Montag, 3. Juli 2017

Mädesüß-Tarte zum Blogevent "Kräuter machen Laune" von Talu

Mädesüß-Blüten als Aromageber der Tarte - da machen Kräuter Laune.
Mal wieder ein guter Grund zu bloggen:  Dieser Beitrag ist dem Kräuter-Wettbewerb "Kräuter machen Laune" von Talu gewidmet, einen neuen Portal, bei dem sich auch Kräuterfans sicher wohlfühlen werden. Klar suche ich mir für so einen Beitrag weder Schnittlauch noch Petersilie aus, und auch wer glaubt, dass ich nun zu Brennnesseln und Giersch greife, wird sich wundern. Es ist Mädesüß-Zeit! Also zielt mein Beitrag eher auf die Dessert- und Kuchenfraktion unter euch ab. Was habe ich davon? Eine Mädesüß-Tarte! Lecker. Und natürlich schiele ich ein wenig auf den Publikumspreis - eine Gewürzmühlenset. Ich bin ja bescheiden. Doch das habe ich nicht in der Hand, sondern ihr!

Mürbeteig mit einer Quark-Ei-Nuss-Füllung und dem Geschmack von Honig und Mädesüß.
Als Bestäubung wurden kalorienarm einfach ein paar Mädesüßblüten über die Tarte geschüttelt.
Sieht ein wenig aus wie eine Fleischpastete mit Faschings-Konfetti...schmeckt aber ganz anders ;)

Doch erst die Arbeit und das Vergnügen. Mädesüß! Das findet ihr aktuell an Wasserläufen und kleinen Bächen. Mädesüß gehört zur Hochstaudenflur, zusammen mit Blutweiderich und einigen anderen sehr köstlichen, wilden Vertretern der einheimischen Flora. Zu erkennen ist es wirklich leicht, an seinen wie gelblich-weiße Wolken aussehenden Blütenständen, die nach Zahnpasta oder Kaugummi duften - die Salicylsäure machst möglich. Davon sammelt ihr ein Stäußchen. Sammelt gleich ein wenig mehr und trocknet  die Blüten: Sie sind ein super Teebestandteil und wirken bei Erkältungen mit Kopfschmerzen und Fieber und schmecken auch noch, wie sie riechen.

Sieht mehr aus, als es ist: Die Zutaten für die Tarte. Optional ist Marmelade zum Bestreichen.

Zutaten und Zubereitung der Mädesüß-Tarte 

Butter -  bei 40 Grad Außentemperatur lassen wir  
die einfach in der Sonne schmelzen.

Für den Teig (ein klassischer Mürbeteig tut es auch):

  • 250 g Mehl
  • 80 g Zucker
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 150 g Butter

Für die Füllung:

Mädesüß - eine Handvoll großer Stauß ergibt....
  • 3 Eier
  • 50 g Butter
  • 250 g Quark (abtropfen lassen)
  • 100 g gemahlenen Haselnüsse oder Mandeln
  • 80 g Honig 
  • 1 kleine Bio-Orange
  • 1 Strauß (etwa 15 Stängel) Mädesüßblüten
  • 3 EL Gelee (z.B.  Johannisbeergelee oder Orangenmarmelade oder einfach  Honig) 

Zubereitung der Tarte:

...entweder gezupft oder mit der Kräuterschere geschnitten...
Für den Teig Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Vertiefung drücken und die Butter in Flöckchen hineingeben, ebenso Zucker, Vanillezucker, Salz und das Ei. Schnell zu einen Knetteig kneten und mindestens 30 min kühl stellen. Anschließend ausrollen und ein Tarteform damit auskleiden. Die mit Teig ausgekleidete Backform ins Eisfach stellen und sich derweil um die Mädesüßblüten kümmern.
...eine Handvoll Mädesüßblüten, fertig zur Verarbeitung.
 ...und derweil ist auch die Butter umweltfreundlich und
energieeffizient in der Sonne  geschmolzen.
Für die Füllung die Mädesüßblüten von den Blütenstielen zupfen  und kleinschneiden (oder wer eine komfortable Kräuterschere hat, kann die Blüten direkt von den Blütenstielen schneiden - mein Dank für diese Schere geht an Talu! Zukünftig verwerte ich wohl die doppelte Menge Wildkräuter in der Hälfte der Zeit :-)). Butter schmelzen und die Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen. Butter, Quark, Nüsse, Honig und den Abrieb der Orange und den Saft einer halben Orange miteinander verrühren. Dann das steife Eiweiß und die Mädesüßblüten unterheben und die Füllung in die Form füllen. Ab in den Ofen: bei 200 Grad Umluft muss man sich noch 25 min gedulden. Am letzten Drittel der Backzeit ein Auge aus das Backwerk haben und wenn es zu dunkel wird, mit Alufolie abdecken. Noch heiß mit dem Gelee bepinseln, abkühlen lassen und erst dann aus der Form lösen.

Was ist eigentlich ein "Kraut"?

Eine unkonventionelle Backform: zusammengetackertes
Backpapier. Meine Tarteform ist
runtergefallen und zerbrochen.
Eiweiß und Mädesüßblüten kommen nun in die Füllung,
werden aber lediglich untergehoben und nicht gerührt.
Das sieht nun nicht so spannend aus: Die Mädesüß-Tarte
vor ihrem Besuch im Ofen.
Wie gewohnt gibt es zum Rezept noch ein wenig botanisches Geplauder dazu. Dieses Mal fiel mein Blick auf meinem Tisch immer wieder auf das Holzschild: "Ich liebe Kräuter".  Wirklich nur Kräuter? Was genau ist das eigentlich, ein Kraut? Macht sich darüber noch jemand anderes Gedanken, außer  eine UnKRAUT liebende Botanikerin?
Ein Kraut ist botanisch nämlich genau definiert. Es handelt sich um eine nicht verholzende Pflanze, die nach der Blüte und der Ausbreitung ihrer Samen abstirbt oder sich zumindest  ins Erdreich zurückzieht. Im Winter sieht man von ihr also entweder gar nichts, oder lediglich die letzten Reste ihrer Stängel aus der Erde ragen. Aha! Klingt einfach. Was ist mit den mehrjährigen Kräutern? Schaut man genauer hin, ist das auch erst mal keine komplizierte Sache, noch nicht mal bei der zweijährigen Nachtkerze. Diese wächst im ersten Jahr als grüne Bodenrosette, zieht sich im Winter ins Erdreich zurückziehen und im Folgejahr treibt sie kräftig aus, bekommen Blüten, Samen und dann stirbt sie artig getreu der Definition ab. Passt. Gelegentlich gibt es Kräuter, deren grüne Stängel dank milder Winter erhalten bleiben und dann mehrere Jahre in Folge wieder austreiben. Bei meiner Malven kann ich das jedes Jahr beobachten, aber nur, wenn ich sie nicht niedersense. Solche "Ausreißer" schulden wir mitunter auch dem Klimawandel. Verholzen tun die Stängel der Malve dabei aber auch nur partiell, weshalb wir hier ein Auge zudrücken können. Soweit so gut. Nun schauen wir in die Küche und schon wird es mächtig kompliziert. Von wegen Küchen"kräuter"...
Denken wir an Rosmarin, Thymian und Lavendel. Nein, diese Gewächse bitte nicht als junge Pflanzen vorstellen, sondern als schöne große Exemplare in der spanischen Macchia oder wie man sie in wirklich guten Gärtnereien bekommen. Manche dieser Pflanzen sind mitunter mehrere Jahrzehnte alt und haben schon einen richtigen kleinen Stamm. Stamm? Das, woran ihr nun denkt, ist richtig. Ich seid sozusagen auf dem sprichwörtlichen Holzweg, der aber kein Holzweg im sprichwörtlichen Sinn ist. Denn Stämme sind tatsächlich immer verholzt. Streng genommen müsste man Rosmarin und Co.  deshalb zu den Büschen zählen, nicht zu den Kräutern. Selbst Basilikum verholzt, wenn man aus ihm einen richtigen Busch zieht. Diese kulinarischen Vertreter des Mittelmeerraumes sterben auch nicht nach der Blüte ab und ziehen sich im Winter auch nicht ins Erdreich zurück. Damit sind sie botanisch betrachtet also keine Kräuter, sondern Büsche. Aber "Küchenbusch"  hat sich nicht durchgesetzt, was wohl daran lag, das ältere, heimische  Küchenkräuter wie Anis, Fenchel und Kümmel sich tatsächlich nach Kräuterdefinition verhalten und den Begriff Küchenkräuter längst geprägt hatten, bevor das mediterane Buschwerk unsere Küchenschränke infiltierte. Doch wen stört´s? Den Geschmack  nicht - höchstens den definitionsbesessenen Botaniker und der lässt sich mit Baldrian (ja ein echtes Kraut) besänftigen. Na, mit der Störung kann ich leben.

Mädesüß - ein Kraut das Laune die Stimmung wirklich hebt,
denn die Salicylsäure vertreibt Kopfschmerzen.

Blühende Kräuter - Mädesüß ist Inspiration pur

Auch wenn man bei "Kräuter" immer erst mal an "Grünzeug" denkt (mir geht es da nicht anders), verbirgt sich hinter so einen einfachen Begriff zusätzlich eine riesige, bunte, florale Welt - immerhin gehören dazu auch die vielen, schönen Kräutern mit ihren essbaren Blüten, wie etwa die Taglilien, Kapuzinerkresse, Stiefmütterchen und viele weitere. Das Mädesüß ist aus meiner Sicht eines der spannensten Wildkräutern für die Küche, die mich mit ihrem lieblichen und ungewöhnlichem Aroma jedes Jahr aufs Neue inspiriert, die Kochbücher zu verlassen und einfach darauf los zu kochen. Leider findet es bislang ein eher stiefmütterliches Dasein in den Küchen, auch wenn es seid vielen Jahrhunderten einen festen Platz in den Apotheken und Arzneien der Naturheilkundigen hat. Es wird Zeit, dass das Mädesüß, wie der Bärlauch es seid einigen Jahren auch erfährt, eine Küchen-Renaissance erlebt. Vielleicht ist dieses Rezept ja ein Anreiz, sich in neues Gebiet zu wagen. Irgendwo in diesem Blog habe ich noch einige weitere Mädesüß-Rezepte, etwa den Mädesüß-Pudding. Einfach mal im Rezept-Register gucken und inspirieren lassen. Kräuter und Büsche machen nämlich mächtig Laune ;)

Und nun seid ihr gefragt: Talu-Publikumspreis

Wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dann freue ich mich, wenn ihr beim Publikumspreis von  Talu mitmacht und für die Mädesüß-Tarte stimmt. :)


Meine Tarte ist ein Tick  zu dunkel geworden. Ah. Zwei Minuten zu lang gewartet.
Vorführeffekt. Tut dem Geschmack aber keinen Abbruch und lässt sich an der
Kaffeetafel mit Puderzucker, Schlagsahne kaschieren. Lecker ist sie trotzdem.

Sahne ist dazu köstlich. Aber an den weißen Blütentuffs darf sich erst einmal das Auge satt essen.
Mein Dank geht an Talu für die Kräuterschere, das nette Brettchen und den Block -
und natürlich für die Einladung zum Kräuter-Wettbewerb.

Als Tipp von meinen Männern: Esst die Tarte warm mit einer Kugel Vanilleeis.
Viel Spaß beim Nachbacken.

Samstag, 13. Mai 2017

Wiesensalbei im Ausbackteig mit Wiesensalbeiblüten-Quark

Beim Spaziergang leuchtete es mich wie eine Leuchtreklame an: "Iss mich" - der Wiesensalbei blüht im prächtigsten Blau-Violett. Zehn Stängel sind schnell gepflückt. Mehr Pflanzenmaterial braucht es auch nicht, um eine Vorspeise oder ein Abendessen für drei bis vier Personen zu kreieren, das mal wieder jedes Butterbrot in den Schatten stellt: Wiesensalbei in Ausbackteig mit Wiesenblütensalbei-Quark.

Wiesensalbeiblätter schmecken längst nicht so intensiv nach Salbei, wie der Name vermuten lässt.
Lecker sind sie dennoch, vor allem im Ausbackteig.
Oh! Essen und so viel davon auf einmal :D. Wiesensalbei riecht vielleicht nicht wirklich gut,
aber das spezielle Bukett geht nicht in den Geschmack über. Außerdem: Optisch macht der
Wiesensalbei richtig was her.

Ausbackteig für die Wiesensalbei-Blätter:

Wiesensalbei - ein Wildkraut für die Küche.
  • 1 Tasse Mehl
  • 1/2 Tasse Milch
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
dazu:
  • 10 schöne, mittelgroße Wiesensalbeiblätter 
  • Öl zum Ausbacken

Aus Mehl, Milch, Ei und Salz einen Ausbackteig bereiten, der weder zu dünnflüssig ist, noch zu fest. Die Wiesensalbeiblätter waschen, abtrocknen und durch den Ausbackteig ziehen und goldbraun mit etwas Öl backen.

 

Blätter und Blüten gehen jetzt erst mal getrennte Wege. Die
Blüten wandern in den Quark, die Blätter ins Teigbad.

Quark für die Wiesensalbeiblüten:

  • 250 g Quark
  • etwas Mineralwasser
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • Blüten von etwa 5-10 Wiesensalbei-Pflanzen
  • Salz, Pfeffer
Die Blüten von den Kelchen zupfen, die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Den Quark mit Mineralwasser cremig rühren, die Zwiebeln und Blüten unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Tipp:

Wer möchte kann noch ein oder zwei Salbei-Blätter zufügen, da der Wiesensalbei zur Blütezeit längst an Geschmack verloren hat, aber das hatten wir
bei der Knoblauchsraukenpesto-Rose schon. Es sind wohl auch zur Blütezeit immer noch  mehr Inhaltsstoffe in den Wiesensalbeiblättern - und den Blüten, als in einen konventionellen Eisbergsalatblatt.

Was für eine Farbe! Wiesensalbeiblüten sind eine Pracht, aber gleich....

...sieht man sie im verrührten Quark nicht mehr. Daher lohnt es sich ein paar Blüten für die
Dekoration zurück zu behalten.
Schlagbaum-Mechanismus bei der Bestäubung durch Hummeln....was einer Biologin eben so
durch den Kopf geht, während sie die Blüten abzupft. Der dunklere Kelch kann man zwar
mitessen, aber da er schon ziemlich zäh ist, muss man gut kauen. Es macht also nichts
wenn der eine oder andere kleine Blütenkelch im Quark landet. In den Samenanlagen  - das wissen
wir ja nun - wandern aktuell die meisten Inhaltsstoffe.
Mitessen kann in diese Fall also nur gesund sein.
Wiesensalbeiblätter in Ausbackteig mit Wiesensalbeiblüten-Quark - ein echtes Essen von der Wiese.
Allen Mütten und ihren Familien wünsche ich Morgen einen wunderschönen Muttertag. :)

Donnerstag, 4. Mai 2017

Heferose mit Knoblauchsrauken-Pesto

Mal wieder Unkraut essen und promt versalze ich doch das Knoblauchsrauken-Pesto. Küchenunfälle passieren gelegentlich. Für ungesalzene, gekochte Nudeln taugt das Pesto zwar wunderbar, nur dummer Weise hatte ich über einen halben Liter Pesto versalzen. Was nun? So viele Nudeln kann man ja gar nicht mit Pesto essen. Doch all die schöne verarbeitete Knoblauchsrauke wegzuwerfen, wegen einen Löffel Salz?  Außerdem lässt sich Salz an andrer Stelle sparen, wenn man selber backt. Ein salzfreier Hefeteig ist schnell gemacht und schon hat man wieder ein neues Rezept....oder ein altes, nur den Bedürfnissen angepasst.

Ein simpler Hefeteig - aufgewertet mit Pesto aus Knoblauchsrauke und nett zurechtgeschnitten:
Unkrautküche kann so einfach und lecker sein.

 

Zutaten für die Heferose mit Knoblauchsrauken-Pesto

Pesto von der Knoblauchsrauke -
nicht schlimm wenn es mal
zu salzig wurde. In diesem Rezept
findet sie ihren Platz.
  • 200 g Pesto von der Knoblauchsrauke (auch das versalze)
  • 500 g Mehl
  • 1 Päckchen Trockenbackhefe
  • 300 ml warmes Wasser
  • 1 TL Salz (oder 2 TL, sollte das Pesto nicht versalzen sein)
  • optional: 125 g Schinken 




Zubereitung

Hefeteig ausrollen und mit Pesto besreichen.
Schickenwürfel kann man optional zufügen.
Mehl mit Hefe, Salz  und Wasser zu einem Hefeteig verkneten. Der Teig sollte nicht mehr kleben. Wenn nötig, noch etwas Mehl zufügen. Zugedeckt an einen warmen Ort aufs doppelte Volumen aufgehen lassen. Dann noch einmal kurz durchkneten, zu einen Rechteck ausrollen, mit Pesto bestreichen und wer möchte, fügt noch gewürfelten Schinken hinzu. Das Rechteck von der schmalen Seite her aufrollen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und zu einen Kreis winden. Diesen im Abstand von etwa 3 cm  Breite etwa zu 4/3 einschneiden, so dass die Stücke in der Mitte alle noch miteinander verbunden sind (siehe Bild unten). Dann die einzelnen Stück zur Seite kippen und noch mal 30 min gehen lassen. Den Kranz mit Olivenöl bestreichen (ich hab das dieses Mal nicht gemacht) und im vorgeheiztem Backofen bei 220 Grad 20 min goldbraun backen.

So ungebacken sieht er noch nicht wirklich lecker aus....
...nach 20 min im Ofen macht der Knoblauhcsrauken-Pesto-Kranz eine viel besserer Figur -
jedenfalls auf dem Tisch...vom Kaloriengehalt sprechen wir besser nicht.

 

Variationsmöglichkeiten ohne Ende

Natürlich lässt sich statt eines einzigen Kranzes auch einzelnen Schnecken aus der Teigrolle schneiden, die Schnecken als Rose in Muffinförmchen backen, zu mit Pesto gefüllten Taschen verarbeiten usw. Einzig die Backzeit muss dann etwas angepasst werden, da kleine Stücke deutlich schneller gut sind.
Man kann noch gehackte Nüsse, Brennesselsamen oder Emmentaler Käse zufügen, den Kranz mit Käse überbacken, nach dem Backen mit einer Knoblauchzehe abreiben, Knoblauch unter das Pesto mischen oder Giersch :). Wer keine Knoblauchsrauke hat, macht das Pesto mit Brennnesseln und  mörsert eine Knoblauchzehe darunter. Wer auf den würzigen Geschmack von Giesch gekommen ist, der verwendet hier Gierschpesto - das behält beim Backen auch weitgehend das Aroma bei.  Giersch ist ohnehin ein super Würzkraut. Wildkräuter sind unverwüstlich und machen ziemlich viel in der Küche mit. Es ist also alles kein Hexenwerk. Nur Mut.
Das Auge isst mit: So eine Heferose macht sich auf jedem Grillfest gut. Mit Knoblauchstrauke ist sie
dann auch ein echtes Wildkräuter-Highlight.

Ist Knoblauchsrauke zur oder nach der Blüte auch noch essbar?

Immer wieder werde ich gefragt, ob man Knoblauchsrauke auch zur Blütezeit oder danach noch verwenden kann. Dann kommt jenes berühmte "ja, aber". Vorneweg:  Ja! Knoblauchsrauke kann man wie Bärlauch auch auch zur oder nach der Blüte noch essen - ABER: ein Großteils des Geschmacks ost dann weg, denn mit der Blüte fließen die  Inhaltsstoffe der Pflanze in die Blüte und die darin in  Entwicklung befindlichen Samenanlagen. Die Blätter haben zu diesem Zeitpunkt ihre Schuldigkeit getan, und sind zweitrangig geworden. Mit der Reife der Samen sterben die krautigen Pflanzen ab, für die Blätter bedeutet das quasi "Herbstzeit", auch wenn wir selbst mitten im Sommer stecken. Dennoch bleiben sie natürlich essbar, auch wenn sie faserig werden und nicht mehr so zart sind. Es gibt nur wenige Pflanzen, die mit der Bildung der Blüte wirklich giftig werden. Das Scharbockskraut gehört hier dazu.
Den Geschmack hat die Knoblauchsrauke als Kreuzblütler von den Senföl-Glykosiden zu dem das in ihr enthaltene  Sinigrin zählt. Singrin findet sich z.B. auch im schwarzen Senf. Jetzt wird der eine oder andere wahrscheinlich gleich ein A-Ha-Erlebnis haben: Beim Senf isst man die Körner, also die Samen. Die schmecken nämlich beim Senf wirklich scharf. Die Blätter eine Senfpflanze hingegen schmecken eher lasch, weshalb sie auch kaum Verwendung in den Küche finden.  Und nun dürft ihr weiter kombinieren und sicher kommt ihr auf die richtigen Schlüsse: Tatsächlich schmecken zur Blütezeit die Blüten der Knoblauchsrauke deutlich schärfer als die Blätter ! Und denkt noch weiter! Richtig!  Nach der Blüte lassen sich die Samen im Prinzip wie einheimischer Pfeffer verwenden, denn auch sie sind im ausgereiften Zustand richtig pfeffrig-scharf. Probiert es aus! In etwa  3-5 Wochen dürften die Samen der Knoblauchsrauke zumindest bei uns an der Bergstraße bereits reif sein. 2/3 der Samen sollten allerdings stehen bleiben und der Aussast dienen, damit man auch im nächsten Jahr wieder Freude an der Knoblauchsrauke hat, denn sie ist einjährig und auf die Samen angewiesen!
Fazit: Dennoch bleibt die ganze Pflanze die ganze Saison über essbar. Ein grünes, gesundes leicht bitter-würziges Pesto ergibt sich also allemal - ohne Blüten vor der Blüte, mit Blüten zur Blüte, und ergänzt mit Samen, sollte man nach der Samenreife noch Pesto übrig haben. Man kann Knoblauchsrauke also bedenkenlos essen - immer. Und gesund ist sie: antiasthmatisch, schleimlösend, antiseptisch und harntreibend - aber nur in rohem Zustand. Gekocht oder gebacken löst sich das Knoblaucharoma regelrecht in Luft auf. Es verflüchtigt sich. Daher spielt der Zustand der Pflanze in diesem Rezept eigentlich eine untergeordnete Rolle.  Selbstverständlich lässt sich mit dem frischen Roh-Pesto auch frisch gebackenes Brot bestreichen. Doch dieses Mal hatte ich genug Pesto, um es auch mal als Backzutat zu verwenden. Funktioniert wunderbar. Wem das Aroma zu wenig nach Knoblauch schmeckt, der mixt einfach noch 1-2 Knoblauchzehen unter das Pesto. Einzig zu alte Blätter werden bei der Knoblauchsrauke dann doch irgendwann so faserig, dass man dann nicht mehr von Genuss sprechen kann. Ansonsten dürft ihr hier immer herzhaft zubeißen.
Minuten später war die Heferose aufgegessen. Bei drei Männern im Haus ist alles was Schinken
enthält ratz-fatz, auch wenn der in Unkraut eingebettet ist.

Dienstag, 28. März 2017

Seedegg und Brennball - blühende und brenzlige Ostereier ganz ohne Kalorien

Osternester mit wachsender Überraschung aus erdigen Eiern

Mal wieder eine Kollegin, die über zu viele Kilos auf der Waage jammert? Und Ostern steht bevor? Schokoladeneier, Creme-Eier, Nougat-Eier, Eierliköreier. Ach du dickes Ei! Kilofallen überall. Da sollen wir mal wieder ein Lächeln in das Gesicht eines netten Menschen zaubern. Heute eine Geschenkidee aus der Natur, die im besten Fall gar nichts kostet und dazu nicht auf die Hüften schlägt. Die etwas andere Osternestfüllung. Und wenn ihr die Eier richtig bestückt, dann kann man aus dem wachsenden Ergebnis noch etwas Gesundes zubereiten.
Seedballs in Eierform - ein Nest mit 0 Kalorien aber 100% Spaß. Was da heraus sprießt?
Es sind eben echte Überraschungseier ohne Müll.

5 Minuten Matscherei und eine Sommer voller Sammelarbeit

Selber sammeln, selber buddeln - so kosten Samenbomben nichts. Wer seine Samen im Sommer und Herbst für Seedballs selber sammelt, spart Geld, war viel in der Natur und hat  mit der Herstellung der Kugeln viel mehr Freude, einfach weil man weiß, was das für eine Arbeit war. Benötigt werden:
  • Mutterboden
  • Wasser
  • selbst gesammelte Samen von Blumen (oder Baumsamen, z.B.  Ahornpropeller, Eicheln, Lindennüsse, Weißdorn, Kerne aus Hagebutten)
  • wenn nötig etwas lehmigen  Erdaushub von der nächsten Baustelle
Eine Mischung buntes, einheimisches, regionales Saatgut mit Kornblume, Wiesebärenklau,
wilde Möhre und Co. alles was man eben vor der Haustür finden und sammeln kann.
Baulehm und Gartenkompost - eine schöne Mischung.
Alles verkneten und Eier etwa in der Größe von Walnüssen oder Wachteleiern daraus formen. Die Sameneier in 1-2 Tagen durchtrocken lassen und in Eierkartons oder ein Osternest verpacken. Fertig ist eine tolle Überraschung.

Alles mischen und dann gehts an Matschen.

Samenbomen machen heißt, noch mal Kind sein dürfen

Seedbombs, Seedballs, Samenbomben oder Saatkugeln...sie haben viele Namen. Ursprünglich  kommt die Idee aus dem Guerilla-Marketing und es gibt 1000 Rezepte. Rezepte? Für Samenkugeln?  Seltsame Gesellschaft. Es gibt doch tatsächlich Anleitungen zum Dreck mischen, in denen steht "nehmen Sie 200g Lehmpulver und 400g Blumenerde und 50 g Blumensamen" oder es gibt diese Kugeln gar fertig zu kaufen, entweder zum Anrühren als "Fertig-Seedball-Mischung" oder schon fix und fertig zu perfekt kreisrunden Kugeln geformt und alles hübsch verpackt. Oh Mann.

Kinderhände und Matsch. Heute matschen viele Kinder
vorsichtiger oder gar nicht mehr. Sie trauen sich nicht mehr,
aus Angst sich dreckig zu machen, aus Angst vor Keimen,
aus Angst davor, von anderen ausgelacht zu werden.
Traut euch Kinder! Das Leben ist schön.
Wie weit haben wir uns von der Natur entfernt, dass man zum Matschen Anleitungen braucht oder so was als Fertigprodukt kaufen muss. Erinnert euch an die Kindheit. Das war so einfach und lustig. Da ist Erde, da ist eine Pfütze - alles schön durchkneten noch ein paar Samen oder Beeren von den Wildblumen und Büschen in der Umgebung dazu und man sah aus wie ein Schwein und hat sich gefreut wie...ja, ein Kind. Und natürlich haben wir auch Matschkugeln gemacht. Jede Menge Matschkugeln. Wenn die zu matschig waren, wurde noch mehr Dreck in die Pfütze geworfen, bis die Kugeln endlich gut geklebt haben und dann ging die Schlammschlacht los.
Deshalb: Liebe Leute, vergesst den Perfektionsmus und den Konsumirrsinn, lasst euch nicht verführen zum Kauf von Lehmpulver oder Tonerden oder sonst einer unsinnigen "Spezialzutat". Alles nicht nötig.  Muttererde hat Mutterboden und der ist völlig ausreichend. Wenns nicht klebt, noch etwas Baulehm zu - einfach mal ins nächste Loch schauen, was ausgehoben wird. Etwas Wasser zugeben, matschen und fertig. Strohhäcksel gibt es kostenlos im Sommer auf jedem Acker oder im Reitstall, Zoos oder in Tierheimen, sollte die Erde zu fett sein oder der Aushub zu kompakt. Einfach nachfragen.

"Brennball" mit Brennnesselsamen

Heute ist mein liebstes Saatgut für die Seedballs Brennnesselsamen. Kostet nichts, findet man im August im Massen und schon entsteht ein wunderbares Ökosystem. Außerdem keimen Brennnessel in Seedballs viel besser, als alles, was ich bisher ausprobiert habe. Probiert es aus! Macht echte "Brennballs"...aber werft die nicht zum Nachbarn mit dem englischen Rasen, das kann Ärger geben. Bester Platz ist ein Laternenmast am Feldweg oder eine Bank im Park, in Komposthaufennähe oder auch ein Balkonkasten. Warum nicht?  Die Schmetterlinge freut es nächstes Jahr.
Natürlich sind eurer Themen-Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mach "Butterfly-Balls" mit Samen für Schmetterlingsblumen, "Bee-Balls" mit Samen für Wildbienenblumenmischungen, "Red-Balls" (oh, das wär eine Marketing-Gag für Red-Bull...Red-Balls können nämlich wirklich fliegen...na jedenfalls kurz) mit Blumensamen von Blumen die rot blühen,  usw. je nach euren Lieblingsfarben und Vorlieben. Simpel. Zur Not hilft die örtliche Gärtnerei mit Samen aus.

Einem "Brennball" mit Brennnesselsamen entstanden: meine Brennnessel.
Doch sie ist für meine Küche tabu, hat sich doch schon ein Gourmet gefunden. Der...

...Admiral war schneller als ich. Der Falter hatte hier bereits sein Ei abgelegt.
Das macht er tatsächlich einzeln: Pro Admirals-Ei ein Brennnesselpflanze.
Ihr dürft also viele Brennballs machen, ...

...denn die Raupe dient mitunter auch einem Vogel oder einer Schlupf- oder Grabwespe als Nahrung.
Was das hier für zwei Hautflügler sind, konnte ich so schnell nicht bestimmen. Ich hoffe nur, dass sie
die Admiralsraupe in Ruhe lassen -  und selbst wenn: So ist die Natur und all das live auf einer
einzigen kleiner Brennnessel. Und alles nur, weil ich letztes Jahr einen Seedball mit Brennnesselsamen
in den Garten geworfen habe. Super, oder? Das faszinierende Ökosystem direkt am Haus!

Die Wissenschaft hinter den Saatbällchen

Der nachfolgende Text ist nur für den, der sich immer fragt, was denn nun an den gekauften Seedballs so besonders ist, außer die hübsche, aber völlig unnötige Verpackung und der aberwitzige Transport vom Hersteller zu euch (und den Samen und die Erden zum Hersteller, die Verpackung für diesen Transport, das Benzin, die Herstellung von Abfüllanlagen und deren Stromverbrauch, der Verpackungsmüll...das muss man sich mal vor Augen führen, was wir da täglich für einen Konsumunsinn fabrizieren) und dann der Transport von euch zu dem, dem ihr das Päckchen schenkt. Der wirft es dann irgendwo hin und in den meisten Fällen wird er nicht nach ein paar Wochen schauen, ob die Samen auch aufgegangen sind. Meist tun sie das nämlich ohnehin nicht. Darum kann man sich fragen, so man denn Spaß an der Wissenschaft hat, wie man den Wachstumserfolg solchen Bällchen erhöhen kann.

Ein paar Dinge erhöhen den Erfolg der Keimung:

 

Seedeggs und Seedballs in Großproduktion. Nächse Woche werden die
Saatkugeln "gesäät": Wettweitwurf mit Kindern. Die Eier kommen in
Osternester. Was da wohl daraus sprießt? Ein echtes Ü-Ei.
  • Nehmt keine Blumenmischungen aus dem Supermarkt, sondern Samen von Wildpflanzen, die ihr am besten direkt vor eurer Haustür gesammelt habt. 
Solche Pflanzen  sind auch den Boden gewöhnt, aus dem wahrscheinlich auch eure Kugel besteht. Versucht es mit Löwenzahn oder Breitwegerich, wenn euch Brennnessel nicht zusagt. Etwas edler sind Klatschmohn und Kornblumen. Wer z.B. Vogelmiere oder Löwenmäulchen nimmt, kann die Erdkugeln einfach im Saatgut wälzen, denn beide gehören zu den Lichtkeimern. Wer Saatbällchen mit Küchenkräutern verschenken möchte, sollte das auch so machen, denn die Mehrzahl der gängigen Küchenkräuter, vom Basilikum, Lavendel bis zum Thymian sind ebenfalls Lichtkeimer.
  • Die Kugel sollten binnen 1-2 Tagen völlig trocken sein, ohne zu zerfallen.
Länger sollte der Trocknungsprozess nicht dauern, da sonst die Keimung in  Kugel beginnt, sie dann aber wieder eintrocknen und absterben.Strohhäcksel, Sand, Sägemehl oder Späne kann helfen, die Erdmischung für Samenbällchen zu optimieren. Einfach testen.
  • Die Kugel lässt sich nach dem Trocknen transportieren ohne zu zerbrechen.
Gerade wenn ihr sie verschenken wollte, sollte sie transportierfähig sein. Lasst ihr sie tatsächlich werfen, sollte sie dem Schwung standhalten, sonst zerkrümmelt sie beim Abwurf.
  • Die getrocknete Kugel zerfällt rasch, sobald ihr sie 1-2 Tage lang immer wieder gründlich gegossen habt.
Das ist der Knackpunkt. Wichtig ist, dass die Kugel zerfällt, damit auch Samen im Inneren der Kugel Keimen können. Blumenmischungen enthalten meist Licht- und Dunkelkeimer, also solche Pflanzen, die Sonnenlicht brauchen und solche, die es beim Keimen abgedunkelt möchten. Daher geht nur ein kleiner Teil der Samen in den Samenbomben auf. Ihr erhöht die Chance beträchtlich, wenn die Kugel in den ersten zwei Tagen "zerfließen" kann. Die Samen haben dann meist genug Feuchtigkeit und  über die vergrößerte Oberfläche haben natürlich auch mehr Samen bessere Wachstumsbedingungen.
  • Sie sollte  nicht größer als eine Walnuss sein.
Mehr Kugeln bedeuten größere Chance, dass wenigstens eine da landet, wo sie wachsen kann. Auch ist durch den Zerfall der kleineren Kugeln die Chance größer, dass auch im Inneren der Kugel liegende Samen zum Keimen kommen. Die meisten Wiesenblumen keimen von Erdoberfläche bis maximal 1 cm Tiefe. Da könnt ihr euch ausdenken, was für Wachstumschance ein Samen im Inneren einer 10 cm Kugel hat.

  • Versucht es zuerst einfach mit Mutterboden ohne den Erdaushub/Lehm.
Einfach eine Kugel aus Erde vor der Haustür formen und in die Sonne oder auf die Fensterbank legen. In 1-2 Tagen sollte die Kugel vollständig trocken sein. Mutterboden ist meist ohnehin schon perfekt. Er ist der regionale Boden an den regionalen Blumen angepasst sind. Die meisten Oberböden kleben durch den Humusgehalt und die eingetragenen Flugstäube schon genug. Wir hier im Oberrheingraben haben direkt unter dem Mutterboden eine erhebliche Löss-Schicht. Löss enthält von Natur aus etwa 5 bis 20% Lehm und das reicht zum Zusammenkleben der Kugeln vollkommen aus, meist muss man dann noch Komposterde zum Auflockern beigeben.

Welche Samen kann man sammeln?

Wilde Möhre, Karden, Sternmiere, Brennnesseln, Taubnesseln, Malve, Storchschnabel, Seifenkraut, Pimpernelle, Wicken, Platterbsen, Klatschmohn, Erdrauch, Löwenzahn, Bocksbart, Rainfarn, Frauenfach, Lein, Königskerze, Ackerstiefmütterchen, Steinklee, Gänseblümchen, Kamille, Veilchen, Leimkraut, Kornblume, Bärenklau, Beinwell, Skabiosa und viele, viele mehr. 
Je näher die Mischung aus der Region kommt, desto besser, denn desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Samen keimen, weil sie an die Umgebung angepasst sind.

Gelegentlich ist auch zu lesen, dass man einfach etwas Vogelfutter (z.B. das verbliebene Winterfutter) in die Saatbällchen mischen kann, doch das ist ungünstig, denn in vielen Vogelfuttermischungen findet sich Ambrosia und auch das muss sich nicht weiter ausbreiten. Und wenn wir schon bei Neophyten sind: Bitte auch keine anderen nicht- einheimischen Kräutersamen wie Springkräuter beifügen. Die Impatiens-Arten sind eine echte Plage für die heimische Natur.

Werfen und wachsen? Schön wäre es.

Ein Werbemärchen: Schmeiße eine Kugel mit Samen drin in die Gegend und schon blüht das überall. Schön wäre es. Seedballs sind ein Marketing-Gag! Geht dem nicht auf den Leim.
Leider landet wirklich nur ein ganz kleiner Teil dort, wo er wirklich gut wachen kann. Das größte Problem ist, dass die Samenkugeln die nächsten Tage aufgehen müssen und die Bällchen dabei ordendlich feucht gehalten werden müssen. Am besten sollten sie dabei zerfallen und dann mit reichlich Regen versorgt werden und zwar über mehrere Wochen hinweg. Also Samenbomben am besten vor einer angekündigen Regenperiode werfen oder zertrümmern und kurz in den Gartenboden oder eine frisch angelegte Wiese einarbeiten oder dort platzieren, wo der Rasensprenkler auch in heißen April und Mai-Tagen für genug Feuchtigkeit sorgt. Bällchen, die im Gebüsch landen oder in einen Randstreifen, haben schlechte Karten: Zu dunkel, zu trocken, zu viele Füße, zu viel Müll... Die besten Methode ist es immer noch die Blumensamen direkt in Blumentöpfe, Blumenkästen oder den Garten in ein dafür hergerichtetes Beet oder eine Wiesenfläche einzuarbeiten und dann regelmäßig zu gießen. Dann keimen tatsächlich die meisten Blumen. Aber dann würde eine Stunde spaßiges Matschen fehlen. Irgendwie auch schade. Ich hatte einen lustigen Nachmittag mit den Kindern und sah danach aus so aus.

Frohe Ostern mit einer wachsenden Überraschung!

Freitag, 24. März 2017

Kräuterquark aus Frischmilch

Ein zu einfaches Rezept? Kräuterquark mit selbst gesammelten Kräutern wird auf so ziemlich jeder Kräuterwanderung als "Wegzehrung" oder "Mitmach-Rezept" angeboten. Ist ja auch so schön vielseitig und der erste Kräuterquark der Saison trägt einfach einen Hauch von Abenteuer in sich. Viel falsch machen kann man auch nicht und Brot oder Kartoffeln werden plötzlich "wild".  Zelebrieren wir den Frühling.
Selbst hergestellter Quark mit selbst gesammelten Kräutern. Köstlich.

Allerdings habe ich einen Faible fürs Selbstgemachte und da ich mittlerweile viel mit Kindern unterwegs bin, dürfen die nun auch ihren Quark selbst herstellen, wenn es der Zeitrahmen zulässt. Viele kennen das gar nicht. "Wie, den kann man selber machen?" Na klar. Das mit den Kräutern sammeln machen wir natürlich auch.

Der 30-Minuten-(Zitronen-)Quark

  • 5 Zitronen
  • 1 l frische Milch (mit H-Milch klappt das nicht so gut)
  • Haarsieb oder Feinsieb
  • Schüssel
Zitrone und Frischmilch, ein Kaffeefilter und ein Glas und
schon gibts Zitronenquark...
...nur 5 Zitronen für 1 Liter Milch auspressen und zur Milch
geben...
...bis sie eindickt...
...dann kommt sie in den Kaffeefilter und ...
...die Molke läuft ab. Im Kaffeefilter kann das länge dauern.
Dafür die Zitronen auspressen und den Saft in 1 l Frischmilch geben und verrühren. Man merkt beim Rühren schon, dass die Milch andickt. Die Dickmilch wird ins Haarsieb gefüllt und dann heißt es warten. Es dauert leider ein paar Minuten (oder wenn der Filter sehr fein ist auch deutlich länger), bis die Molke abläuft. Im Filter zurück bleibt der Quark, schon mit Zitrone angereichert. Fehlen nur noch ein paar Kräuter, etwas Salz und Pfeffer.
Sollte der Quark zu zitronig schmecken (was bei den meisten Kindern überhaupt kein Problem ist, denn Quark pur schmeckt ohnehin nur wenigen, dann lieber mit Zitrone), einfach noch mal ein oder zwei Gläser Wasser über den Quark geben und filtrieren. Der Zitronensaft wird so herausgespült.

Das mit den 30 Minuten ist ein wenig mutig und gelingt nur mit einem Feinsieb. Die Trennung verläuft auch nicht astrein. Etwas vom Milchbruch landet in der abgetropften Molke.

Zitronen-Molke und ihre Verwendung

Die abgetropfte Zitronen-Molke kann ich nur in Maßen zum Verzehr empfehlen. Ich nehme sie als Basis für Salatsoßen, da sie ohnehin schon mit Zitrone angereichert ist. Man kann sie auch zum Kochen oder Backen verwenden oder sein Over-Night-Oat oder Birchner Müsli drin einweichen. Dinkel mit Rosinen über Nacht in Zitronenmolke und mit Honig abgeschmeckt und etwas geriebener Apfel dazu. Ein gutes Frühstück.

Der 2-Tage-Quark

  • 1 l Frischmilch
  • 200 ml Buttermilch
1 l frische Milch mit etwa 200 ml Buttermilch in einer metallfreien Schüssel mit einen Holzlöffel verrühren (lebende Kulturen reagieren mitunter empfindlich auf Metall). Schüssel verschließen und bei Zimmertemperatur 48 Stunden stehen lassen. Dann für drei Stunden leicht erwärmen. Dabei trennt sich die gelbgrüne Molke vom Bruch.
Zum Erwärmen nutze ich einen Joghurtbereiter*. Er hält die Temperatur dauerhaft zwischen 30-35 Grad.  Wer den nicht hat, kann es mit einer warmen Fensterbank oder der Restwärme im Ofen versuchen. Doch Vorsicht: Bei Temperaturen von über 35 Grad werden die Kulturen absterben. Nach dem Temperieren  lässt sich der Quark von der Molke ganz einfach mit einem Feinsieb trennen. Je länger man ihn abtropfen lässt, desto trockener wird der Quark. Meist reichen dazu 2 h im Kühlschrank.
Die abgetropfte Molke ist Rohmolke ohne Zitrone und auch der Quark schmeckt pur und mild. Ohne Kräuter hält er sich gut eine Woche im Kühlschrank und wird dort auch noch etwas fester. Er eignet sich dann auch für selbst gemachten Bresso.

Tipp: Nie wieder Buttermilch kaufen

200 ml Buttermilch in einem Liter Frischmilch verrühren und
8 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.
Fertig sind 1,2 l Buttermilch.
200 ml von der selbst angesetzten Buttermilch abfüllen und
damit einen neuen Liter Frischmilch beeimpfen.
Der Rest...hm, lecker!
Wenn ihr schon dabei seid und Milch mit Buttermilch verrührt: Setzt gleich die doppelte Menge an. Die Hälfe der Menge nehmt ihr nach 8 h Standzeit ab. Ihr habt nämlich die Buttermilchkulturen weitervermehrt und 1 l Buttermilch selbst hergestellt. Sie schmeckt viel milder als die gekaufte Buttermilch und ist daher auch meist für Kinder interessanter. Von der selbst hergestellten Buttermilch könnt ihr nun 800 ml trinken und ein Glas davon abnehmen und einen neuen Liter Milch beimpfen und so müsst ihr nun wieder in eurem Leben Buttermilch kaufen, sofern ihr Joghurtbereiter (für Joghurt, dafür eben einmal noch einen Joghurt mit lebenden Kulturen kaufen). Der Joghurtbereiter lohnt sich dann. Mache ich Buttermilch, stelle ich einfach die ganze Schüssel ins Gerät zum Erwärmen. Funktioniert einwandfrei.
  Oder man lässt die Buttermilch weitere 1 1/2 Tage stehen,   
erwärmt sie sachte und sieht wie sich unten die Molke
sammelt, die man dann...
sauber weiterarbeitet. Im Kühlschrank hält sie sich eine Woche, spätestens dann sollte der nächste Frischmilchliter für Buttermilch angesetzt werden.  Wenn man bedenkt, dass Buttermilch pro Liter im Supermarkt rund 90 Cent kostet und damit teurer ist, als Dumping-Preis-Milch, dann kann man über die Dauer seinen Lebens schon machen Euro sparen. Doch nicht das Geld war bei mir entscheidend,
sondern die Vermeidung von Plastik- und Aluminiummüll. Dies nur as Gedankenimpuls. Nun wieder zurück zum Kräuterquark :)

Rezept für den Kräuterquark-Klassiker a la "Eigenbau"

...durch einen Sieb vom Bruch trennt. Zurück bleibt
ein milder, etwas körniger Quark und Molke pur.
  • 250-300 g Quark
  • Saft einer 1/2 Zitrone (beim 10-Minuten-Quark nicht notwendig!)
  • Salz, Pfeffer
  • jede Menge Wildkräuter aller Art, von der Menge etwa die des Quarkvolumens

Die Veilchen lachten mich auf der Wiese an.
Wer kann da widerstehen? Also rein in den Quark!
Dieses Mal startet die Saison mit Knoblauchrauke, Pimpernelle, Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen und Schafgabe. Als besonderes "Bonbon" kamen dieses Mal noch ein paar Veilchen hinzu, weil sie grade blühen. Nicht zu viele, die schmeckt man sonst penetrant heraus. Die Kräuter waschen, kleinschneiden und mit den übrigen Zutaten verrühren. Abschmecken und fertig.

Fast vollständiges Eigenversorgeressen

Quark, Kräuterhack und noch etwas selbstgemachtes     
Kräutersalz dazu, durchrühren und genießen.
Tja, so ein popeliger Kräuterquark und schon wird man nebenbei unabhängig von Buttermilch und Joghurt - nichts mehr in Plastikbechern und mit Aluminiumdeckeln. Mit dem selbst hergestellten Quark und dem Sammeln der Kräuter ist der Kräuterquark vollständig handemacht. Dazu am Besten selbst gebackenes Brot aus selbst angesetztem Sauerteig. Fehlt eigentlich nur noch die selbst gezüchtete Kuh und der selbst bestellte Acker fürs Getreide.
Wie Milchintensiv Quark ist, sieht man erst, wenn man in selbst gemacht hat. Knapp 300 g bekomme
ich aus 1 Liter Frischmilch. Es steckt eine Menge Milch in Quark.
Bei der Quarkherstellung fallen als Nebenprodukt  Buttermilch und Molke an.
Dafür nehme ich die Version ohne Zitrone!