Freitag, 10. April 2015

Körbe wickeln - Vorsicht ansteckend :-)

Mein erster Korbwickel-Versuch und der Korb hält. Wer hätte das gedacht. Vom letzten Urlaub lagen noch haufenweise Schwarzkiefernadeln auf meiner Terrasse. Ich hatte noch nie so lange Nadeln gesehen und hab die natürlich gebunkert! Die Zeltplatz-Mannschaft muss mich für verrückt gehalten haben - das Auto war voll mit den Dingern als wir gefahren sind und unser Zeltplatz der einzige der absolut  Nadelfrei war. Bestimmt 20 cm lange Kiefernnadeln! Bis auf das Windlicht - hab ich mich aber immer gefragt, was ich wohl damit machen kann. Dann fiel mir per Zufall Bunte Körbe aus Gräsern und Kräutern: Die Technik des Korbwickelns neu entdeckt * in die Hände und ich war infiziert - mit dem Korbwickel-Virus :-).

Körbe aus Kiefernnadeln selbstgemacht. Do it Yourself - mit der richtigen Anleitung klappt es.

Korbwickeln ist ein günstiges Hobbys

Zugegeben: Kiefernnadeln sind weder Gräser noch Kräuter, aber was solls. Die Anleitungen von Walter Friedl sind wirklich extrem anschaulich und ich zwirbelte die Nadeln zwischen den Fingern, während ich durchs Buch blätterte: Das ist es! Ich mach einen Korb aus den Nadeln! Ich gehöre ja nun ohnehin zu denen, die gern Neues ausprobieren und hier war einen alte Technik, neu entdeckt, die nur wenig Equipment erfordert. Das gefällt mir. Die Sacknadel * hat mich ca. 2,50 Euro gekostet, das Baumwollgarn aus dem Bastelladen ebenfalls. 5 Euro für ein neues Hobby? Fantastisch! Hab schon mehr für weniger ausgegeben. Das Buch kommt noch dazu, aber das ist sein Geld wert.



Von Anfangsschwierigkeiten und Erfolgserlebnissen beim ersten Korbwickeln

Die Kiefernnadeln waren nun leider sehr steif, so dass ich diese erst mal 10 Minuten weichkochen musste. Dann wohl der schwierigste Teil: Die erste Windung. Einen "Starter-Knoten" mit dem Pflanzenmaterial wie im Buch vorgeschlagen, konnte hier nicht gemacht werden. Ich musst ein wenig improvisieren und entschied mich für eine Schnecke, wobei ich die ersten Zentimeter einfach stramm mit dem Baumwollfaden umwickelte, damit sie trotz Weichkochen nicht brachen, wenn ich sie so eng biegen musste. Das Nähen war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Naturmaterial verhält sich irgendwie anders als Stoffe. "Da muss man erst ein Gefühl für entwickeln", schreibt Walter Friedl in seinen Buch, und in der Tat, es braucht ein wenig Einfühlungsvermögen, bis man den richtigen Griff und die Routine sprichwörtlich entwickelt. Das Garn wird einmal ums Material gewickelt und die Nadeln unter den Faden der darunterliegenden Wicklung gezogen. Dann immer wieder stramm ziehen. Nächster Stich, oben rüber, untern durch, stramm ziehen. Hat man das Gefühl, die Menge in der Hand wird weniger, wird nachgeschoben. Die Nadeln habe ich dafür immer wieder in die Mitte der "Wurst" geschoben, mit den Spitzen voran. Dann wieder die Nadeln oben rüber, unten durch, stamm ziehen. Geht ganz schön auf die Finger. Echtes Handwerk! Nach 3 Stunden war es geschafft: Der erste Korb war fertig! Meine Hände auch, aber ich stolz wie Oskar.

Am schwierigsten ist der Anfang, doch rasch hat man das
Korbwickeln dank Walters Buch gelernt.
Das Ergebnis war kein Meisterwerk der Korbwickelkunst, aber ein stabiler Prototyp. Woran ich noch üben muss: Mir ist es in den seltensten Fällen gelungen den verknoteten Faden zu "verstecken". Irgendwie ist der immer wieder beim Stammziehen aufgetaucht. Auch das Stichmuster wird bestimmt noch regelmäßiger. Das meine Kiefernadeln aber eine derart sinnvolle Endverwendung gefunden haben, das freut mich am meisten. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste die tollen Nadeln dieses Jahr kompostieren, aber als Körbe dürfen die Nadeln noch einige Jahre als Eierkorb, Brotkorb, Utensilienbehältnisse oder was immer auf den Tisch stehen und dabei mit ihrem zarten Duft von harzigen, französischen Kieferwäldern an Urlaub erinnern. So ein Korb kann bei guter Pflege Generationen überdauern, schreibt der Autor. Na dann! Und ist der Korb nicht mehr schön: 100% Natur lassen sich immer noch kompostieren. Ich bin total begeistern. Diesen Sommer werde ich beim Korbwickeln wohl auch mal mit meinen Brennnesselstielen experimentieren. Und dann fällt mir im Garten noch jede Menge Unkraut ein :-).

Ein Korb voller Leidenschaft

Was zaubert sie dieses Mal aus dem Kochtopf?
Einen Korb!
Meine Leidenschaft war geweckt! Material für einen zweiten Korb hatte ich auch noch. Und so stand ich auch am nächsten Abend in der Küche und meine Kinder schauten in den Topf: "Mama? Kochst du wieder Körbe?" Aye! Der zweite Korb wickelte sich schon deutlich routinierter,  die Stiche wurden gleichmäßiger und die Hände wussten, was sie zu tun hatten.  Übung macht den Meister und beim Körbewickeln scheint das recht schnell zu gehen. Nach dem Prototyp war zwar auch der zweite Korb noch kein Meisterstück, aber konnte schon als Lehrstück durchgehen. Ich hatte zwei Osterkörbchen für meine Jungs - selbstgemacht. Super. Ich hab mich riesig gefreut und auch die Kinder haben nicht schlecht gestaunt, was Mama da wieder aus dem Kochtopf zaubert.

Das war sicher nicht der letzte Versuch, sondern der Anfang einer wunderbaren Leidenschaft. Und so werde ich zukünftig wohl nicht nur vor den Pflanzen stehen und mich fragen, was man daraus wohl kochen kann, sondern mir wird es wie Walter gehen, der in seinen Buch eine ähnliche Situation beschreibt, nur dass er sich fragt: "Kann man daraus Körbe wickeln?"
Um zu erleben, wie man mit "gewöhnlichem" Pflanzmaterial Körbe wickelt, werde ich das wohl mal bei meinen Binsen testen, sobald die wieder hochgewachsen sind. So viele Naturdochte brauch ich dann doch nicht. Ich freu mich aufs nächste Projekt mit Sacknadel und Garn. Dann werde ich auch Walters Tipp umsetzten, der mich  promt anschrieb und mir riet bei steifen Material, die Stiele für die ersten Windungen mit einer Zange vorzubiegen. Werd ich machen, Danke Walter!

Wer Walter Friedl im Internet besuchen möchte, der ist hier richtig: http://www.seifenkraut.at/. Ich hoffe, ich schaffe es eines Tages der Oststeiermark einen Besuch abzustatten und dem Meister der Körbe persönlich beim Wickeln über die Schulter zu schauen.

Happy End für die Kiefernadeln aus dem letzten Urlaub: Sie wurde zu einen Osterkorb.
* Dies sind Affiliate-Links. Aber keine Sorge, damit werde ich nicht reich ;)

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