausgereiften Fichtennadeln starten durfte. Das Ergebnis war ein sehr köstlicher Bratapfel mit Fichtensirup. Versucht die Soße mit eurem Christbaum nach Weihnachten! Sie funktioniert mit Kiefer, Fichte und Tanne gleichermaßen, nur die Geschmacksnuancen variieren ganz leicht.


Das Sirup-Rezept aus meinem kleinen Büchlein habe ich etwas abgewandelt, um ihn als leicht herb-würzige Dessertsoße zu verwenden.  Die "alten" Fichtennadel eignen sich genauso  vorzüglich zum Aromatisieren wie Tanne. Die Zitronennote die jungen Trieben zu eigen ist, "retuschierte" ich mit Zitrone rein. Eines kann ich sagen: Mit Tanne vom eigenen Weihnachtsbaum schmeckt das natürlich nochmal so gut :-).  Liebes lifeofgoodies-Team, dieser Beitrag ist für euch und für alle Tannenbaumliebhaber, Förster und Unkrautgourmets.

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Zutaten für den Bratapfel mit Fichtensoße 

Tanne, Kiefer oder Fichte - mit Zitrone, Gelierzucker und
Wasser wird daraus ein leckeres Dessertsößchen mit leicht
herb-würzigem Aroma.
  • 1 Tasse  Fichtennadeln (oder zu/nach Weihnachten auch Nadeln einer Bio-Tanne)
  • Saft einer 1/4 Zitrone 
  • 250 g Gelierzucker 1:1
  • 750 ml Wasser
  • 3  Äpfel, mittlere Größe
  • Füllung der Äpfel nach Belieben: z.B. 1 EL Butter mit gehackten Nüssen, Rosinen oder Marzipan vermischt, schneller geht es mit 2 EL  klein gehackter Studentenfutter-Mischung.

 

Der Blick in den Topf: da hat jemand schlecht gezupft. Da
sind ja noch Ästchen mit dabei....

Zubereitung von Soße und Bratapfel

Zur Not ein zweites Mal abseihen. Nadeln sollten sich
nach dem Kochen im Wasser keine mehr befinden

Die Äpfel waschen, mit einen Apfelausstecher ausstechen und mit der Füllung befüllen. Die Äpfel in Alufolie wickeln und bei 200 Grad 20-30 min, je nach Größe und Sorte der Äpfel) im Backofen backen. Optional geht natürlich auch das klassische Lagerfeuer.  :)
Derweil die Fichtentriebe abwaschen und die Nadeln von den Zweigen zupfen. Dann die Nadeln mit dem Wasser 30 min auskochen und abseihen. Das Fichtenwasser mit Zitronensaft versetzten und den Gelierzucker zufügen.  Noch einmal 4 Minuten kochen. Noch warm mit den Bratäpfeln servieren.
Wer möchte kann die Soße auch heiß in Flaschen füllen und zukochen. So hält sie sich mehrerer Wochen im Kühlschrank. Bei Bedarf einfach leicht erwärmen.




Bratapfel to Go

Für die Mitnehm- oder Geschenkvariante nehmt ihr ein breites Schraubglas in das eurer Apfel hineinpasst. Den Apfel füllt ihr wie gehabt mit einer Füllung eurer Wahl und gießt etwas Fichten-Soße drüber. Für die Einkoch-Version darf die Soße etwas dicker eingekocht sein, denn der austretenden Bratapfelsaft verdünnt sie! Zugeschraubt kommt das Glas mit dem Apfel in eine feuerfestes Schale mit Wasser und wird für 20-30 min bei 200 Grad eingekocht.  Nicht erschrecken! Gelegentlich kommt es vor, dass die Apfelschale mit einen lauten Knall im Ofen aufplatzt. Bei uns gab es ordentlich Aufruhr, weil es klang als wäre ein Rohr geplatzt oder eine Glühbirne explodiert, bis wir den Apfel im Ofen gesehen haben.

"Bratapfel to-go" eignet sich fürs Mitnehmen ins Büro oder als Mitbringsel. Ein so eingekochter
Apfel hält sich mit Fichtensoße mindestens eine Woche. Allerdings fällt er beim
Abkühlen zusammen. Dem Geschmack macht das aber nichts und anwärmen lässt er sich auch.

Der Bratapfel mit Fichtensoße hält sich mindestens 1 Woche. Eignet sich also auch als kleines Geschenk oder als besonderes Dessert für die Adventfeier im Büro.
Ich freue mich natürlich wenn ihr dazu mein Büchlein "Schatz ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!"  mitverschenkt :-).


Den Tannenbaum einfach zu Dessertsoße verkochen? Na klar! Schmeckt würzig herb und passt
wunderbar zu Bratapfel mit Studentenfutter gefüllt.

Bei Nadelgehölzen gibt es einiges zu beachten! Von Pflanzenschutz bis tötdlich giftig!

  1. Verwendet Nadeln nur, wenn ihr 100% sicher seid, das ihr KEINE EIBE verwendet! Die wäre in diesen Rezept verwendet bereits TÖDLICH GIFTIG! Der ungefährlichste Weg:  Kauft  zu Weihnachten eine biologische, ungespritze Nordmanntanne, die ist ungiftig. Jeder einigermaßen botanisch fitte Tannenbäumverkäufer weiß eine Eibe von den anderen Bäumen zu unterscheiden. Darüber hinaus habe ich Eibe bisher auch noch auf keinen Weihnachtsbaumverkauf gefunden, eher schon bei den Selbstfällern entdeckt.
  2. Ich übernehme keinerlei Gewähr für die von Euch in meinen Rezepten verwendeten Zutaten und  Pflanzen und gehe bei allen meinen Rezepten davon aus, dass ihr die Pflanzen sicher bestimmt könnt und auch wisst, ob ihr gegen einzelne Bestandteile allergisch seid. Als Hinweis hier: Bei Tanne und anderen Coniferen können manche Allergiker auf Terpene reagieren! 
  3. Nadelgehölz darf man nicht in jedem Wald  abschneiden. Coniferen-Gewächse erholten sich langsamer von der "botanischen Wilderei" als Laubbäume.  Mancherorts ist das Abpflücken von Tannen- und Fichten-Zweigen eine Straftat und ihr riskiert eine saftige Geldstrafe, wenn ihr erwischt werdet. Mein Tipp für alle die auf ihren Weihnachtsbaum nicht warten können: Schaut euch in den Vorgärten um. Dort stehen oft übergroße Exemplare, die der Eigentümer ohnehin irgendwann zurückschneiden muss. Klingelt da  und fragt ob ihr ein Büschel Zeige bekommen könnte. Bei der Gelegenheit könnt ihr auch gleich fragen, ob der Baum gespritzt wurde. Die beste Option ist aber bis Weihnachten zu warten, dann eine Bio-Tanne zu kaufen und diese zu Dessertsoße weiter zu verarbeiten. Und Vorfreude gehört zu Weihnachten, wie diese Fichtensoße zum Bratapfel.
Bratapfel mit Fichtensoße auch in der eingekochten "to go"-Bratapfel-Variante.
In der Flaschen eingekochte Fichtensoße dient mir für den ultimativen
Geschmacksvergleich im Dezember, wenn mein Tannenbaum zur Dessert-Soße wird.

Freitag, 13. November 2015

So schreibt man mit Kinder ein Buch ohne Geld oder die andere Art einen Weihnachstbaum zu recyceln

Hintergrundgeschichte zum Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen"

Ein kleines Büchlein nicht größer als eine Weihnachtskarte und doch mit so viel Mehrwert.
Wie verwertet man einen Bio-Tannenbaum nach Weihnachten? Z.B. in der Küche.
Heute ein wenig was zu Lesen, mit Einblick in die Welt des Bücherschreibens. Vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere auch, ein Buch zu schreiben und weiß nicht so recht wie. Einfach anfangen! Deswegen: Gönnt mir ein wenig Werbung in eigener Sache, der Internetauftritt hier kostet jede Menge Zeit und gelegentlich auch Frustration. Im letzte Jahr habe ich deshalb quasi als Ausgleich mit meinen Kindern ein kleines Projekt gestartet, über das ich euch heute ein wenig berichten will: Unser Weihnachtsbaum-Buch. Das das kein Ausgleich war, sondern eine Herausforderung anderer Natur, werdet ihr gleich erfahren.
Vorneweg: Es ist kein "perfekt gestyltes Buch", es ist wie dieser Blog  experimenteller Natur, aber bis auf den Druck, das Binden und Eintüten ist doch alles selbstgemacht, von der Idee bis zum druckfertigen PDF stecken - da  stecken 100%  meine Kinder und meine Wenigkeit dahinter. Und darauf sind wir ein bisschen stolz.

Ein selbstgemachtes Buchprojekt mit meinen Kindern

Das war ein Abenteuer!
Wir schreiben ein Buch inkl. allem.
Um den Kindern zu zeigen, wie man von einer Idee bis zur Printausgabe kommt, haben wir uns gegen einen großen Verlag entschieden, der unsere kleines Projekt gewiss bis zur Unkenntlichkeit "verstümmel" hätte. Ganz klar hätte der Verlag das Büchlein schöner, besser, stylischer und sonstwas machen können, aber darum ging es nicht. Es war ein Buch, das meine Kinder mitgestaltet haben und beim Druck sollte es genauso rauskommen, wie sie es sich vorgestellt haben. So sind wir bei BoD hängen geblieben. Ein ökologischer Vorteil: Wir wollten nicht, dass 1.000 Stück gedruckt werden und dann irgendwann auf der Müllverbrennung landen. Gedruckt wird nur auf Nachfrage, was die Lieferzeiten von 1-2 Wochen bedingt. BoD ist eine deutsche Plattform, anders als Amazon Space. Auch das war mir wichtig, damit die Kinder mitlesen können.


Von der Idee bis zum PDF - Jeder kann mit Freeware ein Buch schreiben

Das unser "Opfer" der Weihnachtsbaum sein würde, war schon lange klar. So war es ziemlich aufregend, all die Ideen zusammen zu tragen, auszuprobieren und aufzuschreiben. Nur mit welcher Software? Freeware war das Mittel zur Wahl, denn wir können leider nicht so viel vorfinanzieren.  Außerdem: Ja! Jeder kann ein Buch schreiben. Doch es gibt aber Hürden zu meistern. Immer weiter lesen! Am meisten haben wir mit Formatierungen (das Büchlein entstand mit der Freeware Open Office) und unseren eigenen Tippfehlern gekämpft. Nach dem 50sten Mal durchlesen immer noch einen Fehler zu finden, ist hochgradig frustierend, aber es hat sich gelohnt. Das Cover hat uns die Freeware Gimp ermöglicht, die meinen kleinen Laptop dann aber doch ganz schön an den Rand seiner Leistung gebracht hat. Man hätte das Cover besser machen können...man hätte alles besser machen können. Aber dann hätten es die Kinder nicht mehr wiedererkannt.

Ein Buch braucht Mut zu Entscheidungen und jede Menge Nerven

Lektorat, Satz, Grafik... da hätte man Personal  beauftragen können. Dafür war der Lerneffekt maximal und abgesehen davon auch das Geld nicht da. So saßen wir zusammen und haben über Schriften, Schriftgrößen und Schrifttypen diskutiert, über die Größe von Bildern und welche Gestaltung der Text haben sollte, über Auflösungen beim Einscannen. Blocksatz oder Flattersatz? Zwei Begriffe, die meine Jungs jetzt schon mal gehört haben. Wir mussten darauf achten, dass Überschriften nicht unglücklich verrutschten oder das das ganzes Format zerschossen wurde,  wenn man mal eben die Schrift von 11 auf 12 setzt, weil die Kinder entschieden, dass sich das etwas größer viel besser liest. Dann hüpften die Bilder lustig herum und die ganze Formatierungsarbeit begann wieder von vorn. Ich war froh das es nur 56 Seiten waren und habe dennoch auf jede einzelne geschimpft. Freeware-Lösungen haben so ihre Tücken.  Das war schon echt nervenaufreibend.

Kinder und Bücher

So einen Weihnachtsbaum zu zerstückeln
braucht jede Menge Handarbeit und Zeit.

Dieses Buchprojekt war schon etwas Besonderes und jeder Deutschlehrer der meine Kinder kennt weiß das: Meine beiden Jungs haben bisher so ihre Probleme mit der lieben Rechtschreibung  und der Zugang zu Büchern war eher "zäh". Mit diesem Projekt haben sie aber live erleben dürfen, wie aus dem, was sie wirklich  können (zeichen, basten, werken, kreativ sein), ein Buch wird und wie das, was sie tun, für alle Ewigkeiten festgehalten wird. Seither ist der Gang in eine Buchhandlung immer auch mit ein wenig freudiger Aufregung verbunden: "Mama, kann es sein, dass da jemand unser Buch bestellt?" "Na klar! :)"
Übrigens: Die Hälfte der bescheidenen 14% die pro Buch als Marge an den Autor gehen, fließen ins Taschengeld meiner Kinder. Dafür haben sie zum Jahresbeginn viele Stunden gewerkelt und mit mir all die Dinge  ausprobiert, die im Büchlein zu finden sind. Welche Kinder warten ein Jahr auf ihren Lohn?


Mit weniger Perfektionismus zur perfekten Weihnachtskarte

Ich hab viel gelernt, auch über unsere Gesellschaft. Selbstvermarktung ist ein echtes Abenteuer, aber dass wir mit so einen kleinen Buch "reich" werden, haben wir auch nicht wirklich erwartet. Was wir gewonnen haben: Respekt vor Bäumen und Büchern, Freude am eigenen Können und wir schmunzeln seither, wenn wir Tannenbäume sehen.
Ein riesiger Dank geht an meine Mutter, die über viele Wochen hinweg Tannenbaumhändler angerufen hat. Leider nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, denn viele waren im ersten Moment begeistert von der Idee, im zweiten Moment hat das Buch aber wohl doch nicht ihrem Geschmack entsprochen: Keine Farbbilder, selbstgemalte Zeichnungen...ja, es ist kein "Hochglanz-Buch", das von einem  Verlagen aufgestyled wurde und dann für teuer Geld auf den Markt kommt. Dafür steckt der Geist der Weihnacht  höchstpersönlich in diesem Büchlein und es lässt sich prima statt einer Weihnachtskarte verschenken, die mit 2 Euro viel weniger "Inhalt" bieten. Hier gibt es für 4 Euro auf 56 Seiten Ideen und Wissen zum Weihnachtsbaum, der doch ohnehin weggeworfen wird. Das Büchlein ist, wie es ist: ehrlich, einfach, schlicht und nicht perfekt, aber bietet viel Spaß.

Ein Projekt mit Zukunft

Es sah nicht immer lecker aus, was da so brodelte. Die
Tannennadeln bieten wirklich keinen schönen Anblick nach
dem Auskochen. Unbedingt einen alten Topf verwenden!
Das Harz am Topfrand lässt sich mit Öl recht gut beseitigen.
Wir hatten viel Freude mit unserem Büchlein und freuen uns aufs nächste Jahr, denn gewiss werden wir an unserem Projekt weiter feilen. Oder wie kommentierte es mein Großer? "Mama, diese Jahr brauchen wir zwei Weihnachtsbäume. Einen zum Essen und einen zum Dekorieren." Na jedenfalls werden wir beim diesjährigen Tannenbaum nicht nur nach der Schönheit gucken, sondern auch nach dem Geschmack. Einige  neue Ideen haben wir schon. Vielleicht wählen wir dann auch den Weg über einen "richtigen Verlag", doch dann wird das Buch sicher 19,90 Euro kosten und viele Farbbilder haben und doppelt so dick sein. Mehr Papier, mehr unökologische Farbe, teurer, und vom Inhalt ähnlich.  Zersägt ihr euren Weihnachtsbaum denn lieber, wenn ihr auch noch das 4fache für ein Buch ausgegeben hättet, das nach Weihnachten nur die Regale füllt? Wichtig ist nicht das Buch, sondern der Weihnachtsbaum! Wichtig ist eigentlich noch nicht mal der Baum, sondern die Zeit, mit denen die man liebt.

Freude an den einfachen Dingen

Eine Tasse Tee vom Weihnachtsbaum? Wieso nicht!
Weihnachten, das Fest der Liebe. In der heutigen Zeit zeigt man Liebe leider häufig durch Konsum. Größer, teurer, perfekter. Und was schenkt man morgen?
Ich erinnere mich an ein Faun-Konzert in dem Oliver Pade sagte: "Schenkt euren Liebe doch Zeit, denn die ist das kostbarste überhaupt. Geht mit ihnen eine Stunde im Wald spazieren und erfreut euch  am Lachen und den Erzählungen eurer Verwandten und Freunde." Wie wahr. Natürlich hat er danach gesagt, "und wenn ihr doch was schenken wollt, so kauft unsere Luna-CD*". Aber das hat er sehr sympathisch gemacht, das ich hier ein wenig Werbung machen muss. Kann ich mich da anschließen? Der Satz hätte von mir sein können:  Schenkt euren Lieben eine Stunde Zeit. Bringt euren biologischen Weihnachtsbaum mit und bastelt gemeinsam Knöpfe, kocht Sirup aus dem Baum oder macht Tannensalz. Macht gemeinsam etwas Verrücktes und lacht zusammen. Das wird allen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Das ist das, was mit Zeit schenken gemeint ist. Schenkt ihnen unvergessliche, einzigartige Augenblicke - dafür braucht es so wenig. Manchmal nur einen ausgedienten Tannenbaum. Anleitungen gesucht? Ich kenn da so ein Büchlein... :)

Wertschätzung und Respekt

Natürlich stehe ich nach Weihnachten jedes Jahr vor meinen Tannenbaum und bin traurig, dass so eine Baum zehn Jahre gewachsen ist und dann  für zwei Wochen gefällt wird. Wertschätzung und Respekt vor der Natur war es, das mich antrieb den Baum nicht achtlos aus dem Fenster zu werfen, wie es ein schwedischer Möbelhersteller in seiner Werbung immer zeigt. Albert Schweizer würde sich im Grabe umdrehen, dann das hat nichts mit  "Ehrfurcht vor dem Leben"  zu tun. Es ist bzw. war Weihnachten. Zeit der Wertschätzung. Wie oft sitzt jeder vor uns andächtig am Heilig Abend vor dem Baum, weil es der Kalender vorgibt. Und am 7.1. gibt der Kalender vor diese Achtsamkeit wieder abzulegen? Dann haben wir es nicht verstanden! Sich all die Jahre bedächtig durch und mit der Natur zu  bewegen, schärft die Sinne für Achtsamkeit und weniger Konsum. Ein Tannenbaum ist ein Stück Natur. 20 Millionen Tannenbäume werden jedes Jahr allein in Deutschland verkauft. Wo wachsen die? Welche Fläche natürlich bunten Mischwald vernichten wir, nur wegen dieser zwei Wochen?  Was gelangt an Spritzmitteln ins Grundwasser nur wegen dieser zwei Wochen Weihnachtszeit?
Wenn schon ein Weihnachtsbaum, dann biologisch, wenn schon ein ganzer Baum, dann diesen wertschätzen und nicht blind konsumieren. Was ich mir zu Weihnachten wünsche: Einen biologischen Tannenbaum und Zeit mit meinen Lieben. Es braucht so wenig um glücklich zu sein.

Wir freuen uns auf unsere nächste Bio-
Tanne und die Zeit nach Weihnachten.
Wer das Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum gegessen"Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen"*" nun verschenken möchte, kann es bei der Autorenwelt bestellen. Hier erhalten die Autoren noch mal ein paar Cent mehr pro Verkauf. Auch damit werden wir nicht reich, aber wer weird das schon mit Buchverkauf? Wusstest Du, dass es nur rund 100 deutsch Autoren gibt, die vom Buchverkauf leben können? Das nur 5% aller Autoren hauptberuflich vom Schreiben leben?  Und Unkraut-Blogger, werden vom Gierschsamenverkauf leider auch keine Millionäre...noch nicht mal Zehneuronäre :).

Euch allen eine frohe und besinnliche Vor-Weihnachtszeit!

In diesem Sinne danke ich allen Bestellern, die abseits den Mainstreams einen kleinen Projekt eine große Chance geben. Ganz besonders bedake ich mich bei meinen Großbestellern: