Samstag, 14. März 2015

Mit dem Pimpinelle-Smoothie in die Wildkräutersaison starten


Es geht wieder los: Das erste Grünzeug wächst und der Unkrautgourmet kann natürlich nicht an sich halten und beißt sofort ins Gras...oder in den Wiesenknopf. Hinein in eine neue Unkrautsaison mit dem Pimpinelle-Smoothie!
Pimpinelle, auch großer Wiesenknopf genannt, gehört zu den ersten Frühlingskräutern, die sich
auch jetzt schon auf den Märkten finden lassen. Diese hier landete im Pimpinelle-Smoothie.

Der Geschmack von Pimpinelle

Pimpinelle ist eines der erste Wildkräuter, die in meinen Garten wachsen. Ich liebe sie! Sie schmeckt nussig-gurkig, passt zu Kartoffeln, in jede Salatsoße und findet sich natürlich auch in jeder Frankfurter Grüne Soße. Für meinen Geschmack kann der Anteil von Wiesenknopf nicht hoch genug sein, denn sie schmeckt sehr, sehr mild!  Sie hat nicht bitter, nicht grasig und ist somit ein ideales Einsteiger-Grün.

Pimpinelle, Bibernelle und Pimpernella - was ist nun was?

Der Große Wiesenknopf sprießt bereits.
Pimpinelle ist botanisch betrachtet der große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis). Es gibt auch noch den kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor), dieser wird aber NICHT in den Kräuterbüscheln für Frankfurter Grüne Soße verwendet und meist wird auf den Märkten auch nur der große Wiesenknopf verkauft, sofern der Gärtner sich auskennt. Doch keine Sorge: Auch der kleine Wiesenknopf ist essbar, auch wenn sein Geschmack stark würzig und nicht ganz so mild ist.
Im Volksmund heißt der große Wiesenknopf auch Blutskraut, Sperberkopf und manchmal auch Bibernelle.  Hier beginnt nun wieder das Verwirrspiel um die volkstümlichen Namen, denn es gibt auch noch eine andere Bibernelle, die im Lateinischen den Namen trägt, den man für die volkstümliche Pimpinelle halten kann: Pimpinella. Von ihr gibt es, wie vom Wiesenknopf auch, eine große Bibernelle (Pimpinella major) und eine kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), die gelegentlich im Volksmund - wie kann es anders sein - eben auch als Pimpinelle bezeichnet wird. Wer sich also mit Laien über Pimpinelle unterhält, sollte immer dazu fragen: Sprechen wir vom Wiesenknopf oder von der Bibernelle?
Ja, ja, der Volksmund ist für Botaniker eine schwere Sprache, da ist Latein viel einfacher. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass es beim Dost und Majoran ein ähnliches Namensdurcheinander gab.
Doch auch hier wieder etwas Beruhigung: Auch die Bibernellen sind essbar, schmecken aber scharf-würzig, also ganz anders als das Grün, was in man in den Frühlingsbüschen findet.
Während die Wiesenknöpfe zu den Rosengewächsen (Rosaceae) zählen, werden die Bibernellen den Doldengewächsen (Apiacae)  zugerechnet. Hier auf die richtige Pflanze zu gucken, ist also grade für Allergiker, die auf Doldengewächse reagieren, wichtig.
Die Merkmale der einzelnen Arten hier nun anzuführen, ist unsinnig, zumal einzelnen Exemplare sich verdammt ähnlich sehen können. Auch ich als Botaniker gerate da gelegentlich ins Schwitzen, doch oft hilft dann einfach ein Geschmackstest.
Apropos Geschmack: Der große Wiesenknopf wirkt entschlackend und blutreinigend und ist damit ohnehin unverzichtbar als klassisches Frühlingskraut. Weg mit den winterlichen Altlasten und Ade Frühlingsmüdigkeit!

Doch genug der Rede. Meine Bündel Pimpinelle (großer Wiesenknopf) stammt aus meiner Garten. Bei Dirks Biokiste habe ich frische Bündel Pimpinelle aber auch schon entdeckt.

Zutaten für den Pimpinelle-Smoothie

Mhhh! Lecker! Kiwi, Banane, Gurke und
ganz viel Wiesenknopf geben dem Smoothie
eine tolle Frabe und volle Vitalstoff-Power.
  • 1 Bündel Pimpinelle (das ist die Menge, die man in der Hand gehalten so umschließen kann, dass Daumen und Zeigefinger sich berühren)
  • 2 Kiwi, geschält
  • 1 Banane, geschält
  • 1/2 Gurke
  • 1 Glas Wasser 

Zubereitung des grünen Pimpinelle-Smoothies
Obst und Gemüse grob zerteilen  und samt dem Bündel Grün gründlich mixen und sofort trinken.
Schmeckt gurkig, ohne aufdringlich zu sein. Der perfekte Einstieg in eine grüne Saison.


Hochleistungs-Smoothie-Mixer oder Küchenmixer?

Immer wieder fragen mich die Leute, ob ich für meine Smoothies ein Hochleistungsmixer nehmen. Professionelle Smoothiemixer haben 2 PS und laufen mit mindestens 30.000 Umdrehungen. Das ist ein Rasenmäher in der Küche! Leider haben solche Mixer ihren Preis. Tatsächlich schmecken Smoothies noch mal viel smoothieger (cremiger), wenn sie mit einen solchen Turbo-Gerät gemixt werden. Das Ergebnis lässt eigentlich kein Vergleich mit der grünen Häckselmasse aus einem gewöhnlichen Haushaltsmixer oder einen 300 Watt-Pürierstab zu. Dennoch: Ich mixe mir meine Smoothies nach wie vor mit meinen Haushaltsmixer. Wenn der mal seinen Geist aufgibt, weil ich ihn mit der Smoothie-Mixerei an den Rand seiner Existenz gebracht hab, dann - und erst dann - werde ich sagen: Ok, ich mixe mir doch so viele Smoothies, dass sich der Kauf eines teureren Hochleistungsmixers auch wirklich lohnt. Außerdem hab ich ungern zwei Mixer zu Hause herumstehen. Wer sich die Anschaffung eines solchen Gerätes überlegt, sollte mal die Green-Smoothie-Challange von greensmoothie.de mitmachen. In so einer Woche kann man einen Hochleistungsmixer für 10 Tage testen, hat in der Challange-Woche 21 Smoothies in top gemixter Qualität ausprobiert und kann das Gerät dann immer noch zurück schicken.
Und ja, die Smoothies schmecken auch mit einem normalen Haushaltsmixer, auch wenn man den einfach mal 1-2 Minuten länger laufen hat und das eine oder andere Kiwi-Kernchen noch zwischen den Zähnen knirschen darf. Die Verdauung will ja auch noch was zu tun haben.
ACHTUNG! Eine Anmerkung zum Schluss: Bei Smoothies aus dem Hochleistungsmixer werden die Fasern zerstört, die normalerweise die Aufnahme von Zuckern aus den Früchten im Körper verlangsamen! Nach so einem Hochleistungssmoothie mit Obst schnellt der Blutzuckerspiegel in die Höhe! Das sollte man wissen, wenn es um gesunde Ernährung geht. Nichts gegen den Hochleisungsmixer und einen wirklich "smoothen", also samtigen Smoothies. Aber man sollte das Trinken einen solchen nicht kurz vor eine "Ruhephase" legen. Morgens als Kickstarter für den Tag super, abends als Schlummertrunk eher ungeeignet. Ist also nicht wirklich schlimm, wenn ein gewöhnlicher Haushaltsmixer ein paar Fasern heile lässt ;-).

Ein kleines Happy-End für zwei Kartoffeln

Aus Herzchen-Kartoffeln wurde
eine Rose.
Was wurde eigentlich aus den Valentinstags-Herz-Karoffeln? Geschält, fein gehobelt, mit Öl eingepinselt, aufgerollt und in eine Muffinform gesteckt, dann für 20 min im Ofen gebacken, und leicht gesalzen, am besten mit Kräuterbutter genossen, konnte ich aus so wunderbaren Kartoffen  natürlich keine gewöhnlichen Kartoffeln kochen. Statt dessen wurde aus den zwei Herzen eine Rose. Happy End für zwei Kartoffen. :)


Samstag, 14. Februar 2015

Zauberhafter Valentinstag

Allen Verliebten, allen Schumsekatzen und allen Menschen die wir lieben: einen zauberhaften Valentinstag.
An alle, die einsam sind, keinen Partner (mehr) haben - ihr seid nicht allein. Irgendwo auf dieser Welt denkt grade in diesem Augeblick jemand an euch! Ganz bestimmt!

Unkrautgourmet.de wünscht einen zauberhaften Valentinstag.

Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich freu mich auf den Frühling und die Günzeugsaison. Fang jetzt schon an im Wald zu buddeln um zu sehen ob sich der Bärlauch schon rührt....der Winterschlaf ist bald vorbei :).

Donnerstag, 15. Januar 2015

Das Herbstfrüchte-eBook ist da


http://www.amazon.de/Herbstfr%C3%BCchte-aus-Wald-Wiese-Hagebutten-ebook/dp/B00S8C54J4/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1421275408&sr=8-1&keywords=Herbstfr%C3%BCchte
Kurze Unterbrechung der Recyceling-Weihnachtsbaum-Serie, aus gutem Grund: Das erste Unkrautgourmet-eBook ist da!
Nach vielen Stunden im Wald, noch mehr Stunden in der Küche und unzählichen Stunden am PC ist es vollbracht. Das eBook über die Früchte des Herbstes ist endlich fertig geworden. Keine Sorge, ich werde auch weiterhin gratis Rezepte veröffentlich, dennoch unterstützt Ihr mich natürlich, wenn Ihr die Rezeptsammlung bestellt, da auch ich mich nicht ausschließlich von Grünzeug ernähre. "Herbstfrüchte aus Wald und Wiese - Kochen, backen, naschen mit Eicheln, Hagebutten und Co." bietet Euch insgesamt 56 Rezepte mit Eicheln, Bucheckern, Weißdorn, Maronen, Hagebutten und Haselnüsse an. Aufstriche, Brot und Chutney - das ABC der Naturküche findet sich hier im modernen eBook-Format.

Eichel sind essbar und Hagebutten können mehr

"Herbstfrüchte aus Wald und Wiese" zeigt Euch, wie Ihr aus Eicheln Mehl macht und was ihr damit backen könnt, dass sich Hagebutten noch zu viel mehr als Tee verarbeiten lassen und geht der Frage nach, ob Bucheckern nun giftig sind oder nicht.
Esskastanien zum Frühstück, zum Mittag oder zum Abendessen? Eichel als Brotaufstrich oder lieber im Plätzchenteig? Haselnussaufstich süß oder doch herzhaft? Von Bucheckern bis Weißdorn findet Ihr hier die Basis-Rezepte mit denen auch ich in meiner Küche herumexperimentiere und darüber hinaus einige besondere Highlights.

Warum "Herbstfrüchte" ein eBook ist

Ich bin der Meinung, dass heute dank Apps - auch am PC - so gut wie jeder in der Lage ist eBooks zu lesen, sofern er nur ein flottes Handy oder einen Internetzugang hat. Letzteren haben fast alle irgendwo und irgendwann. Die Infrastruktur ist da, warum sollte man das nicht nutzen? Ist es unökologischer? Darüber streiten sich die Geister. Das Handy oder der PC ist so oder so an, wer nach bestimmten Rezepten sucht, der buddelt oft im Internet. Hier habt Ihr alles in einem Werk zusammen.
Außerdem: Da kauft man ein teures Buch für 20 oder mehr Euro und das nur, weil einen drei oder vier Rezepte draus ansprechen, von denen man vielleicht eins oder zwei nachkocht. Mein kleines eBook kostet 3,99 Euro und beinhaltet deutlich mehr Rezepte, als so manches hochgestylte Wildkräuterbuch. Vom mittelalterlichen Salat mit Trauben und Bucheckern bis zum Chutney aus Weißdorn und Apfel. Es stecken viele Sammel- und Kochstunden in diesem kleinen Büchlein, von den fehlgeschlagenen Versuchen reden wir besser nicht.
Zwei Rezepte kennen meine Blogleser schon:  Weißdorneis und Eichelkaffee. Der Waldaufstrich aus Eicheln und Majoran ist aber genau so neu wie lecker, ebenso das Mousse von Hagebutten, der Hagebuttenwein oder die eingelegten Maroni. Wer eines davon nachkochen will, oder zwei, oder drei, der muss nun nicht ein ganzen Buch für viel Geld kaufen, sondern kann sich die Rezepte, die ihn interessieren,  selbst ausdrucken und zu seinen gesammelten Kochrezepten in die Zettelsammlung packen. Gebt lieber ein wenig mehr Geld aus für qualitativ hochwertiges, regionales, biologisch angebautes Obst und Gemüse, wie man es bei Dirks Biokiste kaufen kann, als für Bücher, denn der Geschmack kommt nicht durch teure Kochbücher, sondern von den Lebensmitteln!

Pur, simpel, unverfälscht - Einache Basisrezepte für eigenen Ideen

Die Rezepte sind alles Basis-Rezepte, d.h. wirklich einfache Küche mit Zutaten die man meist ohnehin Zuhause hat und Kochprofi muss man auch keiner sein. Auf diese Weise kommt der unverfälschte Geschmack der Wildrüchte besonders schön zur Geltung. Wenn ich mit Weißdorn koche, dann will ich den auch schmecken, und nicht irgendein künstliches Aroma.

Besser spät als nie oder früher als gedacht - ein Herbstbuch im Winter

Der Herbst ist nun schon leider ein Weilchen her und das Buch ist etwas spät dran - oder viel zu früh - aber Maroni finden sich in den Supermärkten noch, Hagebutten lassen sich selbst jetzt noch sammeln und Haselnüsse hat der eine oder andere vielleicht noch eingelagert. Sogar Eicheln kann man, sofern sie nicht verschimmelt sind, noch sammeln, denn auch wenn sie schon gekeimt haben, lassen sie sich noch prima verwenden. Auf die Bucheckern muss man leider bis zum nächsten Herbst warten und die Weißdornbeeren haben die Vögel schon vor Wochen gefressen. Doch wer noch welche findet, der kann auch die noch sammeln, denn Weißdorn schmeckt am besten nach dem Frost. Zu spät ist es also nicht.

eBooks lesen ohne eBook-Reader

Natürlich braucht Ihr dank der Apps keinen extra ebook-Reader mehr. eBooks lassen sich heute bequem am Handy oder an PC über Apps lesen. Amazon hat eine solche Seite z.B. bei den den "gratis Lese-Apps". Solche Angebote hat mittlerweile nahezu jeder Anbieter von eBooks auf seinen Internetseiten. Die PCs stehen im Zimmer, die Handys sind in der Tasche, die Rohstoffe für beide Geräte wurden bereits der Erde entnommen. Nun gilt es beides pfleglich zu behanden und zu nutzen bis es seinen Geist aufgibt und man die Geräte recyclen kann. Lieber esse ich weiterhin Bucheckern, als das extra Buchen für ein Buch gefällt werden müssen. Ob das ökologischer ist? Gute Frage. Das müsste das ifeu Institut mal nachrechnen. Hab ich mich geirrt, lass ich das eBook natürlich auch drucken.

Dienstag, 13. Januar 2015

Weihnachtsbaum-Recycling: Trink Deinen Tannenbaum als Tee (Tannennadeltee)

Heute geht es mit dem Tannenbaum in die Küche.  Ihr braucht für einen ersten Versuch nur einen Teelöffel Tannen- oder Fichtennadeln, nicht gleich den ganzen Baum. Am besten stammen Nadeln, die man zum Essen oder Trinken nutzt von weit oben am Baum, weil man nie weiß, welches Tier unten am Baum sein Beinchen gehoben hat.

Tannentee sollte man nicht als "Alltagstee" trinken, sondern wohl dosiert und gezielt bei Erkältungen,
Magenproblemen oder Verdauungsbeschwerden. Er beruhigt darüber hinaus auch die Nerven,
sollte aber wegen des hohen Tannin- und Terpentinöl-Gehalts in der Schwangerschaft NICHT getrunken werde.

Zubereitung von einer Tasse Tannentee vom Weihnachtsbaum

1 TL Nadeln klein schneiden und anquetschen, mit heißem Wasser übergießen und maximal zwei Minuten ziehen lassen. Am besten den Tee mit Honig süßen und wer ihn zu Hause hat, der sollte unbedingt echten Tannenhonig verwenden. Der Tee sieht an sich recht unspektakulär aus, da er sich bei dieser Ziehzeit kaum verfärbt, wirkt aber entspannend und gleichzeitig anregend. Längere Ziehzeiten lösen nur zu viele Gerbstoffe und der Tee wird bitter.
Was man beobachten kann, sind weiße Flocken im Tee. Das ist ein Gemisch aus Staub, der zwischen den Nadeln auch beim Abbrausen hängen bleibt und den Tanneneigenen Wachs, das die Nadeln überzieht und sie vor dem Austrocknen bewahrt. Ein paar denaturierte Proteine hängen da gewiss auch noch drin.  Wen das stört, der kann den Tee noch mal durch ein Teesieb jagen, wer optisch unempfindlich ist, kann die Flöckchen auch mitrinken.

Tannennadeltee - den Wald in der Nase

Wirklich? Tee aus Tannennadeln? Von meinem Weihnachtsbaum? Wie gesagt, mein biologischer Weihnachtsbaum war dieses Jahr eine Nordmanntanne. Ich war  neugierig, ob man einen Unterschied schmeckt zwischen einer Nordmanntanne, einer Weißtanne (aus dem eigentlich früher der Tannentee gemacht wurde) und einer Fichte. Und meine Antwort: Nein, nicht wirklich. Leichte, ganz leichte Nouncen sind wohl zu schmecken, aber das, was einen an Geruch in die Nase kommt, das ist der wohlige Duft, den man riecht, wenn man an eine sonnigen Tag durch den Schwarzwald läuft. Tanne, Fichte, Weißtanne, Douglasie - man muss schon ein Trüffelschwein sein oder ein Parfümeur, um in diesem Tee den Unterschied riechen zu können. Und von den Inhaltsstoffen? Erinnert Euch: Kein standardmäßig verkaufter Weihnachtsbaum ist giftig.

Achtung: Ihr solltet, wenn Ihr vor habt Euren nächten Weihnachtsbaum als Nutzpfanze umzurüsten unbedingt bei Eurem Tannenbaumverkäufer versicher, dass der Baum nicht gespritzt und biologisch aufgewachsen ist und dass es auch wirklich keine Eibe ist! Ein Tee aus Eibennadeln und das war´s mit Weihnachten. Ende. Tod.
Schwangere sollten auf einen tanninhaligen Tee verzichten und generell keine Nadelbäume während der Schwangerschaft konsumieren.

Tannentee ist ein Heiltee, kein Alltagstee!

Nadelbäume enthalten Tannine und Terpentinöl. Grad das Terpentin klingt schon schrecklich - darauf komme ich gleich. Die Tannine sind es, die der Tanne ihren Namen geben. Tannine sind Gerbstoffe, die Tanne ist also ein so gerbstoffhaltiger  Baum, dass man ihr gleich den Namen einer ganzen Stoffgruppe gegeben hat - oder war es anders herum? Egal, Ihr wisst worauf ich hinaus will. Gerbstoffe stellt die Pflanze als Fraßschutz her. Es muss ja nicht jedes Tier an ihr herumbeißen. Und so springen im Schriesheimer Wald z.B. die Schafe zwischen den Tannen herum und fressen das Gras, aber lassen die Tannen links stehen. Lässt man in so einem Wald ein Pferd herumspringen... die Tannen würden anders aussehen. Pferde fressen Tannen (sollten aber nicht übermäßg viel, bis gar keine davon zu fressen bekommen). Diese Geschmacksverirrung ist wahrscheinlich ein Relikt aus der Zeit, als das Eohippos noch durch die Wälder lief und noch kein Steppentier war und Gras fraß.  Gerbstoffe helfen als Fraßabwehr also nicht bei jedem Lebenwesen, aber doch bei einigen.

Terpentinöl gehört nun zu den ätherischen Ölen. Klingt schräg, oder? Terpentin? Ein ätherisches Öl?  So  unglaublich das auch anmutet, hat man doch bei "ätherische Öle" eigentlich immer einen Wohlgeruch im Kopf. Vetiver ist aber auch so ein ätherisches Öl, das nun nicht unbedingt gut riecht.  Geschmackssache. Biochemisch betrachtet sind  "ätherische Öle" "organisches Lösungsmittel" - na, da denkt man doch schon viel eher an Terpentin. Es fallen also nicht nur "Wohlgerüche" unter diese Bezeichung. Terpentinöl wird industriell aus Kiefern gewonnen, ist aber in den anderen Nadelbäumen ebenfalls enthalten. Die meisten werden Terpentin wohl eher als Farbverdünner kennen, als aus naturheilkundlicher Anwendung und haben vielleicht ein Flasche davon im Bastelkeller mit den beiden Gefahrenstoff-Zeichen für "umweltschädigend" und "gesundheitsgefählich" - ja, in Reinform. Zum Glück besteht der Baum nicht nur aus Terpentin, sondern enthält noch viele weitere Terpene, von denen viele eine durchaus positive Wirkung auf die Gesundheit des Menschen haben. Terpentin ist eben auch hier wieder  der Namensgeber dieser Stoffgruppe. Die Mischung und die Dosis machen das Gift.

Tannentee ist aus den Apotheken weitgehend verschwunden

Ich muss zugeben: Wirklich wissen tue ich das nicht. Ich habe mich selbst oft gefragt, warum  es
Tannen-Tee in den Apotheken nur sehr sehr selten zu kaufen gibt und auch der dritte Apotheker zucke auf die Frage nur verschämt die Schultern. Also mutmaße ich mal ein wenig und gebe hier mal ein paar Denkanstöße:
  • Manchmal stehen bedenkliche Inhaltsstoffe dahinter, so wie es beim Beinwell und seinen Pyrrolizidinalkaloiden war. Dennoch kann man Beinwell in er Apotheke kaufen - für die äußerliche Anwendung. Dies scheint mir also kein schlagendes Argument gegen Tanne in Apotheken zu sein.
  • Manchmal sind es wirtschaftliche Aspekte. Ist das Produkt "zu billig", weil es einfach überall erhältlich ist, dann lässt es sich schlecht verkaufen. Tannennadeln oder Fichtenwipfel lassen sich nun wirklich in fast jede Wald finden. Da müsste schon eine ordendliche Marketing-Abteilung ran und irgendeine hochseltene oder weit gereiste kaukasische Edeltanne mit viel "Tamtaram" beweihräuchernd und hochstilisierend anpreisen, damit ein so simples Produkt wie Tannennadeln bei der Markteinführung überhaupt den Sprung in die Apothekenregale schafft. Also macht man lieber mit einem gewissen Maß an Mehraufwand ätherisches Öl aus den Nadeln und füllt das in Fläschchen ab und verkauft es für teueres Geld. Wie die basischen Badesalze.... teuer verkauft sich gut. Und mal ehrlich: Wer würde sich nicht komisch vorkommen, wenn er in die Apotheke ginge und 2 kg Tannennadeln bestellt, während der Nachbar Augenbraue zuckend zu einem herüberschielt, weil er denkt: "Nach Weihnachten hab ich einen ganzen Baum voll weggeworfen, und der Trottel kauft sich so was."
  • Damit sind wie beim nächsten Punkt: Den Inhaltsstoffen. Destillierte ätherische Öle sind 100% ätherisches Öl. Da gibt es kaum Schwankungen. Die Beschriftung ist einfach: "100% Tannenöl". Anders als in so einem lebenden Baum, wo Tannine, Terpene und anders Inhaltsstoffe je nach Jahres- und Tageszeit auch mal stark schwanken können und hin und wieder vielleicht auch mal über die Skala des Erlaubten hüpfen, ist ein ätherisches Öl, eben ein Öl, ganz gleich was in der Destille zurückblieb. Ätherische Öle sind beschreibungstechnisch für die Inhaltsangaben auf den Packungen also recht einfach. Bei "einen Fläschchen Tannennadelöl gegen meine Erkältung, bitte" guckt der Nachbar an der Kasse auch eher neugierig interessiert, weil er sich denkt : "Hoppala, da kennt sich jemand in Naturheilkunde aus."
  • Die Destillation hat darüber hinaus noch einen anderen wirtschaftlichen Grund: Platz und Transportkosten.  Das Öl füllt bei gleicher Wirksamkeit die Regale der Lieferanten und Apotheken bei weitem nur um einen Bruchteil,  wie die gleiche Menge dafür notweniger Tannennadeln. Dies ist aus meiner Sicht, der wohl ausschlaggebenste Grund. Tanne pur braucht zu viel Platz.
  • Hand aufs Herz. Hättet Ihr gewusst, dass man einen Tee aus Tannennadeln machen kann? Vielleicht handelt es sich hierbei um vergessenes Wissen vergangener Tage, das sich jenseits der ätherischen Öle nicht so recht durchzusetzten vermag in einer Welt der Kapseln, Tabletten und Teebeutel, der Marketingmaschinerien und Geldmacherein. Will Euch mal wer kaukasische Edeltanne als besonders wertvollen Tee für viel Geld verkaufen, geht lieber in den Wald. Unsere heimischen Edeltanne kann das, was die kaukasischen kann, erst recht.

Tannentee enthält ein ganzes Arselnal hochwirksamer Stoffe und das in gar nicht mal so geringer Menge, besonders in wachsenden Stadium - Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Öle. So ein Gebräu trinkt man nicht mal eben so jeden Tag. Das ist Medizin direkt aus der Natur, und wer sich mehr als ein Tässchen testweise genehmigen will, der sollte wirklich einen heilkundigen Naturmediziner dazu befragen.Vielleicht wird auf diese Weise der Tannentee dann auch wieder populär.

Gleiches mit Gleichem - kurzer Abstecher zum Tannentee in die Homöopathie

Man erinnere sich an Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, der die Wirkung der Pflanzen auf Menschen sozusagen im Umkehrschluss angewendet hat (ohne hier auf die Dosierung einzugehen). Für die Tanne würde das bedeuten, dass sie beim gesunden Menschen
  • Störungen der Zentrallervensystems
  • Nieren- und Leberschäden
  • Verstopfungen und Bähungen
  • Entzündungen von Magen, Darm und der Mundschleimhaut
  • Atemnot
  • Stoffwechselstörungen
hervorruft, bzw. bei Menschen mit solchen Symptomen hilft.

Hildegard von Bingen und der Tannentee

Das alles bekommt Ihr aber kaum von ein paar Schluck Tee! Bei zwei Tassen kann es aber duchaus sein, dass es im Magen "rumpelt", oder Euch der Duft des Tees als "zu viel" erscheint. Wer dann weiterhin seine Nase drüber hält, der kann auch schon mal Atemnot bekommen. Allerdings: Wenn ich mir einen Tannentee mache, dann bleibt meist eine halbe Tasse stehen. Ich trinke den gar nicht ganz aus. Irgendwie weiß mein Körper dann schon, dass die halbe Tasse reicht und dann ist auch schon Schluss. "Reinwürgen" solltet Ihr ihn also nicht.  Es kommt aber auch vor, dass ich  zwei Tassen über den Tag verteilt trinken kann, wenn mich der Husten plagt oder der Magen. Tannentee ist ein Heiltee! Der Mensch weiß schon instinktiv, wann er so was trinken sollte und wann nicht, vorausgesetzt man hat nicht verlernt auf seinen Körper zu hören, und wenn das der Fall ist, dann sollte man wirklich einen Naturheilkunler zur Dosis befragen.

Fragt vor der kurmäßigen Anwendung des Tannentees Euren Heilprakiker, naturheilkundlich versierten Arzt oder Apotheker.

Früher litten die Menschen häufig unter Vitamin C Mangel und allen möglichen Verdauungschwierigkeiten (man denke nur an die mittelalterliche Küchenhygiene und die beschrängte Kühlfähigkeit für Fleisch), da hat Hildegard von Bingen mit ihrem Rezept für Tannentee schon recht getan. Leute mit Skorbut und ständigen Koliken hatten hier ein gutes Heilmittel zur Hand, das zudem kostenlos und überall zu haben war. Tannentee war eine überaus wirkame "Arme-Leute-Medizin", wenn man so will.

Zum Probieren könnt Ihr aber ein Tässchen Tee aus Eurem Weihachtsbaum kochen, das bringt Euch nicht um. Ihr müsst es ja nicht vollständig austrinken. Für die Erkältungszeit ist es duchaus angebracht mal eine Schachtel Tannennadeln aufzuheben. Nur Eibe tötet in dieser Dosis (Eibe wird nie als Weihnachtsbaum verkauft und gelangt allenfalls mal beim "Wildschlagen" von Tannenbäumen ins Wohnzimmer.)

Tannenharz und die aromatischen Verbindungen

Ausgereife Nadeln sind harzhaltiger und gerbstoffreicher als die jungen Wipfel und natürlich viel härter.  Beim Verdampfen im heißen Wasser oder beim Räuchern (dazu kommen wir noch), verdampft auch das Harz, in dem  jene oft aromatischen Verbindingen enthalten sind, die den ätherischen Ölen ihren Duft verleihen: Borneole, Pinen, Limonen, Camphen, Phellandren. Je mehr dieser aromatischen Verbindungen verdampfen, desto härter wird das Harz. Dies ist auch der Grund, warum steinhartes, altes Harz kaum noch duftet, beim Erhitzen aber doch noch die einen oder anderen aromatischen Moleküle aus dem Inneren freisetzt.

Das, was Euch beim Tee in die Nase steigt, sind  die ätherischen Öle, die sich aus den Nadeln lösen. Da sich die Öle relativ rasch lösen, reichen 2 Minuten Ziehzeit. Danach kommen dann nach und nach immer mehr Stoffe aus den Nadeln, bis hin zu den Gerbstoffen und Harzen. Wer seine Nadeln zehn Minuten auskocht, der hat oft mit einen harziger Rand im Topf zu kämpfen, der sich aber mit Butter, Öl oder Milch einfach entfernen lässt. Weniger ist als manchmal mehr.

Ausgereifte Tannennadeln für Tee - warum nicht

Der Tee lässt sich auch aus Tannennadeln, Douglasien oder Zirben oder Kiefern zubereiten. Ich habe meine Nordmanntanne verarbeitet. Ich lese immer wieder, dass man zum Auskochen nur junge Spitzen von Tanne, vorzugsweise Weiß-Tanne verwenden soll. Natürlich finden sich in jungen Blättern das Maximum an Inhaltsstoffen, was aber nicht bedeutet,  dass in den ausgereiften Blättern gar nichts mehr davon vorhanden ist. Natürlich sinkt der Gehalt dieser Inhaltsstoffe immer weiter, vor allem wenn der Weihnachstbaum schon zwei Wochen in der Wohnung stand. Hier müsste man tatsächlich mal die Universität drauf ansetzten die Inhaltsstoffe einer Tanne nach zwei Wochen im Christbaumständer zu analysieren. Man trinkt einen Tee aus den Tannennadeln des Weihnachtsbaums also nicht, weil dieser grade im Saft seinen Lebens steht, sondern eher, weil er grade da stand, wo der Weg zur Küche ein sehr kurzer war. Das sollte man bedenken! Man trinkt den Tee wahrscheinlich zur schlechtesten Zeit für Baum ...aber genau dieser Baum wird wohl nie wieder bessere Zeiten sehen und wenn man sich im Winter mit der X-ten Erkältung herumärgert, wieso sollte man da nicht mal ein Tässchen Tannentee versuchen. (Und nochmal: Wird die Erkältung nach drei Tagen nicht besser, unbedingt zum Arzt!)

Mein Fazit zum Tannenbaum-Tee

Und ich muss sagen: Der Tee schmeckt gar nicht so schlecht. Mit einem Löffel Tannenhonig gibt das eine runde Sache, da steigen beim Trinken die ätherischen Öle in die Nase und schon kann man frei durchatmen. Ich hatte das Gefühl, dass der Duft aus dem Tee eine geistige Frische hervorruft und einen ähnlichen Effekt hat, wie Pfefferminztee. Da dieser Tee aber aus einem Baum gemacht wurde, der in der Winterruhe war und darüber hinaus zwei Wochen im Wohnzimmer stand, kann man von ihm eben nicht das Maximum an Heilkraft und Inhaltsstoffen erwarten. Gleiches gilt für Bäder und Inhalationen mit dem ausgedienten Tannenbaum! Es heißt aber nicht, dass der Baum, nur weil er in die missliche Lage eines Weihnachtsbaums gekommen ist, überhaupt keine Inhaltsstoffe mehr besitzt. Auch in den ausgereiften Nadeln hat man immer noch jede Menge Wirkstoffe. Die Öle und Harz riecht man auch nach Wochen, ja Monaten im geschlagenen Baum. Das dies ein "inhaltstofflich leicht abgespeckter" Baum ist, ist aber wiederrum gar nicht so schlimm, denn ein Tost auf den alten Baum mit einem nicht ganz so heilkräftigen Tee, ist bei guter Gesundheit doch in Ordnung.
Es ist schon eigenartig, seinen Weihnachtsbaum so wegzutrinken. Ein bisschen wie ein Sonntagsbraten, den man noch mit Namen und Ohren kannte.

Tannenbier - ein Schwank aus der Geschichte

Das gab es auch: Bier gebraut aus Tannenzweigen. Dafür ließen die Braumeister im Mittelalter die Nadeln vergären. Das Ergebis war ziemlich berauschend. Wer ein solches Bier einmal probieren möchte, sollte den Biergarten der Burg in Bad Münstereifel mal besuchen und dort ein "Herzogen Tannenbier" bestellen. Das wird  noch nach uraltem Rezept ohne Hopfen gebraut und stammt aus einer Zeit, als die Kräuterbiere noch das Non-Plus-Ultra der Biere waren. Dort kann man ja mal den Schankwart fragen, ob es theoretisch möglich ist, auch einen Tannenbaum nach Weihnachten zu Bier zu vergären.

Und was kann man noch aus dem alten Weihnachtsbaum machen?

Das lest Ihr am besten hier:
"Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!"

Samstag, 3. Januar 2015

Baumkuchen deluxe mit Schokozapfen - der Natur abgeguckt

Dieses Mal war der Geburtstag meines Sohnes Anlass mal etwas ganz Neues auszuprobieren: Die Natur nachbacken. Meine Jungs lieben Baumkuchen und so gab ich der Bitte nach, mich mal an einem solchen zu versuchen. Das Backen ist recht einfach, zeitaufwändig, aber nicht schwer. Schokoglasur drüber und fertig ist der Baumkuchen. Und so saß ich vor einem braunen, recht langweilig dreinschauenden Geburtstagskuchen. Einfach 12 Kerzen draufzustecken fand ich meines selbstgebackenen Baumkuchens aber nicht würdig. Bäume....hm....Rinde, Blätter...alles schon da gewesen. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Zapfen! Und so verbachte ich einige Stunden in der Küche die perfekte Mischung für den Kern zu finden. Das Ergebnis sah dann so aus:

Schokozapfen auf meinem Baumkuchen.
Eigentlich viel zu schade zum Essen: gehobelte Mandel als Zapfenschuppen....

...dem klassischen Baumkuchen als "Baum"...


...und einem Schokokern im Zapfen. Damit das ganze mit dem Messer zu schneiden geht,
darf die Schokolade im Inneren bei Zimmertemperatur nicht zu hart werden, aber auch nicht zerlaufen.



Interesse am Nachbacken? Mal so ganz ohne "Grünzeug"? Hin und wieder muss mal einfach sündigen. :)

Los gehts:

Zutaten für die Schokozapfen

  • 250 g Zartbitter-Schokolade
  • 200 ml Sahne
  • 60 g Butter
  • ein gute Prise Salz
  • Mark einer Vanilleschote
  • 1 Tasse voll gehobelter Mandeln

Zubereitung der Schokozapfen

im Wasserbad werden die Schokolade und die Butter geschmolzen und mit der Sahne, dem Salz und dem ausgekratzten Vanillemark verrührt. Bis dahin ist es noch einfach. Nun fängt der Bastelteil an: Die Form, in die ich die Schokoladenmasse zum Aushärten gegossen habe, bestand aus einer der Länge nach aufgeschnittenen Küchenrolle aus Pappe, die ich mit Frischhaltefolie ausgeschlagen hab. Die Frischhaltefolien-Ende an den beiden Enden der Küchenrolle müssen gut zugebunden werden, damit die Schokolade nicht seitlich herausläuft. Die Masse wird nun über die aufgeschnitten Breitseite eingefüllt und darf einige Stunden im Kühlen aushärten. Wer eine eiformige Gießform besitzt kann natürlich diese benutzen. Das macht die ganze Bastelarbeit natürlich überflüssig. Da grade Winter ist, kann man die Schokostange auf den Balkon stellen. Im Kühlschrank nimmt sie schnell das "Kühlschrankaroma" an, das ist mit Sicherheit der falsche Ort.
Ist die Schokolade schnittfest, wird sie aus der Form gepellt und in etwa 8 cm breite Stücke geschnitten. Anschließend werden die Stücke mit dem Messer etwas abgerundet, so dass ein mehr oder weniger eiförmiger Schokokern entsteht. Viel praktischer ist es aber, einfach Einweghandschuhe anzuziehen und die Schokoklumpen in der Hand etwas anzuwärmen und so zu formen. Der Vorteil: Die Schokolade wird so wieder weich und die gehobelten Mandeln können direkt auf die weiche Schokomasse gesteckt werden. Der Nachteil: Das ist schon eine fiese Matscherei...aber macht auch Spaß :)
Ansonsten die mit dem Messer bearbeiteten Schokoklötze einfach mal kurz mit dem Föhn etwas außen anwärmen. Dann lassen sich sie Mandelhobel einfach aufstecken. Ansonsten kann es sein, dass die Schokomasse zu hart ist und die Mandelhobel nicht kleben oder beim Einstecken zerbrechen.
Nur heile Mandelhobelstücke verwenden. Gesteckt werden die Hobel von der Spitze der Zapfen in Richtung Basis und am besten immer versetzt, so wie eben echte Zapfen ihre Segmente auch angeordnet haben. Wenn das geschafft ist, darf der fertige Zapfen im Kühlen wieder aushärten. Mit einen breiten Messer oder Tortenheber kann man ihm von der Arbeitsunterlage auf den Kuchen setzten. Die Zapfen sind im gekülten Zustand stabiler als sie aussehen.

Zutaten für den Baumkuchen

  • 10 Eier, getrennt
  • 75 g Speisestärke
  • 1 Prise Salz
  • 130 g Mehl
  • 200 g Butter
  • 1/2 TL Orangenschalenabrieb
  • 1 Päckchen Vanillezucker (oder 1 EL selbstgemachter Vanillezucker, siehe unten)
  • 200 g Zucker
  • Schokoladenglasur

Zubereitung des Baumkuchens:

Die Eigelbe mit dem Zucker, dem Vanillezucker und dem Orangenschalenabrieb schön weißschaumig rühren. In einer zweiten Schüffel die Butter schaumig schlagen und das Mehl und dieStärke obendraufsieben und unterrühren.  In einer dritten Schüssel die Eiweiße mit dem Salz sehr steif schlagen. Nun die Eigelbmasse mit der Butter-Mehl-Masse verrühren und den Eischnee vorsichtig unterheben.
Eine Springform buttern oder mit Backpapier auslegen und eine Schöpfkelle voll Teig auf dem Boden verteilen, so dass dieser grade bedeckt ist. Im vorgeheizten Umluft-Ofen bei 175 Grad 4 Minuten backen. Dann die nächste Schicht auf den gebackenen Boden geben, glattstreichen und wieder für 4 Minuten backen. Das ganze so lange wiederholen bis der Teig verbraucht ist. Bei mir sind das in einer 26er-Springform 10 Schichten geworden. Man steht also 40 Minuten am Ofen und backt so vor sich hin.
Ist der Kuchen ausgekühlt, holt man ihn aus der Form und glasiert ihn mit Schokoladenglasur, je nach Vorliebe in Vollmilch oder Zartbitter. Ist die Glasur kalt, aber noch nicht hart, kommen die Zapfen auf den Kuchen. Sie nicht erst auf die ausgehärtete Glasur zu plazieren hat den Vorteil, dass sie sich noch ein Bisschen schieben lassen und nach dem Hartwerden der Glasur so am Kuchen fixiert sind, dass sie beim Schneiden nicht wegrutschen.
Als "Äste" hab ich noch ein paar Pistazien über den Kuchen gestreut. Denkabr sind dafür auch die im Handel erhältchen Borkenschokolade-Stückchen. Verkünsteln kann man sich hier bis zum Maximum :)

Das Anschneiden dieses Kuchens hat schon Überwindung gekostet.


Vanillezucker selber machen

Allein in diesem Rezept sind 2 Vanilleschoten zum Einsatz gekommen. Viel zu schade die Schoten jener kostbaren Orchidee nach dem Auskratzen der Samen einfach wegzuwerfen. Packt die ausgekratzen Schoten doch einfach in ein 250 ml Glas mit Deckel und schüttet das voll mit Zucker. In den nächsten 2 Wochen immer mal wieder durchschütteln. Schon habt ihr herlich duftenden Vanillezucker ohne künstliches Aroma. Die Schoten können sogar noch ein zweites Mal zum Einsatz kommen oder bleiben einfach im Zuckerglas. Auch sehr lecker: Eine Bio-Vanille-Schote in eine Teekanne und mit Schwarztee (oder Grüntee) aufgießen. Nach 3-5 Min habt ihr einen selbstgemachten Vanilletee. Süßen ganz klar, wenn überhaupt, nur mit selbstgemachtem Vanillezucker . Und dazu ein Stück Baumkuchen....:)

Dienstag, 2. Dezember 2014

Muggefug Variante 2 - der Eichelkaffee

Eichelkaffee gehört zu den Klassikern der Wildnisküche. Und tatsächlich: Er ist trinkbar. Bei ihm verhält sich das ein wenig anders als beim  Löwenzahnwurzelkaffee denn er sieht in keinster Weise aus, wie Kaffee und schmeckt tut er auch nicht danach.  Eichelkaffee verdient eher den Namen "Eicheltee" und diesen würde ich auch nicht als Kaffee-Ersatz trinken, sondern ihn eben bewusst als Eicheltee genießen.
Eichelkaffee wird immer mal wieder als alternative zu Kaffee-Ersatz angeführt. Tatsächlich sieht er
anders aus und schmeckt auch anders. Muggefug ist eben nicht gleich Muggefug.

Wie schmeckt Eichelkaffee und kann man ihn trinken?

Ohne Milch sieht Eichelkaffee aus, wie Tee. Dem Geschmack
nach passt die Bezeichnugn "Tee" auch besser.
Eichelkaffee schmeckt ein wenig herb mit der feinen, würzigen Note der Eichel. Es ist ein ganz eigener Geschmack: Eine Mischung aus Karamell und Wald, erdig und gleichzeitig lieblich, herb und gleichzeitig süßlich und das ganze sehr dezent. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man den Geschmack so beschreibt.  Aber eben weil das so ungewöhnlich ist, kann man ihn, wie ich finde,  nicht zum Dauergetränk machen. Es bleibt etwas besonderes, schon allein weil seine Herstellung Zeit und Geduld erfordert.
Hat man die Eicheln  nicht lange genug vorher gewässert, dann kommt noch der leicht abstringierende Geschmack der Gerbstoffe zum Tragen. Das heißt, dass sich die Backen beim Trinken nach Innen ziehen werden und man ein wenig das Gefühl hat zu einem Schrumpfkopf zu mutieren.  Um auch den letzen Gerbstoffen den Garaus zu machen, empfiehlt es sich sehr, etwas Milch in den Eichelkaffee zu geben. Leicht gesüßt kann man ihn so relativ gut trinken. Dennoch reicht es mir voll und ganz einmalig im Jahr etwas Eichelkaffee in einer Thermoskanne abgefüllt mit in den Wald zu nehmen (z.B. bei meiner zweiten Eichel-Sammeltour im Herbst), mich unter eine Eiche zu setzen, imaginär mit ihr auf ihre Früchte anzustoßen und dann ein Tässchen zu genießen. Mehr Eichelkaffee brauche ich im Jahr nicht - so grandios ist der Geschmack nun auch wieder nicht. Dennoch zelebriere ich das gerne in der eben beschriebenen Weise. Für mich ist das mein "Herbstritual". Eine Thermoskanne Eichelkaffee ist somit mein Jahresverbrauch und befriedigt mein Bedürfnis etwas Besonderes aus der Natur konsumiert zu haben, sehr. Immerhin - eine Thermoskanne voll Kaffee aus Übersee ist somit eingespart.

Wie stellt man Eichelkaffee her?

Die gewässerten, dann gerösteten Eicheln
werden in einer Kaffeemühle feingemahlen.
Die besten Eicheln sind die etwas oval-länglichen Früchte, der Stiel- oder Traubeneichen. Beide lassen sich viel besser schälen, als die kugeligen Eicheln der Roteiche.
Das fertige Eichelkaffee-Pulver erinnert ein Bisschen an
gemahlene Mandeln.
Um sich das mühevolle Schälen roher Eicheln zu ersparen, kann man die Früchte für 10-20 Min bei 180 Grad im Ofen rösten. Dabei platzen sie auf und mit einen Spitzen Messer sind die Eicheln recht schnell geschält. Anschließend schneidet man sie in kleine Stücke und wässert sie. Dafür kommen die Eichelstücke 2 Tage in eine Schale mit Wasser, das man täglich zweimal wechselt. Wenn das Wasser klar bleibt, werden die Eichelstücke noch einmal bei 180 Grad für 10-20 Min hellbraun geröstet. Wer mag, kann das auch in einer beschichteten Pfanne oder über dem Lagerfeuer tun. Die so vorbereiteten Eicheln werden in einer Kaffeemühle zu Pulver vermahlen. Für den Kaffee aus Eichlen empfehlen sich 2 gehäufte Teelöffeln pro Tasse. Dafür den Eicheltee in der Kaffeemaschine oder im Kaffeebereiter wie gewohnt zubereiten. Wer beides nicht hat, kann das Eichelpulver auch einfach einige Minuten im heißen Wasser ziehen lassen und dann durch ein feines Sieb oder einen Kaffefilter filtern.

Lohnt sich die Mühe?

Na ja. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, auch wenn andere Stimmen etwas anderes sagen und den Eichelkaffee in den Himmel loben. Haferschleim ist bekanntlich auch sehr bekömmlich, aber essen tue ich ihn deswegen dennoch nicht gern. Eicheltee, und so muss man wirklich zum Eichelkaffee sagen,  ist einfach ein recht aufwändig herzustellendes Getränk für einen Geschmack, der ungewöhnlich ist, aber nicht unbedingt der Lobpreisungen würdig ist, die er so genießt.  Wahrscheinlich freuen sich die Leute, die Eichelkaffee hergestellt haben einfach, dass sie diese langwierige Prozedur zelebriert haben udn endlich, endlich zum Trinken kommen. Da will man sich auch nicht unbedingt eingestehen, dass das Gebräu nun nicht so tolle ist und erstrech nicht unbedingt alltagstauglich ist. Belassen wir es bei der Freude über jenes eine Tässchen Eichelkaffee als "Herbstzelebrationsgetränk". Es ist wesentlich einfacher ein paar Wildkräuter von der Wiese mit heißem Wasser zu übergießen und so einen "richtigen" Tee herzustellen, als Eicheln zu pulen, zu zerschneiden, zu rösten, zu mahlen und aufzugießen. Ich hab die Wildkräuterrei gern einfach und wenn da schon viel Mühe drin steckt, dann muss mich das Ergebnis auch überzeugen. Eichelkaffee reißt mich nicht wirklich vom Hocker, da gibt es andere Rezepte mit Eicheln, die viel besser sind! Dennoch gehört er für mich sozusagen als herbstliches "Kultgetränk" wenigstens bei einem Streifzug durch die Wälder einfach mit ins Marschgepäck.




Montag, 1. Dezember 2014

Was kann man aus Rosskastanien noch machen? Wie wäre es mit Flüssigseife?

Geht das? Waschmittel aus Kastanien? Gemeint sind die Roßkastanien, nicht die Esskastanien und die Antwort ist eindeutig: ja! Der eine oder andere hat sich im Herbst bestimmt schon gefragt, was man denn mit Kastanien sonst noch so anstellen kann, als nur lustige, kleine Männchen daraus zu basteln. Nun, Letzteres tue ich auch, aber die Rosskastanie kann noch mehr, z.B. die eigenen lustigen, kleine  Männchen (Kinder!) reinigen.

Aus Rosskastaien lassen sich lustige Männchen bastelen...oder die eigenen Männchen damit waschen.

Es gibt immer mal wieder den Hinweis, dass sich auch Roßkastanien essen lassen, sofern man sie dann nur gründlich genug wässert, um ihnen die Gerbstoffe und die Saponine zu entziehen. Moment mal! Saponine? Bei Saponinen werde ich aufmerksam, denn das sind natürliche "Seifenstoffe". Mancher Naturkundige kennt sie aus dem Seifenkraut. Aber, soviel kann ich vorneweg sagen: Kastanie reinigen viel besser!

Um aus Kastanien die Seifenstoffe zu gewinnen, müssen die Füchte erst einmal geschält werden. Das ist der mühsamste Teil.

Zeit also für einen neuen Selbstversuch, dieses Mal in drei Varianten. Für alle drei Versionen werden Roßkastanien  gesammelt und geschält. Das Schälen geht mit einen spitzen Messer und mit frischen Kastanien ganz gut, bereitet aber dennoch einige Mühe und braucht etwas Geduld. Zugegeben, der letzte Versuch mit der Waschmaschine ist nicht vergleichbar, aber das hole ich nächstes Jahr nach. Ich muss nur noch viel mehr Rosskastanien sammeln.

Flüssigseife aus Rosskastanien

Los geht`s: Die geschälten Kastanien werden grob gehackt, in ein Glas mit Schreubverschluss gefüllt und mit etwa der doppelten Menge Wasser übergossen. Nach einigen Stunden verfärbt sich das Wasser gelb. Nun kann man das Glas kräftig schütteln und man sieht, dass sich ordendlich Schaum an der Wasseroberfläche bildet - Seifenschaum! Der ist viel cremiger als der im Badewasser! Herrlich. Das Seifenwasser lässt sich nun durch ein Sieb gießen und in Flaschen abfüllen. Im Kühlschrank hält sich dieses Wasser etwa eine Woche. Es lässt sich wie eine Waschlotion verwenden und ist ultramild. Nur in die Augen sollte man es nicht bekommen, da dies eben ein Naturprodukt one Konservierungsstoffe ist. Für Babypopos oder zarte Hände ist es aber wunderbar.

Füllt man Kastanienstückchen mit Wasser in ein Schraubglas, wartet einige Stunden und schütteln dann kräftig, entsteht ein richtig schöner Seifenschaum.
Fazit: Dies ist ein tolles Handwaschmittel. Das Kastanienwasser lässt die Haut super samtig werden, das bekommt keine künstliche Seife hin. Der Duft ist sehr dezent herb-würzig. Riechen tut es von Natur aus also auch nicht schlecht
Kastanienwasser eignet sich aber auch zum Reinigen im Haushalt, sollte aber bei Stoffen, da das Seifenwasser leicht gelbstichig ist, vorher an einer unauffälligen Stelle getestet werden. Für Tische oder andere glatte Fläschen ist es toll, aber eben kein aggressives Reinigungsmittel, eher ein Pflegemittel mit Reinigungseigenschaften.

Handwaschbällchen für den Garten aus Kastanien

Im Hintergrund das Glas mit der gelbstichigen "Flüssigseife,"
im Vordergund ddas grobe Kastanienmehl zu zwei Hand-
waschbällchen geknetet.






Hierfür müssen die Kastanien so kleine geschnitten werden wie möglich. Wer will kann sie auch im Blitzhacker zerhacken. Die noch feuchten Kastanienstücke werden zu kleinen Bällchen zusammengedrückt und getrocknet. Die "Waschbällchen" halten sich an einen trockenen Ort mehrere Wochen.

Fazit: Werden die Hände unter Wasser mit den Bällchen abgerieben zerfallen diese und es entsteht ein Peelingeffekt. Das eignet sich besonders für sehr verdeckte Gartenhände. Auch hier wird die Haut weich. Allerdings sollten die Waschbällchen im Freien verwendet werden, da die Kastanienstücke sonst im Siphon vor sich hingammeln. Im Garten unter dem Wasserschlauch sind sie aber unschlagbar, da sie ein 100%iges Naturprodukt sind, dass auch zu 100% biologisch abbaubar und kompostierbar ist. In meinem Gartenhäuschen lagern neben der Gießkanne somit zukünftig immer einige Kastanienwaschbällchen, solange der Vorrat reicht.



Kastanien in der Waschmaschine

Die verschlammten Turnschuh wurden zu
Testzwecken mit einem Waschsäckchen voller
Kastanienstücke in der Waschmaschine
gewaschen.
Die kleingeschnittenen Kastanien werden in einen Leinenstoff, Organza oder ein anderes luftiges Geweben eingenäht und zusammen mit der Wäsche in die Waschmaschine gegeben.

Fazit: Hier ist noch ein wenig mit der Dosis zu experimtierten. An ein richtiges Waschmittel kommt die Kastanie in meinem Versuch nicht heran. An den Schuhen blieb noch etwas Schmutz, allerdings muss ich dazu sagen. war ich von der Weichheit des Schuhoberleders nach dem Waschen begeistert. Anders als ander Waschmittel, die Leder hart werden lassen, war hier der Schuh auch nach dem Trocknen butterweich und geschmeidig. Um bei weißen Stoffen ein Vergilben zu vermeiden, sollte der Beutel mit den Kastanien vor dem Nachspühlprogramm entfernt werden. Der ganz leichte Gelbstich ist nicht dauerhaft und lässt sich mit reinem Wasser super einfach entfernen. Wer also weiße Wäsche mit Kastanien säubert, sollte auf jeden Fall nachspühlen. Bei bunter Wäsche fällt das nicht auf.

Taugen Rosskastanien zum Reinigen? Mein Fazit aus den Waschversuchen

Überzeugt haben mich die Flüssig-Seife und die Handwaschbällchen. Solange es frische Kastanien gibt, werde ich daraus auch Seifenwasser herstellen und dies als Seifenersatz zum Händewaschen verwenden. Die Reinigungswirkung ist toll, die Pflegewirkung noch besser. Auch mein alter Eichentisch mit seiner unbehandelten Holzoberfläche freut sich über die Reinigung mit dem pflegenden Seifenwasser. Da man hier die Kastanien nur grob hacken braucht und das Einweichen der Schnitzel nicht wirklich Mühe macht, ist der Aufwand für die Herstellung ein nettes Hobby für den Herbst. Nächstes Jahr werde ich versuchen etwas Seifenwasser in Eiswürfel zu portionieren, vielleicht hab ich ja so ein ganzjähriges Pflegemittel für meinen Schreibtisch.
Die Waschbällchen sind prima für den Garten, in ihrer Herstellung aber schon etwas auswändiger. Presst man sie nicht gut zusammen, zerfallen sie auch sehr schnell. Das tut der Waschleistung nicht wirklich schaden. Hier wäre es auch denkbar, Rosskastanienmehl herzustellen und in eine verschraubbare Dose abzufüllen und diese als Handwaschpaste für den Garten zu verwenden. Allerdings: Ich habe etwa 3 Mal versucht eine brauchbare Menge Kastanienmehl zu gewinnen, und jedes mal ist es mir binnen 2 Tagen aufgrund der schlechten Wetterlage verschimmelt. Ich bin kein Fan von "Ofentrocknungen". Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht, und grade wenn ich Naturprodukte herstelle, möchte ich dafür eigentlich so viel unnötigen Energieverbrauch vermeiden, wie möglich. Bei mir muss das Kastanienmehl also in der Sonne trocken :). Hier muss man noch etwas experimentieren. Ich freu mich auf den nächsten Herbst.
Am schlechtesten vom Arbeitsaufwand zum Ergebnis abgeschnitten, hat der Versuch mit der Waschmaschine. Ich bin aber auch kein großer Näher, weshalb mir das Einnähen fast noch mehr Mühe bereitet als das Schälen der Kastanien. Ich habe den Test nur mit alten Turnschuhen und ein paar aleten Küchentüchern gemacht, dennoch denke ich, dass ich die Menge der Kastanien (es war etwa eine Handvoll) für eine Waschmaschinenladung hätte verdoppeln müssen. Ich werde auch diesen Test im nächsten Jahr wiederholen und auch noch ein wenig mit Weißwäsche herumprobieren. Ein rein-weißes Tuch hatte ich testweise mit der Flüssigseife per Hand gewaschen und war nach dem Nachspülen eigentlich zufrieden. In der Waschmaschine müsste man aber eine Vergleichswaschung vornehmen, um überhaupt ein aussagefähiges Ergebnis zur Waschleisung zu haben. Ich vermute mal, die Waschwirkung wird an die von Waschnüssen locker herankommen. Immerhin wären Kastanien ein einheimisches, sehr regionales Produkt, im vergleich zu den importierten Wäschnüssen.

Kann man Rosskastanien essen?

Nach diesem seifigen Versuch sitze ich ein wenig stutzig vor den Rosskastanien und frage mich, ob ich es wirklich versuchen soll, diese natürliche Seife irgendwann mal zu essen. Wie lange muss man die Kastanienstückchen wohl wässern, bis ihnen alle Saponine und Gerbstoffe entzogen sind? Dem experimentierfreudigen Naturköstler stellen sich immer mal wieder Fragen, bei denen verwundert die Augenbrauen nach oben zucken. Im nächsten Herbst gibt es mal wieder genug für mich zu tun.