Samstag, 18. April 2015

Wochen-Special: Selbst gemachte Bärlauchnudeln

Nudeln mit Bärlauchpesto ist das eine, aber Nudeln mit Bärlauch-Aroma etwas ganz anderes. Nudeln selbst zu machen erfordert Zeit und ist wirklich etwas für passionierte Köche. Aber: Es lohnt sich. Bärlauchnudeln sind Luxus-Nudeln. Einmal im Jahr nehme ich mir die Zeit und stelle ich mich den ganzen Tag in die Küche und nudeln was das Zeug hält. Danach ist der Wäscheständer voll mit Nudeln zum Trocken und ich hab etwa 3-4 Kilo Luxus auf Vorrat. Sollte man sich gönnen. Allein schon wegen der Kinder: Die haben Spaß dran den Samstag über die Nudelmaschine zu drehen und wissen dann was für eine gewaltige Arbeit das ursprünglich mal war, Nudeln per Hand herzustellen - eben Luxus-Kohlenhydrate, schwer verdient und bereits abgearbeitet mit dem stundenlangen Kneten und Drehen der Nudelmaschine.



Zutaten für selbst gemachte Bärlauchnudeln

      Nudelteig mit Bärlauch - sieht aus wie           
schöne grüne Naturknete

 

  • 200 g Bärlauch
  • 400-450 g Mehl
  • 1 Ei
  • 2 Eigelbe
  • 3 El Öl
  • 1 TL Salz

Wie man Bärlauchnudeln macht


Den Bärlauch waschen, feinschneiden und mit Ei, Eigelben, Öl und salz pürieren. Die Masse zum Mehl geben und alles zu einen geschmeidigen Teig verkneten. Guter Nudelteig will bearbeitet werden. 10 minütiges Durchkneten ist hier Pflicht. Anschließend dürfen sich Hände und Teig 30 Minuten ausruhen. Den Teig dafür in Frischhaltefolie wickeln. Wer keine Nudelmaschine hat,
Zum Trocknen aufgehängt eine Augenweide:
das knartschige Frühlingsgrün der Bärlauchnudeln
sollte den Teig mindestens 10, besser 20 min durchkneten. Mit Nudelmaschine den Teig bei jeder Schaltung auf eine dünnere Teigdicke mehrere Male falten und immer wieder durch die Nudelmaschine drehen. Stufe 5 bis 7 können für die Enddicke der Nudeln gewählt werden. Je dünner desto schneller brechen sie im trockenen Zustand, aber desto kürzer sind auch die Garzeiten. Diese betragen in Salzwasser 7-10 min.
Meine Nudeln kommen zum größten Teil nun auf den Wäscheständern. Bei Stufe 7 sind sie einen Tag später vollständig getrocknet. Haltbar etwa einen Monat (wegen der Eier, auch die Farbe lässt nach, je länger sie liegen, deswegen: Nicht alle zu lange aufheben! Wäre schade, wenn die Nudeln nach der viele Arbeit verderben.)
Mit einer Carbonara-Soße oder Käsesahne-Soße oder einfach nur mit Tomatensoße schmecken sie sehr lecker.Sind ja auch selbstgemacht :).

Und der Fachsbandwurm? Durch das Kochen der Nudeln besteht hier absolut keine Gefahr.

Und Morgen? Da bleiben wir beim Mittagessen: Bärlauch-Aligot....nein nicht Aligator! Es ist ein vegetarisches Gericht.

Bärlauchnudeln in ihrer schönsten Form: Mit Tomatensoße und Käse. Love it.

Wochen-Spezial: Bärlauch-Haselnuss-Pesto

Es gibt gefühlte 2000 Varianten von Bärlauchpesto. Jeder hat seine "Geheimzutat", der eine schwört auf diesen Käse, der andere auf das Öl. Einfach und preisgünstig, aber vor allem regional und trotzdem lecker muss es für mich sein, deswegen stelle ich Euch eine mehr heimische Variation von Bärlauchpesto vor und verzichte auf teure Pinienkerne (die meist importiert sind) und greife lieber zu heimischen Nüssen: Mandeln aus der Region oder Haselnüssen von meinen Haselnussstrauch.

"Pesto regionale": heimischer Bärlauch und Nüsse aus der Region sind die Grundlage dieses
köstlichen Bärlauchpestos.
 

Kleine Anektote über Paleo-Ernährung und dem ökologischen Fußabdruck

Neulich hatte ich eine Unterhaltung mit einen Paleo-Esser, jene Menschen die Vorgeben sie würden sich wie in der Altsteinzeit erhären mit  guten Bio-Lebensmittel und natürlich nur beste Qualität. Irgendwann hab ich auf Durchzug gestellt. Mit dem aktuellen Paleo-Trend  - Steinzeitkost a la Cuisine - schießen wir uns ins ökologische Knie. Ich glaube nicht, das unsere Vorfahren in der Altzeit Kokosnüsse und täglich Fleisch gegessen haben. Die sind schön bei dem geblieben was vor der Haustür wuchs und sich fangen ließ. Da waren viele Tage in der Woche dabei, wo die Familie dank der Sammler nur von Grünzeug, Nüssen und Beeren überlebte. Nüssen! Nicht Kokosnüssen, sondern Haselnüsse! Mandeln und Walnüsse brachten erst die Römer mit nach Deutschland....jaja, die Römer leben NACH der Steinzeit. Eier? Täglich? Zeig mir einen Vogel der im November bei uns brütet....Eier gab es bestimmt auch nicht täglich. Dann wohl eher so was wie Käfer und Maden. Das was grade unter Paleo-Ernährung so läuft, ist eine ökologische Katastrophe. Allein wenn ich sehe wie hoch da der Anteil an Kokos und Fleisch in der Ernährung ist, kommt mir das Grauen. Danach könnte ich nie dauerhaft ohne schlechtes Gewissen leben. Esst mehr Grünzeug aus der Natur um euch rum, dann ernährt ihr euch wahrscheinlich steinzeitlicher als die Paleo-Leute und übernehmt auch noch ökologische Verantwortung.

"Pesto Regionale" oder italienisches Pesto ins Deutsche übersetzt

Gab es in der Steinzeit Parmesan? Sicher nicht. Und so beuge ich beschämt mein Knie und bin mir meiner Sünde bewusst und gelobe Besserung: Mein Parmesan stammt aus Italien :(.Bio-Qualität. Das klingt nach dem Paleo-Beitrag wie eine armseelige Ausrede. Deshalb: Wenn einer meiner Leserschaft schon mal ein Pesto mit deutschem Hartkäse, z.B. einem Allgäuer Bergkäse hergestellt hat: Bitte meldet Euch und lasst mich wissen, ob das ebenfalls möglich ist und wie lange haltbar so ein Parmesan-freies Pesto ist. 
Alles was aus der Region kommt ist ökologisch sinnvoller, als jedes Bio-Produkt das 1000 km Transport hinter sich hat. Naturkost heißt nicht, dass das Essen auf Kosten der Natur geht, und nur weil Pinienkerne ein Naturprodukt sind, sind sie nicht gut für die Natur, wenn sie aus Amerika eingeflogen werden. Tatsache soweit schon mal: Bärlauch und Haselnüsse sind eine perfekte Verbindung und beides wächst direkt vor meiner Tür. Und das Pesto schmeckt...vertraut einheimisch. Dieses Mal habe ich den Schritt gewagt und habe das Olivenöl infarmer Weise gegen alle Regeln der Kunst gegen Rapsöl (bio-regional) ausgetauscht!  Siehe da: Auch das geht. Natürlich verändert sich der Geschmack, aber den Löwenanteil macht ohnehin der Bärlauch aus und der hat wirklich ordendlich "Wumps". Ein klassisches Pesto mit Basilikum ist das ohnehin nicht. Der Geschmack von Pinienkernen und Olivenöl geht im Bärlauch ohnehin unter - schmeckt also ganz anders. Dann...ja dann, darf es wirklich unitalienisch schmecken.

Zutaten fürs Bärlauch-Haselnuss-Pesto

  • 250 g Bärlauch
  • 30 g Haselnüsse
  • 40 g Parmesan
  • 250 ml Öl (Olivenöl, schmeckt aber auch mit heimischen Rapsöl)
  • Salz
  • Pfeffer

Bärlauch-Pesto herstellen

Den Bärlauch waschen, trocknen und fein hacken. Die Haselnüsse werden in der Pfanne ohne Öl angeröstet bis sie duften und die braune Haut spröde wird. Die Haut abrebeln und die Nüsse fein hacken. Auch den Parmesan fein hacken oder über die Reibe ziehen.
Alles zusammen im Mörser oder Mixer zu einer körnigen Pestomasse verarbeiten und dabei das Öl nach und nach zugießen. Großzügig salzen und peffern. Aufbewahrt wird das Pesto unter einer Ölschicht. So hält es sich im Kühlschrank bis zu 4 Wochen, vorausgesetzt es wird nicht vorher gegessen.

Bärlauchpesto-Variationen

  • Klar geht das Pesto auch mit Mandeln oder ganz klassisch auch mit Pinienkernen.
  • Versucht es mal mit Bärlauch-Öl.
  • Parmesan, Pecorino oder Padano? Sogar mit Schafskäse geling Pesto, muss dann aber schnell gegessen werden. Bärlauch in Öl ist ohnehin eine haltbare Sache, erst Käse und Nüsse machen ihn verderblich.
  • Eine Prise Muskat ist sehr lecker und rundet das Pesto ab.
Das Öl über dem Bärlauchpesto hält durch den Luftabschluss
das Pesto länger frisch.
Tipp: Wichtig ist das Pesto immer mit einer Ölschicht bedeckt zu halten, so blaubt das Grünzeug lange frisch.

Das Bärlauch-Pesto und der Fuchsbandwurm

Da ist er wieder: der Fuchsbandwurm. Schlimm. Immer vermiest er einen die schönsten Gerichte. Wer auf Nummer sicher gehen will, der zieht die Bärlauchblätter vor dem zermusen durch ein mindestens 70 Grad warmes Ölbad. Am besten nimmt man dafür das gleiche Öl wie fürs Pesto und erhöhrt die Menge der Bärlauchblätter, denn allein von der Masse fallen sie einem doch etwas zusammen.
Pesto essen viele zu Nudeln. Ich geb zu: Bin ich mir unsicher, was den Fuchbandwurm betrifft, mische ich meine Nudeln mit Pesto und schieb das Ganze noch mal für eine Minute in die Mikrowelle. Ob Mikrowellen Fuchsbandwürmer töten weiß ich nicht, aber die Hitze tut es. Nach einer Minuten kommen die Nudeln heiß dampfend aus dem Gerät. Da lebt nix mehr. Mikrowellen sind gesundheitstechnisch eine Katastrophe, der Fuchsbandwurm leider auch. Einen Tod muss man hier sprichwörtlich sterben.

Edit: Böse Zungen könnten nun behaupten, dass mein Pfeffer doch bestimmt aus Indien kommt. Tut er. Noch. Ich suche immer noch nach einer adäquaten Mischung aus Senf, Mönchspfeffer, Buchweizen, Brennesselsamen und was ich so finde, um so was wie einen einheimischen Pfeffer herzustellen. Allerdings verzweifel ich oft, denn der Geschmack ist selten kochfest. Hier im Pesto würde das noch nicht mal etwas ausmachen. Und was tust Du so, um Deine Ökobilanz zu verbessern?

Apropos Nudeln....dann sind wir alle wieder miteinander versöhnt... die zeige ich Euch morgen. :)
Bärlauchpesto zum Verschenken...oder doch lieber selbst essen?


Freitag, 17. April 2015

Wochen-Special: Bärlauchbutter-Brotschnecken

Zentnerweise Bärlauchbutter gemacht und nun? Ab damit aufs Brot. Um dem Fuchsbandwurm aber ein Schnippchen zu schlagen backen wir die Butter einfach mit. Ich liebe einfache Rezepte ohne viel "Schisslameng". Das hier ist ein solches Rezept: Hausmannskost und dennoch etwas Besonderes.


Köstlich: Bärlauch-Brotschnecken. Durchs Backen sterben auch alle in der Bärlauchbutter
möglicherweise enthaltenen Fuchsbandwurmeier ab. Unbeschwerter Genuss.

Zutaten für die Bärlauch-Brotschnecken

Die Bärlauch-Schnecken sehen schon vor dem Backen
lecker aus....

 

  • 200 g Bärlauchbutter, zimmerwarm
  • 1 Päckchen Trockenbackhefe
  • 350 ml Milch
  • 500 g Mehl
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Zucker

Zubereitung der Bärlauch-Schnecken


     ...aber nach dem Backen kommt noch der Duft hinzu.          
Mehl in eine Schüssel  geben und Milch Salz, Zucker und Hefe verrühren. Die Milch leicht erwärmen (die Hefe startet dann schneller) und mit der Milch die Mehlmischung zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Den Teig gut aufgehen lassen.
Wer frische Hefe verwendet, benötigt einen halben Würfel, macht in sein Mehl eine Mulde, und rührt ein wenig von der Milch mit dem Zucker und der Hefe zu einem Vorteig an und lässt den 20 min gehen. Dann die restliche Milch zufügen und das Salz und alles nochmal kräftig durchkneten und ebenfalls gehen aufgehen lassen.
Nun den Teig etwa 1/2 cm dick etwa ausrollen und mit der Bärlauchbutter bestreichen. Dann in etwa 3-4 cm breite Streifen schneiden, zu schnecken aufrollen und in eine Muffinblech setzen. Bei 180° Umluft ca. 20 min Backen.

Tipp: Die Schnecken schmecken auch mit Bärlauchpesto statt Bärlauchbutter, aber Pesto gibt es morgen...


Bärlauch-Schnecken und ein Glas Rotwein und der Abend ist gegessen.

Donnerstag, 16. April 2015

Wochen-Special: Bärlauchbutter

Bärlauch-Butter ist wohl eine der schönsten Formen Bärlauch zu konservieren. Der lässt sich nämlich ungern einfrieren und verhält sich eher wie ein Tier: Eingebettet in eine Fettschicht macht ihm Kälte nichts aus! Wunderbar. Dann hacken wir den Bärlauch klein, buttern ihn und ab in die Tiefkühltruhe für die kommende Grillsaison....oder doch lieber sofort aufs Brot? Bärlauchbutter ist doch so lecker.
In Butter eingebettet lässt sich Bärlauch problemlos einfrieren.



Zutaten für Bärlauchbutter

  • 250 g Butter
  • 100-200 g Bärlauch (ja nach gewünschter Geschmacksintensität)
  • 2 TL Zitronensaft
  • 1-2 TL Salz
  • 1 TL Pfeffer

Herstellung von Bärlauchbutter

Es muss nicht immer eine Butterdose sein. In Muschelschalen
aus dem letzten Urlaub lässt sich Bärlauchbutter
einfach und dekorativ portionieren.
Den Bärlauch vorneweg wie immer Waschen und trocken, dann schon mal mit dem Messer möglichst klein schneiden. Die zimmerwarme Butter in Stückchen schneiden und mit dem Bärlauch und den übrigen Zutaten in ein Gefäß füllen und mit dem Pürierstab zu einer einigermaßen homogen Masse vermixen. Das klappt auch im Standmixer. Ein paar Bärlauchstücke dürfen natürlich noch erkennbar bleiben.Abschmecken lohnt sich, denn der eine mag es salziger, als der andere.

Tipp: Wer möchte kann der Butter noch Blütenblätter vom Gänseblümchen oder Gundermannblüten als Farbtupfer zufügen.

Etwas fies ist das Saubermachen hinterher. Überall ist Butter....aaaahhhh! Hilfe! Es lohnt sich also reichlich Bärlauchbutter herzustellen, dann muss man seine Küche nur einmal renovieren.


Der Fuchsbandwurm in der Bärlauchbutter

Leider ein Wehmutstropfen:
Der Fuchsbandwurm am Bärlauch.
Um es gleich vorneweg zu nehmen: Nein, Fuchsbandwurmeier werden beim Gefrieren nicht abgetötet. Sie überstehen die Kälte. Leider. Bärlauchbutter kann man entweder mit frischen Bärlauch machen, und verwendet eben solchen, aus Bestandsmitte und fernab aller Markier-stellen eines Fuchses  oder man greift auf Bärlauch im Topf zurück oder man trickst. Der Trick mit dem "Ölbad" wie beim Bärlauchöl funktioniert natürlich auch hier. Allerdings muss man ihn etwas abwandeln und zu einen "Butterbad" umfunktionieren: Etwas Butter im Topf schmelzen und auf knapp über 70 Grad bringen, dann die Blätter durchziehen und anschließend im Rezept verwenden. Dafür wie beim Öl nicht die ganze Butter im Rezept nehmen, sondern wirklich nur so viel, wie es braucht, die Blätter heiß zu buttern. Da die anschließend ohnehin püriert werden, fällt es nicht auf, wenn die etwas aus der Form geraten sind. Anders als beim Dünsten, kommt hier nicht noch zusätzlich Wasser in die Butter.


Bärlauchbutter zu Gegrilltem oder zum Einfrieren

Wer sich die Mühe machen will: zimmerwarm die Butter in einen
Spizbeutel füllen und portinierte Häufchen spritzen. So ist zum
nächsten Staek mengengerecht die Butter aufgetaut.
Ein gegrilltes Steak und darüber ein Häufchen Bärlauchbutter schmelzen lassen - lecker. Bärlauchbutter passt natürlich überall dorthin, wo Kräuterbutter zum Einsatz kommt, so auch auf frischem Brot oder...Schnecken...wer mag. Kräuterbutter lässt sich prima portioniert einfrieren, so hat man, vorausgesetz man stellt genug her, eine lange Zeit immer mal wieder den Genuss von Bärlauch. Haltbar ist so eingefrorener Bärlauch gut ein Jahr, wenn man dann so lange wiederstehen kann.
Apropos Schmecken. Eine besondere Variante wie man Bärlauchbutter und Brot kombiniert, zeige ich Euch Morgen.

Selbst gemachte Bärlauchbutter - eine besondere Kräuterbutter.

Mittwoch, 15. April 2015

Wochen-Special: Bärlauchöl

Bärlauch - das Königsunkraut! Wirklich! Noch vor wenigen Jahren hat sich kaum einer für Bärlauch interessiert. Dann war es plötzlich total trendy. Heute kauft man es eher auf dem Wochenmarkt, als es aus dem Wald zu holen - wegen der Verwechslungsgefahr und wegen des Fuchsbandwurmes. Ich zeige Euch diese Woche ein paar Rezepte und werde auch immer was zu den Fuchsbandwürmern sagen, damit Ihr gefahrlos sammeln gehen könnt, vorausgesetzt Ihr seid sicher, dass das Bärlauch ist.

An Bärlauch aus dem Wald könnten theoretisch auch Fuchbandwurmeier haften. Das man den
wilden Bärlauch dennoch recht gefahrlos essen kann, zeigt dieser Blogbeitrag.


Ein Blick zurück - als das Bärlauch Unkraut war

Ich bin vor 20 Jahren schon mit meinen Eltern durch die Wälder gelaufen und habe Bärlauch gepflückt. Damals wurde man noch schräg angeschaut: Unkautesser. Heute zahlt man für einen Bund auf dem Wochenmarkt satte 2 Euro - mal mehr, mal weniger. Dabei wächsts es aktuell üppig im Wald. Mancherorts muss man wirklich von Unkraut sprechen. Es ist einer der Unkräuter, die den Sprung  von der Wildnis (zurück) in die Küchen geschafft haben, den im Mittelalter wurde Bärlauch bereits reichlich gegessen. Dann war es irgendwann verpöhnt als "Armer-Leute-Essen", weil es je nichts kostete und wie der Giersch überall wucherte. So etwas aßen feine Leute nicht! Das Denken hat sich lange gehalten und erst vor einigen Jahren, mit dem langamen Umdenken in der Gesellschaft weg von der Industrie-Nahrung wieder hin zur Natur, kam der Bärlauch wieder auf den Tisch. Schön :) Natürlich kommt der auch bei mir auf den Teller.
Wannenweise Bärlauch geerntet. Auf dem Markt gekauft hätte ich für diese 2 Kilo 50 Euro bezahlt 
aber zum Glück wächst Bärlauch ja wie Unkraut. Und einst war es das auch mal: Ein Unkraut des Waldes.

Verwechslungsgefahr: Maiglöckchen, Herbstzeitlose und der Bärlauch

Vorneweg: Die größte Gefahr besteht in der Verwechslung mit giftigen Blättern wie dem vom Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen. Es gibt aber genug Artikel, die auf die Unterscheidung eingehen und letzendlich hilft nur eine wirklich sichere Bestimmung. Die Gefahr kann tödlich sein, deswegen bitte unbedingt nur essen, wenn Ihr sicher seid, das das auch wirklich Bärlauch ist.
Dieser Blog-Artikel ersetzt kein Gang mit einen Biologen durch den Wald. Dort würdet Ihr, wenn Ihr alle drei Pflanzen zeitgleich sehen, fühlen und riechen würdet, unter Anleitung sofort erkennen können, was da vor Euch wächst. Eines der wichtigsten Merkmale ist hier der Geruch! Bärlauch riecht nach Knoblauch - mal mehr, mal weniger stark, aber er tut es. Die Blattunterseite ist eher matt (beim Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen eher glänzend) und das Blatt insgesamt ist im Vergleich zu seinen giftigen Doppelgängern nicht so derb und hängt viel schneller schlaff herab. Beim Maiglöckchen wachsen die Blätter immer paarweise, bei der Herbstzeitlosen sind es sogar mehr als 2 Blätter, die erscheinen. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Blütenknospen, wie sie zur Erntezeit hier und da schon zu finden sind: Bärlauch hat die typischen Zwiebelblüten, als Blütenknospe noch in einer papierähnlichen Hülle verpackt, das Maiglöckchen schiebt seine Trauben-Blüten ohne eine solche Verpackung hervor  und die Knospe der Herbstzeitlose sieht ihm Ansatz eher aus wie eine Tulpenblüte. Jeder gute Wildkräuter-Experte, der ein wenig was von Pädagogik versteht, wird bei seinen geführten Touren zum Thema Bärlauch auch versuchen, Euch alle 3 Pflanzen zu zeigen (was nicht immer gelingt, da die drei mitunter zeitlich versetzt wachsen - der Bärlauch ist dabei die schnellste.)

Bärlauch und der Fuchbandwurm

Wie ist das nun mit dem Bärlauch und dem Fuchsbandwurm? Kann man Bärlauch aus der freien Natur ungekocht essen? Bitte hier alle noch mal nachlesen im Artikel zum Fuchsbandwurm. Kurz zusammengefasst:
  • Sammeln solltet Ihr keiner Blätter an Baumstümpfen, an Felsen oder sonstigen Erhebungen im Gebiet (Markierstellen der Füchse). 
  • Wer aus der Mitte eines Bestandes sammelt kann die Blätter relativ gefahrlos essen, ein Restrisiko besteht natürlich auch dann, wobei der Fuchsbandwurm selten ist.
  • Die Eier des Fuchsbandwurmes werden bei Temperaturen über 70 Grad abgetötet.
In einigen Rezepte werden rohen Bärlauch-Blätter verwendet. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte hier auf gekauften Bärlauch zurückgreifen, ABER: Dann auch unbedingt beim Wochenmark-Verkäufer nachfragen, ob das Gebiet aus dem der Bärlauch kommt auch Fuchssicher eingezäunt ist. Spätestens wenn Ihr verlangt, Euch die Aussage schriftlich geben zu lassen, werdet Ihr merkten, dass auch gekaufter Bärlauch oft nur Wildwuchs ist.

Der Natur zuliebe: Sparsam sammeln

Niemals ganze Pfanzen pfücken! Die Pflanzen und der Bestand sollten sich erholen können, damit Ihr auch im nächsen Jahr wieder sammeln könnt. Ein Blatt pro Bärlauch-Pfanze ist in Ordung und maximal 1/3 des Bestands, eher deutlich weniger. Wer mal ein Bärlauch-Massenauftreten im Wald gesehen hat, der sollte eben nur das Pfücken was er an einen Tag verbrauchen kann. Bärlauch hält sich im Gemüsefach des Kühlschranks etwa 2 Tage.

Bärlauchöl selbst gemacht

So, nun zum Essen :). Bärlauchöl ist ein Klassiker, der von April bis Juni in meine Salate wandert oder den ich zum Marinieren vom Grillfleisch einsetzte.

Klassisch wird Bärlauchöl durch Extrahieren
der klein geschnittenen Bärlauchblätter in Öl gewonnen.
Zutaten:
  • 3 Handvoll Bärlauchblätter
  • 1 Liter Öl, vorzugsweise Olivenöl, aber auch Raps- oder Sonnenblumenöl sind möglich
Blätter in feine Streifen schneiden und in einen möglichst weithalsigen Gefäß mit Öl übergießen. Dabei darauf achten dass wirklich die komplette Blattmasse mit Öl bedeckt ist. In den ersten 2 Tagen etwas umühren. Danach haben sich die Blätter meist vollständig mit ölgetränkt und sind versunken. Dann das Öl, je nach gewünschter Geschmacksintensität, 2-4 Wochen lichtgeschützt ziehen lassen. Abfilten und fertig.

Selbstgemachtes Bärlauchöl - Die Fuchsbandwurmsichere Variante

Wie versprochen der Hinweis: Wer hier frische Blätter nimmt geht das geringe Restrisiko ein. Im Öl sterben die Fuchsbandwurmeier nicht. Was tun? Es gibt mehrerer Möglichkeiten ein Öl herzustellen, bei dem die Fuchsbandwurmeier abgetötet sind, sollten da welche an der Pflanze kleben.

Bärlauchblütenknospen-Öl mit blanchierten Bärlauch-Blütenknospen

Dafür die Blüten mit kochendem Wasser übergießen und gut trockenen lassen. Die Blütenknospen werden nicht so "wabbelig" wie die Blätter und können im Anschluss zum Aromatisieren des Öls verwendet werden. Da sie recht dekorativ und essbar sind, bleiben sie bei mir in der Flasche und wandern beim Ausgießen Stückchenweise in die Salatsoße. Lecker.

Bärlauchblütenknospen-Öl mit fritiertem Bärlauch

Etwas Öl wird in einen Topf erhitzt. Das muss noch nicht mal kochen, nur die 70 Grad erreichen. Durch das Öl zieht Ihr die Bärlauchblätter oder schwenkt die Bärlauchblütenknospen kurz darin. Der Fuchsbandwurm und seine Brut ist tot. Die Blätter werden dadurch etwas labberig, was eben nicht mehr ganz so schön aussieht. Die frittierten Blätter schneidet Ihr Klein und gebt sie zum Aromatisieren ins Öl. Nach 1-2 Wochen könnt ihr die Blätter abfiltern und das Öl in eine schöne Flasche füllen.

Sanfte Hitze fürs Bärlauchöl

Das Bärlauch-Öl schon angesetzt mit frischem Bärlauch und nun doch Bedenken? Bevor Ihr nun literweise Bärlauchöl wegkippt, versucht es mal so: Das fertige Öl wie in der "Urversion" aus rohen Blättern kurz erhitzten. Wie gesagt, es muss nicht kochen, lediglich die 70 Grad erreichen. Dafür können die Blätter auch im Öl verbleiben. Anschießend abfiltern und gut ist. Das kaltgepresste Olivenöl ist nun natürlich ein leicht erhitztes geworden, aber Ihr könntet das sowieso nicht gennießen, wenn Ihr Bedenken wegen der Parasiten hättet. Und zum Wegschütten ist das Öl zu schade. Da finde ich diese "Notlösung" noch akzeptabel, der Geschmack wird ohnehin vom Bärlauch dominiert. Oder Ihr macht es wie ich....

Zwei Öle ein Geschmack

Wie macht das die Sindy? Für die Salate mache ich mir ein Bärlauchknospenöl aus blanchierten Blüten (sieht auch chic aus in der Flasche) und fürs Marinieren von Grillfleisch für die kommende Saison setzte ich mit eine Flasche Bärlauchöl aus frischen Bättern an. Das kommt dann ohnehin auf den Grill...jetzt läuft mit schon das Wasser im Mund zusammen....ein Steak mit Bärlauchölmarinade und Bärlauchbutter...oh, Bärlauchbutter?! Das ist ein gutes Rezept für Morgen.

Bärlauchöl lässt sich auch unbeschwert genießen, ohne Angst vor Fuchsbandwurm,
denn dagegen kann lässt sich was tun.

Samstag, 11. April 2015

Gartenschaumkraut als Kresse-Ersatz aufs Quarkbrot

Die Senfölglycoside geben den Schaumkräutern ihren Geschmack nach Kresse.
Hier landete das behaarte Schaumkraut, auch Gartenschaumkraut genannt, auf dem Teller.
Es ist ein ganz enger Verwandter der Ackerschmalwand (Arabidopsis).
Gähnenden Leere im Kühlschrank: Ein Schälchen Quark und ein paar Scheiben Toastbrot. Quarkbrot. Wie langweilig. Damit lockt man ja nun wirklich keinen hinter dem Ofen hervor. Nach dem frustigen Blick in den Kühlschrank, folgt der bereichernde Gang durch den Garten: Da! Ein Unkraut! Und es schreit: "Iss mich!" Na wunderbar. Zaubern wird daraus doch ein Unkrautgourmet-Essen :)
Und weil das so simpel ist, gibt heute noch ein wenig "Gedankenfutter" rund um einen engen Verwanden des Schaumkrauts dazu. Wer das nicht lesen möchte: Im letzten Abschnitt steht dann, wie man Gartenschaumkraut isst.


Das behaarte Schaumkraut oder Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta) ist ein waschechtes Unkraut und
wuchert gerne im Garten von faulen Gärtnern...so wie bei mir.

Was Gartenschaumkraut und Arabidopsis gemeinsam haben

In meinem Garten wuchert das behaarte Schaumkraut, auch Gartenschaumkraut genannt, lateinisch Cardamine hirsuta. Es ist eine sehr enge Verwandte der Ackerschmalwand. Warum ich das sage? Die Ackerschmalwand ist ein Unkraut das viele Biologen kennen, vor allem die Botaniker: Arabidopsis thaliana  - die botanische Drosophila. Das was in der zoologischen Gentechnik die Fruchtfliege ist, ist in der botanischen Gentechnik die Ackerschmalwand. Die wächst so schön schnell und braucht nur 4 Wochen um eine neue Generation hervorzubringen. Eben ein Unkraut. Was haben wir das Genom vom Arabidopsis im Studium durchgekaut - sprichwörtlich. Damals dachte ich nicht, dass ich das mal wörtlich nehmen werde.

Das genetische Haustier der Botaniker: Arabidopsis

Um  ein Gerücht aus der Welt zu räumen: die freilebenden Arabidopsis-Arten sind von Natur aus NICHT gentechnisch verändert! Die gentechnisch hergestellten "Mutanten" sollten eigentlich unter strengen Auflagen im Labor alle einen Tod im Autoklaven bei 120 Grad sterben. Die Genetiker haben sich für Arabidopsis entschieden, weil diese nach einem Monat einen kompletten Lebenszyklus beendet hat (vom Samen bis zum Samen) und weil sich das Erbgut bei ihr recht übersichtlich gestaltet (und immer noch kompliziert genug ist) und sich fremde Gene damit "relativ" einfach einschleusen lassen. An ihr "üben" die Genetiker sozusagen das Einbauen von artfremden Eigenschaften, wie die berüchtigte Pestizidresistenz, um diese dann z.B. beim Weizen oder Mais zu integrieren, wenn sie wissen, wo und wie. Mais braucht aber viel länger, bis er Früchte trägt, das Ergebnis lässt also lange auf sich warten. Wird die neue Eigenschaft vererbt? Beim Ackerschmalwand-Pflänzchen kann man das schon nach ein paar Wochen sagen. Wie sich das dann im Mais verhält, ist noch mal ein wenig anders. Es Ist wie ein Tierversuche am Kaninchen und am Mensch, nur eben im Pflanzenreich.
Betrachtet man sich die Blüten des Gartenschaumkrauts genauer erkennt man das Kreuz, dass der Familie ihren Namen gibt: Kreuzblütler (Brassicaceae).

Ein Horror-Unkraut aus dem Labor?

Über Sinn und Unsinn genetisch veränderter Pflanzen zu diskutieren, macht an dieser Stelle keinen Sinn. Nur so viel: Wer Arabidopsis im Garten hat, sollte sich nicht vor "gentechnischen Horrorszenarien" fürchten. Das Unkraut wird nicht zu einem blutrünstigen Monster mutieren und den Nachbarhund fressen. Auch die Giftspritze kann im Schuppen bleiben: ist das tatsächlich ein entkommenes Exemplar aus einem Labor, macht man dem mit Pestiziden ohnehin nicht den Gar aus. Aufessen hilft. Mir wachen davon keine Facettenaugen und Tod umfallen werde ich auch nicht. Die Menschheit ernährt sich seit Jahrmillionen von Genen die in jeder Zelle stecken. Der menschliche Körper ist es gewohnt Gene zu verdauen, egal ob von einer Bakterie (z.B. im Joghurt..jede Menge Gentechnik!), einer Pflanzen oder einem Tier. Wir tun das jeden Tag! Alles Organische enthält Gene. Unser Verdauungsapperat nimmt die auseinander! Problemlos. Aber die Natur ist es nicht gewohnt, dass ein direkter Genaustausch vom Erbgut zum Erbgut (wie bei einer Paarung) zwischen zwei gänzlich verschiedenen Lebewesen aus völlig unterschiedlichen Familien oder gar Stämmen übertragen wird. DAS ist das eigentliche Problem. Denn da kommen Dinge durcheinander, welche die Natur in vielen Milliarden Jahren Evolution sortiert hat und in ihrem Tempo immer wieder neu kombiniert. Und plötzlich hat man das Superunkaut im Garten, immun gegen jedes Gift, aber nicht gegen Messer und Gabel ;-). Natürlich ist das ein sehr ernstes Thema. Gentechnik ist mit Bedacht einzusetzten. Sie ist einfach etwas ganz anderes, als die jahrhundertelange, mühsame Züchtung von Mastschweinrassen.
Die harten Stängel bleiben außen vor. Blätter und Triebspitzen, sowie Blütenstände können vom
Gartenschaumkraut gegessen werden. Vielleicht noch etwas kleiner schneiden?
Das ist Unkrautvernichtung ohne Gift!

 

Ein kleiner botanischer Exkurs in die Welt der Kreuzblütler

So, zurück an den Esstisch: Arabidopsis und mein Gartenschaumkraut gehören zur Familie der Kreuzblütler, jener Familie zu der auch Raps, Kohl aller Art, Senf, Meerrettich, Kresse und das Wiesenschaumkraut gehören. Letzteres ist eines der "Klassiker" unter den Wildkräutern und wird von vielen Wildkräuterleuten als das Non-Plus-Ultra der Wiesen anpriesen. Klar: Das Wiesenschaumkraut ist größer, milder und die Stiele bleiben lange weich. Anfängerkost. Das Gartenschaumkraut und die Ackerschmalwand, sind  zwei echte Hardcore-Unkräuter. Gerade weil sie so schnelllebig sind, sind die kleinen Pflänzchen schnell derb und zäh. Wer mit 3 Wochen schon im Renten-Alter ist, ist eben nicht mehr jung und knackig. Das macht sie wohl so unbeliebt auf den Tellern. Die Senfölglycoside der Kreuzblütler machen die Pflänzchen dann auch noch scharf. Da machen viele Tiere einen Bogen drum.


So lasse ich mir Unkrautvernichtung gefallen. Ein paar Gundermann-Blüten als Deko und et voilà:
ein kressiges Unkrautgourmet-Toast mit biologisch angebautem Gartenschaumkraut an duftenden Gundermannblüten.


 

Ackerschmalwand, behaartes Gartenschaumkraut und Co. sind essbar

Lange Rede kurzer Sinn: Der Mensch mag es scharf und das Gartenschaumkraut ist genauso essbar wie die Ackerschmalwand oder die Kresse und schmeckt auch ähnlich.
Allerdings: Die Senfölglycoside, wie sie für die Familie der Kreuzblütler typisch sind, werden nicht von allen Menschen gleich gut vertragen. Diese Inhaltsstoffe finden sich auch im Gartenschaumkraut. Das macht den Kressegeschmack aus. Wer Kresse nicht leiden kann, hat seine Abneigung wahrscheinlich intuitiv auf Grund von Unverträglichkeiten der Senfölglycoside entwickelt.  Solche Abneigungen bitte ernst nehmen und die Finger besser vom Schaumkraut lassen. Wer Kresse mag, der findet im Gartenschaumkraut eine nette Abwechslung zu den kleinen Kressepflänzchen.

Nicht zu unterschätzen: Der Fasergehalt eines solchen Hardcore-Unkrauts ist natürlich gewaltig. Schwerverdauliche Kost. Wer sein Unkraut aufisst, sollte auch hier nicht körbeweise ernten, sondern einfach mal mit ein paar Blättchen anfangen. Bei Gartenschaumkraut schmecken - wie ich finde - übrigens die Blütenstände am besten. Wenn ich die ab mache und esse, fällt es der Pflanze schon mal deutlich schwerer sich auszubreiten.

 Unkraut ist schön! Gundermann- und Schaumkrautblüten auf Quark-Toast.

 

Wie isst man Gartenschaumkraut?

Einfach die Blättchen von den Stielen zupfen und die Blütenstände vom Stängel trennen. Alles gut abwaschen (da die Pflanze recht klein ist und sie dicht am Boden wächst, sind schnell Sandkörner an den Blättern), kleinschneiden oder im Ganzen lassen und aufs Quarkbrot legen. Wer möchte, kann noch etwas Salz und Pfeffer drüber streuen. Lecker. Gartenschaumkraut lässt sich überall dort einsetzten, wo man Kresse auch verwendet: im Salat, Omelett, Kräuterquark oder sogar als Gartenschaumkrautsüppchen.

Wääähhhhhh! Schon wieder leer :(

Ein Wahnsinn, oder? So ein langer Artikel über ein so profanes kleines Pflänzchen und seine Verwandten.


Freitag, 10. April 2015

Körbe wickeln - Vorsicht ansteckend :-)

Mein erster Korbwickel-Versuch und der Korb hält. Wer hätte das gedacht. Vom letzten Urlaub lagen noch haufenweise Schwarzkiefernadeln auf meiner Terrasse. Ich hatte noch nie so lange Nadeln gesehen und hab die natürlich gebunkert! Die Zeltplatz-Mannschaft muss mich für verrückt gehalten haben - das Auto war voll mit den Dingern als wir gefahren sind und unser Zeltplatz der einzige der absolut  Nadelfrei war. Bestimmt 20 cm lange Kiefernnadeln! Bis auf das Windlicht - hab ich mich aber immer gefragt, was ich wohl damit machen kann. Dann fiel mir per Zufall Bunte Körbe aus Gräsern und Kräutern: Die Technik des Korbwickelns neu entdeckt * in die Hände und ich war infiziert - mit dem Korbwickel-Virus :-).

Körbe aus Kiefernnadeln selbstgemacht. Do it Yourself - mit der richtigen Anleitung klappt es.

Korbwickeln ist ein günstiges Hobbys

Zugegeben: Kiefernnadeln sind weder Gräser noch Kräuter, aber was solls. Die Anleitungen von Walter Friedl sind wirklich extrem anschaulich und ich zwirbelte die Nadeln zwischen den Fingern, während ich durchs Buch blätterte: Das ist es! Ich mach einen Korb aus den Nadeln! Ich gehöre ja nun ohnehin zu denen, die gern Neues ausprobieren und hier war einen alte Technik, neu entdeckt, die nur wenig Equipment erfordert. Das gefällt mir. Die Sacknadel * hat mich ca. 2,50 Euro gekostet, das Baumwollgarn aus dem Bastelladen ebenfalls. 5 Euro für ein neues Hobby? Fantastisch! Hab schon mehr für weniger ausgegeben. Das Buch kommt noch dazu, aber das ist sein Geld wert.



Von Anfangsschwierigkeiten und Erfolgserlebnissen beim ersten Korbwickeln

Die Kiefernnadeln waren nun leider sehr steif, so dass ich diese erst mal 10 Minuten weichkochen musste. Dann wohl der schwierigste Teil: Die erste Windung. Einen "Starter-Knoten" mit dem Pflanzenmaterial wie im Buch vorgeschlagen, konnte hier nicht gemacht werden. Ich musst ein wenig improvisieren und entschied mich für eine Schnecke, wobei ich die ersten Zentimeter einfach stramm mit dem Baumwollfaden umwickelte, damit sie trotz Weichkochen nicht brachen, wenn ich sie so eng biegen musste. Das Nähen war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Naturmaterial verhält sich irgendwie anders als Stoffe. "Da muss man erst ein Gefühl für entwickeln", schreibt Walter Friedl in seinen Buch, und in der Tat, es braucht ein wenig Einfühlungsvermögen, bis man den richtigen Griff und die Routine sprichwörtlich entwickelt. Das Garn wird einmal ums Material gewickelt und die Nadeln unter den Faden der darunterliegenden Wicklung gezogen. Dann immer wieder stramm ziehen. Nächster Stich, oben rüber, untern durch, stramm ziehen. Hat man das Gefühl, die Menge in der Hand wird weniger, wird nachgeschoben. Die Nadeln habe ich dafür immer wieder in die Mitte der "Wurst" geschoben, mit den Spitzen voran. Dann wieder die Nadeln oben rüber, unten durch, stamm ziehen. Geht ganz schön auf die Finger. Echtes Handwerk! Nach 3 Stunden war es geschafft: Der erste Korb war fertig! Meine Hände auch, aber ich stolz wie Oskar.

Am schwierigsten ist der Anfang, doch rasch hat man das
Korbwickeln dank Walters Buch gelernt.
Das Ergebnis war kein Meisterwerk der Korbwickelkunst, aber ein stabiler Prototyp. Woran ich noch üben muss: Mir ist es in den seltensten Fällen gelungen den verknoteten Faden zu "verstecken". Irgendwie ist der immer wieder beim Stammziehen aufgetaucht. Auch das Stichmuster wird bestimmt noch regelmäßiger. Das meine Kiefernadeln aber eine derart sinnvolle Endverwendung gefunden haben, das freut mich am meisten. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste die tollen Nadeln dieses Jahr kompostieren, aber als Körbe dürfen die Nadeln noch einige Jahre als Eierkorb, Brotkorb, Utensilienbehältnisse oder was immer auf den Tisch stehen und dabei mit ihrem zarten Duft von harzigen, französischen Kieferwäldern an Urlaub erinnern. So ein Korb kann bei guter Pflege Generationen überdauern, schreibt der Autor. Na dann! Und ist der Korb nicht mehr schön: 100% Natur lassen sich immer noch kompostieren. Ich bin total begeistern. Diesen Sommer werde ich beim Korbwickeln wohl auch mal mit meinen Brennnesselstielen experimentieren. Und dann fällt mir im Garten noch jede Menge Unkraut ein :-).

Ein Korb voller Leidenschaft

Was zaubert sie dieses Mal aus dem Kochtopf?
Einen Korb!
Meine Leidenschaft war geweckt! Material für einen zweiten Korb hatte ich auch noch. Und so stand ich auch am nächsten Abend in der Küche und meine Kinder schauten in den Topf: "Mama? Kochst du wieder Körbe?" Aye! Der zweite Korb wickelte sich schon deutlich routinierter,  die Stiche wurden gleichmäßiger und die Hände wussten, was sie zu tun hatten.  Übung macht den Meister und beim Körbewickeln scheint das recht schnell zu gehen. Nach dem Prototyp war zwar auch der zweite Korb noch kein Meisterstück, aber konnte schon als Lehrstück durchgehen. Ich hatte zwei Osterkörbchen für meine Jungs - selbstgemacht. Super. Ich hab mich riesig gefreut und auch die Kinder haben nicht schlecht gestaunt, was Mama da wieder aus dem Kochtopf zaubert.

Das war sicher nicht der letzte Versuch, sondern der Anfang einer wunderbaren Leidenschaft. Und so werde ich zukünftig wohl nicht nur vor den Pflanzen stehen und mich fragen, was man daraus wohl kochen kann, sondern mir wird es wie Walter gehen, der in seinen Buch eine ähnliche Situation beschreibt, nur dass er sich fragt: "Kann man daraus Körbe wickeln?"
Um zu erleben, wie man mit "gewöhnlichem" Pflanzmaterial Körbe wickelt, werde ich das wohl mal bei meinen Binsen testen, sobald die wieder hochgewachsen sind. So viele Naturdochte brauch ich dann doch nicht. Ich freu mich aufs nächste Projekt mit Sacknadel und Garn. Dann werde ich auch Walters Tipp umsetzten, der mich  promt anschrieb und mir riet bei steifen Material, die Stiele für die ersten Windungen mit einer Zange vorzubiegen. Werd ich machen, Danke Walter!

Wer Walter Friedl im Internet besuchen möchte, der ist hier richtig: http://www.seifenkraut.at/. Ich hoffe, ich schaffe es eines Tages der Oststeiermark einen Besuch abzustatten und dem Meister der Körbe persönlich beim Wickeln über die Schulter zu schauen.

Happy End für die Kiefernadeln aus dem letzten Urlaub: Sie wurde zu einen Osterkorb.
* Dies sind Affiliate-Links. Aber keine Sorge, damit werde ich nicht reich ;)