Donnerstag, 4. Juni 2015

Linsensalat mit Rauke und Giersch

Abenteuer Linsensalat! Eigentlich ist Linsensalat ein total simples Gericht. Bereitet man es aber mit Giersch und Rauke zu, begegnet man unter Umständen der einen oder anderen Hürde. Heute nehme ich Euch mit auf die wundersame Reise in die Unkrautgourmetküche mit Kindern und einen Linsensalat, der uns einen ganzen Nachmittag beschäftigte, obwohl er in 15 Minuten zubereitet war. Doch zuerst zum Rezept.
Pflanzliches Eiweiß aus den Linsen, Vitalstoffe aus Giersch und Rauke, Blüten als Seelenfutter -
Linsensalat ist schnell gemacht und nährt den ganzen Menschen.


Zutaten für den Linsensalat

Linsen, Rauke, Giersch und Blüten - zusammen mit Öl, Essig,
Salz und Pfeffer hat man eine tolle Mahlzeit.
  • 250 g Linsen
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • eine große Handvoll Rauke (heißt auch Rucola und gibt es in der "Wildnis" haufenweise)
  • eine große Handvoll Giersch
  • 3 EL Rapsöl
  • 3 EL Balsamicoessig
  • Salz, Pfeffer 

Zubereitung des Linsensalat

Rauke und Giersch waschen und kleinschneiden. Derweil die Linsen in der Gemüsebrühe bissfest kochen (10 min; rote Linsen werden schnell matschig, deswegen die Linsen am Ende der Kochzeit nicht zu lange kochen lassen), dann die Linsen abspülen, mit den Kräutern, Essig, Öl und Salz und Pfeffer verrühren. Den Salat bei Bedarf noch mal mit etwas Essig, Salz und Pfeffer abschmecken.

Abenteuer Linsensalat - Blüten unter der Lupe

Gierschblüten, Taglilienblüten oder Schnittlauchblüten im Garten? Dann rauf damit auf den Salat. Taglilien blühen nur einen Tag (daher der Name!), man kann sie also getrost am Abend abschneiden, wenn sie tagsüber geblüht haben und in den Salat geben. Natürlich kann man auch noch geschlossene Knospen verwenden, aber dann geht einen die Freude an der Blütenpracht verloren.
Meine Jungs haben noch nicht so das Gespühr dafür entwickelt, welche Blüte den nun nicht mehr oder erst noch blüht. So haben sie eine Knospe aus dem Garten mitgebracht, die noch geblüht hätte. Mama drückt ein Auge zu.
 Bei den Gierschblüten gab es eine Überraschung, als ich sagte: "Holt auch die weißen Blüten." Empört kam: "Mama, die sind ja gar nicht weiß, da ist ja auch lila." Stimmt. Ich muss wohl genauer werden bei der Ansagen. Ich ließ meine Jungs dann fachsimpeln, was denn da lila ist und zücke für nähere Untersuchungen meine Botaniker-Lupe - Mamas Heiligtum. Das eingehende fachkundliche Begutachten mit wissenschaftlichem Gerät hat sich aber für die beiden  gelohnt. Ihr abschließendes Urteil: Das sind Staubgefäße. Richtig! Bravo! Ihr Fazit: Diese Blüte ist viel zu schön zum Essen. Mphf. Sie landete dann aber doch im Salat.
Das was da so Lila hervorschimmert sind die Staubgefäße der Gierschblüten.
Wunderschön, oder? Die Natur im Mikrokosmos.

Abenteuer Linsensalat - Mal wieder nichst mit veganer Kost?

Nächster Aufschrei: "Mama! Käfer!" Und in der Tat. Ein kleiner Käfer krabbelte zwischen den Raukeblättern herum und direkt vor die Linse meiner Kamera. "Was ist das für einer?" Oh Gott. Ich bin nun nicht so der Entomologe, weiß aber, dass der zu den Coleptera in die Familie der Coccinellidae, der Marienkäfer, gehört. Davon gibt es in Deutschland etwa 80 Arten. Ich erkenne grade mal eine Handvoll davon sofort und dieser hier gehört leider nicht dazu.  Bisher bin ich noch nicht dazu gekommen ihn zu bestimmen. Vielleicht habt Ihr, Ihr lieben Blogleser, Lust oder Erfahung mir zu sagen, was für ein Marienkäfer das auf dem Bild ist. Jedenfalls hatte meine Rauke im Topf noch vor ein  paar Tagen recht viele Blattläuse, von denen keine einzige mehr bei der Ernte zu finden war. Vorsichtig drehen und wenden wir jedes Blatt. Nicht dass da noch eine Marienkäferlarve sitzt....
"Mama, hoffentlich essen wir keinen Käfer mit", stichelte mein 12-Jährger und schielte auf seinen kleinen Bruder und die Stichellei trug schon Früchte: "Igitt. Ne, ich mag den Salat nicht essen."  Na prima. Glaub jede Mutter kennt solche Geschichten zu genüge. Schade eigentlich. Aber wer kleine rosa Schweinchen als Brotbelag essen will, der darf vor einen Käfer doch keine Angst haben. Ok, Marienkäfer schmecken furchtbar. Extrem bitter...fragt jetzt nicht....wir schauten die Rauke zur Sicherheit ein zweites Mal durch. Der Magen fing schon an zu knurren...

Das Problem mit essbarer Rauke im Sommer

Wer jetzt im Juni Rauke oder auch Rucola genannt im Freien sucht, wird sie wohl kaum erkennen, denn sie sieht so aus:
Eruca sativa (Rauke oder Rucola) sieht im ausgewachsenen Zustand aus sie ein struppiges Drahtgeflecht in Grün. Im Hintergrund wächst die Gerste - Rauke findet man in der Tat oft als "Randbewuchs" an Feldern. Hier sollte man sie auch nicht essen, wegen der Spritzmittel, aber Rauke-Saatgut lässt sich hier prima gewinnen.

Schon mal gesehen? Besimmt. Nur wirklich wahrnehmen tut man die Pflanze erst, wenn man sie das erste Mal in der Hand hält, an ihr riecht und sie probiert. Ja, Rauke ist das selbe wie Rucola! Sie wird auch als Senfrauke, Salatrauke oder Ölrauke bezeichnet, nicht zu verwechseln mit der Knoblauchsrauke. Die im Handel erhältlichen Rauke-Samen sind soweit verändert worden, dass die Bitterstoffe mal wieder weitestgehend weggezüchtet wurden. Wer diese unsprünglichen Bitterstoffe mal schmecken mag, der kann die ausgewachsenen Blätter der Rauke kosten. Schmecken gruselig. Wenn Rucola mal in die Höhe geschossen ist, werden seine Blätter nämlich wirklich extrem bitter und sie sind nur was für Hardcore-Wildkräuterfanatiker (ich nutzt solche Raukeblätter auch, aber nur wenn ich allein essen).  Dieser Linsensalat sollte nun aber für Kinder sein, und hierfür pflanze ich einfach ab April immer mal wieder einen Topf mit Raukesamen an. Das Saatgut hole ich mir z.B. von der Pflanze oben auf dem Bild - aus Wildwuchs.
Noch blüht die Rauke. In 2-3 Wochen sind die Samen reif zum Ernten.
Solch wilde Rauke brauch 2-3 Monate im Topf, dann ist sie erntfähig.  So hat man auch in der kalten Jahreszeit "was Grünes". Rauke im Winter ist deshalb interessant, weil sie durch ihre Inhaltsstoffe prädestieniert für die Erkältungszeit ist. Und auch bei mir ist es so, dass ich einen regelrechten "Jeap" auf Rauke bekommen, wenn sich eine Erkältrung anbahnt oder mich schon eine erwischt hat. Auch die Rauke im Topf hat  im Jungstadium einen recht strengen Geschmack und wird von Kindern allgemein nicht gern gegessen. Hier kommt der Giersch ins Spiel...

Giersch und Rauke - eine perfekte Mischung

Giersch und Rauke lassen sich prima nahazu ganzjährig im Topf kultivieren.
Der Giersch ist selbst so streng im Aroma, dass er mit der Rauke gut konkurrieren kann. Er nimmt der Rauke ganz viel Bitterkeit und Schärfe, so dass man theoretisch auch ein paar ältere Rauke-Blätter mit zugeben kann. Die Rauke selbst lenkt im Gegenzug mit ihrer Schärfe von strengen Aroma des Gierschs ab. Beide Pfanzen "verliehren" somit ihrem typischen Geschmack, der von vielen einzeln wahrgenommen nicht gern gemocht wird. Zusammen aber ergeben sie was Neues. Als ich Rauke zum ersten Mal mit Giersch kombiniert habe, war ich skeptisch. Kann das gut gehen? Mittlerweile empfinde ich das als DAS ultimative Duo in der Wildkräuterküche. Der Linsensalat wurde dann auch von allen gegessen, auch von meinen 9-Jährigen, der dennoch jeden Löffel auf der Suche nach Käfen erst mal durchwühlte.
So lecker! Linsensalat mit Giersch und Rauke, dekoriert mit ein paar Taglilienblüten.

Schön oder? So viel "Abenteuer" nur weil man ein so simples Gericht, dass man statt mit Petersilie oder TK-Kräutern, mit Kräutern aus der Natur zubereitet. Und gesund ist das auch noch. Darf ich meinen Kindern bloß nicht sagen, dann wollen die doch lieber Nutella-Brote...sind halt Kinder.

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