Samstag, 9. August 2014

Ohne die Kornelkirsche wäre die Geschichte Roms wahrscheinlich eine andere

Na gut, der Titel dieses Threads ist eine mehr als gewagte These. Dennoch ist der gelbe Hartriegel, die Kornelkirsche oder im Lateinischen Cornus mas, ein Busch, der maßgeblich seinen Teil zur römischen Geschichte beigetragen hat. Der Legende nach steckte der Gründer Roms, Romulus, den Grundriss seiner Stadt mit Holzstäbe aus Hartriegelholz ab. Die römische Armee hätte ohne ihren Lanzen sicherlich die eine oder andere Phalanx nicht halten können, aber die Lanzenschäfte waren hart wie Eisen und nur äußert schwer zu brechen: Sie waren aus Cornus mas gefertigt, einem der härtesten Hölzer Europas, so schwer und kompakt, dass das Holz nicht schwimmt!
Die Lanzenschäfte der römischen Soldaten wurden oft aus dem äußerst stabilen Holz des Hartriegels gefertigt.

Woher der Hartriegel seinen Namen hat

Cornus mas bedeutet übersetzt so viel wie "Horn des Bocks" und deutet darauf hin, dass die Härte des Holzes mit der Härte von Gehörn und Geweih vergleichen wurde.  Sigmund Freud würde mas mit "männlich" oder "Mann" übersetzten und das "männliche Horn" in einen ganz anderen Kontext setzten...wie auch immer. Genutzt wurde das gut polierbare Holz der Kornelkirsche nicht nur von den Römern, sondern auch von unseren deutschen Vorfahren für Leitersprossen, Spazierstöcke, Werkzeugstiele und tatsächlich auch als Türriegel. Von den harten Eigenschaften des Holzes her muss ein solcher Riegel vor der Tür wie ein Sicherheitsschloss gewirkt haben, denn so ausgestattete Tore, waren nicht einfach einzutreten. Daher wurde Hartriegelholz häufig als Riegel für Stallungen genutzt.

Kornelkirschen waren früher ein gängiges Obst, heute wird sie verkannt

Die Kornelkirsche war früher ein gängiger Obststrauch. Dieses Wissen ist heute so weit in Vergessenheit geraten, dass ich schon häufiger auf den Spielplätzen dieser Welt erlebt hatte, wie Mütter ihre Kinder vor dem Verzehr der Früchte warnten: "Die sind giftig!" Aber das ist Unsinn. Natürlich sollte man seine Kinder aufklären und ihnen einbläuen vor dem Verzehr von Beeren immer einen Erwachsenen zu fragen, ob man die essen kann. Aber wenn man nicht weiß, ob Beeren essbar sind oder nicht, warum kann man das den Kindern nicht auch so sagen: "Schatz, ich weiß nicht ob man diese Beere essen kann. Lass es lieber!" Pädagogisch wertvoll wäre der zusatzt "Lass uns den Zweig nach hause mitnehmen und gemeinsam nachschauen was das ist und ob man das essen kann." Doch so bürgert sich ein völlig falsches Wissen in den Köpfen zukünftiger Generationen ein.
Kornelkirschen sind die leckeren, gesunden Früchte des gelben Hartriegels Cornus mas.

Der gelbe Hartriegel mit den roten Früchten ist lecker und gesund

Tatsächlich ist die Kornelkirsche ein wahres Gesundheitspaket - neudeutsch würde man es schon fast als Super Food bezeichnen. In reifen Beeren stecken verschiedenste Zucker, dazu eine ganze Liternei an B-Vitaminen, reichlich Vitamin C und Vitamin E. Auszeichnen tut sich die Kornelkirsche durch ihre Gerbstoffe, die organischen Säuren, Anthozyane und Flavonoide, dazu Verbenalin, Rutin, Ellagsäure und jede Menge Mineralstoffe in einer für uns sehr guten Zusammensetzung. Die Kornelkirsche ist blutreinigend, entzündungshemmend und ein Vitaminspender. Hildegard von Bingen empfahl sie bei krankem und schwachem Magen. Auch bei Durchfall, chronischen Darmerkrankungen und bei Fieber wurden die Früchte therapeutisch in der Volksmedizin eingesetzt. Von wegen giftig.

Rinde und Blätter gegen Durchfall und Ruhr

Auch die Rinde und die Blätter des gelben Hartriegels waren Bestandteil alter Heilrezepturen gegen Gastritis, Fieber, Ruhr und Durchfall. Dafür wurde 1 TL Rinde, Laub oder Knospen mit kaltem Wasser aufgegossen und gekocht. Nach 10 min Ziehzeit konnte der Tee getrunken werden. Kornelkirschenmarmelade schmeckt aber besser :-).

Der rote Hartriegel mit den schwarzen Früchten ist ungenießbar

Die Früchte des roten Hartriegels,
Cornus sanguinea, werden
schwarzblau und sind NICHT essbar.
Ungenießbar ist der rote Verwandte des gelben Hartriegels: Cornus sanguinea. Seine schwarzblauen Steinfrüchte wurden getrocknet zu Mundwässern zum Gurgeln verarbeitet, einen starken Aufguss aus der Rinde des roten Hartriegels wurde auch eingesetzt,  um Hunderäude zu behandeln. Die Früchte von Cornus sanguinea sind nicht essbar, was sehr schade ist, denn auf den roten Hartriegel trifft man viel häufiger. Wahrscheinlich wird er Landschaftsplanern lieber angepflanzt, weil die Früchte länger am Busch bleiben und somit eher von Vögeln gefressen werden, als einen matschigen Belag auf dem Bürgersteig zu produzieren. Was die Vögel freut, ärgert mitunter den Unkrautgourmet, denn der würde die roten Beeren bevorzugen.

Freitag, 8. August 2014

Kornelkirschenmarmelade mit Birne

August ist der Kornelkirschen-Monat. Da die Früchte nicht mit einem Mal reif werden, sondern nach und nach, lohnt es sich die nächsten Tage und Wochen immer mal wieder an den selben Büschen vorbeizulaufen und die reifen Früchte zu pfücken. Dabei muss man schon schnell sein, denn Amsel, Drossel, Fink und Star lieben die roten Beeren ebenso. Zu Hause angekommen sollte man erst mal ein Fruchtmus daraus herstellen oder die Beeren entsaften. Danach kann man sie zu allerlei Leckereien wie der süß-sauren Kornelkischensoße verarbeiten oder - ganz klassisch - zu Marmelade.

Marmelade mit Kornelkischen
Kann man nicht essen? Oh doch! Kornelkirschen sind z.B. zu Marmelade verarbeitet ausgesprochen lecker.

Zutaten für die Kornelkirschenmarmelade:

Zutaten für Kornelkirschenmarmelade
Kornelkirschenmus, Birnen, Zitrone,Gelierzucker und fertig
ist die Marlemade.
  • ca 700g Kornelkirschen
  • 2 süße Birnen
  • 250 g Gelierzucker (1:3), Achtung: Das ist nur eine 1/2 Päckchen!
  • Saft einer Zitrone

Zubereitung:

Die Kornelkirschen mit wenig Wasser einige Minuten weich dünsten und durch die Flotte Lotte drehen. Es sollten etwa 400-500 g Fruchtmus ergeben. Die Birnen schälen und sehr klein schneiden und mit dem Fruchtmus, dem Zitronensaft und Gelierzucker nach Packungsanleitung zu Marmelade kochen. Bei der Gelierprobe testen, ob man evtl. noch Zucker hinzufügen muss, da die Säure des Kornelkirschen von ihrem Reifegrad abhängig ist. Die heiße Marmelade in Gläser füllen und einige Minuten umgedreht zuziehen lassen.

Reife Kornelkirschen
Hier kann man ein paar Tage lang immer mal wieder zum Pflücken vorbeilaufen.
Kornelkirschen reifen nicht alle zeitgleich.

Sonstiges:

  • Wer sehr viele Kornelkirschen hat, kann die Menge im Rezept auch verdoppelt, um ein ganzen Päckchen Gelierzucker zu verarbeiten. 
  • Das ungesüße Fruchtmus lässt sich auch einfrieren und bei Bedarf weiterverarbeiten.
  • Ganz reife Kornelkirschen sind kaum noch sauer und erinnern vom Geschmeck her entfernt nach Gummibärchen. Allerdings zermatschen solche Früchte beim Pflücken sehr schnell, bzw fallen sie schon vom Busch, noch bevor man die Hand drunter hat. Rote, aber noch relativ harte Kornelfrüchte reifen nach dem Pflücken noch ein wenig nach. Es macht also nichts, wenn man gesammelte Füchte  1-2 Tage stehen lässt, um dann den selben Busch noch einmal aufzusuchen und noch eine Ladung Kornelkirschen pflückt, weil man vielleicht beim ersten Mal nicht genug zusammenbekommen hat.

Mittwoch, 6. August 2014

Süß-saure Kornelkirschensoße

Cornus mas - die Kornelkirsche gehört zu den
Hartriegelgewächsen.
Doch, doch, Kornelkirschen sind essbar. Die Büsche des Hartriegels Cornus mas fallen einem eigentlich nur zweimal im Jahr auf. Das erste mal im Frühling, weil sie zu den ersten Büschen gehören, die mit ihren hübschen gelben Blüten das erste Lebenszeichen von sich geben, während um sie herum noch alles kahl ist. Das zweite Mal fällt der Hartriegel im Sommer, wenn die roten Beeren auf den Bürgersteigen liegen bis sie zertrampelt werden und dann ein wenig aussehe,  als hätte man dort ein Tier geschlachtet.

Bisher war ich mit den Kornelkirschen immer zu spät dran. Eigenlich fällt ihre Reifezeit in meine Reisezeit, so dass ich bisher jeden Sommer nach dem Urlaub nach Hause kam, zu den Kornelkirschbüschen gelaufen bin und die Nase gerümpft habe: Wieder mal zu spät, alles zertrampelt. Diese Jahr war der Winter kurz und der Frühling früh: Die ersten Kornelkirschen sind reif und ich bin Zuhause. Welche ein Glück.

Sammeln:

Die Kornelkirschen werden nicht alle zeitgleich reif, sondern an einen Busch finden sich noch grüne und bereits ganz reife Beeren. Ganz reif heißt, die Beeren werden weich und fallen einem beim berühren schon fast von allein in die Hand. Da das eine ziemlich schmierig Angelegenheit werden kann, sollte man nicht die besten Kleidungsstücke zum Sammeln anziehen. Auf der anderen Seite kann man auch die fast reifen Beeren pfücken, muss dann später bei der Zubereitung aber deutlich mehr nachsüßen.
Die süß-saure Kornelkirschensoße ist nicht nur lecker zu Hühnergeschnetzeltem und Gegrilltem, sie eigenen sich als Ersatz für alle chinesischen süß-sauern Soßen, wann immer Ananas feht - sozusagen das deutsche Pendant zur klassisch-asiatischen Variante.

Zutaten für die Kornelkirschensoße:

Gelbe Beete, Paprika, Zwiebel und Kornelkirschen blden die Grundlage für dieses Soße.
  • 800 g Kornelkirschen (ergibt etwa 400 g Mus)
  • 2 Knollen gelbe Beete (man kann auch rote Beere oder Karotten nehmen)
  • 1 rote Paprika
  • 1 Zwiebel
  • 1 rote Chilischote (nach Belieben)
  • Öl
  • Honig
  • 1/4 TL Zimt
  • Salz
 

Zubereitung:

Passiert sehen Kornelkirschen wie Tomatenmark aus.

Die Kornelkirschen waschen, die Stiele entfernen und mit ein Bisschen Wasser im Topf einige Minuten weich kochen.
Solange die Zwiebel achteln oder sechzenteln, die Paprika in feine Streifen schneiden, die gelbe Beete schälen und ebenfalls in feine Streifen schneiden. Die Chili so fein wie möglich klein schneiden. Die Zwiebel in Öl andünsten, dann das restliche Gemüse und die Chili hinzu geben und einige Minuten mit dünsten.
Gelbe Beete schmeckt wie rote Beete und ist auch mit dieser
verwandt, nur färbt gelbe Beete nicht so unanständig.
Die weich gekochten Kornelkischen durch die Flotte Lotte drehen. Etwa ca. 400g Kornelkirschenmus sollten es sein. Das Mus zum Gemüse geben. Sollte die Soße zu dick sein, einfach etwas Wasser zufügen, grad so viel, dass man keinen Soßenbinder oder ähnliche Verdickungsmittel benötigt. Die Soße bekommt die richtige Konsistenz auch ohne Stärke.
    Das Gemüse anbraten, dann das Kornelkirschenmus dazu 
noch einmal ein paar Minuten kochen und abschmecken.
Mit Zimt, Salz und Honig abschmecken und noch einmal kurz aufkochen lassen. Da die Soße je nach Reifegrad der Früchte unterschiedlich stark sauer sein kann, sind hier zwischen 1-6 TL Honig nötig. Selbstverständlich kann man auch Zucker nehmen, nur dann hat man wieder ein raffiniertes Produkt verwendet. Honig ist einfach natürlicher. Die Soße eignet sich zu allen Gerichten, zu denen man süß-saure Soße reichen würde: Hähnchen, Fisch, gebratenes Schweinefleisch, Grillgut. Muss ja nicht immer Tomatensoße sein.


Sonstiges:

Das Entkernen der Kornelkirschen kann ich nicht per Hand empfehen. Der Stein ist mit dem Fruchtfleisch fest verwachsen und die Kirschen sind klein. Per Hand ist das eine lange, mühseelige und frustrierende Fusselarbeit.
Normalerweise brauchen süß-saure Soßen immer Essig. Diese Soße hier kommt dank der sauren Früchte ganz ohne Essig aus.
Wer das Kornelkirschen-Erlebnis in der Soße noch intensivieren möchte und die Mühe nicht scheut, kann einige Kornelkirschen halbieren und gibt diese kurz vor dem letzten Aufkochen hinzu. Je reifer dabei die Kornelkirschen desto fruchtiger das Ganze.

Dienstag, 5. August 2014

Holunderbeerencreme mit Mädesüßsahne

Ein Dessert nicht für alle Tage: Holunderbeeren haben nur eine sehr kurze Saison.
Holunderbeercreme hat etwas von herber Schokolade mit einem Hauch Unbestimmbarkeit -
eben die Magie im Holunderstrauch :-)

Schweinerei. Das Desserts immer so lecker sind und oft wahre Kalorienbomen, das ist doch echt gemein. Immerhin: Für dieses Dessert bin ich mal wieder 2 Stunden im strömenden Regen durch die Natur gesprungen - von diversen Holundersammelplätzen bis zu meinen Fundorten fürs Mädesüß. Beides wollte ich schon lange mal kombinieren. Da aber das Mädesüß schon vielerorts abgemäht war und die Holunderbüsche je nach Standort mal bereits trockene Früchte hatten, mal noch gar nicht reif waren, wurde meine Tour immer länger und länger. Vor lauter Regen blieb die Kamera in der Tasche, der Laufschritt wurde immer schneller. Kalorienburning :-). Erst als das Dessert schon im Topf war, fiel mir ein: "Örgs - Fotos!"

Zutaten für die Holunderbeerencreme:

Holunderbeeren haben einen schwer zu beschreibenden
Geschmack, ein wenig zwischen süß-sauer-herb-bitter.
  • eine  500g Schale voller Holunderbeere
  • 200 ml Sahne
  • 4 Eigelbe
  • ca 100 g Zucker oder Rohrzucker
  • 2 Blatt Gelatine
Für die Mädesüß-Sahne:
  • 200ml Sahne
  • 6 Blütenrispen Mädesüß


Zubereitung:

Die Gelatine in Wasser einweichen. Die Holunderbeeren kurz mit wenig Wasser weichdünsten und durch die Flotte Lotte drehen. Wer keine hat und vorher artig alle Stängel abgezupft hat, darf hier auch mal den Passierstab nehmen. Etwa 100-150 ml Holunderbeerenmatsch sollte das mindestens ergeben. Zu dem Beerenmus die Sahne zufügen und noch einmal aufkochen und vom Herd nehmen. Einstweilen die Eigelbe vom Eiweiß trennen und die Eigelbe mit dem Zucker gut verrühren. Ist die Sahne etwas abgekühlt unter ständigem Rühren die Eimasse langsam zugeben, dabei rühren, rühren, rühren. Anschließend die Gelatine ausdrücken und in der warmen Sahne-Ei-Holundermasse auslösen.
Die Holundercreme "zur Rose abziehen", dafür wird sie einfach im
Wasserbad bis zur gewünschten Konsistenz warm gerührt.
Nun wird es poetisch: In einen heißen Wasserbad wird die Creme warm gerührt, bis sie die gewünschte Konsistenz erreichet hat. "Eine Rose abziehen", heißt das im Fachjargon der Köche. Rose deshalb, weil sich die Creme beim Herablaufen von der Rückseite eines eingetauchten Holzlöffels wellt, was ein wenig wie eine Rose aussehen soll.  Kochen ist Poesie :-). Die Creme kommt hernach in den Kühlschrank, wo sie fest werden darf.
Mit dem Mädesüß ist es einfacher: die Rispen in die Sahne hängen und mindestens 6 Stunden darin belassen, besser über Nacht. Am nächsten Tag wird das Mädesüß entfernt und die Sahne durch ein Sieb gegossen und steif geschlagen. Wer mag, kann noch etwas Zucker (1 EL reicht vollkommen) unterrühren, ist aber eigentlich nicht notwenig.
Die Creme mit der Sahne dekorativ anrichten.

Sonstiges zum Rezept:

Über Nacht nimmt die Sahne
das Aroma des Mädesüß an.
Ihr kennt das schon vom
"Mädesüß stirred"
  • Wem die Mädesüß-Sahne zu dem ohnehin sahnigen Dessert zu mächtig erscheint, der kann auch einen Fruchtspiegel aus Holunderbeerenmus kochen. Dafür die passierten Holunderbeeren mit Zucker abschmecken und bei Bedarf mit Speisestärke andicken oder abgeschmeckten Holunderbeerensaft kurz erwärmen und mit Gelatine verrühren. Das Mus oder den Saft in einen hohen Teller geben und fest werden lassen. Darauf die Holunderbeerencreme anrichten.
  • Im Winter kann man die Creme auch mit 500 ml Holunderbeerensaft zubereiten. In dem Fall ein Blatt Gelatine mehr nehmen.
  • Holunderbeerencreme ist - wenn man sie nicht ganz so süß macht - ein wahres "Männerdessert", weil die nicht ganz so stark gesüßte Creme in der Tat etwas nach Herrenschokolade schmeckt.

Montag, 4. August 2014

Wilder Dost mit domestiziertem Huhn

Dost trifft man sehr häufig an, wenn man nur weiß, wonach man suchen muss. Er ist sehr aromatisch und Speisen, die man mit ihm zubereitet, brauchen eigentlich keine andere Würze mehr. Die Blütenstände ergeben weich gekocht oder gedünstet ein wunderbar würziges Gemüse ab - mir manchmal etwas zu intensiv im Geschmack, weshalab ich gern ein wenig mit anderem Gemüse "strecke"  oder Bratkartoffen dazu reiche, die den Geschmack etwas bremsen. In diesem Fall hab ich das Rezeot mal klassisch "Paleo" gehalten, auch wenn die Steinzeitmenschen aus unseren Breiten noch keine Tomaten kannten. Es ist auf alle Fälle ein sehr kohlenhydratarmes Gericht, voll von Aromen, Vitaminen und Eiweiß.

Ein Paleo-Gericht mit  dem Wildkrautaroma von Dost.

Zutaten für wilden Dost mit domestiziertem Huhn:

  • 2 Hühnerbrüste
  • 4 Handvoll Dostblüten und -blätter
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel
  • 100 ml Gemüsebrühe
  • 6 Tomaten
  • Salz und Pfeffer
  • 50 g Butter

Zubereitung:

Schade das es noch kein Geruchsmodul fürs Internet gibt -
angedünstet Dost mit Zwiebeln riecht herrlich!
Die Hähnchenbrüste abwaschen, trockentupfen und mit Butter schaft ringsum anbraten. Bratensud in der Pfanne lassen. Geht gleich weiter. Die Brüste 10 min  bei 180 Grad im Ofen durchgaren lassen. Zwischenzeitlich von den Doststängel die Blüten und Blätter abzupfen und grob hacken, die Zwiebel fein würfeln und den Knoblauch feinhacken, ebenso die Tomaten klein schneiden. Zwiebeln und Knoblauch im Bratensud andünsten, bei Bedarf noch Butter zufügen. Anschließend den Dost einige Minuten mitgaren, schließlich die Tomaten beifügen und kurz mitköcheln lassen und mit Brühe auffüllen. Noch mal kurz durchkochen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ist das Hühnchen gar, zusammen mit dem Dostgemüse auf einem Teller anrichten und mit einigen frischen Dostblüten garnieren.
Wer es kohlenhydratlastiger mag, kann dazu Reis, (Brat-)Kartoffen oder Couscous reichen.

Sonstiges: 

  • Es gibt Leute, die stören sich an der Haut von Tomaten. In dem Fall sollte man die Tomaten vor dem kleinschneiden einritzen, kurz mit heißem Wasser überbrühen und häuten. Die meisten Inhaltsstoffe stecken direkte unter der Schale. Für mich gehört die Tomate deswegen samt Haut in den Topf.
  • Statt Hühnchen schmeckt auch anderes Fleisch sehr gut, vor allem von Wildtieren wie Wildschwein, da das kräftige Dostaroma auch gut mit geschmackintensiverem Fleisch klar kommt. 
  • Wer genug Dost hat und es kräftig-würzig mag, der kann die Tomatenmenge reduzieren und mit noch mehr Dost ersetzten.

Sonntag, 3. August 2014

Wilder Majoran, echter Majoran, Dost und Oregano - wer ist was?

Ein großes Verwirrspiel herrscht um die Trivialnamen wilder Majoran, echter Majoran, Dost und Oregano. Was ist nun was? Ihr wisst es? Seid Ihr Euch sicher? Ganz sicher?  Die Botaniker haben es da einfacher: Sie nutzen die lateinischen Namen und damit ist dann schnell alles klar.

Hinter Origanum vulgare verbirgt sich der Dost, der wilde Majoran und meistens das Oregano in der Küche

Origanum vulgare - der Dost blüht lila
Im Althochdeutschen war "Dost" auch ein Begriff für Büschel, so das anzunehmen ist, dass man dem Dost seinen Namen aufgrund der in Büscheln zusammenstehenden Blüten gegeben hat.
Der lateinische Beiname deutet schon darauf hin, dass er "vulgare",  "gewöhnlich", also recht häufig anzutreffen ist.
Da meist Köstergärten ihn als Heilpflanze und Würzkraut verwendeten und ihn die Mönche und Nonnen mit dem lateinischen Namen ansprachen hieß er "Origanum". Dann schaffte das Kraut den Sprung in die Volksküchen und aus dem  "Origanum" wurde im Sprachgebrauch das "Oregano". Bis hier ist alles gut. 1753 brachte Carl von Linné mit seiner botanischen Nomenklatur Ordnung ins Pflanzenreich. Diese war ursächlich für das Durcheinander unter den volkstümlichen Begriffen, denn seither zählt, wissenschaftlich sortiert, auch der echte Majoran unter diese Gattung. Dazu gleich mehr.
Der Trivialname "Wilder Majoran" nimmt Anklang an den echte Majoran, die eben beide aus der Gattung Origanum kommen, soll heißen, es gibt einen echten und einen "falschen" Majoran. O. vulgare ist der "falsche" oder netter ausgedrückt der "wilde".
Lustig wird es, wenn man sich anschaut, welche Trivialnamen der Dost so hat: 
  • Badkraut
  • Berghopfen
  • Bergmime
  • Lungenkraut ( hier gibt es eine ganz andere Pflanze die mit gleichem Namen bezeichnet wird)
  • Frauendost
  • Wohlgemut
  • Echter Dost (das ist sehr lustig, denn dann müsste logischerweise der echte Majoran "wilder Dost" heißen)
  • Gemeiner Dost  (das entspricht dem Artnamen "vulgare" noch am ehesten.)
  • Dorst 
Tatsächlich findet sich unter "Oregano" bei Wikipedia der Dost. Vor allem, weil dort unter "Art" der Trivialname "Oregano" aufgeführt ist, was natürlich wissenschaftlich nicht korrekt ist, denn der lautet ja "vulgare".

Origanum majorana ist der echte Majoran

Origanum majorana - der echte Majoran
blüht weiß. Gefunden bei Pixabay unter dem
Begriff  "Oregano"
Da ist er, der echte Majoran und dieser trägt im lateinischen neben dem Namen für die Gattungsbezeichnung "Origanum", die Artbezeichnung "majorana". Der echte Majoran ist also die Art, während man mit Oregano die darüberstehende Gattung bezeichnet, was den Dost mit einschließt. Und genau das hat zu dem bunten Durcheinander geführt. Alles über einen Kamm zu scheren ist also nicht immer sinnvoll und Trivialnamen sind schon manchmal ziemlich schlampig, vor allem wenn man sich die Volksnamen anschaut, unter denen der echte Majoran zu finden ist:
  • Badkraut (ja welches meint man denn nun? Vielleicht doch den Dost?)
  • Gartenmajoran
  • Majorankraut
  • Wurstkraut (sehr schön, das ist doch mal anschaulich)
  • Kuttelkraut (weniger appetitlich)
  • Kranzkraut (weil es früher viel in den Kräuterbüscheln verwendet wurde - genauso wie der Dost)

Wo Oregano drauf stehen, ist nicht immer Oregano gemeint

Tatsächlich nutzen die Italiener als "Oregano" eher den echten Majoran. Und schon ist das Durcheinander perfekt. Im Biologiestudium stöhnen die Studenten oft, wenn sie all die vielen lateinischen Namen lernen müssen, aber bei manchen Pflanzen würde die Verwendung des lateinischen Namens sogar in diversen Kochbüchern hilfreich sein, denn da wo "Oregano" steht und man Dost einsetzt, lohnt es sich oft, einmal das echte Majoran zu verwenden. Der eine oder andere wird hin und wieder dann ein "Aha"- Effekt erleben.
Warum dieser Artikel? Seht Ihr beim Rezept wilder Dost mit domestiziertem Huhn  - dem echten Dost. Und nun wisst Ihr auch, nach was Ihr Ausschau halten könnt.

Freitag, 1. August 2014

Verschiedene Herstellungsmethoden für Kräuterzucker

Kräuterzucker ist ein wunderbare Methode Kräuter zu konservieren. Natürlich lassen sich Kräuter in Essig oder Öl einlegen und manche - nicht alle - eignen sich auch zum Trocknen oder Einfrieren. Für diverse Verwendungsmöglichkeiten in der Küche empfieht es sich, nicht alle Kräuter einfach kopfüber zu trocknen, sondern zu variieren und einen kleinen Teil eben auch in Zucker zu konservieren. Zucker ist dabei ein schönes Trägermittel für die Aromen diverser Kräuter, die man für Süßspeisen, Gebäck oder Getränke verwenden kann. Im Zucker halten sich die Aromen etwa 6-8 Monate.

Minze und Zucker - zwei Zutaten die irgendwie zueinander wollen ;-)

Drei Methoden um Kräuterzucker herzustellen

1) Das Zerreiben im Mörser
2) Das Mixen im Küchenmixer
3) Das Einlegen der Kräuter in Zucker
Bei Methode 1 und 2 kommt auf 1 Teil Kräuter 1 Teil Zucker. Wer mit einem guten Küchenmixer arbeitet gibt die Pfanzenteile und den Zucker in den Mixer und mix so lange, bis alles Fein genug und recht homogen ist. Das geht schön schnell, erfordert aber z.B. eine kleine elektrische Kaffemühle oder einen Blender. Mit meinem 2 Liter-Mixer komme ich nur voran, wenn ich große Mengen verarbeite. Danach wird der Zucker auf Backpapier ausgelegt udn jetzt im Sommer in der Sonne getrocknet. Ich lesen immer wieder "bei 40 Grad im Backofen", aber das ist doch Unsinn, wenn draußen fast 29 Grad im Schatten sind. Also raus mit den Käutern wo sie herkomme und mal für 2-3 Stunden in die Sonne gelegt. Danach ist der Zucker trocken und einzelne Klümpfen kann man per hand zerbröseln oder fix mit dem Nudelholz überfahren.Ok: Auch Restwärme vom Herd oder Ofen eignet sich, sofern dieser grade an war.
Bei Methode 3  muss man selbst ein wenig mit der Zuckermenge und den Pflanzen experimentieren. Im Allgemeinen landen bei mir auf etw 50 g Zucker z.B. ein Blütenstängel Lavendel. Für Schafgabenzucker nehme ich die weniger Zucker bzw. mehr Blüten.

Minzzucker im Mörser

Da haben auch Kinder ihren Spaß. Bei der der Herstellung
von Kräuterzucker wird gern genascht:
"Aber ich muss doch probieren...."
Bei 100 g Zucker teilt oder drittel man die Menge und setzt je nach Größe es Mörsers lieber zwei oder drei Durchgänge an. Die Blätter werden von den Groben Stängeln gezupft und anfangs erst nur mit ein wenig Zucker zu Brei verrieben. Dann kommt nach und nach so viel Zucker hinzu, wie Ihr den Minzgeschmack abmildern wollt. Bei einem Verhältnis von 1:1 könnt Ihr bei Minze mit einen kräftigen Aroma rechen. Wer es lieblicher mag, gibt eben mehr Zucker hinzu, wobei Ihr ja später nicht den Zucker Löffelweise esst, sondern bewusst einsetzt.
Nach dem Trocknen auf Backpapier werden die groben Klümpchen einfach noch mal mit dem Pistell (dem Stößel) zertrümmert und wer Minz-Puderzucker möchte, kann den getrockneten Zucker im Mörser noch einmal zu Pulver zermahlen.

Fertiger Minzzucker. die 100 g halten etwa 6-8 Monate
das Aroma fest, danach verliehrt der Zucker nach und
nach an Geschmack.

Hinter der Nutzung des Mörsers stecken zwei Gedanken

1)  Stromsparen. So ein Hochleistungsmixer läuft zwar nicht lange, aber wenn, dann zieht er richtig Stom, und wenn alle Haushalte noch nicht mal zu kleine, alltäglichen Beiträgen keine Gedanken machen, dann wird das mit dem Umweltretten einfach nichts - sogar bei so einer Winzigkeit wie der Herstellung von Kräuterzucker.  Eine weitere wichtige Sache, ist natürlich die Wahl des richtigen Stomanbieters: Ich selbst nutze Ökostom von Klimaschutz+, einer von Bürger initiirten Stiftung zur dezentralen und sozialverantwortliche Stromerzeugung mit Mehrwert, denn der erzeugte Stromgewinn fließt in die von Bürgern eingerichteten Stiftungstöpfe, nicht in die Taschen großer Konzerne.
2) Verarbeitung: Im Mörser werden die Blätter zerrieben, nicht wie im Mixer zerschnitten. Damit werden viel mehr Zellen zerstört, was ein deutlich intensiveres Aroma erzeugt, als in einem Mixer. Außerdem kann man mit Mörsern viel vielfältiger Arbeiten. Grade Samen lassen sich mit einem Mörser gut zerstoßen, während man Pulver bis zu einer Teilchengröße von 50 µm heruntermahlen kann. Das ist beim Kräuterzucker freilich nicht notwenig, dennoch finde ich persönlich das Arbeiten mit dem Möser für befriedigender, als immer alles nur in den Mixer zu werfen.

Einfach rein ins Zuckerglas - aromatischer Kräuterzucker braucht Geduld

Dieser Lavendel darf noch etwas in seinem süßen Bett aus
Zucker verbringen. Danach wird er getrocknet und mit
einem Sieb von den groben Teilen getrennt.
Das Einlegen in Zucker ist besonders für hocharomatische Pflanzen zu empfehlen, und kennt wahrscheinlich jeder, der mal eine Vanilleschote so verwendet hat: Die aufgeschnittene Schote in ein Glas geben und mit Zucker auffüllen, einige Wochen stehen lassen und fertig ist der Vanillezucker.  Genauso kann man mit anderen hocharomatischen (Wild-)Kräutern und Blüten vorgehen, etwa  Basilikum (die Blütenstängel) und  Lavendel, aber auch Schafgabe, Veilchen, Pelagonie, Mädesüß und vielen anderen Pflanzen.

Die Klassiker unter den Kräuterzuckern

Minz-Zucker: Für Getränke wie Tee und Cocktails wie Caiphirina, Gebäck, Desserts, Eis
Tipp: Zum Aromatisieren von Zuckerguss für Schokoladenkuchen einmal Minz-Zucker verwenden.

Lavendel-Zucker: Für Tee und Gebäck, Desserts, Eis

Basilikum-Zucker: Für Salatsoßen oder Erdbeeren.

Zitronenmelisse-Zucker: Für Getränke, Gebäck, Desserts, Eis
Tipp: Einzige die weiße Melisse eignet sich zum Trocken. Alle anderen Arten verlieren leider sehr an Aroma und sind im Zucker besser aufgehoben.

Basilikum-Öl, Basilikum-Essig und Basilikum-Zucker: Alles zusammen mit einem Topf frischem Basilikum und einem Korb frischer Tomaten ergibt ein wunderbares Präsent - auch bei mir muss es nicht immer Unkraut sein ;-)