Donnerstag, 31. Juli 2014

Unkrautvernichtung mal anders

Dies ist ein Appell an alle Gartenbesitzter

Aufessen ist besser als vergiften! Außerdem bietet z.B. die Brennnessel Lebensraum für rund 70 (!) Tierarten.
Da haben wir es wieder: Die Unkrautvernichter. Das Umweltinstitut München e.V hat soeben einen Newsletter zu schädlichen Glyphosat in Unkrautvernichtern herausgegeben, die auch in Privatgärten massiv eingesetzt werden. 40 Tonnen (!) landen so jedes Jahr in der Natur, vernichten Artenvielfalt, vergiften den Boden und die Natur und letztlich auch den Menschen. Und warum? Weil das Bisschen Brennnesssel stört, oder das Knopfkraut zwischen den Steinfugen herauswächst. Ihr kennt meine Lösung: Aufessen, wann immer es möglich ist. Das ist sicher die bessere Alternative - noch vor dem Jähten oder Mulchen. Zu bedenken gibt es außerdem: Giftige, aber einheimische Unkräuter tragen immer auch ihren Beitrag zur Natur bei - als Bienenweide, Lebenraum oder Käferparadies.  Rausreißen kann man sie immer noch, ohne gleich mit der der Giftkanone auf einen Spatzen zu schießen. Ein perfekter englischer Rasen ist wie eine riesige Monokultur für jeden Käfer. Die Tiere werden verhungern. Nichts gegen ein Stück englischen Rasen, aber dann sollte jeder für Ausgleichsflächen sorgen. Der Natur zuliebe - uns zuliebe.
Sehr informativ:  Faltblatt "Gift im Garten".


Mittwoch, 30. Juli 2014

Hochsommer ist Startsaison zum Sammeln von Samen - die Nelkenwurz

Langsam geht die Wildkräutersaison zu Ende. Man merkt es schon, zum täglichen Kochen gehen mir die Zutaten aus und täglich Brennnessel zu essen, muss auch für mich nicht sein. Es ist Ende Juli und die meisten krautigen Pflanzen haben ihre "saftige" Zeit hinter sich gebracht, sind verblüht und tragen die ersten Samen. Zeit ans nächste Jahr zu denken. Während ich die letzten Wochen und Monate eher mit einem großen Korb unterwegs war, habe ich nun immer einen Stift und etliche Butterbrotpapiertüten in der Tasche. Komme ich an samentragenden Pflanzen vorbei, streife ich mir immer ein paar in die Papiertüte ab und beschrifte diese gleich. Heute landete vor allem Nelkenwurzsamen in meiner Sammlung.

Aktuell gibt es Samen der echte Nelkenwurz (Geum urbanum)


Die Nelkenwurz ist eine kleine, unscheinbare Pflanze im gelben Blüten und hakentragenden Nüsschen als Fruchtstand.
 
Diese ist nahezu überall anzutreffen, wenn man erst einmal weiß, wie sie aussieht. Die unscheinbare Pflanze gehört zu den Rosengewächsen und es lohnt sich, sich mit der Nelkenwurz einmal genauer zu beschäftigen.
Eine schönes Pflanzenporträt findet sich in Wikipedia.

Woher die Nelkenwurz ihren Namen hat - ein Selbsttest

Macht einmal folgendes: Wenn Ihr die Pflanze findet, versuche eine herauszuziehen, so dass Ihr einige Würzelchen habt. Reibt mit dem Fingernagel die Rinde der Wurzel an und richt einmal daran. Dann wisst Ihr sofort, woher die Pflanze ihren Namen hat: Nelken-Wurz. Tatsächlich kann man die Wurzeln als Nelkenersatz verwenden. Im Winter werde ich Euch das eine oder andere Keksrezept mit Nelkenwurz vorstellen. Die Wurzeln sammelt man nämlich erst im Herbst.

Verwendung von Nelkenwurz - der Nelkenwurzwein

Auch einen Nelkenwurz-Wein kann man aus ihnen herstellen, für den man aber relativ viele Wurzeln benötigt. Dafür werden 150 g Wurzeln  mit 750 ml Weißwein übergossen, dass sie bedeckt sind und 2 Wochen ziehen gelassen (am besten in der Sonne und täglichem Schütteln).
In früheren Zeiten hat man sehr viele Kräuterweine in der Medizin eingesetzt, vermutlich, weil die Herstellung von Weinen einfacher und nicht so teuer und aus war, wie die Herstellung von Reinalkohol, wie der für Tinkturen verwendet wird. Deshalb sollte man den Wein dann auch nicht wie normaler Wein trinken, sondern ihn tatsächlich Eßlöffel- bis maximal Schnapsglasweise einnehmen.

Hildegard von Bingen, die Nelkenwurz und die Libido 

Nelkenwurzwein hilft bei Verdauungsbeschwerden und dient als Tonikum für die Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen. Ein Trank aus Nelkenwurz bereitet soll, laut Hildegard von Bingen, die Liebe entfachen. Ob´s stimmt? Die Nelkenwurz trägt auch den vielsagenden Namen "Manneskraftwurzel". Vielleicht doch gleich mal ein paar Samen für den Eigenanbau sammeln und den Nelkenwurz-Wein nächstes Jahr ausprobieren?

Im zeitigen Frühjahr kann man die jungen Blätter in den Salat untermischen. Sie schmecken angenehm würzig-mild.
Den Tee aus den Nelkenwurz-Wurzeln kann ich nicht zum Trinken empfehlen - maximal zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Er schmeckt wirklich scheulich.

Cool Frisur. Die Nüsschen der Nelkenwurz lassen sich einfach abstreifen, wenn sie trocken und braun sind, und als Saatgut fürs nächste Jahr verwenden.

Die Nelkenwurz mag es halbschattig

Ich habe im letzten Jahr schon einige Samen gesammelt und diese einfach in den Garten gestreut. Dieses Jahr haben ich mehrerer Nelkenwurzpflanzen, die Bereiche besiedeln, in denen so manches Kraut nicht so recht wachsen will (zum Beispiel unter meinen all zu ausladenen Feigenbaum). Ich freu mich schon aufs nächste Jahr und mein stätig wachsendes Nelkenwurz-Feld. Auch im Blumentopf funktioniert das Anpfanzen  ganz gut, allerdings sollte die Erde nicht trocken fallen. Die Nelkenwurz mag halbschatten und humosen Böden und eigent sich prima als Unterpflanzung großer Bäume oder ausladender Sträucher.


Samstag, 26. Juli 2014

Frittierte Labkrautsäckchen

Gut Ding will Weile habe und nicht jedes Rezept will auf Anhieb gelingen. Für diese habe ich etwas mehr Zeit benötigt, da mein Anspruch war, ohne Fertigprodukte (Brick-Teig) auszukommen. In dem Fall war also der Teig die größere Herausforderung, nicht so sehr die Zubereitung des Wildgemüses. Hier also nun das Rezept für frittierte Labkrautsäckchen.

Ob als Vorspeise oder Hauptgereicht, mit Fleischbeilage oder ohne - Labkrautgemüse ist schon ein spezielles Geschmackserlebnis.

Zutaten für frittierte Labkrautsäckchen:

  • 2 große Bündel Labkraut
  • 2 Zwiebeln
  • Butter
  • ca 100 g Semmelbrösel
  • 2 Eier
  • 1-2 Knoblauchzehe(n), je nach Vorliebe
  • Salz und Pfeffer
  • 50 ml Gemüsebrühe
  • 200 ml Sahne

Für den Teig :
  • 200g Mehl
  • 160 ml Wasser
  • 1-2 EL Öl
  • etwas Salz
  • Öl zum Frittieren
Von der Wiese in die Pfanne: Labkraut wird hier mit Zwiebeln angedünstet.


Zubereitung:


Für die Füllung der Säckchen wird das Labkraut zuerst kurz gewaschen, klein geschnitten und in einer Pfanne mit den kleingewürfelten Zwiebeln und dem Knoblauch  in reichlich Butter (darf ruhig ein großer Klecks sein) angeschwitzt.
Für die Füllung der Teigtaschen kommt die Hälfte des Labkrauts in eine Schüssel und wird mit den Semmelbrösel vermengt. Ist das Labkraut nicht mehr heiß, wird ein Ei untergerührt und die Masse mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.
Die andere Hälfte wird in der Pfanne mit Sahne und Gemüsebrühe aufgegossen und etwas eingekocht. Diese Hälfte ist das "Bett" auf dem das Labkrautsäckchen nachher drappiert wird.
Solange das Gemüse leise vor sich hinköchelt kommt der schwierigste Teil: Die Herstellung  des Brickteigs. Hier kommt es auf die richtige Mischung an und das Ausrollen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Für den Teig Mehl und Wasser mit dem Öl mischen, eine Prise Salz dazugeben und sehr gut durchkneten. Ist der Teig zu klebrig teelöffelweise Mehl hinzugeben, ist der zu trocken tropfenweise Wasser zufügen. Wenn der Teig geschmeidig ist und nicht mehr klebt, kleine Teigportionen abnehmen und diese so dünn wie möglich ausrollen. Man kann sich am Strudelteig orientierten. Auf jede Teigplatte etwa 2 EL der Füllung geben, die Teigränder nach oben zu einem Säckchen zusammendrücken und kurz nacheinander in Öl frittieren.
Das Labkrautgemüse auf einen Teller anrichten und ein Teigtäschchen obendrauf setzen.
Ab jetzt geht es ganz schnell: Frittiert sind die Labkrautsäckchen binnen 3-4 Minuten.

Sonstiges:

  • Wem die Zubereitung von Brickteig zu aufwändig ist, der kann sich selbigen im Asia-Geschäft fertig kaufen. Wenn man jedoch nach den Zutaten geht, zahlt man beim Fertigprodukt deutlich drauf. Es lohnt sich ein wenig mit dem Brickteig zu üben, da man mit ihm so ziemlich alles einpacken und frittieren oder ausbacken kann. Im Laufe der Zeit hat man dann den Dreh raus und muss keine Sondergeschäfte mehr aufsuchen.
  • Wem das ganze Rezept zu "grasig" erscheint, dem empfehle ich das Labkrautbett gegen ein Bett aus Rahmspinat auszutauschen. Die Teigsächchen schmecken dank dem Ei viel milder, als das tatsächlich eher herb-grasige Rahm-Labkrautgemüse. Labkraut hat einen interessanten herb-würzigen Geschmack, kann aber gerade Wildkrautanfängern in dieser Menge deutlich "zu viel des Grünen" werden.
  • Wer viel Labkraut zur Verfügung hat, der sollte nur das obere Drittel verwenden, da die untere Hälfe der Stängel doch etwas zu hart sein kann und man ja nicht den Eindruck erwecken haben möchte, man würde Stroh essen.

Freitag, 25. Juli 2014

Welches Unkraut ist das und kann man das essen? Der Ackergauchheil

Oft werde ich gefragt: Sag mal, weiß Du was das für eine Pflanze ist und kann ich die essen?  So auch hier: Zugeschickt wurde mir das Bild von einer Blogleserin, die mich fragte, was denn da so hübsch rötlich bei ihr übermäßig im Garten blüht  und ob sie das irgendwie als Gemüse zubereiten kann. Hier die Antwort:
Das was da im Garten wächst ist Ackergauchheil (Anagallis arvensis). Zum Essen ist er leider wegen einiger giftiger Saponine nicht geeignet. Aber es gibt einiges über ihn zu erzählen....

Ackergauchheil (Anagallis arvensis)

Die hübsche, zarten orange-roten Blüten des Ackergauchheils

Eine Räucherpflanze gegen böse Geister 

Früher und teilweise auch heute noch, wird er in sehr speziellen Räuchermischungen verwendet. In alten Tagen haben die Menschen daran geglaubt, dass Gespenster den Gauchheil meiden, weshalb man damit die Häuser regelmäßig ausräucherte. Auch heute noch verwenden Geisterjäger und Schamanen den Gauchheil in ihren Räuchermischungen, um Tatorte zu reinigen in denen z.B. ein Mord begangen wurde oder an denen "böse Schwingungen"  herrschen. Der Rauch der heil macht, der Rauch-Heil wurde als Wort zu Gauchheil verschleppt.
Alternativ zum Räuchern gibt es den Aberglauben ein Säckchen voll getrocknetem Gauchheil in die Winkel des Hauses zu hängen und so einen Schutz vor dem Bösen zu bekommen. Das Säckchen lässt sich wohl auch um den Hals hängen, dann soll es vor häufigem Nasenbluten schützen. Ob das stimmt? Wer Spaß dran hat kann das mal selbst ausprobieren. Bei  häufigem Nasenbluten ist aber in jedem Fall zusätzlich ein Arztbesuch anzuraten.

Eines der ältesten Psychopharmaka

Der Gauchheil gehört zu einem der ältesten, natürlichen Psychopharma: Man setzte ihn bereits vor über 2000 Jahren gegen Schwermut oder Tobsuchtsanfälle ein. Das kleine Pflänzchen ist also wirksam gegen extreme Gefühlsneigungen in beide Richtungen. In die Schulmedizin ist der Ackergauchheil aber nie vorgedrungen. Einzig bis in die Homöopathie hat er es geschafft, wo einen D3-Potenzierung gegen juckende Hautausschläge, Geschwüre und Psoriasis, aber auch bei  Nerven-, Leber- und Gallenerkrankungen eingesetzt wird.

Die Selbstmedikation mit Ackergauchheil ist nicht empfehlenswert

Tee aus Ackergauchheil hat dank der psychoaktiven Substanzen eine schmerzlindernde Wirkung und wurde  z.B. bei Zahnschmerzen angewendet. Auch bei Asthma, Husten und Atemnot wurde ein Tee aus Gauchheil verabreicht. Eine sehr vorsichtige Dosierung kann die Entgiftung der Leber anregen und Schadstoffe aus dem Körper ausleiten. Dennoch empfiehlt es sich nicht, den Ackergauchheil in Selbstmedikation anzuwenden ohne das Hinzuziehen eines naturheilkundigen Arztes, denn eine Überdosierung kann im Gegenzug schnell zu Nierenschäden führen.

Ein überall verfügbares, schwaches Pfeilgift für die Jagd

Die Gattung Anagallis existiert auch in Amerika mit einigen Arten. Das die Gattung giftig ist, wussten auch die Indianer, die ihre Pfeilspitzen einst mit Pflanzensaft aus Gauchheil bestrichen und es als schwaches Pfeilgift nutzten. Da die Pflanze rechte häufig anzutreffen ist, war das ein sehr praktischen Mittel, da es sich nahezu überall finden ließ. Vielleicht wächst der Gauchheil ja auch in Eurem Garten. Dann wisst Ihr nun ein wenig mehr über das unscheinbare, kleine Pflänzchen mit der großen Wirkung auf böse Geister.





Mittwoch, 23. Juli 2014

Spritzmittel sind Biozide und vergiften auch den Menschen

Die unsichtbare Gefahr - Biozide, Pestizide, Pflanzenschutzmittel

Das ist nun wirklich eine Gemeinheit. Die schönsten Unkräuter und essbaren Wildpflanze wachsen an Bahndämmen, im Wingert oder zwischen Obstbäumen. Gemeinheit nicht nur, weil dies meist Privatbesitz ist, oder das Betreten von Bahndämmen viel zu gefährlich ist - nein, vor allem wegen der vielen Spritzmittel, die in einem leider überwiegend nicht biologisch bewirtschafteten Kulturland wie Deutschland, zu Unmengen ausgebracht werden. Pflanzenschutzmittel nennen es die Landwirte, streng genommen sind es aber Biozide - also gegen irgendeine Form von Leben gerichtete Gifte. Um den Verbraucher aber ein wenig die Augen zu wischen, wird hier wieder ein riesiges Durcheinander um die Begrifflichkeiten gestiftet.
Denn Du bist, was du isst. Nach dem Tod dürften wir nur als Sondermüll entsorgt werden,
bei der Menge an Pestiziden, die wir mit unserm täglichen Brot aufnehmen.

Biozide, Pestizide, Pflanzenschutzmittel - letztendlich ist das alles Gift

Als Biozide werden nämlich die Gifte im Agrar-Bereich nicht bezeichnet! Statt dessen bekommen solche Gifte die schön formulierte Bezeichnung "Pflanzenschutzmittel". Es bleiben aber GIFTE, die sich gegen das Leben richten und das heißt übersetzt Bio-zid von Leben (=griech. Bios) und töten (= lat. caedere)
Alle verwendeten Gifte aufzuzählen, würde doch ein wenig weit führen, deswegen: Wen es interessiert, einfach mal googeln.
Die Pflanzenschutzmittel können je nach Wirkspektrum unterteilt werden: Da gibt es die Insektizide (Mittel die gegen Insekten wirken), Herbizide (also das Überhandnehmen von sogenannten Unkräuter...da blutet mein Herz) und Fungizide (Mittel gegen Pilzbefall wie z.B. Mehltau), Akarizide (gegen Milben und Zecken), Algizide (gegen Algen), Bakterizide (gegen Bakterien), Molluskizide (gegen Schnecken), Nematizide (gegen Würmer), Virizide (gegen Viren) und noch weitere wie die Mikrozide (gegen Mikroorganismen), Avidizide (gegen Vögel)  und sogar spezielle Rhodentizide (gegen Nagetiere). Letztere kennen wahrscheinlich die meisten in Form von Rattengift. Hier stellt sich nun die Frage: Ist Rattengift ein Pflanzenschutzmittel oder ein Biozid? Man sieht dann recht schnell, dass der Diskussion um die Begrifflichkeiten hier vom eigentlichen Thema ablenkt, denn solche Gifte gelangen nach wie vor in unsere Nahrungskette, während sich die Herren in Brüssel darüber medienwirksam unterhalten in welche Kategorie sie nun dieses oder jenes Gift stecken sollen.
Aber: Es mache keinen Unterschied, ob es sich nun um ein Biozid oder Pflanzenschutzmittel handelt. Der Begriff Pflanzenschutzmittel ist an sich schon Hohn.  Allein wenn man sich vorstellt, dass an Mitteln, welche Pflanzen schützen, nach WHO-Angaben jedes Jahr 3 Millionen Menschen (!) sterben! Pflanzenschutzmittel sind definitiv BIOZIDE. Sie mögen diese eine Pflanzengattung schützen, aber sie töten - auch Menschen.

*Ironie on* In der EU-Normen fallen unter Produktart 23 "Produkte gegen sonstige Wirbeltiere". Da finden sich dann sicher auch die "Humanizide" (gegen Menschen). *Ironie off*
Entschuldigt, aber wenn man sich länger mit dem Thema auseinander setzt, dann kann man irgendwann nicht mehr umhin ironisch zu werden.


Kindern ekeln sich vor einem Stückchen Natur

Keines dieser Gifte ist eigentlich notwendig. Die Natur hat in Jahrmillionen Jahren der Evolution ihre eigenen Regelmechanismen entwickelt, nur der Mensch ist ungeduldig. Gibt es ein Jahr mit zu vielen Schnecken, werden im nächsten vermehrt Enten schlüpfen, nehmen die Käfer überhand, freuen sich die Spatzen usw. Nimmt in einem Jahr der Apfelwickler besitzt von einem Baum,  bedeutet das zwar erst einmal eine geringere Ernte, weil der Apfel sich unter unseren kultivierten Bedingungen nicht wurmstichig verkaufen lässt, aber theoretisch ist der Apfel noch immer essbar! Vielleicht nicht im Ganzen, aber doch teilweise. Ich muss manchmal drüber schmunzeln, wenn ich mit Kindern unterwegs bin, einen wurmstichigen Apfel öffne und erst einmal ein "Igitt" aus den Kindern herausschlüpft. Dann entferne ich den wurmstichigen Teil und biete den guten Teil zum Essen an. Kaum ein Kind greift zu. Es gestaltet sich als wahre Mutprobe einen Apfel zu essen, in dem ein Wurm gelebt hat, der zum einen nach Apfel schmeckt (wonach auch sonst) und zum anderen deutlich keiner ist, als die Kinder. Esse ich den Apfel dann selbst, dann schauen mich große Kinderaugen an, als hätte ich gerade einen Riesen bezwungen. Unsere Kinder sind das Leben mit der Natur gar nicht mehr gewöhnt. Ihnen wir die perfekte Welt in der Werbung und dem Supermarkt vorgegaukelt - die geschaffen wurde von Bioziden, die sich letztendlich gegen sie selbst richtet. Dabei gehört ein wenig Leben im Essen seid Anbeginn der Menschheit zum Alltag - was nicht zwangsläufig bedeutet, dass man jeden Apfelwickler mitessen soll. Aber man kann als Eltern doch auch mit solchen Dingen ganz natürlich umgehen und den Kindern beibringen, dass so ein kleiner Wurm nicht das größte Ekelerlebnis auf dieser Welt ist.

Von Grenzwerten und Giftspeichern

Also spritzt man lieber Biozide und versperrt sich die Vielfalt auf dem Teller, indem man das Grünzeug unter dem Apfelbaum ebenso vergiftet. Mich wundert es sehr, dass die Mehrheit der Deutschen dennoch lieber einen mit Bioziden kontaminierten Apfel isst, mit dem Gedanken, er sei doch so gesund  und verdrängt das Thema Spritzmittel, als würde der konventionell angebaute Apfel davon ein biologischer werden. Der Apfelbaum der jahrelang gespritzt wurde, akkumuliert die Gifte genauso in sich, wie ein Mensch sie im Fettgewebe speichert. Der Apfelbaum ist ein Giftspeicher. Der Mensch ist ein Sammler - er sammelt auch Giftstoffe. Das macht sich bei uns dann bemerkbar im Alter ab 40 oder 50 Jahren, wenn das Maß voll ist. Der Apfelbaum wird meist schon vorher gefällt, weil er nach ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr wirtschaftlich rentabel ist. Wirtschaftlich rentabel? Ja, denn die EU "harmonisiert" die Pestizid-Grenzwerte immer mal wieder - mache werden erhöht, manche gesenkt. Sie spielt dabei mit unserem Leben unter der Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit, der Wirtschaftlichkeit unseres Lebens, denn sehr pragmatisch betrachtet ist ein Grenzwert der wirtschaftlich vertretbare Verlust an Lebenszeit. Noch ein Apfel gefällig?
Jeder Grenzwert ist zu hoch, denn letztendlich dürfte gerade im Bereich der Nahrungsmittelproduktion  keinerlei Gift verwendet werden.

Tausche Schnewittchen-Apfel gegen Vielfalt auf dem Teller


Dann hört und liest man immer wieder: Aber was ist mit Ernteausfälle durch Apfelwickler? Betrachtet das doch mal anders: Verkaufen sich nur 3/4 des Apfels  und 1/4 geht an den Wurm, dann gewinnt der Mensch aber jede Menge Land und Essen dazu, wenn unter dem Apfelbäumen Brennnesseln und Co. wachsen dürfen  und geerntet werden können - nahezu ganzjährig. Wenn wir wieder lernen die Natur in ihrer Ganzheit zu nutzen, dann haben wir viel mehr (Nährstoffe, Vielfalt, Nahrung - in Form von Brennnesselfrikadellen, Gierschpesto und Labkrautgeele) auf dem Teller, als nur einen vergifteten, aber ästhetisch perfekten Schneewittchen-Apfel.

Vergiftungssymptome durch Spritzmittel

Wie gesagt: Einfach mal "Hauptwirkstoffe in Pestiziden" googeln oder beim BUND, dem NABU oder Greenpeace und ÖkoTest mehr zum Thema nachlesen, allein dann werdet Ihr sehen, wo das Problem liegt, denn neben den Hauptwirkstoffen, die z.T. an sich schon stark krebsauslösend sind, wie Hormone wirken oder sich in die Entwicklung und Vernetzung des Gehirns auswirken, existieren noch eine ganze Reihe von Zusatzstoffen, die ebenfalls eine erheblich biozide Wirkung auf den Menschen haben. Insgesamt wirken viele Pestizide wie Nervengifte. Wer viel gespritztes Obst und Gemüse isst, unter Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Sehstörungen oder gar Atemlähmung leidet, der sollte sich einmal fragen, ob dies nicht von den Spritzmitteln kommen könnte und sich hier schon Vergiftungserscheinungen bemerkbar machen. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, dass Pestizide das Erbgut schädigen und auch die Entwicklung des Embryos im Mutterleib stören. Sicher, Biozide vergiften uns meist nicht sofort mit einer letalen Dosis, so wie sie es bei Apfelwicklern oder in den Entwicklungsländern mit den Bauern tun, aber sie vergiften uns in Deutschland schleichend und nachhaltig. Und der Grenzwert wird immer weiter von der EU nach oben "harmonisiert". Dabei ist den meisten Menschen gar nicht klar, wie sich ein Grenzwert überhaupt definiert: Nämlich als wirtschaftlich vertretbare Verlust an Lebenszeit. Noch ein Apfel gefällig?

Vom Winde verweht - Spritzmittel im Umfeld

Leider haften nun solche Biozide auch an den Unkräutern zwischen Wingerten und Obstplantagen und im Umfeld derselben, da sie mit dem Wind über viele Kilometer auch in die Natur geblasen werden. Auf Feldern in denen Herbizide - also Unkrautvernichtungsmittel gespritzt werden, ist für den Unkrautgourmet ohnehin nichts zu holen. Um Felder die mit anderen Bioziden behandelt werden, sollte mal seiner Gesundheit zuliebe dann doch einen größeren Bogen machen.

Abwaschen ist schon mal gut, hilft aber nicht wirklich gegen Biozide

Es kommt immer wieder die Frage auf: Und wenn ich die Kräuter abwasche? Abwaschen solltet Ihr ohnehin alles vor dem Essen, egal wo Ihr es sammelt. Viele Gifte sind Kontakt-Biozide, haften also auf deren Oberflächen und wirken bei Kontakt. Abwaschen ist also immer eine gute Idee - dabei ist lauwarmes Wasser wirksamer als kaltes. Leider verhält es sich so, dass viele essbaren Unkräuter eine behaarte Oberfläche haben und dort die Pflanzenschutzmittel nicht wirklich restlos abzuwaschen sind. Dazu kommt: Der Landwirt spritzt da nicht erst seit gestern, sondern der Boden hat schon zahllose Spritzmittel aufgesogen und das nehmen auch die Pflanzen wieder auf. Keine gute Grundlage für eine gesunde, mit Wildkräutern bereicherte Nahrung. Da esse ich lieber einen gesunden, biologisch einwandfreien Apfel (z.B. von Dirks Biokiste) und riskiere auch mal den Blick auf einen Wurm, als einen Apfel mit krebserregenden Stoffen zu essen. Außerdem: Dort wo gespritzt wird, wird meist auch übermäßig gedüngt. Der Nitratgehalt mancher Unkräuter ist also dementsprechend hoch.
Deshalb würde ich nur dort Wildkräuter sammeln, wo entweder biologisch gewirtschaftet wird, oder gar nicht.
Gegen den Apfelwickler hilft im Übrigen Wermut-Jauche - womit wir wieder bei den (un)geliebten Unkräutern sind, die man ja mit Herbiziden so schön vernichtet...

Mehr zum Thema unter:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/chemie/pestizide/gesundheitsgefahren/krank_durch_pestizide/
http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide




Montag, 21. Juli 2014

Knusperkram mit Brennnesselsamen und Walnusstapenade

Gäste kommen und nun muss es schnell gehen? Soll es etwas Besonderes sein?  Wie wäre es mit gedrehten Brennnesselsamenlocken oder Blätterteighäppchen mit Walnusstapenade? Oder mit Knopfkraut gefüllten Täschchen?

Blätterteigvarianten: mit Walnusstapenade, Brennnesselsamen und gefüllt mit Knopfkraut

Zutaten für den Knusperkram:

  • 1 Packung Blätterteig
  • Ei
  • eine Handvoll Brennnesselsamen
  • Walnusstapenade
  • etwas Käse (Emmentaler, Parmesan, Mozzarella je nach Vorliebe)

Natürlich veredelter Blätterteig -
dazu passt ein Rotwein....oder noch besser:
ein Walnusswein.

Zubereitung:

Die Blätterteigplatten nebeneinandergelegt auftauen lassen. Ei verquirlen und einige Platten damit bepinseln. Hier die Brennnesselsamen darüber streuen, die Platten umdrehen und auf der anderen Seite genauso verfahren. Die Teigplatten in Streifen schneiden und ineinander verdreht auf ein mit Backpapier gelegtes Backblech legen.
Für die Tapenade-Häppchen die Teigplatten in kleine Quadrate schneiden und je einen Klecks Walnusstapenade darauf verteilen. Nach Belieben mit Käse bestreuen. Man kann die Tapenade auch zum Füllen von Teigtaschen verwenden.
Für die Knopfkraut-Täschchen den Mozzarella würfeln (alternativ geht auch ein anderer milder Käse wie Gouda oder Butterkäse), die Blätter und Blüten kleinschneiden, salzen und pfeffern und davon je einen Löffel ebenfalls auf kleine Teigquadrate geben. Mit einem zweiten Quadrat abdecken und ringsum zusammendrücken. Die Taschen mit Ei bepinseln.
Alles jeweils bei 180 Grad umluft 10-15 min backen.

Sonstiges:

Fertiger Blätterteig ist wirklich dankbar. Er lässt sich mit Sesam, Mohnsamen, Knoblauchsraukensamen, Bucheckerbruch und vielen anderen in der Natur zu findenden Samen bestreuen und schmeckt dabei jedes mal anders. Zu den Brennnesselsamen werde ich noch ausführlicher, allerdings erst, wenn die Saisaon gekommen ist. Die hier verwendeten Samen waren Restbestände vom letzten Jahr. Noch sind die Brennnesselsamen nicht ganz ausgereift. 1-2 Wochen wird das noch dauern, bevor die Erntesaison beginnt.


Sonntag, 20. Juli 2014

Walnusswein

Und noch ein Rezept für Johanninüsse, das man jedoch auch noch zubereiten kann, wenn die Nussschalen der grünen Walnüsse bereits anfangen auszuhärten, da man für den Walnusswein die Nüsse nicht isst (so wie bei den Schwarzen Johanninüssen, den Weißen Johanninüssen oder der Walnusstapenade), sondern lediglich zum Aromatisieren benötigt. Zur Not zerteilt man solche harten Nüssen auch mal mit einem größeren Messer oder haut beherzt mit einem Hammer drauf. Mit den weichen Johanninüssen geht das Zerteilen natürlich viel einfacher, weshalb ich das Rezept eigentlich erst wieder fürs nächste Jahr empfehlen kann. In dem Fall war die Inspiration zu einem verspäteten Johanninuss-Rezept schlicht und ergreifend ein ganz furchbarer Rotwein. Zum Wegkippen war er aber zu schade. Also versuchte ich es mit aromatiesieren und - e voila - aus einem "Grusel-Fusel" wurde ein annehmbarer, schön aromatischer Walnusswein.
Das ist ein Panschrezept - die Winzer mögen mir vergeben. Immerhin habe ich den Wein nicht wegkippen müssen oder zu Essig verarbeitet.

Rotwein mit Nussgeschmack? Warum nicht.
Rotwein der nicht so richtige schmecken will,
eignet sich für dieses Rezept allemal.
Zutaten für Walnusswein

  • 3 grüne Walnüsse 
  • 100 g Zucker
  • 2 Nelken
  • 1/2 Stange Vanille
  • 1 Sternanis
  • 400 ml Rotwein
  • 100 ml Korn
  • 100 ml Wasser

Zubereitung

Die Nüsse mit einer Nadel mehrfach einstechen und 2 Tage wässern. Danach achteln und mit den anderen Zutaten in ein großes, verschließbares Gefäß geben und gut durchschütteln. 6 Wochen ziehen lassen, abfiltern und in Flaschen füllen.

Samstag, 19. Juli 2014

Schafgabe - die Schwester der Kamille

Die Schafgabe (Achillea millefolium) ist eine der wohl interessantesten Pflanzen in der Naturheilkunde und steht der echten Kamille in nichts nach.  Nur der Geschmack der Schafgabe ist extrem bitter, was ihre Verwendung in der Küche stark begrenzt.

Schafgabe sammel lohnt sich - ein Heilkraut für Bauch und Unterleib

Schafgabe lässt sich prima trocknen und auch im getrockneten Zustand vielseitig verwenden. Sie fehlt in fast keiner Kräutermischung und gilt als Geheimtipp unter den "Frauenkräutern". Tee mit Schafgabe hilft gegen Magenbeschwerden, Bauschschmerzen, Durchfall, Blasenschwäche, Regelstörungen, Menstruationsbeschwerden und Krampfadern, sie wirkt blutreinigend und hilft sogar bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen (denen wenn man das Gefühl hat das das Hirn würde platzen). Vor allem ist Schafgabe ein echtes Gallentonikum.

Die Pflanze hilft sogar gegen Bettnässen, wenn man Kindern eine Teemischung aus Schafgabe, Johanniskraut, Kamille, Zinnkraut und Frauenmantel gibt, während eine Kombination aus Holunderblüten und Schafgabe eine heranschleichende Erkältung abfängt.

Bei Krampfadern muss man Schafgabe nicht unbedingt trinken, sondern man kann sie auch als Kompresse auflegen. Äußerlich angewendet kann sich ein schwarker Tee (1 Handvoll Kraut und Blüten für 15 min in 1l Wasser kochen) ins Badewasser gegossen positiv auswirken auf Gicht, Rheuma, Hömorrhoiden, Blasenschwäche und sogar bei Frostbeulen. Ein Gesichtsdampbad mit Schafgabe verschafft Linderung bei Akne und fügt man dem Dampfbad auch noch Kamille bei, bekommt man Nasennebenhöhlenentzündungen gut in den Griff.

Schafgabensirup - Bittere Medizin mal ein Bisschen süß

Medizin muss bitter schmecken?  Die positiven Wirkungen der Schafgabe lassen sich auch mit einem Schafgabensirup herbeiführen. Ob nun die entzündungshemmende, antiseptische, krampflösende, harntreibende, blähungswidrige, verdauungsfördernde, anredende oder menstruationsregelnde Wirkung gewünscht ist -hier kann man es auch mit einem Schafgabensirup versuchen. 2-3 TL am Tag sollten genügen.
Dafür zupft man möglichst akribisch die einzelen Blüten von den Dolden, bis man etwa eine Tasse voll hat. Je mehr Grünzeug man dabei dran lässt, desto bitterer wird der Sirup. Die Bitterstoffe stecken überwiegend im Kraut.
Die Blüten kommen in einer Schale und werden mit dem Saft von 2 Zitronen übergossen.
Dann löst man 1kg Zucker in  1l heißem Wasser auf und übergießt die Blüten damit. Die Schüssel wird abgedeckt 2 Tage an einem warmen Ort gestellt und immer wieder umgerührt.  Anschließend seiht an die Sirup ab und füllt ihn in sterile Flaschen. Will man den Sirup nicht gleich verbrauchen, kann man ihn auch einkochen.

Das Thujon im Schafgabentee oder was die Pflanze mit Absinth gemeinsam hat

Für Tee verwendet man 2 TL Kraut und/oder Blüte auf 250 ml kochendes Wasser und lässt die Schafgabe 10 min ziehen. 3 Tassen pro Tag ist die allgemeine Dosierung. Der Tee schmeckt jedoch ziemlich widerlich, was die meisten per se schon davon abhalten wird, ihn über einen längeren Zeitraum zu trinken - die Natur schützt den Menschen von von sich aus gegen Missbrauch. Denn in der Tat sollte man nach max. 8 Wochen Teekurz eine längere Pause einlegen: Schafgabe enthält Thujon - der Wirkstoff, der auch im Absinth steckt, und der wirkt leider giftig. Thujon kommt in größeren Mengen im Wermut vor und vor allem in der Thuja (namengebend), in geringen Mengen findet man Thujon auch im Rosmarin, Salbei und Thymian. Kein Grund also, auf Schafgabe ganz zu verzichten, denn auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift und Thujon in der Schafgabe ist neben nicht so hoch dosiert wie in der Thuja, aber eben mehr enthalten als im Rosmarin. Bei längerer Anwendung kommt aber dann doch einiges zusammen und man sollte dem Körper die Möglichkeit geben, sich davon zu erholen. Eine schöne, informative Seite über Thujon findet sich unter http://www.thujone-info.com/. Hier könnt Ihr Euch genauer über die "grüne Fee" im Absinth informieren.

Die weiteren Inhaltsstoffe der Schafgabe

Neben dem Thujon enthält die Schafgabe auch noch Campher (schleimlösend, durchblutungsfördernd) , Eukalyptol (schleimlösend, bakterizid)  und Cumarin (aromatisierend, einige Cumarinderivate sind blugetinnungshemmend)  - alles Namen die dem Kräuterkundigen doch irgendwie vertraut vorkommen. Weniger bekannt sind Proazulene (gelten als qualitätsbestimmend für die Schafgabe) und die Klassiker der Inhaltstoffe wie Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Mineralstoffe und Natrum. Natrium? Ja, denn tatsächlich schleußt Schafgabe Natium in die Körperzellen und deswegen ist ein Tee aus Schafgabe auch bei Stoffwechselstörungen durchaus förderlich. Schafgabe ist als Heilkraut eben wie die Schwester der Kamille.

Freitag, 18. Juli 2014

Kirsch- oder Blutpflaumenmarmelade

Manchmal hat man Glück,und die Kirschpflaumen oder Blutpflaumen stellen sich als schmackhaft heraus. Ist das der Fall, ist eines der einfachsten Rezepte Marmelade daraus zu kochen. Allerdings muss man ein wenig herumexperimentieren, denn die Wildpflaumen ziehen unterschiedlich stark Wasser und haben je nach Sorte einen anderen Säuregehalt, so dass unter Umständen weniger Fruchtmasse (bei zu hohem Wasseranteil in den Früchten) oder die Zugabe von etwas Zitronensaft (bei zu geringem Säuregehalt) erforderlich ist. Mein Kirschpflaumenbaum ist unkompliziert. Seine Früchte verlangen nur eines: Gelierzucker.

Ob Wildpflaume, Kirschpflaumen oder Blupflaumen - manchmal
hat man Glück und die Früchte sind so unkompliziert, dass sie
als Marmelade nur Gelierzucker benötigen.

Zutaten für Kirschplaumenmarmelade:

  • 1 kg Kirschpflaumen 
  • 1 kg Gelierzucker 1:1

Variationen:

  • statt Kirschpflaumen Blutpflaumen verwenden
  • 1 Stange Vanille mitkochen
  • 1 Stange Zimt mitkochen
  • Mit Mirabellen, "echten" Pflaumen oder richtigen Kirschen mixen
  • wer mag, kann einige Kornblumenblütenblätter als Deko in die Marmelade geben 

Eine wirklich tolle Farbe und ein extrem
guter Geschmack mit grade mal 2 Zutaten: die
Kirschplaumenmarmelade.
Zubereitung:

Die Kirschpflaumen im Topf erhitzen (Zugabe von Wasser ist meist nicht nötig) und weich kochen, durch die flotte Lotte oder ein feines Sieb streichen. Die Fruchtmasse mit dem Gelierzucker nach Packungsanleitung aufkochen und die Marmelade heiß in Gläser füllen. Dankbares Rezept, denkbar einfach und dankbare Kinder. Was will Frau mehr?

Sonstiges: 

  • Die Kirschpflaumenmarmelade ist bei uns zu Hause der Renner. Da meine Kinder die Marmelade gerne essen, koche ich sie etwas dicker ein, damit sie nicht vom Brot läuft und ich mir die Matscherei am Frühstückstisch erspare.
  • Aber gehört viel Glück dazu, den richtigen Baum zu finden, da Kirsch- und Blutpflaumen sehr
    verschieden im Geschmack sein können. Manche Bäume taugen einfach gar nicht für Marmelade, da die Früchte mehlig sind und fade schmecken - aber nicht giftig sind, wie immer angenommen wird. Einzig der Kern kann Blausäure enthalten, aber der wird ja nicht mitgegessen.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Eine leichte Sauerampfersuppe

Sauerampfer wird unter den Botaniker als "leicht giftig" eingestuft. Das liegt an der in ihm befindlichen Oxalsäure, die so mancher aus Sauerklee, den japanischen Knöterich oder dem Rhabarber kennt. Die Dosis macht das Gift. Sauerampfer sollte man also nicht täglich essen. Menschen mit Herz- oder Nierenschäden oder auch Rheumatiker, sollten besser ganz auf ihn verzichten. Alle anderen dürfen hin und wieder z.B. diese fein säuerlich-frische Suppe genießen.

Sauerampfer im Sommer? Dank gemähter Wiesen finden sich hin und wieder Leckereien zu unterwarteter Zeit.


Zutaten für die Sauerampfersuppe:

Schalotten, Sahne, Ei, Sauerampfer, Mehl, Butter und Gemüsebrühe - und schon hat man eine wirkliche Delikatesse.
  • 4 Handvoll Sauerampfer 
  • 1 EL Butter
  • 2 Schalotten
  • 2 EL Mehl
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 200 ml Sahne
  • 1 Eigelb
  • Salz und Pfeffer 

Zubereitung:

Scharlotte fein würfeln und in Butter glasig dünsten. Den Ampfer waschen, grobe Stängel entfernen, grob kleinschneiden und im Butter-Zwiebelgemisch zusammenfallen lassen. Das Mehl zugeben und kurz anschwitzen, dann mit Gemüsebrühe ablöschen. 150 ml Sahne zugeben und ca 15 min köcheln lassen. Die Suppe pürieren. Restliche Sahne mit dem Eigelb verschlagen, unter die Suppe ziehen und sofort servieren.


Puristisch: Die Sauerampfersuppe ohne Tam-Tam angemacht,
nur mit einem Klecks Creme fraiche - erfrischend säuerlich.

Sonstiges:

  • Wer möchte kann zu den Zwiebeln auch noch Knoblauch geben. 
  • Wer die Suppe grüner mag, kann mit ein paar frischen Erbsen nachhelfen, die mitgekocht und püriert werden.
  • Sauerampfer ist appetitfördernd und harntreibend. Er reinigt das Blut und stärkt die Leber. Das ist mt ein Grund warum man früher immer mal wieder 1-2 Blätter Sauerampfer direkt von der Wiese genascht hat. Heute wird das kaum noch gemacht, aus Angst vor Fuchsbandwurm und Keimen aller Art.



Mittwoch, 16. Juli 2014

Walnusstapenade

Walnusstapenade eignet sich auch für die kohlenhydratarme Ernährung, da sie vorzüglich mit Käse, gekochtem Ei und Tomaten harmoniert -  dann eben ohne Brot. Man kann mit ihr auch Kapuzinerkresseblüten füllen oder sie zu Wildgerichten reichen.
Selbstgemachte Walnusstapenade aus grünen Walnüssen ist mit Abstand das aufwändigste Rezept, das ich kenne. Das Ergebnis ist - na sagen wir mal - ungewöhnlich. Mit Sicherheit ist das ein Topping, das nicht jeder zu Hause hat und mit dem man auch schweigsame Gäste hinter dem Ofen hervorlocken kann. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben - leicht nussig-sauer-bitter. Im ersten Momant schmeckt es nach nichts, im nächsten hat man einen Geschmack im Mund, der zwischen angenehm pikant bis merkwürdig zwieblig-bitter reicht. Eine Erfahrung für sich. Ich hab bis heute keine passende Geschmacksbeschreibung für Walnusstapenade.  Da Johanni (der 24. Juni) bereits vorbei ist, und auch für dieses Rezept Johanninüsse benötigt werden, ist dies ein Rezept, das Ihr Euch für nächstes Jahr vormerken könnt. Wer die Walnusstapenade einmal probieren möchte, kann ein Gläschen bei mir bestellen und hernach entscheiden, ob sich für ihn sich die Mühe nächstes Jahr lohnt, selbst Walnusstapenade herzustellen. Für besondere Anlässe ist sie auf alle Fälle ein Fall von: "Oh, was ist das denn?"  Und schon habt Ihr ein Gesprächsthema.

Nach ihrem 3-wöchigen Martyrium haben die Walnüsse ihre grüne Farbe verloren und sind grün-braun-schwarz geworden. Ansonsten braucht es nicht viel: Pfeffer, Essig, Öl, Zwiebel und Tomaten. Upps: Tomatenmark vergessen.

Stunden später: Die Zutaten sind endlich
atomisiert. Das Kleinschneiden der
Nüsse ist der größte Arbeitsaufwand.

Zutaten für Walnusstapenade:

  • 500g Salz für 2 Salzlake
  • 1kg grüne Walnüsse
  • 300 ml Olivenöl
  • 100 ml Balsamico Essig (dunkel)
  • 50 g Tomatenmark
  • 400 g Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • 1 EL Pfeffer
  • optional 1-2 Knoblauchzehen

Zubereitung:

    Vor 3 Wochen sahen die Nüsse noch schön grün aus.  
Walnüsse vor Johanni pflücken und mehrfach mit einer Nadel
einstechen. in ein Gefäß füllen Wasser hinzu geben. Dann 1 Woche lang jeden Tag das Wasser wechseln. Nach der Woche wird eine Salzlake hergestellt: dafür kommen auf 1l Wasser 250 g Salz. Es wird so viel Lake hergestellt wie für die Menge der Nüsse notwenig ist, damit diese schwimmen. Die Salzlake über die Nüsse gießen und eine weitere Woche stehen lassen. Anschließend die Salzlake abgießen und wieder eine Woche lang täglich das Wasser wechseln.
Die Nüsse stehen als 3 Wochen lang in Eurer Küche und machen erst mal Arbeit. Aber der Lustigste Teil kommt erst noch: Nach den letzten Wasserwechel werden die Nüsse einen Tag lag zum Trocknen ausgelegt und dann sehr fein gehackt. Sehr fein! Dabei unbedingt Handschuhe traggen, denn die Nüsse färben nach wie vor.
Beim Aufschneiden der Nüsse sieht man machmal, wenn die Nüsse schon nah an Johanni geerntet wurden, die zuerst verholzenden Wulst der Nussschalen. Beim Schneiden spürt man dann einen Widerstand. Diese solltet Ihr entfernen.
Rot eingekreist sieht man die bereits verholzten Teile der noch jungen Walnusssschalen - ein wenig reifen die Nüsse in der ersten Woche im Wasser leider noch nach, da kommt man auch schon mal zu spät für die Johanninüsse, obwohl noch nicht der 24. Juni war. Damit die 3 Wochen Wässerung aber nicht umsonst waren, kann man solche Nüsse retten, indem man die  holzige Wulst, welche später den Rand der beiden Nussschalen bildet, herausschneiden.
Jetzt gehts los: Tomaten überbrühen, häuten, entkernen und fein würfeln. Auch die Zwiebel fein würfeln. Zwiebeln, Tomaten und die Walnüsse in Olivenöl andünsten. Wer Knoblauch mag, kann an dieser Stelle auch 1-2  Zehen hinzudrücken, wodurch die Tapenate überwiegend Knoblaucharoma annimmt, da ihr Geschmack an sich sehr unaufdringlich ist.
Anschließend den Essig, das Tomatenmarkt und den Pfeffer hinzugeben und die Tapenade musig einkochen. Bei Bedarf noch Olivenöl zugeben. Noch heiß in Gläser füllen (evtl. im Ofen zukochen lassen) und mindestens 3 Monate durchziehen lassen. Die Tapenade ist mindestens 1 Jahr haltbar.

Sonstiges:

Die Frage aller Fragen: Wozu ißt man Walnusstapenade? Sie eignet sich für vorzüglich als Topping für Fingerfood wie Canapes mit Fisch oder würzigem Käse. Wachteln pder Hühnerbrüste lassen sich mit Tapenade füllen (auch ganzes, größeres Geflügel, aber dann nur um die eigentliche Füllung zu ergänzen)  und sie eignet sich zu aller Arten von Wildgerichten. Ich selbst esse sie am Liebsten als Füllung für Cocktailtomaten, Champignons, auf  (Tomaten-)Brot oder ganz simpel auf frischem Baguett.

Dienstag, 15. Juli 2014

Mirabellenkernkissen mit natürlich gefärbtem Stoff

Was tun mit den ganzen Mirabellenkernen aus der Mirabellencreme? Was machen mit den ganzen Stoffresten aus den Färbeversuchen mit den grünen Walnussschalen? Ganz einfach: man nähe sich ein Kernkissen. Das Einzige worauf man zu Achten hat: Die Kerne müssen sauber und trocken sein und dürfen nicht schimmeln. Zerbrochene Kerne ebenfalls aussortieren.
Kernkissen aus Mirabellenkernen mit Walnussschalen gebatiktem Stoff - mehr Natur geht fast nicht.
Klar ist der Stoff aus Bio-Baumwolle.


Ein 15 x 15 cm langes Kernkissen braucht ca 0,4 l Volumen
an Mirabellenkernen undein 40 x 20 cm großes Stück
Baumwollstoff, dazu eine Nähmaschine oder Nadel und Faden.
  • Schön ist es, dann noch eine Handvoll getrockneter Lavendelblüten ins Kernkissen zu geben - weils einfach gut riecht :-)
  • Erwärmen kann man das Säckchen in der Restwärme des Ofens oder im Winter direkt auf der Heizung. 
  • Da der mit Walnussschalen gebatikte Stoff beim Waschen etwas ausbleichen würde, ist er fürs Kernkissen die optimale Besetzung: Er färbt nicht ab im Gebrauch als Kernkissen, wird aber auch nicht gewaschen und behält so seine Farbe.
  • Wichtig ist, das das Säckchen immer trocken bleibt, sonst fangen die Kerne an zu schimmeln.

Montag, 14. Juli 2014

Schafgabe-Brombeere-Smoothie - der Magenbitter unter den Smoothies

Schafgabe ist extrem heilsam,
leider auch extrem bitter.

Schafgabe ist die "Schwester der Kamille" - jedenfalls was ihr Heilwirkung betrifft: entzündungshemmend, anregend, antiseptisch, krampflösend, blähungswidrig, verdauungsfördernd.  Die Brombeere hingegen ist per se in vielen Kulturen schon seid Jahrtausenden eine Heilpflanze. Esst mehr Brombeeren! Zeit also einen Versuch zu wagen und beides in einem Smoothie zu kombinieren. Das Ergebnis: ein alkoholfreier Magenbitter. Tatsächlich ist Schafgabe extrem bitter, vor allem, wenn man auch noch einige Blätter in den Mixer steckt. Gewöhnungssache. Fakt ist: Dieser Smoothie ist ein Kraftbündel in Sachen Kalzium mit extrem viel Vitamin C und krebshemmenden Ellagsäuren. Dazu jede Menge Magnesium, Kalium Eisen, Phenolsäure und Flavonoide.

Zutaten für den Schafgaben-Brombeere-Smoothie:

  • 2 blühende Stängel der Schafgabe
  • 2 Handvoll Brombeere 
  • ca. 150 ml Milch und/oder Wasser

Mit Milch und Banane und der Hälfte der Schafgabe kann
man sich langsam an die Bitterkeit gewöhnen.

Zubereitung: 

Die Blüten vom Stängel zupfen, ebenso die Blätter und ab in den Mixer zusammen mit den Brombeeren und so viel Wasser, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Sonstiges: 

Der Smoothie ist puristisch reiner Form mit Wasser und ohne Milch nur was für Menschen, die sich schon an Bitterstoffe gewöhnt haben. Wer dies noch nicht gewöhnt ist, kann dem Smoothie erst mal nur einen Blütenstängel zufügen und zusätzlich eine Banane und ersetzt das Wasser gänzlich durch Milch - beide nehmen dem Smoothie seinen "Schrecken".

Sonntag, 13. Juli 2014

Brennnesselfrikadelle - vegetarisch lecker

Eines der leckersten Rezepte mit den simpelsten Zutaten ist die Brennnesselfrikadelle. Da das Wetter die letzten Tage fürs große Kräutersuchen doch ziemlich ungünstig war, musste mein Brennnesselfeld im Garten wieder herhalten. Damit ich auch in 4-8 Wochen wieder frische Brennnesseln habe, hab ich dieses Mal die Hälftes des Feldes niedergemäht. Einen kleinen Teil davon seht Ihr hier :-).

Die Brennnessel von ihrer schönsten Seite: Ob als Frikadelle mit Ei oder als Gemüse ohne Ei (das Häufchen mit der Brennnessel als Fahne) - sie ist einfach ein Genuss.

Zutaten für die Brennnesselfrikadelle:

  • 200 g Brennnesselblätter
  • 2 altbacke Brötchen
  • etwas Milch 
  • 1 Zwiebel
  • 1 Ei
  • Butter
  • Salz und Pfeffer
  • evtl weiteres Semmelbrösel
  • Öl zum Ausbacken
Schon wieder was vergessen: Milch fehlt! Gerade so viel Milch zu den Brötchen geben, bis diese weich sind. Ist die Masse zu flüssig, braucht man evtl. noch Semmelbrösel.

Zubereitung:

Die Brennnessel kurz mit heißem Wasser überbrühen, abtropfen lassen und kleinschneiden. Die Brötchen in kleine Stücke verteilen und in Milch einige Minuten einweichen. Die Zwiebel fein würfeln und in Butter anbraten. Dann die Brennnesseln mit den Zwiebeln, den eingeweichten Brötchen und dem Ei verrühren. Ist die Masse zu feucht, noch Semmelbrösel unterrühren. Aus der Masse kleine Frikadellen formen und in Öl beidseitig braun braten.
Als Alternative ohne Ei die Frikadellenmasse einfach locker in Öl braten. Die gebratenen Brötchen-Brennnessel-Mischung schmeckt auch als eifreies Gemüse unglaublich lecker und ist eine tolle Beilage zu Gegrilltem.

Samstag, 12. Juli 2014

Unkraut-Dolmades - Weinblätter gefüllt mit Reis und Wildkräutern


Eigentlich ist die Zeit für Weinblätter schon vorbei und Wein kein wirkliches Unkraut. Wer aber gewöhnt ist Brennnesseln zu jeder Jahreszeit zu essen, den schrecken auch ein paar faserige Blattadern vom Wein nicht ab. Um den Dolmade , den gefüllten Weinblättern, aber auch noch einen Unkräutertouche zu verpassen, landen in den Weinblättern zusammen mit Reis natürlich möglichst viel Grünzeug - je nach Saison und Verfügbarkeit.
Unkraut-Dolmades schmecken lecker mit Joghurtsoße. Dafür 1 Becher Joghurt, ein Becher Saure
Sahne und 2 gepresste Knoblauchzehen mit Salz und Pfeffer verrühren.

Zutaten für die Unkraut-Dolmades:

  • 20 Weinblätter
  • 200 g Wildkräuter (gemischt oder einzeln, je nach Saison, z.B. Giersch, Brennnesseln, kleines Knopfkraut, Löwenzahn, Breitwegerich, Spitzwegerich, Bärlauch, Gänsefuß....)
  • 3 Zwiebel
  • 500 g Risotto-Reis
  • 3 Tomaten
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 Zitrome
  • Salz, Pfeffer, Paprikapulver
  • Nach belieben 1 Chili, Chilipulver oder Sambal Oelek
  • 8 EL Öl 
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • Gefüllte Weinblätter mit Reis und "Unkraut" - Mahlzeit.
Unkraut, dass sie für Füllungen und zum Kochen immer eignet: Giersch, Löwenzahn, Breit -und Spitzwegerich, Franzosenkraut (auch kleines Knopfkraut genannt), wilden Möhre , weißer Gänsefuß und natürlich die Brennnessel.

Zubereitung der Unkraut-Dolmades:

Weinblätter einfach in Wasser weich dünsten.
Die Weinblätter in heißem Wasser blanchieren. Die gewaschenen Wildkräuter und Zwiebeln möglichst fein hacken. Zwiebel in 4 EL Öl anbraten, das Tomatenmark und den ungekochten Reis zugeben und den Reis in 5 min glasig dünsten. Kleingewürfelte Tomaten zugeben nochmal kurz anbraten, zuletzt die Wildkräuter unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken. Wer es schärfer mag kann noch Chili oder Sambal Oelek zugeben.
Dann auf die Weinblätter je 1-2 EL der Reismasse
            Die Reis-Unkraut-Füllung in vertikalter Richtung        
auf die Weinblätter geben.
geben und die Blätter zuerst seitlich einschlagen und aufrollen. Die Dolmades in eine Auflaufform setzen. Mit 4 EL Öl übergießen und die Zitrone in scheiben geschnitten darauf verteilen. Das Ganze mit Gemüsebrühe auffüllen und für 20 min im Ofen bei 180 Grad Umluft backen.

Zuerst die unteren Lappen nach oben, dann rechts und
links einschlagen und nun nur noch nach oben aufrollen.  

Sonstiges:

Wein und Giersch wachsen oft gemeinsam in den Wingerten. Was gemeinsam wächst,  das schneckt auch häufig zusammen gut. Versucht die Dolmades mal nur
mit Giersch und Pfefferminze zu füllen (etwa 2/3 Reis, 1/3 Giersch, 3 Stängel Pfefferminze). Alternativ gehen auch reine Brennnessel-Dolmades. Löwenzahn werde ich nächstes Jahr mal ausprobieren. Schwierigkeit ist in der Wildkräuterküche manchmal, dass nicht alle Pflanzen zeitgleich auftreten. Aber da weiß ich mir zu behelfen: Gedünsteten Weinblätter lassen sich in Salzlake in großen Gläsern einkochen. So werden sie auch im Handel angeboten. Vor Verwendung sollte man sie nur gründlich abspülen.
Die originalen Dolmades werden mit Petersilie und Pfefferminze gefüllt. Hier könnt Ihr mit den Wildkräutern wirklich experimentieren und auch deren Anteil immer weiter erhöhen. Als Faustformel würde ich nehmen: Wenn ihr: Für 200 Gramm mehr Wildkräuter im Rezept
den Reisanteil um 50-100 Gramm senken. Unkrautgourmes die neu in die "grüne Küche" kommen sind aber manchmal schon mit der Verdauung von Weinblättern überfordert. Deswegen: Übertreibt es mit den Wildkräutern am Anfang nicht. Lieber schmecken die Dolmades erst mal "ganz normal", als das Ihr am nächsten Tag nicht mehr von der Toilette kommt und dem Spaß am Grünzeug verlieht. Gebt Eurem Verdauungsapperat die Möglichkeit sich anzupassen. Das Rezept habe ich für meine Kinder mitgekocht und deswegen den Wildkräuteranteil hier recht klein gehalten. So kann man auch Kinder nach und nach für die natürlichen Aromen begeistern.
Nach dem Backen ist die Gemüsebrühe in den Reis eingezogen und die Dolmades liegen "trocken", dann sind sie  fertig.
Lecker dazu: Joghurtsoße aus 1 Becher Joghurt, 1 Becher Saurer Sahne, 2 Knoblauchzehen und  Salz und Pfeffer.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Mirabellenlikör

Ein Schnellrezept für Likör-Fans, das nur Geduld erfordert: Der Mirabellenlikör!
Eigentlich war ich heute auf der Jagd nach Schafgabenblüten, bin dann aber an einen Mirabellenbaum hängen geblieben, der so voll mit fast schon überreifen Früchten war, dass der Korb anschließend fast überquoll von duftenden Mirabellen. Die Schafgabe muss warten. Also noch ein Likör :-). So ist das bei den Unkrautgourmes, die packen die Gelegenheit beim Schopfe. Auch unsere Vorfahren ließen das verletzte Mammut nicht links liegen, nur weil die Frau in der Höhle gesagt hat: "Schatz, aber heute bringst mal Fisch mit, meine Blätter und Beeren passen da viel besser zu, als zu deinem Mammutbraten."

Das Schöne an diesem Rezept: Man hat kaum Arbeit. Die Mirabellen müssen dank des Überbrühens nicht erst noch umständlich entkernt werde, sondern kommen, so wie sie sind, nach der "heißen Dusche"  ins Glas.

Zutaten für den Mirabellenlikör:

  • 900 g Mirabellen, überbrüht
  • 350 g Kandis oder Rohrzucker
  • 1l Wodka
  • 2 Vanillestangen

Zubereitung:

Die Mirabellen überbrühen oder einmal kurz in kochendes Wasser geben, dann abwechselnd mit dem Zucker in ein großes, verschließbares Gefäß schichten. Mittenrein kommen die aufgeschnittenen, leicht ausgekratzten Vanillestangen. Den Ansatz mit Wodka übergießen und mindestens 4 Wochen ziehen lassen. Anschließend abfiltern und in Flaschen füllen.

Jetzt beginnt der schwerste Teil: Warten! 4 Wochen muss der Likör mindestens ziehen.
Sonstiges: 
Natürlich lässt sich hier auch Doppelkorn verwenden und Leute die das Besondere mögen, können das Rezept mal mit Gin ausprobieren. Der reine Mirabellengeschmack kommt für mich im Wodka am Besten zur Geltung, aber das ist Geschmackssache.
Die durchgezogenen Mirabellen sind ähnlich alkoholisiert wie Rumtopffrüchte und lassen sich so auch verwenden. Man kann sie auch anschließend durch die Fotte Lotte drehen und macht aus dem alkoholisierten Fruchtmus, verdünnt mit anderem Obst wie z.B Pfirsichen, ein köstliches Sorbet. Selbstgemachte, beschwipste Marmelade lässt sich  ebenfalls aus dem Obst zaubern. Allerdings würde ich hier nur max. 1/3 der Früchte durch betrunkene Mirabellen ersetzten. So eine Marmelade ist nichts zum Frühstück, eignet sich aber prima für das Überziehen von Gebäck und Torten. Oder man friert die Früchte am Stück bis Weihnachten ein und gibt immer dann immer mal ein paar davon in den Glühwein. Auch für Frucht-Bowlen lassen sich derart betrunkene Früchte gut verwenden. Sie hat dann was von einer Cocktail-Kirsche...ist aber wilder.

Geschafft! Das Warten hat ein Ende, der Mirabellenlikör ist fertig.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Johanniskrautöl

 Es gehört zu den Klassikern in der Naturheilkunde: das echte Johanniskraut (Hypericum perfloratum). Am bekanntesten ist es in Form des roten Johanniskrautöl, weil es so schön auffällt, wenn es so im Schrank steht. Rotes Öl ist schon etwas besonderes. Eigentlich müsste es Jöhannisblütenöl heißen, aber da sind wir mal nicht so kleinlich.
Was wenige wissen: Johanniskrautöl eignet sich in Maßen auch für die Küche - es ist sozusagen essbare Medizin.

In höheren Lagen und im kühleren Norden des Landes blüht das Johanniskraut jetzt.
Im Oberrheingraben ist die Blüte seid 4 Wochen vorbei.
Solange zieht das Johanniskrautöl bereits.

 Vom Johanniskrautöl, der Sonne und seiner Heilwirkung

Äußerlich angewendet kennen Johanniskrautöl die meisten wohl bei Muskelverspannungen, Prellungen und Verstauchungen. Dafür wird das Öl auf die entsprechende Stelle auftragen und einmassieren. Es steigert die Durchblutung, wirkt schmerzlindernd und hemmt Entzündungen. Der Inhaltsstoff Hyperforin wirkt darüber hinaus auch antibakteriell und antiviral.
Hypericin ist ein weiterer Wirkstoff im echten Johanniskraut. Er ist maßgeblich an der Rotfärbung des Öls beteiligt und erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut. Deshalb hört und ließt man immer wieder die Warnung, dass hellhäutige Personen nach der Anwendung von Johanniskraut vorsichtshalber ein paar Stunden die stechende Sonne meiden sollen. Auch hier ist wieder viel "Panik" im Spiel. Sagen wir so: Im Urlaub am Mittelmeer würde ich mich erst abends mit Johanniskraut einreiben, wenn ich aus Irland käme. In unseren Breiten hat die Sonne kaum genügend Strahlungsintensität, um an mit Johanniskrautöl behandelter Haut Schaden an zu richten. Im Gegenteil: Hypericin sorgt dafür, dass wir schneller braun werden. Übrigens: Im antiken Griechenland wurde Olivenöl als Sonnenschutzmittel verwendet. Es block von Natur aus ca. 20 Prozent der Strahlung ab. Olivenöl und Hypericin sind also eine unschlagbare Kombination für Fans gebräunter Haut. Wer es als "Bräunungsmittel" nutzen will, sollte das Rotöl deshalb mit Olivenöl ansetzten. Wer es aber damit übertrieben hat und sich nach einem zu intensiven Sonnebad mit Johanniskrautöl einreibt, oder Verbrennungen ersten Grades hat und Johanniskrautöl auf die betroffenen Stelle aufträgt, wird schnell Linderung erfahren.
Doch es hilft nicht nur Sonnenanbeter: Von Patienten mit Schuppenflechten ist bekannt, dass die Flechten nach dem Einreiben mit Johanniskrautöl und einen anschließenden Sonnenbad nach ein paar Tagen deutliche Verbesserungen des Hautbildes zeigt. Sogar bei Krampfadern soll das rote Öl helfen, indem man es regelmäßig, auf die Kompressen aufgetragen, anwendet.  Mit Johanniskrautöl getränkte Kompressen werden ebenfalls eingesetzt bei Seitenstechen, Hexenschuss, Ischiasschmerzen, Blasen-, Eierstock-und Gelenkentzündungen und auch bei Gürtelrose. Ein echtes Nervenöl.

Johanniskrautöl innerlich angewendet

Bei so viel äußerern Anwendungsmöglichkeiten geraten viel ins Stutzen: Kann man das Johanniskrautöl denn unbedenklich essen? In Maßen: ja. Und auch über das Essen aufgenommen hat es viele positive Effekte.  Da es sich aber beim Johanniskraut um eine Heilpflanze handelt, würde ich das Öl nicht wie Sonnenblumenöl einsetzen, sondern sehr bewusst immer dann, wenn man seine Heilkraft benötigt. Wer mag schon einen Teelöffel Johanniskrautöl pur schlucken, wenn es ihm ohnehin schon schlecht geht?
Ein Teelöffel oder Esslöffel Johanniskrautöl im Salat oder unter Quark gerührt oder ein paar Tropfen zur mitessbaren Deko auf dem Teller,  kommen bei mir immer dann auf den Tisch, wenn gerade Kopfschmerzen angesagt sind. Johanniskrautöl ist von Natur aus schmerzlindernd und nervenberuhigend . Bei Magenproblemen, Schleimhautreizungen oder Koliken, bei Entzündungen oder Magengeschwüren können ebenfalls über den Tag verteilt bis zu 3 EL Johanniskrautöl ins Essen wandern. Oft reichen aber schon 1-2 Teelöffel.

Wie stellt man Johanniskrautöl her?

Olivenöl und Johanniskrautblüten. Nach 2-3 Wochen nimmt das Öl langsam die typische Rotfärbung an.
In diesem Ansatz habe ich probehalber einige Melissenblätter beigemischt.

Man sammet die erblüten Blüten und die Knospen. Ein Wenig vom Kraut darf auch im Öl landen, also muss man bei Zupfen der Blüten nicht ganz so exakt vorgehen. Die Blüten kommen in ein Bügelglasgefäß und werden mit so viel Olivenöl übergossen, dass sie grade anfangen zu schwimmen. Nun braucht das Glas einen sonnigen Standort. Die nächsten 4 Tage wird das immer mal wieder vorsichtig umrühren, damit Luftblasen und Wasser entweichen können. Dann wird das Glas verschlossen und bleibt 6-8 Wochen in der Sonne stehen. Grade die ersten paar Wochen sind interessant, weil wie von Zauberhand aus dem merkwürdig anmutenden Gebräu, tatsächlich eine blutrote Suppe wird. Kinder finden das immer wieder spannend. Eine schöne Gelegenheit ihnen zu zeigen, wie sich ein Farbstoff aus einer Pflanze, die noch nicht einmal rot ist, förmlich heraussaugen lässt. Apropo Zauberhand.....

Zauberei mit Johanniskrautöl

Wo wir schon mein Thema Kinder sind: Man nehme 1-2 Blütenknospen und zeige sie dem staunenden Publikum, dass sie sich überzeugen mögen, dies ist eine GELBE Blüte. Dann lege man diese Blüte vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und spreche in gewichtigem Tonfall eine magische Beschwörungsformel. Während man so vor sich hinbeschwört, zerreibe  man dabei die Blüte zwischen den Fingern. Bevor man das Ergebnis präsentiere, berichte man dem Publikum, dass sie sich selbst überzeugt haben, dass dies eine helle, gelbe Blüte gewesen war und frage, ob irgendwer im Publikum Anzeichen von Blut an der Blüte gesehen hat. Kopfschütteln wird Euch die Antwort sein. Dann, der große Augenblick: "Tata!" präsentiert ihr die zerriebene Blüte - Eure Finger sind blutrot oder von adeligem Purpur.
Anmerkung: In der Natur verstecken sich immer wieder dunkle Farben hinter helleren. Vielleicht fasziniert uns deswegen auch die Herbstfärbung von Blättern, wenn aus saftig grünem Laub binnen einiger Tage blutrote oder quietschgelbe Blätter werden. In den Blättern zerfällt das Chlorophyll und gibt den Blick auf die anderne Farben in den Zellen frei.

Johanniskraut-Tinkturen und Tees gegen Depressionen

In der Naturheilkunde hingegen werde häufiger Tinkturen und Tees verwendet, weil diese vor allem bei Depressionen besser wirken, als das Öl. Wer im Winter häufiger unter dem "Winterbluse" leidet und die Sonne vermisst, der kann 2 TL Kraut (!)  mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und ein paar Minuten ziehen lassen. Aus Erfahrung kann ich sagen: Ja man wird unweigerlich glücklich, sobald die Tasse leer ist, denn der Tee schmeckt furchtbar.

Eine Warnung zum Johanniskraut zum Schluss

Johanniskraut nicht in der Schwangerschaft anwenden oder wenn ein Kinderwunsch besteht. Es fördert die Abstoßung des Embryos.
Auch sollte man - wie bei allen Heilpfanzen - die Dosierung "nicht zu gut" meinen und prinzipiell Heilpfanzen nicht über Wochen oder gar Monate hinweg ohne ärztliche Rücksprache konsumieren, sondern es eher homöopathisch halten und in Intervallen genießen. Also gönnt Eurem Köprer immer mal wieder einige Wochen Pause. Der menschliche Körper gehört einem Gewohnheitstier, und das gewöhnt sich an jede Droge und fordert nur immer noch höhere Dosen. Und bekanntlich macht die Dosis ja das Gift.

Dienstag, 8. Juli 2014

Kirschpflaumenkernlikör


Der Kirschpflaumenkernlikör lässt sich
mit und ohne Zucker ansetzten.
Die Kern der Kirschpflaumen und Blutpflaumen lassen sich zu einem leckeren Likör verarbeiten. Beim Kochen von Marmelade fallen immerhin einige Kerne an und es wäre schade diese wegzuwerfen. Sogar die Kerne von nicht-schmackhaften Früchten beider Pflaumenarten lassen sich zu Likör verarbeiten. Dafür braucht es nicht mal viele Zutaten, aber eine Menge Geduld.


Zutaten für den Kirschpflaumenkernlikör:

  • 250 g Kirschpflaumenkerne
  • 100 g Zucker
  • 350 ml Doppelkorn (38%)

 

Beschädigte oder aufgeplatze Kerne unbedingt aussortieren, weil sie sonst Blausäure an den Likör abgeben. Zum Wegwerfen sind sie allerdings auch zu schade. Wie wäre es - zusammen mit Mirabellenkernen - sie zu einem  Kernkissen zu verarbeiten?
Das Warten hat ein Ende! Nach 3-6
Monaten hat der Likör sein Amarettoaroma.
Nur noch abfiltern und in
Fläschchen füllen.

 Zubereitung:

Die Kerne der Kirschpflaumen werden am saubersten wenn man die Früchte  vorher in der Flotten Lotte gut durchgedreht hat. Das übrige Fruchtfleisch lässt sich abwaschen und die Kerne sollten anschließend gut trocken. Unbedingt alle geöffneten oder beschädigten Kerne aussortieren! Dann füllt man die intakten Kerne in eine Flasche und übergießt sie mit Doppelkorn und Zucker. Anschließend mindestens 3 Monate ziehen lassen. Dann den Likör abseihen und in Flaschen füllen.

Sonstiges:

  • Wer einen herberen, nicht so süßen Likör mag, der kann den Zucker auch ganz weglassen oder dei Menge halbieren. Der Geschmack des Likörs kommt fast an den Geschmack von Ameretto heran, ist aber nicht so aufdringlich.
  • Aus süßen Kirschpflaumenlikör lässt sich eine tolle Pralinenfüllmasse herstellen. Das Rezept stelle ich euch vor, wenn mein Likör fertig gezogen ist. Leider ist vom Vorjahr nichts mehr übriggeblieben, so dass Ihr Euch etwas gedulden müsst.
  • Das Thema Blausäure ist hier nicht ganz unwichtig. Wie alle Früchte der Gattung Prunus enthalten die Kerne mehr oder weniger hohe Konzentrationen an Blausäure. Deswegen ist das Aussortieren beschädigter oder aufgeplatzter Kerne extrem wichtig, da doch eine ganze Menge Kerne in der Flasche landen. Zur eigenen Gesundheit solltet ihr es auch bei einem Likörgläschen pro Tag belassen. Für mich ist es ein "Weihnachtslikör" geworden - ich lass ihn einfach bis Heilig Abend ziehen und fülle ihn dann ab. Auch zum Verschenken ist er toll.

Montag, 7. Juli 2014

Mirabellencreme an Kirschpflaumenkompott mit Gundermannkonfekt

Jetzt wird es edel. Absolutes Lieblingsdesserts aus der Unkrautgourmetküche ist die Mirabellencreme mit Kirschpflaumenkompott. Da bei meinen Männern aber die Augenbrauen in die Höhe gehen, weil da gar kein Grünzeug drin ist, hab ich das Rezept noch um den Gundermann ergänzt. Frau muss ja ihren guten Ruf wahren ;-)

Ein edles und sehr variables Dessert: Ob Mirabellen als Creme und Kirschplaume als Kompott oder anders herum, dieser Nachtisch macht alles mit. Als "Highlight" wird die Creme mit schokolierten Gundermannblätter dekoriert.

Zutaten für Mirabellencreme an Kirschpflaumenkompott mit Gundermannkonfekt:

Mirabellen, Kirsch- und Blutpflaumen eignen sich
für dieses Dessert.
Für die Creme:
  • 500 g Mirabellen
  • 100g Puderzucker
  • 250 ml steif geschlagene Sahne
  • 4 Blatt Gelatine
  • Zucker 

Für das Kirschpflaumenkompott:

Für das Gundermannkonfekt:
  • Einige Gundermann-Blätter
  • etwas Zartbitter- oder Vollmichkuvertüre

Zubereitung: 

Mit der Flotten Lotte ist die Mirabellencreme und das
Kirschpflaumenkompott flott zubereitet.
Die Mirabellen einkochen und mit dem Puderzucker vermischen. Dabei mit dem Kochlöffel die Mirabellen zerdrücken. Wer eine "Flotte Lotte" hat, dreht die gekochten Mirabellen durch das kleinste Sieb. Ansonsten das Kompott so durch ein Sieb streichen. Die Gelatine 5 min in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und in die heiße Fruchtmasse einrühren, bis sie aufgelöst ist. Die Masse am besten im Eisbad kalt rühren. Zieht die Gelatine an, wird die Sahne vorsichtig untergezogen und die Creme mit Zucker abgeschmeckt. Die Creme nun im Kühlschrank vollständig erstarren lassen.
Die Kirschpflaumen ebenfalls kurz aufkochen und durch die Flotte Lotte drehen. Die Masse zurück in den Topf und mit so viel Zucker süßen, bis der
Die Mirabellencreme ist fertig gerührt und nun
ab in den Kühlschrank zum vollständigen Erstarren.
Geschmack harmonisch erscheint. Hier kann ich leider keine Angaben zur Zuckermenge machen, da der Geschmack und Säuregrad der Kirschpflaumen sehr unterschiedlich ausfällt. Einfach ausprobieren. Dann mit der in Wasser angerührten Speisestärke etwas eindicken und noch einmal aufkochen, dann abkühlen lassen.
Für das Gundermannkonfekt die Blätter kurz abbrausen und trockentupfen. Die Scokolade im Wasserbad erwärmen und die Gundermannblätter entweder ganz eintunken (dann werden sie vollständig mitgegessen) oder einseitig bepinseln. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Wer die Blätter nicht mitessen mag, kann sie vorsichtig von der Schokolade abziehen.


Sonstiges:

Schokolierte Gundermannblätter sind an sich schon für
Liebhaber herb-würziger Schokoade ein Genuss. Kinder mögen
das "Grünzeug" aber weniger.
Die Gundermannblätter können sich sehr gut mitessen lassen, da das erdige Aroma des Gundermanns mit der Zartbitterschokolade an jene herben Schokoladen erinnert, die mittlerweile im Handel standardisiert erhältlich sind und  z.B. mit Chili, Meersalz oder Pfeffer verfeinert sind.Kinder mögen das allerdings nicht so, weshalb ich mich bei Kinderportionen auf den Dekoeffekt des Gundermanns beschränke. Die kleinen, sehr gut strukturierten Blätter ergeben wunderbare Schoko-Blätter. Je nach dem, ob die Vorder- oder Rückseite schokoliert wird, sehen die Abdrücke anders aus. Eine wunderbare Deko auch für Torten.
Das ganze Rezept lässt sich auch umdrehen. So kann man auch aus den Kirschpflaumen die Creme herstellen und ein Mirabellenkompott dazu kochen. Oder man macht es uni solo: Kirschplaumencreme mit Kirschpflaumenkompott. Wem das alles zu aufwändig erscheint: Die Creme an sich ist schon eine leckere Schweinerei :-).
Die Kerne der Mirabellen lassen sich gut auswaschen und trocken und für die Füllung von  Mirabellenkernkissen nehmen. Mit den Kernen der Kirschpflaumen und Blutpflaumen lässt sich ein vorzügliches Amaretto-Imitat herstellen: Der Kirschpflaumenkernlikör. Kerne also nicht wegwerfen!