Samstag, 11. April 2015

Gartenschaumkraut als Kresse-Ersatz aufs Quarkbrot

Die Senfölglycoside geben den Schaumkräutern ihren Geschmack nach Kresse.
Hier landete das behaarte Schaumkraut, auch Gartenschaumkraut genannt, auf dem Teller.
Es ist ein ganz enger Verwandter der Ackerschmalwand (Arabidopsis).
Gähnenden Leere im Kühlschrank: Ein Schälchen Quark und ein paar Scheiben Toastbrot. Quarkbrot. Wie langweilig. Damit lockt man ja nun wirklich keinen hinter dem Ofen hervor. Nach dem frustigen Blick in den Kühlschrank, folgt der bereichernde Gang durch den Garten: Da! Ein Unkraut! Und es schreit: "Iss mich!" Na wunderbar. Zaubern wird daraus doch ein Unkrautgourmet-Essen :)
Und weil das so simpel ist, gibt heute noch ein wenig "Gedankenfutter" rund um einen engen Verwanden des Schaumkrauts dazu. Wer das nicht lesen möchte: Im letzten Abschnitt steht dann, wie man Gartenschaumkraut isst.


Das behaarte Schaumkraut oder Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta) ist ein waschechtes Unkraut und
wuchert gerne im Garten von faulen Gärtnern...so wie bei mir.

Was Gartenschaumkraut und Arabidopsis gemeinsam haben

In meinem Garten wuchert das behaarte Schaumkraut, auch Gartenschaumkraut genannt, lateinisch Cardamine hirsuta. Es ist eine sehr enge Verwandte der Ackerschmalwand. Warum ich das sage? Die Ackerschmalwand ist ein Unkraut das viele Biologen kennen, vor allem die Botaniker: Arabidopsis thaliana  - die botanische Drosophila. Das was in der zoologischen Gentechnik die Fruchtfliege ist, ist in der botanischen Gentechnik die Ackerschmalwand. Die wächst so schön schnell und braucht nur 4 Wochen um eine neue Generation hervorzubringen. Eben ein Unkraut. Was haben wir das Genom vom Arabidopsis im Studium durchgekaut - sprichwörtlich. Damals dachte ich nicht, dass ich das mal wörtlich nehmen werde.

Das genetische Haustier der Botaniker: Arabidopsis

Um  ein Gerücht aus der Welt zu räumen: die freilebenden Arabidopsis-Arten sind von Natur aus NICHT gentechnisch verändert! Die gentechnisch hergestellten "Mutanten" sollten eigentlich unter strengen Auflagen im Labor alle einen Tod im Autoklaven bei 120 Grad sterben. Die Genetiker haben sich für Arabidopsis entschieden, weil diese nach einem Monat einen kompletten Lebenszyklus beendet hat (vom Samen bis zum Samen) und weil sich das Erbgut bei ihr recht übersichtlich gestaltet (und immer noch kompliziert genug ist) und sich fremde Gene damit "relativ" einfach einschleusen lassen. An ihr "üben" die Genetiker sozusagen das Einbauen von artfremden Eigenschaften, wie die berüchtigte Pestizidresistenz, um diese dann z.B. beim Weizen oder Mais zu integrieren, wenn sie wissen, wo und wie. Mais braucht aber viel länger, bis er Früchte trägt, das Ergebnis lässt also lange auf sich warten. Wird die neue Eigenschaft vererbt? Beim Ackerschmalwand-Pflänzchen kann man das schon nach ein paar Wochen sagen. Wie sich das dann im Mais verhält, ist noch mal ein wenig anders. Es Ist wie ein Tierversuche am Kaninchen und am Mensch, nur eben im Pflanzenreich.
Betrachtet man sich die Blüten des Gartenschaumkrauts genauer erkennt man das Kreuz, dass der Familie ihren Namen gibt: Kreuzblütler (Brassicaceae).

Ein Horror-Unkraut aus dem Labor?

Über Sinn und Unsinn genetisch veränderter Pflanzen zu diskutieren, macht an dieser Stelle keinen Sinn. Nur so viel: Wer Arabidopsis im Garten hat, sollte sich nicht vor "gentechnischen Horrorszenarien" fürchten. Das Unkraut wird nicht zu einem blutrünstigen Monster mutieren und den Nachbarhund fressen. Auch die Giftspritze kann im Schuppen bleiben: ist das tatsächlich ein entkommenes Exemplar aus einem Labor, macht man dem mit Pestiziden ohnehin nicht den Gar aus. Aufessen hilft. Mir wachen davon keine Facettenaugen und Tod umfallen werde ich auch nicht. Die Menschheit ernährt sich seit Jahrmillionen von Genen die in jeder Zelle stecken. Der menschliche Körper ist es gewohnt Gene zu verdauen, egal ob von einer Bakterie (z.B. im Joghurt..jede Menge Gentechnik!), einer Pflanzen oder einem Tier. Wir tun das jeden Tag! Alles Organische enthält Gene. Unser Verdauungsapperat nimmt die auseinander! Problemlos. Aber die Natur ist es nicht gewohnt, dass ein direkter Genaustausch vom Erbgut zum Erbgut (wie bei einer Paarung) zwischen zwei gänzlich verschiedenen Lebewesen aus völlig unterschiedlichen Familien oder gar Stämmen übertragen wird. DAS ist das eigentliche Problem. Denn da kommen Dinge durcheinander, welche die Natur in vielen Milliarden Jahren Evolution sortiert hat und in ihrem Tempo immer wieder neu kombiniert. Und plötzlich hat man das Superunkaut im Garten, immun gegen jedes Gift, aber nicht gegen Messer und Gabel ;-). Natürlich ist das ein sehr ernstes Thema. Gentechnik ist mit Bedacht einzusetzten. Sie ist einfach etwas ganz anderes, als die jahrhundertelange, mühsame Züchtung von Mastschweinrassen.
Die harten Stängel bleiben außen vor. Blätter und Triebspitzen, sowie Blütenstände können vom
Gartenschaumkraut gegessen werden. Vielleicht noch etwas kleiner schneiden?
Das ist Unkrautvernichtung ohne Gift!

 

Ein kleiner botanischer Exkurs in die Welt der Kreuzblütler

So, zurück an den Esstisch: Arabidopsis und mein Gartenschaumkraut gehören zur Familie der Kreuzblütler, jener Familie zu der auch Raps, Kohl aller Art, Senf, Meerrettich, Kresse und das Wiesenschaumkraut gehören. Letzteres ist eines der "Klassiker" unter den Wildkräutern und wird von vielen Wildkräuterleuten als das Non-Plus-Ultra der Wiesen anpriesen. Klar: Das Wiesenschaumkraut ist größer, milder und die Stiele bleiben lange weich. Anfängerkost. Das Gartenschaumkraut und die Ackerschmalwand, sind  zwei echte Hardcore-Unkräuter. Gerade weil sie so schnelllebig sind, sind die kleinen Pflänzchen schnell derb und zäh. Wer mit 3 Wochen schon im Renten-Alter ist, ist eben nicht mehr jung und knackig. Das macht sie wohl so unbeliebt auf den Tellern. Die Senfölglycoside der Kreuzblütler machen die Pflänzchen dann auch noch scharf. Da machen viele Tiere einen Bogen drum.


So lasse ich mir Unkrautvernichtung gefallen. Ein paar Gundermann-Blüten als Deko und et voilà:
ein kressiges Unkrautgourmet-Toast mit biologisch angebautem Gartenschaumkraut an duftenden Gundermannblüten.


 

Ackerschmalwand, behaartes Gartenschaumkraut und Co. sind essbar

Lange Rede kurzer Sinn: Der Mensch mag es scharf und das Gartenschaumkraut ist genauso essbar wie die Ackerschmalwand oder die Kresse und schmeckt auch ähnlich.
Allerdings: Die Senfölglycoside, wie sie für die Familie der Kreuzblütler typisch sind, werden nicht von allen Menschen gleich gut vertragen. Diese Inhaltsstoffe finden sich auch im Gartenschaumkraut. Das macht den Kressegeschmack aus. Wer Kresse nicht leiden kann, hat seine Abneigung wahrscheinlich intuitiv auf Grund von Unverträglichkeiten der Senfölglycoside entwickelt.  Solche Abneigungen bitte ernst nehmen und die Finger besser vom Schaumkraut lassen. Wer Kresse mag, der findet im Gartenschaumkraut eine nette Abwechslung zu den kleinen Kressepflänzchen.

Nicht zu unterschätzen: Der Fasergehalt eines solchen Hardcore-Unkrauts ist natürlich gewaltig. Schwerverdauliche Kost. Wer sein Unkraut aufisst, sollte auch hier nicht körbeweise ernten, sondern einfach mal mit ein paar Blättchen anfangen. Bei Gartenschaumkraut schmecken - wie ich finde - übrigens die Blütenstände am besten. Wenn ich die ab mache und esse, fällt es der Pflanze schon mal deutlich schwerer sich auszubreiten.

 Unkraut ist schön! Gundermann- und Schaumkrautblüten auf Quark-Toast.

 

Wie isst man Gartenschaumkraut?

Einfach die Blättchen von den Stielen zupfen und die Blütenstände vom Stängel trennen. Alles gut abwaschen (da die Pflanze recht klein ist und sie dicht am Boden wächst, sind schnell Sandkörner an den Blättern), kleinschneiden oder im Ganzen lassen und aufs Quarkbrot legen. Wer möchte, kann noch etwas Salz und Pfeffer drüber streuen. Lecker. Gartenschaumkraut lässt sich überall dort einsetzten, wo man Kresse auch verwendet: im Salat, Omelett, Kräuterquark oder sogar als Gartenschaumkrautsüppchen.

Wääähhhhhh! Schon wieder leer :(

Ein Wahnsinn, oder? So ein langer Artikel über ein so profanes kleines Pflänzchen und seine Verwandten.


Freitag, 10. April 2015

Körbe wickeln - Vorsicht ansteckend :-)

Mein erster Korbwickel-Versuch und der Korb hält. Wer hätte das gedacht. Vom letzten Urlaub lagen noch haufenweise Schwarzkiefernadeln auf meiner Terrasse. Ich hatte noch nie so lange Nadeln gesehen und hab die natürlich gebunkert! Die Zeltplatz-Mannschaft muss mich für verrückt gehalten haben - das Auto war voll mit den Dingern als wir gefahren sind und unser Zeltplatz der einzige der absolut  Nadelfrei war. Bestimmt 20 cm lange Kiefernnadeln! Bis auf das Windlicht - hab ich mich aber immer gefragt, was ich wohl damit machen kann. Dann fiel mir per Zufall Bunte Körbe aus Gräsern und Kräutern: Die Technik des Korbwickelns neu entdeckt * in die Hände und ich war infiziert - mit dem Korbwickel-Virus :-).

Körbe aus Kiefernnadeln selbstgemacht. Do it Yourself - mit der richtigen Anleitung klappt es.

Korbwickeln ist ein günstiges Hobbys

Zugegeben: Kiefernnadeln sind weder Gräser noch Kräuter, aber was solls. Die Anleitungen von Walter Friedl sind wirklich extrem anschaulich und ich zwirbelte die Nadeln zwischen den Fingern, während ich durchs Buch blätterte: Das ist es! Ich mach einen Korb aus den Nadeln! Ich gehöre ja nun ohnehin zu denen, die gern Neues ausprobieren und hier war einen alte Technik, neu entdeckt, die nur wenig Equipment erfordert. Das gefällt mir. Die Sacknadel * hat mich ca. 2,50 Euro gekostet, das Baumwollgarn aus dem Bastelladen ebenfalls. 5 Euro für ein neues Hobby? Fantastisch! Hab schon mehr für weniger ausgegeben. Das Buch kommt noch dazu, aber das ist sein Geld wert.



Von Anfangsschwierigkeiten und Erfolgserlebnissen beim ersten Korbwickeln

Die Kiefernnadeln waren nun leider sehr steif, so dass ich diese erst mal 10 Minuten weichkochen musste. Dann wohl der schwierigste Teil: Die erste Windung. Einen "Starter-Knoten" mit dem Pflanzenmaterial wie im Buch vorgeschlagen, konnte hier nicht gemacht werden. Ich musst ein wenig improvisieren und entschied mich für eine Schnecke, wobei ich die ersten Zentimeter einfach stramm mit dem Baumwollfaden umwickelte, damit sie trotz Weichkochen nicht brachen, wenn ich sie so eng biegen musste. Das Nähen war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Naturmaterial verhält sich irgendwie anders als Stoffe. "Da muss man erst ein Gefühl für entwickeln", schreibt Walter Friedl in seinen Buch, und in der Tat, es braucht ein wenig Einfühlungsvermögen, bis man den richtigen Griff und die Routine sprichwörtlich entwickelt. Das Garn wird einmal ums Material gewickelt und die Nadeln unter den Faden der darunterliegenden Wicklung gezogen. Dann immer wieder stramm ziehen. Nächster Stich, oben rüber, untern durch, stramm ziehen. Hat man das Gefühl, die Menge in der Hand wird weniger, wird nachgeschoben. Die Nadeln habe ich dafür immer wieder in die Mitte der "Wurst" geschoben, mit den Spitzen voran. Dann wieder die Nadeln oben rüber, unten durch, stamm ziehen. Geht ganz schön auf die Finger. Echtes Handwerk! Nach 3 Stunden war es geschafft: Der erste Korb war fertig! Meine Hände auch, aber ich stolz wie Oskar.

Am schwierigsten ist der Anfang, doch rasch hat man das
Korbwickeln dank Walters Buch gelernt.
Das Ergebnis war kein Meisterwerk der Korbwickelkunst, aber ein stabiler Prototyp. Woran ich noch üben muss: Mir ist es in den seltensten Fällen gelungen den verknoteten Faden zu "verstecken". Irgendwie ist der immer wieder beim Stammziehen aufgetaucht. Auch das Stichmuster wird bestimmt noch regelmäßiger. Das meine Kiefernadeln aber eine derart sinnvolle Endverwendung gefunden haben, das freut mich am meisten. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste die tollen Nadeln dieses Jahr kompostieren, aber als Körbe dürfen die Nadeln noch einige Jahre als Eierkorb, Brotkorb, Utensilienbehältnisse oder was immer auf den Tisch stehen und dabei mit ihrem zarten Duft von harzigen, französischen Kieferwäldern an Urlaub erinnern. So ein Korb kann bei guter Pflege Generationen überdauern, schreibt der Autor. Na dann! Und ist der Korb nicht mehr schön: 100% Natur lassen sich immer noch kompostieren. Ich bin total begeistern. Diesen Sommer werde ich beim Korbwickeln wohl auch mal mit meinen Brennnesselstielen experimentieren. Und dann fällt mir im Garten noch jede Menge Unkraut ein :-).

Ein Korb voller Leidenschaft

Was zaubert sie dieses Mal aus dem Kochtopf?
Einen Korb!
Meine Leidenschaft war geweckt! Material für einen zweiten Korb hatte ich auch noch. Und so stand ich auch am nächsten Abend in der Küche und meine Kinder schauten in den Topf: "Mama? Kochst du wieder Körbe?" Aye! Der zweite Korb wickelte sich schon deutlich routinierter,  die Stiche wurden gleichmäßiger und die Hände wussten, was sie zu tun hatten.  Übung macht den Meister und beim Körbewickeln scheint das recht schnell zu gehen. Nach dem Prototyp war zwar auch der zweite Korb noch kein Meisterstück, aber konnte schon als Lehrstück durchgehen. Ich hatte zwei Osterkörbchen für meine Jungs - selbstgemacht. Super. Ich hab mich riesig gefreut und auch die Kinder haben nicht schlecht gestaunt, was Mama da wieder aus dem Kochtopf zaubert.

Das war sicher nicht der letzte Versuch, sondern der Anfang einer wunderbaren Leidenschaft. Und so werde ich zukünftig wohl nicht nur vor den Pflanzen stehen und mich fragen, was man daraus wohl kochen kann, sondern mir wird es wie Walter gehen, der in seinen Buch eine ähnliche Situation beschreibt, nur dass er sich fragt: "Kann man daraus Körbe wickeln?"
Um zu erleben, wie man mit "gewöhnlichem" Pflanzmaterial Körbe wickelt, werde ich das wohl mal bei meinen Binsen testen, sobald die wieder hochgewachsen sind. So viele Naturdochte brauch ich dann doch nicht. Ich freu mich aufs nächste Projekt mit Sacknadel und Garn. Dann werde ich auch Walters Tipp umsetzten, der mich  promt anschrieb und mir riet bei steifen Material, die Stiele für die ersten Windungen mit einer Zange vorzubiegen. Werd ich machen, Danke Walter!

Wer Walter Friedl im Internet besuchen möchte, der ist hier richtig: http://www.seifenkraut.at/. Ich hoffe, ich schaffe es eines Tages der Oststeiermark einen Besuch abzustatten und dem Meister der Körbe persönlich beim Wickeln über die Schulter zu schauen.

Happy End für die Kiefernadeln aus dem letzten Urlaub: Sie wurde zu einen Osterkorb.
* Dies sind Affiliate-Links. Aber keine Sorge, damit werde ich nicht reich ;)

Donnerstag, 9. April 2015

Wildkräutersalat vom Wegesrand - ein paar Grundlagen für Anfänger

Natürlich sollte man Wildkräuter NICHT vom Wegesrand sammeln...wegen der Hunde. Was habe ich mich über Hunde schon geärgert. Die machen ihre Haufen immer auf die schönsten Kräuter. Oder wachsen sie wegen der partiellen Düngung dort besonders gut? Wer weiß. Jedenfalls nützt die Düngung den größten Wildkräuterfan nichts, denn Pflanzen an solchen "Abort-Meilen" sind einfach nicht essbar. Um Essbares zu finden, muss man also wieder ganz weit laufen oder im eigenen Garten ernten.

Wildkräuter für den Salat wachsen überall. Essen sollte man jedoch nur solche, die abseits aller Straßen,
Wege und Landwirtschaft wachsen. Dann wird die wilde Mischung auch zum Gesundheitsbrunnen.


Knoblauchsrauke, Spitzwegerich, Pimpinelle, Bärlauch und Löwenzahn - klar wachsen die bei mir längst zu Hause. Allerdings: So viel wie ich davon über das Jahr vertilge, muss ich doch gelegentlich Nachschub aus der Wildnis beziehen. Im Odenwald auf der einen oder andere Waldlichtung, in verwilderten Gärten fernab der Weinberg-Spritzerei, Ruderalflächen abseits der Landwirtschaft und jenseits aller Autobahnen....Wildkräuter-Fetischisten brauchen gutes Schuhwerk und stramme Wanderwaden, wollen sie nicht -völlig unökologisch- mit dem Auto überall hinfahren. Und so gehen auch diesem Salat wieder einige Kilometer Fußmarsch voraus. Zugegeben: Ich komme eigentlich von keinen Ausflug in die Natur  ohne Grünzeug in der Tasche nach Hause :). Meine Jungs gucken schon immer ganz schräg, wenn die Mama wieder "grasen" geht : "Das müssen wir aber nicht probieren, oder oder?"  "Nein, alles meins!" *hihihi

Wildkräuter für den Salat


Eine kleine Auswahl möglicher Wildkräuter die jetzt im April salattauglich sind: Pimpernelle, Gundermann,
Spitzwegerich, Löwenzahn, Schafgarbe (im Bild fehlt das "r"  -Danke an Hildegard für den Hinweis-, Gänseblümchen, Bärlauch, Knoblauchsrauke und natürlich der Giersch.
Die Mischung machts, deswegen hat man beim Wildkräutersalat gute Möglichkeiten seinen eigenen Vorlieben nachzukommen. Wildkräuteranfänger sollten mit Endiviensalat/Feldsalat als Grundlage beginnen und erst man nur eine Handvoll Wildkräuter in den Salat mixen. Nach und nach lässt sich der Wilde Anteil erhöhen, bis der Wildkräutersalat zu 100% von der Wiese kommt.  Warum sollte man so vorgehen?
  • Wildkräuter sind zäh. Selbst bei junger Spitzwegerichblättern muss man ganz schön die Kaumuskulatur bewegen.
  • Wildkräuter sind bitter....oder grasig oder scharf....jedenfalls enthalten sie noch alle Bitter- und Geschmacksstoffe die dem Kultursalat weggezüchtet wurden. Das macht sie so gesund, aber man sollte sich langsam an den Geschmack gewöhnen, sonst verleidet einen er Sprung ins "kalte Wasser" weitere Wildkräuterexperimente.

Wie schmecken Wildkräuter?

Die hier verwendeten Wildkräuter:

Pimpinelle: nussig-gurkig
Gundermann: erdig
Knoblauchsrauke: mild-knoblauchig
Bärlauch: scharf-knoblauchig
Löwenzahn: mild-bitter
Giersch: sehr würzig und nicht jedermanns Geschmack.
Schafgarbe: bitter
Gänseblümchen: Blütenblätter als Deko, Blätter schmecken grasig

Sehr dankbar  als Füllmaterial für einen 100%igen Wildkräutersalat ist wilder Feldsalat, der wirklich wie Feldsalat schmeckt, aber lediglich kleinere Blätter hat, als unsere Zuchtsorten. Aktuell will der noch nicht so richtig wachsen. Ein Foto kommt aber hoffentlich noch.

Aktuell macht mein größter Anteil im Salat der Löwenzahn und die Pimpernelle aus etwa die Hälfte der Salatschüssel, dann folgt Giersch, und der Rest dient als "Würze" und füllt insgesamt etwa 1/4 der Schüssel.

Natürlich gibt es noch viele, viele weitere Wildkräuter. Manchmal schmecken die Blüten anders als die Blütter, die Wurzel dann noch mal gnz anders und je nach Alter und sogar nach Standort finden sich Variationen im Geschmack. Hier haben Gourmetzungen viel zu tun, die einzelen Geschmacksnuancen zu beschreiben. Ich find das immer wieder spannend, gerade wenn man einen Geschmack beschreibt, der doch sehr einmalig ist. Wie schmeckt Giersch? Eben nach Giersch :).

Für Wildkräutereinsteiger: Löwenzahn im Salat

Löwenzahn ist ein wahres Jungbrunnen. Allerdings können Wildkräuterneulingen sogar die Bitterstoffe in den jungen Blättern auf den Magen schlagen, grade wenn man die zum ersten Mal isst und die Menge zu groß gewählt hat. Wer hier seinen Magen erst langsam an gesunde Wildkost gewöhnen will, weil er weiß, dass er mit der Verdauung ohnehin Probleme hat, der sollte bei Löwenzahn das folgende versuchen:
  • wirklich nur junge Blätter verwenden
  • nur die obersten 2/3 des Blattes verwenden und den dickeren Blattstiel abschneiden
  • die Löwenzahnblätter 1-2 h wässern und das Wasser abgießen. Auf die weise sind die meisten Bitterstoffe aus dem Blätter entfernt.

Für Wildkräutereinsteiger: Gänseblümchenblüten im Salat?

Ehrlich? Ich ess die auch nicht an einem Stück! So ein ganzer "Klumpen" Blüte ist selbst mir zu viel. Ich bin doch keine Kuh! Die Blütenblätter zupf ich ab und streu sie über den den Salat. Den Blütenboden schneide ich klein. Wenn ich Blätter von Gänseblümchen gesammelt habe, wandern eher die in den Salat und ich lass den Blütenboden weg. Mir ist der einfach zu "faserig".
Dennoch kann man die Blüten komplett essen. Wenn ich das machen will, dann lege ich mir aber ein Glas an, in dem ich Gänseblütenknospen wie Kapern einlege. Dadurch werden die Blüten weich und können prima gegessen werden. Als Deko eigenen sich aber 1-2 Blüten am Rand der Salatschüssel immer. Sieht einfach gut aus.

Welche Soße für den Wildkräutersalat?

Eine einfache Soße aus Essig und Öl mit Salz und Pfeffer geht immer. Etwas milder sind Vinaigretten. Wie wäre es z.B. hierfür Veilchenessig zu verwenden?  Joghurt- oder Sahnedressigs milder den manchmal doch recht kräftigen Geschmack der Wildkräuter und binden die Bitterstoffe zusätzlich ab. Wer sich also an seinen ersten Wildkräutersalat versucht, der sollte seinen Salat mit einen solchen Dressing versuchen. Zwei Basis-Salatsoßen als Vorschlag:

Joghurt-Dressing:
  • 40 ml Öl
  • 40 ml Essig
  • 120 ml Joghurt
  • 1,5 TL Senf
  • 2 TL Zucker
  • 1 TL Salz
Vinaigrette:
  • 40 ml Öl
  • 40 ml Essig
  • 80 ml Wasser
  • 2 TL Senf
  • 1 Zwiebel
  • 2 TL Zucker
  • 1 TL Salz
Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch braucht es nicht mehr in der Soße, die gibt es ja reichlich im Salat. Statt Zucker geht auch Honig, Stevia oder sogar Spitzwegerichsirup. Es geht aber auch ganz ohne. Natürlich ist jede andere Salatsoße denkbar, denke da hat jeder so "seine" Soße. Ansonsten einfach mal ein wenig in den Rezeptbüchern dieser Welt googeln.



Dienstag, 7. April 2015

Veilchenessig, Veilchenzucker, Veilchensirup - alles lila oder was?


Veilchen sind etwas Wunderbares. Allein die Farbe erfreut das Herz, der Duft geht direkt in die Seele und der Geschmack in den Magen: als Veilchenessig über den Salat, als Veilchenzucker auf Cupcakes, als Veilchensirup in die Limonade. Diese wunderbaren kleinen lila Farbtupfer als Unkraut zu bezeichnen, ist schon fast eine Beleidigung, aber: Aktuell blühen bei uns die Veilchen um die Wette, eben wie Unkraut. Ernten tue ich meist unter den verärgerten Blicken der Passanten: Was mir denn einfällt, dieses Naturschauspiel zu zerstören. Und dann, dann berichte ich, was man daraus Wunderbares kochen kann und plötzlich merkt man, wie die vormals wütenden Blicke sich in suchende verwandeln...jaja, Veilchen verzaubern :)....
Veilchen verzaubern - auch die Köche. In diesem Beitrag erfahrt Ihr, was sich aus Veilchen so alles machen lässt.
Die Veilchen wildere ich übrigens nicht. Sie wachsen in meinen eigenen Garten und ich pflücke immer nur 1/3 des Bestands. Die andern 2/3 sollen sich neu aussamen, immerhin will ich mich auch im nächsten Jahr an dieser Nasen- und Augenweide erfreuen.
Schade dass ich den HTML-Code für "Veilchengeruch" nicht kennen und das Internet  geruchsfrei ist. Lieblich betörend streifte ein sanfter Hauch von Veilchen und Frühling durch meine Küche. Eine wahre olfaktorische Orgie.
Es gibt unzählige Viola-Arten bis hin zum Stiefmütterchen, das ebenfalls zu den Veilchen gehört. Die hier verwendeten Veilchen sind Duftveilchen (Viola odorata), wie sie zur Zeit zu Hunderten auf den Wiesen blühen. Und ja! Auch mir tut es immer ein bisschen leid, wenn ich die kleinen Farbtupfer von der Wiese zupfe. Aber nur ein bisschen, denn sobald ich die Veilchen in der Küche habe, freue ich mich riesig und meine Kinder sind immer ganz wild darauf, den Zitronensaft zum Veilchensirup zu tropfen...Abrakadabra!

Veilchenessig herstellen

Veilchen-Essig ist ein Gourmetessig der Extraklasse. Nie war Unkraut schöner.
  • neutraler Essig wie Reiswein- oder heller, milder Balsamico-Essig
  • Veilchenblüten 
Die Veilchen in ein verschließbares Glas geben und so viel Essig zugeben, bis die Veilchen bedeckt sind. Das Ganze auf der Fensterbank 24h bis 2 Wochen stehen lassen, dabei täglich schütteln. Anschließend die Blüten abfiltern und den Essig in eine Flasche füllen.
Frisch angesetzt steckt die Farbe noch in den Veilchen, nicht im Essig. Das ändert sich bereits wenige Stunde später.
Je länger der Essig zieht, desto eher nimmt er den Geschmack der Veilchen auf. Mir reichen 3-4 Tage, sonst wird mir der Geschmack nach Veilchen zu intensiv. Ein toller, besonderer Essig für blumige Salate und die Wildkräuerküche und ein echter Hingucker, wenn man einige Tropfen dekorativ in und um den Salat träufelt.

24h später ist Farbe und Geschmack aus dem Veilchen in den Essig gewandert. Wer möchte, kann den Essig 2 Wochen lang ziehen lassen, dann wird der Veilchengeschmack sehr kräftig. An der Farbe ändert sich aber kaum mehr etwas. Ein Tick dunkler wird er noch.
Tipp: Wie wäre es mit rosa Balsamico-Creme? Einfach den Essig kurz mit ein wenig Speisestärke aufkochen und grade so weit andicken, dass er die Konsistenz von Balsamico-Creme hat. Macht sich super auf den Tellern und jeder fragt sich, was das wohl ist.

Veilchenzucker selber machen

  • 1 EL abgezupfte Veilchenblütenblätter ohne Stiele
  • 2 EL Zucker

Zu schön zum Essen: Veilchenzucker sieht nicht nur toll aus, er riecht sogar nach Veilchen.
Die Veilchenblüten im Mörser mit dem Zucker vermahlen. Evtl. noch etwas Zucker zugeben. Die feuchte Masse anschließend einige Stunden auf der Heizung oder der Fensterbank in der Sonne trocknen lassen und bei Bedarf noch einmal im Mörser auf Zuckerkorngröße brechen.
Eignet sich als Deko-Streuzucker zu Vanilleeis, für Cupcakes, Torten oder Kekse und lässt sich eigentlich überall dort einsetzen, wo man auch Rosenzucker verwendet. Ein echter Luxus-Zucker.


Veilchensirup machen

Veilchentee. Auch der lässt sich trinken, aber wir machen
daraus Sirup.
  • 1 Tasse Veilchenblüten
  • 100 ml kochendes Wasser
  • 100 g Zucker
  • 1-2 TL Zitronensaft, tropfenweise zufügen

Die Kinder können es kaum abwarten: Zitronensaft macht aus    
Lila ein kräftiges Pink. Naturchemie.
Die Veilchenblüten mit kochendem Wasser übergießen und 3h ziehen lassen, dann abseihen. Man erhält einen schönen blauen Tee, der fast schon aussieht wie Tinte. Nun die Zitrone hinein tropfen und grade so viel zugeben, wie man den Blauton ins gewünschte Pink verwandeln verwandeln möchte. Meist ist man so fasziniert vom Farbenspiel, dass man so viel Zitrone zufügt, bis der gesamte Farbstoff aus den Veilchen reagiert hat. In dem Fall erhält man einen schönen dunkel-pinkfarbenen Sirup. Wer mehr wissen möchte, der kann einmal hier nach Farbstoff in Veilchen nachschlagen: Repertorium der organischen Chemie. Es ist ein sehr altes Buch.
Die Sirup-Grundlage wird nun 1:1 mit Zucker versetzt und aufgekocht bis der ganze Zucker gelöst ist. Dann in Flaschen füllen. Mit Mineralwasser aufgegossen eine erfrischende Limonade mit einen zarten Lila-Ton. Natürlich kann man nun auch noch mit blauer Lebensmittelfarbe nachhelfen, aber das ist was für Leute, die gerne Chemie essen.

Tipp: Wer statt normalem Zucker Gelierzucker verwendet, erhält ein farbstarkes Veilchengelee fürs Frühstücksbrötchen.

Viel zu schnell ausgetrunken: Veilchen-Limonade aus Veilchen-Sirup.




Mittwoch, 1. April 2015

Reinigungsmilch mit Rosskastanienknospen - wieder was für die Haut


Ein schnell gemachtes Mitbringsel oder zum Eigengebrauch:
Reinigungsmilch mit Rosskastanienknospen.
Knospen sind ein tolles Material und nun ist die Zeit sie zu nutzen. Rosskastanienknospen stecken voller Vitalstoffe, Enzyme und Mineralstoffe und darüber hinaus auch Saponine, jener waschaktiven Substanzen, die auch in den Rosskastanienfrüchten zu finden sind.  Gestern hab ich Euch eine Salbe für die Hautpflege vorgestellt. Ein paar Knospen hatte ich allerdings zu viel gesamelt. Wegwerfen? Nichts da! Zaubern wir noch schnell eine Reinigungmilch aus Rosskastanienknospen, völlig frei von diesem ganzen chemischen Schnickschnack.

Milch, Salz, etwas Pektin, Rosskastanienknospen
und ein Teelöffel Öl  (auf dem Foto fehlend)
und schon hat man eine hautfreundliche,
schonende und sehr gut für empfindliche Haut
verträglich und natürliche Reinigungsmilch.

Zutaten für die Reinigungsmilch aus Rosskastanienknospen

  • 100 ml Milch
  • 1 El kleingeschnittene Rosskastanienknospen
  • 1 Prise Meersalz
  • 1/2 TL Sofortgelatine oder eine gute Prise Apfelpektin
  • 1 TL Rapsöl

Als Milch eignet sich am Besten Ziegenmilch, aber wer die nicht hat, erziehlt auch mit Vollmilch gute Ergebnisse. Die Haut freut sich so oder so.

Die Rosskastanien kleinschneiden und mit Milch und Salz im Mixer fein pürieren und ein paar Minuten ziehen lassen. Durch einen feinen Filter in ein Fläschchen oder ein Glas füllen und die Gelatine oder das Apfelpektin zugeben und kräftig schütteln oder gut umrühren. Die Lotion ist wie übliche Reinigungsmilch zu verwenden.

Anmerkungen und Tipps zur Reinigungsmilch aus Rosskastanienknospen

Eine aufgeschnittene Rosskastanienknospe -
voller toller Inhaltsstoffe!
  • Das Pektin dient einfach dazu, die Milch etwas anzudicken und kann auch weggelassen werden, dann hat mal einen ziemlich flüssigen Gesichtsreiniger, der sich für Wattepads eignet.
  • Haltbar ist die Milch im Kühlschrank leider nur eine Woche, also nicht literweise herstellen! Wer zu viele Knospen gepflückt hat, kann die übrigen Knospen einfrieren und nach und nach für neue Milch oder Salbe verwenden.

Dienstag, 31. März 2015

Rosskastanienknospen-Salbe für die Haut - Sinnliches gegen Juckreiz

Als Ostergeschenk eine Salbe aus Rosskastanienknospen?
Naturliebhaber freuts bestimmt.
Heute ein Ausflug in die Naturkosmetik. Wer viel draußen unterwegs ist, dessen Haut wird stark beansprucht: Schürfungen, Brennnesselpieckser, Insektensticke, Sonnenbrand, Hautreizungen durch allerlei Pflanzen. Hier bietet die Natur mal wieder die beste Pflege: aus Rosskastanienknospen! Die sind grad schön prall und kurz vor dem aufplatzen. Der perfekte Zeitpunkt eine Handvoll Knospen mit nach Hause zu nehmen.


Die Wirkstoffe und Wirkung der Rosskastanien-Pflanze

Die Rosskastanie hat allerlei Wirkstoffe zu bieten. Diese Stecken nicht nur in den Kastanien selbst, sondern auch in den Knospen, die nun an den Bäumen zu sprießen beginnen. Neben Enzymen finden sich in der Rosskastanienpflanze auch Harze, Phytosterin, Gerbstoffe, die waschaktiven Saponine, Aeculin und Aescin als besondere Wirkstoffe, Reichlich Magnesium, ätherische Öl und Fette,Flavonoide, Cumarine un natürlich Chlorophyll, Bitterstoffe und Eiweiße. Jede Menge tolles Zeug also, das eine ganze Reihe von Auswirkungen auf den Menschen hat: entzündungshemmend, blutreinigend, entgiftend, wundheilend, UV-schützend, schmerzstillend, blutstillend, hustenstillend, venenstärkend und hautberuhigend. Darüber hinaus wirken Rosskastanienanwendungen basisch. Das schreit ja förmlich nach: "Benutz mich, ich bin toll!" Wie man Rosskastanien zum Waschen einsetzt, habe ich euch ja bereits im Herbst gezeigt. Seither hab ich mich mit Rosskastanien näher befasst und bin ein wahrer Rosskastanien-Fan geworden, wenn es um Reinigung geht.

Heute also ein Rezept für den Unkrautgourmet und die bevorstehende Gartensaison. Einen kleinen Tiegel voller Rosskastanienknospen-Salbe werde ich die nächsten Monate wohl in meinen Rucksack immer dabei haben. Die Salbe wirkt nicht nur bei Juckreiz und Sonnenbrand, sondern auch bei Akne und Exzemen. Die Zutaten sind nun wirklich simpel und die Herstellung erfordert lediglich ein wenig Wartezeit. Dafür weiß man was drin ist.

Die Zutaten für Rosskastaneinknospensalbe sind überschaubar: 2 Esslöffel Rosskastanienknospen
geben der Salbe ihre Wirkstoffe. Dazu Bienenwachs, Öl, Salz und ein guter Schuss Honig.

 

Inhaltsstoffe der Rosskastanienknospen-Salbe

  • 2 EL kleingeschnittenen Rosskastanienknospen
  • 2 TL Kastanienhonig
  • 100 g Öl (am Besten ist hier kaltgepresstes Mandelöl, zur Not tut es aber auch Rapsöl)
  • 10 g Bienenwachs
  • 1 Prise Meersalz

Anleitung zur Salbenherstellung aus Rosskastanienknospen

Blick ins Glas: Die Rosskastanienknospen extrahieren im Öl.
Die Rosskastanienknopsen werden möglichst kleingeschnitten  und zusammen mit dem Honig, dem Salz und dem Öl verrührt. Im Öl bleibe die Knospen 1 Woche lang, wobei es möglichst mehrmals täglich geschüttelt werden sollte. Nach der Woche filtert man die Knospen durch ein feines Sieb ab und drückt diese noch ein wenig aus. das Öl wird zusammen mit dem Bienenwachs in Wasserbad unter Rühren erhitzt, bis sich das Wachs vollständig gelöst hat. In einen (oder mehrere kleinere) Tiegel gegossen erhält man ca. 100 g etwas festere Salbe. Wem die Masse zu fest ist, kann diese noch einmal kurz erwärmen und etwas mehr Öl unterrühren. Haltbar ist das Ganze etwa 3 Monate, gekühlt auch etwas länger.
Nach einer Woche ist das Öl ziemlich trübe. Ein
gutes Zeichen, denn die Inhaltsstoffe sind aus den
Rosskastanienknospen ins Mandelöl gewandert.


Anmerkungen zur Salbe

Den Kastanienhonig riecht man in dieser Kombination schön heraus und zusammen mit dem Bienenwachs ist dass ein sehr sinnlicher Duft. Den UV-Schutz dieser Creme sollte man nicht überschätzen. Ich würde den Lichtschutzfaktor hier auf maximal 2 oder 3 einschätzen. Verantwortlich ist hier das Aesculin. Das hat noch eine ganz andere Eigenschaft: Wer eine UV-Lampe zu Hause hat, der sollte man ein Stück Rosskastanienrinde in ein Glas mit Wasser legen und einige Stunde warten und dann das Wasserglas im Dunken mit der UV-Lampe beleuchten: Aesculin flouresziert blau-grün! Ein tolles Spektakel. Eure Kinder werden kreischen vor Begeisterung :). Wenn ich das nächse mal dran denke, besorge ich mir eine neue UV-Lampe im Baumarkt und mach mal ein Foto davon und stelle das hier ein.

Montag, 23. März 2015

Bärlauch-Bresso - ein echter feuriger Gourmet-Aufstich

Bärlauch-Saison! Klar sammel ich den gleich büschelweise. Bereits jetzt Ende März gibt es bei uns ein paar Stellen, die dem übrigen Bärlauchplätzen um 1-2 Wochen voraus sind. Sammeln sollte man nie alles und immer aus der Mitte eines Bestandes heraus (so schließen sich die Lücken schneller und auch der Fuchsbandwurm ist dort eigentlich nicht zu finden)!
Eines meiner Lieblingsrezepte ist ein echter Gourmet-Aufstrich: Bärlauch-Bresso. Bresso ist so oder so sehr lecker, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis lässt sich verbessern ;)....und auch der Geschmack! Also dann: vom Wald direkt in die Küche!
Vorneweg eine kleine Warnung: Diese Variante Bärlauch-Bresso ist sehr scharf! Hier wird purer Bärlauch und nicht zu knapp verwendent!  Wer ihn milder mag, sollte eine der unten beschriebenen Kräuter-Varianten versuchen. Das schöne am Bärlauch ist ja: Man erspart sich die typischen Knoblauch-Ausdünstungen hinterher.

 
Selbst gemachter Bresso mit Bärlauch ist nichts für "Weicheier". Der Bärlauch gibt diesem Aufstrich richtig Feuer.

Zutaten für Bärlauch-Bresso

Übersichtliche Zutaten für den Bärlauch-Bresso: Bärlauch,
Sahne, Quark, Schmand, Salz und Pfeffer.
  • ein Büschel Bärlauch
  • 500 g Quark
  • 200 g Sahne
  • 200 g Schmand
  • Salz, Pfeffer
Als Ausstattung werden gebraucht: Ein feines, großes Sieb, eine Schüssel in die man das Sieb einhängen kann, Rührschüssel, Schneebesen, Schüssel mit Deckel. Wer kein Sieb hat, kann es mit einen Molton-Tuch versuchen
Ich nehme für den Bresso Magerquark, da durch die Sahne und den Schmand ohnehin schon genug Fett in der Creme sein wird.

Zubereitung von Bärlauch-Bresso

In einen Sieb darf mindestens über nacht die Molke abtropfen.
Je länger man die Creme im Sieb hat, desto "trockener" und
"bröseliger" wird der Bresso hinterher.
Den Bärlauch waschen, gründlich atropfen lassen und sehr fein schneiden. Den Quark, die Sahne und den Schmand miteinander verrühren. Den Bärlauch unterrühren und gut mit Salz und Pfeffer würzen. Die Masse nun ins Sieb füllen und das Sieb in die Schüssel hängen, abdecken. Bei Zimmertemperatur 12-24h abtropfen lassen. Die Masse in eine verschließbare Schüssel füllen und noch 1-2 Tage im Kühlschrank nachreifen lassen.

Bei uns schafft der Bresso den zweiten Nachreife-Tag im Kühlschrank nicht mehr: Meist ist der dann schon aufgegessen.


Kräuter-Varianten

Dieser Bresso lässt sich auf die gleich Weise mit Mischungen von Wildkräutern oder gewöhnlichen Küchenkräuern, mit und ohne Knoblauchzehe, herstellen.
Bärlauch-Bresso ist wirklich scharf! Milder wird er wenn man die Hälfte der Kräuter ersetzt durch:
  • Löwenzahn, Giersch, Schabockskraut, Postelein, Schafgabe
  • Schnittlauch, Petersilie, Dill, Basilikum
  • oder eine TK-Mischung.  
Eine der besten Varianten ergibt sich mit Knoblauchsrauke! Diese ist milder als Bärlauch, hat einen feinen Knoblauch-Geschmack und ist nicht ganz so scharf. Wer aber etwas "Feuer" auf dem Brot mag, der liegt mit Bärlauch-Bresso genau richtig.

Tipp: Kaufen statt sammeln

Wer nicht sammeln kann oder will, sollte auf Wochenmärkten die Augen offen halten, auch da findet sich der Bärlauch vereinzelt bereits. Hier kann man den Käufer seines Vertrauens auch Fragen, ob der Bärlauch Wildwuchs ist und aus einem fuchssicher eingezäunten Gebiet stammt, oder aus einer Gärtnerei kommt.