Dienstag, 30. Juni 2015

Was sind eigentlich Schmuckdrogen?

Das klingt schon gefährlich: "Schmuckdroge". Meist zucken die Leute zusammen, wenn man ihnen was von Drogen erzählt. Tatsächlich wird als Droge erst einmal jede irgendwie auf Körper und Geist wirksame Substanz bezeichnet: Von Aspirin bis hin zum Zucker. Schmuckdrogen hingegen haben in der Tat "nur" einen Effekt auf die Optik und dienen meist als Füllstoffe für Teemischungen. Wenn, dann haben sie nur eine ganz geringe physiologische Wirkung. Psychologisch jedoch wirken sie! Wer z.B. einen Blütentee mit Kornblumen oder eine Blütenbutter vor sich hat, der freut sich, noch bevor er beides überhaupt in sich aufgenommen hat.  Blumen im Essen - eine der schönsten Psychopharmaka, wenn man so will -  natürlich immer vorausgesetzt, dass man keine Giftpflanzen gesammelt hat.

Schmuckdroge Kornblume
Kornblumen werden gerne als Schmuckdrogen verwendet, als optischer Füllstoff ohne Wirkung.

Welche Pflanzen und Pflanzenteile dienen als Schmuckdroge? 

Blütenblätter stehen natürlich ganz weit oben in der Liste der Schmuckdrogen. Geeignet sind nahezu alle essbaren Blüten, die sich schnell genug trocknen lassen. Saftige Blüten, wie die der Taglilie bedürfen eines Dörrgerätes, damit sie während der Trocknung ihre Farbe behalten und nicht ins matschige Braun fallen. Einfacher ist das Trocknen von  Blütenblättern der Sonnenblumen (geld), Kornblumen (blau) und Ringelblumen (orange), aber auch Mohn (rot), Malve (lila) und alle Rosen eignet sich als Schmuckdrogen, da die filigranen Blütenblütter recht rasch trocken sind. Mit diesen Blumen hat man schon eine recht bunte Mischung z.B. für Blütensalz, Blütenzucker, Blütenbutter, Beigaben zu einen Teemix, "essbares Konfetti" für Kuchen und Desserts oder um ein Potpourrie optisch aufzuwerten. Das Auge freut sich, die Seele lacht.
Ringelbumenblütenblätter als Schmuckdroge
Ringelbumenblütenblätter bringen leuchtends Gold
in die Mischung.

Blattmaterial ist meist keine Schmuckdroge

Doch auch bunte, panaschierte Blätter eignen sich theoretisch als optische Beigabe. Allerdings ist der Wirkstoffgehalt im Blattgrün meist schon wieder so hoch, dass man nicht mehr von Schmuckdroge sprechen kann, sondern tatsächlich von einer Droge sprechen muss. Buntnesselblätter sind ebenso wie wie panaschierte (weiß gespenkelte) Blätter von Gundermann schon keine Schmuckdroge mehr. Sie entfalten  ihre entschlackende und entgiftende Wirkung bereits in recht kleinen Mengen im Körper. Deswegen sollten Blätter  nicht bedenkenlos eingesetzt werden.

Goldgelbes Stroh als Schmuckdroge

Sogar  das goldgelbe Stroh unserer Getreidearten lässt sich als Schmuckdroge verwenden und damit sind wir bei Halmen bzw. Pflanzenstielen angekommen. Stroh sollte man aber nur sparsam einsetzten, denn gerade im Tee kommt der Heugeschmack all zu schnell zum Vorschein und wer - so wie ich - kein großer Teetrinker ist, weil Kräutertees häufig zu "grün" schmecken, sollte lieber auf Stroh als Schmuckdroge verzichten.

Birkenrinde nur in geringem Umfang als Schmuckdroge verwenden

Theoretisch ließe sich auch Birkenrinde als Schmuckdroge verwenden. Die weiße Farbe ist die einzige, "echte" weiße Farbe, die es im Pflanzenreich gibt und geht auf das in ihr enthaltene weiße Betulin zurück.  Deswegen bleibt trockene Birkenrinde auch beim Trocknen reinweiß. Alle anderen "weißen" Pflanzenteile, sein es nur die Blütenblätter der Gänseblümchen oder die ausgebleichten weißen Chiccore-Blätter,  haben ihre "Farbe" durch nicht vorhandene Farbstoffe und die physikalischen Eigenschaften der Lichtbrechung. Bei ihnen sieht man deshalb oft, dass sie beim Trocknen gelblich oder bräunlich werden, weil man sozusagen die Zerfalls- bzw Oxidationsprodukte im Inneren der Zellen betrachten kann. Doch die Birke färbt sich tatsächlich mit weißer Farbe ein und diese bleibt beim Trocknen erhalten. Doch auch bei Birkenrinde sollte nur sehr wenig für die Optik eingesetzt werden. Ähnlich der Blätter beinhaltet Birkenrinde neben dem Betulin auch Triterpene. Diese Stoffgruppe wird in der Naturheilkunde zur Wundheilung eingesetzt. Also ist auch Birkenrinde keine Schmuckdroge, sondern eine echte Droge. Dementsprechend sparsam sollte man sie verwenden.

Achtung, Malve kann abfärben!

Verblühte Malven als Schmuckdroge
Ist die Malve am verblühen kann man die Blütenblätter abzupfen und trocknen. So hatten auch
die Bienen noch etwas von den Blüten gehabt.
Bei der Malve gibt es eine Besonderheit zu beachten: Lila Malvenblüten in warmen Flüssigkeiten färben diese auch Lila - das kann manchmal gewollt sein, wie in vielen Früchtetees, aber manchmal passiert dies auch ungewollt, z.B. wenn der Laie Malvenblüten in Butter mixt und dann plötzlich lila Schmierspuren in dieser findet. Das ist nicht weiter schlimm, sieht halt nicht immer nett aus.

Schmuckdrogen effizient sammeln kurz vor dem Verblühen

Das Sammeln von Blütenblättern Bedarf manchmal schon einer echten Überwindung: Wirklich? Diese schöne Blütenpracht zerrupfen? Wer Kornblumen, Ringelbumen und Co. im Topf zieht, der hat die Blumen täglich im Auge. Die Blütenblätter lassen sich dann ernten, wenn die Blumen gerade anfangen zu verblühen. Auf diese Weise konnten Bienen die Blüten noch bestäuben, man konnte sich am Anblick der Blütenpracht ergötzen und wird nun die verblühende Blütenhülle auch noch genutzt. Das ist doch mal nachhaltig.

Gute Laune aus der Natur für triste Tage

Schmuckdrogen-Mischung aus Blütenblättern.
"Ein Kessel Buntes" - Schmuckdrogen-Blütenmix für die dunklen Zeiten im Jahr.
Den ganzen Sommer über sammele ich mir so meine Schmuckdrogen zusammen und hab so immer eine Schale voll Sommer, wenn der Winter kommt. Es lohnt sich verblühte, essbare (!) Blüten zu sammeln und zu Trocknen.
Mit Blütenblättern Salz aufwerten.
Buntes Blütensalz fürs Frühstücksei ist natürlich auch im Sommer einsetzbar :-), einfach einige Blüten
zerkleinern und mit Salz vermischen. Auf gleiche Weise lässt sich auch Blütenzucker herstellen, der anders
als mit frischen Blütenblättern zermörsert eben weiß bleibt mit bunten Blütenstückchen.

Kornblumen-Special

Und noch mehr blühende Kornblumen.
Kornblumen sind mir ein echtes Anliegen. Während man Malven recht häufig findet und  auch Ringelblumensamen in nahezu jeder Gärtnerei anzutreffen sind, ist das bei Kornblumen schwieriger. Sie findet man meist nur in Wiesenblumenmischungen. Leider gehören die wunderschönen blauen Blumen zu den Wildpflanzen, die durch den massiven Einsatz von Herbiziden stark zurückgegangen sind (das Piggeldy-Video hatten wir ja schon mal). Das konnte ich  die letzten Jahre bei uns in der Region "live" mitverfolgen und das tut mir in der Seele weh. Auf den Getreidefeldern sieht man sie nur noch extrem selten bis gar nicht, und wenn, dann ist das meist ein Bioland- oder Demeter-Feld oder Brachland.

Die Kornfelder beherbergen nur noch selten Kornblumen
Da wächst nur Korn, aber keine Kornblume mehr.
Unkrautvernichter "sei dank". Und wir? Wir essen das!
Meine ersten Kornblumen hab ich im Blumentopf angezogen und die gewonnen Samen dann auf meine Wiese gestreut.Seither samen sie sich von allein recht gut aus. Dankbare, wunderschöne Blumen.
Wer nun Kornblumen einmal selbst anpflanzen möchte und keine in seiner Umgebung wachsen hat, dem empfehle ich die Samen hier zu bestellen: Kornblumensamen von vivara*. Die kauft ihr einmal und könnt von da ab jedes Jahr euren eigenen Samen gewinnen. Kornblumen sind wirklich pflegeleicht.


*Ein Teil der Einnahmen geht an den Naturschutzbund, ein ganz kleiner Prozentsatz unterstützt mich als vivara-Affiliate. Ich bin dankbar, endlich einen Anbieter gefunden zu haben, der Naturschutzprodukte mit Mehrwert verkauft, der zum Unkrautgourmet passt und der meine Seite nicht ablehnt, weil sie nicht  "verkaufsfördernd" ist.  Stimmt, ich mag euch eigentlich nicht zu noch mehr Konsum anstiften - wir haben doch längst von allem genug. Nur der Natur, der fehlen ein paar helfende Hände und einige Millionen Wildkräuterblumentöpfe :-). Aber vielleicht ist das hier ja ein guter Anfang. Am Unkraut verdienen sonst nur Firmen, die Unkrautvernichter verkaufen das große Geld. Bei Unkrautvernichter für 12,95 Euro greift man bedenkenlos zu und akzeptiert den Preis - der kostet halt so viel, wird ja chemisch hergestellt -  aber bei Naturschutz, tut es plötzlich überall im Geldbeutel zwicken. Verrückt, wenn man länger drüber nachdenkt.

Montag, 29. Juni 2015

Pflanzensamen fix verstauen - ein Samentütchen mit 3 Fächern

Upcycling einer Papiertüte

Geht´s euch auch manchmal so? Da ist man im Urlaub und sieht Blumen, die grade Samen tragen und - natürlich vorausgesetzt die stehen nicht unter Schutz oder wachsen auf Privatgelände - schon hat man eine handvoll in der Tasche. Nur wohin damit?  Wahrscheinlich kennen viele Faltanleitungen für Samentütchen, doch für viele benötigt man Schere oder Kleber, Tesafilm oder sonstwas, was man grad nicht da hat. Deswegen will ich eine Faltanleitung in Erinnerung rufen, für die man eigentlich noch nicht mal eine Schere braucht. Und weil "Apotheker-Briefchen" langweilig sind, zeige ich euch die praktische 3-in-1-Samentüte. Alles was man dazu braucht: Eine ausgediente Papiertüte, die bei jedem Kauf von Obst oder Gemüse oder bei jedem Brötchen vom Bäcker anfällt.


Als Faltanleitung dient die Bilderserie der ICPS Seed Bank.  Die machen das schon mal mit gebrauchtem Papier - löblich - und nutzen für die exakte Faltung ein Lineal. Klar könnt ihr die Samentütchen super akurat und bis in die Perfektion einer Origami-Figur falten. Aber ich hab es gern praktisch und weniger perfekt. Außerdem gehörte ich nicht zu den Menschen, die im Urlaub ein Lineal mit sich herumtragen, deswegen machen wir das ohne. Auch eine Schere zum Abschneiden braucht ihr nicht wirklich, denn mit harten Kanten und ruhigem Reißen erreicht ihr ein ebenso gutes Ergebnis. Los geht´s.

Die Schritt für Schritt-Anleitung für das 3-in-1-Samentütchen

1) Der Boden der Tüte wird abgeschnitten. Ist keine Schere zur Hand, einfach eine harte Kante falten und möglichst grade abreißen.










 2) Den "Tütentunnel" einmal diagonal auf Kante Falten. Am besten die eben abgeschnittene Kante an die gegenüberliegenden Längsseite des Papiertunnels falten, so dass die möglicherweise eingerissene oder zerfranste Tütenöffung übersteht.










3) Man erhält ein Dreieck mit einem überstehende Reststück. Das muss ab! Würde man das Dreieck nach dem Entfernen der überstehenden Kante  auffalten hätte man ein Quadrat. Wir lassen das aber als Dreieck gefaltet.









4) Das Dreieck mit der Spitze nach oben vor sich legen. Augenmaß: Die rechte und linke Ecke jeweils etwa bei 1/3 der Kantenlänge umfalten. Gleiches mit der andere Seite wiederholen.








5) Von unten sieht das so aus.












 6) Von oben sieht die Figur aufgestellt nun so aus.












7) Ein Zipfel wird in die Gegenseite gesteckt und die Kanten nachgezogen.











8) Und nun die untere Hälfte nach oben klappen. Bis hierher ist es die die Faltanleitung, die man auf den Seiten der  ICPS Seed Bank findet. Doch wir haben einen "Papiertunnel" benutzt und das macht die Sache spannend. Weiter geht´s.








 9) Von oben betrachtet sehen die Zipfel zum Einschlagen so aus, wie auf dem Foto. An der roten Linie schneidet oder reißt ihr das Papier vorsichtig auseinander.









10) Das siehet dann so aus wie auf dem Foto hier nebenan.










11 ) Das Ergebnis: Ihr habt 3 Fächer und ein Einsteckfach für die Zipfel zum Verschließen des 3-in1-Samentütchens.











12) Beim Verschließen merkte ich dann wie krumm ich doch mal wieder gefaltet hab. Egal. Macht jedes Mal wieder Spaß :-)

.
Wenn man ohne Schere arbeitet darf man den Charme mehr oder weniger genauer Reißkanten
genießen.

Ich habe in den 3-in-1-Tütchen auch schon Kleinkram wie Pflaster, Büroklammern oder Briefmarken transportiert - besser als das ganze Zeug lose im Rucksack oder in der Hosentasche zu haben. Auf Tagestouren lassen sich Kinder wie Erwachsene gleichermaßen verblüffen, wenn man aus ihre Bäckertüte mit den süßen Teilchen vor dem nächsten Mülleimer rettet und mal fix ein solches Täschlein faltet.





Und der Tütenboden? Der dient mir erst mal als "Sammelbehälter" für meine Samensammlung.

Natürlich ließe sich das alles mit Tesafilm verstärken, mit Heftklammern fixieren und mit chickem Blümchenpapier dekorieren, aber genau darum geht es: Die einfachsten Lösungen liegen meist direkt vor uns, wenn wir mit dem, was wir haben, nur achtsamer umgehen würden.  Wir sollten viel, viel, viel weniger Rohstoff (Papier und alles andere eben auch)  verschwenden und das, was wir haben, viel effektiver nutzen.


Im Einsteckfach für den "Verschlusszipfel lassen sich prima
kleine Nachrichten oder Aussaat-Hinweise verstauen.

Samstag, 27. Juni 2015

Kirschkernlikör (Kirsch-Armaretto), Kirschstieltee und Katzengoldtrunk (Tee aus Kirschharz)

Die Kirsche kann mehr

Hier müsste nun eigentlich ein ziemlich unappetitliches Bild einer Schale voller ausgespuckter Kirschkern und abgezupfter Kirschstiele kommen. Aber das erspare ich euch. Kirsch-Rezepte gibt es in allen Koch-Foren im Web - für alle anderen Pflanzenteile gibt es den Unkrautgourmet.
Meist landen die Kerne und Stiele nach dem großen Kirschenessen im Müll und schon schreit der Unkrautgourmet wieder auf: NEIN! Tut´s nicht! Und nun kommt auch nicht der Vorschlag zum 1000sten Kirschkernkissen, das hatten wir schon mit Mirabellenkernen. Dieses Mal nehme ich Euch mit in die Welt der Getränke.

Kirschstiele, Kirschharz und jede Menge Kirschkerne sind die Grundlage für Likör und Tee.

Tee mit Kirschstielen gegen Husten

Mutet puristisch und ein wenig ökorebellisch an:
der Kirschstieltee.
  • 1 Handvoll (getrockneter) Kirschstiele 
  • 1 Kanne Wasser

Stiele mit kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten ziehen lassen.

Wozu soll das gut sein? Nun, Kirschstieltee wirkt entschlackend (also wunderbar für die nächste Frühjahrskur), ist schleimlösend bei Husten und anderen Atemwegserkrankungen (also wunderbar für den Herbst und Winter). Wegen seiner Wirkungen lohnt es sich die Kirschstiele aufzuheben und zu trocknen. Der Tee lässt sich mit frischen und getrockneten Stielen gleichermaßen gut zubereiten. Getrocknet halten sich die Stiele etwa 2 Jahre. Geschmacklich ist der Tee allerdings eine Enttäuschung, da er so gut wie kein Aroma hat. Wer Kirschgeschmack erwartet, sollte noch ein paar Kirschen trocknen und mit in den Kirschstieltee geben. Ich mixe in Erkältungstees ein paar Kirschstiele mit hinein. Sagt ja keiner dass man den Kirschstieltee nur pur trinken soll.
Auch lassen sich die Stiele prima Tassenweise zu Bündeln verschnüren. Auf diese Art kann man einfach ein Bündel pro Tasse mit kochendem Wasser übergießen und muss keine ganze Kanne trinken.

Kirsch-Amaretto für Genießer und Chemiker

Das ist in 3-6 Monaten Kirschkern-Amaretto.
Seid Jahren kaufe ich keinen Amaretto mehr. Das Benzaldehyd, dass dem Amaretto seinen Marzipangeschmack verleiht, steckt ja schließlich in so ziemlich jeder Steinfrucht und ist mit hochprozentigem Alkohol recht leicht zu extrahieren. Und nun kommt der Chemiker unter den Biologen aus mir hervor: Klar haben wir im Studium auch mal mit Alkoholika "experimentiert": Wenn man Amaretto stark mit Ethanol verdünnt, was riecht man dann? Richtig! Wildkirscharoma. Außerdem wird als Mixzutat für Cocktails in Verbindung mit Amaretto häufig Kirschsaft in den Cocktailrezepten gelistet. Was liegt also näher, als ein Kirschkernlikör?
Ganz wichtig: Nur unbeschädigte Kirschkerne verwenden!
Der Blausäureanteil wird sonst zu hoch.


  • 700 ml Wodka
  • 500g  Kirschkerne
  • 1 Vanilleschote (ich hab meine dieses Mal weggelassen)
  • 250 g Zucker

Alles miteinander vermischen und 3, besser 6 Monate stehen lassen. Danach abfiltern und in Flaschen füllen. Ein schönes Weihnachtsgeschenk...vielleicht mit meinen Büchlein "Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!" ?

Katzengold-Tee - Tee aus Kirschharz für die Harnwege

Kirschharz löst sich in heißem Wasser, doch die schwarzen Krümel darin lassen nichts Gutes ahnen.

Im heißen Wasser löst sich das Kirschharz auf...und setzt so
allerlei Krümelkram und Tierleichen frei.
Das mutet abenteuerlich an und ich muss gestehen, ich habe die Idee dafür aus einer Schrift über den Baum des Jahres 2010, die Wildkirsche, gefunden. Das Dokument könnt ihr hier nachlesen, das mit dem Harztee steht auf Seite 3 ganz unten.  Kirschharz-Tee findet man auch in älten Kräuterbüchern als "Katzengoldtrunk". Er ist gut bei Blasenerkrankungen. Hm. Wie das wohl schmeckt? Und ob das überhaupt funktioniert? Kirschharz direkt vom Baum? Mal wieder einer von Sindy´s berühmten Selbstversuchen. Bei der diesjährige Kirschernte begegnete mir doch prompt so ein kleines Klümpchen und wandere in meinen Sammelkorb. Zwischen all den Kirschen habe ich das dann sogar wiedergefunden. Also hinein ins Abenteuer:
  • 1 Fingerkuppengroßes Stück Kirschharz 
  • 1 Tasse kochendes Wasser

Erstörung von geologischen Zeitzeugen: zukünftige Fossilien
schwimmen im Kirschharz-Tee ;-)
Das Harz im Wasser lösen und bei Bedarf süßen.

Das Fazit zum Kirschharztee

Geschmack: leicht harzig, aber nicht so intensiv wie gedacht. Nach Kirsche schmeckt der Tee überhaupt nicht. Schwer zu sagen, wonach der überhaupt schmeckt.
Nachteil: Auch du meine Güte! Hätte der Klumpen noch 20.000 Jahre gelagert, wären aus den in meinem Tee herum schwimmenden Insekten doch tatsächlich Zeitzeugen fossiler Art geworden. Leider lösen sich mit dem Harz alle Bestandteil die am und in demselben geklebt haben. So treiben neben kleinen Kirschfliegenleichen auch Rindenstückchen und allerlei Schmutzpartikel im Tee. Mich störts nicht weiter, ist ja alles abgekocht. Aber zum Trinken setzt man besser die Brille ab.

Freitag, 26. Juni 2015

Der imperiale Sturmzucker mit Lavendelgeschmack - Unkrautgourmet grüßt alle Obi-Wan-Fans :-)

Schon lustig: In Blogger sieht man ja nach welchen Suchbegriffen die Leute hier in den Unkrautgourmet kommen. Seid ich die Frühlingsgrüße von Obi gepostet habe, kommen wirklich viele Besucher über den Suchbegriff "Obi" hier auf diese Seite. Als Top1 ist es allerdings nicht der "Obi-Baumarkt", sondern die Suche nach "Obi-Wan-Kenobi". Ich will nicht wissen, wie viele enttäuschte Geschichter dann vor dem Bildschirm sitzten, wenn die Suchenden erkennen, dass dieser Klick sie, statt zum geliebten Star Wars, auf eine Unkrautseite geführt hat. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Dies hier ist also nun ganz allein für euch, liebe verirrte Obi-Wan- und Star-Wars-Fans.

Die zuckersüße Clone-Armee schmeckt nach Lavendel. Wer hätte das gedacht?

Der imperiale Sturmzucker!

Lavendel, Zucker, Wasser und ein Förmchen - wieder was
Tolles zum Verschenken in 5 Minuten gemacht (ohne
Trocknungszeit!)
Man nehme:
Zucker mit Lavendelblüten im Mörser vermahlen, aber so, dass noch Zuckerkristalle vorhanden sind. Puderzucker darf es nicht werden!  Dann ein paar Tropfen Wasser hinzugeben, dass der Zucker anfängt zusammen zu kleben. Die Zuckermasse in die Silikonform drücken. Richtig fest hineindrücken, sonst entstehen zu viele Luftlöcher. Soll ja aussehen wie Zuckerwürfel (zugegeben, mein ergebnis ist nicht perfekt, das bekommt ihr besser hin!)
Dann das ganze Trocknen lassen, am besten in der Sonne. Dass kann 1-3 Tage dauern. Anschließend vorsichtig aus der Form lösen. Fertig.
Die Lavendelzuckermännchen haben etwa Würfelzuckergewicht, damit könnt ihr sie 1:1 verwenden, wie ihr das mit Würfelzucker eben so macht. Ich glaub der Zucker würde super zu Tee schmecken, allerdings kann ich das nicht testen....meine Kinder haben die zuckersüße Clone-Armee schon entdeckt und schupps war sie vernichtet.

Hellbraun, Dunkelbraun...kommt darauf an, wie viel Pflanzenmaterial im Zucker landet.

Aromazucker und seine Geschmacksvariationen

Ganz klar: Zucker kann man so in jede Richtung aromatisieren und z.B. Veilchenzucker für alle Princessinnen Leias, Mirabellenkernlikör-Zucker für die Landos, Blaubeer-Zucker für die blaue-Lichtschwert-Träger, Brennnessel-Zucker für echte Wookies, Sonnenblumenblütenzucker für die Schurken und netten Männer, oder oder oder herstellen. Der Fanasie sind keine Grenzen gesetzt. Und natürlich könnt ihr in die Formen auch mit Wasser füllen und diese zu Eiswürfeln verarbeiten, aber das ist ja langweilig. Außerdem lässt sich imperialer Sturmzucker prima in ein nettes Tütchen packen und als Mitbringsel für Cocktail- oder Teeliebhaber verschenken.


Seid nicht enttäuscht wenn ihr nach Obi-Wan-Kenobi sucht und hier landet: Die Macht hat euch hier her gebracht und wer weiß schon, wozu das gut ist...Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist.

Obi-Wan gesucht und im Unkrautgourmet gelandet? Hierher haben sich schon viele verirrt. Ich hoffe ihr
findet wonach immer ihr sucht. Vielleicht geht´s ja besser bei einer Tasse Tee mit imperialem Sturmzucker?
Im Herbst heißt es im Unkrautgourmet übrigens: "Wurzelgemüse, ich selbst gekocht!"


Donnerstag, 25. Juni 2015

Mädesüß-Milchshake mit Erdbeeren

Erdbeer-Milchshake schmeckt ja schon per se schon gut. Wer aber die Erdbeeren lieber am Stück ißt, statt sie zu pürieren, der kann einmal folgende Variante ausprobieren, denn für diese Shake reichen ein paar wenig Erdbeeren. Der lieblich süße Geschmackt kommt vom Mädesüß.

Milchshakes mit Mädesüß haben immer irgendwie eine besondere Note.

  • 5-6 Stängel Mädesüß-Blüten
  • 500 ml Milch
  • 1 Handvoll Erdbeeren
  • Eiswürfel nach Belieben

Die Blüten kopfüber über Nacht im Kühlschrank in der Milch ziehen lassen, dann entfernen und die Erdbeeren in der Mädesüßmilch pürieren. Bei Bedarf mit Zucker nachsüßen (sollte aber eigentlich nicht notwenig sein). Die Eiswürfel zufügen und sofort servieren.

Über Nacht? Geht´s noch schneller?

Wer so lange nocht warten kann, kann das Mädesüß auch in der Milch kurz aufkochen und so lange darin belassen, bis die Milch abgekühlt ist, also im Prinzip einen Mädesüß-Tee mit Milch kochen und darin dann die Erdbeeren pürieren. Probiert den Shake mal lauwarm. Köstlich.

Nachsüßen? Geschmackssache!

Das Nachsüßen ist Geschmackssache. Meine Jungs kippen sich natürlich noch einen Löffel Zucker in den Shake (was zwar lecker ist, aber eigentlich sollen sie ja weg von dem ganzen Zucker und künstlichen Aroma....na gut, ein Löffel sei ihnen gestattet), ich mag ihn etwas herber.

Mädesüß und ein paar Erdbeeren - dürfen auch ruhig die Erdbeeren sein,
die ihr so nicht essen würdet, weil sie "Macken" haben.

Mädesüße in allen Kombinationen

Natürlich lassen sich auf diese Weise endlose Kombinationen finden. Wer Milch nicht verträgt, kann den Shake z.B. auch mit Mandel- oder  Hafermilch zubereiten. Das Mädesüß aromatisiert auch die. Lecker schmeckt Mädesüß-Milch auch mit einer mitgezogenen Stange Vanille ohne Erdbeeren (aber warum sollte man jetzt exotische Vanille nehmen, wenn grade die Erdbeeren reif sind?),  mit einen Klecks Mandelmus, Kirschen, Himbeeren und besonders lecker und farblich interessant wird der Mädesüß-Shake mit Blaubeeren...Mixed it!
Wichtig beim Obst: Werft nur ein paar Obststückchen in den Mixer, denn das liebliche Mädesüßaroma ist all zu schnell überdeckt.

Wozu der Aufwand mit dem Mädesüß? Es gibt doch Aroma in Fläschchen

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum man denn den Aufwand mit dem Mädesüß machen sollte, wenn man sich doch einfach der käuflichen Aromen bedienen kann und ein Päckchen Vanillezucker in die Milch schütten könnte. Doch genau darum geht es. Weniger Konsum, mehr Natur. Gibt gleich mehrerer Gründe:
  1. Das Sammeln verbindet einen mit der Natur und sammelt man Mädesüß mit Kindern können diese
  2. erleben, dass das Aroma eben nicht aus Tütchen oder Flaschen kommt, sondern dass man es auf ganz einfache Weise aus den Pflanzen direkt beziehen kann (eigentlich wie man bei jedem Tee Wasser mit Kräutern aromatisiert, aber das ist bei vielen gar nicht so abgespeichert, weil Tee kochen eben "Tee kochen" ist und nicht "Wasser mit Pflanzen aromatisieren").
  3. Grade für Kinder ist Mädesüß perfekt! Lasst sie da mal dran riechen und fragt sie, woran sie das erinnert: Kaugummi und Zahnpasta werden hier immer zuerst genannt.
  4. Unsere Geschmacksknospen sind viel zu sehr auf wirklich große Dosen künstlicher Aromen getrimmt und wir wollen immer mehr davon. Vom künstlichen Erdbeeraroma bis zum Glutamat - wer viel aus dem Supermarkt isst, dessen Geschmacksnerven "verdummen" (ich schreib das mal so plakativ - ist aber so). Dabei bietet die Natur so viele vielfältige Aromen und die müssen nicht immer bitter oder herb sein. Einige Aromen sind nur ganz fein, andere sind regelrecht penetrant. Mädesüß ist eines der Aromen, die wirklich besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wer viel mit Kindern unterwegs ist, für den bietet die Mädesüß-Zeit den perfekten Einstieg für die Kleinen ins Reich der wilden Kräuter. Mädesüß ist eine Pflanze für die Sinne: Sehen, riechen, fühlen, schmecken. Einfach toll. Hören tut man sie auch! Da summt und brummt es meist  :-)
  5. Kopfschmerzen? Arthrose?  Erkältung? Mädesüß enthält Salicylaldehyd und Salicylsäuremethyleste. Der Körper macht daraus Salicylsäure - ja richtig! DER Bestandteil von Aspirin, der Acetylsalicylsäure. Ihr könnt Euch also aus dem Mädesüß einen Tee kochen oder eben Milch damit aromatisieren - in beiden Fällen gehen die Inhaltstoffe zum Teil auch in die Flüssigkeiten über. Wer nicht krank ist, wird feststellen, dass er mit einen Glas Mädesüß-Shake eigentlich auch schon wieder genug hat. Warum? Weil der Körper merkt, dass er das grade nicht braucht. Lecker ist es dennoch und abgespeichert wird die Information: Ich brauche Mädesüß bei Schmerzen.

Wenn´s mal wieder länger dauert....

Ja, ja...die Tierwelt. Bevor ich mein Mädesüß in die Milch tunken konnte, musst ich geschlagene zwei Stunden warten, bis die Hummel, die mir vom Feld bis in die Küche gefolgt ist, ihre Arbeit beendet hatte. Sie flog doch tatsächlich jedes Blümchen an - hinein in den Strauß und wieder hinaus, einmal drumherum und wieder mittenrein. Sie war so emsig bei der Sache und scheinbar so betört von dem Mädesüßduft, dass sie gar nicht merkte, dass die Blüten einen halbe Stunde Fußweg hinter sich hatten und sie plötzlich in einer menschlichen Behausung gelandet ist. Irgendwann gegen Abend hatte sie sich dann aber doch müde gebrummt und ist zum Fenster hinaus geflogen: Vollbeladen mit Mädesüßpollen. Ein echter Unkrautgourmet :-)
Hummeln werden wie magisch angezogen...

...von dem lieblichen Mädesüßduft...

...wer warten kann, sollte das tun, immerhin haben die Hummeln
auch ein Recht das Mädesüß zu nutzen.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Johannistag - Namenstag der Natur

Der Johannistag, der 24. Juni, ist eigentlich ein wichtiger Kirchentag: Johannes der Täufer wurde an diesem Tag geboren. Sehr praktisch, sind es doch noch genau 6 Monate bis Weihnachten und damit recht gut zu merken. Doch ist der Johannistag auch in der Natur ein zentrales Datum, obwohl sich natürlich vieles nicht am Tag genau festlegen lässt, sondern in einer Zeitspanne von plus/minus 2 Wochen herum stattfindet. Hier mal ein kleiner Einblick in die Geschehnisse unserer Umwelt um dieses zentrale Datum.
Prominentester Namensvertreter des Tages: Das Johanniskraut.

  • Am 21. Juni war Sommersonnenwende - der längste Tag des Jahres. Das fällt "Pi mal Daumen"  auch in die Zeit um Johanni. Viele Pflanzen registrieren die ab dann kürzer werdenden Tage und verholzen zunehmend, so auch die Walnüsse, die sich etwa bis Johanni als Johanninüsse ernten lassen. Bei uns an der Badischen Bergstraße ist der Zeitpunkt längst überschritten. Unsere Nüsse sind bereits seid gut 2 Wochen am verholzen, was wieder einmal zeigt: Die Natur hält sich nicht an feste Termine, sondern nur an Richtschnüre. Meine Rezepte zu den Walnüssen findet ihr hier:
Ein paar Tage nur und schon kann man
beobachten, wie sich das Ölivenöl rot färbt.
  1. Weiß eingelegte Johanninüsse
  2. Schwarz eingelegte Johanninüsse
  3. Kroatischer Orahovac
  4. Walnusswein
  5. Walnusstapenade
  • Das Johanniskraut blüht meist um den Johannitag herum. Seine rote Farbe, die man beim Zerreiben der Blätter zwischen den Fingern sieht oder als Rotöl/Johanniskrautöl extrahieren kann, symbolisierten früher deshalb das Blut von Johannes dem Täufer, was der Pflanze ihren Namen gab. 

  • Ganz klar: Auch die Johannisbeeren haben ihren Namen, weil auch sie um die Zeit des 24. Juni erntereif sind. Außerdem wirken ihre Früchte wie Blutstropfen von...na dreimal dürft ihr raten.

  • Glühwürmchen bezeichnet man auch als Johannikäfer. Auch sie schwärmen Mitte-Ende Juni zur Paarung aus und haben deshalb ihren Namen erhalten. Da der Glüheffekt im Laufe der Zeit aber mehr Faszination auf die Menschen ausübte, als die Tatsache des so prominenten Datums ihrer Paarung, hat sich der Begriff "Glühwürmchen" eher in unseren Köpfen gehalten.  Davon gibt es in Deutschland übrigens drei Arten: Das kleine Johanniswürmchen (Lamprohiza splendidula), das große Johannisglühwürmchen (Lampyris noctiluca) und den Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus). Wer die Glühwürmchen im Rhein-Neckar-Raum einmal beobachten möchte, dem seinen die Wiesen und Wälder bei Führt im Odenwald, in der Oberpfalz oder in den Rhein-Auen empfohlen. Hier habe ich die letzten Jahre mit einer recht großen Wahrscheinlichkeiten Glühwürmchen fliegen sehen. Eine Garantie kann ich leider nicht geben und auch der Pestizid-Einsatz setzt den kleinen leuchtenden Käfern stark zu. Aber einen Versuch ist es Wert:  In den Abendstunden ab etwa 21-22 Uhr sieht man sie hier oft ausfliegen - wie kleinen Elfen mit Laternen. Für Kinder ein einmaliges Erlebnis und auch die großen freuen sich dran :-)
    Wenn ihr auch welche gesehen habt, meldet doch bitte den Standort auf dieser Seite: http://www.lampyridae.lima-city.de/
  • Der Johannis-Austrieb ist den Landwirten und Obstgärtner ein Begriff. Den Unkraugourmets fällt dazu natürlich ganz spontan die Eiche ein. Jetzt, im Mittsommer, treiben einige Bäume noch einmal kräftig aus und erleben einen zweiten Wachstumsschub. Natürlich kommen an solchen spät gewachsenen Obstzweigen keine Früchte mehr zum Vorschein, weshalb es den "Johanni-Schnitt" gibt. Heißt: Nun ist noch einmal Zeit, Obstbäume zu verscheiden.
Johannisbeeren haben ihren Namen, weil zu um den 24.Juni
herum erntereif sind.
Es ist ein Bisschen wie eine Zeit der kleinen Wunder. Fast könnte man meinen, es ist nicht "nur" der Geburtstag eines Kirchenvaters, den der 24. Juni markiert, sondern es scheint fast so, als hätte die Natur heute Namenstag. Deswegen lohnt es sich, nun raus in Wald und Wiesen zu gehen und einfach zu gucken und zu staunen über die Großartigkeit und Vielfalt die sich hier offenbart.

Rosenblütenpesto aus Duftrosen

Die Rosenblüte neigt sich schon bald wieder dem Ende (jedenfalls die der Einmalblüher).  Zeit einen weitere zeitweiligen Abschied zu zelebrierieren und die Rosenblüten zu nutzen, die nun an den Blütenstielen hängen, aber nicht mehr so recht erblühen wollen. Sammeln sollte ihr die Blütenblätter bei strahlendem Sonnenschein, wenn der Duft am intensivsten ist. Auch mit dem Verarbeiten solltet ihr anschließend nicht lange warten, sondern Euch direkt ans Werk begeben.
Rosen zu Nudeln? Dieses Pesto schmeckt nicht nur auf Trentette fein.

Für Rosenblütepesto eignen sich rote Duftrosen besonders. Ich hab leider nur  -ich nehme mal an - eine Albertine in Rosa  gefunden und ein paar rote Blütenblätter der Optik wegen zugegeben. Es gibt noch ein paar Tricks den Rosenduft zu intensivieren, doch zuerst das Rezept.

Zutaten für Rosenblütenpesto
Klassische Pesto-Zutaten, nur dass die Pinienkerne durch
Mandeln und ein Großteil des Basilikums durch Duftrosen
ersetzt wurde.

  • 1 große Handvoll Blütenblätter einer Duftrose (rot ist besonders schön)
  • 1 große Handvoll Basilikumblätter
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL geriebene Mandeln
  • 100 ml Olivenöl
  • 60 g Parmesan
  • 1 TL Meersalz
  • wenn nötig Rosenöl oder Rosenwasser (siehe unten)

Zubereitung: Pesto pronto mit dem Pürierstab

Normalerweise zermahlt man alle Zutaten sorgfältig im Mörser und fügt dabei immer mal wieder so viel Öl hinzu, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Jeder Italiener möge mir verzeihen und mal eben weggucken...Dieses Mal hab ich aus Zeitnot den Pürierstab gezückt und in einen hohen Gefäß alles mit einen Schlag durchgemix. Ging super schnell. Man muss ein wenig acht geben, dass die Konsistenz nicht zu musig wird, sonst sieht das Pesto nicht mehr wirklich appetitlich aus. Nun wird abgeschmeckt und bei Bedarf noch Salz zugefügt.
Rosenblütenpesto auf frischen Baguette oder als Dip für Gemüse oder Kräcker - natürlich
schmeckt es auch vorzüglich zu Nudeln.

Darfs etwas mehr Rose sein?

Die Geschmacksintenistät  nach Rose ist sowohl vom Wetter bei der Ernte als auch von der Rosenart abhängig. Ich hatte schon Rosenblütenpesto, das extrem nach Rose geschmeckt hat, so dass ich den Basilikum- und Käseanteil erhöhen musste, aber hatte auch schon welches gemacht, dass so gut wie gar nicht nach Rose mundete.  Hier kann man  im Pesto mit  1-2 Tropfen Rosenöl* oder 1-2 TL Rosenwasser* nachhelfen und den Geschmack intensivieren. Beides gibt es im Reformhaus oder im Internet. Rosenwasser ist weitaus billiger als Rosenöl. Bei letzterem muss man wirklich drauf achten, dass nur ätherisches Öl enthalten ist und keine Zusätze. Primavera hat, was Öle betrifft, zwar hohe Preise, aber auch einen exzellenten Ruf. Ich traue mich nur bei wenigen Anbietern die ätherischen Öle zum Aromatisieren von Gerichten einzusetzten, Primavera ist ein solcher.  Man muss das Öl aber wirklich extrem sparsam dosieren, damit das Pesto nicht zu "seifig" schmeckt. Rosenwassern ist, was die Intensität des Geschmacks betrifft, "harmloser", erhöht aber den Wasseranteil im Pesto. Wer sein Pesto umgehend verbraucht, den wird das nicht weiter stören. Wer es aber mit Öl bedeckt ein paar Tage im Kühlschrank lagern muss (weil er nicht alles aufessen kann oder auch weil er das Pesto verschenken möchte), der sollte lieber Rosenöl verwenden, denn ein zu hoher Wasseranteil senkt die Haltbarkeit. Rosenöl und Rosenwasser sind in ihren Fläschchen recht lange haltbar. Da habt ihr noch bis Weihnachten etwas von.
Im Kühlschrank mit einer Schicht Olivenöl übergossen halten sich Rest des Pestos etwa 3-4 Wochen. Aber lieber weniger herstellen und schnell aufessen.

Rosenblütenpesto schmeckt zu Nudeln, zu frischem Baguette und zu allerlei Fingerfood. Es ist mit Sicherheit ein Pesto, dass als Mitbringsel immer für Aufsehen sorgt und neugierige Blicke auf sich zieht. Die Rose ist eben edel. Aber ich bin der Meinung, dass man sich hin und wieder mal selbst mit solchen Leckerei verwöhnen darf  :-)

*beide Affiliate-Links führen Euch zu Amazon.


Zu schön zum Verschenken. Warum sich nicht mal selbst mit einen Rosenblütenpesto verwöhnen :-)

Samstag, 20. Juni 2015

Blumige Nudelkunst oder das Auge isst mit (und hier wird es auch satt)

Dies fällt unter die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht, aber dennoch wunderschön sind". Bilder solcher "Blumen-Nudeln" kursieren im Internet. Ich war mal wieder neugierig: Wie schwer ist es, so was nachzumachen? Wieviele Fehlversuche braucht man?  Was geht leicht, was nicht? Welcher Nudelteig eignet sich? Und vor allem: Wie sehen so wunderschöne Nudeln nach dem Kochen aus? Was passiert dann mit der blumigen Kunst?

Denn das Auge isst mit: So schön können Nudeln sein.

Grundrezept für die Nudeln nach Mamma mia:

1 Ei auf 100 g Mehl. Basta.

Die Eier werden zuerst mit einer Gabel unter die entsprechende Menge Mehl  gerührt, dann gründlich geknetet bis man an die Nudelmaschine gehen kann. Ist der Teig zu trocken: etwas Wasser zufügen. Ist er zu feucht, kommt etwas Mehl hinzu. Der Teig darf nicht kleben und nicht brechen. An der Nudelmaschine müssen die einzelnen Portionen sehr häufig durchgenudelt werden, damit der Teig elastisch wird. Wir hatten 6 Eier und 600 g Mehl in Arbeit.
Die Blütenblätter kommen in der finalen Nudelrunde auf den Teig. Um die (Blüten-)Blättern zu fixieren wurde die Nudelstärke auf 9 gesetzt (die dünnste Stufe).
Gekocht wird in Salzwasser mit einen Schuss Olivenöl. Also vom Rezept her nichst Spektakuläres.
Sieht ja noch recht aufgeräumt aus. Das Versuchmaterial liegt bereit, die ersten Probekurbelrunden
waren erfolgreich.

Als Pflanzenmaterial für Nudel-Kunst geeignet (eine Auswahl)

Nur mal Grünzeug: Rucola, Beifuß, Brennnessel
  • junge Rucola-Blätter
  • junge Brennnesselblätter
  • junge Gierschblätter
  • junge Pimpernellenblätter
  • Malvenblütenblätter
  • Nachtkerzenblütenblätter
  • Ringelblumenblütenblätter
  • Veilchenblütenblätter
  • Rosenblütenblätter
  • Gänsefingerkraut-Blättchen
  • Dillblättchen
Je feiner und filigraner, desto schöner.

Einmal duchnudeln - das reicht nicht, da und dort heben sich
die Blätter von den Nudeln ab. Beim Trocknen werden die
Pfanzen an solchen Stellen unansehlich und brüchig. Also
nochmal durchnudeln.
Weniger geeignet: Taglilienblütenblätter, Kapuzinerblütenblätter und alles was zu dick, fleischig oder fasrig ist. Junge Gundermannblätter kann man verwenden, die älteren schon nicht mehr.

Das Kunstwerk im Kochtopf

Im Kochtopf gehen die  leuchtenden Farben verloren. Einzig meine geliebte grüne Brennnessel sticht noch hervor. Hab ich schon erwähnt,  dass ich Brennnessel liebe? Je mehr ich mich mit den garstigen Monstern befasse, desto mehr bin ich ein Fan von ihnen. Hier punkten sie nun auch mit ihrer Unverwüstlichkeit und ihrer schönen Optik. Die anderen Pflanzen erkennt man kaum mehr. (Das Bild ist weiter untern).

Mein Fazit der Aktion "Nudel-Kunst mit Unkraut"

Die Taglilien-Blütenblätter zerlegt die Nudelmaschine in ihre
Fasern. Spannend, aber für Nudeln ungeeignet.

Rosa Nachtviolen-Blütenblätter und Rucola. Hübsch.
Solch wunderschön anzusehenden Nudeln sind ein perfektes Geschenk für Leute, die schon alles haben und die sich über Selbstgemachtes und die darin investierte Zeit erfreuen, oder für Menschen, die eine ganz besondere Portion Liebe benötigen.  Ich selbst war bei der Aktion zwischen Freud und Leid.
Auf der einen Seite hat es natürlich wahnsinnig Spaß gemacht, herumzuprobieren, zu schauen, welche Pflanzen sich "durchnudeln" lassen, und welche nicht so geeignet sind. Meine Jungs düsten durch den Garten und kamen mit immer neuen Blüten und Blättern an: "Mama, das mal probieren." Beim Gras war dann aber Schluss. Die ganze Aktion hat uns mal wieder einen ganzen Nachmittag beschäftigt.
Die ersten 3 Minuten im Topf. Noch sieht es gut aus, aber die
Farben verblassen immer mehr.
Für das Titelfoto dieses Beitrags kann man etwa noch ein Drittel bis die doppelte Menge an Nudeln dazu rechnen, die nichts geworden sind: Entweder wurde der Teig zu matschig, wie bei den saftigen Taglilien, oder der Teig ist zu schnell beim Durchnudeln zerrissen, weil die Mittelrippe der Blätter zu derb bzw. dick war (wie beim Beifuß). Auch ungrade Ränder die abgeschnitten werden mussten, zähle ich dazu. Ebenso haben die Blätter nicht immer beim ersten Mal an den Nudeln gehalten, vor allem als wir dickere Nudelstärken ausprobiert haben. Auch haben wir versucht sie in den Teig zu integireren (indem wir sie zwischen 2 Teigschichten gepackt hatten), aber da war das Ergebnis zu blass und der Aufwand nicht gerechtfertig. Wie haben die Nudeln dann meist zwei Mal durchgedreht: Das erste Mal um die Blätter mehr oder minder zu fixieren, das zweite mal bei der dünnsten Stärke, um die Blätter ganz in den Nudelteig zu pressen. Auch dabei gab es natürlich Missgeschicke und aus so manch schöner Nudel wurde ein Verkehrsunfall. Die Unfälle und Fehlversuche landeten dann ebenfalls im Nudeltopf mit der Mama-Portion (ich hatte wohl die größte :-)) . Die Kinder wollten natürlich nur die schönsten Exemplare.
Leider lassen sich solche Nudeln nicht gut mit der Schneidvorrichtung der Nudelmaschine schneiden (jedenfalls nicht mit meinem Einfach-Nudelmaschinchen). Deswegen wurden alle Nudeln per Hand und einen Messer geschnitten. Der Vorteil: Man kann sich schöne Stücke raussuchen und präzise schneiden. Der Nachteil: Mamma mia! Was für eine Arbeit! Für 4 Personen steht man ewig in der Küche! Nach 3 Stunden durchgenudel hatten wir dann alle keine recht Lust mehr. Ich hab dann kurzerhand noch eine Nudelportion ohne Verziehrung durchgeleiert und war froh, als ich mich ans Aufräumen begeben konnte. Was für ein Akt.
Soße? Nein, keine Soße! Da sieht man ja nichst mehr. Diese Nudeln isst man Aglio e olio: Mit zerdrücktem Knoblauch und Olivenöl. Ironie des Schicksals: Meine Jungs kippten natürlich Tomatensoße drüber. Ähm....hattet ihr nicht die schönsten Nudeln?

Seht ihr die Brennnessel? Die lässt mich nie im Stich! Dazu am besten: Aglio e olio,
also nur Olivenöl und Knoblauch.

 

Die Wildkräuter-Alibi-Nudel, die Nudelstärke und die Farbe

Die Brennnessel mal wieder: Sie entpuppte sich hier
einmal mehr als mein absoluter Favorit.
Insgesamt ist mir zu wenig Wildkraut in diesen Nudeln. Es sind sozusagen  "Alibi-Nudeln" nach dem Motto: "Aber da waren doch 3 Blätter Brennnessel drin....".  Beim nächsten Mal, werde ich ganze Brennnesselblätter auf die ohnehin schon grünen Brennnesselnudeln legen und diese durchzunudeln. Ob man einen Unterschied zwischen "normal grünen Nudeln" und den Dekoblättern sehen wird?  Ich werde euch berichen.
Ich mag Nudeln so dünn wie es geht, weil die einfach fix fertig sind. Deswegen habe ich die Einstellung der Nudelstärke auf die dünnste Nudeldicke gestellt. Die Nudeln die man im Internet in dieser Version findet, haben meist einen Gang durch die Nudelmaschine bei Stufe 6 hinter sich, manchmal auch 7 (als mittel bis grad so dünn). Dadurch werden die Blüten nicht  durch die Quetschung "verzerrt", aber die Blüten trocknen dann innerhalb der Nudel und verändern ihre Farbe. Das fand ich schade. Auch deswegen war ich mit der dünnsten Einstellung  sehr zufrieden. Die (Blüten-)Blätter wurden dadurch zwar in die Länge gewalzt, trockneten aber binnen 2-3 Stunden in der Sonne vollständig und behielten auch 2 Tage später noch ihre kräftige Farbe (was mich vor allem bei den Malvenblüten und Rucola-Blättern sehr gefreut hat). Mit 10 Minuten Garzeit sind die Nudeln gleichmäßig durch. Schmecken tut man die grüne/bunte Pracht nicht, aber das Auge isst ja mit, und so fallen diese Nudeln mal wieder  unter die Kategorie "Seelennahrung". Irgendwie waren sich alle einig: Dies war das schönste Nudelgericht ever.
Die Malvenbüten machten aber auch eine gute Figur auf den Nudeln.
Leider verliehren sie beim Kochen fast ganzlich die Farbe.
Nudeln zu schön zum Essen.