Samstag, 27. Juni 2015

Kirschkernlikör (Kirsch-Armaretto), Kirschstieltee und Katzengoldtrunk (Tee aus Kirschharz)

Die Kirsche kann mehr

Hier müsste nun eigentlich ein ziemlich unappetitliches Bild einer Schale voller ausgespuckter Kirschkern und abgezupfter Kirschstiele kommen. Aber das erspare ich euch. Kirsch-Rezepte gibt es in allen Koch-Foren im Web - für alle anderen Pflanzenteile gibt es den Unkrautgourmet.
Meist landen die Kerne und Stiele nach dem großen Kirschenessen im Müll und schon schreit der Unkrautgourmet wieder auf: NEIN! Tut´s nicht! Und nun kommt auch nicht der Vorschlag zum 1000sten Kirschkernkissen, das hatten wir schon mit Mirabellenkernen. Dieses Mal nehme ich Euch mit in die Welt der Getränke.

Kirschstiele, Kirschharz und jede Menge Kirschkerne sind die Grundlage für Likör und Tee.

Tee mit Kirschstielen gegen Husten

Mutet puristisch und ein wenig ökorebellisch an:
der Kirschstieltee.
  • 1 Handvoll (getrockneter) Kirschstiele 
  • 1 Kanne Wasser

Stiele mit kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten ziehen lassen.

Wozu soll das gut sein? Nun, Kirschstieltee wirkt entschlackend (also wunderbar für die nächste Frühjahrskur), ist schleimlösend bei Husten und anderen Atemwegserkrankungen (also wunderbar für den Herbst und Winter). Wegen seiner Wirkungen lohnt es sich die Kirschstiele aufzuheben und zu trocknen. Der Tee lässt sich mit frischen und getrockneten Stielen gleichermaßen gut zubereiten. Getrocknet halten sich die Stiele etwa 2 Jahre. Geschmacklich ist der Tee allerdings eine Enttäuschung, da er so gut wie kein Aroma hat. Wer Kirschgeschmack erwartet, sollte noch ein paar Kirschen trocknen und mit in den Kirschstieltee geben. Ich mixe in Erkältungstees ein paar Kirschstiele mit hinein. Sagt ja keiner dass man den Kirschstieltee nur pur trinken soll.
Auch lassen sich die Stiele prima Tassenweise zu Bündeln verschnüren. Auf diese Art kann man einfach ein Bündel pro Tasse mit kochendem Wasser übergießen und muss keine ganze Kanne trinken.

Kirsch-Amaretto für Genießer und Chemiker

Das ist in 3-6 Monaten Kirschkern-Amaretto.
Seid Jahren kaufe ich keinen Amaretto mehr. Das Benzaldehyd, dass dem Amaretto seinen Marzipangeschmack verleiht, steckt ja schließlich in so ziemlich jeder Steinfrucht und ist mit hochprozentigem Alkohol recht leicht zu extrahieren. Und nun kommt der Chemiker unter den Biologen aus mir hervor: Klar haben wir im Studium auch mal mit Alkoholika "experimentiert": Wenn man Amaretto stark mit Ethanol verdünnt, was riecht man dann? Richtig! Wildkirscharoma. Außerdem wird als Mixzutat für Cocktails in Verbindung mit Amaretto häufig Kirschsaft in den Cocktailrezepten gelistet. Was liegt also näher, als ein Kirschkernlikör?
Ganz wichtig: Nur unbeschädigte Kirschkerne verwenden!
Der Blausäureanteil wird sonst zu hoch.


  • 700 ml Wodka
  • 500g  Kirschkerne
  • 1 Vanilleschote (ich hab meine dieses Mal weggelassen)
  • 250 g Zucker

Alles miteinander vermischen und 3, besser 6 Monate stehen lassen. Danach abfiltern und in Flaschen füllen. Ein schönes Weihnachtsgeschenk...vielleicht mit meinen Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!" ?

Katzengold-Tee - Tee aus Kirschharz für die Harnwege

Kirschharz löst sich in heißem Wasser, doch die schwarzen Krümel darin lassen nichts Gutes ahnen.

Im heißen Wasser löst sich das Kirschharz auf...und setzt so
allerlei Krümelkram und Tierleichen frei.
Das mutet abenteuerlich an und ich muss gestehen, ich habe die Idee dafür aus einer Schrift über den Baum des Jahres 2010, die Wildkirsche, gefunden. Das Dokument könnt ihr hier nachlesen, das mit dem Harztee steht auf Seite 3 ganz unten.  Kirschharz-Tee findet man auch in älten Kräuterbüchern als "Katzengoldtrunk". Er ist gut bei Blasenerkrankungen. Hm. Wie das wohl schmeckt? Und ob das überhaupt funktioniert? Kirschharz direkt vom Baum? Mal wieder einer von Sindy´s berühmten Selbstversuchen. Bei der diesjährige Kirschernte begegnete mir doch prompt so ein kleines Klümpchen und wandere in meinen Sammelkorb. Zwischen all den Kirschen habe ich das dann sogar wiedergefunden. Also hinein ins Abenteuer:
  • 1 Fingerkuppengroßes Stück Kirschharz 
  • 1 Tasse kochendes Wasser

Erstörung von geologischen Zeitzeugen: zukünftige Fossilien
schwimmen im Kirschharz-Tee ;-)
Das Harz im Wasser lösen und bei Bedarf süßen.

Das Fazit zum Kirschharztee

Geschmack: leicht harzig, aber nicht so intensiv wie gedacht. Nach Kirsche schmeckt der Tee überhaupt nicht. Schwer zu sagen, wonach der überhaupt schmeckt.
Nachteil: Auch du meine Güte! Hätte der Klumpen noch 20.000 Jahre gelagert, wären aus den in meinem Tee herum schwimmenden Insekten doch tatsächlich Zeitzeugen fossiler Art geworden. Leider lösen sich mit dem Harz alle Bestandteil die am und in demselben geklebt haben. So treiben neben kleinen Kirschfliegenleichen auch Rindenstückchen und allerlei Schmutzpartikel im Tee. Mich störts nicht weiter, ist ja alles abgekocht. Aber zum Trinken setzt man besser die Brille ab.

Kommentare:

  1. Hallo Sindy,
    Dein Blogeintrag kommt mir heute genau richtig :-) Vorhin habe ich nämlich eine ganze Ladung Kirschen bekommen. Und ich hätte tatsächlich den ganzen "Müll" weggeworfen. Den Likör und den Tee probier ich auf jeden Fall aus!
    Viele Grüße und danke für Deine tollen Beiträge!
    Marion

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  2. Hallo Marion,
    freut mich dass Dir und vielen anderen mein Blog gefällt:-)
    Mir geht´s nicht anders mit den Kirschen. Die letze Ladung habe ich gestern verarbeitet und Kirschstieltee für die nächsten gefühlten 500 Jahre gesammelt :-). Mal sehen vielleicht fällt mir dazu ja noch was ein. Ob man die essen kann, wenn man sie röstet oder zu Mehl verarbeitet? Mal sehen wann ich mal Zeit finde, das auszuprobieren.
    Viel Spaß beim Schmöckern.

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