Samstag, 14. Juni 2014

Fuchsbandwurm - ein Risiko für Sammler von Wildkräutern

Meister Reineke ist ein Fuchs - und hin und wieder Träger
des Fuchsbandwurms.
Der Fuchbandwurm ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr, einfach weil es keinen Impfung gegen ihn gibt und auch kein präventives Mittelchen. Selbst die Diagnose und Behandlung sind schwierig. Abkochen der gesamten Pflanzen bei mindestens 60 Grad hilft die Eier zu zerstören. Schwierig wird das bei Gerichten in denen man rohe Wildkräuter verwendet, etwa bei Pestos oder Wildkräutersalaten.
Doch keine Panik! Eines vorweg: Schon mal im Lotto gewonnen? 2013 gab es 90 Lottomillionäre aber nur 30 gemeldete Fälle von Fuchsbandwurminfektionen. Es ist also eher wahrscheinlich sich irgendwann mal eine Villa kaufen zu können, als sich mit einem solchen Bandwurm zu infizieren.  Etwas risikoreicher leben Jäger und Hunde- und Katzenbesitzer, deren Tiere infizierte Mäuse oder tote Füchse ablecken oder Äste aportieren, auf denen zufällig ein infizierter Fuchs seine Losung (seinen Kot) abgesetzt hat.
"Hochrisikogebiete" für den Bandwurm ist Süd-Baden. Doch nicht nur Baden, der gesamten süddeutsche Raum ist mit Fuchsbandwurm "verseucht". Aber uns Badener hat es eh schlimm erwischt, weil sich bei uns auch Zecken inkl. FSME und Borreliose tummeln. Hier ist die Evolution gnadenlos am Werk und selektiert aus. Wir müssten schon alle tot sein. Man kann mit dem Fuchbandwurm und jeder anderen Gefahr Panik machen, oder damit ganz sachlich umgehen. Ich bevorzuge Letzteres.

Kurze Darstellung des Lebenszyklus des Fuchsbandwurmes

Sachlich betrachtet befindet sich der Erreger des Fuchbandwurms erst mal in einer Maus. Diese muss von einem Fuchs gefressen werden. Dort kann sich der Bandwurm dann weiterentwickeln, wieder Eier produzieren, die der Fuchs mit seiner Losung irgendwo absetzt. An solchen "gedüngten" Stellen wachsen Pflanzen wie Walderdbeeren besonders gut, die die Maus dann wieder frisst und so hat sich der Kreislauf geschlossen.
Ich könnte Euch den Lebenszyklus nun noch viel genauer erklären, aber den findet Ihr in jeden Biologie-Lehrbuch. Wichtig für die Unkrautgourmets ist dieses "irgendwo". Das kennen auch Hundebesitzer: Der Fuchs macht das Geschäft, wie ein anständiger Hund auch, am liebsten an einer markanten Stelle: einem Baum, einen Felsen, einem gut von Wild und Artgenossen frequentierten Wildwechsel oder einer anderen auffälligen Ecke in seinem Revier. Den unwahrscheinlichen Fall eine Pflanze mit Bandwurm-Eiern zu erwischen, könnt Ihr also noch unwahrscheinlicher werden lassen, wenn Ihr das Sammeln an Baumstümpfen, Erhebungen, Erdhügeln, Büschungen, direkt vom Weggrand und dergleichen unterlasst und besser die Pflanzen aus dem Inneren eines Bestandes holt.

Ein Wort zu Tierhaltern: Die Übertragung eines Fuchsbandwurmes von Hund oder Katze auf den Menschen ist äußerst selten. Regelmäßige Entwurmung der Haustiere alle 8-12 Wochen und Händewaschen nach Tierkontakt sind der beste Schutz.

Wie wirkt sich eine Infektion mit einem Fuchsbandwurm aus?

Das ist das Gemeine: Es können Jahre vergehen, bis man merkt, dass man infiziert ist. Und auch dann gibt es keinen allgemeinverbindlichen Fuchsbandwurm-Symptome. Je nach dem welches Organ befallen ist, äußert sich ein Befall mit diversen Symptomen. So müssen Leberzysten erst eine gewisse Größe erreichen, bis die Leber Funktionsstörungen aufweißt, man znehmend unter Koliken und/oder Gelbsucht leidet. Im Gehirn und Herzmuskel kann sich eine solche Zyste schon im Mini-Stadium lebendbedrohlich bemerkbar machen mit diversen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen oder Herzrhytmusstörungen. Setzt sich eine solche, mit Fuchsbandwurmlarven vollgestopfte Zyste in der Lunge fest, kommt es zu Schmerzen, Husten und Atemnot. Ihr seht, es gibt keine allgemein verbindlichen Symptome. Wenn Ihr Wildkräuterkonsumenten seid, behaltet den Bandwurm im Kopf. Treten "aus heiterem Himmel" Symptome auf, weißt Euren Arzt auf Eure Leidenschaft für Wildkräuter und den Fuchsbandwurm hin.

Wie weißt man eine Infektion mit Fuchsbandwurm nach?

Der Arzt weiß mit Eurem Hinweis auf den Fuchsbandwurm schnell, welche Untersuchungen er zu machen hat. Eine Blutprobe nehmen und diese ans Labor schicken, ist sicher das Erste, das er tun wird. 3-6 Monate nach einer Infektion ist ein Antikörpertest möglich. Auch Ultraschallverfahren oder Magnetresonanz-, Computertomographien und Röntgenuntersuchungen kann ein Mediziner eingesetzen, um die Zysten direkt zu finden.

Wie behandelt man eine Infektion mit Fuchbandwurm?

Da hilft oft nur die Chirurgie. Die Zyste muss sauber entfernt werden, ohne dass sie dabei beschädigt wird. Danach müssen die Betroffenen aber noch viele Jahre Medikamente einnehmen. Eine ausschließliche Behandlung mit Medikamenten, welche die Larven abtöten, wird dann versucht, wenn eine Operation nicht möglich ist. Auch hier ist die Behandlung sehr, sehr langwierig und der Ausgang ungewiss. Ausschlaggebend ist, ob das befallenen Gewebe vollständig entfernt werden konnte und wie schwer der Befall war. Die Überlebensrate (als Definition wird 10 Jahre nach Diagnosestellung angegeben) liegt immerhin bei 90%.

4 goldene Grundregeln für Unkrautgourmets gegen den Fuchsbandwurm

30 gemeldete Fälle von Fuchsbandwurm - ist das nun Grund genug, nie wieder Wildkräuter zu essen? Nein. Wichtig ist zu wissen, wie man sich richtig verhält, dann ist das Risiko einer Infektion schon von vorne hinein im Keim erstickt.
  1. Keine Tiere in freier Wildbahn anfassen! Seht Ihr Welpen oder tote Tiere, ruft den Förster an.
  2. Hände waschen nach Haustierkontakt,Wald- und Wiesenbesuchen ist Pflicht.
  3. Sammelt kein Sammelgut an markanten Stellen wie Baumstümpfen, Felsen, Büschungen, Wildwechseln, vor allem wenn Ihr dieses roh verwenden wollt, sondern immer aus der Bestandsmitte.
  4. Ab 60 Grad sterben die Fuchsbandwurmeier - erhitzt so viel vom Sammelgut wie möglich.

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