Sonntag, 6. Juli 2014

Kirschpflaumen, Blutpflaumen und Mirabellen - kleiner Ausflug in die Botanik

Aktuell sind die Mirabellen reif und die Kirsch- und Blutpflaumen ebenfalls. Mirabellen erkennen die meisten an ihren leuchtend gelben, duftenden Früchten. Bei Kirschplaume und Blutpflaume gibt es dann schon wieder Unsicherheiten: Kann man die Früchte essen?

Kirschpflaume, Mirabelle und eine alte Sorte der Blutpflaume mit grünem Blattlaub. Sicher welche schneckt, kann man nur bei der Mirabelle sein, bei den anderen beiden ist das immer ein Abenteuer.

Was man bei Mirabellen klar mit "ja" beantworten kann, ist bei Kirsch- und Blutpflaume nicht so ohne weiteres möglich. Hier ist vorsichtiges Probieren angesagt. Es gibt zahlreiche Sorten von Prunus carasifera, die zum Teil nur als Ziergehölz gezüchtet wurden. Die Früchte schmecken dann oft fade-mehlig bis extrem sauer. Die Prunus carasifera-Sorten die zum Essen gezüchtet wurden, sind mehr oder weniger süß-sauer.  Ich hab schon viele probiert und muss sagen: Es bleibt ein Abenteuer.

Eine neuere Sorte der Blutpflaume mit braun-grünem Blattlaub. Auch hier muss man testen, ob die
Früchte schmackhaft sind.
Auch ist das Verhalten beim Kochen der Früchte sehr unterschiedlich. Mache ziehen extrem Wasser, während andere eine schöne musige Konstenz aufweisen.  Die Früchte der Kirschplaumen sind gelb-orange-rot, orange-rot bis hin zu tiefem Dunkelrot. Das macht die Unterscheidung zu den Früchten der Blutpflaume bisweilen schwer, die von Hellrot bis ins tiefe Violett und Braun-Rot reichen. Allerdings haben manche Soten der Blutpflaume ein violett-rotbraunes Laub. Grade bei den älteren Sorten ist der Neuaustrieb rotbraun und vergrünt später, bei neueren Sorten bleibt das Laub die ganze Vegetation hindurch rotbraun bis braun-grün. Es lohnt sich also hin und wieder der Blick auf die ganze Pflanze.

Auch wenn man nicht alle Blutpflaumen-Früchte essen kann, ist ihre Blüte im zeitigen Frühjahr für Bienen oft eine der ersten Nahrungsquellen - vom seelischen Aspekt für uns mal abgesehen, wenn nach einem langen Winter plötzlich so ein Blütenmeer vor uns auftaucht.
Wer eine mehlig-fade Blutpflaume zu Hause hat und diese das erste Mal probiert, muss keine Angst haben: Bei den gezüchteten Subspezies der Art Prunus carasifera gibt es keine giftigen Sorten, aber eben einige die nicht wirklich schmecken und nur als Ziergehölze gezüchtet wurde. Der Baum fällt im Frühling vierorts auf, wenn er als üppige weiße "Blütenwolke" zu den ersten blühenden Bäumen gehört.

Es gibt auch einige giftige Vertreter unter der Gattung Prunus: der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) z.B., der aber deutlich kleinere, fast schwarze und in Trauben zusammengefassten Steinfrüchte besitzt und sich deshalb leicht von den Pflaumen und Mirabellen unterscheiden lässt. Auch ist sein Laub  derb-ledrig und immergrün, weshalb er häufig als Heckenbepfanzung in Gärten zu finden ist. Die Vögel freuen sich, denn seine Früchte werden gerne von ihnen gefressen. Der stark blausäurehaltige Kern passiert aufgrund fehlender Zähne im Vogelschnabel unbeschadet das Tier. Auf diese Weise findet seine Verbreitung statt. Auch die Blätter des Kirschlorbeers enthalten Blausäure. Vor allem wenn kleine Kinder die Früchte des Kirschlorbeers essen und dabei die Kerne zerbeißen, wird es schnell kritisch. Aktivkohle sollten Eltern, die so einen Baum besitzen, im Fall der Fälle zu Hause haben. Unbedingt bei Verzehr einen Arzt zu Rate ziehen!

Ein El Dorado für Tier und Mensch: Eine naturbelassene Hecke aus Mirabellen, Kirsch- und Blutpfaumen.

Auch die Kerne anderer Prunus-Arten haben einen mehr oder weniger hohen Blausäure- und Amygdalingehalt. Man kennt das von der Bittermandeln (Prunus dulcis). Bereits 6 Kerne der Bittermandel können ein Kind töten, ein Erwachsener muss schon 60 Kerne essen. Auch in  bitteren Aprikosenkernen findet sich Blausäure. Dennoch empfehlen einige Gesundheitsapostel 1-2 Kerne am Tag zu verzehren, da die Kerne das krebsverhinderne Vitamin B17 enthalten. Auch hier ist es wieder: Das Thema zu den Grenzgängern - Schaden und Nutzen sind bei der Ernährung immer abzuwägen und auch hier macht die Dosis wieder das Gift. 
Auch die Kerne der Kirschpflaume und die der Blutpflaume enthalten Blausäure, weshalb man beim Verarbeiten und Essen darauf achten sollte, dass die Kerne unbeschädigt bleiben. Dennoch kann man außer dem Fruchtfleisch aber eben auch die Kerne noch verwenden. Aus Blut- und Kirschplaumenkerne lässt sich der nach Amaretto schmeckende Pflaumenkernlikör herstellen, während die kleineren Kerne der Mirabelle, die wesentlich verletzlicher sind, eher für Kirschkernkissen eignen...ich meine natülich Mirabellenkernkissen :-)

Hier waren alle drei gleichermaßen essbar:
Mirabellen (gelb), Kirschpflaumen (hellrot) und Blutpflaume (violett)
Kirschplaumen, Mirabellen und Blutpflaumen als Unkraut zu bezeichnen, ist nun wirklich nicht richtig. Allerdings finden sich viele verwilderte Büsche und Bäume dieser Arten und die Früchte die oft auf den Bürgersteigen für ein massenhaftes Wespenaufkommen und bisweiligen glitschigen Untergrund sorgen, werden dann doch hin und wieder als "lästig" betrachtet. Bevor das schöne Obst, das vielleicht sogar gegessen werden kann, unachtsam zertrampelt wird, lohnt es sich für die Besitzer einen Biss in die Früchte zu wagen. Vielleicht haben sie ja Glück und es verbirgt sich ein leckerer Schatz in Garten.  



1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für diesen informativen Artikel, der das für mich endlich mal systematisiert hat. :-)

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