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Mittwoch, 23. Juli 2014

Spritzmittel sind Biozide und vergiften auch den Menschen

Die unsichtbare Gefahr - Biozide, Pestizide, Pflanzenschutzmittel

Das ist nun wirklich eine Gemeinheit. Die schönsten Unkräuter und essbaren Wildpflanze wachsen an Bahndämmen, im Wingert oder zwischen Obstbäumen. Gemeinheit nicht nur, weil dies meist Privatbesitz ist, oder das Betreten von Bahndämmen viel zu gefährlich ist - nein, vor allem wegen der vielen Spritzmittel, die in einem leider überwiegend nicht biologisch bewirtschafteten Kulturland wie Deutschland, zu Unmengen ausgebracht werden. Pflanzenschutzmittel nennen es die Landwirte, streng genommen sind es aber Biozide - also gegen irgendeine Form von Leben gerichtete Gifte. Um den Verbraucher aber ein wenig die Augen zu wischen, wird hier wieder ein riesiges Durcheinander um die Begrifflichkeiten gestiftet.
Denn Du bist, was du isst. Nach dem Tod dürften wir nur als Sondermüll entsorgt werden,
bei der Menge an Pestiziden, die wir mit unserm täglichen Brot aufnehmen.

Biozide, Pestizide, Pflanzenschutzmittel - letztendlich ist das alles Gift

Als Biozide werden nämlich die Gifte im Agrar-Bereich nicht bezeichnet! Statt dessen bekommen solche Gifte die schön formulierte Bezeichnung "Pflanzenschutzmittel". Es bleiben aber GIFTE, die sich gegen das Leben richten und das heißt übersetzt Bio-zid von Leben (=griech. Bios) und töten (= lat. caedere)
Alle verwendeten Gifte aufzuzählen, würde doch ein wenig weit führen, deswegen: Wen es interessiert, einfach mal googeln.
Die Pflanzenschutzmittel können je nach Wirkspektrum unterteilt werden: Da gibt es die Insektizide (Mittel die gegen Insekten wirken), Herbizide (also das Überhandnehmen von sogenannten Unkräuter...da blutet mein Herz) und Fungizide (Mittel gegen Pilzbefall wie z.B. Mehltau), Akarizide (gegen Milben und Zecken), Algizide (gegen Algen), Bakterizide (gegen Bakterien), Molluskizide (gegen Schnecken), Nematizide (gegen Würmer), Virizide (gegen Viren) und noch weitere wie die Mikrozide (gegen Mikroorganismen), Avidizide (gegen Vögel)  und sogar spezielle Rhodentizide (gegen Nagetiere). Letztere kennen wahrscheinlich die meisten in Form von Rattengift. Hier stellt sich nun die Frage: Ist Rattengift ein Pflanzenschutzmittel oder ein Biozid? Man sieht dann recht schnell, dass der Diskussion um die Begrifflichkeiten hier vom eigentlichen Thema ablenkt, denn solche Gifte gelangen nach wie vor in unsere Nahrungskette, während sich die Herren in Brüssel darüber medienwirksam unterhalten in welche Kategorie sie nun dieses oder jenes Gift stecken sollen.
Aber: Es mache keinen Unterschied, ob es sich nun um ein Biozid oder Pflanzenschutzmittel handelt. Der Begriff Pflanzenschutzmittel ist an sich schon Hohn.  Allein wenn man sich vorstellt, dass an Mitteln, welche Pflanzen schützen, nach WHO-Angaben jedes Jahr 3 Millionen Menschen (!) sterben! Pflanzenschutzmittel sind definitiv BIOZIDE. Sie mögen diese eine Pflanzengattung schützen, aber sie töten - auch Menschen.

*Ironie on* In der EU-Normen fallen unter Produktart 23 "Produkte gegen sonstige Wirbeltiere". Da finden sich dann sicher auch die "Humanizide" (gegen Menschen). *Ironie off*
Entschuldigt, aber wenn man sich länger mit dem Thema auseinander setzt, dann kann man irgendwann nicht mehr umhin ironisch zu werden.


Kindern ekeln sich vor einem Stückchen Natur

Keines dieser Gifte ist eigentlich notwendig. Die Natur hat in Jahrmillionen Jahren der Evolution ihre eigenen Regelmechanismen entwickelt, nur der Mensch ist ungeduldig. Gibt es ein Jahr mit zu vielen Schnecken, werden im nächsten vermehrt Enten schlüpfen, nehmen die Käfer überhand, freuen sich die Spatzen usw. Nimmt in einem Jahr der Apfelwickler besitzt von einem Baum,  bedeutet das zwar erst einmal eine geringere Ernte, weil der Apfel sich unter unseren kultivierten Bedingungen nicht wurmstichig verkaufen lässt, aber theoretisch ist der Apfel noch immer essbar! Vielleicht nicht im Ganzen, aber doch teilweise. Ich muss manchmal drüber schmunzeln, wenn ich mit Kindern unterwegs bin, einen wurmstichigen Apfel öffne und erst einmal ein "Igitt" aus den Kindern herausschlüpft. Dann entferne ich den wurmstichigen Teil und biete den guten Teil zum Essen an. Kaum ein Kind greift zu. Es gestaltet sich als wahre Mutprobe einen Apfel zu essen, in dem ein Wurm gelebt hat, der zum einen nach Apfel schmeckt (wonach auch sonst) und zum anderen deutlich keiner ist, als die Kinder. Esse ich den Apfel dann selbst, dann schauen mich große Kinderaugen an, als hätte ich gerade einen Riesen bezwungen. Unsere Kinder sind das Leben mit der Natur gar nicht mehr gewöhnt. Ihnen wir die perfekte Welt in der Werbung und dem Supermarkt vorgegaukelt - die geschaffen wurde von Bioziden, die sich letztendlich gegen sie selbst richtet. Dabei gehört ein wenig Leben im Essen seid Anbeginn der Menschheit zum Alltag - was nicht zwangsläufig bedeutet, dass man jeden Apfelwickler mitessen soll. Aber man kann als Eltern doch auch mit solchen Dingen ganz natürlich umgehen und den Kindern beibringen, dass so ein kleiner Wurm nicht das größte Ekelerlebnis auf dieser Welt ist.

Von Grenzwerten und Giftspeichern

Also spritzt man lieber Biozide und versperrt sich die Vielfalt auf dem Teller, indem man das Grünzeug unter dem Apfelbaum ebenso vergiftet. Mich wundert es sehr, dass die Mehrheit der Deutschen dennoch lieber einen mit Bioziden kontaminierten Apfel isst, mit dem Gedanken, er sei doch so gesund  und verdrängt das Thema Spritzmittel, als würde der konventionell angebaute Apfel davon ein biologischer werden. Der Apfelbaum der jahrelang gespritzt wurde, akkumuliert die Gifte genauso in sich, wie ein Mensch sie im Fettgewebe speichert. Der Apfelbaum ist ein Giftspeicher. Der Mensch ist ein Sammler - er sammelt auch Giftstoffe. Das macht sich bei uns dann bemerkbar im Alter ab 40 oder 50 Jahren, wenn das Maß voll ist. Der Apfelbaum wird meist schon vorher gefällt, weil er nach ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr wirtschaftlich rentabel ist. Wirtschaftlich rentabel? Ja, denn die EU "harmonisiert" die Pestizid-Grenzwerte immer mal wieder - mache werden erhöht, manche gesenkt. Sie spielt dabei mit unserem Leben unter der Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit, der Wirtschaftlichkeit unseres Lebens, denn sehr pragmatisch betrachtet ist ein Grenzwert der wirtschaftlich vertretbare Verlust an Lebenszeit. Noch ein Apfel gefällig?
Jeder Grenzwert ist zu hoch, denn letztendlich dürfte gerade im Bereich der Nahrungsmittelproduktion  keinerlei Gift verwendet werden.

Tausche Schnewittchen-Apfel gegen Vielfalt auf dem Teller


Dann hört und liest man immer wieder: Aber was ist mit Ernteausfälle durch Apfelwickler? Betrachtet das doch mal anders: Verkaufen sich nur 3/4 des Apfels  und 1/4 geht an den Wurm, dann gewinnt der Mensch aber jede Menge Land und Essen dazu, wenn unter dem Apfelbäumen Brennnesseln und Co. wachsen dürfen  und geerntet werden können - nahezu ganzjährig. Wenn wir wieder lernen die Natur in ihrer Ganzheit zu nutzen, dann haben wir viel mehr (Nährstoffe, Vielfalt, Nahrung - in Form von Brennnesselfrikadellen, Gierschpesto und Labkrautgeele) auf dem Teller, als nur einen vergifteten, aber ästhetisch perfekten Schneewittchen-Apfel.

Vergiftungssymptome durch Spritzmittel

Wie gesagt: Einfach mal "Hauptwirkstoffe in Pestiziden" googeln oder beim BUND, dem NABU oder Greenpeace und ÖkoTest mehr zum Thema nachlesen, allein dann werdet Ihr sehen, wo das Problem liegt, denn neben den Hauptwirkstoffen, die z.T. an sich schon stark krebsauslösend sind, wie Hormone wirken oder sich in die Entwicklung und Vernetzung des Gehirns auswirken, existieren noch eine ganze Reihe von Zusatzstoffen, die ebenfalls eine erheblich biozide Wirkung auf den Menschen haben. Insgesamt wirken viele Pestizide wie Nervengifte. Wer viel gespritztes Obst und Gemüse isst, unter Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Sehstörungen oder gar Atemlähmung leidet, der sollte sich einmal fragen, ob dies nicht von den Spritzmitteln kommen könnte und sich hier schon Vergiftungserscheinungen bemerkbar machen. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, dass Pestizide das Erbgut schädigen und auch die Entwicklung des Embryos im Mutterleib stören. Sicher, Biozide vergiften uns meist nicht sofort mit einer letalen Dosis, so wie sie es bei Apfelwicklern oder in den Entwicklungsländern mit den Bauern tun, aber sie vergiften uns in Deutschland schleichend und nachhaltig. Und der Grenzwert wird immer weiter von der EU nach oben "harmonisiert". Dabei ist den meisten Menschen gar nicht klar, wie sich ein Grenzwert überhaupt definiert: Nämlich als wirtschaftlich vertretbare Verlust an Lebenszeit. Noch ein Apfel gefällig?

Vom Winde verweht - Spritzmittel im Umfeld

Leider haften nun solche Biozide auch an den Unkräutern zwischen Wingerten und Obstplantagen und im Umfeld derselben, da sie mit dem Wind über viele Kilometer auch in die Natur geblasen werden. Auf Feldern in denen Herbizide - also Unkrautvernichtungsmittel gespritzt werden, ist für den Unkrautgourmet ohnehin nichts zu holen. Um Felder die mit anderen Bioziden behandelt werden, sollte mal seiner Gesundheit zuliebe dann doch einen größeren Bogen machen.

Abwaschen ist schon mal gut, hilft aber nicht wirklich gegen Biozide

Es kommt immer wieder die Frage auf: Und wenn ich die Kräuter abwasche? Abwaschen solltet Ihr ohnehin alles vor dem Essen, egal wo Ihr es sammelt. Viele Gifte sind Kontakt-Biozide, haften also auf deren Oberflächen und wirken bei Kontakt. Abwaschen ist also immer eine gute Idee - dabei ist lauwarmes Wasser wirksamer als kaltes. Leider verhält es sich so, dass viele essbaren Unkräuter eine behaarte Oberfläche haben und dort die Pflanzenschutzmittel nicht wirklich restlos abzuwaschen sind. Dazu kommt: Der Landwirt spritzt da nicht erst seit gestern, sondern der Boden hat schon zahllose Spritzmittel aufgesogen und das nehmen auch die Pflanzen wieder auf. Keine gute Grundlage für eine gesunde, mit Wildkräutern bereicherte Nahrung. Da esse ich lieber einen gesunden, biologisch einwandfreien Apfel (z.B. von Dirks Biokiste) und riskiere auch mal den Blick auf einen Wurm, als einen Apfel mit krebserregenden Stoffen zu essen. Außerdem: Dort wo gespritzt wird, wird meist auch übermäßig gedüngt. Der Nitratgehalt mancher Unkräuter ist also dementsprechend hoch.
Deshalb würde ich nur dort Wildkräuter sammeln, wo entweder biologisch gewirtschaftet wird, oder gar nicht.
Gegen den Apfelwickler hilft im Übrigen Wermut-Jauche - womit wir wieder bei den (un)geliebten Unkräutern sind, die man ja mit Herbiziden so schön vernichtet...

Mehr zum Thema unter:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/chemie/pestizide/gesundheitsgefahren/krank_durch_pestizide/
http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide




Freitag, 20. Juni 2014

Der große Leberegel und der kleine Leberegel

Auf feuchten Wiesen können Eier des großen
Leberegels (Facsiola hepatica) am Pflanzen
wie dem Löwenzahn haften.
Zu den "Horrorwesen" aus dem Tierreich  (Zecken, Fuchsbandwurm), die den Menschen beim Wildkräutersammeln befallen können, gehören auch die großen und kleinen Leberegel. Der große Leberegel  kommt häufiger vor und findet sich bevorzugt auf feuchten Wiesen. Der kleine Leberegel  ist auf  trockenen Wiesen heimisch. Beide verirren sich auch mal zum Menschen als Fehlwirt, wobei der große Leberegel dies häufiger tut.

Infektionen mit dem kleinen Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) sind eher die Ausnahme

Im Frühling habe ich schon häufiger in der Nähe von Ameisenhügeln jene, am kleinen Leberegel infizierten Ameisen beobachtet, die sich an den oberen Enden der Grashalme festbeißen, um dann von Schafen, Rindern, Hasen, Kaninchen, Rotwild oder dergleichen gefressen zu werden. Das ist der gewöhnliche Lauf im Lebenszyklus: Der kleine Leberegel entwickelt sich zuerst in einer Schnecke. Diese infiziert eine Ameise und die verhält sich in der oben beschriebenen Weise auffällig und lässt sich fressen. Der Egel gelangt so in den Endwirt, das Schaf. Dort schließt sich der Zyklus und mit dem Kot gelang der Egel wieder in die Schnecke. Gefunden hat man kleine Leberegel aber auch schon in Katzen und Vögeln. Der Lebenszyklus zeigt, wie unwahrscheinlich es ist, sich als Kräutersammler mit dem kleinen Leberegel zu infizieren. Man muss schon Ameisen essen und das macht man eigentlich nicht freiwillig, eher zufällig. So sind besonders Kinder betroffen, die ein wenig unachtsam ein infiziertes Insekt beim Spielen vertilgen. Ansonsten besteht die größte Infektionsgefahr darin, befallene Leber von infizierten Haustieren zu essen. Jäger, die Rotwild ausweiden, sollten darauf achten, dass die Leber unbeschädigt bleibt, um das Fleisch nicht zu verseuchen. Spätestens der Tierarzt stellt bei der Tierbeschau einen Befall fest und zieht das Fleisch aus dem Verkehr. Dennoch besteht das Risiko, sich irgendwann mal mit dem kleinen Leberegel zu infizieren, deswegen sei dies hier, der Vollständigkeit wegen, erwähnt.
Nicht zu verwechseln ist das heimische kleine Leberegel Dicrocoelium dendriticum mit dem in Asien verbreiteten, ebenfalls als "kleines Leberegel" bezeichneten Parasiten der Gattung Opisthorchis. Diese kommen in Ost-Europa und Asien in Fischen vor, spielen also eher für Touristen eine Rolle, weniger für Wildkräutersammler.

Die Eier des großen Leberegels werden häufiger unbewusst gegessen

Beim großen Leberegel (Fasciola hepatica) funktioniert das ganz ähnlich, nur werden die Eier vom Zwischenwirt, der Zwergschlammschnecke, direkt ins Wasser oder in die feuchte Umgebung abgegeben. Die dahintreibenden Eier heften sich dann, entweder von der Wasserströmung getrieben oder sich an einem vorbeilaufenden Tier anhaftend, ans Gras und werden dort irgenwann konsumiert. 
Fazit: Beim Sammeln von Brunnenkresse oder Löwenzahn auf feuchten Wiesen, aber auch beim Aufsammeln von Fallobst, besonders in der Nähe von Gewässern, kann man sich mit den Eiern des großen Leberegels infizieren!

Symptome und Behandlung bei Infektionen mit dem großen Leberegel

Ein Befall mit Leberegeln kann unkompliziert sein bis hin zu schweren Leberfunktionsstörungen mit einhergehender Gelbsucht und Schmerzen im Oberbauch führen - je nachdem, ob sich der Egel schon festgesetzt hat und wie die persönliche Konstitution ist. Die Behandlung erfolgt relativ langwierig mit Medikamenten, gelegentlich kommt auch eine chirurgische Entfernung des Leberegels in Betracht. Wer unter Bauchschmerzen, vergrößerter Leber und Fieber leidet, der könnte sich 4-6 Wochen vorher mit einem großen Leberegel infiziert haben. Auch Schluckbeschwerden und Atemnot kann so ein Egel verursachen, sollte es sich im Rachen festsaugen. Dort kann man es mitunter mechanisch entfernen. Auf der anderen Seite: Eine Fasciolose, also durch den Leberegel hervorgerufene  Erkrankung, kann auch völlig symptomfrei verlaufen.  Ein Besuch beim Arzt ist auf jeden Fall Pflicht, sollten irgendwelche ungewöhnlichen Symptome auftreten - mit dabei ist dannfür den Arzt Euer Wissen um die ganzen hier beschriebenen Gefahrenquellen mit denen ihr in den letzten Wochen evtl. in Kontakt gekommen sein könnt.

Aber Panik zu machen ist unbegründet. Wichtig ist, dass man die Gefahren kennt, sie im Hinterkopf behält, um dann, bei einem Arztbesuch, auch mal solche Themen anzusprechen und schnell handeln zu können, sollte es notwenig werden.
Die Evolution hat mit solchen Erregern und Parasiten die Menschheit geformt. Irgendwie auch faszinierend, dass sie es noch heute tut.


Mittwoch, 18. Juni 2014

Zecken können FSME, Borreliose und viele weitere Erreger übertragen

Zecken sind nun leider häufig und wer sich durchs Gras oder Unterholz bewegt, muss damit rechnen, von diesen Plagegeistern befallen zu werden. Deshalb ist es gut, das Wesentlich über die Gattung Ixodida im Kopf zu haben.

Was lockt die Zecken an?

Angelockt werden Zecken durch unseren Schweißgeruch. Dafür muss man noch nicht mal großartig "müffeln". Wir transpirieren ständig und allein das reicht aus, um die Zecken hypnotisch in unsere Richtung zu lotsen. Auch Licht- und Schattenspiele, die wir im Vorbeigehen verursachen,  lenken ihre Aufmerksamkeit auf uns. Eine marschierende Wandergemeinschaft verursacht einen regelrechten Stroboskob-Effekt bei den Tiere und der bedeutet für sie: Blut! Gleiches gilt für leichte Erschütterungen, die wir verursachen, wenn wir durchs Gras laufen. Wir dürften uns also weder bewegen, noch vor nicht vor uns hindampfen oder atmen, wollten wir die Zecken von uns fernhalten.

Was hilft gegen Zecken?

Da wir aber atmen müssen, das Transpirieren kaum unterbinden können und auch nicht erschütterungsfrei laufen können, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.Hier das Wichtigste für Unkrautgourmets: Die beste Mittel gegen Zecken!
  1. Vermeidet höheres Gras und Unterholz, wann immer möglich.
  2. Festes, geschlossenes  Schuhwerk ist Pflicht und – so albern das auch aussieht – die Hosen in die Wandersocken stopfen hilft ebenfalls.
  3. Reibt Euch mit zeckenabweisenden Mitteln wie ANTI BRUMM Zecken Stopp vorbeugend ein. DAS hilft immerhin ein paar Stunden.
  4. Zusätzlich solltet Ihr helle Kleidung tragen, damit Ihr die Biester möglichst schnell entdeckt.
  5. Nach dem Aufenthalt im Freien ist Absuchen Pflicht! Unter der Dusche findet man so ziemlich jede Zecke. Die Kleidung im Anschluss ans Duschen zu wechseln, ist auch nicht verkehrt, da die Zecken sich mitunter im Hosenkrempel oder in einer Stoffnaht verstecken. 
  6. Lasst Euch gegen FSME impfen, da diese Erreger sofort nach dem Stich übertragen werden können.
  7. Gegen Borreliose-Erreger hilft es, die Zecke in den ersten 6 Stunden zu finden, da man in dieser Zeit noch keine von der Zecke auf den Wirt übertragenen Erreger gefunden hat.
Treten Fieber, Nackensteifheit, grippeähnlichen Symtomen, Kopfschmerzen und/oder eine rötliche, kreisförmige Schwellung um die Einstichstelle auf, immer auch FSME und Borreliose im Hinterkopf haben, wenn Ihr Euch häufig im Freien aufhaltet. Euer Arzt weiß mit so einem Hinweis eine ganze Menge anzufangen.

Wichtig ist, diese Biester erst einmal gar nicht an sich ran kommen zu lassen und sie zu finden, noch bevor sie ihre Mundwerkzeug in die Haut bohren. Wenn auf  Wanderungen  jeder auf den anderen achtet, dann wehrt man schon 80 % aller Zecken bereits auf der Hose ab. Von den 20 % findet man 99% wenn man sich im Anschluss an die Tour duscht und gründlich absucht  (einen Spiegel für uneinsehbare Stellen ist hier viel Wert) oder sich absuchen lässt. Die getragene Wäsche sollte man gleich in die Waschmaschine stecken.

Zeckenbiss! Was nun?

Hat doch mal eine Zecke angedockt: Keine Panik! Handelt ruhig, besonnen und entfernt das Tier umgehend mit der Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange! Nutzt ihr Wie ich eine Pinzette (finde das ist einfach ein Universalwerkszeug für echte Outdoor-Menschen), dann packt Ihr die Zecke möglichst weit vorne am Kopf und zieht sie gerade heraus. Fertig. Alles was Ihr über rechts- oder linksherum Drehen gehört habt, ist Unsinn. Schaut euch mal die Mundwerkzeuge an, dann wisst Ihr auch warum: Die Mundwerkzeuge gleichen eher einem Sägeblatt als einer Schraube. Einfach grade nach oben wegziehen, so als würdet Ihr einen Spreißel entfernen. Die Stichstelle könnt Ihranschließend noch desinfizieren.
Bleibt mal ein Stück Mundwerkzeug in der Einstichstelle hängen, weil es  beim Versuch die Zecke zu entfernen abreißt (das passiert hin und wieder, wenn die Zecke schon paar Stunden am Werk ist), dann sucht Euren Hausarzt auf, der den Rest entfernen und auch gleich im Impfpass nach der FSME-Impfung schaunen kann.
Auf keinen Fall solltet Ihr die Zecke vorher mit irgendwas betupfen oder gar ersticken wollen, denn sie stirbt langsam. In dem Fall geht es ihr, bevor sie stirbt, erst einmal ziemlich schlecht und sie "erbricht" dann regelrecht allen Mageninhalt in Eure Blutbahn und das wollt Ihr ja grade vermeiden.

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Um das Ganze auch hier, wie beim Fuchsbandwurm, wieder auf sachliche Beine zu stellen, ein paar Zahlen zur FSME (da die Zahlen je nach Quellen unterschiedlich starkt schwanken, nehmt sie nur als Richtwert. Ich hab hier immer die höchste Zahl genommen die ich gefunden habe, das Risiko ist also eher kleiner.) :
  • In einem sogenannten "Risikogebiet" trägt im schlimmten Fall jede 10. Zecke das FSME-Virus in sich.
  • Von den Menschen, die eine Zecke haben, erkranken 30% an FSME und entwickeln Symptome wie Kopfschmerzen, Mattigkeit und Fieber.
  • In Deutschland werden jedes Jahr 200 Fälle von FMSE auf Zecken zurückgeführt.
  • 1 FSME-Erkrankter von 1000 stirbt an einer von Zecken übertragenen Hirnhautenzündung - das ist ein Todesfall alle 5 Jahre. Um das ins Verhältnis zu setzten: In Deutschland sterben jedes Jahr über 60.000 Menschen an Influenza, der echten Grippe.
  • Wer informiert ist, und sich richtig verhält (siehe oben), senkt sein Risiko erheblich!
  • Wer geimpft ist, bekommt FSME durch Zecken erst gar nicht.

Lyme-Borreliose

Die Borreliose ist hingegen eine in meinen Augen viel heimtückischere Krankheit. Sie ist häufiger und bis man merkt, dass es einen erwischt hat, vergehen mitunter Jahren.
Ca. 800.000 Lyme-Borreliose-Erkrankten gibt es pro Jahr - unglaublich! Hier soll - um wieder das Maximum an Wahrscheinlichkeiten zu nennen - in Hochrisikogebieten wie Baden-Württemberg sogar jede zweite Zecke den Erreger in sich tragen.  Etwa die Hälfte der Menschen, die von einer mit Borrelien-Erregern infizierten Zecke gestochen werden, erkranken an  Lyme-Borreliose, einer Gelenkentzündung. Die oft beschriebene "Wanderröte" die hier nach einem Zeckenbiss auftreten kann, ist leider kein zuverlässiges Frühwarnzeichen. Wer aber Gelenkbeschwerden hat und unter Fieber und grippeähnlichen Symptomen leidet, sollte, sofern er sich viel im Freien aufhält oder sich vormals viele Jahre aufgehalten hat, immer auch an Zecken denken.
Behandelt wird die Borreliose meist mit Antibiotika. Nur in wenigen Fällen heilt die Borreliose nicht aus und eine lebenslange Behandlung ist notwendig. Je besser Euer Immunsystem arbeitet, desto eher werdet Ihr gesund. So verrückt das nun auch klingt zwischen alle den Gefahren: Wildkräuter helfen Euch gesund zu bleiben. Es ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung, die zugunsten der Natur ausfällt.
Die gute Nachricht hier noch einmal:  Anders als bei FSME muss bei Borreliose die Zecke schon eine Weile am Wirt gesaugt haben. Erst ab 6 Stunden und mehr beginnt die Übertragung der Borreliose-Erreger auf den Wirt. Ab 24 Stunden ist es ziemlich sicher dass die Zecke den Erreger überträgt, sofern sie denn zu den 50 % infizierten Zecken gehört.  Macht Euch nackig und sucht Euch also sofort ab, wenn Ihr nach Hause kommt!

Übrigens: Vormittags sind Zecken weniger aktiv. Sie brauchendie Mittagswärme, um richtig munter zu werden.

Eine gute Seite um sich über Zecken zu informieren und mehr über die Hochrisikogebiete oder weiterer, von Zecken übertragenen Kankheiten zu erfahren, ist http://www.zecken.de.


Samstag, 14. Juni 2014

Fuchsbandwurm - ein Risiko für Sammler von Wildkräutern

Meister Reineke ist ein Fuchs - und hin und wieder Träger
des Fuchsbandwurms.
Der Fuchbandwurm ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr, einfach weil es keinen Impfung gegen ihn gibt und auch kein präventives Mittelchen. Selbst die Diagnose und Behandlung sind schwierig. Abkochen der gesamten Pflanzen bei mindestens 60 Grad hilft die Eier zu zerstören. Schwierig wird das bei Gerichten in denen man rohe Wildkräuter verwendet, etwa bei Pestos oder Wildkräutersalaten.
Doch keine Panik! Eines vorweg: Schon mal im Lotto gewonnen? 2013 gab es 90 Lottomillionäre aber nur 30 gemeldete Fälle von Fuchsbandwurminfektionen. Es ist also eher wahrscheinlich sich irgendwann mal eine Villa kaufen zu können, als sich mit einem solchen Bandwurm zu infizieren.  Etwas risikoreicher leben Jäger und Hunde- und Katzenbesitzer, deren Tiere infizierte Mäuse oder tote Füchse ablecken oder Äste aportieren, auf denen zufällig ein infizierter Fuchs seine Losung (seinen Kot) abgesetzt hat.
"Hochrisikogebiete" für den Bandwurm ist Süd-Baden. Doch nicht nur Baden, der gesamten süddeutsche Raum ist mit Fuchsbandwurm "verseucht". Aber uns Badener hat es eh schlimm erwischt, weil sich bei uns auch Zecken inkl. FSME und Borreliose tummeln. Hier ist die Evolution gnadenlos am Werk und selektiert aus. Wir müssten schon alle tot sein. Man kann mit dem Fuchbandwurm und jeder anderen Gefahr Panik machen, oder damit ganz sachlich umgehen. Ich bevorzuge Letzteres.

Kurze Darstellung des Lebenszyklus des Fuchsbandwurmes

Sachlich betrachtet befindet sich der Erreger des Fuchbandwurms erst mal in einer Maus. Diese muss von einem Fuchs gefressen werden. Dort kann sich der Bandwurm dann weiterentwickeln, wieder Eier produzieren, die der Fuchs mit seiner Losung irgendwo absetzt. An solchen "gedüngten" Stellen wachsen Pflanzen wie Walderdbeeren besonders gut, die die Maus dann wieder frisst und so hat sich der Kreislauf geschlossen.
Ich könnte Euch den Lebenszyklus nun noch viel genauer erklären, aber den findet Ihr in jeden Biologie-Lehrbuch. Wichtig für die Unkrautgourmets ist dieses "irgendwo". Das kennen auch Hundebesitzer: Der Fuchs macht das Geschäft, wie ein anständiger Hund auch, am liebsten an einer markanten Stelle: einem Baum, einen Felsen, einem gut von Wild und Artgenossen frequentierten Wildwechsel oder einer anderen auffälligen Ecke in seinem Revier. Den unwahrscheinlichen Fall eine Pflanze mit Bandwurm-Eiern zu erwischen, könnt Ihr also noch unwahrscheinlicher werden lassen, wenn Ihr das Sammeln an Baumstümpfen, Erhebungen, Erdhügeln, Büschungen, direkt vom Weggrand und dergleichen unterlasst und besser die Pflanzen aus dem Inneren eines Bestandes holt.

Ein Wort zu Tierhaltern: Die Übertragung eines Fuchsbandwurmes von Hund oder Katze auf den Menschen ist äußerst selten. Regelmäßige Entwurmung der Haustiere alle 8-12 Wochen und Händewaschen nach Tierkontakt sind der beste Schutz.

Wie wirkt sich eine Infektion mit einem Fuchsbandwurm aus?

Das ist das Gemeine: Es können Jahre vergehen, bis man merkt, dass man infiziert ist. Und auch dann gibt es keinen allgemeinverbindlichen Fuchsbandwurm-Symptome. Je nach dem welches Organ befallen ist, äußert sich ein Befall mit diversen Symptomen. So müssen Leberzysten erst eine gewisse Größe erreichen, bis die Leber Funktionsstörungen aufweißt, man znehmend unter Koliken und/oder Gelbsucht leidet. Im Gehirn und Herzmuskel kann sich eine solche Zyste schon im Mini-Stadium lebendbedrohlich bemerkbar machen mit diversen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen oder Herzrhytmusstörungen. Setzt sich eine solche, mit Fuchsbandwurmlarven vollgestopfte Zyste in der Lunge fest, kommt es zu Schmerzen, Husten und Atemnot. Ihr seht, es gibt keine allgemein verbindlichen Symptome. Wenn Ihr Wildkräuterkonsumenten seid, behaltet den Bandwurm im Kopf. Treten "aus heiterem Himmel" Symptome auf, weißt Euren Arzt auf Eure Leidenschaft für Wildkräuter und den Fuchsbandwurm hin.

Wie weißt man eine Infektion mit Fuchsbandwurm nach?

Der Arzt weiß mit Eurem Hinweis auf den Fuchsbandwurm schnell, welche Untersuchungen er zu machen hat. Eine Blutprobe nehmen und diese ans Labor schicken, ist sicher das Erste, das er tun wird. 3-6 Monate nach einer Infektion ist ein Antikörpertest möglich. Auch Ultraschallverfahren oder Magnetresonanz-, Computertomographien und Röntgenuntersuchungen kann ein Mediziner eingesetzen, um die Zysten direkt zu finden.

Wie behandelt man eine Infektion mit Fuchbandwurm?

Da hilft oft nur die Chirurgie. Die Zyste muss sauber entfernt werden, ohne dass sie dabei beschädigt wird. Danach müssen die Betroffenen aber noch viele Jahre Medikamente einnehmen. Eine ausschließliche Behandlung mit Medikamenten, welche die Larven abtöten, wird dann versucht, wenn eine Operation nicht möglich ist. Auch hier ist die Behandlung sehr, sehr langwierig und der Ausgang ungewiss. Ausschlaggebend ist, ob das befallenen Gewebe vollständig entfernt werden konnte und wie schwer der Befall war. Die Überlebensrate (als Definition wird 10 Jahre nach Diagnosestellung angegeben) liegt immerhin bei 90%.

4 goldene Grundregeln für Unkrautgourmets gegen den Fuchsbandwurm

30 gemeldete Fälle von Fuchsbandwurm - ist das nun Grund genug, nie wieder Wildkräuter zu essen? Nein. Wichtig ist zu wissen, wie man sich richtig verhält, dann ist das Risiko einer Infektion schon von vorne hinein im Keim erstickt.
  1. Keine Tiere in freier Wildbahn anfassen! Seht Ihr Welpen oder tote Tiere, ruft den Förster an.
  2. Hände waschen nach Haustierkontakt,Wald- und Wiesenbesuchen ist Pflicht.
  3. Sammelt kein Sammelgut an markanten Stellen wie Baumstümpfen, Felsen, Büschungen, Wildwechseln, vor allem wenn Ihr dieses roh verwenden wollt, sondern immer aus der Bestandsmitte.
  4. Ab 60 Grad sterben die Fuchsbandwurmeier - erhitzt so viel vom Sammelgut wie möglich.

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein botanisches Pendant zum Kugelfisch: die Eibe

Der Ort macht das Gift. Die Eibe ist eindeutig eine
gefährliche Giftpfanze - einzig die roten Samenmäntel
kann man essen. Aber hütet Euch vor dem Kern darin!
Die Eibe (Taxus baccata) ist etwas ganz anders - sie ist eindeutig eine Giftpfanze und zwar eine, die in geringen Mengen schon töten kann. Dennoch will ich sie hier kurz mit anführen.  Bereits 50 Nadeln als Tee aufgebrüht, können zum Tod durch Atemstillstand führen. Eine ganze Sammlung an schweren Symtomen zeigen sich schon bei deutlich geringerer Dosis. Es gibt nur einen einzigen Teil an ihr, den man essen kann:  Der roten Samenmantel. Aber bitte esst auf keinen Fall das schwarze Samenkorn im Inneren des Samenmantels mit, denn der Samen hat es schon wieder in sich! Es gibt Leute, die kochen eine Eibenmarmelade aus den roten Samenmänteln. Ich finde, dass hat etwas von einem botanischen Pendant zu einem zoologischen Kugelfisch-Gericht. Da ich neugierig bin, hab ich aber die schmierig-glitschigen Eibensamenmäntel schon probiert. Die schmeckt lecker-süß. Aber das reicht mir dann auch. Ich kann ohne das Erlebnis ständig Eibensamenmäntel naschen zu müssen gut leben und ein Verlangen habe ich danach auch nicht.  Das Risiko mich an einer Eibe schwer zu vergiften, weil ich unachtsam bin und praktisch im "nebenbei" einen Kern zerbeiße, ist mir dann doch zu groß. Ich kau gern auf allem herum, was ich in der Natur so finde. Da ist so ein Kern schnell zerbissen. Also gewöhne ich mir das Eiben-Essen lieber erst gar nicht an. So entscheidet jeder für sich, welches Risiko er eingehen mag und welches nicht.

Ihr seht das Thema Grenzgänger ist "mein" Gebiet. Es ist so schön plakativ und führt einem vor Augen wie wichtig es ist, alles in eine ganzheitlichen und sogar globalen Zusammenhang zu betraten. Die Natur macht uns von "Natur aus" zu vernunftbegabten Lebenwesen. Ein Großteil der Menschheit ist lange neben der Natur hergelaufen oder hat sich gar von ihr abgewandt. Dass wir uns nun in der Tendenz wieder verstärkt zu ihr hinbewegen, lässt hoffen. Ich freue mich auf jeden neu begeisterten Unkrautgourmet, der mir in die Nesseln folgt.

Eicheln sind giftig und dennoch kann man sie essen

Im unverarbeiteten Rohzustand ist die Eichel für
uns ungenießbar.
Eine der wohl  interessantesten Feststellungen, die es gibt: Eicheln sind giftig - und dennoch werden  sie gegessen. Wie geht das?
Wieder die Frage, was denn "giftig" überhaupt bedeutet. Die Eicheln enthalten Gerbstoffe und die sind extrem bitter. Schon mal eine rohe Eichel geschält und zerkaut? Da zieht es euch wirklich alles zusammen und man hat das Gefühl zum Schrumpfkopf zu werden. So was isst man nicht freiwillig. Schweine hingegen lieben Eicheln, und zwar pur direkt vom Baum gefallen (in der Tat vergraben sie im Herbst viele Eicheln beim Durchwühlen des Herbstlaubes, damit sie die gekeimten Eicheln im Frühling fressen können, denn nach der Keimung schmecken die Früchte ebenfalls nicht mehr ganz so bitter. Kluge Schweine). Respekt! Allein bei dem Gedanken rohe Eicheln zu essen bekomme ich Brechreiz. Diese Gerbstoffe sind ein Fraßschutz - für uns. Die Eicheln sind fürs Wild gedacht, die sich im Herbst Speck für den Winter anfressen müssen. Natürlich bekommt man, wenn man Eicheln pur isst, Bauchschmerzen, Durchfall und die ganze Liternei von Vergiftungssymptomen. Somit muss man eindeutig sagen: Ja, Eicheln sind giftig. Aber wer würde denn trotz eines so scheußlichen Geschmacks freiwillig eine Eichel runterwürgen und dann gleich noch so viele, dass er eine schwere Vergiftung bekommt?
Doch der Mensch ist einfallsreich! Eicheln enthalten neben den Gerbstoffen auch Stärke, Eiweiß und Fett. Das braucht auch der Mensch, vor allem wenn nichts anderes da ist, um den Bedarf an Nährstoffen zu decken. Die Gerbstoffe der Pflanzen und der Hunger sind so gesehen die treibenden Kräfte für die menschliche Intelligenz in der Evolution, weshalb widerlich schmeckende Inhaltsstoffe von Pflanzen die Menschheit nicht immer davon abgehalten haben, bestimmte Dinge zu konsumieren :-).  Es gibt Möglichkeiten die Gerbstoffe zu entfernen. Die Indianer haben es vorgemacht. Sie hängten einen Korb voller Eicheln einfach 2 Tage in einen Fluss. Und genauso kann man die Gerbstoffe entfernen: Wässern. Ob Ihr die Eicheln dabei kocht, sie vorher anröstet und schält oder sie einfach ins Wasser legt, ist ein wenig von der späteren Verwendung abhängig. Wichtig ist, dass Ihr sie so lange wässert, bis das Wasser, dass Ihr dabei mehrfach wechselt, endlich klar bleibt und sich nicht mehr verfärbt. Dann sind die Gerbstoffe entfernt und die Eicheln sind als "ungiftig" einzustufen.
Ihr findet einige Rezepte wie den "Waldaufstrich aus Eicheln mit Röstzwiebeln" oder den "Eichelkuchen" in meinen eBook Herbstfrüchte. Wer darüber hinaus mal ein Rezept testen möchte:  Oakenshields oder die Kürbis-Eichel-Pizza sind sehr zu empfehlen, in flüssiger Form kann man sich am Muggefug aus Eicheln versuchen. Wer Eicheln lieper pastinös bevorzugt, kann sich an Eichelwurst-Aufstrich herantrauen - mein persönlicher Favorit. Sicher werde ich hier im Laufe der Zeit weitere Rezepte veröffentlichen. Viel Spaß beim Schmökern.

Montag, 9. Juni 2014

Der Löwenzahn ist trotz reizendem Milchsaft essbar

Immer wieder wird behauptet, Löwenzahn ist giftig.
Ein gutes, sehr banales Beispiel, dass so genannte "Giftpflanzen" essbar sind, ist der Löwenzahn. Viele essen ihn dennoch.
Die Dosis macht das Gift. Im Buch Giftpflanzen in Natur und Garten: Bestimmung, Giftwirkung, Erste Hilfe Extra: Giftige Zimmerpflanzen wird der Löwenzahn als "allenfalls schwach giftig" geführt - als besonders "giftig" wird hier der Milchsaft genannt. Ausgewachsenen Löwenzahn würde ich auch nicht essen. Der ist so bitter und zäh, den bekomme selbst ich kaum zubereitet - der Fraßschutz wirkt! Der Löwenzahn will sich in diesem Alter vermehren und nicht gegessen werden. Im Frühling ist er aber noch zart - enthält aber denselben Milchsaft wie im Hochsommer, nur in deutlich geringeren Mengen.
Löwenzahn ist ein wichtiger Bestandteil in Frühjahrskuren. Viele Pflanzen haben solche Bitterstoffe entwickelt, damit die Tiere und Menschen nicht zu viel von ihnen essen. In kleinen Mengen schaden solche Stoffe nicht, in größeren Mengen wird einem schlecht, man bekommt Bauchschmerzen, Durchfall bis hin zu Erbrechen - Vergiftungsymptome eben. Wenn es ganz schlimm kommt, geht es in Richtung Herzrhytmusstörungen.
Geht man von dieser Wirkung aus, muss man sagen: Ja, Löwenzahn ist giftig - genauso wie Sahnetorte, denn esse ich davon zu viel , entwickle ich die gleichen Symptome. Ist Sahnetorte also giftig? Das ist natürlich Unsinn - beides! Die Dosis macht das Gift. Selbst an Salz kann man sterben, wenn man zu viel davon isst. Dennoch essen wir es und oftmals tatsächlich zu viel davon! Gesund ist das auch nicht, lassen können wir es auch nicht, trotz Warnungen diverser Gesundheitsapostel. Aber: Wer isst so viel Löwenzahn, dass er davon Herzrhytmusstörungen bekommt? Ihr sollt keine Kühe werden und Euch nicht ausschließlich von Löwenzahn ernähren. Im Frühling aber einmal ein paar Wochen lang hier und da eine handvoll Löwenzahn ins Essen zu integrieren, kann für die Gesundheit Wunder wirken.

Die Stoffe die im Löwenzahn in großen Dosen zu Vergiftungserscheinungen führen, machen ihn in geringen Dosen aber auch so gesund: Taxaxacin, Taxaxanthin, Laevulin, dazu viele Carotinoide, Cholin, Saponine und das ihn für Diabetiker interessant machende Inulin. In den Blättern finden sich dann auch noch Vitamine, Kieselsäuren und Spurenelemente.

Cholin ist einer der interessanten, viel zu wenig beachteten Inhaltsstoffe: Er hilft Umweltgifte aus dem Blut zu befördern, weil er ein Leberenzym unterstützt. Und auch für den Transport der Leberfette ist er unabdingbar. Cholin steckt übrigens auch in Taglilienblüten und viele anderen Pflanzen.

Die größte Gefahr beim Löwenzahn ist, ihn mit dem Jakobskraut zu verwechseln. Hier kann ich das Buch Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger: Wildkräuter sammeln - aber richtig empfehlen.

Bärenkau löst Hautreizungen aus und ist dennoch essbar

Bärenklau aßen wir schon in grauer
Vorzeit als Gemüse.
Noch ein Beispiel für Grenzgänger zur Giftpflanze gefällig? Bärenkau (Heracleum spec.)! Er war und ist seid Alters her Bestandteil der Gründonnerstagssuppe. In Russland wird er gekocht wie Borrtsch. Im Mittelalter muss er wohl in jedem Bauernessen zu finden gewesen sein, denn er würzt, schmeckt und ist nahezu auf jeder Wiese zu finden.
Aber: Er enthält Furocumarine und noch eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe. Die Furocumarine wirken phototoxisch, dass heißt: Scheint die Sonne und Ihr berührt die Pflanze, dann könnt Ihr einen schlimmen Hautausschlag bekommen. "Könnt"! Ich hab das mal bei mir probiert und pflückte Bärenklau an einem richtig sonnigen Tag - gegen aller Vernunft in der größten Mittagshitze. Ich war fast ein wenig enttäuscht: Lediglich eine ganz leichte Rötung war zu sehen, und zwar nur da, wo ich absichtlich massiv mit der Pflanze über die empfindliche Haut am Unterarm gekratzt hatte. Also so pflücke ich gewöhnlich Bärenklau nicht! Fazit: Mich persönlich scheinen die phototoxischen Substanzen sprichwörtlich wenig zu kratzen. Aber jeder reagiert anders, der eine mehr,  der andere weniger. Fucocumarine werden nun außerdem als krebserregend eingestuft - mit dem Hinweis nach oraler Aufnahme Aktivkohle zu verabreichen. Auch hier gilt: Dies ist eine Laborerkenntnis. Hier wird Reinsubstanz gefüttert und so lange verabreicht bis irgendwann bei einer Ratte ein Tumor entsteht. So isst man Bärenkau aber nicht. Ich glaube auch nicht, dass jeder der sich eine Gründonnerstagssüppchen kocht, anschließend Aktivkohle konsumiert und auch in Russland wird als Abschluss des Bärenkau-Borrtsch eher ein Wodka getrunken, statt eine Aktivkohle-haltige Lösung.
Wer gesund lebt, dessen Körper kommt auch mit der einen oder anderen grenzwertigen Substanz im Pflanzenreich zurecht und immer wieder: Die Dosis macht das Gift.  Plakativ ausgedrückt müsste eigenlich über jeder Bäckerei stehen, dass ein regelmäßiger Konsum großer Mengen Kohlenhydrate zu Diabetes führen kann.

Das alles soll die Giftstoffe in Pfanzen nicht herunterspielen! Aber Ihr sollt auch keine Angst oder gar Panik haben. Es soll Euch aufklären und Euch die Möglichkeit geben selbst zu entscheiden, selbst zu verantworten, welche Pflanzen Ihr esst. Giftpflanzen gehören nicht auf den Teller! Die essbaren Wildkräuter lassen sich ohnehin essen und die Pflanzen mit kritischen Inhaltsstoffen sollten, sofern Ihr sie integrieren wollt, dosiert eingesetzt werden. Informiert Euch über die Inhaltstoffe und schaltet Euren Kopf ein.
Das der Wildkräuter-Trend so boomt, das liegt schlicht daran, dass uns all diese Stoffe fehlen, die Bitterstoffe, die Gerbstoffe, die winzigen Mengen auch an sogenannter Gifte, eben das bunte Durcheinander von Inhaltstoffen in der Natur. Sicher ist Beinwell dafür nicht zwangsläufig notwenig und Bärenkau auch nicht. Es muss jeder für sich entscheiden, ob er auch solche "Grenzgänger" in die Nahrung integriegen will. Wohlgemerkt - wir reden hier nicht von Tollkirsche oder Knollenblätterpilz, sondern von Pflanzen die jahrhundertelange ein kleiner Bestandteil in der Ernährung waren. Die Krebsrate steigt nicht, weil wir diese Pflanzen plötzlich wieder essen (Honig essen wir schon immer), sondern weil heute noch zu viele menschengemachte Umwelteinflüsse und chemisch synthetisierte Verbindungen und künstlich erzeugte Strahlungen obendrauf kommen und nun ihren Tribut fordern.

Letztendlich stecken in jeder konventionell angebauten spanischen Tomate krebserregenden Stoffe, sei es aus Spritzmitteln oder weil man den grünen Strunk nicht herausschneidet - aber so eine konventionelle Tomate enthält nun wirklich wenig was noch als "gesund" zu bezeichen ist. In ihr steckt maximal das, was der Landwirt auf den Steinwolle-Klumpen gegeben hat, auf dem die Tomaten wächst - eine definierte, genormte Menge an bestimmten Verbindungen, abgestimmt auf die Pflanze, nicht auf den Menschen! Tomaten vom Bio-Bauern schmecken besser und haben das in sich was der Boden eben hergibt. Gewürzt mit selbstgezogenem Basilikum und einigen Gundermannblättchen sind solche Tomaten unschlagbar. Den grünen Strung schneide ich trotzdem raus, weil ich viele Tomaten essen - dafür gönne ich mir hin und wieder Bärenklau und Beinwell :)

Übrigens:
  • Im oben genannten Buch wird Bärenkau und Löwenzahn genannt und Beinwell noch nicht mal erwähnt. 
  • Es sind schlimme Vergiftungen bekannt weil Sammler den Bärenklau sammeln wollten und ihn mit dem Schierling verwechselt haben.

Ist Beinwell (Symphytum officinale) trotz seiner Pyrrolizidinalkaloiden essbar?

Die Dosis macht das Gift:
Beinwell ist in letzter Zeit in Verruf geraten.
Ich kenne viele, die Beinwell die ganze Vegetationssaison hindurch essen. Sie leben. Auch ich habe als Kind schon Spinat mit Beinwell gegessen und geliebt - einfach, weil es den nur 1-2 Mal im Jahr gab. Auch heute gönne ich mir den Luxus hin und wieder, z.B. als Beinwell-Cordon-Bleu. Beinwell wird in der Naturmedizin für alles genutzt, was zusammenwachsen muss, vor allem Knochen und Zähne. Da ich schon mehrfach eine Kreuzbandplastik erhalten habe, weiß ich, dass ich im Anschluss daran immer diesen "Jeap" auf Beinwell hatte. Auch bei Zahnproblemen kann es sein, dass Ihr an einem Garten vorbeilauft, Beinwell entdeckt und der Blick irgendwie an dieser Pflanze hängen bleibt und Ihr gar nicht so recht wisst, warum - weil der Körper weiß, was er braucht.

Warum und wann ist Beinwell so problematisch?  

Die Pflanze hat einen schwankenden Gehalt an sogenannten Pyrrolizidinalkaloiden.  Auf mageren Böden, kurz vor der Blüte und in den Wurzeln beherbergt sie den größten Gehalt dieser Alkaloide. Wenn man die Blätter erntet von Pflanzen auf gut gedüngter Erde zur oder nach der Blüte, dann ist der Gehalt dieser Substanzen also geringer. Beste Sammelzeit ist somit der Juni und Juli. Bis zu 1,8g  finden sich in 1 kg Pflanze (Mittelwert der ganzen Pflanze). Von den  Pyrrolizidinalkaloiden weiß man aus Tierversuchen, dass sie in der Leber aufgespalten werden und so Stoffe entstehen, welche die Leber schädigen können. Die Empfehlung geht dahin, nicht mehr als 0,007mg/kg Körpergewicht pro Tag einzunehmen und das auch nicht über eine längere Zeit. So, nun zücken viele von Euch sicher den Taschenrechner. 1,8g/kg Pflanzen und 0,007mg/kg Körpergewicht! Die nächste Frage, die Ihr Euch dann stellen werdet, und das ist die eigentlich entscheidende Frage in der Praxis: Was wiegt so ein Blatt und wie viele Blätter Beinwell kann ich essen? Beinwell hat sehr unterschiedlich große Blätter. Geht als Daumenwert von 2 mittelgroßen Blättern aus, die labortechnisch (dazu lest ihr gleich noch etwas) unproblematisch sind - nicht berücksichtigt ist der sonstige Zustand Eurer Gesundheit.

Labor und Praxis  - da gehen Theorie und Alltag bei den Pyrrolizidinalkaloiden auseinander

Das ist alles mehr oder weniger graue Theorie und die Erkenntnisse zu den Pyrrolizidinalkaloiden stammen aus dem Labor. Die schädigende Wirkung hat man mittels isolierter Alkaloide an Ratten erzeugt, denen man mitunter über Magensonden den Stoff zugeführt hat. Hätte man den gleichen Versuch gemacht, in dem man den Ratten neben einer normalen Mischkost Beinwellblätter hingelegt hätte, so wäre wahrscheinlich keine einzige gestorben, denn von Natur aus, hätten die Ratten rechtzeitig aufgehört zu fressen, bzw. den Beinwell nicht angerührt, sofern ihr Körper nicht danach verlangt. Auch kommen Alkaloide nicht isoliert in Pflanzen vor! Ein natürlicher Cocktail an Inhaltsstoffen wirkt sich ganz anders aus, als eine Einzelsubstanz. Da spielen Bitterstoffe z.B. eine Rolle, die bereits in kleinen Mengen, in der die Pyrrolizidinalkaloide noch gar nicht kritisch sind, Euch daran hindern, Euch den Bauch vollzuschlagen. Ihr kennt das vom Alkohol. Reinalkohol zu trinken kann schwerste Vergiftungen hervorrufen bis hin zum Tod führen. Ein Glas Wein ab und zu ist hingegen als gesund zu bezeichnen. Trinkt man aber täglich 2 Gläser Rotwein, dann kippt der Effekt und die Leber nimmt eher Schaden, als dass das Resveratrol im Rotwein die Herzkranzgefäße schützt. Wer kaum Alkohol verträgt, der wird ihn auch meist nicht trinken - und das ist gut so, denn sein Körper hat wohl Probleme bei der Entgiftung und ruft schon deutlich früher zur Mäßigung auf. Wann der Effekt kippt, das ist von Mensch zu Mensch individuell verschieden. Die Dosis macht das Gift und auf die Mischung kommt es an - und auf das eigene Körpergefühl.

Pyrrolizidinalkaloide finden sich in vielen Pflanzen, auch in Heilpflanzen

Beinwell wird schon lange als Heilpflanze eingesetzt und auch gegessen. Es gibt zahlreiche Rezepte wo er u.a. als Blattspinat verwendet wird, die Stängel zu pflanzlichen Makkaroni abgewandelt werden und und und. Schlimme Folgen hat es, den Beinwell mit Fingerhut zu verwechseln und diesen zu essen. Es gibt auch Fälle, in denen Menschen an Gerichten, die zu viel Pyrrolizidinalkaloiden enthalten, erkrankt sind. Das sind so die "Vorzeigeobjekte" für die Panikmacher. Wenn man genau hinschaut, dann stellt man fest: Das waren alles keine Beinwell-Gerichte, sondern Fälle überwiegend im östlichen Raum. Nun guckt der Botaniker dort auf die Flora und stellt fest: Die Nahrung dort war mit bestimmten Pflanzen (wie Sonnenwend-Arten der Gattung Heliotropium) verunreinigt und diese Arten haben eine deutlich höherer Konzentration an Pyrrolizidinalkaloiden. Dazu gehört z.B. die europäische Sonnenwende, die bei uns stark gefährdet bis ausgestorben ist. Also nichts, wo man Angst haben müsste, dass man es in tödlichen Dosen sammelt und auch wenn, dann hättet ihr Euch damit strafbar macht.

Die Menschheit wär schon lange tot

Bei uns gibt es allerdings noch einige weitere Arten, außer den Beinwell, welche diese Alkaloide in geringen Mengen enthalten. Dazu gehören die Geiskraut-Arten (Senecio spec.), der Natternkopf (Echinum vulgare), der Borretsch (Borago officinalis) und sogar das Vergissmeinnicht (Myosotis spec.), um nur einige weitere Pflanzen zu nennen. Warum erwähne ich das? Nun, weil viele Wildkräuterfans regelmäßig Vergissmeinnicht-Blätter essen, der Borretsch bei mir zumindest auch im Salat landet und häufig auch in Kräutermischungen für die Frankfurter grüner Soße zu finden ist.  Panik? Nicht nötig. Da ist nicht viel drin und mit dem, was drin ist, kommt der Körper zurecht, denn das Grünzeug bringt ja auch reichlich gesundes Gegenmaterial mit! Aber noch aus einem anderen Grund erwähne ich das: weil  Pyrrolizidinalkaloiden auch im Honig nachgewiesen werden konnten - Natternkopf und Borretsch sind wie Beinwell ausgesprochene Bienen-Pflanzen. Vergiftung mit Pyrrolizidinalkaloiden durch Honig sind aber bisher nicht gemeldet worden. Und bevor ich auf Borretsch, Beinwell und Co verzichte, die so viel Gutes mitbringen, verzichte ich lieber auf die chemische Pampe im Supermarkt, die sich "Lebensmittel" nennen darf und krebserregendes E-Nummer "irgendwas" enthält und noch viele andere chemisch synthetisierte und bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet Dinge, neu in Form gepresst, damit das wieder appetitlich aussieht, aber die keinerlei sekundären Pflanzenstoffe, keine Mineralien, keine Spurenelemente, keine bioaktiven Enzyme enthalten. Das soll kein Freibrief fürs massenhafte Essen von Beinwell sein, sondern den Kopf wieder gerade auf die Schultern bringen, Euch zum Nachdenken anregen, Euch wieder mündig entscheiden lassen, ohne die Beeinflussung von profitorientierten Unternehmen.
Sollte einem von Euch mal ein Bericht über Erkrankungen durch Beinwell bekannt sein oder Euch eine Studie dazu in die Hand fallen, bitte schreibt mir! Das Bundesamt für Risikobewertung schreibt selbst:

"Im Tierversuch haben sich bestimmte ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide als genotoxische Kanzerogene erwiesen. Obwohl keine Befunde vorliegen, die eine solche Wirkung beim Menschen bestätigen, werden die tierexperimentellen Daten auch für die Risikobeurteilung beim Menschen als relevant betrachtet."
(Quelle: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_pyrrolizidinalkaloiden_in_lebensmitteln-187302.html#topic_187303)

Nun, in dem Fall müsste das BfR vor dem Gebrauch von Handys und Mobilfunk abraten, denn setzt man im Tierversuch Ratten dauerhaft der gebräuchlichen Mobilfunkstrahlung aus, ist die krebserregende Wirkung nicht mehr von der Hand zu weisen - oder geht man Befürworten auf dem Leim, dann würde es mich stutzig machen, dass es noch keine einheitlichen Ergebnisse gibt, die von beiden Seiten akzeptiert werden. Wo ist der Vorsorgegedanke hier hin?
Die Lobby ist bei den Pflanzen eine andere und die Imker und Naturheilkundigen sind wirtschaftlich nicht so mächtig, wie die chemische Industrie mit ihren Spritzmitteln oder die "Lebensmittel"industrie mit ihren gigantischen Werbeetats für völlig unnötige Lebensmittel in folierten, bunten Verpackungen, bei der sich Organisationen lediglich über zu hohe Zuckerwerte und bedenklichen E-Nummern brüskieren. Also macht man einen Bereich schlecht, in dem die Menschheit seid hunderttausenden von Jahren schon etliche Erfahrungen hat sammeln können, der nichts kostet und für sich betrachtet perfekt ist: Natur und alles, was ihr entspringt und gratis zu haben ist. Denkt selbst nach und geht mit dem, was Ihr hört und lest, kritisch um. Lasst Euch nicht entmündigen.

Der gelegentliche Genuss von Beinwell ist in Maßen möglich

Fazit: Sammelt Beinwell zur Blüte oder danach und nur auf fetten Böden. Wer hin und wieder mal ein Paar Blätter isst, weil er das Gefühl hat, er braucht das, bei dem wird die positive Wirkung die negative überwiegen. Wer aber Zweifel hat und das nicht vor sich verantworten kann, der sollte von Beinwell die Finger lassen, denn auch Sorgen machen krank. Wildkräuter sollten eine unbeschwerte Bereicherung sein. Dort wo die Grübelei beginnt, solltet Ihr aufhören oder - wenn Ihr doch neugierig seid - die Dosis auf ein winziges Minimum reduzieren.  Man kann auch leben, ohne Beinwell zu essen.
Für die, die es wissen wollen: Akute Vergiftungen machen sich binnen 2 Wochen bemerkbar mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Leberproblemen und Leberverhärtung. Treten solche Symptome auf: sofort zum Arzt! Sagt ihm, was ihr gegessen habt, er würde wohl nie auf eine Pyrrolizidinalkaloid-Vergiftung kommen.
Das andere ist: Wer Angst vor der krebserregenden Wirkung der Pyrrolizidinalkaloide hat, sollte Beinwell auch nicht essen - aber dann auch unbedingt das Rauchen einstellen, das Trinken, das Autofahren, das Tanken, das Renovieren und Reinigen seiner Wohnung und Kleidung, das Telefonieren mit dem Handy, das Wohnen im Funkbereich von Sendern...und "dank" der Umweltgifte am besten auch das Atmen. Wir haben uns leider mit deutlich Schlimmeren umgeben als Beinwell.

Grenzfälle zu Giftpflanzen

Sind Eicheln giftig? Kann mein Beinwell essen? Es gibt Verbindungen, die in geringsten Dosen am gesunden Menschen tödlich wirken und andere, die man erst in großer Menge zu sich nehmen muss, damit sie schaden anrichten. Hippokrates sagte schon: Die Dosis macht das Gift. Dafür ist es wichtig die Inhaltsstoffe und die Wirkung des jeweiligen Verbindungen in Pflanzen am Menschen zu kennen und ganzheitlich zu denken.
Und so gibt es Fälle, in denen gestritten wird, ob man diese oder jene Pflanze nun essen darf. Letztendlich liegt es in der Eigenverantwortung des Menschen, wie er damit umgeht. In jeder Pommes findet sich krebserregendes Acrylamid, in jeder Plastikflasche hormonartig wirkende Phtalate. Dennoch essen wir hin und wieder Pommes und nutzen Plastikflaschen. Das Risiko ist bekannt, und der Nutzen/Genuss auch. Es gilt abzuwägen. Womit kann ich leben? Was ist für mich giftig?

Löwenzahn, Eibe, Bärenklau (Mitte), Beinwell und Eiche - Grenzgänger zu den "essbaren Giftpflanzen" im Pflanzenreich

Meine 5 typische Beispiele, um zu demonstrieren worum es hier geht, sind:

Sonntag, 8. Juni 2014

Verwechslung mit Giftpflanzen

Die Blätter des Bärlauch kann man Essen.
Die Blätter des Maiglöckches lösen Herzrasen,
Ödeme, Durchfall und Erbrechen aus bis hin
zu Atemnot, Kreislaufkollaps, Herzstillstand.
Nicht umsonst dauert das Botanik-Hauptstudium mindestens 2 Jahre. Gerade als systematischer Botaniker steht man recht lange mit einem Bestimmungsbuch in der Hand in der Natur, um die Feinheiten der einzelen Arten kennen zu lernen. Auch heute noch zücke ich gelegentlich meine "Botaniker-Bibel". Lieber einmal mehr nachschauen, als einmal zu wenig. Es gibt leider in viele Pflanzenfamilien eine ganze Reihe von giftigen Doppelgängern, die Hobby-Sammler recht schnell verwechseln können - ist das nun ein Wiesen-Kerbel oder ein Schierling? Ein Löwenzahn oder ein Jakobskraut? Ein Bärlauch, ein Maiglöckchen, ein Aronstab oder gar eine Herbstzeitlose? Sammeln und essen sollte man nur solche Pfanzen, bei denen man sich absolut sicher ist. Viele giftige Doppelgänger kann man anhand einfacher Unterscheidungsmerkmale recht rasch erkennen und ich könnte Euch hier nun Unmengen an Informationen liefern, z.B. dass man Bärlauch und Maiglöckchen einfach durch eine Riechprobe der zermatschten Blätter unterscheiden kann, an der Textur, sie etwas zeitversetzt auftreten usw.  aber viel besser als die graue Theorie, ist die Praxis. Ihr solltet schauen welche kräuterkundigen Biologen sich bei Euch in der Umgebung finden und einfach mal ein paar Wanderung mit denen mitmachen. Nach und nach werdet Ihr immer sicherer und Euer Repertoire von essbaren Wildpflanzen erweitert sich zusehens. Auch mir mit kann man eine solche Wanderung unternehmen. Und keine Angst: 10000 Rezepte für gruseligen Tee und Horrorgeschichten erwarten euch bei mit sicher nicht - es sei denn Ihr wollt das so :-)
Es gibt eine ganze Reihe wirklich schöner Bestimmungsbücher, allerdings muss ich sagen, dass ich Pflanzen wie die Disteln kenne, denen Aussehen von Standort zu Standort so stark schwanken kann, dass ich mir bei einen bebilderten Bestimmungsbuch manchmal selbst nicht sicher bin, ob es nun wirklich diese Pflanzenart ist, wenn ich nur nach den Bildern gehen würde. Dennoch ist als Einstieg ein solches Buch sicher eine gute Möglichkeit, die einen oder anderen Pflanzen und ihre Tücken kennen zu lernen. Ein schönes, empfehlenswertes Buch dazu ist Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger: Wildkräuter sammeln - aber richtig.

Es gibt immer mal wieder schwere Vergiftungen, weil sich Sammler irren und z.B. statt eines Beinwells die Blätter des Fingerhuts sammeln. Weitaus häufiger als die Vergiftung mit Giftpflanzen,  sind allerdings die Vergiftungen mit Pilzen.
Habt Ihr auch nur den geringsten Zweifel, dass dies nicht die Pflanze ist, die Ihr sucht, lasst lieber die Finger davon. Das ist der wohl wichtigste Rat, sowohl bei Pflanzen, als auch Pilzen.


Tipp: Nehmt auf den geführten Kräuterwanderungen immer Euer bevorzugtes Bestimmungsbuch mit und vergleicht die Beschreibungen und Bilder mit dem, was euch der Kräuterkundige Euch erzählt und mit dem was Ihr vor Euch seht. Bleibt immer kritisch und hört nicht auf Fragen zu stellen und selbst nachzudenken. So lernt Ihr, die Theorie mit der Praxis zu vergleichen und wisst, was ihr vom Buch, dem Kräuterkundigen und eurem eigenen Wissenstand zu halten habt. Eigenverantwortung ist extrem wichtig, vor allem wenn es zu den Grenzgängern der Giftpflanzen geht.