Mittwoch, 17. Juni 2015

Cremige Rapsblütensuppe

"Sagen Sie junge Frau, essen Sie auch ganz normales Gemüse?" Ich musste mir schon auf die Zunge beißen, um nicht schallend zu lachen. Ja, auch ich esse ganz "normales" Gemüse, was auch immer das ist. Ich glaube Zwiebeln gehören dazu, oder? Und Raps. Oder nicht? Ist Raps normal?  Für mich schon, der Großteil der Menschen wird Raps wohl nur als Nutzpflanze zur Ölgewinnung kennen. Ich mag euch deshalb heute und morgen zwei Gerichte mit Raps als Gemüsepflanze zeigen - und ja, da ist auch "normales" Gemüse drin...wenigstens eine Zwiebel. Die Leute haben schon eigenartige Vorstellungen von "normal".

Ein Süppchen mit Rapsblüten. Beim Essen kann man drüber nachdenken, ob Raps nun Gemüse ist
oder...ja was eigentlich? Obst? Streng botanisch betrachtet gibt es die Begriffe beide nicht: Raps ist ein
Kreuzblütengewächs mit Schotenfrüchten.

Zutaten für die cremige Rapsblütensuppe

Das "echte" Gemüse sieht man kaum: Die Zwiebel liegt unter
dem, Strauß von Raps, der etwa 100 g Blüten beinhaltet.
  • 200 g Rapsblüten (oder Ackersenf, der schmeckt auch)
  • 1 Zwiebel (Gemüse!)
  • 1-2 EL Butter
  • 400 ml Gemüsebrühe
  • 200 ml Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • Deko: Rapsblüten, dunkles Öl wie Rotöl oder Kürbiskernöl

Zubereitung der Rapsblütensuppe

Die groben Stiele werden entfernt. Für die Suppe niemmt man
nur die oben weichen Blütenstiele samt Blüten.
Die Zwiebel würfeln, die groben Stiele vom  Raps wegschneiden, die Blüten grob hacken und in der Butter dünsten, dann mit Brühe und Sahne ablöschen, noch einmal aufkochen und gut 10 min weiter köcheln lassen. Die Suppe pürieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Rotöl oder Kürbiskernöl und einigen Rapsblüten garnieren. Das neue  Rotöl (Johanniskrautblütenöl) steht bei mir schon in der Sonne, braucht aber noch 6 Wochen.

Die Suppe schmeckt auch noch einmal aufgewärmt sehr gut und hat einen milden Rapsgeschmack. Kinder sollten sie nur essen, wenn sie einen "Jeap" drauf haben, wegen der Eruca-Säure (dazu gleich noch was).


Vom Raps, vom Sammeln und von der Eruca-Säure

Bei ökologischer Felderwirtschaft trifft man immer auch auf Flächen
mit Gründüngung. Hier hole ich meinen Raps.
Bitte nicht aus den Monokulturen, wo gespritzt wird!
Wie bei den Brennnesseln wachsen auch Rapspflanzen gerne überall da, wo fleißig gedüngt wird. Wer Raps von einen reinen Rapsfeld holt, der sollte sich mit der Nitratbelastung und den Pestizid-Gepflogenheiten seiner Bauern auseinander setzten. Nahezu unproblematisch ist es, Rapsblüten dort zu pflücken, wo er zusammen mit Buchweizen, Lein und Bienenfreund (Phacelia) als Gründüngung ausgebracht wurde. Diese 4 Arten stecken gerne in Samenmischungen für Gründüngungen und sind deshalb auf solchen Feldern als immer die gleiche Mischung anzutreffen und leicht zu erkennen. Im Herbst wird die Gründüngung ohnehin untergegraben, eshalb selten der bauer etwas dagegen hat, wenn man aus solchen Gründüngungfeldern ein paar Rapsblüten holt (vorher aber fragen!).
Aus reinen Rapsfeldern würde ich Rapsblüten nicht nehmen, da in Monokultur angebauter Raps nahezu immer gespritzt oder sonstwie mit Pestizden behandelt ist oder gentechnisch verändert wurde.
Nun kommt das ABER: In Gründüngungsmischungen ist meist der "Urraps"  enthalten, dessen Samen viel kleiner bleiben. Wer sich nun auskennt wird aufschreien und sagen: "Bist du des Wahnsinns! Im Urraps ist Eruca-Säure drin!" Ja, viele Gründüngungmischungen mit Raps enthalten noch Rapskörner, dessen Pflanzen durchaus noch etwas Eruca-Säure enthalten können, da diese eben nicht zum Essen/Ölgewinnung gedacht sind. Für alle die nicht wissen, worum es geht: Eruca-Säure ist eine einfach ungesättigte Fettsäure, die in großen Mengen genossen den Herzmuskel verändern kann und zu Herzverfettung führt. Das ist auch der Grund, warum man anfangs Rapsöl auch nicht als Speiseöl verwenden konnte. Erst durch die Züchtungen und die Gentechnik ist es gelungen, den Eruca-Säuregehalt stark zu reduzieren bis hin zu Null. Auf diese Weise wurde Rapsöl sogar gesund, denn es enthält einen hohen Anteil an essenziellen Fettsäuren wie die alpha-Linolensäure. Der aufgeklärte Unkrautgourmet denkt aber mit: Eruca-Säuren finden sich im wilden Raps in wirklich größeren Menge nur in den Samen einer Rapspflanze. Wir essen hier aber die Blüten! Die Samen sind noch winzig klein und die Menge in meinen Augen für einen gelegentlichen Genuss durchaus bei guter Gesundheit vertretbar, zumal ich Raps wirklich nur an einer handvoll Tage im Jahr essen und nicht kiloweise, wie man das bisweilen mit Fleisch und den Antibiotika macht. Und wie die Geschichte der Familie Odone, die als "Lorenzos Öl" (der Link führt auch zu Wikipedia) so grandios verfilmt wurde zeigt: Auch Eruca-Säure hat ihre Berechtigung. Wichtig ist der verantwortungsvolle Umgang und das eigene Körpergefühl. Wer viele Wildkräuter isst, der wird die innere Stimme immer lauter hören, die einen sagt, was man braucht und was nicht. Und so bleibt oft genug der Raps bei mir links liegen. Nur diese Woche habe ich ihn irgendwie gebraucht.

Rapsblüten in Suppenform. Köstlich.


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