Freitag, 19. Juni 2015

Hähnchenbrust im Brennnesselsamenmantel auf Gierschgemüse oder Paleo und die Sache mit den Kokosnüssen

Wir haben Freunde, die dem Trend der Paleo-Ernährung seit geraumer Zeit folgen und somit eine Ernährungsweise leben, die einen recht hohen Kokosnuss- und Fleischanteil hat. Per se ist nichts dagegen einzuwenden, aber....

Unkrautgourmet goes Paleo: Dieses Gericht ist 100% Steinzeit.
Fleisch konsumieren wir auch -gelegentlich- und nutzen, wann immer möglich, Bio-Tier aus der Region. Das machen unsere Paleo-Freunde auch. Aber Kokosnüsse? Ok, mal zu Weihnachten für Makronen. Kokosnüsse sind bei uns in der Familie ein "Luxusgut", da die Früchte importiert und exotisch sind. Sie sollen etwas Besonderes bleiben. Also nichts, dass es jede Woche oder gar jeden Tag gibt. In der Paleo-Küche wird jedoch wirklich viel mit Kokusnussmus, -milch, -mehl und -öl gekocht. Sicher, es ist gesund. Aber Bio-/Öko-Siegel hin oder her, Fair-Trade hin oder her: die Produkte MÜSSEN importiert werden und damit ist die CO2-Bilanz  einer solchen Ernährung auf Dauer für mich ein Ausschluss-Kriterium (und dann haben wir vom täglichen Rindfleisch noch nicht mal gesprochen). Und so diskutierte ich einen ganzen Abend lang mit meinen Freunden über Paleo, Essen und regionale Unkräuter. Meine Freundin liebt Hühnchen mit Kokosnuss-Knusperpanade und so entstand eine Challange, die ich gerne annahm: Koch Hühnchenbrust im Knuspermantel "auf Paleo", und weil es nicht so einfach sein sollte, durfte ich auch keine Mandeln verwenden, denn die haben aktuell ebenfalls noch nicht Saison. Ein breites Grinsen lief mir über das Gesicht: Herausforderung angenommen.


Hähnchenburst im Brennnesselsamenmantel auf Gierschgemüse

Zutaten für 4 Personen:
Brennnesselsamen lassen sich von jetzt bis September
sammeln. Hier dienen sie als Panade.
  • 4 Hähnchenbrüste von regional glücklich gelebten und gestorben Hühnchen
  • ca. 200 g Brennnesselsamen
  • 2 Eier
  • 6 Handvoll junge Gierschblätter (auch mit Blüten)
  • 400 ml Fleischfond
  • 3 Zwiebel
  • Salz und Pfeffer
  • Rapsöl 

Zubereitung dieses Paleo-meets-Brennnessel-Gerichts

Das Ei verrühren. Die Hähnchenbrüste leicht salzen und pfeffern und in Ei wenden, abschließend mit den Brennnesselsamen panieren. Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die panierten Hähnchenbrust ringsum anbraten. Sollten die Samen dabei zu dunkeln werden, die Hitze etwas zurück schalten.
Derweil die Gierschblätter waschen und von den Stielen trennen. Die Stiele sehr klein schneiden, die Blätter grob zerteilen. Die Zwiebel in Würfel schneiden und in Öl glasig dünsten, die Gierschstiele zugeben ein bis zwei Minuten mitdünsten, dann die Gierschblätter zufügen und mit Fleischfond ablöschen. Das Gemüse einige Minuten kochen und dabei den Fond reduzieren lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Gemüse und die Hähnchenbrüste auf einen Teller anrichten und servieren.

So schön kann Unkraut-Paleo-Panade sein - und den Nachbarn freuts auch, fliegen doch die
Brennnesselsamen nicht zu ihm rüber.

Fazit: Auch ein Unkrautgourmet kann dem Paleo-Trend folgen

Wir waren alle begeistert. Brennnesselsamen (die ersten reifen Samen findet man bereits an sonnigen Standorten bei uns an der Badischen Bergstraße) ergeben eine tolle Panade. Einzig die Hitze darf man nicht zu hoch schalten, sonst verbrennen die kleinen Nüsschen. Der Geschmack ist nussig-fein und ein wenig wild-herb. Die Samenkörnchen lassen sich prima essen, halten wunderbar am Eifilm fest und sind ein wahres Power-Paket an Gesundheit: Sie wirken aphrodisierend und lassen sich als "deutsches Ginseng" bezeichnen. Ein echtes heimisches Superfood! Der Giersch passt ohnehin zur Bennnessel und so war die Idee nicht weit, Giersch als Gemüsebeilage zu kredenzen. Das ist 100 % Paleo und fast genau so wie in der Seinzeit! Da gab es alle Zutaten schon, wenn auch die Zwiebeln wohl etwas weniger gezüchtet waren. Meine Freunde waren überzeugt - es geht. Mit ein bisschen Phantasie lassen sich auch in dieser Trendernährung exotische Artikel auf einen heimischen Nenner bringen. Wir freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Kochabende, in denen wie das eine oder andere Paleo-Gericht  auf heimisches Steinzeitniveau herunterbrechen wollen.
So entstehen manchmal die Ideen für die Rezepte hier im Unkrautgourmet.

Giersch, Zwiebel, Hähnchen, Brennnesseln - all das gab es in der Steinzeit in
Urform auch schon. Restaurant-Preis heute....gute Frage, sicher teuer, da doch Paleo.

Keine Kommentare:

Kommentar posten