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Montag, 9. November 2015

"Food Porn" mit Eichelwurst

Ein Beitrag mit permanentem Augenzwinkern, denn manche Themen fordern es gradezu heraus. Kennt Ihr "Food Porn"? Vor ein paar Tagen hörte ich einen Radiobeitrag mit einen Psychologen über das Thema. Es geht um das Phänomen, dass immer mehr Menschen ihr Essen fotografieren und es über Social Media Kanäle und Blogs  veröffentlich. Interessant! Ich zähle mich auch dazu - irgendwie. Ich musste dennoch sehr staunen, als der Psychologe als Quintessenz zusammenfasste, dass es sich bei "Food Porn" um Exibitionismus sinnlicher Erlebnisse (Essen) und der eigenen Egozentrik  (seht her was ich kann) handelt. So, so... so gesehen ist dieser Blog ein zur Schau stellen meiner experimentellen Sinnlichkeit gepaar mit meiner Egozentrik? Das lässt ja tief blicken. Und dann muss ich auch gleich lachen, kommen einem doch bei bestimmte Begriffen ganz bestimmte Assoziationen in den Kopf. Und der "Food Porn" ließ mich unweigerlich an meine Eichelwurst denken. Wieso nur? :)

Trotz gewagtem Namen (da kann die Eichel ja nun nichts dafür) ein vegetarischer Aufstrich! Wer
statt Milch Sojamilch verwendet macht das Ganze dann auch noch vegan.

 

Eichelwurst mit Kartoffeln

Zutaten für ein echtes Food Porn-Rezept: Eichelwurst.
 Zutaten:
  • 400 ml Milch 
  • 100 g Eichelmehl
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 rohe Kartoffel
  • 1-2 TL 
  • 1 TL frisch gemahlener Pfeffer 
  • 1-2 TL Majoran
  • 1/2  TL Rosmarin
  • 200 g Weißbrot




Zubereitung:
Die Milch mit dem Eichelmehl 10 min einkochen. Die Kartoffel hineinreiben und die Eichelmilch abbinden (alternativ kann auch Kartoffelstärke verwendent werden). Mit den Gewürzen gut abschmecken. Das Brot in Würfel schneiden und unter die Masse heben, in  ein Schreibglas füllen und erkalten lassen.


Was man besser oder anders machen kann?

Der Aufstrich härtet nach! Deswegen kann die
Kartoffel-/Stärkemehlmenge etwas reduziert werden.
  • Sapallot, da ist sie wieder, die Krux mit dem Eichelmehl. Dieses Mal blieb das Eichelmehl hell. Ich hätte es gern dunkler gehabt, damit die Brotstückchen in der "Wurst" besser zu sehen sind. Das nächste mal wird das Mehl vorher kurz (!) geröstet.
  • Ich hatte 2 Kartoffel verwendet. Dadurch wird die ganze Masse sehr fest. Eine Kartoffel reicht völlig, wenn nicht sogar eine halbe, je nach Göße. Wer mit Kartoffelstärke arbeitet, sollte erst mal 1 TL verwenden, evtl dann einen zweiten nachschieben.
  • Variieren lässt sich der Aufstrich wunderbar, da er ohne Gewürzte und nur mit Salz und Pfeffer recht neutral schmeckt.  Da ich ein Rosmarin-Fan bin (oh ja, ich liebe Kräuter, auch die "normalen" Küchenkräuter :)), hab ich die angegebenen Menge auf 1 TL erhöht. Ich könnte mir auch Thymian oder diverse andere Kräuter vorstellen und auch mit kleingeschnittenen Nüssen oder Steinpilzen ist der Aufstrich gewiss ein Genuss. Evtl. noch etwas Nachsalzen!
  • Das Brot kann man auch weglassen. Es macht den Aufstrich allerdings ein wenige "luftiger" und nicht so schwer.
  • Statt Milch kann man auch nur Wasser verwenden, allerdings wirkt der ganze Austrich dann weniger appetitlich und ihm fehlt die Cremigkeit.

* Alles Food Porn, oder was?

Immer diese Begrifflichkeiten. Unter "Food Porn" würde eigentlich jedes Kochbuch fallen. Allerdings bin ich bei meiner Recherche auf ein wenig Inkonsistenz gestoßen, was diesen Begriff betrifft. So definieren die einen Food Porn ganz allgemein als das Fotografieren und Veröffentlichen von Essen (und dann fällt da wirklich auch ein normales Kochbuch drunter),  andere definieren "Food Porn" ausschließlich als das Fotografieren und Veröffentlichen von Essen, das man vor dem Foto noch nicht probiert hat, also der Super-Burger im Fastfood-Restaurant und der 5-Sterne-Dessert in einem Nobelrestaurant, das man mit dem Handy mal eben ablichtet und dann aller Welt in Facebook unter die Nase reibt, nach dem Motto: Schaut her, ich kann es mir leisten.
Ob experimentielles Food Bloggen auch unter diesen Begriff fallen würde (immerhin blogge ich auch über diverse Niederlagen : Schaut her was ich nicht geschafft habe :)), weiß ich nicht. Ist mir auch ehrlich eichel-wurscht :). Ich denke es gibt wichtigere Probleme in unserer Gesellschaft, als die freudschen Theorien hinter dem Foodbloggen zu beleuchten. Meine Ambition hier ist, Euch zu zeigen, dass die heutige Natur nach wie vor Zutaten für unser täglich Brot bietet.
Was haben Food Porn und Eichelwurst gemeinsam?
Eines ist allerdings echt wichtig: Vorsicht bei Fotografieren von fremden Tellern! Auch das Anrichten der Speisen unterliegt dem Urheberschutz! Wer also nicht sein eigenes Essen fotografiert, sondern im Restaurant drauf los knippst und das Essen dann bei Facebook und Co. online stellt (oder in seinen Blog), der riskiert eine saftige Geldstrafe, denn eigentlich hätte er oder sie sich  vom Koch dafür die Erlaubnis geben lassen müssen - und das am besten schriftlich.
Wer mal eines meiner bescheidenen  Bilder  veröffentlichen möchte, kann mich gerne anschrieben.

Dienstag, 3. November 2015

Eichel-Biscotti und die Krux mit wilden Zutaten

Von den Problemen Biscotti heimisch zu machen

Kennt Ihr das auch? Bei all den hochgestylten Food-Blogs, die jeden Tag mit Top-Beiträgen und super schönen Bildern aufwarten, habe ich oft das Gefühl, dass entweder ganze Hundertscharen dort kochen, nur Profiköche und 1A-Fotografen am Werk sind und vor allem: das niemals etwas schief geht.  Also bei mir geht häufig eine ganze Menge schief. ARGH!  Experimentalküche ist ein risikobehaftetes Hobby, aber immer wieder spannend.

Italienisches Gebäck eingedeutscht: Biscotti mit Eichelmehl.
Da ich weder Profikoch noch Top-Fotograf bin, aber eben Botaniker, laden bei mir Sachen im Topf, die von anderen verschmäht werden. Schöne Bilder gelingen zufällig, Top-Rezepte leider auch, dafür essen bei mir die härtesten Kritiker mit, die es gibt: Kinder. Und gleich zwei davon :).
Um all die Unkraut-Köche ein wenig zum Schmunzeln zu bringen und Euch zu inspirieren selbst einmal drauf los zu kochen (ich wollte schon "ins Gras beißen" schreiben),  heute eine Geschichte aus der Rubrik: "Ach du Schande! Das sieht nicht gut aus"...und schmeckt trotzdem.

Biscotti mit Eichelmehl

Mein Herz schlägt für die italienische Küche. Klar versuche ich mich daran das eine oder andere Rezept "einzudeutschen", aktuell mit Eichelmehl. Dieses Jahr hatte ich 2 kg Eichelmehl zur Verfügung, die Hälfte fließt in  "Altbewährtes" (so durfte ich neben Eichelkaffee und Co. noch 2 Bleche Oakenshilds nachbacken - meine Jungs haben sie regelrecht eingeatmet). Die anderen Hälfte bliebt für neue Rezepte übrig. Ein Freund vom "Horten und Hamstern" bin ich nicht. Jede Zeit hat ihre Früchte und wenn die vorbei ist, ist sie eben vorbei. Also hieß es einteilen und ich wagte mich vorsichtig mit  einer kleinen Menge Eichelmehl an Biscotti heran.

Zutaten für Eichel-Biscotti

  • 60 g Eichelmehl
  • 60 g gemahlenen Nüsse (Haselnüsse, Mandeln...)
  • 4 EL Honig
  • Mark einer Vanilleschote 
  • 60 g ganze Mandeln
  • 1 TL Backpulver
  • 1 EL gemahlener Leinsamen
  • 2 EL Rosinen (optional, meine Kinder bestehen drauf)

Mit Eichelmehl schnell gemacht

Alles gut miteinander vermischen, am besten die trockenen, feinen Zutaten zuerst, dann den Honig zufügen und zum Schluss die ganzen Mandel und Rosinen unterkneten. Die Masse sollte fest und nicht mehr all zu klebrig sein. Bei Bedarf noch etwas Honig oder Nussmehl untermischen, das hängt von den Eigenschaften des Honigs ab. Daraus zwei kleine Rollen formen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen.
Mein Versuch erfolgte dann bei den gängigen "Biscotti"-Ofeneinstellungen: 160°C im Umluftherd für 15 min, dann in fingerdicke Scheiben schneiden und die Scheiben noch einmal  10 min bei backen. Doch das passt für Eichelmehl nicht! Ich hätte es längst wissen müssen.

Die Eichel-Biscotti werden durch das Eichelmehl sehr schnell dunkel,
deswegen beim Backen die Temperatur nicht zu hoch schalten.

Das Eichelmehl und seine Eigenarten

Die Tücke an diesem Rezept war genau jene Experimentalzutat, bei der man nie weiß, wie sie das Rezept beeinflusst - eben das Eichelmehl. Es wird beim Backen sehr schnell dunkel, wie man auch an den Oakenshilds gesehen hat. Auch war die Konsistenz nach dem ersten Backen nicht die, die ich erwartet hatte: Die Teigstränge waren innen noch zu feucht, während sie außen schon hart und sehr dunkel waren. Parallel hatte ich eine Ladung "Normal"-Biscotti mitgebacken als Vergleich und die waren perfekt. Es muss also am Eichelmehl gelegen haben, denn ansonsten waren die Zutaten nahezu identisch. Nächstes Mal werde ich die Eichel-Biscotti bei 140° Grad backen und 20-30 min im Ofen lassen und auch der zweite Backgang wird bei niedriger Temperatur und lieber etwas länger erfolgen. Es wird also eher ein Trocknen, dann ein Backen, in der Hoffnung, dass das Eichelmehl nicht wieder schwarz wird. Die Biscotti sehen leider schnell aus wie verbrannt, schmecken aber köstlich, weshalb ich Euch dieses Rezept nicht vorenthalten wollte. Es ist aber ein schönes und typische Beispiel dafür, mit welchen Problemen so ein Wildpflanzen-Blogger im Vergleich zu "gewöhnlichen" Food-Bloggern zu kämpfen hat: Da hat man was, das schmeckt, aber sehr bescheiden aussieht. Man könnte nun mit viel Firlefanz und Nachbearbeitung dennoch ein super stylisches Foto daraus machen und ein Siegel mit "besonders wertvoll" drauf drücken, aber das finde ich dann doch wenig authentisch. Meine Biscotti sind genau so geworden, wie sie auf den Foto aussehen - schmecken aber besser.

Themen-Kaffee "Eiche"

Wie auch immer. Ein Tipp an alle Wildkräuterfans: Wer zu den Eichel-Biscotti oder Oakenshilds einen Eichelkaffee serviert, hat einen tollen thematischen Nachmittagskaffeekranz zum Thema Quercus. Ich kann dazu ganze Bände erzählen und ergieße mich regelrecht in Faszination und Leidenschaft für diese Baumgattung. Eichen sind fantastisch und gehören zu den majestätischsten Organismen, die in unseren deutschen Wälder wachsen. Jede 100-jährige Eiche bieten Lebensraum für weit über 1000 Lebewesen. Das kann so schnell kein anderer Baum behaupten.  
Falls das Rezept also jemand einmal nachbacken will, regelt bitte die Temperaturen etwas runter und teilt mir mit, wie sie geworden sind, denn mein Eichelmehl neigt sich dem Ende und den nächsten Versuch werde ich erst wieder 2016 starten können.


Mittwoch, 30. September 2015

Kürbis-Eichel-Pizza

Pizzaboden aus Eichelmehl - rustikaler geht es kaum

Von den Oakenshields ist noch etwas Eichelmehl übrig geblieben. Das hält sich, wegen seines recht hohen Wassergehalts leider nicht lange. Deswegen stand ich mal wieder in der Küche und überlegte, welche Aromen wohl noch mit dem herben, recht groben Eichelmehl harmonieren. Ein Hokkaido-Kürbis lachte mich an und meine Männer verlangten nach Pizza. Hm. Ob sich das kombinieren lässt? Eindeutige Antwort nach einem  Testessen: Aber ja!

Ein Pizzaboden aus Eichelmehl und jede Menge Kürbis
machen diese Pizza fast schon extravagant deutsch.

Zutaten für Kürbis-Eichel-Pizza

Eichelmehl, Kürbis, Speck - klingt schon lecker.
Für den Teig:
  • 250 g Eichelmehl
  • 250 g Mehl
  • 1 Päckchen Trockenbackhefe
  • 2 TL Salz
  • 1 gute Prise Muskat
  • 300 ml warmes Wasser

Für den Belag:
  • 1-1 1/2 Becher Creme fraiche
  • 4 Zwiebeln
  • 1/2 Hokkaido-Kürbis
  • 1 TL Zitronenthymian (Giersch schmeckt auch köstlich)
  • 200 g geriebener Emmentaler
  • optional : 125 g Speck

Zubereitung  der Kürbis-Eichel-Pizza

Noch unspektakulär: Der Pizzaboden aus Eichelmehl.
Das Mehl miteinander mischen, alle anderen Zutaten zugeben und gründlich verkneten. Den Teig mindestens 2 h ruhen lassen. Nicht wundern: Der Teig geht nicht sehr auf. Wer mit 1 Würfel frischer Hefe und Vorteig (die Hefe in der Hälfte des warmen Wassers mit einer Prise Zucker auflösen und 15 min gehen lassen) arbeiten möchte, erhält ein etwas lockererer Ergebnis. Den Teig ausrollen, mit Creme Fraiche bestreichen. Den Kürbis entkernen, fein raspeln und mit den klein geschnittenen Zwiebeln und dem feingeschnittenen Thymian mischen. Wer es vegetarisch liebt, verteilt diese Mischung auf die Pizza. Uns hat die Variante mit Speck besser geschmeckt. Also noch Speck drunter mischen und auf dem Pizzaboden verteilen. Mit geriebenem Käse bestreuen und bei 200°C 20 min backen.

Wäre ich Werbefachfrau, ich würde nun so was schreiben wie:
"50 Prozent weniger Gluten als herkömmliche Pizzen - aber 100 Prozent Geschmack"

Ich finde es immer wieder spannend, wie vielseitig Eichelmehl sein kann. Von süßen bis herzhaften Rezepten ist wirklich  alles machbar und dennoch hat Eiche ihr ganz eigenes Aroma.
Anzumerkten ist: Der Teig ist von der Konsistenz her etwas brüchiger, als reiner Weizenteig. Deswegen kann man den Anteil an Eichelmehl in diesem Rezept kaum über die 50 Prozent bringen. Schade eigentlich, denn allein vom Geschmack her, könnte ich mir sogar noch ein Tick mehr Eiche vorstellen.

Zum Anbeißen: Kürbis-Eichel-Pizza. Zwei Bleche waren schneller Weg,
als ein Lieferdienst sie hätte bringen können.

Samstag, 26. September 2015

Oakenshield - der Eichenschild zum Essen

Tribut to Thorin Oakenshield aus dem Film "Der Hobbit"

Filmabend: Der Abspann des dritten Teils vom Film "Der Hobbit" flimmert über den Bildschirm und meine Männer schnäuzen genauso wie ich ins Taschentuch.  Was für ein undankbares Ende.  Mich lässt natürlich der Eichenschild nicht los. Eiche? Eicheln! Am nächsten Tag flitze ich durch den Wald, statt durch die Felder und siehe da: Der Herbst ist da und mit ihm die Eicheln. Super, ob sich aus Eicheln auch Amerikaner backen lassen? Immerhin ist Eichelmehl nicht glutenhaltig und verläuft von Natur aus auf dem Backblech. Und Amerikaner sehen ohnehin aus wie Schilde. Mit Eichelmehl sind es echte Eichenschilde. :)
Die nächsten Tage verbringen ich also mit den Vorbereitungen: Eichelmehlherstellung (siehe unten). Mühsam, mühsam. Aber beim nächsten Mal "Der Hobbit" werden statt Chips ganz klar Eichenschilde serviert.

Eichenschilde aus Eichelmehl. Bis zu diesem Ergebnis braucht es von der Roheichel bis
zum Reinbeißen gut 2-3 Tage. Aber einmal im Jahr, kann man sich den Spaß und Genuss mal gönnen.

Zutaten für die Eichenschilde:

      Ausgangsmaterial: bei 150 Grad 10 min geröstete Eicheln.      
Teig:
  •  150g Eichelmehl (das sind gut 250 g Eicheln, siehe unten)
  • 100g Mehl 
  • 125 g Zucker
  • 1/2 TL Natron
  • 1/2  TL Salz
  • 75 ml Buttermilch
  • einen guten 1/2 TL Vanilleextakt
  • 80 g weiche Butter
  • 2 große Eier
           Schön Platz lassen! Die Eichenschilde verlaufen stark.    

Guß:

  • 200 g Puderzucker
  • 1 EL Milch
  • 2 EL Zitronensaft

für den Kakaoguß zusätzlich:
  • 3 EL Kakao
  • 2 EL Milch

 

Zubereitung:

Butter mit dem Zucker schaumig rühren, die Eier unterrühren, dann die anderen Zutaten. Auf ein Backblech in großem Abstand 6-7 Häufchen setzten (pro Portion 2 EL Teig) und bei 180 ° Umluft 15 min backen.
Derweil  aus Puderzucker, 1 EL Milch und Zitronensaft den Guß anrühren und die Menge halbieren. In der zweiten Hälfte den Kakao und die restliche Milch unterrühren. Damit die noch warmen Oakenshields bestreichen.

Nach dem Backen sehen sie schon zum Anbeißen aus: Die Oakenshields.
Auf die glatte Backseite kommt noch der Guss.

Eichelmehl herstellen

    Wässer der Eicheln entzieht die Gerb- und Bitterstoffe und   
machen die Eicheln überhaupt erst essbar. Das Einweich-
wasser muss klar bleiben, dann ist der Wässervorgang
abgeschlossen. Bei 2X täglich Wasserwechseln dauert
das 2-3 Tage.
Wässern ist das A und O! Nur um Euch das mal zu zeigen:
Dies ist das Wasser, nach der ersten Wässerrunde. Schöne
Farbe zum Wegschütten fast zu schaden.
Wäre nun Ostern könnte man damit sicher Eier
färben...und schon wieder das nächste Projekt :)
Man geht dabei im Prinzip so vor, wie bei der Zubereitung von Eichelkaffee, nur dass nach dem Wässern die letzte Röstung des Eichelmehls (die beim Muggefug für das Röstaroma verantwortlich ist)  weg fällt. Die gerösteten, geschälte, gewässerte Eicheln werden stattdessen getrocknet und dann in einer Kaffeemühle möglichst fein gemahlen. Wer Genauers zu den Eicheln und weitere Rezepte dazu haben möchte, kann ein Blick in mein Herbstfüchte-eBook werfen.

Warum sollte man sich die Mühe machen?

Immer mal wieder werde ich gefragt, warum man denn so was wie Eichelmehl machen und essen sollte. Eichelmehl war in Kriegszeiten immerhin nur erforderlich, um das Mehl zu strecken, weil die Leute nichts anderes hatten. Stimmt. Aber: Genau dieses Experimentieren macht mir Spaß. Es ist mein Hobby! Warum setzten sich andere hin und sortieren stundenlang Briefmarken? Ich koche gern mit Zutaten direkt aus der Natur.  Und nein, mit Eichelmehl zu Kochen und Backen ist nichts für den Alltag. Es ist wirklich eine aufwändige Nummer: sammeln, rösten, schälen, wässern, trocknen, mahlen. Das kostet Zeit und ist wirklich mühsam. Wer die Zeit nicht hat, ist mit Mehl aus ökologischem Landbau besser bedient.Nur: Dass es tatsächlich möglich ist,
            Nach 3 Tagen Arbeit vom Sammeln, Rösten, Schälen,   
Wässern, Trocknen und Zermahlen ist das Eichelmehl
endlich einsatzfähig.
auch mit Eicheln zu kochen, finde ich in höchstem Maße spannend und faszinierend zugleich. Ich kenne solche Notzeit-Geschichten nur von meinen Großeltern und ich denke die sitzen nun auf Wolke 7 und schmunzeln über ihre Enkelin.
Als Anregung zum Nachdenken sei gesagt: 60 Prozent Mehl konnte ich in diesem Rezept einsparen - 60 Prozent, die zu 100 Prozent aus der unbehandelten Natur stammen und kein Glyphosat oder anderen Unkrautvernichter enthalten. Das kann man von dem meisten konventionell erzeugten Mehl leider nicht behaupten. Lohnt sich die Mühe? Aus meiner Sicht für ein paar Wochen im Jahr: Ja!

Vorratshaltung ja oder nein?

Dennoch würde ich Eichelmehl  NICHT bunkern! Zum einen schimmelt es sehr schnell, zum anderen  muss man die Natur nicht schon wieder ausbeuten! Man muss ihr nicht alles und jede Beere und Eichel entreißen. Der Eichelhäher freut sich genauso über ein paar Eicheln im Winter wie das Wildschwein oder das Reh. Wer aber, so wie ich, beim Spazierengehen immer mal wieder mit den Taschen voll Eicheln nach hause kommt, weil er das Sammeln nicht lassen kann, der sollte die Eicheln auch nutzten, statt sie aus blinder Sammelwut heraus anschließend in der Biotonne zu entsorgen. Einpflanzen ist auch eine schöne Option, denn wie sagte Bilbo Beutlin zu Thorin Eichenschild, als der Zwerg den Hobbit mit der Eichel in der Hand "erwischt" hat: "Nun...sie wird ein Baum. Und wenn ich ihn ansehe, werde ich mich erinnern. An alles was geschehen ist. Das Gute und das Böse. Und an das Glück es nach Hause geschafft zu haben."...und wenn sie Früchte trägt, dann back ich mir einen Eichenschild. :)

Was für ein Anblick! Das Oakenshield schmeckt fein nach Vanille, hat kernigen Biss, wenn die Eicheln
nicht ganz so fein gemahlen wurden und irgendwie schmecken sie auch nussig-würzig.

Gröbere Eichelstückchen werden wie das Mehl beim Backen fast schon schokobraun.
Sieht nicht nur lecker aus, schmeckt auch so.
Von unseren Eichenschildern sind nur noch die Fotos übrig.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Das Herbstfrüchte-eBook ist da


http://www.amazon.de/Herbstfr%C3%BCchte-aus-Wald-Wiese-Hagebutten-ebook/dp/B00S8C54J4/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1421275408&sr=8-1&keywords=Herbstfr%C3%BCchte
Kurze Unterbrechung der Recyceling-Weihnachtsbaum-Serie, aus gutem Grund: Das erste Unkrautgourmet-eBook ist da!
Nach vielen Stunden im Wald, noch mehr Stunden in der Küche und unzählichen Stunden am PC ist es vollbracht. Das eBook über die Früchte des Herbstes ist endlich fertig geworden. Keine Sorge, ich werde auch weiterhin gratis Rezepte veröffentlich, dennoch unterstützt Ihr mich natürlich, wenn Ihr die Rezeptsammlung bestellt, da auch ich mich nicht ausschließlich von Grünzeug ernähre. "Herbstfrüchte aus Wald und Wiese - Kochen, backen, naschen mit Eicheln, Hagebutten und Co." bietet Euch insgesamt 56 Rezepte mit Eicheln, Bucheckern, Weißdorn, Maronen, Hagebutten und Haselnüsse an. Aufstriche, Brot und Chutney - das ABC der Naturküche findet sich hier im modernen eBook-Format.

Eichel sind essbar und Hagebutten können mehr

"Herbstfrüchte aus Wald und Wiese" zeigt Euch, wie Ihr aus Eicheln Mehl macht und was ihr damit backen könnt, dass sich Hagebutten noch zu viel mehr als Tee verarbeiten lassen und geht der Frage nach, ob Bucheckern nun giftig sind oder nicht.
Esskastanien zum Frühstück, zum Mittag oder zum Abendessen? Eichel als Brotaufstrich oder lieber im Plätzchenteig? Haselnussaufstich süß oder doch herzhaft? Von Bucheckern bis Weißdorn findet Ihr hier die Basis-Rezepte mit denen auch ich in meiner Küche herumexperimentiere und darüber hinaus einige besondere Highlights.

Warum "Herbstfrüchte" ein eBook ist

Ich bin der Meinung, dass heute dank Apps - auch am PC - so gut wie jeder in der Lage ist eBooks zu lesen, sofern er nur ein flottes Handy oder einen Internetzugang hat. Letzteren haben fast alle irgendwo und irgendwann. Die Infrastruktur ist da, warum sollte man das nicht nutzen? Ist es unökologischer? Darüber streiten sich die Geister. Das Handy oder der PC ist so oder so an, wer nach bestimmten Rezepten sucht, der buddelt oft im Internet. Hier habt Ihr alles in einem Werk zusammen.
Außerdem: Da kauft man ein teures Buch für 20 oder mehr Euro und das nur, weil einen drei oder vier Rezepte draus ansprechen, von denen man vielleicht eins oder zwei nachkocht. Mein kleines eBook kostet 3,99 Euro und beinhaltet deutlich mehr Rezepte, als so manches hochgestylte Wildkräuterbuch. Vom mittelalterlichen Salat mit Trauben und Bucheckern bis zum Chutney aus Weißdorn und Apfel. Es stecken viele Sammel- und Kochstunden in diesem kleinen Büchlein, von den fehlgeschlagenen Versuchen reden wir besser nicht.
Zwei Rezepte kennen meine Blogleser schon:  Weißdorneis und Eichelkaffee. Der Waldaufstrich aus Eicheln und Majoran ist aber genau so neu wie lecker, ebenso das Mousse von Hagebutten, der Hagebuttenwein oder die eingelegten Maroni. Wer eines davon nachkochen will, oder zwei, oder drei, der muss nun nicht ein ganzen Buch für viel Geld kaufen, sondern kann sich die Rezepte, die ihn interessieren,  selbst ausdrucken und zu seinen gesammelten Kochrezepten in die Zettelsammlung packen. Gebt lieber ein wenig mehr Geld aus für qualitativ hochwertiges, regionales, biologisch angebautes Obst und Gemüse, wie man es bei Dirks Biokiste kaufen kann, als für Bücher, denn der Geschmack kommt nicht durch teure Kochbücher, sondern von den Lebensmitteln!

Pur, simpel, unverfälscht - Einache Basisrezepte für eigenen Ideen

Die Rezepte sind alles Basis-Rezepte, d.h. wirklich einfache Küche mit Zutaten die man meist ohnehin Zuhause hat und Kochprofi muss man auch keiner sein. Auf diese Weise kommt der unverfälschte Geschmack der Wildrüchte besonders schön zur Geltung. Wenn ich mit Weißdorn koche, dann will ich den auch schmecken, und nicht irgendein künstliches Aroma.

Besser spät als nie oder früher als gedacht - ein Herbstbuch im Winter

Der Herbst ist nun schon leider ein Weilchen her und das Buch ist etwas spät dran - oder viel zu früh - aber Maroni finden sich in den Supermärkten noch, Hagebutten lassen sich selbst jetzt noch sammeln und Haselnüsse hat der eine oder andere vielleicht noch eingelagert. Sogar Eicheln kann man, sofern sie nicht verschimmelt sind, noch sammeln, denn auch wenn sie schon gekeimt haben, lassen sie sich noch prima verwenden. Auf die Bucheckern muss man leider bis zum nächsten Herbst warten und die Weißdornbeeren haben die Vögel schon vor Wochen gefressen. Doch wer noch welche findet, der kann auch die noch sammeln, denn Weißdorn schmeckt am besten nach dem Frost. Zu spät ist es also nicht.

eBooks lesen ohne eBook-Reader

Natürlich braucht Ihr dank der Apps keinen extra ebook-Reader mehr. eBooks lassen sich heute bequem am Handy oder an PC über Apps lesen. Amazon hat eine solche Seite z.B. bei den den "gratis Lese-Apps". Solche Angebote hat mittlerweile nahezu jeder Anbieter von eBooks auf seinen Internetseiten. Die PCs stehen im Zimmer, die Handys sind in der Tasche, die Rohstoffe für beide Geräte wurden bereits der Erde entnommen. Nun gilt es beides pfleglich zu behanden und zu nutzen bis es seinen Geist aufgibt und man die Geräte recyclen kann. Lieber esse ich weiterhin Bucheckern, als das extra Buchen für ein Buch gefällt werden müssen. Ob das ökologischer ist? Gute Frage. Das müsste das ifeu Institut mal nachrechnen. Hab ich mich geirrt, lass ich das eBook natürlich auch drucken.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Muggefug Variante 2 - der Eichelkaffee

Eichelkaffee gehört zu den Klassikern der Wildnisküche. Und tatsächlich: Er ist trinkbar. Bei ihm verhält sich das ein wenig anders als beim  Löwenzahnwurzelkaffee denn er sieht in keinster Weise aus, wie Kaffee und schmeckt tut er auch nicht danach.  Eichelkaffee verdient eher den Namen "Eicheltee" und diesen würde ich auch nicht als Kaffee-Ersatz trinken, sondern ihn eben bewusst als Eicheltee genießen.
Eichelkaffee wird immer mal wieder als alternative zu Kaffee-Ersatz angeführt. Tatsächlich sieht er
anders aus und schmeckt auch anders. Muggefug ist eben nicht gleich Muggefug.

Wie schmeckt Eichelkaffee und kann man ihn trinken?

Ohne Milch sieht Eichelkaffee aus, wie Tee. Dem Geschmack
nach passt die Bezeichnugn "Tee" auch besser.
Eichelkaffee schmeckt ein wenig herb mit der feinen, würzigen Note der Eichel. Es ist ein ganz eigener Geschmack: Eine Mischung aus Karamell und Wald, erdig und gleichzeitig lieblich, herb und gleichzeitig süßlich und das ganze sehr dezent. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man den Geschmack so beschreibt.  Aber eben weil das so ungewöhnlich ist, kann man ihn, wie ich finde,  nicht zum Dauergetränk machen. Es bleibt etwas besonderes, schon allein weil seine Herstellung Zeit und Geduld erfordert.
Hat man die Eicheln  nicht lange genug vorher gewässert, dann kommt noch der leicht abstringierende Geschmack der Gerbstoffe zum Tragen. Das heißt, dass sich die Backen beim Trinken nach Innen ziehen werden und man ein wenig das Gefühl hat zu einem Schrumpfkopf zu mutieren.  Um auch den letzen Gerbstoffen den Garaus zu machen, empfiehlt es sich sehr, etwas Milch in den Eichelkaffee zu geben. Leicht gesüßt kann man ihn so relativ gut trinken. Dennoch reicht es mir voll und ganz einmalig im Jahr etwas Eichelkaffee in einer Thermoskanne abgefüllt mit in den Wald zu nehmen (z.B. bei meiner zweiten Eichel-Sammeltour im Herbst), mich unter eine Eiche zu setzen, imaginär mit ihr auf ihre Früchte anzustoßen und dann ein Tässchen zu genießen. Mehr Eichelkaffee brauche ich im Jahr nicht - so grandios ist der Geschmack nun auch wieder nicht. Dennoch zelebriere ich das gerne in der eben beschriebenen Weise. Für mich ist das mein "Herbstritual". Eine Thermoskanne Eichelkaffee ist somit mein Jahresverbrauch und befriedigt mein Bedürfnis etwas Besonderes aus der Natur konsumiert zu haben, sehr. Immerhin - eine Thermoskanne voll Kaffee aus Übersee ist somit eingespart.

Wie stellt man Eichelkaffee her?

Die gewässerten, dann gerösteten Eicheln
werden in einer Kaffeemühle feingemahlen.
Die besten Eicheln sind die etwas oval-länglichen Früchte, der Stiel- oder Traubeneichen. Beide lassen sich viel besser schälen, als die kugeligen Eicheln der Roteiche.
Das fertige Eichelkaffee-Pulver erinnert ein Bisschen an
gemahlene Mandeln.
Um sich das mühevolle Schälen roher Eicheln zu ersparen, kann man die Früchte für 10-20 Min bei 180 Grad im Ofen rösten. Dabei platzen sie auf und mit einen Spitzen Messer sind die Eicheln recht schnell geschält. Anschließend schneidet man sie in kleine Stücke und wässert sie. Dafür kommen die Eichelstücke 2 Tage in eine Schale mit Wasser, das man täglich zweimal wechselt. Wenn das Wasser klar bleibt, werden die Eichelstücke noch einmal bei 180 Grad für 10-20 Min hellbraun geröstet. Wer mag, kann das auch in einer beschichteten Pfanne oder über dem Lagerfeuer tun. Die so vorbereiteten Eicheln werden in einer Kaffeemühle zu Pulver vermahlen. Für den Kaffee aus Eichlen empfehlen sich 2 gehäufte Teelöffeln pro Tasse. Dafür den Eicheltee in der Kaffeemaschine oder im Kaffeebereiter wie gewohnt zubereiten. Wer beides nicht hat, kann das Eichelpulver auch einfach einige Minuten im heißen Wasser ziehen lassen und dann durch ein feines Sieb oder einen Kaffefilter filtern.

Lohnt sich die Mühe?

Na ja. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, auch wenn andere Stimmen etwas anderes sagen und den Eichelkaffee in den Himmel loben. Haferschleim ist bekanntlich auch sehr bekömmlich, aber essen tue ich ihn deswegen dennoch nicht gern. Eicheltee, und so muss man wirklich zum Eichelkaffee sagen,  ist einfach ein recht aufwändig herzustellendes Getränk für einen Geschmack, der ungewöhnlich ist, aber nicht unbedingt der Lobpreisungen würdig ist, die er so genießt.  Wahrscheinlich freuen sich die Leute, die Eichelkaffee hergestellt haben einfach, dass sie diese langwierige Prozedur zelebriert haben udn endlich, endlich zum Trinken kommen. Da will man sich auch nicht unbedingt eingestehen, dass das Gebräu nun nicht so tolle ist und erstrech nicht unbedingt alltagstauglich ist. Belassen wir es bei der Freude über jenes eine Tässchen Eichelkaffee als "Herbstzelebrationsgetränk". Es ist wesentlich einfacher ein paar Wildkräuter von der Wiese mit heißem Wasser zu übergießen und so einen "richtigen" Tee herzustellen, als Eicheln zu pulen, zu zerschneiden, zu rösten, zu mahlen und aufzugießen. Ich hab die Wildkräuterrei gern einfach und wenn da schon viel Mühe drin steckt, dann muss mich das Ergebnis auch überzeugen. Eichelkaffee reißt mich nicht wirklich vom Hocker, da gibt es andere Rezepte mit Eicheln, die viel besser sind! Dennoch gehört er für mich sozusagen als herbstliches "Kultgetränk" wenigstens bei einem Streifzug durch die Wälder einfach mit ins Marschgepäck.




Dienstag, 10. Juni 2014

Eicheln sind giftig und dennoch kann man sie essen

Im unverarbeiteten Rohzustand ist die Eichel für
uns ungenießbar.
Eine der wohl  interessantesten Feststellungen, die es gibt: Eicheln sind giftig - und dennoch werden  sie gegessen. Wie geht das?
Wieder die Frage, was denn "giftig" überhaupt bedeutet. Die Eicheln enthalten Gerbstoffe und die sind extrem bitter. Schon mal eine rohe Eichel geschält und zerkaut? Da zieht es euch wirklich alles zusammen und man hat das Gefühl zum Schrumpfkopf zu werden. So was isst man nicht freiwillig. Schweine hingegen lieben Eicheln, und zwar pur direkt vom Baum gefallen (in der Tat vergraben sie im Herbst viele Eicheln beim Durchwühlen des Herbstlaubes, damit sie die gekeimten Eicheln im Frühling fressen können, denn nach der Keimung schmecken die Früchte ebenfalls nicht mehr ganz so bitter. Kluge Schweine). Respekt! Allein bei dem Gedanken rohe Eicheln zu essen bekomme ich Brechreiz. Diese Gerbstoffe sind ein Fraßschutz - für uns. Die Eicheln sind fürs Wild gedacht, die sich im Herbst Speck für den Winter anfressen müssen. Natürlich bekommt man, wenn man Eicheln pur isst, Bauchschmerzen, Durchfall und die ganze Liternei von Vergiftungssymptomen. Somit muss man eindeutig sagen: Ja, Eicheln sind giftig. Aber wer würde denn trotz eines so scheußlichen Geschmacks freiwillig eine Eichel runterwürgen und dann gleich noch so viele, dass er eine schwere Vergiftung bekommt?
Doch der Mensch ist einfallsreich! Eicheln enthalten neben den Gerbstoffen auch Stärke, Eiweiß und Fett. Das braucht auch der Mensch, vor allem wenn nichts anderes da ist, um den Bedarf an Nährstoffen zu decken. Die Gerbstoffe der Pflanzen und der Hunger sind so gesehen die treibenden Kräfte für die menschliche Intelligenz in der Evolution, weshalb widerlich schmeckende Inhaltsstoffe von Pflanzen die Menschheit nicht immer davon abgehalten haben, bestimmte Dinge zu konsumieren :-).  Es gibt Möglichkeiten die Gerbstoffe zu entfernen. Die Indianer haben es vorgemacht. Sie hängten einen Korb voller Eicheln einfach 2 Tage in einen Fluss. Und genauso kann man die Gerbstoffe entfernen: Wässern. Ob Ihr die Eicheln dabei kocht, sie vorher anröstet und schält oder sie einfach ins Wasser legt, ist ein wenig von der späteren Verwendung abhängig. Wichtig ist, dass Ihr sie so lange wässert, bis das Wasser, dass Ihr dabei mehrfach wechselt, endlich klar bleibt und sich nicht mehr verfärbt. Dann sind die Gerbstoffe entfernt und die Eicheln sind als "ungiftig" einzustufen.
Ihr findet einige Rezepte wie den "Waldaufstrich aus Eicheln mit Röstzwiebeln" oder den "Eichelkuchen" in meinen eBook Herbstfrüchte. Wer darüber hinaus mal ein Rezept testen möchte:  Oakenshields oder die Kürbis-Eichel-Pizza sind sehr zu empfehlen, in flüssiger Form kann man sich am Muggefug aus Eicheln versuchen. Wer Eicheln lieper pastinös bevorzugt, kann sich an Eichelwurst-Aufstrich herantrauen - mein persönlicher Favorit. Sicher werde ich hier im Laufe der Zeit weitere Rezepte veröffentlichen. Viel Spaß beim Schmökern.